athātaḥ snehādhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also wollen wir das Kapitel über die Ölung (sneha, das Einbringen fetter Substanzen zur Vorbereitung des Körpers) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Kapitel 13 des Sūtrasthāna behandelt die Ölungstherapie (snehana), eines der vorbereitenden Verfahren des Pañcakarma, mit dem der Körper vor Ausleitungsbehandlungen geschmeidig gemacht und die Doṣas gelöst werden. Ausführlich unterscheidet Ātreya vier innere Ölmittel – Ghee, Öl, Tierfett und Knochenmark –, ordnet ihnen Jahreszeiten, Nachtrünke und Indikationen nach Konstitution und Doṣa-Dominanz zu und entwickelt ein feines System aus 64 Anwendungsvarianten sowie drei Dosierungsstufen. Botanisch ist das Kapitel besonders ergiebig: Als pflanzliche Ölquellen werden unter anderem Sesam (tila), Rizinus (eranda), Senf (sarṣapa), Lein (atasī) und Moringa (śigru) genannt, wobei dem Sesamöl als Kräftigungsmittel und dem Rizinusöl als mildes Abführmittel besondere Bedeutung zukommt. Zugleich zeigt das Kapitel exemplarisch die pharmakologische Feinabstimmung der Caraka-Saṃhitā, etwa in der Unterscheidung von weichem und hartem Verdauungstrakt sowie in der detaillierten Beschreibung von Komplikationen und ihrer Behandlung.
| Ölmittel | Haupteigenschaften | Beste Jahreszeit | Für wen geeignet |
|---|---|---|---|
| ghṛta | vertreibt Pitta und Vāta, kühlt, klärt Stimme und Hautfarbe, stärkt rasa/śukra/ojas | Herbst | Vāta-Pitta-Konstitution, Verletzte, Alte, Kinder; wer Kraft, Gedächtnis, Verdauungsfeuer wünscht |
| taila | vertreibt Vāta, gut für die Haut, wärmend, festigend | Regenzeit | übermäßiges Kapha und Fettgewebe, Vāta-Erkrankungen; wer Schlankheit und Festigkeit wünscht |
| vasā | bei Verletzungen, Ohren- und Kopfschmerzen; steigert die Manneskraft | Frühling | durch Wind/Sonne Erschöpfte, Schmerzen in Knochen und Gelenken, starkes Vāta |
| majjā | mehrt Kraft, Samen, Kapha, Körperfett, Knochenmark; stärkt die Knochen | Frühling | starkes Verdauungsfeuer, harter Verdauungstrakt, Vāta-Gequälte |
athātaḥ snehādhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun also wollen wir das Kapitel über die Ölung (sneha, das Einbringen fetter Substanzen zur Vorbereitung des Körpers) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
sāṅkhyaiḥ saṅkhyātasaṅkhyeyaiḥ sahāsīnaṃ punarvasum| jagaddhitārthaṃ papraccha vahniveśaḥ svasaṃśayam
Während Punarvasu inmitten der Sāṅkhya-Gelehrten saß, die das Zählbare durchgezählt hatten, befragte ihn Agniveśa zum Wohle der Welt nach dem, was ihm selbst noch zweifelhaft war.
kiṃyonayaḥ kati snehāḥ ke ca snehaguṇāḥ pṛthak| kālānupāne ke kasya kati kāśca vicāraṇāḥ
Was ist der Ursprung, wie viele Ölmittel gibt es, und welches sind einzeln die Eigenschaften der Öle? Welche Zeiten und welche Nachtrünke (anupāna) gehören zu welchem Öl, und wie viele und welche Anwendungsweisen gibt es?
kati mātrāḥ kathammānāḥ kā ca keṣūpadiśyate| kaśca kebhyo hitaḥ snehaḥ prakarṣaḥ snehane ca kaḥ
Wie viele Dosierungen gibt es, wie werden sie bemessen, und welche wird bei wem gelehrt? Welches Öl ist wem zuträglich, und was ist das Höchstmaß bei der Ölung?
snehyāḥ ke ke na ca snigdhāsnigdhātisnigdhalakṣaṇam| kiṃ pānāt prathamaṃ pīte jīrṇe kiñca hitāhitam
Wer bedarf der Ölung, und wer nicht? Welches sind die Merkmale von ungenügend geölt, richtig geölt und übermäßig geölt? Was geht dem Trinken des Öls voraus, und was ist zuträglich oder unzuträglich, wenn es verdaut ist?
ke mṛdukrūrakoṣṭhāḥ kā vyāpadaḥ siddhayaśca kāḥ| acche saṃśodhane caiva snehe kā vṛttiriṣyate
Wer hat einen weichen und wer einen harten Darm (koṣṭha, den Verdauungstrakt)? Welches sind die Komplikationen und welches die Erfolge? Und welches Verhalten wird bei reiner Ölung und bei Ölung zum Zweck der Reinigung (śodhana) empfohlen?
vicāraṇāḥ keṣu yojyā vidhinā kena tat prabho!| snehasyāmitavijñāna jñānamicchāmi veditum
Bei wem sollen welche Anwendungsweisen nach welcher Methode eingesetzt werden, o Herr? O du von unermesslichem Wissen über die Ölung, ich möchte dieses Wissen erfahren.
