athāto vividhāśitapītīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir also das Kapitel über das verschiedenartig Gegessene und Getrunkene (vividhāśitapītīya) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Kapitel 28 bildet den systematischen Gegenpol zu den vorangegangenen Ernährungskapiteln: Es zeigt, wie aus falsch gegessener, getrunkener, geschleckter oder gekauter Nahrung Krankheit entsteht, indem es entlang der Körpergewebekette – Rasa, Blut, Fleisch, Fett, Knochen, Mark, Same – jeweils spezifische Störungsbilder benennt, von Hautkrankheiten über Milzleiden bis zu Unfruchtbarkeit. Bedeutsam ist die Ergänzung, dass Krankheit nicht allein aus unzuträglicher Kost entsteht, sondern auch aus falscher Jahreszeit, sinnlicher Überforderung und vor allem aus dem „Verstandesfehler“ (prajñāparādha) – jener achtlosen Selbstschädigung, die in der Ayurveda-Nosologie als eigenständige Krankheitsursache neben Doṣa-Störungen gilt. Damit fungiert das Kapitel als methodische Brücke zwischen der Diätetik der vorangehenden Kapitel und der eigentlichen Krankheitslehre (nidāna) der Caraka-Saṃhitā. Botanische Einzelsubstanzen treten hier zurück; stattdessen liegt der Schwerpunkt auf der Klassifikation von Ursache, Gewebeebene und der jeweils passenden Gegenbehandlung.
| Dhātu (Sanskrit) | Beispielhafte Krankheiten |
|---|---|
| rasa | Appetitlosigkeit, Geschmacksverlust, Übelkeit, Fieber, Blässe, Impotenz, vorzeitige Falten und graue Haare |
| rakta (Blut) | Hautkrankheiten (kuṣṭha), Visarpa, Pusteln, Raktapitta, übermäßige Monatsblutung, Milzvergrößerung, Gelbsucht, Ringflechte, Krätze |
| māṁsa (Fleisch) | wildwucherndes Fleisch, Tumor, Warze, Kehlkopfwucherung, Kropf, Halsdrüsenschwellung |
| medas (Fett) | Vorzeichen der Harnkrankheiten (prameha) |
| asthi (Knochen) | überzählige Knochen und Zähne, Spalt- und Stechschmerz, Störungen von Haar, Nägeln und Bart |
| majjā (Knochenmark) | Gelenkschmerz, Schwindel, Ohnmacht, rötliche Auswuchsbildung an Gelenken |
| śukra (Same) | Impotenz, Unfruchtbarkeit, kränkliche oder missgestaltete Nachkommen |
athāto vividhāśitapītīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir also das Kapitel über das verschiedenartig Gegessene und Getrunkene (vividhāśitapītīya) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
vividhamaśitaṃ pītaṃ līḍhaṃ khāditaṃ jantorhitamantaragnisandhukṣitabalena yathāsvenoṣmaṇā samyagvipacyamānaṃkālavadanavasthitasarvadhātupākamanupahatasarvadhātūṣmamārutasrotaḥ kevalaṃ śarīramupacayabalavarṇasukhāyuṣā yojayati śarīradhātūnūrjayatica| dhātavo hi dhātvāhārāḥ prakṛtimanuvartante
Vielfältiges, was gegessen (aśita), getrunken (pīta), geschleckt (līḍha) und gekaut (khādita) wird, ist dem Lebewesen zuträglich, wenn es durch die Kraft des inneren, angefachten Agni (Verdauungsfeuer) mit der ihm eigenen Wärme richtig verdaut wird – ohne dass dabei die zeitgerechte Reifung (pāka) sämtlicher dhātus (Körpergewebe) gestört und ohne dass Hitze, Wind (māruta) und srotas (Kanäle) sämtlicher dhātus beeinträchtigt werden. So versorgt es den Körper mit Zunahme, Kraft, Teint, Wohlbefinden und Lebensdauer und stärkt zugleich die Körper-dhātus. Denn die dhātus, die durch die Nahrung genährt werden, folgen dabei ihrer eigenen Natur (prakṛti).
