Quellen der Menschheit

Caraka-Saṃhitā · Sutrasthana

Adhyāya 20: Maharoga Die großen Krankheiten (Mahāroga)

Das zwanzigste und letzte Kapitel des Sūtrasthāna, „Mahārogādhyāya“, schließt die mit Kapitel 17 begonnene Reihe nosologischer Kapitel ab, indem es die jeweils allein durch einen einzelnen Doṣa verursachten Krankheiten systematisch auflistet: achtzig Vāta-, vierzig Pitta- und zwanzig Kapha-bedingte Störungen, jeweils mit den charakteristischen Eigenschaften (guṇa) und Wirkmerkmalen (liṅga) des betreffenden Doṣa sowie den zugehörigen Behandlungsprinzipien – etwa Klistieren gegen Vāta, Abführmitteln gegen Pitta und Brechmitteln gegen Kapha als jeweils wichtigste Maßnahme. Historisch-philologisch markiert dieses Kapitel damit den systematischen Abschluss der Doṣa-Pathologie im Sūtrasthāna, bevor die Caraka-Saṃhitā im nachfolgenden Nidānasthāna zur eigentlichen Krankheitsdiagnostik übergeht; die klare Dreiteilung nach Doṣas prägte in ähnlicher Form auch spätere Kompendien wie das Aṣṭāṅgahṛdaya. Botanische Substanzen werden nicht im Detail behandelt – das Kapitel bleibt dem Aufbau einer umfassenden, doṣa-basierten Krankheitstaxonomie verpflichtet.

DIE DREI DOṢA-KRANKHEITSGRUPPEN IM ÜBERBLICK (Vers 8–19)
DoṣaAnzahl der KrankheitenEigenwesen (guṇa)Beispiele (Auswahl)Wichtigste Behandlung
vāta80trocken, kalt, leicht, rau, beweglich, gestaltlos, unbeständigIschias (gṛdhrasī), Halbseitenlähmung, Kopfschmerz, Zittern, SchwindelKlistiere (āsthāpana, anuvāsana)
pitta40heiß, scharf, flüssig, mäßig ölig, faulig riechend, scharfer/saurer GeschmackSodbrennen, Gelbsucht (kāmalā), Augenentzündung, raktapittaAbführmittel (virecana)
śleṣma (kapha)20ölig, kalt, weiß, schwer, süß, beständig, schlüpfrig, zähKropf, übermäßiger Schlaf, Fettleibigkeit, NesselausschlagBrechmittel (vamana)
Jeweils die achtzig, vierzig bzw. zwanzig deutlichsten der unzählbaren Einzelkrankheiten (V11, V14, V17); daneben werden die gemeinschaftlich (aus mehreren doṣas) entstandenen Krankheiten im Kapitel Aṣṭodarīya behandelt.

athāto mahārogādhyāyaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir das Kapitel über die großen Krankheiten (mahāroga) erläutern.

iti ha smāha bhagavānātreyaḥ

So sprach der erhabene Ātreya.

catvāro rogā bhavanti- āgantuvātapittaśleṣmanimittāḥ; teṣāṃ caturṇāmapi rogāṇāṃ rogatvamekavidhaṃ bhavati, ruksāmānyāt;dvividhā punaḥ prakṛtireṣām, āgantunijavibhāgāt; dvividhaṃ caiṣāmadhiṣṭhānaṃ, manaḥśarīraviśeṣāt; vikārāḥpunaraparisaṅkhyeyāḥ, prakṛtyadhiṣṭhānaliṅgāyatanavikalpaviśeṣāparisaṅkhyeyatvāt