atha tatsaṃśayacchettā pratyuvāca punarvasuḥ| snehānāṃ dvividhā saumya yoniḥ sthāvarajaṅgamā
Da antwortete Punarvasu, der Löser dieses Zweifels: „Der Ursprung der Ölmittel, o Sanfter, ist zweifach: aus unbeweglichen Wesen (Pflanzen) und aus beweglichen Wesen (Tieren).“
tilaḥ priyālābhiṣukau bibhītakaścitrābhayairaṇḍamadhūkasarṣapāḥ| kusumbhabilvārukamūlakātasīnikocakākṣoḍakarañjaśigrukāḥ
Sesam (tila), Priyāla und Abhiṣuka, Bibhītaka, Citrā, Abhayā, Erandā (Rizinus), Madhūka und Senf (sarṣapa), Kusumbha, Bilva, Āruka, Rettich (mūlaka), Lein (atasī), Nikocaka, Walnuss (akṣoḍa), Karañja und Śigru (Moringa) –
snehāśayāḥ sthāvarasañjñitāstathā syurjaṅgamā matsyamṛgāḥ sapakṣiṇaḥ| teṣāṃ dadhikṣīraghṛtāmiṣaṃ vasā sneheṣu majjā ca tathopadiśyate
– diese gelten als die Sitze des Öls unter den unbeweglichen Wesen; ebenso sind Fische, Wildtiere und Vögel die beweglichen. Von ihnen werden Dickmilch, Milch, Ghee (ghṛta, geklärte Butter), Fleisch, Fett (vasā) und ebenso Knochenmark (majjā) als Ölmittel gelehrt.
sarveṣāṃ tailajātānāṃ tilatailaṃ viśiṣyate| balārthe snehane cāgryamairaṇḍaṃ tu virecane (kaṭūṣṇaṃ tailamairaṇḍaṃ vātaśleṣmaharaṃ guru | kaṣāyasvādutiktaiśca yojitaṃ pittahantrapi
Unter allen Ölsorten (taila) zeichnet sich das Sesamöl aus; es ist vorzüglich zur Kraftgebung und zur Ölung, während das Rizinusöl vor allem zur Abführung (virecana) dient. (Das Rizinusöl ist scharf und heiß, vertreibt vāta und kapha, ist schwer verdaulich; mit Adstringierendem, Süßem und Bitterem verbunden, vermag es auch pitta zu vertreiben.)
)| sarpistailaṃ vasā majjā sarvasnehottamā matāḥ| eṣu caivottamaṃ sarpiḥ saṃskārasyānuvartanāt
Ghee, Öl, Fett und Knochenmark gelten als die vorzüglichsten unter allen Ölmitteln; unter diesen aber ist Ghee das beste, weil es die jeweils damit vorgenommene Zubereitung (saṃskāra) annimmt und bewahrt.
ghṛtaṃ pittānilaharaṃ rasaśukraujasāṃ hitam| nirvāpaṇaṃ mṛdukaraṃ svaravarṇaprasādanam
Ghee vertreibt pitta und vāta und ist zuträglich für rasa (den Körpersaft, das erste Nährgewebe), śukra (Samen) und ojas (die Vitalkraft); es kühlt, macht weich und klärt Stimme und Hautfarbe.
mārutaghnaṃ na ca śleṣmavardhanaṃ balavardhanam| tvacyamuṣṇaṃ sthirakaraṃ tailaṃ yoniviśodhanam
Es vertreibt vāta, vermehrt aber nicht kapha, sondern stärkt die Kraft; das Öl ist gut für die Haut, warm, festigend und reinigt die Gebärmutter (yoni).
viddhabhagnāhatabhraṣṭayonikarṇaśiroruji| pauruṣopacaye snehe vyāyāme ceṣyate vasā
Bei Durchstochenem, Gebrochenem, Verletztem, bei vorgefallener Gebärmutter, bei Schmerzen in Ohr und Kopf, zur Steigerung der Manneskraft, zur Ölung und bei körperlicher Anstrengung wird Fett (vasā) empfohlen.
balaśukrarasaśleṣmamedomajjavivardhanaḥ| majjā viśeṣato'sthnāṃ ca balakṛt snehane hitaḥ
Knochenmark (majjā) vermehrt Kraft, Samen, rasa, kapha, Körperfett (medas) und Mark selbst; es verleiht besonders den Knochen Kraft und ist zuträglich bei der Ölung.
sarpiḥ śaradi pātavyaṃ vasā majjā ca mādhave| tailaṃ prāvṛṣi nātyuṣṇaśīte snehaṃ pibennaraḥ
Ghee soll im Herbst getrunken werden, Fett und Knochenmark im Frühling, Öl in der Regenzeit; und der Mensch trinke das Ölmittel weder zu heiß noch zu kalt.
vātapittādhiko rātrāvuṣṇe cāpi pibennaraḥ| śleṣmādhiko divā śīte pibeccāmalabhāskare
Wer von vāta und pitta beherrscht ist, trinke es nachts und auch warm; wer von kapha beherrscht ist, trinke es tagsüber, kalt, bei wolkenlosem Sonnenschein.
atyuṣṇe vā divā pīto vātapittādhikena vā| mūrcchāṃ pipāsāmunmādaṃ kāmalāṃ vā samīrayet
Wird es zu heiß getrunken, oder tagsüber, oder von jemandem, bei dem vāta und pitta überwiegen, so kann dies Ohnmacht, Durst, Wahnsinn oder Gelbsucht hervorrufen.
