athātastriśothīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die drei Schwellungen (śotha) erklären.
Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana
Das achtzehnte Kapitel, „Triśothīya“, behandelt die Schwellung (śotha) als Grundphänomen zahlreicher Erkrankungen und unterscheidet dabei grundsätzlich zwischen innerlich durch die drei Doṣas verursachten (nija) und äußerlich durch Verletzung, Gift oder Tierkontakt entstandenen (āgantu) Formen. Anhand von Farbe, Konsistenz und Verlauf ordnet der Text konkrete Krankheitsbilder – von Kropf und Milzschwellung bis zu Aszites und Hodenschwellung – den einzelnen Doṣas zu und entwickelt zugleich eine bis heute einflussreiche Prognose-Typologie in vier Klassen: heilbar-leicht, heilbar-schwer, palliativ (yāpya) und unheilbar. Historisch bemerkenswert ist diese systematische Klassifikation von Krankheitsverläufen, die dem klinischen Urteilsvermögen des Arztes einen methodischen Rahmen gibt. Botanisch tritt vor allem die Erwähnung von Bhallātaka (Semecarpus anacardium) und Ātmaguptā (Mucuna pruriens) als Auslöser äußerer Hautschwellungen hervor, ansonsten steht die Pathologie klar im Vordergrund.
| Name | Doṣa/Lokalisation | Kurzbeschreibung |
|---|---|---|
| Upajihvikā | kapha an der Zungenwurzel | Schwellung unter der Zunge |
| Galaśuṇḍikā | kapha am Zäpfchenbereich | Zäpfchenschwellung |
| Galagaṇḍa | kapha außen am Hals | Halsgeschwulst (Kropf) |
| Galagraha | kapha im Halsinneren | Halsverschluss |
| Visarpa | pitta mit Blut, über die Haut kriechend | Sich ausbreitende Hautentzündung |
| Piḍakā | pitta in Haut und Blut | Pustel |
| Tilakā, Piplu, Vyaṅga, Nīlikā | eingetrocknetes pitta im Blut | Muttermale, weiße, dunkle bzw. bläuliche Flecken |
| Śaṅkhaka | pitta an den Schläfen | Schwere Schwellung |
| (unbenannt) | pitta an der Ohrwurzel, nach Fieber | Lebensgefährliche, schwer zu bezwingende Schwellung |
| Plīhan-Anschwellung | vāta bläht die Milz auf | Milzvergrößerung mit Seitenschmerz |
| Gulma | vāta am Sitz des Gulma | Abdominale Geschwulst |
| Vṛddhi | vāta wandert von Leiste zu Hoden | Hodenschwellung |
| Udara | vāta zwischen Haut und Fleisch im Bauch | Bauchwassersucht |
| Ānāha | vāta im Bauchraum, ohne Abgang | Schmerzhafte Blähung mit Verstopfung |
| Rohiṇī | alle drei doṣas an der Zungenwurzel | Lebensbedrohliche Schwellung, unbehandelt tödlich binnen 3 Tagen |
| Klasse | Merkmal |
|---|---|
| Heilbar, aber schwerwiegend | Unbehandelt oder falsch behandelt tödlich; mit richtiger Behandlung heilbar |
| Heilbar, leicht (mṛdu) | Behandlung gelingt zweifellos, ob mit Mühe oder ohne |
| yāpya | Unheilbar, doch eine gut durchgeführte Behandlung ermöglicht das Fortleben, nicht die Heilung |
| Unheilbar (asādhya) | Die Behandlung gelingt nicht, selbst mit Mühe nicht; der weise Arzt versucht sich nicht daran |
athātastriśothīyamadhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die drei Schwellungen (śotha) erklären.
iti ha smāha bhagavānātreyaḥ
So sprach der ehrwürdige Ātreya.
trayaḥ śothā bhavanti vātapittaśleṣmanimittāḥ, te punardvividhā nijāgantubhedena
Es gibt drei Arten von Schwellungen (śotha), die durch vāta, pitta und śleṣman (kapha) verursacht werden. Diese wiederum sind zweifach, unterschieden nach innerer (nija) und äußerer, durch Einwirkung von außen entstandener (āgantu) Ursache.
