athāta ātreyabhadrakāpyīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel „Ātreyabhadrakāpyīya“ erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Kapitel 26 gilt als eines der pharmakologisch wichtigsten der gesamten Caraka-Saṃhitā: In einer weiteren Weisenversammlung im Caitraratha-Wald wird zunächst über die Anzahl der Geschmäcker (rasa) gestritten, bis Ātreya die kanonische Sechserlehre – süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb-adstringierend – begründet und deren Entstehung aus den fünf Elementen sowie ihre systemischen Wirkungen auf die Doṣas darlegt. Darauf aufbauend entwickelt das Kapitel das vollständige begriffliche Werkzeug der ayurvedischen Pharmakologie: Rasa, Vipāka (Nachverdauungswirkung), Vīrya (Wirkkraft) und Prabhāva (spezifische, nicht durch die anderen Kategorien erklärbare Wirkung) – ein Modell, das bis in die spätere Aṣṭāṅgahṛdaya-Tradition prägend blieb. Ausführlich behandelt wird zudem die Lehre von unverträglichen Speisenkombinationen (viruddha āhāra), etwa Fisch mit Milch oder erhitzter Honig. Botanisch dient das Kapitel als Referenzpunkt für unzählige spätere Einzelbeschreibungen, von Guḍūcī über Citraka bis zu Āmalaka.
| Rasa | Haupteigenschaften | Nutzen (in Maßen) | Folgen bei Übermaß |
|---|---|---|---|
| madhura (süß) | ölig, kalt, schwer | Nährt Gewebe, Kraft, Hautfarbe; lebensverlängernd; besänftigt pitta und vāta | Fettleibigkeit, Trägheit, Verdauungsschwäche, Kropf, Verklebung der Kanäle |
| amla (sauer) | leicht, heiß, ölig | Regt Verdauungsfeuer an, stärkt, erfrischt das Herz, löst kapha | Stumpfe Zähne, Durst, Blutverderbnis, Ödeme, Entzündungen von Wunden |
| lavaṇa (salzig) | schwer(mäßig), ölig, heiß | Verdaut, öffnet die Kanäle, löst Blockaden und Verklumpungen, vertreibt vāta | Erregt pitta, Durst, Zahnlockerung, Hautkrankheiten, Blutungen (lohitapitta) |
| kaṭu (scharf) | leicht, heiß, trocken | Reinigt Mund, regt Verdauungsfeuer an, tötet Würmer, schärft Sinne | Schädigt Zeugungskraft, Erschöpfung, Ohnmacht, vāta-Störungen wie Schwindel, Zittern, Krämpfe |
| tikta (bitter) | trocken, kalt, leicht | Vertreibt Gift, Würmer, Juckreiz, Fieber; regt Verdauung an | Trocknet die Gewebe aus, Kraftverlust, Abmagerung, vāta-Störungen |
| kaṣāya (herb-adstringierend) | trocken, kalt, schwer | Zieht zusammen, fördert Wundheilung, stopft, beruhigt kapha/pitta/Blut | Mundtrockenheit, Blähung, Zurückhalten von vāta/Urin/Kot, Lähmung, Krämpfe, Tetanus-artige Störungen |
| Kombination | Folge |
|---|---|
| Fisch (besonders cilicima) + Milch | Blutstörungen, Verstopfung der Körperkanäle, im schlimmsten Fall Tod |
| Fleisch + Honig, Sesam, Rohrzucker, Milch, Bohnen, Rettich, Lotoswurzel oder gekeimtes Getreide | Taubheit, Blindheit, Zittern, Stammeln, Stummheit, Schielen, im schlimmsten Fall Tod |
| Saures (jede Art) + Milch | Generell als unverträglich genannt |
| Honig + Ghee zu gleichen Teilen | Unverträglich |
| Erhitzter Honig | Führt zum Tod |
| Pfauenfleisch, an Rizinusspieß gebraten oder mit Rizinusöl zubereitet | Tötet unmittelbar |
| Milchreis, mit Buttermilchgetränk nachgetrunken | Erregt kapha übermäßig |
| In Senföl gebratener hāridraka-Vogel | Erregt pitta übermäßig |
athāta ātreyabhadrakāpyīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel „Ātreyabhadrakāpyīya“ erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der ehrwürdige Ātreya.
ātreyo bhadrakāpyaśca śākunteyastathaiva ca| pūrṇākṣaścaiva maudgalyo hiraṇyākṣaśca kauśikaḥ
Ātreya und Bhadrakāpya, ebenso Śākunteya, Pūrṇākṣa Maudgalya und Hiraṇyākṣa Kauśika,
yaḥ kumāraśirā nāma bharadvājaḥ sa cānaghaḥ| śrīmān vāryovidaścaiva rājā matimatāṃ varaḥ
der makellose Bharadvāja mit Namen Kumāraśiras, der glanzvolle Vāryovida, ein König und Bester unter den Weisen,
nimiśca rājā vaideho baḍiśaśca mahāmatiḥ| kāṅkāyanaśca bāhlīko bāhlīkabhiṣajāṃ varaḥ
König Nimi aus Videha, der hochweise Baḍiśa, sowie Kāṅkāyana aus Bāhlīka, der Beste der Ärzte des Bāhlīka-Landes –
ete śrutavayovṛddhā jitātmāno maharṣayaḥ| vane caitrarathe ramye samīyurvijihīrṣavaḥ
diese an Wissen und Jahren ehrwürdigen, selbstbeherrschten großen Seher kamen, der Erholung willens, im lieblichen Caitraratha-Wald zusammen.
teṣāṃ tatropaviṣṭānāmiyamarthavatī kathā| babhūvārthavidāṃ samyagrasāhāraviniścaye
Als sie dort versammelt saßen, entstand unter diesen Kennern der Wahrheit ein bedeutsames Gespräch über die rechte Bestimmung der Nahrungs-rasas (Geschmäcker).
eka eva rasa ityuvāca bhadrakāpyaḥ, yaṃ pañcānāmindriyārthānāmanyatamaṃ jihvāvaiṣayikaṃ bhāvamācakṣate kuśalāḥ, sa punarudakādananya iti| dvau rasāviti śākunteyo brāhmaṇaḥ, chedanīya upaśamanīyaśceti| trayo rasā iti pūrṇākṣo maudgalyaḥ, chedanīyopaśamanīyasādhāraṇā iti| catvāro rasā iti hiraṇyākṣaḥ kauśikaḥ, svādurhitaśca svādurahitaścāsvādurhitaścāsvādurahitaśceti| pañca rasā iti kumāraśirā bharadvājaḥ, bhaumaudakāgneyavāyavyāntarikṣāḥ| ṣaḍrasā iti vāryovido rājarṣiḥ, gurulaghuśītoṣṇasnigdharūkṣāḥ| sapta rasā iti nimirvaidehaḥ, madhurāmlalavaṇakaṭutiktakaṣāyakṣārāḥ| aṣṭau rasā iti baḍiśodhāmārgavaḥ,madhurāmlalavaṇakaṭutiktakaṣāyakṣārāvyaktāḥ| aparisaṅkhyeyā rasā iti kāṅkāyano bāhlīkabhiṣak, āśrayaguṇakarmasaṃsvādaviśeṣāṇāmaparisaṅkhyeyatvāt
Nur ein einziger rasa gibt es, sagte Bhadrakāpya – jener eine, den die Kundigen als eines der fünf Sinnesobjekte bezeichnen, das der Zunge eigen (gustatorisch) ist; er ist ja nichts anderes als Wasser. Zwei rasas gibt es, sagte der Brahmane Śākunteya: den durchschneidenden (chedanīya) und den beruhigenden (upaśamanīya). Drei rasas gibt es, sagte Pūrṇākṣa Maudgalya: den durchschneidenden, den beruhigenden und den gemeinsamen, der beides zugleich bewirkt. Vier rasas gibt es, sagte Hiraṇyākṣa Kauśika: den schmackhaften und zuträglichen, den schmackhaften und unzuträglichen, den unschmackhaften und zuträglichen sowie den unschmackhaften und unzuträglichen. Fünf rasas gibt es, sagte Kumāraśiras Bharadvāja: den erdigen, den wässrigen, den feurigen, den luftigen und den vom Raum (ākāśa) stammenden. Sechs rasas gibt es, sagte der königliche Weise Vāryovida: den schweren, den leichten, den kalten, den heißen, den öligen und den trockenen. Sieben rasas gibt es, sagte Nimi von Videha: süß (madhura), sauer (amla), salzig (lavaṇa), scharf (kaṭu), bitter (tikta), herb-adstringierend (kaṣāya) und alkalisch (kṣāra). Acht rasas gibt es, sagte Baḍiśa, der Nachkomme des Dhāmārgava: die genannten sieben und dazu den unmanifesten (avyakta). Unzählbar viele rasas gibt es, sagte Kāṅkāyana, der Arzt aus Bāhlīka, denn die Besonderheiten von Substrat, Eigenschaft, Wirkung und Geschmacksnuance sind unzählbar.