śīte rātrau piban snehaṃ naraḥ śleṣmādhiko'pi vā| ānāhamaruciṃ śūlaṃ pāṇḍutāṃ vā samṛcchati
Trinkt ein Mensch das Ölmittel kalt in der Nacht, oder ist er von kapha beherrscht, so erleidet er Blähungen, Appetitlosigkeit, Stechen oder Blässe.
jalamuṣṇaṃ ghṛte peyaṃ yūṣastaile'nu śasyate| vasāmajjñostu maṇḍaḥ syāt sarveṣūṣṇamathāmbu vā
Nach Ghee soll warmes Wasser getrunken werden, nach Öl wird Hülsenfruchtsud empfohlen; nach Fett und Knochenmark aber Reisschleim – oder bei allen (auch) warmes Wasser.
odanaśca vilepī ca raso māṃsaṃ payo dadhi| yavāgūḥ sūpaśākau ca yūṣaḥ kāmbalikaḥ khaḍaḥ
Gekochter Reis, dünner Reisbrei, Fleischsud, Fleisch, Milch, Dickmilch, Reisgrütze, Linsensuppe und Gemüse, Hülsenfruchtsud, Kāmbalika und Khaḍa (ein saures Gericht) –
saktavastilapiṣṭaṃ ca madyaṃ lehāstathaiva ca| bhakṣyamabhyañjanaṃ bastistathā cottarabastayaḥ
– gerösteter Gerstenschrot, Sesampaste, berauschende Getränke, ebenso Leckspeisen, feste Speisen, Einreibung, Klistier (basti) und ebenso die oberen Klistiere (uttarabasti) –
gaṇḍūṣaḥ karṇatailaṃ ca nastaḥkarṇākṣitarpaṇam| caturviṃśatirityetāḥ snehasya pravicāraṇāḥ
– Mundspülung, Ohröl, Nasenöl (nasya), Ohr- und Augenstärkung (tarpaṇa) – dies sind die vierundzwanzig Anwendungsweisen der Ölung.
acchapeyastu yaḥ sneho na tāmāhurvicāraṇām| snehasya sa bhiṣagdṛṣṭaḥ kalpaḥ prāthamakalpikaḥ
Das Öl aber, das pur getrunken wird, rechnet man nicht zu diesen Anwendungsweisen; dem Arzt gilt es als die grundlegende, erste Zubereitungsart der Ölung.
rasaiścopahitaḥ snehaḥ samāsavyāsayogibhiḥ| ṣaḍbhistriṣaṣṭidhā saṅkhyāṃ prāpnotyekaśca kevalaḥ
Mit den sechs Geschmacksrichtungen (rasa) verbunden, einzeln oder in Kombination angewendet, erreicht das Ölmittel die Zahl dreiundsechzig; und eines kommt hinzu, rein, für sich allein.
evametāścatuḥṣaṣṭiḥ snehānāṃ pravicāraṇā | okartuvyādhipuruṣān prayojyā jānatā bhavet
So sind dies also die vierundsechzig Anwendungsweisen der Ölmittel; wer sie kennt, soll sie je nach Anwender, Krankheit und Patient gezielt einsetzen.
ahorātramahaḥ kṛtsnamardhāhaṃ ca pratīkṣate| pradhānā madhyamā hrasvā snehamātrā jarāṃ prati
Im Hinblick auf die Verdauungszeit wartet die höchste Dosis einen vollen Tag und eine Nacht, die mittlere einen ganzen Tag, die geringste einen halben Tag – so sind die höchste, mittlere und geringste Dosis des Ölmittels bestimmt.
iti tisraḥ samuddiṣṭā mātrāḥ snehasya mānataḥ| tāsāṃ prayogān vakṣyāmi puruṣaṃ puruṣaṃ prati
So sind die drei Dosierungen des Ölmittels der Menge nach genannt; ihre Anwendung will ich nun für jeden Menschen einzeln darlegen.
prabhūtasnehanityā ye kṣutpipāsāsahā narāḥ| pāvakaścottamabalo yeṣāṃ ye cottamā bale
Menschen, die an reichliche Ölung gewöhnt sind, die Hunger und Durst ertragen können, deren Verdauungsfeuer (agni) und Kraft am höchsten sind –
gulminaḥ sarpadaṣṭāśca visarpopahatāśca ye| unmattāḥ kṛcchramūtrāśca gāḍhavarcasa eva ca
– die an Gulma (einer Bauchgeschwulst) leiden, von Schlangen Gebissene, von Visarpa (einem kriechenden Hautausschlag) Befallene, Wahnsinnige, an schwierigem Harnlassen Leidende und solche mit hartem Stuhlgang –
pibeyuruttamāṃ mātrāṃ tasyāḥ pāne guṇāñchṛṇu| vikārāñchamayatyeṣāṃ śīghraṃ samyakprayojitā
– diese sollen die höchste Dosis trinken. Höre nun die Vorzüge ihres Trinkens: richtig angewandt, beruhigt sie deren Störungen rasch.
doṣānukarṣiṇī mātrā sarvamārgānusāriṇī| balyā punarnavakarī śarīrendriyacetasām
Diese Dosis zieht die doṣas (die krankmachenden Wirkprinzipien vāta, pitta und kapha) heraus, durchdringt alle Kanäle des Körpers, stärkt und erneuert Körper, Sinne und Geist.
aruṣkasphoṭapiḍakākaṇḍūpāmābhirarditāḥ| kuṣṭhinaśca pramīḍhāśca vātaśoṇitikāśca ye
Wer von Aruṣka-Ausschlag, Bläschen, Furunkeln, Juckreiz und Pāma (einer nässenden Hautkrankheit) geplagt ist, wer an Kuṣṭha (Hautkrankheit), an Ausfluss-Leiden oder an Vāta-Blutkrankheit (vātaśoṇita) leidet –
nātibahvāśinaścaiva mṛdukoṣṭhāstathaiva ca| pibeyurmadhyamāṃ mātrāṃ madhyamāścāpi ye bale
– sowie wer nicht übermäßig viel isst, wer einen weichen Darm hat und wer von mittlerer Kraft ist, soll die mittlere Dosis trinken.