tatrāgantavaśchedanabhedanakṣaṇanabhañjanapicchanotpeṣaṇa prahāravadhabandhanaveṣṭanavyadhana pīḍanādibhirvābhallātakapuṣpaphalarasātmaguptāśūkakrimiśūkāhitapatralatāgulmasaṃsparśanairvā svedanaparisarpaṇāvamūtraṇairvā viṣiṇāṃsaviṣaprāṇidaṃṣṭrādantaviṣāṇanakhanipātairvā sāgaraviṣavātahimadahanasaṃsparśanairvā śothāḥ samupajāyante
Die äußeren (āgantu) Schwellungen entstehen durch Schneiden, Aufreißen, Kratzen, Brechen, Quetschen, Zerstoßen, Schläge, Verwundung, Fesseln, Umwickeln, Durchbohren, Zusammenpressen und Ähnliches; oder durch Berührung mit den Blüten und Früchten des Bhallātaka (Semecarpus anacardium), dem Saft der Ātmaguptā (Mucuna pruriens), mit Grannen, Würmern, stechenden Insekten sowie schädlichen Blättern, Ranken und Sträuchern; oder durch Schwitzen, Umherkriechen und übermäßiges Benässen [durch Tiere]; oder durch das Zuschlagen von Fängen, Zähnen, Hörnern und Klauen giftiger Tiere, auch solcher mit Gift in der Schulterregion; oder durch Berührung mit Meerwasser, Gift, Wind, Schnee und Feuer/Hitze – so entstehen die Schwellungen.
te punaryathāsvaṃ hetuvyañjanairādāvupalabhyante nijavyañjanaikadeśaviparītaiḥ;bandhamantrāgadapralepapratāpanirvāpaṇādibhiścopakramairupakramyamāṇāḥ praśāntimāpadyante
Diese werden zunächst an ihren jeweiligen Ursachen und Merkmalen erkannt, die sich teilweise von den Merkmalen der inneren (nija) Schwellungen unterscheiden. Werden sie mit Maßnahmen wie Verbinden, Besprechung mit Mantras, Gegengiften (agada), Auflagen, Erhitzen und Kühlen behandelt, so kommen sie zur Ruhe.
nijāḥ punaḥ snehasvedavamanavirecanāsthāpanānuvāsanaśirovirecanānāmayathāvatprayogānmithyāsaṃsarjanādvāchardyalasakavisūcikāśvāsakāsātisāraśoṣapāṇḍurogodarajvarapradarabhagandarārśovikārātikarśanairvā kuṣṭhakaṇḍūpiḍakādibhirvāchardikṣavathūdgāraśukravātamūtrapurīṣavegadhāraṇairvā karmarogopavāsādhvakarśitasya vāsahasā'tigurvamlalavaṇapiṣṭānnaphalaśākarāgadadhiharitakamadyamandakavirūḍhanavaśūkaśamīdhānyānūpaudaka-piśitopayogānmṛtpaṅkaloṣṭabhakṣaṇāllavaṇātibhakṣaṇādgarbhasampīḍanādāmagarbhaprapatanāt prajātānāṃ camithyopacārādudīrṇadoṣatvācca śophāḥ prādurbhavanti; ityuktaḥ sāmānyo hetuḥ
Die inneren (nija) Schwellungen dagegen entstehen durch unsachgemäße Anwendung von Ölung (sneha), Schwitztherapie (sveda), Emesis (vamana), Purgation (virecana), Klistieren (āsthāpana und anuvāsana) und Kopfreinigung (śirovirecana), oder durch falsche Nachsorge-Diät – nämlich durch Erbrechen, Alasaka, Visūcikā, Atemnot, Husten, Durchfall, Auszehrung, Blutarmut/Gelbsucht (pāṇḍuroga), Bauchwassersucht (udara), Fieber, abnormen Blutfluss, Fisteln oder Hämorrhoiden, durch übermäßige Abmagerung, oder durch Hautleiden wie Kuṣṭha und juckende Pusteln; oder durch das Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse wie Erbrechen, Niesen, Aufstoßen, Samenerguss, Blähung, Harn und Stuhl; bei jemandem, der durch Arbeit, Krankheit, Fasten oder einen langen Fußmarsch geschwächt ist, plötzlich durch den Genuss von zu schwerer, saurer, salziger oder mehlhaltiger Speise, von ungeeigneten Früchten oder Gemüsen, verdorbenem Reisgericht, Rohzucker (gaḍa), Joghurt, Harītakī, berauschenden Getränken, Manda, frisch gekeimtem oder jungem Getreide, Śamī-Hülsenfrüchten, Sumpf- oder Wassertieren; durch das Essen von Erde, Schlamm und Lehmklumpen; durch übermäßigen Salzgenuss; durch das Zusammendrücken der Schwangerschaft oder den Abgang eines unreifen Fötus (āma-garbha); bei Neugeborenen durch falsche Pflege; und durch aufgestaute doṣas – so entstehen die Schwellungen (śopha). Damit ist die allgemeine Ursache dargelegt.