ṣaḍeva rasā ityuvāca bhagavānātreyaḥ punarvasuḥ, madhurāmlalavaṇakaṭutiktakaṣāyāḥ| teṣāṃ ṣaṇṇāṃ rasānāṃ yonirudakaṃ, chedanopaśamane dve karmaṇī, tayormiśrībhāvāt sādhāraṇatvaṃ, svādvasvādutā bhaktiḥ, hitāhitau prabhāvau, pañcamahābhūtavikārāstvāśrayāḥ prakṛtivikṛtivicāradeśakālavaśāḥ, teṣvāśrayeṣu dravyasañjñakeṣu guṇā gurulaghuśītoṣṇasnigdharūkṣādyāḥ; kṣaraṇāt kṣāraḥ,nāsau rasaḥ dravyaṃ tadanekarasasamutpannamanekarasaṃ kaṭukalavaṇabhūyiṣṭhamanekendriyārthasamanvitaṃ karaṇābhinirvṛttam; avyaktībhāvastu khalu rasānāṃ prakṛtau bhavatyanurase'nurasasamanvite vā dravye; aparisaṅkhyeyatvaṃ punasteṣāmāśrayādīnāṃ bhāvānāṃ viśeṣāparisaṅkhyeyatvānna yuktam, ekaiko'pi hyeṣāmāśrayādīnāṃ bhāvānāṃ viśeṣānāśrayate viśeṣāparisaṅkhyeyatvāt, na ca tasmādanyatvamupapadyate; parasparasaṃsṛṣṭabhūyiṣṭhatvānna caiṣāmabhinirvṛtterguṇaprakṛtīnāmaparisaṅkhyeyatvaṃ bhavati; tasmānna saṃsṛṣṭānāṃ rasānāṃ karmopadiśanti buddhimantaḥ| taccaiva kāraṇamapekṣamāṇāḥ ṣaṇṇāṃ rasānāṃ paraspareṇāsaṃsṛṣṭānāṃ lakṣaṇapṛthaktvamupadekṣyāmaḥ
Genau sechs rasas gibt es, sagte der ehrwürdige Ātreya Punarvasu: süß, sauer, salzig, scharf, bitter und herb-adstringierend. Der Ursprung dieser sechs rasas ist das Wasser; das Durchschneiden und das Beruhigen sind ihre beiden Wirkweisen, und aus deren Vermischung ergibt sich die gemeinsame Wirkung; Schmackhaftigkeit und Unschmackhaftigkeit sind ihre Ausprägung (bhakti), Zuträglichkeit und Unzuträglichkeit ihre besonderen Kräfte (prabhāva); die Umwandlungsprodukte der fünf Grobelemente aber sind ihre Substrate, abhängig von ursprünglicher und veränderter Beschaffenheit, von Betrachtung, Ort und Zeit. In diesen Substraten, die man als dravya (Substanz) bezeichnet, liegen die Eigenschaften (guṇa) wie schwer, leicht, kalt, heiß, ölig, trocken usw. Der kṣāra (das Alkalische) entsteht durch Ausscheidung (kṣaraṇa) – er ist selbst kein rasa; eine Substanz, die aus mehreren rasas entstanden ist, ist mehrrasig, meist von scharfem und salzigem Übergewicht, mit mehreren Sinnesobjekten verbunden und durch Zubereitung hervorgebracht. Ein Nicht-Manifestwerden der rasas tritt dagegen ein, wenn eine Substanz von Natur aus einen schwachen Nebengeschmack (anurasa) hat oder von einem solchen begleitet wird. Dass jene Substrate usw. unzählbar seien, ist jedoch nicht richtig anzunehmen: Zwar trägt jedes einzelne dieser Substrate seine eigenen, unzählbaren Besonderheiten, doch folgt daraus keine Verschiedenheit der rasas selbst; und weil diese Eigenschaften und Ursprungsstoffe meist miteinander vermischt entstehen, sind auch sie nicht unzählbar. Deshalb lehren die Weisen die Wirkung vermischter rasas nicht gesondert. Eben diesen Grund im Blick, werden wir nun die jeweils eigene Bestimmung der sechs, voneinander unvermischten rasas darlegen.
agre tu tāvaddravyabhedamabhipretya kiñcidabhidhāsyāmaḥ| sarvaṃ dravyaṃ pāñcabhautikamasminnarthe; taccetanāvadacetanaṃ ca, tasya guṇāḥ śabdādayo gurvādayaśca dravāntāḥ, karma pañcavidhamuktaṃ vamanādi
Zunächst aber wollen wir, mit Blick auf die Einteilung der Substanzen, einiges dazu sagen: Jede Substanz besteht in diesem Zusammenhang aus den fünf Grobelementen (pañcabhautika); sie ist entweder belebt (mit Bewusstsein) oder unbelebt. Ihre Eigenschaften sind Klang usw. sowie schwer usw. bis hin zu flüssig; ihre Wirkung wird als fünffach genannt: Erbrechen erregend usw.
mṛdulaghusūkṣmaślakṣṇaśabdaguṇabahulānyākāśātmakāni, tāni mārdavasauṣiryalāghavakarāṇi
Die vom Raum (ākāśa) geprägten Substanzen sind reich an den Eigenschaften weich, leicht, fein, glatt und Klang; sie bewirken Weichheit, Porosität (Hohlraumbildung) und Leichtigkeit.
tāṃ tāṃ yuktimarthaṃ ca taṃ tamabhipretya
– jeweils mit Blick auf die entsprechende Wirkweise und den jeweiligen Zweck.
na tu kevalaṃ guṇaprabhāvādeva dravyāṇi kārmukāṇi bhavanti; dravyāṇi hi dravyaprabhāvādguṇaprabhāvāddravyaguṇaprabhāvācca tasmiṃstasmin kāle tattadadhikaraṇamāsādya tāṃ tāṃ ca yuktimarthaṃ ca taṃ tamabhipretya yat kurvanti, tat karma; yena kurvinti, tadvīryaṃ; yatra kurvanti, tadadhikaraṇaṃ; yadā kurvanti, sa kālaḥ; yathā kurvanti, sa upāyaḥ; yat sādhayanti, tat phalam
Doch werden Substanzen nicht allein aufgrund der Kraft ihrer Eigenschaft wirksam; vielmehr bewirken Substanzen, indem sie kraft der Substanz selbst, kraft ihrer Eigenschaft oder kraft von Substanz und Eigenschaft zusammen, zu gegebener Zeit ein bestimmtes Substrat erreichen und dabei die jeweilige Wirkweise und den jeweiligen Zweck im Blick haben, das, was sie bewirken – dies ist ihr karma (Wirkung); wodurch sie es bewirken, ist ihr vīrya (Wirkkraft); worin sie es bewirken, ist das adhikaraṇa (Substrat); wann sie es bewirken, ist die Zeit; wie sie es bewirken, ist das upāya (Mittel); was sie erzielen, ist die Frucht (phala).
bhedaścaiṣāṃ triṣaṣṭividhavikalpo dravyadeśakālaprabhāvādbhavati, tamupadekṣyāmaḥ
Ihre Unterteilung in dreiundsechzigfacher Weise ergibt sich aus der Kraft von Substanz, Ort und Zeit; diese werden wir nun lehren.
svāduramlādibhiryogaṃ śeṣairamlādayaḥ pṛthak| yānti pañcadaśaitāni dravyāṇi dvirasāni tu
Süß verbindet sich mit sauer usw., ebenso verbinden sich sauer usw. je gesondert mit den übrigen – so ergeben sich fünfzehn Substanzen mit zwei rasas.
pṛthagamlādiyuktasya yogaḥ śeṣaiḥ pṛthagbhavet| madhurasya tathā'mlasya lavaṇasya kaṭostathā
Für jeden, der mit sauer usw. je gesondert verbunden ist, ergibt sich eine eigene Verbindung mit den übrigen – so auch für süß, für sauer, für salzig und für scharf.
trirasāni yathāsaṅkhyaṃ dravyāṇyuktāni viṃśatiḥ| vakṣyante tu catuṣkeṇa dravyāṇi daśa pañca ca
So werden der Reihe nach zwanzig Substanzen mit drei rasas genannt; mit vier rasas aber werden fünfzehn Substanzen dargelegt werden.
svādvamlau sahitau yogaṃ lavaṇādyaiḥ pṛthaggatau| yogaṃ śeṣaiḥ pṛthagyātaścatuṣkarasasaṅkhyayā
Süß und sauer, vereint, gehen je gesondert eine Verbindung mit salzig usw. ein; ebenso gehen [die übrigen] je gesondert eine Verbindung mit den restlichen ein – entsprechend der Zahl von vier rasas.
sahitau svādulavaṇau tadvat kaṭvādibhiḥ pṛthak| yuktau śeṣaiḥ pṛthagyogaṃ yātaḥ svādūṣaṇau tathā
Ebenso gehen süß und salzig, vereint, je gesondert eine Verbindung mit scharf usw. ein; verbunden [mit je zweien] gehen sie je gesondert eine Verbindung mit den übrigen ein – so auch süß und scharf.
kaṭvādyairamlalavaṇau saṃyuktau sahitau pṛthak| yātaḥ śeṣaiḥ pṛthagyogaṃ śeṣairamlakaṭū tathā
Sauer und salzig, miteinander vereint, gehen je gesondert mit scharf usw. eine Verbindung ein; ebenso gehen [je gesondert] mit den übrigen sauer und scharf eine Verbindung ein.
yujyate tu kaṣāyeṇa satiktau lavaṇoṣaṇau ṣaṭ tu pañcarasānyāhurekaikasyāpavarjanāt
Und mit kaṣāya (herb-adstringierend) verbinden sich zugleich bitter, salzig und scharf [in verschiedenen Kombinationen]; sechs Substanzen mit fünf rasas aber nennt man, indem man jeweils einen rasa ausschließt.
ṣaṭ caivaikarasāni syurekaṃ ṣaḍrasameva tu iti triṣaṣṭirdravyāṇāṃ nirdiṣṭā rasasaṅkhyayā
Sechs Substanzen gibt es sodann mit nur einem rasa, und eine mit allen sechs rasas zugleich – so sind dreiundsechzig Substanzen nach der Zahl ihrer rasas dargelegt.
triṣaṣṭiḥ syāttvasaṅkhyeyā rasānurasakalpanāt | rasāstaratamābhyāṃ tāṃ saṅkhyāmatipatanti hi
Diese Dreiundsechzig wären jedoch eigentlich unzählbar, wenn man Haupt- und Nebengeschmack (rasa und anurasa) mitrechnete, denn durch die Abstufungen von stärker und schwächer übersteigen die rasas diese Zahl.
saṃyogāḥ saptapañcāśat kalpanā tu triṣaṣṭidhā| rasānāṃ tatra yogyatvāt kalpitā rasacintakaiḥ
Siebenundfünfzig sind die [tatsächlich möglichen] Kombinationen, doch die Einteilung erfolgt in dreiundsechzigfacher Weise; dies haben die Kenner der rasas so festgelegt, weil es der Sache der rasas angemessen ist.
kvacideko rasaḥ kalpyaḥ saṃyuktāśca rasāḥ kvacit| doṣauṣadhādīn sañcintya bhiṣajā siddhimicchatā
Bisweilen ist ein einzelner rasa anzusetzen, bisweilen mehrere rasas in Verbindung – dies soll der Arzt, der Heilerfolg wünscht, unter Berücksichtigung von doṣa, Heilmittel usw. entscheiden.
dravyāṇi dvirasādīni saṃyuktāṃśca rasān budhāḥ| rasānekaikaśo vā'pi kalpayanti gadān prati
Substanzen mit zwei oder mehr rasas, verbundene rasas oder auch rasas einzeln nacheinander setzen die Weisen im Hinblick auf die jeweilige Krankheit ein.
