athāto mātrāśitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über das maßvolle Essen (mātrāśitīya) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Das fünfte Kapitel beginnt mit der Grundregel maßvollen Essens: Die richtige Nahrungsmenge (mātrā) bemisst sich nicht an festen Werten, sondern an der individuellen Stärke des Verdauungsfeuers (agni) sowie an der Unterscheidung leichter und schwerer Speisen. Von hier aus entfaltet der Text ein ausführliches Tagesregime (dinacaryā): Augensalbe, das kunstvoll geregelte Rauchinhalieren mit genauen Angaben zu Zeitpunkt und Dosis, die jahreszeitliche Nasenölbehandlung (nasya), Zahnreinigung, Zungenschaben, Öl- und Fußmassage, Baden sowie das Tragen von Schuhwerk, Sonnenschirm und Gehstock. Diese Sammlung alltäglicher Gesundheitspraktiken hat enge Parallelen in der Dinacaryā-Darstellung der Suśruta-Saṃhitā und des Aṣṭāṅgahṛdaya, gilt jedoch als eine der ausführlichsten der klassischen Literatur. Botanisch werden vor allem wohlriechende, reinigende Substanzen wie Sandelholz und Aguru genannt, ohne dass eine einzelne Pflanze im Zentrum steht.
| Maßnahme | Wirkung (Auswahl) |
|---|---|
| añjana | Augensalbe (täglich Sauvīra-, alle 5–8 Nächte Rasä-añjana) – klärt den Blick, beseitigt Kapha-bedingte Trübung |
| dhūmapāna | Rauchinhalation – beseitigt Kopfschwere, Schnupfen, Zahn-, Ohren- und Halsleiden oberhalb der Schlüsselbeine |
| nasya | Nasenölbehandlung (aṇutaila) – schützt Augen, Nase, Ohren und Haare, stärkt die Sinnesorgane |
| danta-pavana | Zahnreinigungsholz – beseitigt üblen Geruch, verleiht Appetit und saubere Zähne |
| jihvānirlekhana | Zungenschaben – entfernt Belag, verhindert Mundgeruch |
| kavalagraha | Mundhalten mit Muskatnuss, Betelnuss, Gewürznelke, Kampfer u. a. – Klarheit, Geschmackssinn, feste Zähne |
| Kopfölung (mūrdhni taila) | keine Kopfschmerzen, kein Ergrauen oder Haarausfall, guter Schlaf |
| Ohrölung (karṇatarpaṇa) | keine Vāta-bedingten Ohrleiden, keine Schwerhörigkeit |
| Ganzkörpermassage (abhyaṅga) | festigt die Haut, beruhigt Vāta, stärkt Belastbarkeit |
| Fußmassage (pādābhyaṅga) | beseitigt Rauheit, Steifheit und Taubheit der Füße |
| Körperabreibung (śarīraparimārjana) | beseitigt Körpergeruch, Schwere, Juckreiz |
| Baden (snāna) | reinigt, stärkt Kraft und Zeugungskraft, mehrt ojas |
| saubere Kleidung | Ansehen, langes Leben, vertreibt Unglück |
| Duftstoffe und Blumengirlanden | Wohlgeruch, langes Leben, Kraft |
| Schmuck | Wohlstand, mehrt ojas |
| Schuhwerk (pādatra) | schützt Augen und Füße, verleiht Kraft |
| Sonnenschirm (chatra) | Schutz vor Hitze, Wind, Staub und Regen |
| Gehstock (daṇḍa) | gibt Halt, vertreibt Furcht, lebensverlängernd |
athāto mātrāśitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über das maßvolle Essen (mātrāśitīya) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya:
mātrāśī syāt| āhāramātrā punaragnibalāpekṣiṇī
Man soll stets in rechtem Maß essen (mātrāśī). Das Maß der Nahrung (āhāramātrā) richtet sich dabei nach der Stärke des Verdauungsfeuers (agni).
yāvaddhyasyāśanamaśitamanupahatya prakṛtiṃ yathākālaṃ jarāṃ gacchati tāvadasya mātrāpramāṇaṃ veditavyaṃ bhavati
Solange die gegessene Speise, ohne die eigene Konstitution (prakṛti) zu schädigen, zur rechten Zeit verdaut wird, so weit gilt das Maß (mātrā) der Nahrung als richtig bemessen.
tatra śāliṣaṣṭikamudgalāvakapiñjalaiṇaśaśaśarabhaśambarādīnyāhāradravyāṇi prakṛtilaghūnyapi mātrāpekṣīṇi bhavanti| tathā piṣṭekṣukṣīravikṛtitilamāṣānūpaudakapiśitādīnyāhāradravyāṇi prakṛtigurūṇyapi mātrāmevāpekṣante
Dabei bedürfen Nahrungsmittel wie Śāli- und Ṣaṣṭika-Reis, Mungbohnen, Lāva- und Kapiñjala-Vögel sowie das Fleisch von Gazelle, Hase, Śarabha und Śambara – obwohl sie von Natur aus leicht (laghu) sind – dennoch eines rechten Maßes. Ebenso bedürfen Mehlspeisen, Zuckerrohrerzeugnisse, Milch und Milchzubereitungen, Sesam, schwarze Bohnen (māṣa) sowie das Fleisch von Sumpf- und Wassertieren – obwohl sie von Natur aus schwer (guru) sind – gleichfalls eines rechten Maßes.
na caivamukte dravye gurulāghavamakāraṇaṃ manyeta, laghūni hi dravyāṇi vāyvagniguṇabahulāni bhavanti; pṛthvīsomaguṇabahulānītarāṇi,tasmāt svaguṇādapi laghūnyagnisandhukṣaṇasvabhāvānyalpadoṣāṇi cocyante'pi sauhityopayuktāni, gurūṇipunarnāgnisandhukṣaṇasvabhāvānyasāmānyāt, ataścātimātraṃ doṣavanti sauhityopayuktānyanyatra vyāyāmāgnibalāt; saiṣābhavatyagnibalāpekṣiṇī mātrā
Man soll dabei nicht meinen, die Einteilung dieser genannten Stoffe in leicht (laghu) und schwer (guru) sei ohne Grund: Leichte Stoffe sind reich an den Eigenschaften von Vāyu und Agni, die anderen reich an den Eigenschaften von Erde und Soma. Deshalb gelten leichte Stoffe – da sie schon von ihrer eigenen Beschaffenheit her geeignet sind, das Verdauungsfeuer anzufachen – als wenig fehlerträchtig, selbst wenn man sie bis zur Sättigung isst. Schwere Stoffe hingegen sind ihrer Natur nach nicht geeignet, das Feuer anzufachen, da ihnen diese Eigenschaft fehlt; isst man sie daher bis zur Sättigung, verursachen sie übermäßige Doṣa-Störungen – außer wenn körperliche Anstrengung (vyāyāma) und ein starkes Verdauungsfeuer dies ausgleichen. Eben dies also ist das Maß, das von der Kraft des Agni abhängt.