yathāsvakāraṇākṛtisaṃsargāddvidoṣajāstrayaḥ śothā bhavanti; yathāsvakāraṇākṛtisannipātāt sānnipātika ekaḥ; evaṃ [4]saptavidho bhedaḥ
Durch das Zusammentreffen der jeweiligen Ursachen und Merkmale [zweier doṣas] entstehen drei Schwellungen, die von je zwei doṣas verursacht sind (dvidoṣaja); durch das Zusammentreffen der Ursachen und Merkmale aller drei entsteht eine Schwellung, die von allen drei doṣas verursacht ist (sānnipātika). So ergibt sich eine siebenfache Einteilung.
prakṛtibhistābhistābhirbhidyamāno dvividhastrividhaścaturvidhaḥ saptavidho'ṣṭavidhaśca śotha upalabhyate, punaścaika evotsedhasāmānyāt
Je nach diesen verschiedenen Grundformen unterschieden, erscheint die Schwellung als zweifach, dreifach, vierfach, siebenfach und achtfach; und doch ist sie zugleich eine einzige, da allen das gemeinsame Merkmal der Erhebung (utsedha) zukommt.
bhavanti cātra- śūyante yasya gātrāṇi svapantīva rujanti ca| pīḍitānyunnamantyāśu vātaśothaṃ tamādiśet
Dazu gibt es folgende Verse: Wessen Glieder anschwellen, wie eingeschlafen wirken und schmerzen, und die, wenn gedrückt, sich rasch wieder heben – das erkenne man als vāta-bedingte Schwellung.
yaścāpyaruṇavarṇābhaḥ śotho naktaṃ praṇaśyati| snehoṣṇamardanābhyāṃ ca praṇaśyet sa ca vātikaḥ
Und die Schwellung, die rötlich-braun gefärbt ist, sich nachts zurückbildet und durch Ölung, Wärme und Massage vergeht – auch diese ist vāta-bedingt.
yaḥ pipāsājvarārtasya dūyate'tha vidahyate| svidyati klidyate gandhī sa paittaḥ śvayathuḥ smṛtaḥ
Die Schwellung, die bei einem von Durst und Fieber Geplagten brennt, heiß wird, schwitzt, feucht wird und übel riecht – diese gilt als pitta-bedingte Schwellung (śvayathu).
yaḥ pītanetravaktratvak pūrvaṃ madhyāt praśūyate| tanutvak cātisārī ca pittaśothaḥ sa ucyate
Die Schwellung, bei der Augen, Gesicht und Haut gelblich sind, die zuerst in der Mitte anschwillt, bei der die Haut dünn ist und die von Durchfall begleitet wird – diese wird als pitta-Schwellung bezeichnet.