yaḥ syādrasavikalpajñaḥ syācca doṣavikalpavit| na sa muhyedvikārāṇāṃ hetuliṅgopaśāntiṣu
Wer die Varianten der rasas kennt und auch die Varianten der doṣas kennt, der wird bei Ursache, Symptom und Heilung der Krankheiten nicht in Verwirrung geraten.
vyaktaḥ śuṣkasya cādau ca raso dravyasya lakṣyate| viparyayeṇānuraso raso nāsti hi saptamaḥ
Der [Haupt-]rasa einer Substanz zeigt sich deutlich, auch schon zu Beginn beim Trocknen; umgekehrt [erkennt man] den anurasa (Nebengeschmack) – einen siebten rasa gibt es nämlich nicht.
parāparatve yuktiśca saṅkhyā saṃyoga eva ca| vibhāgaśca pṛthaktvaṃ ca parimāṇamathāpi ca
Höher- und Geringersein (parāparatva), Anwendung (yukti), Zahl (saṅkhyā), Vereinigung (saṃyoga), Trennung (vibhāga), Verschiedenheit (pṛthaktva) sowie Maß (parimāṇa),
saṃskāro'bhyāsa ityete guṇā jñeyāḥ parādayaḥ| siddhyupāyāścikitsāyā lakṣaṇaistān pracakṣmahe
Zubereitung (saṃskāra) und Gewöhnung (abhyāsa) – dies sind die als „parā usw.“ bekannten Eigenschaften, die Mittel zum Gelingen der Heilkunst; wir werden sie nun mit ihren Merkmalen erläutern.
deśakālavayomānapākavīryarasādiṣu| parāparatve, yuktiśca yojanā yā tu yujyate
Höher- und Geringersein bezieht sich auf Ort, Zeit, Lebensalter, Maß, Zubereitung/Reifung, Wirkkraft, rasa usw.; yukti aber ist die Anwendung, die jeweils passend eingesetzt wird.
saṅkhyā syādgaṇitaṃ, yogaḥ saha saṃyoga ucyate| dravyāṇāṃ dvandvasarvaikakarmajo'nitya eva ca
Zahl (saṅkhyā) ist das Berechnete; Verbindung (yoga) nennt man das Zusammensein (saṃyoga); es entsteht aus dem gemeinsamen Wirken zweier, aller oder auch nur eines Stoffes und ist nicht von Dauer.
vibhāgastu vibhaktiḥ syādviyogo bhāgaśo grahaḥ| pṛthaktvaṃ syādasaṃyogo vailakṣaṇyamanekatā
Trennung (vibhāga) aber ist die Aufteilung, das Sich-Lösen, das stückweise Erfassen; Verschiedenheit (pṛthaktva) ist Nicht-Verbindung, Andersartigkeit, Vielheit.
parimāṇaṃ punarmānaṃ, saṃskāraḥ karaṇaṃ matam| bhāvābhyasanamabhyāsaḥ śīlanaṃ satatakriyā
Maß (parimāṇa) wiederum ist das Messen; Zubereitung (saṃskāra) gilt als das Bewirken/Verarbeiten; Gewöhnung (abhyāsa) ist das wiederholte Tun, die Pflege, die ständig fortgesetzte Handlung.
iti svalakṣaṇairuktā guṇāḥ sarve parādayaḥ| cikitsā yairaviditairna yathāvat pravartate
So sind alle diese Eigenschaften, „parā“ usw., mit ihren eigenen Merkmalen dargelegt, ohne deren Kenntnis die Heilkunst nicht recht vonstattengeht.
guṇā guṇāśrayā noktāstasmādrasaguṇān bhiṣak| vidyāddravyaguṇān karturabhiprāyāḥ pṛthagvidhāḥ
Diese Eigenschaften wurden als Eigenschaften [der Substanzen selbst], nicht als bloß auf [anderen] Eigenschaften beruhend dargestellt; daher soll der Arzt die Eigenschaften der rasas [zugleich] als Eigenschaften der Substanz (dravya) erkennen – die Absichten des Verfassers sind dabei von unterschiedlicher Art.
ataśca prakṛtaṃ buddhvā deśakālāntarāṇi ca| tantrakarturabhiprāyānupāyāṃścārthamādiśet
Daher soll man, nachdem man das vorliegende Thema sowie die Besonderheiten von Ort und Zeit erfasst hat, die Absichten des Verfassers des Lehrwerks, die Mittel und die Sache [entsprechend] darlegen.
ṣaḍvibhaktīḥ pravakṣyāmi rasānāmata uttaram| ṣaṭ pañcabhūtaprabhavāḥ saṅkhyātāśca yathā rasāḥ
Nun werde ich weiter die sechs Einteilungen (vibhakti) der rasas darlegen: wie die sechs rasas, die aus den fünf Elementen entstehen, gezählt werden.
saumyāḥ khalvāpo'ntarikṣaprabhavāḥ prakṛtiśītā laghvyaścāvyaktarasāśca, tāstvantarikṣādbhraśyamānā bhraṣṭāśca pañcamahābhūtaguṇasamanvitā jaṅgamasthāvarāṇāṃ bhūtānāṃ mūrtīrabhiprīṇayanti, tāsu mūrtiṣu ṣaḍabhimūrcchanti rasāḥ
Das Wasser nun, dem Mond (soma) verwandt, entsteht aus dem Luftraum (antarikṣa), ist von Natur aus kalt, leicht und von unmanifestem Geschmack. Während es aus dem Luftraum herabfällt und nachdem es herabgefallen ist, verbindet es sich mit den Eigenschaften der fünf Grobelemente und durchdringt wohltuend die Körper der beweglichen und unbeweglichen Wesen; in diesen Körpern nehmen dann die sechs rasas Gestalt an.
teṣāṃ ṣaṇṇāṃ rasānāṃ somaguṇātirekānmadhuro rasaḥ, pṛthivyagnibhūyiṣṭhatvādamlaḥ, salilāgnibhūyiṣṭhatvāllavaṇaḥ, vāyvagnibhūyiṣṭhatvāt kaṭukaḥ, vāyvākāśātiriktatvāttiktaḥ, pavanapṛthivīvyatirekāt kaṣāya iti| evameṣāṃ rasānāṃ ṣaṭtvamupapannaṃ nyūnātirekaviśeṣānmahābhūtānāṃ bhūtānāmiva sthāvarajaṅgamānāṃ nānāvarṇākṛtiviśeṣāḥ; ṣaḍṛtukatvācca kālasyopapanno mahābhūtānāṃ nyūnātirekaviśeṣaḥ
Von diesen sechs rasas entsteht: durch Überwiegen der Soma-Eigenschaft (Wasser/Mond) der süße rasa; durch Überwiegen von Erde und Feuer der saure; durch Überwiegen von Wasser und Feuer der salzige; durch Überwiegen von Luft und Feuer der scharfe; durch Überwiegen von Luft und Raum der bittere; und durch das Zurücktreten von Luft und Erde der herb-adstringierende (kaṣāya). So erklärt sich das Sechssein dieser rasas aus dem jeweiligen Mangel oder Überschuss der Grobelemente – ebenso wie bei beweglichen und unbeweglichen Wesen die Vielfalt von Farbe und Form [aus solchem Mangel oder Überschuss] entsteht; und weil die Zeit sechs Jahreszeiten hat, erklärt sich auch daraus der jeweilige Mangel oder Überschuss der Grobelemente.
tatrāgnimārutātmakā rasāḥ prāyeṇordhvabhājaḥ, lāghavādutplavanatvāc vāyorūrdhvajvalanatvācca vahneḥ; salilapṛthivyātmakāstu prāyeṇādhobhājaḥ, pṛthivyā gurutvānnimnagatvāccodakasya; vyāmiśrātmakāḥ punarubhayatobhājaḥ
Dabei wirken die von Feuer und Luft geprägten rasas meist nach oben – wegen ihrer Leichtigkeit steigt die Luft auf, und das Feuer brennt nach oben; die von Wasser und Erde geprägten wirken meist nach unten – wegen der Schwere der Erde und weil das Wasser abwärts fließt. Die gemischten aber wirken in beide Richtungen zugleich.
teṣāṃ ṣaṇṇāṃ rasānāmekaikasya yathādravyaṃ guṇakarmāṇyanuvyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Eigenschaften und Wirkungen jedes einzelnen dieser sechs rasas, je nach Substanz, im Einzelnen darlegen.
