athāto vidhiśoṇitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Regeln des Blutes (śoṇita) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Kapitel 24 widmet sich dem Blut (śoṇita/rakta) als eigenständigem Körpergewebe: seinen Ursachen der Verunreinigung durch verdorbene Nahrung, Hitze und falsches Verhalten, den daraus entstehenden Krankheiten wie Hautentzündungen, Blutungsstörungen und Gicht (vātaśoṇita) sowie den Reinigungsmethoden, allen voran dem therapeutischen Aderlass (raktamokṣaṇa). Damit legt der Text früh die Grundlage für ein Thema, das später in der Suśruta-Saṃhitā chirurgisch weit detaillierter, etwa mit dem Einsatz von Blutegeln, ausgearbeitet wird. Der zweite Teil des Kapitels behandelt drei Stufen der Bewusstseinstrübung – Rauschzustand (mada), Ohnmacht (mūrcchā) und tiefe Bewusstlosigkeit (sannyāsa) –, die entstehen, wenn Vāta, Pitta oder Kapha den Geist überwältigen, und beschreibt für jede Form charakteristische Symptome samt Erster-Hilfe-Maßnahmen wie Nasenreizung oder Alkoholgaben. Botanisch treten unter anderem Zitronensaft, Ingwer, Hiṅgu, Śilājatu sowie mit Kräutern versetzte Ghee-Zubereitungen als Wiederbelebungsmittel in Erscheinung.
| Doṣa | Merkmale des verdorbenen Blutes |
|---|---|
| vāta | Rötlich-glänzend, klar, schaumig, dünnflüssig |
| pitta | Gelblich-schwärzlich, gerinnt wegen seiner Hitze nur langsam |
| kapha | Leicht blass, schleimig, fädenziehend, dickflüssig |
| Zustand | Doṣa | Kennzeichen |
|---|---|---|
| mada | vāta | Stockende, hastige Sprache, unstete taumelnde Bewegungen, trockene gräulich-rötliche Erscheinung |
| mada | pitta | Zornige, grobe Sprache, Neigung zu Streit und Prügelei, rötlich-gelblich-schwärzliche Erscheinung |
| mada | kapha | Wenige, zusammenhanglose Worte, Benommenheit, Trägheit, blasse Erscheinung |
| mada | sannipāta | Alle Merkmale zugleich |
| mūrcchā | vāta | Himmel erscheint blau/schwarz/rötlich, rasches Erwachen, Zittern, Gliederschmerzen, Herzbeklemmung |
| mūrcchā | pitta | Himmel erscheint rot/grün/gelb, Schweißausbruch, Durst, Fieberhitze, gerötete Augen |
| mūrcchā | kapha | Himmel erscheint wolkenverhangen/dunkel, spätes Erwachen, schwere feuchte Glieder, Speichelfluss, Übelkeit |
| mūrcchā | sannipāta | Alle Merkmale zugleich, ähnelt einem Epilepsieanfall (ohne dessen Krampfbewegungen) |
| sannyāsa | alle drei doṣas | Erstarrung wie Holz, todesähnlich; klingt nicht von selbst ab, akut lebensbedrohlich |
athāto vidhiśoṇitīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir das Kapitel über die Regeln des Blutes (śoṇita) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der erhabene Ātreya.
vidhinā śoṇitaṃ jātaṃ śuddhaṃ bhavati dehinām| deśakālaukasātmyānāṃ vidhiryaḥ samprakāśitaḥ
Durch die rechte Lebensweise (vidhi) – jene Regel, die für Ort (deśa), Zeit (kāla) und individuelle Verträglichkeit (okasātmya) dargelegt wurde – wird das dadurch entstandene Blut der Lebewesen rein.
tadviśuddhaṃ hi rudhiraṃ balavarṇasukhāyuṣā| yunakti prāṇinaṃ prāṇaḥ śoṇitaṃ hyanuvartate
Denn jenes gereinigte Blut versieht das Lebewesen mit Kraft, Hautfarbe, Wohlbefinden und Lebensdauer; die Lebenskraft (prāṇa) folgt nämlich dem Blut.
