Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 22: Langhanabrimhaniya Reduktions- und Aufbautherapie

Kapitel 22 legt in Frage-und-Antwort-Form zwischen Ātreya und seinem Schüler Agniveśa eines der zentralen Ordnungsschemata der Caraka-Saṃhitā dar: die sechs Grundbehandlungen Laṅghana (Reduktion), Bṛṃhaṇa (Aufbau), Rūkṣaṇa (Austrocknung), Snehana (Ölung), Svedana (Schwitzen) und Stambhana (Fixierung, Stopfen). Für jedes Verfahren werden Wirkprinzip, geeignete Substanzeigenschaften, Indikationen nach Doṣa-Stärke sowie die Merkmale richtiger, unterlassener und übermäßiger Anwendung systematisch durchdekliniert – ein Lehrstück angewandter Doṣa-Logik, das therapeutisches Handeln erst kalkulierbar macht. Historisch gehört das Kapitel zur Gruppe der „Vorbereitungskapitel“ (prakalpana) im Aufbau des Werks und bildet die begriffliche Grundlage, auf die spätere Kapitel zu Ausleitungstherapien und Pañcakarma ständig zurückgreifen. Botanische Einzelsubstanzen treten hier bewusst zurück; stattdessen liegt der Akzent auf den abstrakten Eigenschaftspaaren (schwer/leicht, ölig/trocken, heiß/kalt), mit denen jede Heilsubstanz später eingeordnet werden kann.

DIE SECHS GRUNDBEHANDLUNGEN (Vers 9–33)
VerfahrenWirkprinzipSubstanzeigenschaftenWer bedarf dessen (Beispiele)
laṅghanaBewirkt Leichtigkeit (lāghava) im Körperleicht, heiß, scharf, klar, trocken, fein, rau, durchdringend, hartReichlich kapha/pitta/Blut/Ausscheidungsstoffe, kräftiger Körperbau (V19)
bṛṃhaṇaBewirkt Fülle und Größe (bṛhattva)schwer, kalt, weich, ölig, dicht, grob-schleimig, meist mild, fest, glattGeschwächte, Magere, Alte, ständig Reisende, im Sommer (V26)
rūkṣaṇaBewirkt Trockenheit, Rauheit, Klarheit, Fehlen von Klebrigkeittrocken, leicht, rau, scharf, heiß, fest, nicht schleimig, meist hartStarke Verschleimung, Krankheiten in den marmas, ūrustambha (V30)
snehanaBewirkt Ölung, Durchfeuchtung, Weichheit, Feuchtigkeitflüssig, fein, durchdringend, ölig, schleimig, schwer, kühl, meist mild, weichWer der Ölung bedarf (ausführlich im eigenen Kapitel, V31)
svedanaErzeugt Schwitzen, beseitigt Steifheit, Schwere und Kälteheiß, scharf, durchdringend, ölig, trocken, fein, flüssig, fest, meist schwerWer der Schwitzbehandlung bedarf (ausführlich im eigenen Kapitel, V31)
stambhanaMacht Bewegliches, Wankendes fest und unbeweglichkalt, mild, weich, glatt, trocken, fein, flüssig, fest, leichtVerbrannte, von Erbrechen/Durchfall Geplagte, durch Gift oder übermäßiges Schwitzen Geschädigte (V33)
Für jedes Verfahren sind zudem die Merkmale richtiger, unterlassener und übermäßiger Anwendung im Kapitel einzeln festgelegt (V34–41).

athāto laṅghanabṛṃhaṇīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über laṅghana (Reduktionstherapie, die Verminderung/Verschlankung des Körpers) und bṛṃhaṇa (Aufbautherapie, die Kräftigung/Nährung des Körpers) erklären.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

tapaḥsvādhyāyaniratānātreyaḥ śiṣyasattamān| ṣaḍagniveśapramukhānuktavān paricodayan

Ātreya, sich an seine besten Schüler wendend, die in Askese (tapas) und Textstudium (svādhyāya) vertieft waren, allen voran die sechs mit Agniveśa an der Spitze, sprach sie an und forderte sie heraus:

laṅghanaṃ bṛṃhaṇaṃ kāle rūkṣaṇaṃ snehanaṃ tathā| svedanaṃ stambhanaṃ caiva jānīte yaḥ sa vai bhiṣak

Wer laṅghana, bṛṃhaṇa, zur rechten Zeit auch rūkṣaṇa (Austrocknung), snehana (Ölung), svedana (Schwitzbehandlung) und stambhana (Stopfen, Fixieren) kennt, der ist wahrlich ein Arzt (bhiṣaj).