Es gibt vier Arten von Krankheiten: solche, die durch äußere Einwirkung (āgantu), durch vāta, durch pitta und durch śleṣma (kapha, Schleim-doṣa) verursacht werden. Das Kranksein dieser vier Krankheitsarten ist von einer einzigen Art, weil ihnen die Beeinträchtigung (des Körpers) gemeinsam ist. Ihre Natur (prakṛti) aber ist zweifach, nach der Unterscheidung von äußerer (āgantu) und innerer (nija) Ursache. Auch ihr Sitz (adhiṣṭhāna) ist zweifach, nach der Unterscheidung von Geist (manas) und Körper (śarīra). Die Krankheitsformen (vikāra) aber sind unzählig, weil sie sich nach Natur, Sitz, Merkmal (liṅga), Ort und den mannigfaltigen weiteren Unterscheidungen unbegrenzt vervielfältigen lassen.

mukhāni tu khalvāgantornakhadaśanapatanābhicārābhiśāpābhiṣaṅgābhighātavyadha-bandhanaveṣṭanapīḍanarajjudahanaśastrāśanibhūtopasargādīni, nijasya tu mukhaṃ vātapittaśleṣmaṇāṃ vaiṣamyam

Die Ursachen (mukha, wörtlich „Münder“) der äußeren (āgantu) Krankheiten sind: Verletzungen durch Nägel und Zähne, Stürze, schwarze Magie (abhicāra), Verwünschungen (abhiśāpa), dämonischer Befall (abhiṣaṅga), Stöße, Durchbohrung mit spitzen Gegenständen, Fesselung, Einschnürung, Quetschung, Erhängen am Strick, Verbrennung, Waffen, Blitzschlag, Befall durch Geisterwesen (bhūta) und Ähnliches. Die Ursache der inneren (nija) Krankheiten aber ist das Ungleichgewicht von vāta, pitta und śleṣma.

dvayostu khalvāgantunijayoḥ preraṇamasātmyendriyārthasaṃyogaḥ, prajñāparādhaḥ, pariṇāmaśceti

Der Anstoß für beide, die äußeren wie die inneren Krankheiten, ist: die dem Menschen nicht zuträgliche Verbindung mit den Sinnesobjekten (asātmyendriyārthasaṃyoga), der Verstandesfehler (prajñāparādha) und die Wandlung (pariṇāma) der Zeit, das heißt der Jahreszeiten und des Lebensalters.

sarve'pi tu khalvete'bhipravṛddhāścatvāro rogāḥ parasparamanubadhnanti, na cānyonyena saha sandehamāpadyante

Alle diese vier Krankheitsarten jedoch ziehen, wenn sie sich verstärkt haben, einander nach sich, geraten dabei aber nicht miteinander in Vermischung oder Verwechslung.

āganturhi vyathāpūrvaṃ samutpanno jaghanyaṃ vātapittaśleṣmaṇāṃ vaiṣamyamāpādayati; nije tu vātapittaśleṣmāṇaḥ pūrvaṃ vaiṣamyamāpadyantejaghanyaṃ vyathāmabhinirvartayanti

Denn die äußere (āgantu) Krankheit entsteht zunächst als Schmerz (vyathā) und bewirkt erst danach ein Ungleichgewicht von vāta, pitta und śleṣma; bei der inneren (nija) Krankheit hingegen geraten vāta, pitta und śleṣma zuerst in Ungleichgewicht und bringen erst danach den Schmerz hervor.

teṣāṃ trayāṇāmapi doṣāṇāṃ śarīre sthānavibhāga upadekṣyate; tadyathā- bastiḥ purīṣādhānaṃ kaṭiḥ sakthinī pādāvasthīnipakvāśayaśca vātasthānāni, tatrāpi pakvāśayo viśeṣeṇa vātasthānaṃ; svedo raso lasīkā rudhiramāmāśayaśca pittasthānāni,tatrāpyāmāśayo viśeṣeṇa pittasthānam; uraḥ śiro grīvā parvāṇyāmāśayo medaśca śleṣmasthānāni, tatrāpyuro viśeṣeṇaśleṣmasthānam