tatrāhāraprasādākhyo rasaḥ kiṭṭaṃ ca malākhyamabhinirvartate| kiṭṭāt svedamūtrapurīṣavātapittaśleṣmāṇaḥ karṇākṣināsikāsyalomakūpaprajananamalāḥ keśaśmaśrulomanakhādayaścāvayavāḥpuṣyanti| puṣyanti tvāhārarasādrasarudhiramāṃsamedosthimajjaśukraujāṃsi pañcendriyadravyāṇi dhātuprasādasañjñakāniśarīrasandhibandhapicchādayaścāvayavāḥ| te sarva eva dhātavo malākhyāḥ prasādākhyāśca rasamalābhyāṃ puṣyantaḥ svaṃ mānamanuvartante yathāvayaḥśarīram| evaṃ rasamalau svapramāṇāvasthitāvāśrayasya samadhātordhātusāmyamanuvartayataḥ| nimittatastu kṣīṇavṛddhānāṃ prasādākhyānāṃ dhātūnāṃ vṛddhikṣayābhyāmāhāramūlābhyāṃ rasaḥ sāmyamutpādayatyārogyāya, kiṭṭaṃ camalānāmevameva| svamānātiriktāḥ punarutsargiṇaḥ śītoṣṇaparyāyaguṇaiścopacaryamāṇā malāḥ śarīra dhātusāmyakarāḥ samupalabhyante
Dabei entsteht aus der Nahrung der als 'Prasāda' (klare Essenz) bezeichnete Rasa (Säftesubstanz) sowie das als 'Mala' bezeichnete Abfallprodukt. Aus dem Abfall (kiṭṭa) werden Schweiß, Urin, Kot, vāta, pitta und śleṣman (die drei doṣas) sowie die Absonderungen von Ohren, Augen, Nase, Mund und Haarwurzeln und die Fortpflanzungsabsonderungen genährt, ebenso Teile wie Kopfhaar, Bart, Körperhaar und Nägel. Genährt werden hingegen durch die Essenz (rasa) der Nahrung: Rasa, Blut (rakta), Fleisch (māṃsa), Fett (medas), Knochen (asthi), Knochenmark (majjā), Same (śukra) und ojas (Vitalkraft), die fünf feinstofflichen Sinnessubstanzen sowie die als 'Dhātuprasāda' (dhātu-Essenz) bezeichneten Anteile und Teile wie Körpergelenke, Bänder und Schleimhäute. All diese dhātus, ob als Mala oder als Prasāda bezeichnet, wachsen durch Rasa und Mala und wahren dabei ihr eigenes, dem Alter und dem Körper entsprechendes Maß. So halten Rasa und Mala, indem sie in ihrem eigenen Maß verbleiben, das dhātu-Gleichgewicht des Trägers mit ausgewogenen dhātus aufrecht. Ist aber, aus welchem Grund auch immer, einer der als Prasāda bezeichneten dhātus vermehrt oder vermindert, so stellt der Rasa – dessen Wurzel die Nahrung ist – durch deren Vermehrung oder Verminderung das Gleichgewicht zugunsten der Gesundheit wieder her; ebenso verhält es sich mit dem Abfall der Malas. Übersteigen die Malas ihr eigenes Maß, so werden sie ausgeschieden; werden sie mit den abwechselnden Eigenschaften kalt und warm behandelt, so erweist sich dies als das dhātu-Gleichgewicht des Körpers wiederherstellend.
teṣāṃ tu malaprasādākhyānāṃ dhātūnāṃ srotāṃsyayanamukhāni| tāni yathāvibhāgena yathāsvaṃ dhātūnāpūrayanti| evamidaṃ śarīramaśitapītalīḍhakhāditaprabhavam| aśitapītalīḍhakhāditaprabhavāścāsmiñ śarīre vyādhayo bhavanti| hitāhitopayogaviśeṣāstvatra śubhāśubhaviśeṣakarā bhavantīti
Für diese als Mala und Prasāda bezeichneten dhātus sind die srotas (Kanäle) die Zugangsöffnungen. Diese füllen entsprechend ihrer Verteilung jeweils die ihnen eigenen dhātus auf. So entsteht dieser Körper aus dem, was gegessen, getrunken, geschleckt und gekaut wird. Und aus dem, was gegessen, getrunken, geschleckt und gekaut wird, entstehen in diesem Körper auch die Krankheiten. Die besonderen Arten des zuträglichen und unzuträglichen Gebrauchs bewirken hierbei die jeweils heilsamen oder schädlichen Ergebnisse.