praduṣṭabahutīkṣṇoṣṇairmadyairanyaiśca tadvidhaiḥ| tathā'tilavaṇakṣārairamlaiḥ kaṭubhireva ca
Durch verdorbene, im Übermaß genossene, scharfe und heiße Rauschgetränke sowie andere diesen ähnliche, ebenso durch übermäßig Salziges, Alkalisches (kṣāra), Saures und Scharfes (kaṭu),
kulatthamāṣaniṣpāvatilatailaniṣevaṇaiḥ| piṇḍālumūlakādīnāṃ haritānāṃ ca sarvaśaḥ
durch den Genuss von Kulattha-Bohnen, Māṣa-Bohnen, Niṣpāva-Bohnen und Sesamöl, von Piṇḍālu, Rettich (mūlaka) und dergleichen, sowie von grünem Blattgemüse jeder Art,
jalajānūpabailānāṃ prasahānāṃ ca sevanāt| dadhyamlamastusuktānāṃ surāsauvīrakasya ca
durch den Verzehr von Wasser- und Sumpftieren sowie von Bailā- und Prasaha-Tieren (Raubtieren), von saurem Joghurt, Molke, saurem Getreidebrei, von Surā-Bier und Sauvīraka-Essiggetränk,
viruddhānāmupaklinnapūtīnāṃ bhakṣaṇena ca| bhuktvā divā prasvapatāṃ dravasnigdhagurūṇi ca
durch den Verzehr von einander widersprechenden (unverträglichen), feucht gewordenen und verdorbenen Speisen, sowie – bei denen, die nach dem Essen am Tag schlafen – durch flüssige, ölige und schwere Speisen,
atyādānaṃ tathā krodhaṃ bhajatāṃ cātapānalau| chardivegapratīghātāt kāle cānavasecanāt
durch übermäßiges Essen, ebenso durch Zorn, durch Aufenthalt in Sonnenhitze und am Feuer, durch das Unterdrücken des Erbrechendrangs und durch unterlassenen Aderlass zur rechten Zeit,
śramābhighātasantāpairajīrṇādhyaśanaistathā| śaratkālasvabhāvācca śoṇitaṃ sampraduṣyati
durch Überanstrengung, Verletzung und Hitze, ebenso durch Essen bei noch unverdauter vorheriger Mahlzeit (ajīrṇa, adhyaśana) sowie durch die eigene Natur der Herbstzeit (śarat) wird das Blut stark verdorben.
tataḥ śoṇitajā rogāḥ prajāyante pṛthagvidhāḥ| mukhapāko'kṣirāgaśca pūtighrāṇāsyagandhitā
Daraus entstehen vielfältige, durch das Blut verursachte Krankheiten: Entzündung des Mundes, Rötung der Augen, übler Geruch aus Nase und Mund,
gulmopakuśavīsarparaktapittapramīlakāḥ| vidradhī raktamehaśca pradaro vātaśoṇitam
Bauchgeschwulst (gulma), Upakuśa, Vīsarpa (kriechende Hautentzündung), Raktapitta (Blutung durch verdorbenes Pitta), Pramīlaka (Bewusstseinstrübung), Vidradhī (Abszess), Blut im Harn (raktameha), abnorme Monatsblutung (pradara) und Vātaśoṇita (Vāta-Blut-Erkrankung, Gicht),
vaivarṇyamagnisādaśca pipāsā gurugātratā| santāpaścātidaurbalyamaruciḥ śirasaśca ruk
Verfärbung der Haut, Schwäche des Verdauungsfeuers (agni), Durst, Schwere der Glieder, Fieberhitze, große Kraftlosigkeit, Appetitlosigkeit und Kopfschmerz,
vidāhaścānnapānasya tiktāmlodgiraṇaṃ klamaḥ| krodhapracuratā buddheḥ sammoho lavaṇāsyatā
Brennen bei Speise und Trank, bitteres und saures Aufstoßen, Erschöpfung, vermehrte Zornhaftigkeit des Geistes, Verwirrung und ein salziger Geschmack im Mund,
svedaḥ śarīradaurgandhyaṃ madaḥ kampaḥ svarakṣayaḥ| tandrānidrātiyogaśca tamasaścātidarśanam
Schweißausbrüche, Körpergeruch, Rauschzustand (mada), Zittern, Stimmverlust, Benommenheit (tandrā), übermäßiger Schlaf und das Sehen von Dunkelheit,
kaṇḍvaruḥkoṭhapiḍakākuṣṭhacarmadalādayaḥ| vikārāḥ sarva evaite vijñeyāḥ śoṇitāśrayāḥ
Juckreiz, Geschwüre, Nesselausschlag (koṭha), Pusteln, Hautkrankheiten (kuṣṭha), rissige Haut und dergleichen – all diese Störungen sind als im Blut wurzelnd zu erkennen.