tamuktavantamātreyamagniveśa uvāca ha

Zu dem so sprechenden Ātreya sagte Agniveśa:

bhagavaṃllaṅghanaṃ kiṃsvillaṅghanīyāśca kīdṛśāḥ| bṛṃhaṇaṃ bṛṃhaṇīyāśca rūkṣaṇīyāśca rūkṣaṇam

Erhabener, was ist laṅghana, und wie sind die beschaffen, die laṅghana bedürfen (laṅghanīya)? Was ist bṛṃhaṇa und wie sind die, die bṛṃhaṇa bedürfen (bṛṃhaṇīya)? Und was ist rūkṣaṇa und wie sind die, die rūkṣaṇa bedürfen (rūkṣaṇīya)?

ke snehāḥ snehanīyāśca svedāḥ svedyāśca ke matāḥ| stambhanaṃ stambhanīyāśca vaktumarhasi tadguro!

Was sind die snehas (Ölmittel) und wer bedarf der snehana? Was gilt als svedas (Schwitzmittel) und wer bedarf der svedana? Was ist stambhana und wer bedarf des stambhana – dies mögest du, o Lehrer, erklären!

laṅghanaprabhṛtīnāṃ ca ṣaṇṇāmeṣāṃ samāsataḥ| kṛtākṛtātivṛttānāṃ lakṣaṇaṃ vaktumarhasi

Und von diesen sechs [Verfahren], beginnend mit laṅghana, mögest du zusammenfassend die Merkmale ihrer richtigen (kṛta), unterlassenen (akṛta) und übermäßigen (ativṛtta) Anwendung darlegen.

bhagavamṃllaṅghanaṁ kiṁsvillaṅghanīyāśca kīdr̥śāḥ| tadagniveśasya vaco niśamya gururabravīt| yat kiñcillāghavakaraṃ dehe tallaṅghanaṃ smṛtam

„Erhabener, was ist laṅghana, und wie sind die beschaffen, die laṅghana bedürfen?“ – Nachdem er diese Worte des Agniveśa vernommen hatte, sprach der Lehrer: „Was auch immer im Körper Leichtigkeit (lāghava) bewirkt, das gilt als laṅghana.“

bṛhattvaṃ yaccharīrasya janayettacca bṛṃhaṇam| raukṣyaṃ kharatvaṃ vaiśadyaṃ yat kuryāttaddhi rūkṣaṇam

Was im Körper Fülle und Größe (bṛhattva) erzeugt, das ist bṛṃhaṇa. Was Trockenheit (raukṣya), Rauheit (kharatva) und Klarheit, das Fehlen von Klebrigkeit (vaiśadya) bewirkt, das ist rūkṣaṇa.

snehanaṃ snehaviṣyandamārdavakledakārakam | stambhagauravaśītaghnaṃ svedanaṃ svedakārakam

Snehana ist, was Ölung (sneha), Durchfeuchtung (viṣyanda), Weichheit (mārdava) und Feuchtigkeit (kleda) bewirkt. Svedana ist, was Schwitzen erzeugt und Steifheit (stambha), Schwere (gaurava) und Kälte beseitigt.

stambhanaṃ stambhayati yadgatimantaṃ calaṃ dhruvam| laghūṣṇatīkṣṇaviśadaṃ rūkṣaṃ sūkṣmaṃ kharaṃ saram

Stambhana ist, was Bewegliches (gatimat), Wankendes (cala) fest und unbeweglich (dhruva) macht. Eine Substanz, die leicht, heiß, scharf, klar, trocken, fein, rau und durchdringend ist

kaṭhinaṃ caiva yaddravyaṃ prāyastallaṅghanaṃ smṛtam| guru śītaṃ mṛdu snigdhaṃ bahalaṃ sthūlapicchilam

und dazu hart – eine solche Substanz gilt in der Regel als laṅghana. Eine Substanz, die schwer, kalt, weich, ölig, dicht und grob-schleimig ist

prāyo mandaṃ sthiraṃ ślakṣṇaṃ dravyaṃ bṛṃhaṇamucyate| rūkṣaṃ laghu kharaṃ tīkṣṇamuṣṇaṃ sthiramapicchilam

und meist mild und fest, dazu glatt – eine solche Substanz wird bṛṃhaṇa genannt. Eine Substanz, die trocken, leicht, rau, scharf, heiß, fest und nicht schleimig ist

prāyaśaḥ kaṭhinaṃ caiva yaddravyaṃ taddhi rūkṣaṇam| dravaṃ sūkṣmaṃ saraṃ snigdhaṃ picchilaṃ guru śītalam| prāyo mandaṃ mṛdu ca yaddravyaṃ tatsnehanaṃ matam

und meist hart – eine solche Substanz ist rūkṣaṇa. Eine Substanz, die flüssig, fein, durchdringend, ölig, schleimig, schwer, kühl und meist mild und weich ist – eine solche Substanz gilt als snehana.