na ca nāpekṣate dravyaṃ; dravyāpekṣayā ca tribhāgasauhityamardhasauhityaṃ vā gurūṇāmupadiśyate, laghūnāmapi canātisauhityamagneryuktyartham
Doch heißt das nicht, dass das Maß von der Substanz unabhängig wäre: Mit Rücksicht auf die Substanz wird für schwere Speisen eine Sättigung bis zu zwei Dritteln oder bis zur Hälfte des Fassungsvermögens empfohlen; und auch bei leichten Speisen soll man, um das Verdauungsfeuer nicht zu überfordern, keine übermäßige Sättigung suchen.
mātrāvaddhyaśanamaśitamanupahatya prakṛtiṃ balavarṇasukhāyuṣā yojayatyupayoktāramavaśyamiti
Denn maßvoll gegessene Nahrung verbindet, ohne die eigene Konstitution zu schädigen, den, der sie zu sich nimmt, mit Sicherheit mit Kraft (bala), gutem Aussehen (varṇa), Wohlbefinden (sukha) und langem Leben (āyus).
bhavanti cātra- guru piṣṭamayaṃ tasmāttaṇḍulān pṛthukānapi| na jātu bhuktavān khādenmātrāṃ khādedbubhukṣitaḥ
Und dazu gibt es folgende Verse: Mehlspeisen sind schwerer verdaulich als Reiskörner, selbst als geröstete Reisflocken (pṛthuka). Wer schon gegessen hat, soll niemals nochmals essen; nach rechtem Maß soll essen, wer hungrig ist.
vallūraṃ śuṣkaśākāni śālūkāni bisāni ca| nābhyasedgauravānmāṃsaṃ kṛśaṃ naivopayojayet
Getrocknetes Fleisch (vallūra), getrocknetes Gemüse, Lotoswurzeln (śālūka) und Lotusfasern (bisa) soll man nicht regelmäßig verzehren, da sie schwer verdaulich sind; ebenso wenig soll man Fleisch von abgemagerten Tieren verwenden.
kūrcikāṃśca kilāṭāṃśca śaukaraṃ gavyamāhiṣe| matsyān dadhi ca māṣāṃśca yavakāṃśca na śīlayet
Man sollte sich nicht an geronnene Milchprodukte wie kūrcikā und kilāṭa gewöhnen, ebenso wenig an Schweine-, Rind- und Büffelfleisch, an Fische, Sauermilch (dadhi), schwarze Bohnen (māṣa) und minderwertige Gerste (yavaka).
ṣaṣṭikāñchālimudgāṃśca saindhavāmalake yavān| āntarīkṣaṃ payaḥ sarpirjāṅgalaṃ madhu cābhyaset
Man sollte regelmäßig Ṣaṣṭika- und Śāli-Reis, Mungbohnen, Steinsalz, Āmalakī-Früchte, Gerste, Regenwasser, Milch, geklärte Butter (sarpis), Fleisch von Wildtieren trockener Gebiete (jāṅgala) und Honig zu sich nehmen.
tacca nityaṃ prayuñjīta svāsthyaṃ yenānuvartate| ajātānāṃ vikārāṇāmanutpattikaraṃ ca yat
Dies soll man beständig anwenden, wodurch die Gesundheit erhalten bleibt und das Entstehen noch nicht aufgetretener Krankheiten verhindert wird.
ata ūrdhvaṃ śarīrasya kāryamakṣyañjanādikam| svasthavṛttimabhipretya guṇataḥ sampravakṣyate
Im Folgenden werden, mit Blick auf die Lebensweise des Gesunden (svasthavṛtta), die für den Körper zuträglichen Maßnahmen wie das Anlegen von Augensalbe (añjana) und Ähnliches nach ihren Eigenschaften dargelegt.
sauvīramañjanaṃ nityaṃ hitamakṣṇoḥ prayojayet| pañcarātre'ṣṭarātre vā srāvaṇārthe rasāñjanam
Man soll täglich das den Augen zuträgliche Sauvīra-Añjana anwenden, und alle fünf oder acht Nächte das ausleitende Rasāñjana.
cakṣustejomayaṃ tasya viśeṣācchleṣmato bhayam| tataḥ śleṣmaharaṃ karma hitaṃ dṛṣṭeḥ prasādanam
Das Auge besteht wesentlich aus dem Element Feuer (tejas); ihm droht daher besonders Gefahr durch Kapha. Deshalb ist eine Kapha beseitigende Maßnahme dem Sehvermögen zuträglich und klärt den Blick.
divā tanna prayoktavyaṃ netrayostīkṣṇamañjanam| virekadurbalā dṛṣṭirādityaṃ prāpya sīdati
Am Tage soll man kein scharfes (reizendes) Añjana auf die Augen anwenden, denn das durch die Ausleitung geschwächte Sehvermögen nimmt Schaden, wenn es der Sonne ausgesetzt wird.
tasmāt srāvyaṃ niśāyāṃ tu dhruvamañjanamiṣyate yathā hi kanakādīnāṃ malināṃ vividhātmanām
Deshalb wird empfohlen, das ausleitende Añjana stets nachts anzuwenden – so wie nämlich bei verschiedenartigen, angelaufenen Metallen wie Gold und anderen –
dhautānāṃ nirmalā śuddhistailacelakacādibhiḥ| evaṃ netreṣu martyānāmañjanāścyotanādibhiḥ
durch Abreiben mit Öl, Tuch, Bimsstein und Ähnlichem eine makellose Reinheit erzielt wird, so werden auch bei den Augen der Menschen durch Añjana, Augentropfen (cyotana) und Ähnliches die Trübungen beseitigt.