śītoṣṇasnigdharūkṣādyairupakrāntāśca ye gadāḥ| samyak sādhyā na sidhyanti raktajāṃstān vibhāvayet
Krankheiten, die trotz richtiger Behandlung mit Kälte, Wärme, öligen, trockenen und ähnlichen Mitteln nicht heilen wollen, erkenne man als durch das Blut verursacht.
kuryācchoṇitarogeṣu raktapittaharīṃ kriyām| virekamupavāsaṃ ca srāvaṇaṃ śoṇitasya ca
Bei Blutkrankheiten wende man eine Behandlung an, die Raktapitta beseitigt: Abführen (vireka), Fasten und Aderlass (Blutentnahme).
baladoṣapramāṇādvā viśuddhyā rudhirasya vā| rudhiraṃ srāvayejjantorāśayaṃ prasamīkṣya vā
Man lasse dem Kranken je nach dem Ausmaß seiner Kraft und der Doṣas (der krankmachenden Faktoren Vāta, Pitta, Kapha), oder bis zur Reinheit des Blutes, oder nach genauer Prüfung des Sitzes (āśaya) der Störung, Blut ab.
aruṇābhaṃ bhavedvātādviśadaṃ phenilaṃ tanu| pittāt pītāsitaṃ raktaṃ styāyatyauṣṇyāccireṇa ca
Durch Vāta (Bewegungs- und Luftprinzip) verdorbenes Blut ist rötlich-glänzend, klar, schaumig und dünnflüssig; durch Pitta (Feuer- und Stoffwechselprinzip) verdorbenes Blut ist gelblich-schwärzlich und gerinnt wegen seiner Hitze nur langsam.
īṣatpāṇḍu kaphādduṣṭaṃ picchilaṃ tantumadghanam| saṃsṛṣṭaliṅgaṃ saṃsargāttriliṅgaṃ
Durch Kapha (Struktur- und Schleimprinzip) verdorbenes Blut ist leicht blass, schleimig, fädenziehend und dickflüssig. Bei Vermischung zweier Doṣas zeigt es gemischte Merkmale, bei Beteiligung aller drei die Merkmale aller drei.
tapanīyendragopābhaṃ padmālaktakasannibham| guñjāphalasavarṇaṃ ca viśuddhaṃ viddhi śoṇitam
Blut, das die Farbe von glänzendem Gold, von der roten Indragopa-Kochenille, von Lotusblüten oder Lackfarbe (alaktaka) oder von der Guñjā-Frucht hat, erkenne als rein.
nātyuṣṇaśītaṃ laghu dīpanīyaṃ rakte'panīte hitamannapānam| tadā śarīraṃ hyanavasthitāsṛgagnirviśeṣeṇa ca rakṣitavyaḥ
Nach dem Aderlass ist eine weder zu heiße noch zu kalte, leichte, das Verdauungsfeuer anregende Speise und Trank zuträglich; denn dann ist der Körper hinsichtlich seines Blutes noch nicht gefestigt, und besonders das Verdauungsfeuer (agni) muss geschützt werden.
prasannavarṇendriyamindriyārthānicchantamavyāhatapaktṛvegam| sukhānvitaṃ tu(pu)ṣṭibalopapannaṃ viśuddharaktaṃ puruṣaṃ vadanti
Einen Menschen mit klarer Hautfarbe und klaren Sinnen, der Verlangen nach den Sinnesobjekten hat, dessen Verdauungskraft ungestört wirkt, der von Wohlbefinden, Zufriedenheit bzw. Nährung (tuṣṭi/puṣṭi) und Kraft erfüllt ist, nennt man einen Menschen mit reinem Blut.
yadā tu raktavāhīni rasasañjñāvahāni ca| pṛthak pṛthak samastā vā srotāṃsi kupitā malāḥ
Wenn aber die verdorbenen Abfallstoffe (mala) einzeln oder gemeinsam die Kanäle (srotas) verstopfen, die Blut, rasa (Nährflüssigkeit, das erste Körpergewebe) und Bewusstsein führen –
malināhāraśīlasya rajomohāvṛtātmanaḥ| pratihatyāvatiṣṭhante jāyante vyādhayastadā
– bei jemandem, dessen Nahrung und Lebensweise unrein sind und dessen Geist von Rajas (Leidenschaft) und Moha (Verblendung) umhüllt ist, bleiben sie dort stehen und verstopfen die Kanäle; dann entstehen Krankheiten.