Nun soll die Verteilung der Sitze (sthāna) der drei doṣas im Körper dargelegt werden. Die Sitze des vāta sind: die Harnblase (basti), der Ort der Kotansammlung, die Hüfte, die Oberschenkel, die Fußknochen und der Dickdarm bzw. Verdauungstrakt (pakvāśaya); von diesen ist der pakvāśaya in besonderer Weise der Sitz des vāta. Die Sitze des pitta sind: Schweiß, rasa (Körpersaft, Nährflüssigkeit), Lymphe, Blut und der Magen des unverdauten Speisebreis (āmāśaya); von diesen ist der āmāśaya in besonderer Weise der Sitz des pitta. Die Sitze des śleṣma sind: die Brust, der Kopf, der Nacken, die Gelenke, der āmāśaya und das Fettgewebe (medas); von diesen ist die Brust in besonderer Weise der Sitz des śleṣma.

sarvaśarīracarāstu vātapittaśleṣmāṇaḥ sarvasmiñcharīre kupitākupitāḥ śubhāśubhāni kurvanti- prakṛtibhūtāḥśubhānyupacayabalavarṇaprasādādīni, aśubhāni punarvikṛtimāpannā vikārasañjñakāni

Vāta, pitta und śleṣma jedoch, die den ganzen Körper durchwandern, bewirken – ob erregt oder nicht erregt – im gesamten Körper Gutes und Schlechtes: In ihrem natürlichen Zustand bewirken sie Gutes wie Gewebezunahme, Kraft, Hautglanz, Klarheit der Sinne und Ähnliches; geraten sie aber in einen krankhaften Zustand (vikṛti), bewirken sie Schlechtes, das man als Krankheitsformen (vikāra) bezeichnet.

tatra vikārāḥ sāmānyajā, nānātmajāśca| tatra sāmānyajāḥ pūrvamaṣṭodarīye vyākhyātāḥ, nānātmajāṃstvihādhyāye'nuvyākhyāsyāmaḥ| tadyathā- aśītirvātavikārāḥ, catvāriṃśat pittavikārāḥ, viṃśatiḥ śleṣmavikārāḥ

Die Krankheitsformen sind dabei entweder gemeinschaftlich entstanden (aus dem Zusammenwirken mehrerer doṣas) oder je eigenständig entstanden (aus einem einzelnen doṣa). Die gemeinschaftlich entstandenen wurden bereits zuvor im Kapitel über die acht Bauchkrankheiten (Aṣṭodarīya) dargelegt; die je eigenständig entstandenen wollen wir hier in diesem Kapitel im Einzelnen erläutern. Es gibt nämlich achtzig Krankheitsformen des vāta, vierzig des pitta und zwanzig des śleṣma.

tatrādau vātavikārānanuvyākhyāsyāmaḥ| tadyathā- nakhabhedaśca, vipādikā ca, pādaśūlaṃ ca, pādabhraṃśaśca, pādasuptatā ca, vātakhuḍḍatā ca, gulphagrahaśca, piṇḍikodveṣṭanaṃ ca,gṛdhrasī ca, jānubhedaśca, jānuviśleṣaśca, ūrustambhaśca, ūrusādaśca, pāṅgulyaṃ ca, gudabhraṃśaśca, gudārtiśca, vṛṣaṇākṣepaśca ,śephastambhaśca, vaṅkṣaṇānāhaśca, śroṇibhedaśca, viḍbhedaśca, udāvartaśca, khañjatvaṃ ca, kubjatvaṃ ca, vāmanatvaṃ ca, trikagrahaśca,pṛṣṭhagrahaśca, pārśvāvamardaśca, udarāveṣṭaśca, hṛnmohaśca , hṛddravaśca, vakṣaudgharṣaśca , vakṣauparodhaśca, vakṣastodaśca, bāhuśoṣaśca,grīvāstambhaśca, manyāstambhaśca, kaṇṭhoddhvaṃsaśca, hanubhedaśca , oṣṭhabhedaśca, akṣibhedaśca , dantabhedaśca, dantaśaithilyaṃ ca,mūkatvaṃ ca , vāksaṅgaśca, kaṣāyāsyatā ca, mukhaśoṣaśca, arasajñatā ca, ghrāṇanāśaśca, karṇaśūlaṃ ca, aśabdaśravaṇaṃ ca,uccaiḥśrutiśca , bādhiryaṃ ca, vartmastambhaśca, vartmasaṅkocaśca, timiraṃ ca, akṣiśūlaṃ ca, akṣivyudāsaśca, bhrūvyudāsaśca,śaṅkhabhedaśca, lalāṭabhedaśca, śiroruk ca, keśabhūmisphuṭanaṃ ca, arditaṃ ca, ekāṅgarogaśca, sarvāṅgarogaśca, pakṣavadhaśca ,ākṣepakaśca, daṇḍakaśca, tamaśca , bhramaśca, vepathuśca, jṛmbhā ca, hikkā ca, viṣādaśca, atipralāpaśca, raukṣyaṃ ca, pāruṣyaṃ ca,śyāvāruṇāvabhāsatā ca, asvapnaśca, anavasthitacittatvaṃ ca; ityaśītirvātavikārāvātavikārāṇāmaparisaṅkhyeyānāmāviṣkṛtatamā vyākhyātāḥ