mātraiṣā mandavibhraṃśā na cātibalahāriṇī| sukhena ca snehayati śodhanārthe ca yujyate
Diese Dosis wird nur langsam wieder ausgeschieden und raubt nicht übermäßig viel Kraft; sie ölt sanft und eignet sich auch zur Vorbereitung auf die Reinigung.
ye tu vṛddhāśca bālāśca sukumārāḥ sukhocitāḥ| riktakoṣṭhatvamahitaṃ yeṣāṃ mandāgnayaśca ye
Wer aber alt oder ein Kind ist, wer zart und an Bequemlichkeit gewöhnt ist, wem ein leerer Darm nicht zuträglich ist, und wer ein schwaches Verdauungsfeuer hat –
jvarātīsārakāsāśca yeṣāṃ cirasamutthitāḥ| snehamātrāṃ pibeyuste hrasvāṃ ye cāvarā bale
– sowie wer an lange andauerndem Fieber, Durchfall oder Husten leidet und wer von geringer Kraft ist, diese sollen die geringste Dosis des Ölmittels trinken.
parihāre sukhā caiṣā mātrā snehanabṛṃhaṇī| vṛṣyā balyā nirābādhā ciraṃ cāpyanuvartate
Diese Dosis ist in der Nachsorge angenehm, sie ölt und stärkt zugleich den Körper; sie ist aphrodisierend, kräftigend, unbeschwerlich und wirkt lange nach.
vātapittaprakṛta yo vātapittavikāriṇaḥ| cakṣuḥkāmāḥ kṣatāḥ kṣīṇā vṛddhā bālāstathā'balāḥ
Wer von Natur aus vāta-pitta-veranlagt ist, wer an vāta-pitta-Störungen leidet, wer sich gute Augen wünscht, wer verletzt, geschwächt, alt, ein Kind oder kraftlos ist –
āyuḥprakarṣakāmāśca balavarṇasvarārthinaḥ| puṣṭikāmāḥ prajākāmāḥ saukumāryārthinaśca ye
– wer sich langes Leben wünscht, wer Kraft, Hautfarbe und Stimme begehrt, wer Nahrhaftigkeit, Nachkommenschaft oder Zartheit erstrebt –
dīptyojaḥsmṛtimedhāgnibuddhīndriyabalārthinaḥ| pibeyuḥ sarpirārtāśca dāhaśastraviṣāgnibhiḥ
– wer nach Glanz, ojas, Erinnerungsvermögen, Verstand, Verdauungsfeuer, Intellekt, Sinneskraft und Körperkraft strebt, sowie wer von Brennen, Waffen, Gift oder Feuer gequält ist – diese sollen Ghee trinken.
pravṛddhaśleṣmamedaskāścalasthūlagalodarāḥ| vātavyādhibhirāviṣṭā vātaprakṛtayaśca ye
Wer übermäßig viel kapha und Körperfett hat, eine schlaffe, dicke Kehle und einen dicken Bauch, wer von vāta-Krankheiten befallen oder von Natur aus vāta-veranlagt ist –
balaṃ tanutvaṃ laghutāṃ dṛḍhatāṃ sthiragātratām | snigdhaślakṣṇatanutvaktāṃ ye ca kāṅkṣanti dehinaḥ
– und wer sich Kraft, Schlankheit, Leichtigkeit, Festigkeit, stabile Glieder und eine glatte, geschmeidige, feine Haut wünscht –
kṛmikoṣṭhāḥ krūrakoṣṭhāstathā nāḍībhirarditāḥ| pibeyuḥ śītale kāle tailaṃ tailocitāśca ye
– sowie wer im Darm von pathogenen Mikroorganismen befallen ist, wer einen harten Darm hat, wer von Fisteln (nāḍī) geplagt ist, und wer überhaupt für Öl geeignet ist, soll in der kalten Jahreszeit Öl trinken.
vātātapasahā ye ca rūkṣā bhārādhvakarśitāḥ| saṃśuṣkaretorudhirā niṣpītakaphamedasaḥ
Wer Wind und Sonnenglut ausgesetzt und trocken ist, wer durch Lasttragen und Wandern erschöpft ist, wessen Samen und Blut ausgetrocknet sind, wessen kapha und Körperfett aufgezehrt sind –
asthisandhisirāsnāyumarmakoṣṭhamahārujaḥ| balavānmāruto yeṣāṃ khāni cāvṛtya tiṣṭhati
– wer starke Schmerzen in Knochen, Gelenken, Adern, Sehnen, den lebenswichtigen Punkten (marma) und im Darm hat, und in wem ein starker vāta die Körperöffnungen und -kanäle verschlossen hält –
mahaccāgnibalaṃ yeṣāṃ vasāsātmyāśca ye narāḥ| teṣāṃ snehayitavyānāṃ vasāpānaṃ vidhīyate
– und wer ein starkes Verdauungsfeuer hat und wem Fett zuträglich ist – diesen, die der Ölung bedürfen, wird das Trinken von Fett (vasā) verordnet.