dṛṣṭirnirākulā bhāti nirmale nabhasīnduvat hareṇukāṃ priyaṅguṃ ca pṛthvīkāṃ keśaraṃ nakham
So erscheint das Sehvermögen klar und ungetrübt wie der Mond am wolkenlosen Himmel. Man verwendet dazu Hareṇukā, Priyaṅgu, Pṛthvīkā, Lotusstaubgefäße (keśara), Nakha (Nagelduft),
hrīveraṃ candanaṃ patraṃ tvagelośīrapadmakam| dhyāmakaṃ madhukaṃ māṃsī guggulvaguruśarkaram
Hrīvera, Sandelholz, Tejpat, Zimtrinde, Kardamom, Uśīra-Wurzel, Padmaka, Dhyāmaka, Süßholz, Nardenwurzel (māṃsī), Guggulu, Adlerholz (aguru) und Zucker,
nyagrodhodumbarāśvatthaplakṣalodhratvacaḥ śubhāḥ| vanyaṃ sarjarasaṃ mustaṃ śaileyaṃ kamalotpale
die heilsamen Rinden von Nyagrodha, Udumbara, Aśvattha, Plakṣa und Lodhra, wildes Sarja-Harz, Mustā (Cyperuswurzel), Śaileya-Flechte sowie Lotus und blaue Seerose,
śrīveṣṭakaṃ śallakīṃ ca śukabarhamathāpi ca| piṣṭvā limpecchareṣīkāṃ tāṃ vartiṃ yavasannibhām
sowie Śrīveṣṭaka-Harz, Śallakī und auch Pfauenfedern – all dies wird zerstoßen und auf ein Schilfrohr gestrichen, so dass ein Stäbchen (vartī) von der Form eines Gerstenkorns entsteht.
aṅguṣṭhasammitāṃ kuryādaṣṭāṅgulasamāṃ bhiṣak| śuṣkāṃ nigarbhāṃ tāṃ vartiṃ dhūmanetrārpitāṃ naraḥ
Der Arzt soll dieses Stäbchen von der Dicke eines Daumens und der Länge von acht Fingerbreiten anfertigen. Dieses getrocknete, hohle Stäbchen setzt man in das Rauchrohr (dhūmanetra) ein.
snehāktāmagnisampluṣṭāṃ pibet prāyogikīṃ sukhām vasāghṛtamadhūcchiṣṭairyuktiyuktairvarauṣadhaiḥ
Mit Öl bestrichen und am Feuer entzündet, inhaliert man es als angenehmes Präparat für den täglichen Gebrauch (prāyogika). Ein weiteres bereitet man mit Tierfett, geklärter Butter, Bienenwachs und passend zusammengestellten, vortrefflichen Heilkräutern,
vartiṃ madhurakaiḥ kṛtvā snaihikīṃ dhūmamācaret śvetā jyotiṣmatī caiva haritālaṃ manaḥśilā
und formt daraus mit süßen (madhura) Drogen ein ölhaltiges (snaihika) Rauchstäbchen, das man anwendet. Für das ausleitende Rauchstäbchen verwendet man Śvetā, Jyotiṣmatī, Auripigment (haritāla) und Realgar (manaḥśilā),
gandhāścāgurupatrādyā dhūmaṃ mūrdhavirecane gauravaṃ śirasaḥ śūlaṃ pīnasārdhāvabhedakau
sowie duftende Stoffe wie Adlerholz, Tejpat und Ähnliches – dies ist der Rauch zur Ausleitung des Kopfes (mūrdhavirecana). Schwere im Kopf, Kopfschmerzen, Schnupfen und halbseitiger Kopfschmerz (ardhāvabhedaka),
karṇākṣiśūlaṃ kāsaśca hikkāśvāsau galagrahaḥ| dantadaurbalyamāsrāvaḥ śrotraghrāṇākṣidoṣajaḥ
Schmerzen in Ohr und Auge, Husten, Schluckauf und Atemnot, Halsstarre, Zahnschwäche sowie Ausfluss, der aus Störungen von Ohr, Nase und Auge entsteht,
pūtirghrāṇāsyagandhaśca dantaśūlamarocakaḥ| hanumanyāgrahaḥ kaṇḍūḥ krimayaḥ pāṇḍutā mukhe
übler Geruch aus Nase und Mund, Zahnschmerz, Appetitlosigkeit, Steifheit von Kiefer und Nacken, Juckreiz, Würmer und Blässe im Gesicht,
śleṣmapraseko vaisvaryaṃ galaśuṇḍyupajihvikā| khālityaṃ piñjaratvaṃ ca keśānāṃ patanaṃ tathā
übermäßiger Schleimfluss, Heiserkeit, Schwellung des Gaumenzäpfchens und Zäpfchenentzündung, Kahlheit, Vergrauen und Ausfallen der Haare –
kṣavathuścātitandrā ca buddhermoho'tinidratā| dhūmapānāt praśāmyanti balaṃ bhavati cādhikam
sowie Niesen, übermäßige Mattigkeit, Verwirrung des Verstandes und übermäßige Schläfrigkeit – all dies wird durch Rauchinhalieren (dhūmapāna) beseitigt, und die Kraft nimmt zu,
śiroruhakapālānāmindriyāṇāṃ svarasya ca| na ca vātakaphātmāno balino'pyūrdhvajatrujāḥ
ebenso die Haare, der Schädel, die Sinnesorgane und die Stimme. Und selbst starke, von Vāta und Kapha verursachte Krankheiten oberhalb der Schlüsselbeine (ūrdhvajatru) –
dhūmavaktrakapānasya vyādhayaḥ syuḥ śirogatāḥ prayogapāne tasyāṣṭau kālāḥ samparikīrtitāḥ
die Krankheiten dessen, der Rauch trinkt, betreffen den Kopfbereich – treten bei rechter Anwendung nicht auf. Für die Anwendung des Rauchtrinkens werden acht rechte Zeitpunkte genannt:
vātaśleṣmasamutkleśaḥ kāleṣveṣu hi lakṣyate| snātvā bhuktvā samullikhya kṣutvā dantānnighṛṣya ca| nāvanāñjananidrānte cātmavān dhūmapo bhavet| tathā vātakaphātmāno na bhavantyūrdhvajatrujāḥ
denn zu eben diesen Zeiten zeigt sich ein Aufsteigen von Vāta und Kapha: nach dem Baden, nach dem Essen, nach dem Ausschaben der Zunge, nach dem Niesen, nach dem Reinigen der Zähne sowie nach Nasenmitteln (nasya), nach Augensalbe und nach dem Schlaf soll der Besonnene Rauch inhalieren. So treten die von Vāta und Kapha verursachten Krankheiten oberhalb der Schlüsselbeine nicht auf.