tatra, madhuro rasaḥ śarīrasātmyādrasarudhiramāṃsamedosthimajjaujaḥśukrābhivardhana āyuṣyaḥ ṣaḍindriyaprasādano balavarṇakaraḥ pittaviṣamārutaghnastṛṣṇādāhapraśamanastvacyaḥ keśyaḥ kaṇṭhyo balyaḥ prīṇano jīvanastarpaṇo bṛṃhaṇaḥ sthairyakaraḥ kṣīṇakṣatasandhānakaro ghrāṇamukhakaṇṭhauṣṭhajihvāprahlādano dāhamūrcchāpraśamanaḥ ṣaṭpadapipīlikānāmiṣṭatamaḥ snigdhaḥ śīto guruśca| sa evaṅguṇo'pyeka evātyarthamupayujyamānaḥ sthaulyaṃ mārdavamālasyamatisvapnaṃ gauravamanannābhilāṣamagnerdaurbalyamāsyakaṇṭhayormāṃsābhivṛddhiṃ śvāsakāsapratiśyāyālasakaśītajvarānāhāsyamādhuryavamathusañjñāsvarapraṇāśagalagaṇḍagaṇḍamālāślīpada- galaśophabastidhamanīgalopalepākṣyāmayābhiṣyandānityevamprabhṛtīn kaphajān vikārānupajanayati (1) amlo raso bhaktaṃ rocayati, agniṃ dīpayati, dehaṃ bṛṃhayati ūrjayati, mano bodhayati, indriyāṇi dṛḍhīkaroti, balaṃ vardhayati, vātamanulomayati, hṛdayaṃ tarpayati, āsyamāsrāvayati, bhuktamapakarṣayati kledayati jarayati, prīṇayati, laghuruṣṇaḥ snigdhaśca| sa evaṅguṇo'pyeka evātyarthamupayujyamāno dantān harṣayati, tarṣayati, sammīlayatyakṣiṇī, saṃvejayati lomāni, kaphaṃ vilāpayati, pittamabhivardhayati, raktaṃ dūṣayati,māṃsaṃ vidahati, kāyaṃ śithilīkaroti, kṣīṇakṣatakṛśadurbalānāṃ śvayathumāpādayati, api ca kṣatābhihatadaṣṭadagdhabhagnaśūnapracyutāvamūtritaparisarpitamarditacchinnabhinnaviśliṣṭodviddhotpiṣṭādīni pācayatyāgneyasvabhāvāt, paridahati kaṇṭhamuro hṛdayaṃ ca (2) lavaṇo rasaḥ pācanaḥ kledano dīpanaścyāvanaśchedano bhedanastīkṣṇaḥ saro vikāsyadhaḥsraṃsyavakāśakaro vātaharaḥ stambhabandhasaṅghātavidhamanaḥ sarvarasapratyanīkabhūtaḥ, āsyamāsrāvayati, kaphaṃ viṣyandayati, mārgān viśodhayati, sarvaśarīrāvayavān mṛdūkaroti, rocayatyāhāram, āhārayogī, nātyarthaṃ guruḥ snigdha uṣṇaśca| sa evaṅguṇo'pyeka evātyarthamupayujyamānaḥ pittaṃ kopayati, raktaṃ vardhayati, tarṣayati, mūrcchayati , tāpayati, dārayati, kuṣṇāti māṃsāni, pragālayati kuṣṭhāni, viṣaṃ vardhayati, śophān sphoṭayati, dantāṃścyāvayati, puṃstvamupahanti, indriyāṇyuparuṇadbhi, valipalitakhālityamāpādayati, api ca lohitapittāmlapittavisarpavātaraktavicarcikendraluptaprabhṛtīnvikārānupajanayati (3) kaṭuko raso vaktraṃ śodhayati, agniṃ dīpayati, bhuktaṃ śoṣayati, ghrāṇamāsrāvayati, cakṣurvirecayati, sphuṭīkarotīndriyāṇi, alasakaśvayathūpacayodardābhiṣyandasnehasvedakledamalānupahanti, rocayatyaśanaṃ, kaṇḍūrvināśayati , vraṇānavasādayati, krimīn hinasti, māṃsaṃ vilikhati, śoṇitasaṅghātaṃ bhinatti, bandhāṃśchinatti, mārgān vivṛṇoti, śleṣmāṇaṃ śamayati, laghuruṣṇo rūkṣaśca| sa evaṅguṇo'pyeka evātyarthamupayujyamāno vipākaprabhāvāt puṃstvamupahanti, rasavīryaprabhāvānmohayanti, glāpayati, sādayati, karśayati, mūrcchayati, namayati, tamayati, bhramayati, kaṇṭhaṃ paridahati, śarīratāpamupajanayati, balaṃ kṣiṇoti, tṛṣṇāṃ janayati; api ca vāyvagniguṇabāhulyādbhramadavathukampatodabhedaiścaraṇabhujapārśvapṛṣṭhaprabhṛtiṣu mārutajān vikārānupajanayati (4) tikto rasaḥ svayamarociṣṇurapyarocakaghno viṣaghnaḥ krimighno mūrcchādāhakaṇḍūkuṣṭhatṛṣṇāpraśamanastvaṅmāṃsayoḥ sthirīkaraṇo jvaraghno dīpanaḥ pācanaḥ stanyaśodhano lekhanaḥ kledamedovasāmajjalasīkāpūyasvedamūtrapurīṣapittaśleṣmopaśoṣaṇo rūkṣaḥ śīto laghuśca| sa evaṅguṇo'pyeka evātyarthamupayujyamāno raukṣyātkharaviṣadasvabhāvācca rasarudhiramāṃsamedosthimajjaśukrāṇyucchoṣayati, srotasāṃ kharatvamupapādayati, balamādatte, karśayati, glapayati, mohayati, bhramayati, vadanamupaśoṣayati, aparāṃśca vātavikārānupajanayati (5) kaṣāyo rasaḥ saṃśamanaḥ saṅgrāhī sandhānakaraḥ pīḍano ropaṇaḥ śoṣaṇaḥ stambhanaḥ śleṣmaraktapittapraśamanaḥ śarīrakledasyopayoktā rūkṣaḥ śīto'laghuśca| sa evaṅguṇo'pyeka evātyarthamupayujyamāna āsyaṃ śoṣayati, hṛdayaṃ pīḍayati, udaramādhmāpayati, vācaṃ nigṛhṇāti, srotāṃsyavabadhnāti, śyāvatvamāpādayati, puṃstvamupahanti, viṣṭabhya jarāṃ gacchati, vātamūtrapurīṣaretāṃsyavagṛhṇāti, karśayati, glapayati, tarṣayati, stambhayati, kharaviśadarūkṣatvāt pakṣavadhagrahāpatānakārditaprabhṛtīṃśca vātavikārānupajanayati
Dabei ist der süße rasa (madhura): dem Körper wesensgemäß zuträglich; er vermehrt rasa (Körpersaft), Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, ojas und Samen; er ist lebensverlängernd, erfrischt die sechs Sinne, verleiht Kraft und Hautfarbe, vertreibt pitta und den ungleichmäßigen vāta, stillt Durst und Brennen, ist gut für Haut, Haar und Kehle, kräftigend, erfreuend, lebenspendend, sättigend, aufbauend (bṛṃhaṇa), festigend, heilt Erschöpfung und Wunden, erquickt Nase, Mund, Kehle, Lippen und Zunge, stillt Brennen und Ohnmacht; er ist Bienen und Ameisen am liebsten, ölig, kalt und schwer. Wird er aber, trotz dieser guten Eigenschaften, allein und im Übermaß genossen, verursacht er Fettleibigkeit, Schwerfälligkeit, Trägheit, übermäßigen Schlaf, Schweregefühl, Appetitlosigkeit, Schwächung des Verdauungsfeuers, Anschwellen von Mund und Kehle, Atemnot, Husten, Schnupfen, alasaka (eine Verdauungsstörung), Kältefieber, Erbrechenreiz, übermäßig süßen Mundgeschmack, Übelkeit, Verlust von Bewusstsein und Stimme, Kropf (galagaṇḍa), Skrofeln (gaṇḍamālā), Elephantiasis (ślīpada), Halsschwellung, Verklebung von Blase, Blutgefäßen und Kehle, Augenkrankheiten sowie Verstopfung der Körperkanäle und ähnliche, durch kapha verursachte Störungen. (1) Der saure rasa (amla) macht die Speise wohlschmeckend, entfacht das Verdauungsfeuer, baut den Körper auf, stärkt ihn, weckt den Geist, festigt die Sinne, mehrt die Kraft, lenkt vāta in die rechte Bahn, erfrischt das Herz, lässt den Mund wässern, löst die genossene Speise auf, befeuchtet und verdaut sie, erfreut; er ist leicht, heiß und ölig. Allein und im Übermaß genossen aber lässt er die Zähne stumpf werden, erregt Durst, lässt die Augen zusammenkneifen, sträubt die Körperhaare, löst kapha auf, vermehrt pitta, verdirbt das Blut, erhitzt („verbrennt“) das Fleisch, macht den Körper schlaff und verursacht bei Geschwächten, Verwundeten, Abgemagerten und Kraftlosen Ödeme; zudem lässt er wegen seiner feurigen Natur Wunden, Verletzungen, Bisse, Verbrennungen, Brüche, Geschwülste, Vorfälle, Ausstülpungen, Verrenkungen, gequetschte, geschnittene, gerissene, ausgerenkte, gestauchte oder zerquetschte Stellen [entzündlich] reifen und eitern, und er verbrennt Kehle, Brust und Herz. (2) Der salzige rasa (lavaṇa) verdaut, befeuchtet, entfacht das Verdauungsfeuer, bringt in Bewegung, schneidet durch, spaltet auf; er ist scharf, durchdringend, löst auf, führt nach unten ab, öffnet die Kanäle, vertreibt vāta, löst Blockaden, Bindungen und Verklumpungen; er ist der Gegenspieler aller [anderen] rasas, lässt den Mund wässern, lässt kapha fließen, reinigt die Kanäle, macht alle Körperteile weich, macht die Speise schmackhaft, fördert die Verdauung; er ist nicht übermäßig schwer, ölig und heiß. Allein und im Übermaß genossen aber erregt er pitta, vermehrt das Blut, verursacht Durst, Ohnmacht, Hitze, Rissigkeit; er zersetzt das Fleisch, löst Hautkrankheiten (kuṣṭha) auf, verstärkt Gift, lässt Schwellungen aufbrechen, lockert die Zähne, schädigt die Zeugungskraft, schwächt die Sinne, verursacht Falten, graues Haar und Haarausfall; zudem ruft er Krankheiten wie Blutungen (lohitapitta), Säure-Blutstörung (amlapitta), Visarpa (wandernde Hautentzündung), vātarakta (Gicht) und juckende Hautausschläge (vicarcikā, indralupta) hervor. (3) Der scharfe rasa (kaṭu) reinigt den Mund, entfacht das Verdauungsfeuer, trocknet die Speise, lässt die Nase laufen, klärt die Augen, schärft die Sinne; er behebt Verdauungsstörung (alasaka), Ödeme, Geschwülste, Hautwucherungen (dardu), Verstopfung der Absonderungswege, Fett, Schweiß und feuchte Ablagerungen; er macht die Speise schmackhaft, vertreibt Juckreiz, reinigt Wunden, tötet Würmer, löst verklumptes Fleisch auf, spaltet geronnenes Blut, löst Bindungen, öffnet die Kanäle, beruhigt śleṣman (kapha); er ist leicht, heiß und trocken. Allein und im Übermaß genossen aber schädigt er kraft seiner Nachverdauungswirkung (vipāka) die Zeugungskraft; kraft der Wirkung von rasa und vīrya betäubt er, erschöpft, entkräftet, mattet ab, lässt ohnmächtig werden, lässt [den Körper] sich beugen, verdunkelt [die Sinne], macht schwindlig, verbrennt die Kehle, erzeugt Körperhitze, mindert die Kraft, erzeugt Durst; zudem verursacht er wegen des Überwiegens von Luft- und Feuer-Eigenschaft vāta-bedingte Störungen wie Schwindel, Zittern, Krämpfe und Stechen in Füßen, Armen, Flanken, Rücken usw. (4) Der bittere rasa (tikta) ist zwar selbst nicht appetitanregend, beseitigt aber Appetitlosigkeit; er vertreibt Gift, tötet Würmer, stillt Ohnmacht, Brennen, Juckreiz, Hautkrankheiten (kuṣṭha) und Durst, festigt Haut und Fleisch, vertreibt Fieber, entfacht das Verdauungsfeuer, fördert die Verdauung, reinigt die Muttermilch, wirkt abschabend (lekhana); er trocknet Feuchtigkeit, Fett, Talg, Mark, Lymphe, Eiter, Schweiß, Urin, Kot sowie pitta und śleṣman ab; er ist trocken, kalt und leicht. Allein und im Übermaß genossen aber trocknet er wegen seiner Trockenheit und seiner rauen, klaren Natur rasa, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark und Samen aus, macht die Kanäle rau, entzieht Kraft, macht mager, mattet ab, betäubt, macht schwindlig, trocknet den Mund aus und ruft weitere vāta-Störungen hervor. (5) Der herb-adstringierende rasa (kaṣāya) beruhigt, zieht zusammen (saṅgrāhī), fördert die Verbindung [von Geweben], drückt zusammen, fördert die Wundheilung, trocknet, hemmt die Bewegung (stambhana), beruhigt śleṣman, Blut und pitta, nimmt die Feuchtigkeit des Körpers auf; er ist trocken, kalt und nicht leicht [also eher schwer]. Allein und im Übermaß genossen aber trocknet er den Mund aus, drückt auf das Herz, bläht den Bauch, hemmt die Sprache, verstopft die Kanäle, verursacht dunkle Hautverfärbung, schädigt die Zeugungskraft, lässt bei Stauung vorzeitig altern, hält vāta, Urin, Kot und Samen zurück, macht mager, mattet ab, erregt Durst, verursacht Steifheit und ruft wegen seiner rauen, klaren und trockenen Natur vāta-Störungen wie Lähmung der Glieder (pakṣavadha), Muskelkrämpfe (graha), Tetanus (apatānaka) und Ardita (Gesichtslähmung) hervor.