madamūrcchāyasannyāsāsteṣāṃ vidyādvicakṣaṇaḥ| yathottaraṃ balādhikyaṃ hetuliṅgopaśāntiṣu
Der Kundige erkenne unter diesen Krankheiten Mada (Rauschzustand), Mūrcchā (Ohnmacht) und Sannyāsa (tiefe Bewusstlosigkeit) als in dieser Reihenfolge zunehmend schwerwiegend – hinsichtlich Ursache, Symptomen und Heilungsdauer.
durbalaṃ cetasaḥ sthānaṃ yadā vāyuḥ prapadyate| mano vikṣobhayañjantoḥ sañjñāṃ sammohayettadā
Wenn Vāyu (Vāta) den geschwächten Sitz des Bewusstseins (cetas) befällt und den Geist (manas) des Lebewesens erschüttert, dann verwirrt er dessen Bewusstsein (sañjñā).
pittamevaṃ kaphaścaivaṃ mano vikṣobhayannṛṇām| sañjñāṃ nayatyākulatāṃ viśeṣaścātra vakṣyate
Ebenso versetzen Pitta und Kapha, wenn sie den Geist der Menschen erschüttern, deren Bewusstsein in Verwirrung; die Besonderheiten hierbei werden nun dargelegt.
saktānalpadrutābhāṣaṃ calaskhalitaceṣṭitam| vidyādvātamadāviṣṭaṃ rūkṣaśyāvāruṇākṛtim
An stockender, kaum fließender und zugleich hastiger Sprache sowie an unsteten, taumelnden Bewegungen erkenne man den von Vāta-Rausch Befallenen, mit trockener, gräulich-rötlicher Erscheinung.
sakrodhaparuṣābhāṣaṃ samprahārakalipriyam| vidyāt pittamadāviṣṭaṃ raktapītāsitākṛtim
An zorniger, grober Sprache und an der Neigung zu Streit und Prügelei erkenne man den von Pitta-Rausch Befallenen, mit rötlich-gelblich-schwärzlicher Erscheinung.
svalpāsambaddhavacanaṃ tandrālasyasamanvitam| vidyāt kaphamadāviṣṭaṃ pāṇḍuṃ pradhyānatatparam
An wenigen, zusammenhanglosen Worten, verbunden mit Benommenheit und Trägheit, erkenne man den von Kapha-Rausch Befallenen, blass und in tiefes Sinnen versunken.
sarvāṇyetāni rūpāṇi sannipātakṛte made jāyate śāmyati kṣipraṃ mado madyamadākṛtiḥ
Alle diese Merkmale zusammen treten bei dem durch Sannipāta (das gemeinsame Wirken aller drei Doṣas) verursachten Rausch auf; der Rausch hingegen, der die Erscheinung eines Weinrausches (madyamada) trägt, klingt rasch wieder ab.
yaśca madyakṛtaḥ prokto viṣajo raudhiraśca yaḥ| sarva ete madā narte vātapittakaphatrayāt
Und der Rausch, der als durch Alkohol verursacht gilt, ebenso der durch Gift und der durch Blut(-störung) verursachte – all diese Rauschzustände entstehen nicht ohne die Beteiligung der drei Doṣas Vāta, Pitta und Kapha.
nīlaṃ vā yadi vā kṛṣṇamākāśamathavā'ruṇam| paśyaṃstamaḥ praviśati śīghraṃ ca pratibudhyate
Wer den Himmel blau, schwarz oder rötlich sieht, gerät in Dunkelheit (Bewusstlosigkeit) und erwacht rasch wieder – so bei der durch Vāta entstandenen Ohnmacht.
vepathuścāṅgamardaśca prapīḍā hṛdayasya ca| kārśyaṃ śyāvāruṇā cchāyāmūrcchāye vātasambhave
Zittern, Gliederschmerzen, Beklemmung des Herzens, Abmagerung und eine gräulich-rötliche Hautfarbe kennzeichnen die durch Vāta entstandene Ohnmacht (mūrcchā).
raktaṃ haritavarṇaṃ vā viyat pītamathāpi vā| paśyaṃstamaḥ praviśati sasvedaḥ pratibudhyate
Wer den Himmel rot, grün oder gelb sieht, gerät unter Schweißausbruch in Dunkelheit (Bewusstlosigkeit) und erwacht wieder.