rogāstasya tu peyāḥ syurāpānāstristrayastrayaḥ paraṃ dvikāla pāyī syādahnaḥ kāleṣu buddhimān
Bei diesen Krankheiten soll der Rauch als leichte Sorte (peya) getrunken werden, dreimal drei Züge als āpāna; darüber hinaus soll der Verständige zu bestimmten Tageszeiten zweimal täglich Rauch inhalieren,
prayoge, snaihike tvekaṃ, vairecyaṃ tricatuḥ pibet| hṛtkaṇṭhendriyasaṃśuddhirlaghutvaṃ śirasaḥ śamaḥ
bei der täglichen Anwendung (prayoga) nur einen Zug vom ölhaltigen (snaihika), vom ausleitenden (vairecya) drei bis vier. Die Zeichen [richtiger Anwendung] sind: Reinheit von Herz, Kehle und Sinnesorganen, Leichtigkeit und Ruhe des Kopfes –
yatheritānāṃ doṣāṇāṃ samyakpītasya lakṣaṇam bādhiryamāndhyamūkatvaṃ raktapittaṃ śirobhramam
dies sind die Zeichen dafür, dass die genannten Doṣas durch richtiges Inhalieren beseitigt wurden. Bei falscher Anwendung dagegen entstehen Taubheit, Blindheit, Stummheit, Blutungsleiden (raktapitta) und Schwindel des Kopfes,
akāle cātipītaśca dhūmaḥ kuryādupadravān| tatreṣṭaṃ sarpiṣaḥ pānaṃ nāvanāñjanatarpaṇam
denn zur Unzeit oder im Übermaß inhalierter Rauch verursacht Komplikationen. In diesem Fall ist das Trinken von geklärter Butter sowie Nasenmittel, Augensalbe und stärkende Einreibung (tarpaṇa) angezeigt.
snaihikaṃ dhūmaje doṣe vāyuḥ pittānugo yadi| śītaṃ tu raktapitte syācchleṣmapitte virūkṣaṇam
Bei einer durch Rauch verursachten Störung des Vāta, sofern dieser dem Pitta folgt, ist Ölhaltiges angezeigt; bei einer Blutungsstörung (raktapitta) ist Kühlendes angezeigt, bei einer Kapha-Pitta-Störung Austrocknendes.
paraṃ tvataḥ pravakṣyāmi dhūmo yeṣāṃ vigarhitaḥ| na viriktaḥ pibeddhūmaṃ na kṛte bastikarmaṇi
Weiterhin will ich nun darlegen, für wen Rauchinhalieren untersagt ist: Wer gerade abgeführt wurde, soll keinen Rauch inhalieren, ebenso wenig nach durchgeführter Klistierbehandlung (basti),
na raktī na viṣeṇārto na śocanna ca garbhiṇī| na śrame na made nāme na pitte na prajāgare
ebenso wenig, wer an Blutungen leidet, wer von Gift geplagt ist, wer trauert, eine Schwangere, wer erschöpft, berauscht oder krank ist, wer an einer Pitta-Störung leidet oder wer die Nacht durchwacht hat,
na mūrcchābhramatṛṣṇāsu na kṣīṇe nāpi ca kṣate| na madyadugdhe pītvā ca na snehaṃ na ca mākṣikam
ebenso wenig bei Ohnmacht, Schwindel oder starkem Durst, nicht bei einem Erschöpften und nicht bei einem Verwundeten; auch nicht nachdem man Alkohol oder Milch getrunken hat, noch nachdem man Öl(-präparate) oder Honig zu sich genommen hat,
dhūmaṃ na bhuktvā dadhnā ca na rūkṣaḥ kruddha eva ca| na tāluśoṣe timire śirasyabhihite na ca
ebenso wenig nachdem man Sauermilch (dadhi) gegessen hat, nicht bei einem von Trockenheit Geplagten und nicht im Zorn, nicht bei Austrocknung des Gaumens, bei Augenverdunkelung (timira) und nicht bei einer Kopfverletzung,
na śaṅkhake na rohiṇyāṃ na mehe na madātyaye| eṣu dhūmamakāleṣu mohāt pibati yo naraḥ
ebenso wenig bei Śaṅkhaka (Schläfenschmerz), bei Rohiṇī, bei Meha (Harnleiden) und nicht bei einem Rauschexzess. Wer in diesen Fällen zur Unzeit aus Unwissenheit Rauch inhaliert,
rogāstasya pravardhante dāruṇā dhūmavibhramāt dhūmayogyaḥ pibeddoṣe śiroghrāṇākṣisaṃśraye
dessen Krankheiten verschlimmern sich furchtbar durch den fehlerhaften Gebrauch des Rauches. Wer für Rauch geeignet ist, soll ihn bei einer Doṣa-Störung inhalieren, die in Kopf, Nase oder Auge sitzt.
ghrāṇenāsyena kaṇṭhasthe mukhena ghrāṇapo vamet| āsyena dhūmakavalān piban ghrāṇena nodvamet
Bei einer im Rachen sitzenden Störung soll man durch die Nase einziehen und durch den Mund ausatmen; wer den Rauch in kleinen Zügen durch den Mund eingezogen hat, soll ihn nicht durch die Nase wieder ausstoßen.