ityevamete ṣaḍrasāḥ pṛthaktvenaikatvena vā mātraśaḥ samyagupayujyamānā upakārāya bhavantyadhyātmalokasya, apakārakarāḥ punarato'nyathā bhavantyupayujyamānāḥ; tān vidvānupakārārthameva mātraśaḥ samyagupayojayediti
So sind diese sechs rasas – ob einzeln oder in Verbindung, in rechter Menge und recht angewendet – dem verkörperten Wesen (den Lebewesen) zuträglich; werden sie hingegen anders als dies angewendet, wirken sie schädlich. Der Kundige soll sie daher stets in der rechten Menge und recht anwenden, einzig zum Nutzen [der Wesen].
bhavanti cātra- śītaṃ vīryeṇa yaddravyaṃ madhuraṃ rasapākayoḥ| tayoramlaṃ yaduṣṇaṃ ca yaddravyaṃ kaṭukaṃ tayoḥ
Dazu gibt es folgende [Merkverse]: Eine Substanz, die ihrer Wirkkraft (vīrya) nach kalt ist, ist [meist] auch in Geschmack (rasa) und Nachverdauung (pāka) süß; eine, die heiß ist, ist [dabei entsprechend] sauer; und eine Substanz, die scharf ist, ist [ebenfalls] von jenen [heiß].
teṣāṃ rasopadeśena nirdeśyo guṇasaṅgrahaḥ| vīryato'viparītānāṃ pākataścopadekṣyate
Bei diesen Substanzen, deren [Eigenschaften] hinsichtlich der Wirkkraft nicht widersprüchlich sind, soll die Zusammenfassung ihrer Eigenschaften durch die Angabe des rasa sowie durch die Angabe des pāka (der Nachverdauung) erfolgen.
yathā payo yathā sarpiryathā vā cavyacitrakau| evamādīni cānyāni nirdiśedrasato bhiṣak
So wie bei Milch, wie bei Ghee, oder wie bei Cavya und Citraka – so soll der Arzt auch andere derartige Substanzen nach ihrem rasa bestimmen.
madhuraṃ kiñciduṣṇaṃ syāt kaṣāyaṃ tiktameva ca| yathā mahatpañcamūlaṃ yathā'bjānūpamāmiṣam
Manches Süße kann [dennoch] heiß sein, ebenso manches Herb-Adstringierende und manches Bittere – wie das „große Fünf-Wurzel-Mittel“ (mahat pañcamūla) oder wie das Fleisch von Wasser- und Sumpftieren.
lavaṇaṃ saindhavaṃ noṣṇamamlamāmalakaṃ tathā| arkāguruguḍūcīnāṃ tiktānāmuṣṇamucyate
Steinsalz (saindhava) ist, obwohl salzig, nicht heiß; ebenso ist Āmalaka, obwohl sauer, [nicht heiß]; von den bitteren Mitteln Arka, Aguru und Guḍūcī hingegen sagt man, sie seien heiß.
kiñcidamlaṃ hi saṅgrāhi kiñcidamlaṃ bhinatti ca| yathā kapitthaṃ saṅgrāhi bhedi cāmalakaṃ tathā
Manches Saure wirkt nämlich zusammenziehend, manches Saure hingegen lösend – so wirkt Kapittha (Holzapfel) zusammenziehend, Āmalaka dagegen lösend.
pippalī nāgaraṃ vṛṣyaṃ kaṭu cāvṛṣyamucyate| kaṣāyaḥ stambhanaḥ śītaḥ so'bhayāyāmato'nyathā
Pippalī und Ingwer (nāgara) gelten, obwohl scharf, als aphrodisisch (die Zeugungskraft fördernd), während [anderes] Scharfes als die Zeugungskraft mindernd gilt. Herb-Adstringierendes wirkt [gewöhnlich] hemmend und kalt – bei Abhayā (Terminalia chebula) aber verhält es sich anders.
tasmādrasopadeśena na sarvaṃ dravyāmādiśet| dṛṣṭaṃ tulyarase'pyevaṃ dravye dravye guṇāntaram
Daher soll man nicht jede Substanz allein nach der Angabe ihres rasa bestimmen; man sieht ja, dass selbst bei gleichem rasa von Substanz zu Substanz unterschiedliche Eigenschaften bestehen.
raukṣyāt kaṣāyo rūkṣāṇāmuttamo madhyamaḥ kaṭuḥ| tikto'varastathoṣṇānāmuṣṇatvāllavaṇaḥ paraḥ
Unter den trockenen [rasas] ist kaṣāya wegen seiner Trockenheit der stärkste, kaṭu der mittlere und tikta der geringste; ebenso ist unter den heißen [rasas] lavaṇa wegen seiner Hitze der höchste,
madhyo'mlaḥ kaṭukaścāntyaḥ snigdhānāṃ madhuraḥ paraḥ| madhyo'mlo lavaṇaścāntyo rasaḥ snehānnirucyate
amla der mittlere und kaṭu der letzte [geringste]; unter den öligen [rasas] gilt madhura als der höchste, amla als mittlerer und lavaṇa als der letzte – so wird der rasa hinsichtlich seiner Öligkeit bestimmt.
madhyotkṛṣṭāvarāḥ śaityāt kaṣāyasvādutiktakāḥ | svādurgurutvādadhikaḥ kaṣāyāllavaṇo'varaḥ
Hinsichtlich der Kälte gelten kaṣāya als mittel, madhura als höchst und tikta als geringst. Hinsichtlich der Schwere übertrifft madhura [die übrigen]; lavaṇa ist geringer als kaṣāya.
amlāt kaṭustatastikto laghutvāduttamottamaḥ| kecillaghūnāmavaramicchanti lavaṇaṃ rasam
Nach amla [in der Schwere] folgt kaṭu, dann tikta, das wegen seiner Leichtigkeit das allerleichteste ist; manche aber halten unter den leichten rasas den salzigen (lavaṇa) für den geringsten.
gaurave lāghave caiva so'varastūbhayorapi paraṃ cāto vipākānāṃ lakṣaṇaṃ sampravakṣyate
So gilt lavaṇa sowohl bei der Schwere als auch bei der Leichtigkeit als der geringste unter beiden. Im Weiteren nun wird das Merkmal der vipākas (Nachverdauungswirkungen) dargelegt werden.
kaṭutiktakaṣāyāṇāṃ vipākaḥ prāyaśaḥ kaṭuḥ| amlo'mlaṃ pacyate svādurmadhuraṃ lavaṇastathā
Die Verdauungswirkung (vipāka) von Scharfem (kaṭu), Bitterem (tikta) und Herbem (kaṣāya) ist meist scharf. Saures (amla) verdaut zu Saurem, Süßes (madhura) und ebenso Salziges (lavaṇa) verdauen zu Süßem.
madhuro lavaṇāmlau ca snigdhabhāvāttrayo rasāḥ| vātamūtrapurīṣāṇāṃ prāyo mokṣe sukhā matāḥ
Süß, salzig und sauer – diese drei rasas (Geschmäcker) gelten wegen ihrer öligen (snigdha) Natur meist als förderlich für den leichten Abgang von Wind (vāta), Harn und Kot.
kaṭutiktakaṣāyāstu rūkṣabhāvāttrayo rasāḥ| duḥkhāya mokṣe dṛśyante vātaviṇmūtraretasām
Scharf, bitter und herb dagegen erschweren wegen ihrer trockenen (rūkṣa) Natur den Abgang von Wind, Kot, Harn und Samen (retas).
śukrahā baddhaviṇmūtro vipāko vātalaḥ kaṭuḥ| madhuraḥ sṛṣṭaviṇmūtro vipākaḥ kaphaśukralaḥ
Die scharfe Verdauungswirkung (vipāka) schädigt den Samen, hemmt Kot und Harn und vermehrt vāta. Die süße Verdauungswirkung fördert den Abgang von Kot und Harn und vermehrt kapha und Samen.
pittakṛt sṛṣṭaviṇmūtraḥ pāko'mlaḥ śukranāśanaḥ| teṣāṃ guruḥ syānmadhuraḥ kaṭukāmlāvato'nyathā
Die saure Verdauungswirkung erregt pitta, fördert den Abgang von Kot und Harn und zerstört den Samen. Von diesen ist die süße Wirkung am schwersten (guru); die scharfe und die saure sind dagegen leichter.
vipākalakṣaṇasyālpamadhyabhūyiṣṭhatāṃ prati| dravyāṇāṃ guṇavaiśeṣyāttatra tatropalakṣayet
Ob die Verdauungswirkung nur schwach, mittelmäßig oder stark ausgeprägt ist, soll man je nach den besonderen Eigenschaften (guṇa) der einzelnen Substanzen im jeweiligen Fall erkennen.
mṛdutīkṣṇagurulaghusnigdharūkṣoṣṇaśītalam| vīryamaṣṭavidhaṃ kecit, keciddvividhamāsthitāḥ
Manche lehren, die Wirkkraft (vīrya) sei achtfach: mild und scharf, schwer und leicht, ölig und trocken, heiß und kalt; andere vertreten eine zweifache Einteilung.