śītaḥ saktagatiryastu kaṇḍūmān pāṇḍureva ca| nipīḍito nonnamati śvayathuḥ sa kaphātmakaḥ
Die Schwellung, die kalt ist, sich träge ausbreitet, juckt und blass (pāṇḍu) ist, und die, wenn gedrückt, sich nicht gleich wieder hebt – diese ist kapha-bedingt.
yasya śastrakuśacchinnācchoṇitaṃ na pravartate| kṛcchreṇa picchā sravati sa cāpi kaphasambhavaḥ
Wird eine solche Schwellung mit dem Skalpell oder scharfem Kuśa-Gras eingeschnitten, ohne dass Blut fließt, sondern nur mit Mühe eine schleimige Flüssigkeit austritt – auch das ist eine aus kapha entstandene.
nidānākṛtisaṃsargācchvayathuḥ syāddvidoṣajaḥ| sarvākṛtiḥ sannipātācchotho vyāmiśrahetujaḥ
Durch die Verbindung der Ursachen und Merkmale [zweier doṣas] entsteht eine von zwei doṣas verursachte Schwellung; durch das Zusammenwirken aller drei entsteht eine Schwellung mit allen Merkmalen, verursacht durch gemischte Ursachen (sannipāta).
yastu pādābhinirvṛttaḥ śothaḥ sarvāṅgago bhavet| jantoḥ sa ca sukaṣṭaḥ syāt prasṛtaḥ strīmukhācca yaḥ
Die Schwellung aber, die an den Füßen beginnt und sich über den ganzen Körper ausbreitet, ist für den Betroffenen sehr schwer zu heilen; ebenso jene, die vom Genitalbereich der Frau ausgeht.
yaścāpi guhyaprabhavaḥ striyā vā puruṣasya vā| sa ca kaṣṭatamo jñeyo yasya ca syurupadravāḥ
Und die Schwellung, die von den Geschlechtsorganen einer Frau oder eines Mannes ausgeht, gilt als die schwerste; ebenso jene, bei der Begleiterscheinungen (upadrava) auftreten.
chardiḥ śvāso'rucistṛṣṇā jvaro'tīsāra eva ca| saptako'yaṃ sadaurbalyaḥ śophopadravasaṅgrahaḥ
Erbrechen, Atemnot, Appetitlosigkeit, Durst, Fieber und Durchfall – diese sechs bilden zusammen mit der Kraftlosigkeit die siebengliedrige Gruppe der Begleiterscheinungen (upadrava) der Schwellung.
yasya śleṣmā prakupito jihvāmūle'vatiṣṭhate| āśu sañjanayecchothaṃ jāyate'syopajihvikā
Wessen erregtes kapha sich an der Zungenwurzel festsetzt, das erzeugt rasch eine Schwellung; so entsteht bei ihm die Upajihvikā (Schwellung unter der Zunge).
yasya śleṣmā prakupitaḥ kākale vyavatiṣṭhate| āśu sañjanayecchophaṃ karoti galaśuṇḍikām
Wessen erregtes kapha sich am Zäpfchenbereich (kākala) festsetzt, das erzeugt rasch eine Schwellung und verursacht die Galaśuṇḍikā (Zäpfchenschwellung).
yasya śleṣmā prakupito galabāhye'vatiṣṭhate| śanaiḥ sañjanayecchophaṃ galagaṇḍo'sya jāyate
Wessen erregtes kapha sich außen am Hals festsetzt, das erzeugt allmählich eine Schwellung; so entsteht bei ihm der Galagaṇḍa (Halsgeschwulst, Kropf).
yasya śleṣmā prakupitastiṣṭhatyantargale sthiraḥ| āśu sañjanayecchophaṃ jāyate'sya galagrahaḥ
Wessen erregtes kapha sich fest im Inneren des Halses festsetzt, das erzeugt rasch eine Schwellung; so entsteht bei ihm der Galagraha (Halsverschluss).
yasya pittaṃ prakupitaṃ saraktaṃ tvaci sarpati| śophaṃ sarāgaṃ janayedvisarpastasya jāyate
Wessen erregtes pitta, mit Blut vermengt, über die Haut kriecht, das erzeugt eine gerötete Schwellung; so entsteht bei ihm der Visarpa (sich ausbreitende Hautentzündung).
yasya pittaṃ prakupitaṃ tvaci rakte'vatiṣṭhate| śothaṃ sarāgaṃ janayet piḍakā tasya jāyate
Wessen erregtes pitta sich in Haut und Blut festsetzt, das erzeugt eine gerötete Schwellung; so entsteht bei ihm eine Piḍakā (Pustel).