Zunächst wollen wir die vāta-Krankheiten im Einzelnen erläutern: Spalten der Nägel; Rhagaden (Hautrisse an Händen und Füßen); Fußschmerz; Absinken/Schwäche des Fußes; Taubheit des Fußes; vāta-bedingte Fußdeformität; Versteifung des Knöchels; Wadenkrämpfe; Ischias (gṛdhrasī); Knieschmerz; Auskugelung des Knies; Versteifung des Oberschenkels; Erschlaffung des Oberschenkels; Hinken; Mastdarmvorfall; Afterschmerz; krampfartiges Ziehen der Hoden; Starre des Gliedes; Blähung/Verhärtung der Leistengegend; Beckenschmerz; gestörter, gespaltener Stuhlgang; Aufwärtsdrängen der Winde (udāvarta); Lahmheit; Buckligkeit; Zwergwuchs; Versteifung des Kreuzbeins; Versteifung des Rückens; schmerzhaftes Zusammendrücken der Flanken; Krämpfe im Bauch; Bewusstseinstrübung im Herzbereich; Herzrasen; reibendes Gefühl in der Brust; Beklemmung der Brust; stechender Brustschmerz; Auszehrung des Arms; Versteifung des Nackens; Versteifung der Nackenmuskulatur; Schwäche/Zerstörung der Kehle; Kieferschmerz; Lippenschmerz; Augenschmerz; Zahnschmerz; Zahnlockerung; Stummheit; Sprachstörung; herber Geschmack im Mund; Mundtrockenheit; Geschmacksverlust; Verlust des Geruchssinns; Ohrenschmerz; grundloses Ohrensausen (Tinnitus); Überempfindlichkeit gegen laute Geräusche; Taubheit; Versteifung der Augenlider; Verengung der Augenlider; Augenflimmern (timira); Augenschmerz; Verdrehen des Auges (Schielen); Verziehen der Augenbraue; Schläfenschmerz; Stirnschmerz; Kopfschmerz; Rissigwerden der Kopfhaut; Ardita (Gesichts- bzw. Fazialislähmung); Krankheit eines einzelnen Körperteils; Krankheit des ganzen Körpers; Halbseitenlähmung; Krämpfe (ākṣepaka); stockartige Starre des Körpers (daṇḍaka); Bewusstseinsverdunkelung; Schwindel; Zittern; Gähnen; Schluckauf; Niedergeschlagenheit; übermäßiges Reden; Trockenheit; Rauheit; bräunlich-rötliche Hautverfärbung; Schlaflosigkeit; und Unstetigkeit des Geistes. So wurden von den unzähligen vāta-Krankheiten die achtzig deutlichsten dargelegt.