yaḥdīptāgna kleśasahā ghasmarāḥ snehasevinaḥ| vātārtāḥ krūrakoṣṭhāśca snehyā majjānamāpnuyuḥ
Wer ein loderndes Verdauungsfeuer hat, Strapazen erträgt, ein Vielesser und an Ölung gewöhnt ist, wer von vāta gequält wird und einen harten Darm hat – diese, die der Ölung bedürfen, sollen Knochenmark (majjā) erhalten.
yebhyo yebhyo hito yo yaḥ snehaḥ sa parikīrtitaḥ snehanasya prakarṣau tu saptarātratrirātrakau
Welches Öl (sneha) auch immer wem auch immer zuträglich ist, das gilt als angezeigt. Die beiden äußersten Grenzen für die Dauer der Ölungstherapie (snehana) aber sind sieben Nächte und drei Nächte.
svedyāḥ śodhayitavyāśca rūkṣā vātavikāriṇaḥ| vyāyāmamadyastrīnityāḥ snehyāḥ syurye ca cintakāḥ
Diejenigen, die einer Schwitzbehandlung (sveda) und einer Reinigungstherapie (śodhana) bedürfen, die von Trockenheit (rūkṣa) und vāta-Störungen Betroffenen, die ständig körperliche Anstrengung, Alkohol (madya) und Geschlechtsverkehr pflegen, sowie diejenigen, die viel geistig sorgen (Denker, Grübler) – sie sollen geölt (sneha-behandelt) werden.
saṃśodhanādṛte yeṣāṃ rūkṣaṇaṃ sampravakṣyate| na teṣāṃ snehanaṃ śastamutsannakaphamedasām
Bei denen, für die außerhalb einer Reinigungstherapie (saṃśodhana) eine austrocknende Behandlung (rūkṣaṇa) angezeigt sein wird – also bei Menschen mit übermäßigem kapha und Fettgewebe (meda) – ist die Ölungstherapie nicht empfohlen.
abhiṣyaṇṇānanagudā nityamandāgnayaśca ye| tṛṣṇāmūrcchāparītāśca garbhiṇyastāluśoṣiṇaḥ
Diejenigen mit verklebtem Mund und After, die ständig ein schwaches Verdauungsfeuer (agni) haben, die von Durst und Ohnmacht geplagt sind, Schwangere und die an Gaumentrockenheit leiden,
annadviṣaśchardayanto jaṭharāmagarārditāḥ| durbalāśca pratāntāśca snehaglānā madāturāḥ
die Speiseabneigung haben, die erbrechen, die von unverdauten Giftstoffen (āma, gara) im Bauch gequält sind, die Schwachen, die Erschöpften, die von der Ölung Ermatteten und die von Trunkenheit Betroffenen –
na snehyā vartamāneṣu na nasto bastikarmasu| snehapānāt prajāyante teṣāṃ rogāḥ sudāruṇāḥ
diese sollen nicht geölt werden, weder solange diese Zustände bestehen, noch durch Nasenöl (nasya) oder Klistiere (basti). Durch das Trinken von Öl (snehapāna) entstehen bei ihnen sehr schwere Krankheiten.
purīṣaṃ grathitaṃ rūkṣaṃ vāyurapraguṇo mṛduḥ| paktā kharatvaṃ raukṣyaṃ ca gātrasyāsnigdhalakṣaṇam
Verklumpter, trockener Stuhlgang, ein ungeregelter vāta, ein schwaches Verdauungsfeuer, Rauheit und Trockenheit des Körpers – das sind die Zeichen mangelnder Ölung (asnigdha).
vātānulomyaṃ dīpto'gnirvarcaḥ snigdhamasaṃhatam| mārdavaṃ snigdhatā cāṅge snigdhānāmupajāyate
Ein regelrechter Abwärtsfluss von vāta, ein entfachtes Verdauungsfeuer, geölter, nicht verhärteter Stuhl sowie Weichheit und Geöltheit des Körpers – das entsteht bei den (richtig) Geölten.
pāṇḍutā gauravaṃ jāḍyaṃ purīṣasyāvipakvatā| tandrīrarucirutkeśaḥ syādatisnigdhalakṣaṇam
Blässe, Schwere, Trägheit, Unverdautheit des Stuhls, Benommenheit (tandrī), Appetitlosigkeit und Haarausfall – das sind die Zeichen von Überölung (atisnigdha).
dravoṣṇamanabhiṣyandi bhojyamannaṃ pramāṇataḥ| nātisnigdhamasaṅkīrṇaṃ śvaḥ snehaṃ pātumicchatā
Wer am nächsten Tag Öl trinken möchte, soll flüssige, warme, nicht verstopfende Nahrung in angemessener Menge zu sich nehmen, die nicht zu ölig und nicht mit anderem vermischt ist.
pibet saṃśamanaṃ snehamannakāle prakāṅkṣitaḥ| śuddhyarthaṃ punarāhāre naiśe jīrṇe pibennaraḥ
Ein besänftigendes Öl (saṃśamana-sneha) soll man zur Essenszeit trinken, wenn Appetit besteht. Zum Zweck der Reinigung (śuddhi) hingegen soll der Mensch es am Morgen trinken, sobald das nächtliche Mahl verdaut ist, noch bevor er wieder isst.
uṣṇodakopacārī syādbrahmacārī kṣapāśayaḥ | śakṛnmūtrānilodgārānudīrṇāṃśca na dhārayet
Er soll sich mit warmem Wasser pflegen, enthaltsam leben und (allein) in seiner Schlafstätte ruhen. Aufsteigenden Stuhldrang, Harndrang, Blähungen und Rülpser soll er nicht zurückhalten.