yasya prakupitaṃ pittaṃ śoṇitaṃ prāpya śuṣyati| tilakā piplavo vyaṅgā nīlikā tasya jāyate
Bei wem das erregte pitta, nachdem es das Blut erreicht hat, eintrocknet, dem entstehen Tilakā (Muttermale), Piplu (weiße Flecken), Vyaṅga (dunkle Gesichtsflecken) und Nīlikā (bläuliche Flecken).
yasya pittaṃ prakupitaṃ śaṅkhayoravatiṣṭhate| śvayathuḥ śaṅkhako nāma dāruṇastasya jāyate
Wessen erregtes pitta sich an den Schläfen (śaṅkha) festsetzt, bei dem entsteht eine schwere Schwellung namens Śaṅkhaka.
yasya pittaṃ prakupitaṃ karṇamūle'vatiṣṭhate| jvarānte durjayo'ntāya śothastasyopajāyate
Wessen erregtes pitta sich an der Ohrwurzel festsetzt, bei dem entsteht am Ende eines Fiebers eine schwer zu bezwingende, für das Leben gefährliche Schwellung.
vātaḥ plīhānamuddhūya kupito yasya tiṣṭhati| śanaiḥ paritudan pārśvaṃ plīhā tasyābhivardhate
Wessen erregter vāta die Milz aufbläht und dort verweilt, dabei allmählich die Seite (pārśva) durchstechend schmerzt, bei dem wächst die Milz (plīhan) an.
yasya vāyuḥ prakupito gulmasthāne'vatiṣṭhate| śophaṃ saśūlaṃ janayan gulmastasyopajāyate
Wessen erregter vāyu sich am Sitz des Gulma festsetzt und dort eine schmerzhafte Schwellung erzeugt, bei dem entsteht ein Gulma (abdominale Geschwulst).
yasya vāyuḥ prakupitaḥ śophaśūlakaraścaran| vaṅkṣaṇādvṛṣaṇau yāti vṛddhistasyopajāyate
Wessen erregter vāyu, Schwellung und Schmerz verursachend, von der Leiste zu den Hoden wandert, bei dem entsteht eine Vṛddhi (Hodenschwellung).
yasya vātaḥ prakupitastvaṅmāṃsāntaramāśritaḥ| śothaṃ sañjanayet kukṣāvudaraṃ tasya jāyate
Wessen erregter vāta sich zwischen Haut und Fleisch aufhält und im Bauchraum eine Schwellung erzeugt, bei dem entsteht Udara (Bauchwassersucht).
yasya vātaḥ prakupitaḥ kukṣimāśritya tiṣṭhati| nādho vrajati nāpyūrdhvamānāhastasya jāyate
Wessen erregter vāta sich im Bauchraum aufhält und weder nach unten noch nach oben abgeht, bei dem entsteht Ānāha (schmerzhafte Blähung mit Verstopfung).
rogāścotsedhasāmānyadadhimāṃsārbudādayaḥ| viśiṣṭā nāmarūpābhyāṃ nirdeśyāḥ śothasaṅgrahe
Krankheiten, die das gemeinsame Merkmal der Erhebung (utsedha) teilen, wie Adhimāṃsa (Fleischwucherung), Arbuda (Tumor) und andere, sind, obwohl sie sich in Name und Erscheinungsform unterscheiden, dennoch in die Gruppe der Schwellungen (śotha) einzuordnen.
vātapittakaphā yasya yugapat kupitāstrayaḥ| jihvāmūle'vatiṣṭhante vidahantaḥ samucchritāḥ
Bei wem vāta, pitta und kapha zugleich erregt sind und sich, brennend und stark angeschwollen, an der Zungenwurzel festsetzen,
janayanti bhṛśaṃ śothaṃ vedanāśca pṛthagvidhāḥ| taṃ śīghrakāriṇaṃ rogaṃ rohiṇīti vinirdiśet
erzeugen diese eine starke Schwellung und verschiedenartige Schmerzen; diese rasch fortschreitende Krankheit nenne man Rohiṇī.