sapipāsaḥ sasantāpo raktapītākulekṣaṇaḥ| sambhinnavarcāḥ pītābho mūrcchāye pittasambhave
Durst, Fieberhitze, gerötet-gelbliche und unruhige Augen, aufgelöster Stuhlgang und gelbliche Hautfarbe kennzeichnen die durch Pitta entstandene Ohnmacht.
meghasaṅkāśamākāśamāvṛtaṃ vā tamoghanaiḥ| paśyaṃstamaḥ praviśati cirācca pratibudhyate
Wer den Himmel wolkenverhangen oder von dichter Finsternis bedeckt sieht, gerät in Dunkelheit (Bewusstlosigkeit) und erwacht erst nach langer Zeit wieder.
gurubhiḥ prāvṛtairaṅgairyathaivārdreṇa carmaṇā| saprasekaḥ sahṛllāso mūrcchāye kaphasambhave
Mit Gliedern, die sich schwer anfühlen, als wären sie mit feuchter Haut umhüllt, verbunden mit vermehrtem Speichelfluss und Übelkeit – dies kennzeichnet die durch Kapha entstandene Ohnmacht.
sarvākṛtiḥ sannipātādapasmāra ivāgataḥ| sa jantuṃ pātayatyāśu vinā bībhatsaceṣṭitaiḥ
Die durch Sannipāta verursachte Ohnmacht zeigt alle diese Merkmale zugleich und gleicht dem Herannahen von Apasmāra (Epilepsie); sie lässt das Lebewesen rasch zu Boden stürzen, jedoch ohne die abstoßenden Krampfbewegungen der Epilepsie.
doṣeṣu madamūrcchāyāḥ kṛtavegeṣu dehinām| svayamevopaśāmyanti sannyāso nauṣadhairvinā
Wenn die Doṣas ihre volle Wirkung entfaltet haben, klingen Mada und Mūrcchā bei den Lebewesen von selbst wieder ab; Sannyāsa (tiefe Bewusstlosigkeit) hingegen nicht ohne Heilmittel.
vāgdehamanasāṃ ceṣṭāmākṣipyātibalā malāḥ| sannyasyantyabalaṃ jantuṃ prāṇāyatanasaṃśritāḥ
Die übermächtigen verdorbenen Stoffe (mala), die sich in den Sitzen des Lebensatems (prāṇa) festgesetzt haben, unterdrücken die Tätigkeit von Sprache, Körper und Geist und versetzen das kraftlose Lebewesen in Sannyāsa.
sa nā sannyāsasannyastaḥ kāṣṭhībhūto mṛtopamaḥ| prāṇairviyujyate śīghraṃ muktvā sadyaḥphalāḥ kriyāḥ
Wer von Sannyāsa ergriffen ist, wird starr wie Holz und einem Toten gleich; er verliert rasch sein Leben, wenn nicht sofort wirkende Maßnahmen ergriffen werden.
durge'mbhasi yathā majjadbhājanaṃ tvarayā budhaḥ| gṛhṇīyāttalamaprāptaṃ tathā sannyāsapīḍitam
Wie ein Kluger ein in gefährlichem Wasser sinkendes Gefäß rasch ergreift, bevor es den Grund erreicht, so soll er unverzüglich den von Sannyāsa Befallenen versorgen.
añjanānyavapīḍāśca dhūmāḥ pradhamanāni ca| sūcībhistodanaṃ śastaṃ dāhaḥ pīḍā nakhāntare
Augensalben (añjana), Nasentropfen (avapīḍa), Räucherungen (dhūma) und Einblasungen (pradhamana), Stechen mit Nadeln, Brennen (Kauterisation) sowie Druck auf die Nagelbetten sind hierbei empfohlen,
luñcanaṃ keśalomnāṃ ca dantairdaśanameva ca| ātmaguptāvagharṣaśca hitaṃ tasyāvabodhane
ebenso das Ausreißen von Kopf- und Körperhaaren, das Beißen mit den Zähnen und das Abreiben mit Ātmaguptā (Juckbohne) sind förderlich, um ihn wieder aufzuwecken.