pratilomaṃ gato hyāśu dhūmo hiṃsyāddhi cakṣuṣī ṛjvaṅgacakṣustaccetāḥ sūpaviṣṭastriparyayam
Denn Rauch, der in die falsche Richtung gerät, schädigt sogleich die Augen. Man soll daher mit geradem Körper, geradem Blick und gesammeltem Geist gut aufgerichtet sitzen und das Inhalieren dreimal wiederholen.
pibecchidraṃ pidhāyaikaṃ nāsayā dhūmamātmavān caturviṃśatikaṃ netraṃ svāṅgulībhirvirecane
Der Besonnene soll, indem er ein Nasenloch mit dem Finger verschließt, durch das andere den Rauch einziehen. Für die Ausleitung (virecana) soll das Rauchrohr vierundzwanzig Fingerbreiten lang sein, gemessen mit den eigenen Fingern,
dvātriṃśadaṅgulaṃ snehe prayoge'dhyardhamiṣyate| ṛju trikoṣāphalitaṃ kolāsthyagrapramāṇitam
für die ölhaltige Anwendung zweiunddreißig Fingerbreiten, für die tägliche Anwendung anderthalbmal so viel. Es soll gerade sein, drei Hohlräume (trikoṣa) besitzen und an der Spitze die Weite eines Jujube-Kerns haben.
bastinetrasamadravyaṃ dhūmanetraṃ praśasyate dūrādvinirgataḥ parvacchinno nāḍītanūkṛtaḥ
Als Material für das Rauchrohr wird dasselbe wie für das Klistierrohr (bastinetra) empfohlen – von einem Rohr, das entfernt vom feuchten Boden gewachsen, an den Knoten durchtrennt und zu einer dünnen Röhre geformt ist.
nendriyaṃ bādhate dhūmo mātrākālaniṣevitaḥ yadā coraśca kaṇṭhaśca śiraśca laghutāṃ vrajet
Rauch, der in rechtem Maß und zur rechten Zeit angewendet wird, schadet den Sinnesorganen nicht. Wenn Brust, Kehle und Kopf leicht werden
kaphaśca tanutāṃ prāptaḥ supītaṃ dhūmamādiśet| aviśuddhaḥ svaro yasya kaṇṭhaśca sakapho bhavet
und der Kapha dünnflüssig geworden ist, gilt der Rauch als richtig inhaliert (supīta). Wessen Stimme unrein bleibt und wessen Kehle voller Kapha bleibt,
stimito mastakaścaivamapītaṃ dhūmamādiśet| tālu mūrdhā ca kaṇṭhaśca śuṣyate paritapyate
und wessen Kopf dumpf und schwer bleibt, dessen Rauchinhalieren gilt als unzureichend (apīta). Bei übermäßigem Rauchinhalieren dagegen trocknen Gaumen, Kopf und Kehle aus und werden von Brennen gequält,
tṛṣyate muhyate jantū raktaṃ ca sravate'dhikam| śiraśca bhramate'tyarthaṃ mūrcchā cāsyopajāyate
der Mensch verspürt Durst, wird benommen, Blut fließt übermäßig, der Kopf wird heftig schwindlig, und Ohnmacht stellt sich bei ihm ein.
indriyāṇyupatapyante dhūme'tyarthaṃ niṣevite varṣe varṣe'ṇutailaṃ ca kāleṣu triṣu nā caret
Wird Rauchinhalation (dhūma) im Übermaß praktiziert, so schädigt dies die Sinnesorgane (indriya). Jedes Jahr soll man daher zu den drei rechten Zeiten aṇutaila (das feine Nasenöl) als nasya (Nasentherapie) anwenden.
prāvṛṭśaradvasanteṣu gatameghe nabhastale| nasyakarma yathākālaṃ yo yathoktaṃ niṣevate
In der Nachregenzeit, im Herbst und im Frühling, wenn der Himmel wolkenfrei ist – wer zur rechten Zeit das nasya-karma (die Nasenölbehandlung) ausübt, wie vorgeschrieben,
na tasya cakṣurna ghrāṇaṃ na śrotramupahanyate| na syuḥ śvetā na kapilāḥ keśāḥ śmaśrūṇi vā punaḥ
dessen Augen, Nase und Ohren werden nicht geschädigt; seine Haare und sein Bart werden weder weiß noch rötlich-braun.
na ca keśāḥ pramucyante vardhante ca viśeṣataḥ| manyāstambhaḥ śiraḥśūlamarditaṃ hanusaṅgrahaḥ
Auch fallen ihm die Haare nicht aus, sondern wachsen besonders gut. Nackensteife (manyāstambha), Kopfschmerz, ardita (halbseitige Gesichtslähmung) und Kieferklemme (hanusaṅgraha),
pīnasārdhāvabhedau ca śiraḥkampaśca śāmyati| sirāḥ śiraḥkapālānāṃ sandhayaḥ snāyukaṇḍarāḥ
sowie Schnupfen (pīnasa), halbseitiger Kopfschmerz (ardhāvabhedaka) und Kopfzittern werden beruhigt. Die Venen (sirā), Schädelnähte (sandhi), Sehnen (snāyu) und Muskelstränge (kaṇḍara) des Kopfes –
nāvanaprīṇitāścāsya labhante'bhyadhikaṃ balam| mukhaṃ prasannopacitaṃ svaraḥ snigdhaḥ sthiro mahān
durch das nasya gestärkt – gewinnen zusätzliche Kraft. Sein Gesicht wird klar und voll, seine Stimme geschmeidig, fest und kräftig.
sarvendriyāṇāṃ vaimalyaṃ balaṃ bhavati cādhikam| na cāsya rogāḥ sahasā prabhavantyūrdhvajatrujāḥ
Alle Sinnesorgane werden klar und rein, und ihre Kraft nimmt zu. Auch entstehen bei ihm nicht plötzlich Krankheiten, die oberhalb des Schlüsselbeins (ūrdhvajatru) ihren Sitz haben.