śītoṣṇamiti, vīryaṃ tu kriyate yena yā kriyā| nāvīryaṃ kurute kiñcit sarvā vīryakṛtā kriyā
[Diese zweifache Einteilung ist] kalt und heiß. Vīrya ist das, wodurch eine jeweilige Wirkung hervorgebracht wird; nichts wirkt ohne vīrya – jede Wirkung wird durch vīrya bewirkt.
raso nipāte dravyāṇāṃ, vipākaḥ karmaniṣṭhayā| vīryaṃ yāvadadhīvāsānnipātāccopalabhyate
Der rasa einer Substanz zeigt sich beim ersten Kontakt mit der Zunge, der vipāka am Ende der Wirkung; das vīrya hingegen ist von der ersten Berührung an bis zum Abschluss der Wirkung wahrnehmbar.
rasavīryavipākānāṃ sāmānyaṃ yatra lakṣyate| viśeṣaḥ karmaṇāṃ caiva prabhāvastasya sa smṛtaḥ
Wo bei rasa, vīrya und vipāka [zweier Substanzen] Gleichheit besteht, ihre Wirkungen sich aber dennoch unterscheiden, nennt man dies prabhāva – die spezifische Wirkkraft.
kaṭukaḥ kaṭukaḥ pāke vīryoṣṇaścitrako mataḥ| tadvaddantī prabhāvāttu virecayati mānavam
Citraka gilt als scharf im Geschmack, scharf in der Verdauungswirkung und heiß in der Wirkkraft; ebenso verhält es sich mit dantī – doch diese führt den Menschen allein kraft ihres prabhāva zum Abführen.
viṣaṃ viṣaghnamuktaṃ yat prabhāvastatra kāraṇam| ūrdhvānulomikaṃ yacca tat prabhāvaprabhāvitam
Dass manches Gift als giftvernichtend gilt, hat seinen Grund im prabhāva; ebenso beruht das, was zugleich nach oben Erbrechen und nach unten Abführen bewirkt, auf der Kraft des prabhāva.
maṇīnāṃ dhāraṇīyānāṃ karma yadvividhātmakam| tat prabhāvakṛtaṃ teṣāṃ prabhāvo'cintya ucyate
Die vielfältigen Wirkungen der Edelsteine (maṇi), die man am Körper trägt, werden durch prabhāva hervorgerufen; man sagt, prabhāva sei unergründlich (acintya).
samyagvipākavīryāṇi prabhāvaścāpyudāhṛtaḥ| kiñcidrasena kurute karma vīryeṇa cāparam
So wurden rasa, vipāka, vīrya und prabhāva vollständig dargelegt. Manche Wirkung entfaltet eine Substanz durch ihren rasa, eine andere durch ihr vīrya,
dravyaṃ guṇena pākena prabhāveṇa ca kiñcana| rasaṃ vipākastau vīryaṃ prabhāvastānapohati
manche durch ihren guṇa, manche durch ihren pāka (die Verdauungswirkung) und manche durch ihren prabhāva. Der vipāka überwindet den rasa, das vīrya überwindet beide, und der prabhāva überwindet alle drei.
balasāmye rasādīnāmiti naisargikaṃ balam| ṣaṇṇāṃ rasānāṃ vijñānamupadekṣyāmyataḥ param
[Dies gilt,] wenn die Kraft von rasa und den übrigen gleich stark ist – das ist ihre naturgegebene (naisargika) Rangfolge der Kraft. Nun werde ich die genaue Erkenntnis der sechs rasas darlegen.
snehanaprīṇanāhlādamārdavairupalabhyate| mukhastho madhuraścāsyaṃ vyāpnuvaṃllimpatīva ca
Der süße Geschmack (madhura) wird im Mund an Ölung (snehana), Sättigung (prīṇana), Wohlbehagen (āhlāda) und Weichheit (mārdava) erkannt; sobald er sich im Mund ausbreitet, scheint er ihn geradezu zu überziehen.
dantaharṣānmukhāsrāvāt svedanānmukhabodhanāt| vidāhāccāsyakaṇṭhasya prāśyaivāmlaṃ rasaṃ vadet
Am Stumpfwerden der Zähne, am Speichelfluss im Mund, am Schwitzen, an der Belebung des Mundes und am Brennen von Mund und Kehle erkennt man sogleich beim Kosten den sauren Geschmack (amla).
pralīyan kledaviṣyandamārdavaṃ kurute mukhe| yaḥ śīghraṃ lavaṇo jñeyaḥ sa vidāhānmukhasya ca
Was sich rasch auflöst und im Mund Feuchtigkeit, Fließen und Weichheit sowie ein Brennen im Mund hervorruft, ist als salzig (lavaṇa) zu erkennen.
saṃvejayedyo rasānāṃ nipāte tudatīva ca| vidahanmukhanāsākṣi saṃsrāvī sa kaṭuḥ smṛtaḥ
Was beim ersten Kontakt die Zunge geradezu erschüttert und sticht, und Mund, Nase und Augen brennen und tränen macht, gilt als scharf (kaṭu).
pratihanti nipāte yo rasanaṃ svadate na ca| sa tikto mukhavaiśadyaśoṣaprahlādakārakaḥ
Was beim Kontakt den Geschmackssinn gleichsam betäubt, sodass man nichts mehr schmeckt, und im Mund Klarheit, Trockenheit und ein angenehmes Gefühl hervorruft, ist bitter (tikta).
vaiśadyastambhajāḍyairyo rasanaṃ yojayedrasaḥ| badhnātīva ca yaḥ kaṇṭhaṃ kaṣāyaḥ sa vikāsyapi snēhanaprīṇanāhlādamārdavairupalabhyatē| mukhasthō madhuraścāsyaṁ vyāpnuvamṃllimpatīva ca
Der Geschmack, der die Zunge mit Klarheit, Starrheit und Taubheit befällt und die Kehle gleichsam zusammenschnürt, ist herb (kaṣāya); zugleich wirkt er spreizend, öffnend (vikāsin) auf die Körperkanäle.
evamuktavantaṃ bhagavantamātreyamagniveśa uvāca- bhagavan! śrutametadavitathamarthasampadyuktaṃ bhagavato yathāvaddravyaguṇakarmādhikāre vacaḥ, paraṃ tvāhāravikārāṇāṃ vairodhikānāṃ lakṣaṇamanatisaṅkṣepeṇopadiśyamānaṃ śuśrūṣāmaha iti
Nachdem der erhabene Ātreya so gesprochen hatte, sagte Agniveśa: Erhabener! Vernommen habe ich diese wahrhaftige, sinnreiche Rede des Erhabenen über die Substanzen, ihre Eigenschaften und Wirkungen, wie sie sich gehört. Doch nun möchten wir gerne hören, wie du die Merkmale der schädlichen (vairodhika) Speisenverbindungen ausführlicher, nicht allzu knapp, darlegst.
tamuvāca bhagavānātreyaḥ- dehadhātupratyanīkabhūtāni dravyāṇi dehadhātubhirvirodhamāpadyante; parasparaguṇaviruddhāni kānicit, kānicit saṃyogāt, saṃskārādaparāṇi, deśakālamātrādibhiścāparāṇi, tathā svabhāvādaparāṇi
Da sprach der erhabene Ātreya: Substanzen, die den Körpergeweben (dhātu) entgegenwirken, geraten mit den dhātus des Körpers in Widerspruch (virodha, Unverträglichkeit). Manche sind einander in ihren Eigenschaften entgegengesetzt, manche werden es erst durch Kombination (saṃyoga), andere durch die Zubereitung (saṃskāra), wieder andere durch Ort, Zeit, Menge und Ähnliches, und wieder andere von Natur aus (svabhāva).
tatra yānyāhāramadhikṛtya bhūyiṣṭhamupayujyante teṣāmekadeśaṃ vairodhikamadhikṛtyopadekṣyāmaḥ- na matsyān payasā sahābhyavaharet, ubhayaṃ hyetanmadhuraṃ madhuravipākaṃ mahābhiṣyandi śītoṣṇatvādviruddhavīryaṃ viruddhavīryatvācchoṇitapradūṣaṇāya mahābhiṣyanditvānmārgoparodhāya ca
Von diesen wollen wir hinsichtlich der am häufigsten verzehrten Speisen einen Teil der schädlichen Verbindungen darlegen: Man soll Fisch nicht zusammen mit Milch zu sich nehmen. Beide sind zwar süß und verdauen süß, doch beide verursachen starke Verschleimung/Stauung (abhiṣyanda); da sie sich zudem in ihrer Wirkkraft – kalt und heiß – widersprechen, verunreinigt diese widersprüchliche Wirkkraft das Blut, und die starke Stauung verstopft die Körperkanäle (srotas).
tanniśamyātreyavacanamanu bhadrakāpyo'gniveśamuvāca- sarvāneva matsyān payasā sahābhyavaharedanyatraikasmāccilicimāt, sa punaḥ śakalī lohitanayanaḥ sarvato lohitarājī rohitākāraḥ prāyo bhūmau carati, taṃ cet payasā sahābhyavaharenniḥsaṃśayaṃ śoṇitajānāṃ vibandhajānāṃ ca vyādhīnāmanyatamamathavā maraṇaṃ prāpnuyāditi
Als er die Worte des Ātreya vernommen hatte, sagte Bhadrakāpya zu Agniveśa: Alle Fische darf man durchaus mit Milch zusammen essen, außer einem einzigen, dem cilicima. Dieser hat Schuppen, rote Augen, ist überall von roten Streifen durchzogen, hat die Gestalt eines rohita-Fisches und hält sich meist am Grund auf. Nimmt man diesen zusammen mit Milch zu sich, erleidet man zweifellos eine der aus Blutstörungen oder Stauungen (vibandha) entstehenden Krankheiten – oder gar den Tod.