sammūrcchitāni tīkṣṇāni madyāni vividhāni ca| prabhūtakaṭuyuktāni tasyāsye gālayenmuhuḥ
Man träufle ihm wiederholt starke, scharfe, verschiedenartige Alkoholika, reichlich mit Scharfstoffen (kaṭu) versetzt, in den Mund,
mātuluṅgarasaṃ tadvanmahauṣadhasamāyutam| tadvatsauvarcalaṃ dadyādyuktaṃ madyāmlakāñjikaiḥ
ebenso den Saft der Zitronatzitrone (mātuluṅga), vermischt mit Ingwer (mahauṣadha); ebenso gebe man Sauvarcala-Salz, versetzt mit Alkohol und saurem Kāñjika (fermentiertem Reiswasser),
hiṅgūṣaṇasamāyuktaṃ yāvat sañjñāprabodhanam| prabuddhasañjñamannaiśca laghubhistamupācaret
vermischt mit Hiṅgu (Asant) und Ūṣaṇa (langem Pfeffer), bis das Bewusstsein wieder erwacht. Ist das Bewusstsein erwacht, behandle man ihn weiter mit leicht verdaulichen Speisen,
vismāpanaiḥ smāraṇaiśca priyaśrutibhireva ca| paṭubhirgītavāditraśabdaiścitraiśca darśanaiḥ
durch Erstaunliches, durch Erinnerungshilfen, durch angenehm zu Hörendes, durch laute Klänge von Gesang und Musikinstrumenten und durch mannigfaltige Anblicke,
sraṃsanollekhanairdhūmairañjanaiḥ kavalagrahaiḥ| śoṇitasyāvasekaiśca vyāyāmodgharṣaṇaistathā
durch Abführmittel (sraṃsana), erbrechenauslösende Mittel (ullekhana), Räucherungen, Augensalben, Mundspülungen (kavalagraha), durch Aderlass sowie durch Bewegung (vyāyāma) und kräftiges Abreiben.
prabuddhasañjñaṃ matimānanubandhamupakramet| tasya saṃrakṣitavyaṃ hi manaḥ pralayahetutaḥ
Der Kundige behandle den, dessen Bewusstsein erwacht ist, mit fortlaufender Nachsorge; denn sein Geist muss vor der Ursache eines erneuten Zusammenbruchs geschützt werden.
snehasvedopapannānāṃ yathādoṣaṃ yathābalam| pañca karmāṇi kurvīta mūrcchāyeṣu madeṣu ca
Bei Mūrcchā und Mada wende man, nachdem Ölung (sneha) und Schwitzbehandlung (sveda) durchgeführt wurden, entsprechend dem Doṣa und der Kraft des Kranken die fünf Reinigungsmaßnahmen (pañcakarma) an.
aṣṭāviṃśatyauṣadhasya tathā tiktasya sarpiṣaḥ| prayogaḥ śasyate tadvanmahataḥ ṣaṭpalasya vā
Ebenso wird die Anwendung von Aṣṭāviṃśatika-Ghee (aus achtundzwanzig Heilkräutern) oder von bitterem Ghee empfohlen, ebenso von Mahat-Ghee oder von Ṣaṭpala-Ghee,
triphalāyāḥ prayogo vā saghṛtakṣaudraśarkaraḥ| śilājatuprayogo vā prayogaḥ payaso'pi vā
oder die Anwendung von Triphalā mit Ghee, Honig und Zucker, oder die Anwendung von Śilājatu (Mineralpech), oder auch die Anwendung von Milch,
pippalīnāṃ prayogo vā payasā citrakasya vā| rasāyanānāṃ kaumbhasya sarpiṣo vā praśasyate
oder die Anwendung von langem Pfeffer (pippalī) mit Milch, oder von Citraka, oder von verjüngenden Mitteln (rasāyana), oder von Kaumbha-Ghee wird gepriesen.
raktāvasekācchāstrāṇāṃ satāṃ sattvavatāmapi| sevanānmadamūrcchāyāḥ praśāmyanti śarīriṇām
Durch Aderlass, durch das Studium der heiligen Schriften und durch den Umgang mit tugendhaften und geistig starken Menschen kommen Mada und Mūrcchā bei den Lebewesen zur Ruhe.
viśuddhaṃ cāviśuddhaṃ ca śoṇitaṃ tasya hetavaḥ| raktapradoṣajā rogāsteṣu rogeṣu cauṣadham
So wurden reines und unreines Blut, dessen Ursachen, die durch Blutverderbnis entstehenden Krankheiten sowie die Heilmittel für diese Krankheiten dargelegt –
madamūrcchāyasannyāsahetulakṣaṇabheṣajam| vidhiśoṇitake'dhyāye sarvametat prakāśitam
– ebenso Ursache, Kennzeichen und Heilmittel von Mada, Mūrcchā und Sannyāsa: all dies wurde im Kapitel „Vidhiśoṇitīya“ dargelegt.