evaṃvādinaṃ bhagavantamātreyamagniveśa uvāca-dṛśyante hi bhagavan! hitasamākhyātamapyāhāramupayuñjānā vyādhimantaścāgadāśca,tathaivāhitasamākhyātam; evaṃ duṣṭe kathaṃ hitāhitopayogaviśeṣātmakaṃ śubhāśubhaviśeṣamupalabhāmaha iti
Als der erhabene Ātreya so sprach, sagte Agniveśa zu ihm: 'Man sieht doch, erhabener Herr, dass Menschen, die auch als zuträglich bezeichnete Nahrung gebrauchen, dennoch krank werden, ebenso wie manche, die als unzuträglich bezeichnete Nahrung gebrauchen, gesund bleiben. Wie sollen wir dann, da es sich so verhält, die dem zuträglichen und unzuträglichen Gebrauch eigene Unterscheidung von heilsam und schädlich erkennen?'
tamuvāca bhagavānātreyaḥ- na hitāhāropayogināmagniveśa! tannimittā vyādhayo jāyante, na ca kevalaṃ hitāhāropayogādevasarvavyādhibhayamatikrāntaṃ bhavati, santi hyṛte'pyahitāhāropayogādanyā rogaprakṛtayaḥ, tadyathā- kālaviparyayaḥ, prajñāparādhaḥ,śabdasparśarūparasagandhāścāsātmyā iti| tāśca rogaprakṛtayo rasān samyagupayuñjānamapi puruṣamaśubhenopapādayanti; tasmāddhitāhāropayogino'pi dṛśyantevyādhimantaḥ| ahitāhāropayogināṃ punaḥ kāraṇato na sadyo doṣavān bhavatyapacāraḥ| na hi sarvāṇyapathyāni tulyadoṣāṇi, na ca sarve doṣāstulyabalāḥ, na ca sarvāṇi śarīrāṇi vyādhikṣamatve samarthāni bhavanti| tadeva hyapathyaṃ deśakālasaṃyogavīryapramāṇātiyogādbhūyastaramapathyaṃ sampadyate| sa eva doṣaḥ saṃsṛṣṭayonirviruddhopakramo gambhīrānugataścirasthitaḥ prāṇāyatanasamuttho marmopaghātī kaṣṭatamaḥ kṣiprakāritamaścasampadyate| śarīrāṇi cātisthūlānyatikṛśānyaniviṣṭamāṃsaśoṇitāsthīni durbalānyasātmyāhāropacitānyalpāhārāṇyalpasattvāni cabhavantyavyādhisahāni, viparītāni punarvyādhisahāni| ebhyaścaivāpathyāhāradoṣaśarīraviśeṣebhyo vyādhayo mṛdavo dāruṇāḥ kṣiprasamutthāścirakāriṇaśca bhavanti| ta eva vātapittaśleṣmāṇaḥ sthānaviśeṣe prakupitā vyādhiviśeṣānabhinirvartayantyagniveśa!
Da sprach der erhabene Ātreya zu ihm: 'Nicht bei denen, die zuträgliche Nahrung gebrauchen, Agniveśa, entstehen Krankheiten aus diesem Grund, und ebenso wenig ist durch den bloßen Gebrauch zuträglicher Nahrung jede Krankheitsgefahr gebannt. Denn es gibt, auch ohne den Gebrauch unzuträglicher Nahrung, weitere Krankheitsursachen, nämlich: die Verkehrung der Jahreszeiten (kālaviparyaya), den Verstandesfehler (prajñāparādha) und die Unzuträglichkeit (asātmya) von Klang, Tastempfindung, Form, Geschmack und Geruch. Diese Krankheitsursachen bringen selbst einen Menschen, der die Säfte richtig gebraucht, in einen unheilvollen Zustand; deshalb sieht man auch bei Menschen mit zuträglichem Gebrauch Krankheiten. Bei denen hingegen, die unzuträgliche Nahrung gebrauchen, entsteht der Fehler nicht sogleich in vollem Ausmaß aus dieser einen Ursache. Denn nicht alle unzuträglichen Dinge (apathya) haben denselben Grad an Schädlichkeit, nicht alle doṣas haben dieselbe Stärke, und nicht alle Körper sind gleichermaßen fähig, Krankheit zu widerstehen. Ein und dasselbe Unzuträgliche wird je nach Ort, Zeit, Verbindung, Wirkkraft und Übermaß der Menge zu einem noch größeren Übel. Ein und derselbe doṣa wird, wenn er aus vermischtem Ursprung stammt, mit widersprüchlichen Behandlungsansätzen versehen, tief eingedrungen, lange bestehend, aus dem Sitz des prāṇa entsprungen und die vitalen Punkte (marman) verletzend, äußerst schwerwiegend und rasch wirkend. Und Körper, die entweder zu fett oder zu mager sind, deren Fleisch und Blut nicht fest sitzen, die schwach sind, durch unzuträgliche Nahrung aufgebaut wurden, wenig essen und wenig Lebenskraft (sattva) besitzen, sind unfähig, Krankheit zu widerstehen; die entgegengesetzten Körper hingegen sind dazu fähig. Aus diesen Besonderheiten – unzuträgliche Nahrung, Fehler der doṣas und Beschaffenheit des Körpers – entstehen Krankheiten, die bald mild, bald heftig, bald rasch entstehend, bald langwierig sind. Eben diese – vāta, pitta und śleṣman –, an einem bestimmten Ort erregt, bringen jeweils besondere Krankheiten hervor, Agniveśa!'