trirātraṃ paramaṃ tasya jantorbhavati jīvitam| kuśalena tvanukrāntaḥ kṣipraṃ sampadyate sukhī
Höchstens drei Tage und Nächte beträgt dann noch die Lebenszeit des Betroffenen; wird er aber von einem kundigen Arzt behandelt, wird er rasch wieder gesund.
santi hyevaṃvidhā rogāḥ sādhyā dāruṇasammatāḥ| ye hanyuranupakrāntā mithyācāreṇa vā punaḥ
Es gibt nämlich derartige Krankheiten, die zwar als heilbar gelten, zugleich aber als schwerwiegend – solche, die tödlich enden, wenn sie unbehandelt bleiben oder falsch behandelt werden.
sādhyāścāpyapare santi vyādhayo mṛdusammatāḥ| yatnāyatnakṛtaṃ yeṣu karma sidhyatyasaṃśayam
Und es gibt andere, heilbare Krankheiten, die als leicht (mṛdu) gelten, bei denen die Behandlung, ob mit Mühe oder ohne, zweifellos gelingt.
asādhyāścāpare santi vyādhayo yāpyasañjñitāḥ| susādhvapi kṛtaṃ yeṣu karma yātrākaraṃ bhavet
Und es gibt weitere unheilbare Krankheiten, die als yāpya (nur lindernd, chronisch begleitend) bezeichnet werden, bei denen selbst eine gut durchgeführte Behandlung nur das Fortleben ermöglicht, nicht aber die Heilung.
santi cāpyapare rogā yeṣu karma na sidhyati| api yatnakṛtaṃ bālairna tān vidvānupācaret
Und es gibt noch andere Krankheiten, bei denen die Behandlung nicht gelingt, selbst wenn sie von Unerfahrenen mit Mühe versucht wird; ein weiser Arzt sollte sich an diesen nicht versuchen.
sādhyāścaivāpyasādhyāśca vyādhayo dvividhāḥ smṛtāḥ| mṛdudāruṇabhedena te bhavanti caturvidhāḥ
Krankheiten gelten somit als zweifach: heilbar und unheilbar; durch die weitere Unterscheidung in leicht (mṛdu) und schwer (dāruṇa) werden sie vierfach.
ta evāparisaṅkhyeyā bhidyamānā bhavanti hi| rujāvarṇasamutthānasthānasaṃsthānanāmabhiḥ
Eben diese vier Arten werden, weiter unterteilt, unzählbar vielfältig – nach Schmerz, Farbe, Entstehungsart, Sitz, Form und Namen.
vyavasthākaraṇaṃ teṣāṃ yathāsthūleṣu saṅgrahaḥ| tathā prakṛtisāmānyaṃ vikāreṣūpadiśyate
Ihre systematische Einteilung erfolgt wie eine Zusammenfassung nach groben Grundzügen; ebenso wird bei den Erkrankungen ihre grundlegende Übereinstimmung (prakṛti-sāmānya) dargelegt.
vikāranāmākuśalo na jihrīyāt kadācana| na hi sarvavikārāṇāṃ nāmato'sti dhruvā sthitiḥ
Wer nicht alle Namen der Erkrankungen kennt, sollte sich deswegen niemals schämen; denn nicht für alle Erkrankungen gibt es eine feste, eindeutig benannte Einteilung.
sa eva kupito doṣaḥ samutthānaviśeṣataḥ| sthānāntaragataścaiva janayatyāmayān bahūn
Ein und derselbe erregte doṣa erzeugt, je nach der besonderen Art seiner Entstehung und je nachdem, an welchen Ort im Körper er gelangt, viele verschiedene Krankheiten.
tasmādvikāraprakṛtīradhiṣṭhānāntarāṇi ca| samutthānaviśeṣāṃśca buddhvā karma samācaret
Deshalb soll der Arzt die Grundnatur der Erkrankungen, die verschiedenen Sitze [des doṣa] sowie die besonderen Entstehungsarten erkennen und danach seine Behandlung ausrichten.