neti bhagavānātreyaḥ- sarvāneva matsyānna payasā sahābhyavaharedviśeṣatastu cilicimaṃ, sa hi mahābhiṣyanditvāt sthūlalakṣaṇatarānetān vyādhīnupajanayatyāmaviṣamudīrayati ca| grāmyānūpaudakapiśitāni ca madhutilaguḍapayomāṣamūlakabisairvirūḍhadhānyairvā naikadhyamadyāt, tanmūlaṃ hi bādhiryāndhyavepathujāḍyakalamūkatāmaiṇmiṇyamathavā maraṇamāpnoti| na pauṣkaraṃ rohiṇīkaṃ śākaṃ kapotān vā sarṣapatailabhraṣṭānmadhupayobhyāṃ sahābhyavaharet, tanmūlaṃ hi śoṇitābhiṣyandadhamanīpravi(ti)cayāpasmāraśaṅkhakagalagaṇḍarohiṇīnāmanyatamaṃ prāpnotyathavā maraṇamiti| na mūlakalaśunakṛṣṇagandhārjakasumukhasurasādīni bhakṣayitvā payaḥ sevyaṃ, kuṣṭhābādhabhayāt| na jātukaśākaṃ na nikucaṃ pakvaṃ madhupayobhyāṃ sahopayojyam, etaddhi maraṇāyāthavā balavarṇatejovīryoparodhāyālaghuvyādhaye ṣāṇḍhyāya ceti| tadeva nikucaṃ pakvaṃ na māṣasūpaguḍasarpirbhiḥ sahopayojyaṃ vairodhikatvāt| tathā''mrāmrātakamātuluṅganikucakaramardamocadantaśaṭhabadarakośāmrabhavyajāmbavakapitthatintiḍīka- pārāvatākṣoḍapanasanālikeradāḍimāmalakānyevamprakārāṇi cānyāni dravyāṇi sarvaṃ cāmlaṃ dravamadravaṃ ca payasā saha viruddham| tathā kaṅguvanakamakuṣṭhakakulatthamāṣaniṣpāvāḥ payasā saha viruddhāḥ| padmottarikāśākaṃ śārkaro maireyo madhu ca sahopayuktaṃ viruddhaṃ vātaṃ cātikopayati| hāridrakaḥ sarṣapatailabhṛṣṭo viruddhaḥ pittaṃ cātikopayati| pāyaso manthānupāno viruddhaḥ śleṣmāṇaṃ cātikopayati| upodikā tilakalkasiddhā heturatīsārasya| balākā vāruṇyā saha kulmāṣairapi viruddhā, saiva śūkaravasāparibhṛṣṭā sadyo vyāpādayati| mayūramāṃsameraṇḍasīsakāvasaktameraṇḍāgnipluṣṭameraṇḍatailayuktaṃ sadyo vyāpādayati| hāridrakamāṃsaṃ hāridrasīsakāvasaktaṃ hāridrāgnipluṣṭaṃ sadyo vyāpādayati; tadeva bhasmapāṃśuparidhvastaṃ sakṣaudraṃ sadyo maraṇāya| matsyanistālanasiddhāḥ pippalyastathā kākamācī madhu ca maraṇāya| madhu coṣṇamuṣṇārtasya ca madhu maraṇāya| madhusarpiṣī samaghṛte, madhu vāri cāntarikṣaṃ samaghṛtaṃ, madhu puṣkarabījaṃ, madhu pītvoṣṇodakaṃ, bhallātakoṣṇodakaṃ, takrasiddhaḥ kampillakaḥ, paryuṣitā kākamācī, aṅgāraśūlyo bhāsaśceti viruddhāni| ityetadyathāpraśnamabhinirdiṣṭaṃ bhavatīti
Nein, sagte der erhabene Ātreya: Man soll überhaupt keinen Fisch zusammen mit Milch essen, insbesondere aber nicht den cilicima; denn dieser erzeugt wegen seiner starken Stauungswirkung diese Krankheiten in noch ausgeprägterer Form und erregt āma (unverdaute, giftige Stoffwechselprodukte). Ebenso soll man Fleisch von Haus-, Sumpf- und Wassertieren nicht zusammen mit Honig, Sesam, Rohrzucker, Milch, Bohnen (māṣa), Rettich, Lotoswurzeln oder gekeimtem Getreide essen; davon erleidet man Taubheit, Blindheit, Zittern, Erstarrung, Stammeln, Stummheit oder Schielen – oder gar den Tod. Man soll pauṣkara- oder rohiṇīka-Gemüse sowie in Senföl gebratene Tauben nicht zusammen mit Honig und Milch essen; davon erleidet man Blutstauung, Erweiterung der Blutgefäße, Epilepsie, śaṅkhaka, Kropf oder rohiṇī (eine Halskrankheit) – oder gar den Tod. Nach dem Verzehr von Rettich, Knoblauch, kṛṣṇagandha, arjaka, sumukha, surasā und ähnlichen Kräutern soll man keine Milch trinken, aus Furcht vor Hautkrankheiten (kuṣṭha). Jātuka-Gemüse und reife nikuca-Früchte soll man nicht zusammen mit Honig und Milch essen; dies führt zum Tod oder beeinträchtigt Kraft, Hautfarbe, Glanz und Zeugungskraft, verursacht schwere Krankheit und Impotenz. Ebendiese reife nikuca-Frucht soll man auch nicht zusammen mit Bohnensuppe, Rohrzucker und Ghee essen, da diese Verbindung schädlich ist. Ebenso sind Mango, āmrātaka, Zitrusfrucht (mātuluṅga), nikuca, karamarda, moca, dantaśaṭha, Brustbeere, kośāmra, bhavya, jāmbava, kapittha, Tamarinde, pārāvata, Walnuss, Jackfrucht, Kokosnuss, Granatapfel, Amla sowie ähnliche Substanzen und überhaupt alles Saure, ob flüssig oder fest, mit Milch unverträglich. Ebenso sind Kolbenhirse, vanaka, kuṣṭhaka, Pferdebohnen, Bohnen und niṣpāva-Bohnen mit Milch unverträglich. Padmottarikā-Gemüse zusammen mit Zuckerwein, maireya-Wein und Honig genossen ist unverträglich und erregt vāta übermäßig. Der in Senföl gebratene hāridraka-Vogel ist unverträglich und erregt pitta übermäßig. Milchreis, mit Buttermilchgetränk nachgetrunken, ist unverträglich und erregt kapha übermäßig. Upodikā-Gemüse, mit Sesampaste zubereitet, verursacht Durchfall. Der Reiher ist zusammen mit Vāruṇī-Wein und kulmāṣa unverträglich; in Schweinefett gebraten tötet er sogar unmittelbar. Pfauenfleisch, das an einem Rizinusspieß gebraten, an Rizinusfeuer versengt oder mit Rizinusöl zubereitet wurde, tötet unmittelbar. Fleisch des hāridraka-Vogels, an einem hāridra-Spieß gebraten oder an hāridra-Feuer versengt, tötet unmittelbar; dasselbe, in Asche und Staub gewälzt und mit Honig genossen, führt sofort zum Tod. Langer Pfeffer, in Fischfett zubereitet, ebenso kākamācī-Gemüse zusammen mit Honig führen zum Tod. Erhitzter Honig sowie Honig für einen von Hitze Geplagten führen zum Tod. Honig und Ghee zu gleichen Teilen gemischt, Honig und Regenwasser zu gleichen Teilen mit Ghee gemischt, Honig mit Lotossamen, heißes Wasser nach dem Trinken von Honig, bhallātaka mit heißem Wasser, in Buttermilch zubereitetes kampillaka, über Nacht gestandenes kākamācī-Gemüse und der auf Kohlen gebratene bhāsa-Vogel – all dies ist unverträglich. Damit wurde dies, wie erfragt, im Einzelnen dargelegt.
yat kiñciddoṣamāsrāvya na nirharati kāyataḥ| āhārajātaṃ tat sarvamahitāyopapadyate
Jede Art von Nahrung, die einen doṣa in Fluss versetzt, ihn aber nicht aus dem Körper hinausbefördert, wirkt insgesamt schädlich.
yaccāpi deśakālāgnimātrāsātmyānilādibhiḥ| saṃskārato vīryataśca koṣṭhāvasthākramairapi
Ebenso, was hinsichtlich Ort, Zeit, Verdauungsfeuer (agni), Menge, individueller Verträglichkeit (sātmya), vāta und Ähnlichem, hinsichtlich der Zubereitung (saṃskāra) und der Wirkkraft, sowie hinsichtlich der Beschaffenheit des Verdauungstrakts (koṣṭha), des Zustands und der Reihenfolge –
parihāropacārābhyāṃ pākāt saṃyogato'pi ca| viruddhaṃ tacca na hitaṃ hṛtsampadvidhibhiśca yat
– sowie hinsichtlich Nachsorge und Begleitmaßnahmen, der Zubereitungsart und der Kombination unverträglich ist, das ist nicht zuträglich; ebenso das, was den Vorschriften der zuträglichen Nahrungsaufnahme widerspricht.
viruddhaṃ deśatastāvadrūkṣatīkṣṇādi dhanvani| ānūpe snigdhaśītādi bheṣajaṃ yanniṣevyate
Unverträglich nach Ort ist es zunächst, wenn man in einem trockenen (Wüsten-)Gebiet trockene, scharfe Heilmittel anwendet, und in einem sumpfigen Gebiet ölige, kühlende Heilmittel.
kālato'pi viruddhaṃ yacchītarūkṣādisevanam| śīte kāle, tathoṣṇe ca kaṭukoṣṇādisevanam
Unverträglich nach Zeit ist ebenso der Gebrauch kühlender, trockener Mittel in der kalten Jahreszeit, und ebenso der Gebrauch scharfer, heißer Mittel in der heißen Jahreszeit.
viruddhamanale tadvadannapānaṃ caturvidhe| madhusarpiḥ samadhṛtaṃ mātrayā tadvirudhyate
Unverträglich in Bezug auf das (vierfach abgestufte) Verdauungsfeuer ist ebenso unpassend gewählte Speise und Trank; Honig und Ghee zu gleichen Teilen sind je nach Menge ebenfalls unverträglich.