tatra rasādiṣu sthāneṣu prakupitānāṃ doṣāṇāṃ yasmin sthāne ye ye vyādhayaḥ sambhavanti tāṃstān yathāvadanuvyākhyāsyāmaḥ
Dort werden wir nun, entsprechend den Sitzen wie rasa und den übrigen, an denen die doṣas jeweils erregt sind, der Reihe nach die dort entstehenden Krankheiten erklären.
aśraddhā cāruciścāsyavairasyamarasajñatā| hṛllāso gauravaṃ tandrā sāṅgamardo jvarastamaḥ
Appetitlosigkeit, Geschmacksverlust, fader Mundgeschmack und Unfähigkeit, Geschmack wahrzunehmen, Übelkeit, Schwere, Mattigkeit, Gliederschmerzen, Fieber und Benommenheit –
pāṇḍutvaṃ srotasāṃ rodhaḥ klaibyaṃ sādaḥ kṛśāṅgatā| nāśo'gnerayathākālaṃ valayaḥ palitāni ca
Blässe, Verstopfung der srotas, Impotenz, Erschöpfung, Abmagerung der Glieder, vorzeitiges Erlöschen des Agni, (vorzeitige) Falten und graue Haare –
rasapradoṣajā rogā,... ...vakṣyante raktadoṣajāḥ| kuṣṭhavīsarpapiḍakā raktapittamasṛgdaraḥ
dies sind die Krankheiten, die aus der Störung des rasa entstehen. ... Nun höre die aus der Störung des Blutes (rakta) entstehenden: Hautkrankheiten (kuṣṭha), kriechende Hautentzündung (visarpa), Pusteln, Blutungsleiden (raktapitta) und übermäßige Monatsblutung (asṛgdara),
gudameḍhrāsyapākaśca plīhā gulmo'tha vidradhiḥ| nīlikā kāmalā vyaṅgaḥ pipplavastilakālakāḥ
Entzündung von After, Glied und Mund, Milzvergrößerung, Bauchgeschwulst (gulma), Abszess, dunkle Hautflecken, Gelbsucht, Gesichtsflecken, weißliche Flecken und Muttermale –
dadruścarmadalaṃ śvitraṃ pāmā koṭhāsramaṇḍalam| raktapradoṣājjāyante,... ...śṛṇu māṃsapradoṣajān
Ringflechte, Hautrisse, Weißfleckenkrankheit, Krätze, Nesselausschlag und blutunterlaufene Flecken – diese entstehen aus der Störung des Blutes. ... Höre nun die aus der Störung des Fleisches (māṃsa) entstehenden.
adhimāṃsārbudaṃ kīlaṃ galaśālūkaśuṇḍike| pūtimāṃsālajīgaṇḍagaṇḍamālopajihvikāḥ
Wildwucherndes Fleisch, Tumor, Warze, Kehlkopfwucherung, Halszapfen, fauliges Fleisch, ein Geschwür namens alajī, Kropf, Halsdrüsenschwellung und Zäpfchenschwellung –
vidyānmāṃsāśrayān,... .. medaḥsaṃśrayāṃstu pracakṣmahe| ninditāni pramehāṇāṃ pūrvarūpāṇi yāni ca
erkenne (diese) als im Fleisch begründet. ... Nun wollen wir die im Fett (medas) begründeten darlegen: die als verwerflich geltenden Vorzeichen der Harnkrankheiten (prameha),
adhyasthidantau dantāsthibhedaśūlaṃ vivarṇatā| keśalomanakhaśmaśrudoṣāścāsthipradoṣajāḥ
überzählige Knochen und Zähne, Spalt- und Stechschmerz in Zähnen und Knochen, Verfärbung, sowie Störungen von Kopfhaar, Körperhaar, Nägeln und Bart – dies sind die aus der Störung des Knochens (asthi) entstehenden.