sarveṣvapi khalveteṣu vātavikāreṣūkteṣvanyeṣu cānukteṣu vāyoridamātmarūpamapariṇāmi karmaṇaśca svalakṣaṇaṃ, yadupalabhya tadavayavaṃvā vimuktasandehā vātavikāramevādhyavasyanti kuśalāḥ; tadyathā- raukṣyaṃ śaityaṃ lāghavaṃ vaiśadyaṃ gatiramūrtatvamanavasthitatvaṃ cetivāyorātmarūpāṇi; evaṃvidhatvācca vāyoḥ karmaṇaḥ svalakṣaṇamidamasya bhavati taṃ taṃ śarīrāvayavamāviśataḥ ; tadyathā-sraṃsabhraṃsavyāsasaṅgabhedasādaharṣatarṣakampavartacālatodavyathāceṣṭādīni , tathākharaparuṣaviśadasuṣirāruṇavarṇakaṣāyavirasamukhatvaśoṣaśūlasuptisaṅkocanastambhanakhañjatādīni ca vāyoḥ karmāṇi; tairanvitaṃvātavikāramevādhyavasyet

Bei allen diesen genannten wie auch den nicht genannten vāta-Krankheiten gibt es dieses unveränderliche Eigenwesen des vāyu (vāta) und dieses charakteristische Merkmal seiner Wirkung, an dem – oder an einem Teil davon – erfahrene Ärzte, ohne jeden Zweifel, eine vāta-Krankheit erkennen. Und zwar sind Trockenheit, Kälte, Leichtigkeit, Klarheit/Rauheit, Beweglichkeit, Gestaltlosigkeit und Unbeständigkeit die Eigenwesenmerkmale des vāyu. Und da der vāyu von solcher Beschaffenheit ist, besteht das charakteristische Merkmal seiner Wirkung, wenn er in die einzelnen Körperteile eindringt, in Folgendem: Erschlaffen, Herabsinken, Auseinanderweichen, Verhärtung, Spaltung, Erschöpfung, Gänsehaut/wohliger Schauder, Durst, Zittern, kreisende Bewegung, Beben, Stechen und schmerzhafte Bewegungen und Ähnliches; ebenso Rauheit, Härte, Porosität, bräunlich-rote Verfärbung, herber und geschmackloser Mundgeschmack, Trockenheit, Schmerz, Taubheit, Zusammenziehen, Versteifung und Hinken und Ähnliches – dies sind die Wirkungen des vāyu. An diesen Merkmalen erkenne man eine vāta-Krankheit.

taṃ madhurāmlalavaṇasnigdhoṣṇairupakramairupakrameta,snehasvedāsthāpanānuvāsananastaḥkarmabhojanābhyaṅgotsādanapariṣekādibhirvātaharairmātrāṃ kālaṃ ca pramāṇīkṛtya;tatrāsthāpanānuvāsanaṃ tu khalu sarvatropakramebhyo vāte pradhānatamaṃ manyante bhiṣajaḥ, taddhyādita eva pakvāśayamanupraviśya kevalaṃvaikārikaṃ vātamūlaṃ chinatti; tatrāvajite'pi vāte śarīrāntargatā vātavikārāḥ praśāntimāpadyante, yathā vanaspatermūle chinneskandhaśākhāprarohakusumaphalapalāśādīnāṃ niyato vināśastadvat

Diese (vāta-Krankheit) behandle man mit süßen, sauren, salzigen, öligen und warmen Behandlungsmaßnahmen, nämlich mit Ölbehandlung (sneha), Schwitzbehandlung (sveda), abführenden Klistieren (āsthāpana), ölenden Klistieren (anuvāsana), Nasenbehandlung (nasya), (chirurgischen) Eingriffen, geeigneter Nahrung, Einölung, Einreibung und Übergießung und ähnlichen vāta-beseitigenden Mitteln, wobei man Dosierung und Zeitpunkt genau bestimmt. Von allen Behandlungsmaßnahmen gegen vāta halten die Ärzte das abführende und das ölende Klistier für die wichtigsten, denn diese dringen von Anfang an in den pakvāśaya ein und durchtrennen allein die krankhafte Wurzel des vāta; ist der vāta dort bezwungen, kommen auch die im übrigen Körper befindlichen vāta-Krankheiten zur Ruhe – so wie, wenn die Wurzel eines Baumes durchtrennt ist, notwendig auch Stamm, Äste, Sprösslinge, Blüten, Früchte und Blätter zugrunde gehen.