vyāyāmamuccairvacanaṃ krodhaśokau himātapau| varjayedapravātaṃ ca seveta śayanāsanam
Körperliche Anstrengung, lautes Sprechen, Zorn und Kummer, Kälte und Sonnenhitze soll er meiden, ebenso stickige, zugluftlose Räume; er soll sich stattdessen dem Liegen und Sitzen in Ruhe widmen.
snehaṃ pītvā naraḥ snehaṃ pratibhuñjāna eva ca| snehamithyopacārāddhi jāyante dāruṇā gadāḥ
Denn wenn ein Mensch, der Öl getrunken hat, sich anschließend falsch verhält und unpassend weiterisst, entstehen aus solcher fehlerhaften Nachsorge nach der Ölung schreckliche Krankheiten.
mṛdukoṣṭhastrirātreṇa snihyatyacchopasevayā| snihyati krūrakroṣṭhastu saptarātreṇa mānavaḥ
Wer einen weichen Verdauungstrakt (mṛdukoṣṭha) hat, wird durch die Anwendung von klarem, unvermischtem Öl in drei Nächten gesättigt (geölt); wer hingegen einen harten, festen Verdauungstrakt (krūrakoṣṭha) hat, wird erst in sieben Nächten geölt.
guḍamikṣurasaṃ mastu kṣīramulloḍitaṃ dadhi| pāyasaṃ kṛśarāṃ sarpiḥ kāśmaryatriphalārasam
Rohrzucker, Zuckerrohrsaft, Molke (mastu), Milch, aufgeschlagene Dickmilch (dadhi), Milchreis, Reis-Bohnen-Brei (kṛśarā), Ghee sowie der Saft von Kāśmarya und von Triphalā –
drākṣārasaṃ pīlurasaṃ jalamuṣṇamathāpi vā| madyaṃ vā taruṇaṃ pītvā mṛdukoṣṭho viricyate
– oder Weintraubensaft, Pīlu-Saft, oder auch warmes Wasser, oder ein junges, leichtes alkoholisches Getränk getrunken, führt bei jemandem mit weichem Verdauungstrakt zur Ausleitung nach unten.
virecayanti naitāni krūrakoṣṭhaṃ kadācana| bhavati krūrakoṣṭhasya grahaṇyatyulbaṇānilā
Diese Mittel führen bei jemandem mit hartem Verdauungstrakt niemals ab. Bei einem Menschen mit hartem Verdauungstrakt kann die Verdauungsfunktion (grahaṇī) von übermäßig starkem vāta betroffen sein.
udīrṇapittā'lpakaphā grahaṇī mandamārutā| mṛdukoṣṭhasya tasmāt sa suvirecyo naraḥ smṛtaḥ
Bei jemandem mit weichem Verdauungstrakt hingegen ist das pitta erregt, das kapha gering, und die Verdauungsfunktion von schwachem vāta betroffen. Deshalb gilt ein Mensch mit weichem Verdauungstrakt als leicht abzuführen.
udīrṇapittā grahaṇī yasya cāgnibalaṃ mahat| bhasmībhavati tasyāśu snehaḥ pīto'gnitejasā
Bei wem die Verdauungsfunktion von erregtem pitta betroffen ist und wessen Verdauungskraft (agnibala) groß ist, bei dem wird das getrunkene Öl rasch durch die Glut des Verdauungsfeuers gleichsam zu Asche verzehrt.
sa jagdhvā snehamātrāṃ tāmojaḥ prakṣārayan balī| snehāgniruttamāṃ tṛṣṇāṃ sopasargāmudīrayet
Dieser Mensch, der jene Ölmenge zu sich genommen hat, spült dabei kraftvoll seine Vitalessenz (ojas) fort; das durch das Öl verstärkte Verdauungsfeuer kann heftigsten, von Begleitsymptomen begleiteten Durst hervorrufen.
nālaṃ snehasamṛddhasya śamāyānnaṃ sugurvapi| sa cet suśītaṃ salilaṃ nāsādayati dahyate| yathaivāśīviṣaḥ kakṣamadhyagaḥ svaviṣāgninā
Bei jemandem, dessen inneres Feuer durch das Öl derart verstärkt ist, genügt selbst schwere Nahrung nicht, um es zu besänftigen. Erreicht er nicht sehr kühles Wasser, verbrennt er – so wie eine Giftschlange, die inmitten trockenen Gestrüpps geraten ist, durch das Feuer ihres eigenen Giftes verbrennt.
ajīrṇe yadi tu snehe tṛṣṇā syācchardayedbhiṣak| śītodakaṃ punaḥ pītvā bhuktvā rūkṣānnamullikhet
Ist jedoch bei unverdautem Öl Durst vorhanden, soll der Arzt Erbrechen herbeiführen; nachdem der Patient danach kaltes Wasser getrunken hat und gegessen hat, soll er mit trockener Speise (den Überschuss) ausschaben.
na sarpiḥ kevalaṃ pitte peyaṃ sāme viśeṣataḥ| sarvaṃ hyanurajeddehaṃ [1] hatvā sañjñāṃ ca mārayet
Reines Ghee soll man bei einer pitta-Störung nicht trinken, besonders nicht bei gleichzeitigem Vorhandensein von āma (unverdauten Stoffwechselgiften). Denn es würde den ganzen Körper durchdringen, das Bewusstsein auslöschen und den Menschen töten.