yo hyetattritayaṃ jñātvā karmāṇyārabhate bhiṣak| jñānapūrvaṃ yathānyāyaṃ sa karmasu na muhyati
Der Arzt nämlich, der, nachdem er diese drei Dinge erkannt hat, seine Behandlung mit Wissen und nach der rechten Methode beginnt, irrt in seinem Handeln nicht.
nityāḥ prāṇabhṛtāṃ dehe vātapittakaphāstrayaḥ| vikṛtāḥ prakṛtisthā vā tān bubhutseta paṇḍitaḥ
Vāta, pitta und kapha sind im Körper der Lebewesen ständig vorhanden – sei es in gestörtem (vikṛta) oder in natürlichem (prakṛtistha) Zustand; diese sollte der Kundige zu erkennen suchen.
utsāhocchvāsaniḥ śvāsaceṣṭā dhātugatiḥ samā| samo mokṣo gatimatāṃ vāyoḥ karmāvikārajam
Tatkraft, Ein- und Ausatmung, Bewegung, die gleichmäßige Bewegung der dhātus (Körpergewebe) und die geregelte Ausscheidung – das ist die Wirkung des vāyu, wenn er nicht gestört ist.
darśanaṃ paktirūṣmā ca kṣuttṛṣṇā dehamārdavam| prabhā prasādo medhā ca pittakarmāvikārajam
Sehvermögen, Verdauung, Körperwärme, Hunger und Durst, Geschmeidigkeit des Körpers, Hautglanz, Klarheit [der Sinne] und Intelligenz – das ist die Wirkung des pitta, wenn es nicht gestört ist.
sneho bandhaḥ sthiratvaṃ ca gauravaṃ vṛṣatā balam| kṣamā dhṛtiralobhaśca kaphakarmāvikārajam
Geschmeidigkeit, Zusammenhalt, Festigkeit, Schwere, Zeugungskraft, Stärke, Geduld, Standhaftigkeit und Freiheit von Gier – das ist die Wirkung des kapha, wenn er nicht gestört ist.
vāte pitte kaphe caiva kṣīṇe lakṣaṇamucyate| karmaṇaḥ prākṛtāddhānirvṛddhirvā'pi virodhinām
Für vāta, pitta und kapha wird, wenn sie vermindert sind, als Merkmal genannt: eine Abnahme ihrer natürlichen Funktion, oder aber eine Zunahme der ihnen entgegengesetzten Eigenschaften.
doṣaprakṛtivaiśeṣyaṃ niyataṃ vṛddhilakṣaṇam| doṣāṇāṃ prakṛtirhānirvṛddhiścaivaṃ parīkṣyate
Eine deutliche Steigerung der natürlichen Eigenschaften eines doṣa ist das sichere Merkmal seiner Vermehrung (vṛddhi). So soll der natürliche Zustand, die Verminderung und die Vermehrung der doṣas untersucht werden.
tatra ślokāḥ- saṅkhyāṃ nimittaṃ rūpāṇi śothānāṃ sādhyatāṃ na ca| teṣāṃ teṣāṃ vikārāṇāṃ śothāṃstāṃstāṃśca pūrvajān
Dazu die zusammenfassenden Verse: Die Anzahl, die Ursache, die Merkmale der Schwellungen und ob sie heilbar sind oder nicht, sowie die jeweils aus ihnen zuvor entstehenden Erkrankungen und die von diesen wiederum verursachten Schwellungen –
vidhibhedaṃ vikārāṇāṃ trividhaṃ bodhyasaṅgraham| prākṛtaṃ karma doṣāṇāṃ lakṣaṇaṃ hānivṛddhiṣu
die dreifache, zu verstehende Einteilung der Erkrankungen, die natürliche Wirkung der doṣas im Gleichgewicht sowie die Merkmale ihrer Verminderung und Vermehrung –
vītamoharajodoṣalobhamānamadaspṛhaḥ| vyākhyātavāṃstriśothīye rogādhyāye punarvasuḥ
all dies hat Punarvasu, frei von Verblendung, Leidenschaft, Fehlern, Gier, Stolz, Rausch und Begierde, im Kapitel über die drei Schwellungen (Triśothīya) der Krankheitslehre dargelegt.