pittavikārāṃścatvāriṃśatamata ūrdhvamanuvyākhyāsyāmaḥ- oṣaśca, ploṣaśca, dāhaśca, davathuśca, dhūmakaśca, amlakaśca, vidāhaśca,antardāhaśca, aṃsadāhaśca , ūṣmādhikyaṃ ca, atisvedaśca (aṅgasvedaśca), aṅgagandhaśca, aṅgāvadaraṇaṃ ca,śoṇitakledaśca, māṃsakledaśca, tvagdāhaśca, (māṃsadāhaśca ), tvagavadaraṇaṃ ca, carmadalanaṃ ca, raktakoṭhaśca, raktavisphoṭaśca,raktapittaṃ ca, raktamaṇḍalāni ca, haritatvaṃ ca, hāridratvaṃ ca, nīlikā ca, kakṣā(kṣyā)ca, kāmalā ca, tiktāsyatā ca,lohitagandhāsyatā ca, pūtimukhatā ca, tṛṣṇādhikyaṃ ca, atṛptiśca, āsyavipākaśca, galapākaśca, akṣipākaśca, gudapākaśca,meḍhrapākaśca, jīvādānaṃ ca , tamaḥpraveśaśca, haritahāridranetramūtravarcastvaṃ ca; iti catvāriṃśatpittavikārāḥpittavikārāṇāmaparisaṅkhyeyānāmāviṣkṛtatamā vyākhyātāḥ

Von nun an wollen wir die vierzig pitta-Krankheiten im Einzelnen erläutern: Sengendes Brennen; starkes Brennen; Brennen; brennender Hitzeschmerz; Rauchgefühl (Aufsteigen von „Rauch“); Sodbrennen; Übersäuerung/Entzündung; inneres Brennen; Brennen in der Schulter; übermäßige Körperhitze; übermäßiges Schwitzen (Schwitzen am Körper); Körpergeruch; Aufreißen der Körperhaut; Verflüssigung des Blutes; Verflüssigung des Fleisches; Brennen der Haut; Brennen des Fleisches; Aufreißen der Haut; Aufplatzen der Haut; blutige Hautflecken; blutige Blasenbildung; raktapitta (Blutungskrankheit, Bluten aus Körperöffnungen); kreisförmige blutige Flecken; Grünverfärbung; Gelbverfärbung; bläuliche Flecken; kakṣā (eine Hautaffektion, gürtelroseartig); Gelbsucht (kāmalā); bitterer Mundgeschmack; Blutgeruch im Mund; fauliger Mundgeruch; übermäßiger Durst; Unersättlichkeit (trotz Trinken); Entzündung des Mundes; Entzündung des Rachens; Augenentzündung; Entzündung des Afters; Entzündung des Gliedes; lebensbedrohliche Erschöpfung (Raub der Lebenskraft); Eintritt in Bewusstlosigkeit; sowie Grün- und Gelbfärbung von Augen, Urin und Stuhl. So wurden von den unzähligen pitta-Krankheiten die vierzig deutlichsten dargelegt.