uṣṇaṃ tīkṣṇaṃ saraṃ snigdhaṃ rūkṣaṃ sūkṣmaṃ dravaṃ sthiram| dravyaṃ guru ca yat prāyastaddhi svedanamucyate

Eine Substanz, die heiß, scharf, durchdringend, ölig, trocken, fein, flüssig, fest und meist schwer ist – eine solche Substanz wird svedana genannt.

śītaṃ mandaṃ mṛdu ślakṣṇaṃ rūkṣaṃ sūkṣmaṃ dravaṃ sthiram| yaddravyaṃ laghu coddiṣṭaṃ prāyastat stambhanaṃ smṛtam

Eine Substanz, die kalt, mild, weich, glatt, trocken, fein, flüssig, fest und dazu leicht genannt wird – eine solche Substanz gilt meist als stambhana.

catuṣprakārā saṃśuddhiḥ pipāsā mārutātapau| pācanānyupavāsaśca vyāyāmaśceti laṅghanam

Laṅghana ist vierfach: die [reinigende] Ausleitung (saṃśuddhi), das Durstenlassen (pipāsā), [das Aussetzen an] Wind und Sonne, verdauungsfördernde Mittel (pācana), das Fasten (upavāsa) und körperliche Betätigung (vyāyāma).

prabhūtaśleṣmapittāsramalāḥ saṃsṛṣṭamārutāḥ| bṛhaccharīrā balino laṅghanīyā viśuddhibhiḥ

Wer reichlich kapha (Schleim-doṣa), pitta (Feuer-doṣa), Blut und [andere] Ausscheidungsstoffe hat, verbunden mit gestörtem vāta, von großem Körperbau und kräftig ist, bedarf des laṅghana durch reinigende Ausleitung (viśuddhi).

yeṣāṃ madhyabalā rogāḥ kaphapittasamutthitāḥ| vamyatīsārahṛdrogavisūcyalasakajvarāḥ

Diejenigen, deren Krankheiten von mittlerer Stärke sind und aus kapha und pitta entstehen – Erbrechen, Durchfall (atīsāra), Herzkrankheit (hṛdroga), eine cholera-artige Störung (visūcikā), alasaka (eine akute Verdauungsstörung mit Blähung) und Fieber (jvara) –

vibandhagauravodgārahṛllāsārocakādayaḥ| pācanaistān bhiṣak prājñaḥ prāyeṇādāvupācaret

Verstopfung, Schwere, Aufstoßen, Übelkeit und Appetitlosigkeit und dergleichen – diese sollte der kluge Arzt in der Regel zunächst mit verdauungsfördernden Mitteln (pācana) behandeln.

eta eva yathoddiṣṭā yeṣāmalpabalā gadāḥ| pipāsānigrahaisteṣāmupavāsaiśca tāñjayet

Bei denen, deren so beschriebene Krankheiten von geringer Stärke sind, soll man diese durch Durstenlassen und Fasten besiegen.

rogāñjayenmadhyabalān vyāyāmātapamārutaiḥ| balināṃ kiṃ punaryeṣāṃ rogāṇāmavaraṃ balam

Krankheiten mittlerer Stärke soll man durch körperliche Übung, Sonne und Wind besiegen – wie viel mehr gilt dies für Kräftige, deren Krankheiten nur geringe Stärke haben.

tvagdoṣiṇāṃ pramīḍhānāṃ snigdhābhiṣyandibṛṃhiṇām| śiśire laṅghanaṃ śastamapi vātavikāriṇām

Für Menschen mit Hautleiden, mit prameha (Harnkrankheiten), für ölige, verschleimte, aufgebaute Konstitutionen ist laṅghana im śiśira (Spätwinter) empfohlen – sogar für solche mit vāta-Störungen.

adigdhaviddhamakliṣṭaṃ vayasthaṃ sātmyacāriṇām| mṛgamatsyavihaṅgānāṃ māṃsaṃ bṛṃhaṇamucyate