jīryataścottamāṅgeṣu jarā na labhate balam candanāguruṇī patraṃ dārvītvaṅmadhukaṃ balām
Selbst wenn er altert, gewinnt das Alter über die oberen Körperteile (den Kopf) keine Macht. Für dieses Öl verwendet man: Candana (Sandelholz), Aguru (Adlerholz), Tvakpatra, Dārvī, Tvac (Zimtrinde), Madhuka (Süßholz) und Balā,
prapauṇḍarīkaṃ sūkṣmailāṃ viḍaṅgaṃ bilvamutpalam| hrīberamabhayaṃ vanyaṃ tvaṅmustaṃ sārivāṃ sthirām
Pauṇḍarīka, Sūkṣmailā (kleiner Kardamom), Viḍaṅga, Bilva, Utpala (blauer Lotus), Hrīvera, Abhayā, Vanya, Tvakmustā, Sārivā und Sthirā,
jīvantīṃ pṛśniparṇīṃ ca suradāru śatāvarīm| hareṇuṃ bṛhatīṃ vyāghrīṃ surabhīṃ padmakeśaram
Jīvantī, Pṛśniparṇī, Suradāru, Śatāvarī, Hareṇu, Bṛhatī, Vyāghrī, Surabhi und Padmakeśara (Lotus-Staubgefäße) –
vipācayecchataguṇe māhendre vimale'mbhasi| tailāddaśaguṇaṃ śeṣaṃ kaṣāyamavatārayet
man koche diese Drogen in der hundertfachen Menge reinen Regenwassers (māhendra) und reduziere den Sud (kaṣāya), bis nur noch das Zehnfache der Ölmenge übrig ist.
tena tailaṃ kaṣāyeṇa daśakṛtvo vipācayet| athāsya daśame pāke samāṃśaṃ chāgalaṃ payaḥ
Mit diesem Sud koche man das Öl zehnmal erneut auf. Beim zehnten Kochvorgang füge man eine gleiche Menge Ziegenmilch hinzu.
dadyādeṣo'ṇutailasya nāvanīyasya saṃvidhiḥ| asya mātrāṃ prayuñjīta tailasyārdhapalonmitām
Dies ist die Zubereitungsvorschrift für das als Nasenöl (nāvana) zu verwendende aṇutaila. Von diesem Öl verwende man eine Dosis von einem halben Pala.
snigdhasvinnottamāṅgasya picunā nāvanaistribhiḥ| tryahāttryahācca saptāhametat karma samācaret
Nachdem Kopf und oberer Körper eingeölt (snigdha) und mit Dampf behandelt (svinna) wurden, träufle man es mit einem Wattebausch (picu) in drei Nasenölgüssen ein; man führe diese Behandlung alle drei Tage, eine Woche lang, durch.
nivātoṣṇasamācārī hitāśī niyatendriyaḥ| tailametattridoṣaghnamindriyāṇāṃ balapradam
Der Patient lebe dabei zugluftfrei und warm, ernähre sich zuträglich und beherrsche seine Sinne. Dieses Öl beseitigt die drei doṣas (Vāta, Pitta, Kapha) und verleiht den Sinnesorganen Kraft.
prayuñjāno yathākālaṃ yathoktānaśnute guṇān āpothitāgraṃ dvau kālau kaṣāyakaṭutiktakam
Wer es zur rechten Zeit anwendet, erlangt die genannten Wirkungen. – Man nehme zweimal täglich ein an der Spitze zerklopftes Zweigstück von adstringierendem, scharfem und bitterem Holz
bhakṣayeddantapavanaṃ dantamāṃsānyabādhayan| nihanti gandhaṃ vairasyaṃ jihvādantāsyajaṃ malam
und kaue das Zahnreinigungsholz (danta-pavana), ohne das Zahnfleisch zu verletzen. Es beseitigt üblen Geruch, schlechten Geschmack sowie den Belag (mala), der auf Zunge, Zähnen und im Mund entsteht,
niṣkṛṣya rucimādhatte sadyo dantaviśodhanam| karañjakaravīrārkamālatīkakubhāsanāḥ
entfernt ihn und verleiht sogleich Appetit/Geschmack (ruci) sowie saubere Zähne. Karañja, Karavīra, Arka, Mālatī, Kakubha und Asana
śasyante dantapavane ye cāpyevaṃvidhā drumāḥ| suvarṇarūpyatāmrāṇi trapurītimayāni ca
werden als Zahnreinigungshölzer empfohlen, ebenso vergleichbare Bäume. Zungenschaber (jihvānirlekhana) aus Gold, Silber, Kupfer, Zinn oder Rīti-Metall
jihvānirlekhanāni syuratīkṣṇānyanṛjūni ca| jihvāmūlagataṃ yacca malamucchvāsarodhi ca
sollen weder zu scharf noch krumm sein. Auch der Belag, der sich an der Zungenwurzel bildet und den Atem behindert,
daurgandhyaṃ bhajate tena tasmājjihvāṃ vinirlikhet dhāryāṇyāsyena vaiśadyarucisaugandhyamicchatā
verursacht üblen Mundgeruch; deshalb schabe man die Zunge regelmäßig ab. Wer Klarheit, Geschmackssinn und Wohlgeruch des Mundes wünscht, halte im Mund
jātīkaṭukapūgānāṃ lavaṅgasya phalāni ca| kakkolasya phalaṃ patraṃ tāmbūlasya śubhaṃ tathā| tathā karpūraniryāsaḥ sūkṣmailāyāḥ phalāni ca
die Früchte von Muskatnuss (jātī), Betelnuss (pūga) und Gewürznelke (lavaṅga), die Frucht der Kakkola-Pflanze, ein schönes Betelblatt (tāmbūla), ferner Kampferharz (karpūra) und die Früchte des kleinen Kardamoms –
hanvorbalaṃ svarabalaṃ vadanopacayaḥ paraḥ| syāt paraṃ ca rasajñānamanne ca ruciruttamā
so erlangt man Kraft in den Kiefern, Kraft der Stimme, höchste Fülle des Gesichts, feinstes Geschmacksempfinden und besten Appetit auf Speise.
na cāsya kaṇṭhaśoṣaḥ syānnauṣṭhayoḥ sphuṭanādbhayam| na ca dantāḥ kṣayaṃ yānti dṛḍhamūlā bhavanti ca
Auch bekommt man keine Trockenheit im Hals und keine Angst vor rissigen, aufspringenden Lippen; die Zähne verfallen nicht, sondern werden fest verwurzelt.