ruk parvaṇāṃ bhramo mūrcchā darśanaṃ tamasastathā| aruṣāṃ sthūlamūlānāṃ parvajānāṃ ca darśanam
Schmerz in den Gelenken, Schwindel, Ohnmacht, das Sehen von Dunkelheit, sowie das Auftreten rötlicher, dickwurzeliger Auswüchse an den Gelenken –
majjapradoṣāt, ... ...śukrasya doṣāt klaibyamaharṣaṇam| rogi vā klībamalpāyurvirūpaṃ vā prajāyate
dies entsteht aus der Störung des Knochenmarks (majjā). Aus der Störung des Samens (śukra) entstehen Impotenz und Unfähigkeit zur Erregung; (dem Mann) wird ein kränkliches oder impotentes, kurzlebiges oder missgestaltetes Kind geboren,
na cāsya jāyate garbhaḥ patati prasravatyapi| śukraṃ hi duṣṭaṃ sāpatyaṃ sadāraṃ bādhate naram
oder es entsteht bei ihm gar kein Keim, oder er fällt ab, oder er fließt vorzeitig ab. Denn gestörter Same schädigt den Mann samt seinen Nachkommen und seiner Frau.
indriyāṇi samāśritya prakupyanti yadā malāḥ| upaghātopatāpābhyāṃ yojayantīndriyāṇi te
Wenn die Malas (doṣas) sich in den Sinnesorganen niederlassen und dort erregt werden, beeinträchtigen sie die Sinnesorgane durch Schädigung und Reizung.
snāyau sirākaṇḍarābhyo duṣṭāḥ kliśnanti mānavam| stambhasaṅkocakhallībhirgranthisphuraṇasuptibhiḥ
Wenn Sehnen, Blutgefäße (sirā) und Muskelstränge gestört sind, quälen sie den Menschen mit Versteifung, Verkrampfung, Muskellähmung, Knotenbildung, Zucken und Taubheitsgefühl.
malānāśritya kupitā bhedaśoṣapradūṣaṇam| doṣā malānāṃ kurvanti saṅgotsargāvatīva ca
Wenn die doṣas sich in den Ausscheidungsstoffen (mala) niederlassen und erregt sind, bewirken sie deren Zerreißung, Austrocknung und Verderbnis, sowie deren Stauung oder übermäßige Ausscheidung.
vividhādaśitāt pītādahitāllīḍhakhāditāt| bhavantyete manuṣyāṇāṃ vikārā ya udāhṛtāḥ
Aus dem vielfältigen, unzuträglich Gegessenen, Getrunkenen, Geschleckten und Gekauten entstehen bei den Menschen diese Störungen, die (hier) aufgezählt wurden.
teṣāmicchannanutpattiṃ seveta matimān sadā| hitānyevāśitādīni na syustajjāstathā''mayāḥ
Wer ihr Entstehen verhindern will, sollte als verständiger Mensch stets nur zuträgliches Essen, Trinken und dergleichen zu sich nehmen; dann entstehen auch die daraus hervorgehenden Krankheiten nicht.
rasajānāṃ vikārāṇāṃ sarvaṃ laṅghanamauṣadham| vidhiśoṇitike'dhyāye raktajānāṃ bhiṣagjitam
Für alle aus rasa entstandenen Störungen ist Fasten/reduzierende Behandlung (laṅghana) das Heilmittel; die ärztliche Behandlung der aus Blut entstandenen Krankheiten wurde im Kapitel über das Blut (Śoṇitīya) dargelegt.
māṃsajānāṃ tu saṃśuddhiḥ śastrakṣārāgnikarma ca| aṣṭauninditike'dhyāye medojānāṃ cikitsitam
Für die aus Fleisch entstandenen Störungen sind Reinigungstherapien sowie chirurgisches Messer, Ätzmittel (kṣāra) und Kauterisation (agnikarma) das Mittel; die Behandlung der aus Fett entstandenen Krankheiten wurde im Kapitel der acht verwerflichen (Zustände) dargelegt.