Das Fleisch von Wild, Fisch und Vögeln, das nicht verbrannt, nicht durchbohrt, nicht misshandelt wurde, von Tieren mittleren Alters aus einer zuträglichen Umgebung, gilt als bṛṃhaṇa.

kṣīṇāḥ kṣatāḥ kṛśā vṛddhā durbalā nityamadhvagāḥ| strīmadyanityā grīṣme ca bṛṃhaṇīyā narāḥ smṛtāḥ

Geschwächte, Verletzte, Magere, Alte, Schwache, ständig Reisende, dem Geschlechtsverkehr und Alkohol Ergebene sowie [alle Menschen] im Sommer (grīṣma) gelten als bedürftig der bṛṃhaṇa.

śoṣārśograhaṇīdoṣairvyādhibhiḥ karśitāśca ye| teṣāṃ kravyādamāṃsānāṃ bṛṃhaṇā laghavo rasāḥ

Diejenigen, die durch Auszehrung (śoṣa), Hämorrhoiden (arśas), eine Störung der grahaṇī (des Verdauungsfeuer-Sitzes) und andere Krankheiten geschwächt sind – für sie sind die leichten Fleischbrühen (rasa) von fleischfressenden Tieren aufbauend (bṛṃhaṇa).

snānamutsādanaṃ svapno madhurāḥ snehabastayaḥ| śarkarākṣīrasarpīṃṣi sarveṣāṃ viddhi bṛṃhaṇam

Baden, Einreibung/Massage (utsādana), Schlaf, süße Ölklistiere (sneha-basti), Zucker, Milch und Ghee – erkenne all dies als bṛṃhaṇa.

kaṭutiktakaṣāyāṇāṃ sevanaṃ strīṣvasaṃyamaḥ| khalipiṇyākatakrāṇāṃ madhvādīnāṃ ca rūkṣaṇam

Der Genuss von Scharfem, Bitterem und Adstringierendem, Zügellosigkeit im Geschlechtsverkehr sowie [der Genuss von] Trester, Ölkuchen, Buttermilch, Honig und dergleichen wirken rūkṣaṇa (austrocknend).

abhiṣyaṇṇā mahādoṣā marmasthā vyādhayaśca ye| ūrustambhaprabhṛtayo rūkṣaṇīyā nidarśitāḥ

Krankheiten mit starker Verschleimung (abhiṣyanda) und starker doṣa-Beteiligung, die in den marmas (den vitalen Punkten) sitzen, sowie Krankheiten wie ūrustambha (Versteifung der Schenkel) und dergleichen, gelten als bedürftig des rūkṣaṇa.

snehāḥ snehayitavyāśca svedāḥ svedyāśca ye narāḥ| snehādhyāye mayoktāste svedākhye ca savistaram

Die snehas und diejenigen Menschen, die der Ölung bedürfen, sowie die svedas und diejenigen, die der Schwitzbehandlung bedürfen, habe ich bereits ausführlich im Kapitel über sneha und im Kapitel über sveda dargelegt.

dravaṃ tanvasaraṃ yāvacchītīkaraṇamauṣadham| svādu tiktaṃ kaṣāyaṃ ca stambhanaṃ sarvameva tat

Flüssiges, Feines, mäßig Durchdringendes, kühlende Heilmittel sowie Süßes, Bitteres und Adstringierendes – all dies ist stambhana.

pittakṣārāgnidagdhā ye vamyatīsārapīḍitāḥ| viṣasvedātiyogārtāḥ stambhanīyā nidarśitāḥ

Diejenigen, die durch pitta, Ätzmittel (kṣāra) oder Feuer verbrannt wurden, die von Erbrechen und Durchfall geplagt sind, die durch Gift oder übermäßige Schwitzbehandlung gelitten haben, gelten als bedürftig des stambhana.

vātamūtrapurīṣāṇāṃ visarge gātralāghave| hṛdayodgārakaṇṭhāsyaśuddhau tandrāklame gate

Wenn die Ausscheidung von vāta (Blähung), Urin und Kot [ungehindert] erfolgt, wenn Leichtigkeit der Glieder eintritt, wenn Herz, Aufstoßen, Kehle und Mund gereinigt sind, wenn Benommenheit (tandrā) und Erschöpfung (klama) gewichen sind,

svede jāte rucau caiva kṣutpipāsāsahodaye| kṛtaṃ laṅghanamādeśyaṃ nirvyathe cāntarātmani

wenn Schweiß eingetreten ist, wenn der Appetit (ruci) [zurückgekehrt ist] und Hunger und Durst gemeinsam auftreten, und wenn das innere Gemüt (antarātman) frei von Unruhe ist – dann gilt laṅghana als richtig durchgeführt (kṛta).