na śūlyante na cāmlena hṛṣyante bhakṣayanti ca| parānapi kharān bhakṣyāṃstailagaṇḍūṣadhāraṇāt
Sie schmerzen nicht und werden nicht durch Saures überempfindlich, sondern man kann selbst harte Speisen kauen – dank des regelmäßigen Ölmundspülens (taila-gaṇḍūṣa).
nityaṃ snehārdraśirasaḥ śiraḥśūlaṃ na jāyate| na khālityaṃ na pālityaṃ na keśāḥ prapatanti ca
Wer den Kopf ständig mit Öl feucht hält, bekommt keine Kopfschmerzen; weder Kahlheit noch Ergrauen tritt ein, und die Haare fallen nicht aus.
balaṃ śiraḥkapālānāṃ viśeṣeṇābhivardhate| dṛḍhamūlāśca dīrghāśca kṛṣṇāḥ keśā bhavanti ca
Die Kraft der Schädeldecke nimmt besonders zu; die Haare werden fest verwurzelt, lang und dunkel.
indriyāṇi prasīdanti sutvagbhavati cānanam | nidrālābhaḥ sukhaṃ ca syānmūrdhni tailaniṣevaṇāt
Die Sinne werden klar, das Gesicht bekommt schöne Haut; man findet leicht und angenehm Schlaf – durch das regelmäßige Ölen des Kopfes (mūrdhni taila).
na karṇarogā vātotthā na manyāhanusaṅgrahaḥ| noccaiḥ śrutirna bādhiryaṃ syānnityaṃ karṇatarpaṇāt
Durch regelmäßiges Einträufeln von Öl in die Ohren (karṇatarpaṇa) entstehen keine durch Vāta bedingten Ohrkrankheiten, keine Nackensteife oder Kieferklemme, kein überempfindliches Hören und keine Schwerhörigkeit.
snehābhyaṅgādyathā kumbhaścarma snehavimardanāt| bhavatyupāṅgādakṣaśca dṛḍhaḥ kleśasaho yathā
Wie ein Lederschlauch (kumbha) durch Einölen und Kneten des Leders an seinen Rändern fest und belastbar wird,
tathā śarīramabhyaṅgāddṛḍhaṃ sutvak ca jāyate| praśāntamārutābādhaṃ kleśavyāyāmasaṃsaham
so wird auch der Körper durch Ölmassage (abhyaṅga) fest und mit schöner Haut; Vāta-Beschwerden werden beruhigt, und der Körper erträgt Anstrengung und körperliche Arbeit.
sparśane'bhyadhiko vāyuḥ sparśanaṃ ca tvagāśritam| tvacyaśca paramabhyaṅgastasmāttaṃ śīlayennaraḥ
Vāta ist im Tastsinn besonders stark wirksam, und der Tastsinn hat seinen Sitz in der Haut; die Ölmassage wirkt daher vor allem auf die Haut. Deshalb sollte man sie regelmäßig praktizieren.
na cābhighātābhihataṃ gātramabhyaṅgasevinaḥ| vikāraṃ bhajate'tyarthaṃ balakarmaṇi vā kvacit
Bei einem, der regelmäßig Ölmassage anwendet, erleiden die Glieder auch bei einem Stoß oder bei anstrengender Tätigkeit nicht in übermäßigem Ausmaß Schaden.
susparśopacitāṅgaśca balavān priyadarśanaḥ| bhavatyabhyaṅganityatvānnaro'lpajara eva ca
Durch regelmäßige Ölmassage bekommt man Glieder mit angenehmer Berührungsqualität und guter Fülle, wird kräftig und von angenehmem Aussehen, und altert nur wenig.
kharatvaṃ stabdhatā raukṣyaṃ śramaḥ suptiśca pādayoḥ| sadya evopaśāmyanti pādābhyaṅganiṣevaṇāt
Rauheit, Steifheit, Trockenheit, Ermüdung und Taubheitsgefühl der Füße werden durch regelmäßige Fußmassage (pādābhyaṅga) sofort beruhigt.
jāyate saukumāryaṃ ca balaṃ sthairyaṃ ca pādayoḥ| dṛṣṭiḥ prasādaṃ labhate mārutaścopaśāmyati
Es entstehen Zartheit, Kraft und Festigkeit der Füße; die Sehkraft wird klar, und Vāta wird beruhigt.
na ca syādgṛdhrasīvātaḥ pādayoḥ sphuṭanaṃ na ca| na sirāsnāyusaṅkocaḥ pādābhyaṅgena pādayoḥ
Durch die Fußmassage entstehen weder Ischias (gṛdhrasī) noch rissige Füße, noch ein Zusammenziehen der Venen und Sehnen der Füße.
daurgandhyaṃ gauravaṃ tandrāṃ kaṇḍūṃ malamarocakam| svedabībhatsatāṃ hanti śarīraparimārjanam
Das Abreiben und Reinigen des Körpers (śarīraparimārjana) beseitigt üblen Körpergeruch, Schwere, Mattigkeit, Juckreiz, Schmutz, Appetitlosigkeit sowie die unangenehme Empfindung durch Schweiß.
pavitraṃ vṛṣyamāyuṣyaṃ śramasvedamalāpaham | śarīrabalasandhānaṃ snānamojaskaraṃ param
Das Baden (snāna) reinigt, stärkt die Zeugungskraft, verlängert das Leben, beseitigt Ermüdung, Schweiß und Schmutz, festigt die Körperkraft und mehrt vor allem das ojas (die Vitalessenz).
kāmyaṃ yaśasyamāyuṣyamalakṣmīghnaṃ praharṣaṇam| śrīmat pāriṣadaṃ śastaṃ nirmalāmbaradhāraṇam
Das Tragen sauberer, makelloser Kleidung ist begehrenswert, bringt Ansehen, verlängert das Leben, vertreibt Unglück (alakṣmī), erfreut, verleiht Glanz und Ansehen in Versammlungen und gilt als vortrefflich.
vṛṣyaṃ saugandhyamāyuṣyaṃ kāmyaṃ puṣṭibalapradam| saumanasyamalakṣmīghnaṃ gandhamālyaniṣevaṇam
Das Verwenden von Duftstoffen und Blumengirlanden stärkt die Zeugungskraft, verleiht Wohlgeruch, verlängert das Leben, ist begehrenswert, fördert Nahrhaftigkeit und Kraft, macht heiteren Sinnes und vertreibt Unglück.