sarveṣvapi khalveteṣu pittavikāreṣūkteṣvanyeṣu cānukteṣu pittasyedamātmarūpamapariṇāmi karmaṇaśca svalakṣaṇaṃ, yadupalabhya tadavayavaṃvā vimuktasandehāḥ pittavikāramevādhyavasyanti kuśalāḥ; tadyathā- auṣṇyaṃ taikṣṇyaṃ dravatvamanatisneho varṇaśca śuklāruṇavarjogandhaśca visro rasau ca kaṭukāmlau saratvaṃ ca pittasyātmarūpāṇi; evaṃvidhatvācca pittasya karmaṇaḥ svalakṣaṇamidamasya bhavati taṃtaṃ śarīrāvayavamāviśataḥ; tadyathā- dāhauṣṇyapākasvedakledakothakaṇḍūsrāvarāgā yathāsvaṃ ca gandhavarṇarasābhinirvartanaṃ pittasyakarmāṇi; tairanvitaṃ pittavikāramevādhyavasyet

Bei allen diesen genannten wie auch den nicht genannten pitta-Krankheiten gibt es dieses unveränderliche Eigenwesen des pitta und dieses charakteristische Merkmal seiner Wirkung, an dem – oder an einem Teil davon – erfahrene Ärzte, ohne jeden Zweifel, eine pitta-Krankheit erkennen. Und zwar sind Hitze, Schärfe, Flüssigkeit, mäßige Öligkeit, eine Farbe außer Weiß und Rötlich, fauliger Geruch, die Geschmäcker scharf und sauer sowie Durchdringungskraft die Eigenwesenmerkmale des pitta. Und da das pitta von solcher Beschaffenheit ist, besteht das charakteristische Merkmal seiner Wirkung, wenn es in die einzelnen Körperteile eindringt, in Folgendem: Brennen, Hitze, Entzündung/Reifen, Schwitzen, Nässen, Fäulnis, Juckreiz, Ausfluss, Rötung sowie die jeweils entsprechende Hervorbringung von Geruch, Farbe und Geschmack im Körper – dies sind die Wirkungen des pitta. An diesen Merkmalen erkenne man eine pitta-Krankheit.

taṃ madhuratiktakaṣāyaśītairupakramairupakrameta snehavirekapradehapariṣekābhyaṅgādibhiḥ pittaharairmātrāṃ kālaṃ ca pramāṇīkṛtya; virecanaṃ tusarvopakramebhyaḥ pitte pradhānatamaṃ manyante bhiṣajaḥ; taddhyādita evāmāśayamanupraviśya kevalaṃ vaikārikaṃ pittamūlamapakarṣati,tatrāvajite pitte'pi śarīrāntargatāḥ pittavikārāḥ praśāntimāpadyante, yathā'gnau vyapoḍhe kevalamagnigṛhaṃ śītībhavati tadvat

Diese (pitta-Krankheit) behandle man mit süßen, bitteren, herben und kühlenden Behandlungsmaßnahmen, nämlich mit Ölbehandlung, Abführmitteln (virecana), Salbenauflagen, Übergießung, Einölung und ähnlichen pitta-beseitigenden Mitteln, wobei man Dosierung und Zeitpunkt genau bestimmt. Von allen Behandlungsmaßnahmen gegen pitta halten die Ärzte das Abführmittel für das wichtigste, denn dieses dringt von Anfang an in den āmāśaya ein und zieht allein die krankhafte Wurzel des pitta heraus; ist das pitta dort bezwungen, kommen auch die im übrigen Körper befindlichen pitta-Krankheiten zur Ruhe – so wie, wenn das Feuer entfernt wird, allein dadurch die Feuerstätte (der Herdraum) kühl wird.

śleṣmavikārāṃśca viṃśatimata ūrdhvaṃ vyākhyāsyāmaḥ; tadyathā- tṛptiśca, tandrā ca, nidrādhikyaṃ ca, staimityaṃ ca, gurugātratā ca,ālasyaṃ ca, mukhamādhuryaṃ ca, mukhasrāvaśca, śleṣmodgiraṇaṃ ca, malasyādhikyaṃ ca, balāsakaśca , apaktiśca, hṛdayopalepaśca,kaṇṭhopalepaśca, dhamanīprati(vi)cayaśca, galagaṇḍaśca, atisthaulyaṃ ca, śītāgnitā ca, udardaśca, śvetāvabhāsatā ca,śvetamūtranetravarcastvaṃ ca; iti viṃśatiḥ śleṣmavikārāḥ śleṣmavikārāṇāmaparisaṅkhyeyānāmāviṣkṛtatamā vyākhyātā bhavanti