parvabhedo'ṅgamardaśca kāsaḥ śoṣo mukhasya ca| kṣutpraṇāśo'rucistṛṣṇā daurbalyaṃ śrotranetrayoḥ

Gelenkschmerzen (parvabheda), Zerschlagenheit der Glieder, Husten, Austrocknung des Mundes, Verlust des Hungergefühls, Appetitlosigkeit, Durst, Schwäche von Gehör und Sehvermögen,

manasaḥ sambhramo'bhīkṣṇamūrdhvavātastamo hṛdi| dehāgnibalanāśaśca laṅghane'tikṛte bhavet

ständige Verwirrung des Geistes, aufsteigendes vāta, Dunkelheit/Ohnmacht im Herzen sowie der Verlust von Körperkraft und Verdauungsfeuer (agni) – dies tritt ein, wenn laṅghana übermäßig durchgeführt wird (atikṛta).

balaṃ puṣṭyupalambhaśca kārśyadoṣavivarjanam| lakṣaṇaṃ bṛṃhite sthaulyamati cātyarthabṛṃhite

Kraft, spürbarer Gewinn an Fülle (puṣṭi) und das Ausbleiben der Übel der Magerkeit (kārśya) sind die Merkmale von richtig durchgeführtem bṛṃhaṇa; Fettleibigkeit (sthaulya) hingegen ist das Merkmal von übermäßig durchgeführtem bṛṃhaṇa.

kṛtātikṛtaliṅgaṃ yallaṅghite taddhi rūkṣite stambhitaḥ syādbale labdhe yathoktaiścāmayairjitaiḥ

Die Merkmale von richtig und übermäßig durchgeführtem laṅghana gelten ebenso für rūkṣaṇa. [Bei stambhana gilt:] Man ist [richtig] „gefestigt“ (stambhita), wenn Kraft erlangt und die zuvor genannten Krankheiten besiegt sind.

śyāvatā stabdhagātratvamudvego hanusaṅgrahaḥ| hṛdvarconigrahaśca syādatistambhitalakṣaṇam

Bräunliche Verfärbung, Steifheit der Glieder, Unruhe, Kieferklemme (hanusaṅgraha) sowie das Zurückhalten von Herzempfindungen und Stuhl (varcas) – das sind die Merkmale von übermäßig durchgeführtem stambhana.

lakṣaṇaṃ cākṛtānāṃ syāt ṣaṇṇāmeṣāṃ samāsataḥ| tadauṣadhānāṃ dhātūnāmaśamo vṛddhireva ca

Und das Merkmal des Unterlassens (akṛta) bei diesen sechs [Verfahren] ist, kurz gesagt: dass trotz der jeweiligen Heilmittel die dhātus (Körpergewebe/-elemente) nicht zur Ruhe kommen oder sogar zunehmen (vṛddhi).

iti ṣaṭ sarvarogāṇāṃ proktāḥ samyagupakramāḥ| sādhyānāṃ sādhane siddhā mātrākālānurodhinaḥ

So wurden die sechs Behandlungsmaßnahmen (upakrama) für alle Krankheiten richtig dargelegt – bei der Behandlung heilbarer Krankheiten bewährt, sofern Dosierung (mātrā) und Zeitpunkt (kāla) beachtet werden.

doṣāṇāṃ bahusaṃsargāt saṅkīryante hyupakramāḥ| ṣaṭtvaṃ tu nātivartante tritvaṃ vātādayo yathā

Durch die vielfache Vermischung der doṣas (Körpersäfte: vāta, pitta, kapha) vermischen sich auch die Behandlungsmaßnahmen untereinander; doch übersteigen sie die Zahl sechs nicht – so wie vāta und die übrigen [doṣas] die Zahl drei nicht übersteigen.

ityasmiṃlaṅghanādhyāye vyākhyātāḥ ṣaḍupakramāḥ| yathāpraśnaṃ bhagavatā cikitsā yaiḥ pravartate

So wurden in diesem Kapitel über laṅghana die sechs Behandlungsmaßnahmen erklärt, entsprechend der Frage, durch die der Erhabene die Therapie (cikitsā) darlegt.

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