dhanyaṃ maṅgalyamāyuṣyaṃ śrīmadvyasanasūdanam| harṣaṇaṃ kāmyamojasyaṃ ratnābharaṇadhāraṇam
Das Tragen von Schmuck und Juwelen bringt Wohlstand, ist verheißungsvoll, lebensverlängernd, glanzvoll, vertreibt Not, erfreut, ist begehrenswert und mehrt das ojas.
medhyaṃ pavitramāyuṣyamalakṣmīkalināśanam| pādayormalamārgāṇāṃ śaucādhānamabhīkṣṇaśaḥ
Die stete Reinhaltung der Füße und der Ausscheidungswege fördert die geistige Klarheit, ist reinigend und lebensverlängernd und vertreibt Unglück und Streit (kali).
pauṣṭikaṃ vṛṣyamāyuṣyaṃ śuci rūpavirājanam| keśaśmaśrunakhādīnāṃ kalpanaṃ samprasādhanam
Die sorgfältige Pflege von Haar, Bart und Nägeln nährt den Körper, stärkt die Zeugungskraft, verlängert das Leben, ist reinlich und lässt die äußere Erscheinung erstrahlen.
cakṣuṣyaṃ sparśanahitaṃ pādayorvyasanāpaham| balyaṃ parākramasukhaṃ vṛṣyaṃ pādatradhāraṇam
Das Tragen von Schuhwerk (pādatra) ist gut für die Augen, zuträglich für den Tastsinn, bewahrt die Füße vor Schaden, verleiht Kraft und erleichtert tatkräftiges, angenehmes Handeln, und stärkt die Zeugungskraft.
īteḥ praśamanaṃ balyaṃ guptyāvaraṇaśaṅkaram| gharmānilarajombughnaṃ chatradhāraṇamucyate
Das Tragen eines Sonnenschirms (chatra) gilt als beruhigend gegenüber Unheil, als kräftigend, schützend und Sicherheit gebend, sowie als Schutz vor Hitze, Wind, Staub und Regen.
skhalataḥ sampratiṣṭhānaṃ śatrūṇāṃ ca niṣūdanam| avaṣṭambhanamāyuṣyaṃ bhayaghnaṃ daṇḍadhāraṇam
Das Tragen eines Stockes (daṇḍa) gibt dem Strauchelnden Halt, dient der Abwehr von Feinden, ist stützend, lebensverlängernd und vertreibt Furcht.
nagarī nagarasyeva rathasyeva rathī yathā| svaśarīrasya medhāvī kṛtyeṣvavahito bhavet
Wie ein Stadthüter über die Stadt und ein Wagenlenker über den Wagen wacht, so soll der Kluge in allen Verrichtungen achtsam über seinen eigenen Körper wachen.
bhavati cātra- vṛttyupāyānniṣeveta ye syurdharmāvirodhinaḥ| śamamadhyayanaṃ caiva sukhamevaṃ samaśnute
Dazu heißt es: Man pflege solche Mittel des Lebenserwerbs, die dem dharma (der Sittenordnung) nicht widersprechen, sowie Gelassenheit (śama) und Studium (adhyayana); so erlangt man Glück.
tatra ślokāḥ- mātrā dravyāṇi mātrāṃ ca saṃśritya gurulāghavam| dravyāṇāṃ garhito'bhyāso yeṣāṃ, yeṣāṃ ca śasyate
Dazu nun die Merkverse: Das rechte Maß (mātrā) der Nahrungsstoffe (dravya) und das Maß, bemessen nach Schwere und Leichtigkeit (guru-laghu); welcher Stoffe gewohnheitsmäßiger Gebrauch getadelt und welcher gepriesen wird;
añjanaṃ dhūmavartiśca trividhā vartikalpanā| dhūmapānaguṇāḥ kālāḥ pānamānaṃ ca yasya yat
ferner Augensalbe (añjana) und Rauchstäbchen (dhūmavarti) – die dreifache Zubereitung der Rauchstäbchen; die Wirkungen und rechten Zeiten des Rauchinhalierens (dhūmapāna) sowie das jeweils rechte Maß der Einnahme;
vyāpatticihnaṃ bhaiṣajyaṃ dhūmo yeṣāṃ vigarhitaḥ| peyo yathā yanmayaṃ ca netraṃ yasya ca yadvidham
die Zeichen einer fehlerhaften Anwendung und deren Heilmittel; für wen die Rauchinhalation verboten ist; wie das Trägermedium einzunehmen ist und woraus es besteht; welche Art von Augensalbe für wen geeignet ist –
nasyakarmaguṇā nastaḥkāryaṃ yacca yathā yadā| bhakṣayeddantapavanaṃ yathā yadyadguṇaṃ ca yat
die Wirkungen der Nasentherapie (nasya-karma), was, wie und wann dadurch zu bewirken ist; wie man das Zahnreinigungsholz kaut, welches Holz welche Wirkung hat;
yadarthaṃ yāni cāsyena dhāryāṇi kavalagrahe| tailasya ye guṇā diṣṭāḥ śirastailaguṇāśca ye
wozu und welche Substanzen man beim Mundhalten (kavalagraha) im Mund behält; welche Wirkungen dem Zahnreinigungsöl zugeschrieben werden und welche dem Kopföl;
karṇataile tathā'bhyaṅge pādābhyaṅge'ṅgamārjane| snāne vāsasi śuddhe ca saugandhye ratnadhāraṇe
ebenso die Wirkungen des Ohröls, der Ganzkörpermassage (abhyaṅga), der Fußmassage, der Körperreinigung, des Badens, sauberer Kleidung, der Wohlgerüche und des Tragens von Schmuck.
śauce saṃharaṇe lomnāṃ pādatracchatradhāraṇe| guṇā mātrāśitīye'smiṃstathoktā daṇḍadhāraṇe
Auch die guten Wirkungen der Reinlichkeit (śauca), des Schneidens der Körperhaare, des Tragens von Schuhwerk und Sonnenschirm sowie des Gebrauchs eines Gehstocks wurden ebenso in diesem Mātrāśitīya-Kapitel genannt.