asthyāśrayāṇāṃ vyādhīnāṃ pañcakarmāṇi bheṣajam| bastyaḥ kṣīrasarpīṃṣi tiktakopahitāni ca
Für die im Knochen begründeten Krankheiten sind die fünf Reinigungsverfahren (pañcakarma) das Heilmittel, ebenso Klistiere, Milch und Ghee, versetzt mit bitteren Mitteln.
majjaśukrasamutthānāmauṣadhaṃ svādutiktakam| annaṃ vyavāyavyāyāmau śuddhiḥ kāle ca mātrayā
Für die aus Knochenmark und Samen entstandenen Krankheiten ist süß-bitter schmeckende Arznei das Heilmittel, ebenso entsprechende Speise, Geschlechtsverkehr und Bewegung sowie zur rechten Zeit und im rechten Maß durchgeführte Reinigung.
śāntirindriyajānāṃ tu trimarmīye pravakṣyate| snāyvādijānāṃ praśamo vakṣyate vātarogike
Die Besänftigung der aus den Sinnesorganen entstandenen Krankheiten wird im Kapitel Trimarmīya dargelegt werden; die Besänftigung der aus Sehnen und dergleichen entstandenen Krankheiten wird im Kapitel über die Windkrankheiten (Vātarogika) dargelegt werden.
navegāndhāraṇe'dhyāye cikitsāsaṅgrahaḥ kṛtaḥ| malajānāṃ vikārāṇāṃ siddhiścoktā kvacitkvacit
Im Kapitel über das Nicht-Unterdrücken der natürlichen Dränge wurde eine Zusammenfassung der Behandlung gegeben; die erfolgreiche Behandlung der aus den Malas entstandenen Störungen wurde an verschiedenen Stellen dargelegt.
vyāyāmādūṣmaṇastaikṣṇyāddhitasyānavacāraṇāt| koṣṭhācchākhā malā yānti drutatvānmārutasya ca
Durch körperliche Anstrengung, durch Schärfe der Verdauungshitze, durch das Unterlassen zuträglicher Maßnahmen und durch die rasche Beweglichkeit des vāta wandern die Malas vom Rumpf (koṣṭha) in die Peripherie (śākhā, die Gliedmaßen).
tatrasthāśca vilambante kadācinna samīritāḥ| nādeśakāle kupyanti bhūyo hetupratīkṣiṇaḥ
Dort angelangt, verweilen sie mitunter, wenn sie nicht weiter angetrieben werden; sie geraten nicht zur Unzeit oder am falschen Ort in Erregung, sondern warten dort auf einen neuen Anlass.
vṛddhyā viṣyandanāt pākāt srotomukhaviśodhanāt| śākhā muktvā malāḥ koṣṭhaṃ yānti vāyośca nigrahāt
Durch Vermehrung, durch Verflüssigung, durch Reifung, durch Reinigung der Kanalöffnungen und durch Bezähmung des vāyu verlassen die Malas die Peripherie und ziehen zum Rumpf zurück.
ajātānāmanutpattau jātānāṃ vinivṛttaye| rogāṇāṃ yo vidhirdṛṣṭaḥ sukhārthī taṃ samācaret
Wer nach Wohlergehen strebt, sollte die dargelegte Vorgehensweise befolgen, um das Entstehen noch nicht entstandener Krankheiten zu verhindern und bereits entstandene zu beseitigen.
sukhārthāḥ sarvabhūtānāṃ matāḥ sarvāḥ pravṛttayaḥ| jñānājñānaviśeṣāttu mārgāmārgapravṛttayaḥ
Alle Handlungen aller Lebewesen gelten als auf Wohlergehen gerichtet; doch je nach dem Unterschied von Wissen und Unwissen folgen sie entweder dem rechten Weg oder dem falschen Weg.
hitamevānurudhyante praparīkṣya parīkṣakāḥ| rajomohāvṛtātmānaḥ priyameva tu laukikāḥ
Die Prüfenden (die Urteilsfähigen) folgen, nachdem sie sorgfältig geprüft haben, allein dem Zuträglichen; die weltlich Gesinnten aber, deren Geist von rajas und Verblendung umhüllt ist, folgen nur dem Angenehmen.