kaṭukoṣṇādisātmyasya svāduśītādisevanam| yattat sātmyaviruddhaṃ tu viruddhaṃ tvanilādibhiḥ
Wenn jemand, der an Scharfes und Heißes gewöhnt ist (sātmya), Süßes und Kühlendes zu sich nimmt, ist dies unverträglich hinsichtlich der individuellen Gewöhnung; unverträglich in Bezug auf vāta und die übrigen doṣas ist entsprechend Abweichendes.
yā samānaguṇābhyāsaviruddhānnauṣadhakriyā| saṃskārato viruddhaṃ tadyadbhojyaṃ viṣavadbhavet
Eine Heilbehandlung, die der gewohnten, gleichartigen Ernährung widerspricht, ist ebenfalls eine Form der Unverträglichkeit. Unverträglich durch Zubereitung ist jene Speise, die dadurch giftähnlich wird.
eraṇḍasīsakāsaktaṃ śikhimāṃsaṃ yathaiva hi| viruddhaṃ vīryato jñeyaṃ vīryataḥ śītalātmakam
So wie Pfauenfleisch, das an einem Rizinus-Spieß gebraten wurde, unverträglich ist – so ist auch die Verbindung eines von Natur aus kühlenden Mittels mit einem entgegengesetzten als unverträglich nach der Wirkkraft (vīrya) zu erkennen.
tat saṃyojyoṣṇavīryeṇa dravyeṇa saha sevyate| krūrakoṣṭhasya cātyalpaṃ mandavīryamabhedanam
Ein solches kühlendes Mittel soll man in Verbindung mit einer Substanz heißer Wirkkraft anwenden. Für jemanden mit hartem, trägem Verdauungstrakt ist ein zu geringes, in seiner Wirkkraft schwaches, nicht abführendes Mittel unverträglich.
mṛdakoṣṭhasya guru ca bhedanīyaṃ tathā bahu| etat koṣṭhaviruddhaṃ tu, viruddhaṃ syādavasthayā
Für jemanden mit weichem, leicht lösendem Verdauungstrakt ist ein schweres, stark abführendes und zudem reichlich gegebenes Mittel unverträglich. Dies ist die Unverträglichkeit nach dem Zustand des Verdauungstrakts; eine weitere Art ist die Unverträglichkeit nach dem körperlichen Zustand.
śramavyavāyavyāyāmasaktasyānilakopanam| nidrālasasyālasasya bhojanaṃ śleṣmakopanam
Für jemanden, der durch Anstrengung, Geschlechtsverkehr oder körperliche Übung erschöpft ist, ist ein vāta-erregendes Mittel unverträglich; für jemanden, der schläfrig und träge ist, ist eine kapha-erregende Mahlzeit unverträglich.
yaccānutsṛjya viṇmūtraṃ bhuṅkte yaścābubhukṣitaḥ| tacca kramaviruddhaṃ syādyaccātikṣudvaśānugaḥ
Wer isst, ohne zuvor Kot und Harn entleert zu haben, oder wer isst, obwohl er nicht hungrig ist, oder wer sich übermäßigem Hunger überlässt, bevor er isst – das ist Unverträglichkeit hinsichtlich der Reihenfolge.
parihāraviruddhaṃ tu varāhādīnniṣevya yat| sevetoṣṇaṃ ghṛtādīṃśca pītvā śītaṃ niṣevate
Unverträglich hinsichtlich der Nachsorge ist es, wenn man nach dem Genuss von Wildschweinfleisch und Ähnlichem Heißes zu sich nimmt, oder wenn man nach dem Trinken von Ghee und Ähnlichem Kaltes zu sich nimmt.
viruddhaṃ pākataścāpi duṣṭadurdārusādhitam| apakvataṇḍulātyarthapakvadagdhaṃ ca yadbhavet| saṃyogato viruddhaṃ tadyathā'mlaṃ payasā saha
Unverträglich nach der Zubereitungsart ist ferner, was mit schlechtem, verdorbenem Brennholz gekocht wurde, sowie ungekochter Reis oder übermäßig gekochtes, verbranntes Essen. Unverträglich nach der Kombination ist zum Beispiel Saures zusammen mit Milch.
amanorucitaṃ yacca hṛdviruddhaṃ taducyate| sampadviruddhaṃ tadvidyādasañjātarasaṃ tu yat
Was dem Gemüt nicht zusagt, wird als 'dem Herzen widersprechend' bezeichnet. Als 'der Vollkommenheit widersprechend' gilt jenes, dessen Geschmack sich nicht recht entfaltet hat,
atikrāntarasaṃ vā'pi vipannarasameva vā| jñeyaṃ vidhiviruddhaṃ tu bhujyate nibhṛte na yat| tadevaṃvidhamannaṃ syādviruddhamupayojitam
oder dessen Geschmack überaltert oder verdorben ist. Als 'der Vorschrift widersprechend' ist zu erkennen, wenn die Speise nicht in Ruhe und Zurückgezogenheit gegessen wird. Auf solche Weise zubereitete und eingenommene Nahrung ist in jedem Fall unverträglich.
ṣāṇḍhyāndhyavīsarpadakodarāṇāṃ visphoṭakonmādabhagandarāṇām| mūrcchāmadādhmānagalagrahāṇāṃ pāṇḍvāmayasyāmaviṣasya caiva
Von Impotenz, Blindheit, Erysipel (Wundrose), Wassersucht, Blasenausschlag, Wahnsinn, Analfistel, von Ohnmacht, Rauschzustand, Blähungen, Halsverschluss, Blutarmut sowie von āma-bedingten Erkrankungen und āma-Gift –
kilāsakuṣṭhagrahaṇīgadānāṃ śothāmlapittajvarapīnasānām | santānadoṣasya tathaiva mṛtyorviruddhamannaṃ pravadanti hetum
von Weißfleckenkrankheit, Hautkrankheiten, chronischer Verdauungsschwäche, Ödemen, Sodbrennen, Fieber und Schnupfen, ebenso von Fortpflanzungsstörungen und schließlich vom Tod – von all diesen nennt man unverträgliche Nahrung als Ursache.
eṣāṃ khalvapareṣāṃ ca vairodhikanimittānāṃ vyādhīnāmime bhāvāḥ pratikārā bhavanti| tadyathā- vamanaṃ virecanaṃ ca, tadvirodhināṃ ca dravyāṇāṃ saṃśamanārthamupayogaḥ, tathāvidhaiśca dravyaiḥ pūrvamabhisaṃskāraḥ śarīrasyeti
Für diese und andere Krankheiten, die durch schädliche Nahrungsverbindungen verursacht werden, gibt es folgende Gegenmaßnahmen: nämlich Erbrechen und Abführen, sowie die Anwendung entgegenwirkender Substanzen zur Beruhigung, und ebenso die vorherige Vorbereitung des Körpers mit solchen Substanzen.
bhavataścātra- viruddhāśanajān rogān pratihanti vivecanam| vamanaṃ śamanaṃ caiva pūrvaṃ vā hitasevanam
Dazu gibt es folgende Merkverse: Durch Unterscheidungsvermögen, durch Erbrechen, durch beruhigende Mittel oder durch vorheriges Einnehmen zuträglicher Nahrung wehrt man die durch unverträgliche Speise entstehenden Krankheiten ab.
sātmyato'lpatayā vā'pi dīptāgnestaruṇasya ca| snigdhavyāyāmabalināṃ viruddhaṃ vitathaṃ bhavet
Durch Gewöhnung, durch geringe Menge, sowie bei jemandem mit lodernd starkem Verdauungsfeuer, bei jungen Menschen und bei kräftigen, öligen oder trainierten Menschen kann Unverträgliches wirkungslos bleiben.
matirāsīnmaharṣīṇāṃ yā yā rasaviniścaye| dravyāṇi guṇakarmabhyāṃ dravyasaṅkhyā rasāśrayā
Was auch immer die großen Weisen über die genaue Bestimmung der rasas gedacht haben, wurde dargelegt: die Substanzen nach ihren Eigenschaften und Wirkungen, die Anzahl der Substanzen, die auf den rasas beruht,
kāraṇaṃ rasasaṅkhyāyā rasānurasalakṣaṇam| parādīnāṃ guṇānāṃ ca lakṣaṇāni pṛthakpṛthak
der Grund für die Anzahl der rasas, das Merkmal von rasa und anurasa (Nebengeschmack), sowie die Merkmale der Eigenschaften wie das Höchste (para) und andere, jeweils einzeln –
pañcātmakānāṃ ṣaṭtvaṃ ca rasānāṃ yena hetunā| ūrdhvānulomabhājaśca yadguṇātiśayādrasāḥ
der Grund, weshalb die aus den fünf Elementen bestehenden rasas dennoch sechs an der Zahl sind, ihre Einteilung in nach oben (erbrechend) oder nach unten (abführend) wirkende, sowie die Erklärung, durch welchen Überschuss an Eigenschaften die rasas ihre Wirkung entfalten –
ṣaṇṇāṃ rasānāṃ ṣaṭtve ca savibhaktā vibhaktayaḥ| uddeśaścāpavādaśca dravyāṇāṃ guṇakarmaṇi
und bei der Sechszahl der sechs rasas ihre jeweiligen Unterteilungen im Einzelnen, sowie die allgemeine Aufzählung und die Ausnahmen hinsichtlich der Eigenschaften und Wirkungen der Substanzen –
pravarāvaramadhyatvaṃ rasānāṃ gauravādiṣu| pākaprabhāvayorliṅgaṃ vīryasaṅkhyāviniścayaḥ
die Rangordnung der rasas – höher, niedriger, mittel – hinsichtlich Schwere und anderer Eigenschaften, die Kennzeichen von vipāka und prabhāva, sowie die genaue Bestimmung der Anzahl der vīryas –
ṣaṇṇāmāsvādyamānānāṃ rasānāṃ yat svalakṣaṇam| yadyadvirudhyate yasmādyena yatkāri caiva yat
das eigentümliche Merkmal jedes der sechs schmeckbaren rasas, was womit unverträglich ist, wodurch dies geschieht und was es jeweils bewirkt,
vairodhikanimittānāṃ vyādhīnāmauṣadhaṃ ca yat| ātreyabhadrakāpyīye tat sarvamavadanmuniḥ
sowie die Heilmittel für die durch schädliche Nahrungsverbindungen verursachten Krankheiten – all dies hat der Weise (muni) im [Kapitel] Ātreyabhadrakāpyīya dargelegt.