tandrā [2] sotkleśa ānāho jvaraḥ stambho visañjñatā| kuṣṭhāni kaṇḍūḥ pāṇḍutvaṃ śophārśāṃsyarucistṛṣā
Benommenheit mit Übelkeit, Blähungen, Fieber, Steifheit, Bewusstlosigkeit, Hautkrankheiten (kuṣṭha), Juckreiz, Blässe, Ödeme, Hämorrhoiden, Appetitlosigkeit und Durst –
jaṭharaṃ grahaṇīdoṣāḥ staimityaṃ vākyanigrahaḥ| śūlamāmapradoṣāśca jāyante snehavibhramāt
Bauchwassersucht, Störungen der Verdauungsfunktion, feuchte Schwere im Körper, Sprachverlust, stechende Schmerzen und Verschlimmerung durch āma – all diese Beschwerden entstehen durch eine fehlerhafte Anwendung von Öl (snehavibhrama).
tatrāpyullekhanaṃ śastaṃ svedaḥ kālapratīkṣaṇam| prati prati vyādhibalaṃ buddhvā sraṃsanameva ca
Auch hierbei ist ein ausschabendes Mittel (Brechmittel) angezeigt, ebenso Schwitzen und das Abwarten der rechten Zeit; je nach der jeweiligen Stärke der Krankheit erkennend, auch ein leichtes Abführmittel (sraṃsana).
takrāriṣṭaprayogaśca rūkṣapānānnasevanam| mūtrāṇāṃ triphalāyāśca snehavyāpattibheṣajam
Die Anwendung von Buttermilch (takra) und von Ariṣṭas (fermentierten Heilweinen), der Gebrauch trockener Getränke und Speisen sowie von medizinischen Urinen (mūtra) und von Triphalā – das ist die Heilbehandlung für Fehler bei der Ölanwendung.
akāle cāhitaścaiva mātrayā na ca yojitaḥ| sneho mithyopacārācca vyāpadyetātisevitaḥ
Zur falschen Zeit gegeben, ungeeignet, nicht in der richtigen Dosierung verabreicht, durch falsche Nachsorge sowie durch übermäßigen Gebrauch kann das Öl schädlich werden.
snehāt praskandanaṃ jantustrirātroparataḥ pibet| snehavaddravamuṣṇaṃ ca tryahaṃ bhuktvā rasaudanam
Tritt durch das Öl eine Stockung (praskandana) ein, soll das Lebewesen, nachdem es drei Nächte pausiert hat, ein entsprechendes Mittel trinken; drei Tage lang soll es warme, flüssige, öl-ähnliche Reisbrühe (rasaudana) zu sich nehmen.
ekāhoparatastadvadbhuktvā pracchardanaṃ pibet| syāttvasaṃśodhanārthīye vṛttiḥ snehe viriktavat
Nach nur einem Tag Pause soll er ebenso essen und danach ein Brechmittel trinken. Wer jedoch keine Reinigung wünscht, für den gilt beim Öltrinken dasselbe Verhalten wie nach einer Abführung.
snehadviṣaḥ snehanityā mṛdukoṣṭhāśca ye narāḥ| kleśāsahā madyanityāsteṣāmiṣṭā vicāraṇā
Bei Menschen, die Öl verabscheuen, die es gewohnt sind, die einen weichen Verdauungstrakt haben, die Strapazen nicht ertragen können, und die gewohnheitsmäßig Alkohol trinken, ist eine sorgfältige individuelle Abwägung geboten.
lāvataittiramāyūrahāṃsavārāhakaukkuṭāḥ| gavyājaurabhramātsyāśca rasāḥ syuḥ snehane hitāḥ
Fleischbrühen von Wachtel, Rebhuhn, Pfau, Wildgans, Wildschwein und Haushuhn, sowie von Rind, Ziege, Schaf und Fisch sind für die Ölung förderlich.
yavakolakulatthāśca snehāḥ saguḍaśarkarāḥ| dāḍimaṃ dadhi savyoṣaṃ rasasaṃyogasaṅgrahaḥ
Gerste, Brustbeeren (kola) und Pferdebohnen (kulattha), zubereitet mit Öl, mit Rohrzucker und Kandiszucker, Granatapfel, Dickmilch mit den drei Gewürzen (vyoṣa) – das ist eine Zusammenstellung öliger Speisezubereitungen.
snehayanti tilāḥ pūrvaṃ jagdhāḥ sasnehaphāṇitāḥ| kṛśarāśca bahusnehāstilakāmbalikāstathā
Zuvor gegessene Sesamkörner mit Öl und Zuckersirup (phāṇita) ölen den Körper, ebenso Reis-Bohnen-Brei mit reichlich Öl, sowie ein saurer Sesambrei (tilakāmbalikā).
phāṇitaṃ śṛṅgaveraṃ ca tailaṃ ca surayā saha| pibedrūkṣo bhṛtairmāṃsairjīrṇe'śnīyācca bhojanam
Zuckersirup, Ingwer und Öl zusammen mit Bier soll ein von Trockenheit Betroffener trinken; sobald es verdaut ist, soll er eine Mahlzeit mit gebratenem Fleisch einnehmen.
tailaṃ surāyā maṇḍena vasāṃ majjānameva vā| piban saphāṇitaṃ kṣīraṃ naraḥ snihyati vātikaḥ
Wer Öl zusammen mit dem Bodensatz von Bier, oder mit Fett (vasā) oder Knochenmark (majjā), sowie Milch mit Zuckersirup trinkt, wird als vāta-geplagter Mensch dadurch geölt.