śrutaṃ buddhiḥ smṛtirdākṣyaṃ dhṛtirhitaniṣevaṇam| vāgviśuddhiḥ śamo dhairyamāśrayanti parīkṣakam
Gelehrsamkeit, Verstand, Erinnerungsvermögen, Geschicklichkeit, Standhaftigkeit, die Pflege des Zuträglichen, Reinheit der Rede, Gelassenheit und Festigkeit – diese Eigenschaften wohnen dem urteilsfähigen Menschen inne.
laukikaṃ nāśrayantyete guṇā moharajaḥśritam | tanmūlā bahavo yanti rogāḥ śārīramānasāḥ
Diese Eigenschaften wohnen dem weltlich gesinnten Menschen, der von Verblendung und rajas beherrscht wird, nicht inne; aus dieser Wurzel entstehen zahlreiche körperliche und geistige Krankheiten.
prajñāparādhāddhyahitānarthān pañca niṣevate| sandhārayati vegāṃśca sevate sāhasāni ca
Denn aus Verstandesfehler (prajñāparādha) verfolgt er die fünf unzuträglichen, schädlichen Dinge im Übermaß, unterdrückt die natürlichen Dränge und begeht unbesonnene, gewaltsame Handlungen.
tadātvasukhasañjñeṣu bhāveṣvajño'nurajyate| rajyate na tu vijñātā vijñāne hyamalīkṛte
Der Unwissende hängt an Dingen, die nur im Augenblick als angenehm erscheinen; der Wissende hingegen hängt nicht daran, denn sein Erkennen ist frei von Trübung.
na rāgānnāpyavijñānādāhārānupayojayet| parīkṣya hitamaśnīyāddeho hyāhārasambhavaḥ
Man sollte Speisen weder aus Verlangen noch aus Unwissenheit zu sich nehmen; man sollte, nachdem man geprüft hat, nur das Zuträgliche essen, denn der Körper entsteht aus der Nahrung.
āhārasya vidhāvaṣṭau viśeṣā hetusañjñakāḥ| śubhāśubhasamutpattau tān parīkṣya prayojayet
Bei der Regelung der Nahrungsaufnahme gibt es acht Besonderheiten, die als 'Ursachen' (hetu) bezeichnet werden und über das Entstehen von Gutem oder Schlechtem entscheiden; diese sollte man prüfen und danach die Nahrung verwenden.
parihāryāṇyapathyāni sadā pariharannaraḥ| bhavatyanṛṇatāṃ prāptaḥ sādhūnāmiha paṇḍitaḥ
Ein Mensch, der die zu meidenden unzuträglichen Dinge stets meidet, wird zu einem Gelehrten, der hier gegenüber den Guten schuldlos ist.
yattu rogasamutthānamaśakyamiha kenacit| parihartuṃ na tat prāpya śocitavyaṃ manīṣibhiḥ
Doch wenn eine Krankheit entsteht, die von niemandem zu vermeiden war, so sollten die Weisen, wenn sie davon betroffen sind, deswegen nicht trauern.
tatra ślokāḥ- āhārasambhavaṃ vastu rogāścāhārasambhavāḥ| hitāhitaviśeṣācca viśeṣaḥ sukhaduḥkhayoḥ
Dazu die Merkverse: Der Körper als Substanz entsteht aus der Nahrung, und auch die Krankheiten entstehen aus der Nahrung; aus der Unterscheidung von Zuträglichem und Unzuträglichem ergibt sich der Unterschied zwischen Wohlbefinden und Leiden.
sahatve cāsahatve ca duḥkhānāṃ dehasattvayoḥ | viśeṣo rogasaṅghāśca dhātujā ye pṛthakpṛthak
(Dargelegt wurden) die Fähigkeit und Unfähigkeit von Körper und Geist (sattva), Leiden zu ertragen, sowie die Besonderheiten und die Gruppen von Krankheiten, die aus den einzelnen dhātus jeweils gesondert entstehen,
teṣāṃ caiva praśamanaṃ koṣṭhācchākhā upetya ca| doṣā yathā prakupyanti śākhābhyaḥ koṣṭhametya ca
sowie deren Besänftigung, und wie die doṣas, vom Rumpf zur Peripherie gelangend, erregt werden, und ebenso, wie sie von der Peripherie zum Rumpf zurückkehren.
prājñājñayorviśeṣaśca svasthāturahitaṃ ca yat| vividhāśitapītīye tat sarvaṃ samprakāśitam
Und der Unterschied zwischen dem Weisen und dem Unwissenden, sowie das, was dem Gesunden und dem Kranken zuträglich ist – all dies wurde im Kapitel 'Vividhāśitapītīya' dargelegt.