dhāroṣṇaṃ snehasaṃyuktaṃ pītvā saśarkaraṃ payaḥ| naraḥ snihyati pītvā vā saraṃ dadhnaḥ saphāṇitam
Ein Mensch wird geölt, wenn er frisch gemolkene, warme, mit Öl versetzte und gezuckerte Milch trinkt – oder wenn er den flüssigen Anteil von Dickmilch mit Zuckersirup trinkt.
pāñcaprasṛtikī peyā pāyaso māṣamiśrakaḥ| kṣīrasiddho bahusnehaḥ snehayedacirānnaram
Ein nach der Fünf-Handvoll-Regel bemessener Reisschleim (peyā), ein mit Urdbohnen vermischter, in Milch gekochter und ölreicher Milchreis – das ölt den Menschen rasch.
sarpistailavasāmajjātaṇḍulaprasṛtaiḥ śṛ(kṛ)tā| pāñcaprasṛtikī peyā peyā snehanamicchatā (śaukaro vā rasaḥ snigdhaḥ sarpirlavaṇasaṃyutaḥ | pīto dvirvāsare yatnāt snehayedacirānnaram
Ein aus Ghee, Sesamöl, Fett, Knochenmark und Reis, je zu einem Maßteil, gekochter Reisschleim nach der Fünf-Handvoll-Regel soll von dem getrunken werden, der Ölung wünscht – oder auch eine ölige Schweinefleischbrühe mit Ghee und Salz, sorgfältig zweimal täglich getrunken, ölt den Menschen rasch.
)| grāmyānūpaudakaṃ māṃsaṃ guḍaṃ dadhi payastilān| kuṣṭhī śothī pramehī ca snehane na prayojayet
Fleisch von Haus-, Sumpf- und Wassertieren, Rohrzucker, Dickmilch, Milch und Sesam soll man bei einem an Hautkrankheit, Ödemen oder Harnwegsleiden Leidenden nicht zur Ölung anwenden.
snehairyathārhaṃ tān siddhaiḥ snehayedavikāribhiḥ| pippalībhirharītakyā siddhaistriphalayā'pi vā
Diese soll man vielmehr mit passend zubereiteten, unschädlichen Ölen ölen, die mit langem Pfeffer (pippalī), mit Myrobalane (harītakī) oder auch mit Triphalā zubereitet sind.
drākṣāmalakayūṣābhyāṃ dadhnā cāmlena sādhayet| vyoṣagarbhaṃ bhiṣak snehaṃ pītvā snihyati taṃ naraḥ
Der Arzt soll ein mit den Absuden von Weintrauben und Amalaki sowie mit saurer Dickmilch zubereitetes, mit den drei Gewürzen (vyoṣa) versetztes Öl herstellen; trinkt der Mensch dieses, wird er geölt.
yavakolakulatthānāṃ rasāḥ kṣāraḥ surā dadhi| kṣīrasarpiśca tat siddhaṃ snehanīyaṃ ghṛtottamam
Säfte von Gerste, Brustbeeren und Pferdebohnen, Lauge (kṣāra), Bier, Dickmilch, Milch und Ghee – damit zubereitet entsteht ein hervorragendes, zur Ölung geeignetes Ghee.
tailamajjavasāsarpirbadaratriphalārasaiḥ| yoniśukrapradoṣeṣu sādhayitvā prayojayet
Öl, Knochenmark, Fett und Ghee soll man mit den Säften von Brustbeeren und Triphalā zubereiten und bei Störungen von Gebärmutter/Scheide (yoni) und Samen (śukra) anwenden.
gṛhṇātyambu yathā vastraṃ prasravatyadhikaṃ yathā| yathāgni jīryati snehastathā sravati cādhikaḥ
So wie ein Tuch Wasser aufnimmt und das überschüssige wieder abgibt, so wird das Öl entsprechend der Verdauungskraft (agni) verdaut, und das überschüssige fließt wieder ab.
yathā vā''kledya mṛtpiṇḍamāsiktaṃ tvarayā jalam| sravati sraṃsate snehastathā tvaritasevitaḥ
Oder so wie Wasser, das rasch auf einen bereits durchfeuchteten Tonklumpen gegossen wird, wieder abfließt statt einzudringen, so fließt auch hastig eingenommenes Öl ebenso wieder ab, ohne aufgenommen zu werden.
lavaṇopahitāḥ snehāḥ snehayantyacirānnaram| taddhyabhiṣyandyarūkṣaṃ ca sūkṣmamuṣṇaṃ vyavāyi ca
Mit Salz versetzte Öle ölen den Menschen rasch; denn Salz ist verflüssigend, nicht austrocknend, feinstofflich, warm und im Körper durchdringend.
snehamagre prayuñjīta tataḥ svedamanantaram| snehasvedopapannasya saṃśodhanamathetarat [1]
Zuerst soll man das Öl anwenden, unmittelbar danach die Schwitzbehandlung (sveda); bei dem, der so mit Öl und Schwitzen behandelt wurde, folgt danach die Reinigungstherapie (saṃśodhana) oder, falls angezeigt, die besänftigende Behandlung (saṃśamana).
tatra ślokaḥ- snehāḥ snehavidhiḥ kṛtsnavyāpatsiddhiḥ sabheṣajā| yathāpraśnaṃ bhagavatā vyāhṛtaṃ cāndrabhāginā
Dazu gibt es folgenden Merkvers: Die Öle, die Methode der Ölung sowie die vollständige Behandlung ihrer Fehler samt den zugehörigen Heilmitteln – dies wurde, wie erfragt, vom erhabenen Cāndrabhāgin dargelegt.