Und von nun an wollen wir die zwanzig śleṣma-Krankheiten erläutern: (übermäßiges) Sättigungsgefühl; Mattigkeit/Benommenheit; übermäßiger Schlaf; ein Gefühl feuchter Schwere im Körper; Schwere der Glieder; Trägheit; süßlicher Mundgeschmack; Speichelfluss; Auswerfen von Schleim; übermäßige Ausscheidungen; balāsaka (Verhärtung durch Schleimansammlung); Verdauungsschwäche; Verklebung des Herzens; Verklebung des Rachens; Verstopfung der Blutgefäße (dhamanī); Kropf (Halsschwellung); übermäßige Fettleibigkeit; kälte-bedingte Schwäche des Verdauungsfeuers; Nesselausschlag; blasses/weißliches Aussehen; sowie weiße Farbe von Urin, Augen und Stuhl. So sind die zwanzig deutlichsten der unzähligen śleṣma-Krankheiten dargelegt.

sarveṣvapi khalveteṣu śleṣmavikāreṣūkteṣvanyeṣu cānukteṣu śleṣmaṇa idamātmarūpamapariṇāmi karmaṇaśca svalakṣaṇaṃ yadupalabhyatadavayavaṃ vā vimuktasandehāḥ śleṣmavikāramevādhyavasyanti kuśalāḥ; tadyathā-snehaśaityaśauklyagauravamādhuryasthairyapaicchilyamārtsnyāni śleṣmaṇa ātmarūpāṇi; evaṃvidhatvācca śleṣmaṇaḥ karmaṇaḥsvalakṣaṇamidamasya bhavati taṃ taṃ śarīrāvayavamāviśataḥ; tadyathā-śvaityaśaityakaṇḍūsthairyagauravasnehasuptikledopadehabandhamādhuryacirakāritvāni śleṣmaṇaḥ karmāṇi; tairanvitaṃśleṣmavikāramevādhyavasyet

Bei allen diesen genannten wie auch den nicht genannten śleṣma-Krankheiten gibt es dieses unveränderliche Eigenwesen des śleṣma und dieses charakteristische Merkmal seiner Wirkung, an dem – oder an einem Teil davon – erfahrene Ärzte, ohne jeden Zweifel, eine śleṣma-Krankheit erkennen. Und zwar sind Öligkeit, Kälte, Weiße, Schwere, Süße, Beständigkeit, Schlüpfrigkeit und Zähigkeit die Eigenwesenmerkmale des śleṣma. Und da der śleṣma von solcher Beschaffenheit ist, besteht das charakteristische Merkmal seiner Wirkung, wenn er in die einzelnen Körperteile eindringt, in Folgendem: Weißfärbung, Kälte, Juckreiz, Beständigkeit, Schwere, Öligkeit, Taubheit, Nässen, Beschichtung und Verklebung, Süße und Trägheit/Langsamkeit – dies sind die Wirkungen des śleṣma. An diesen Merkmalen erkenne man eine śleṣma-Krankheit.

taṃ kaṭukatiktakaṣāyatīkṣṇoṣṇarūkṣairupakramairupakrameta svedavamanaśirovirecanavyāyāmādibhiḥ śleṣmaharairmātrāṃ kālaṃ capramāṇīkṛtya; vamanaṃ tu sarvopakramebhyaḥ śleṣmaṇi pradhānatamaṃ manyante bhiṣajaḥ, taddhyādita evāmāśayamanupraviśyorogataṃ kevalaṃvaikārikaṃ śleṣmamūlamūrdhvamutkṣipati, tatrāvajite śleṣmaṇyapi śarīrāntargatāḥ śleṣmavikārāḥ praśāntimāpadyante, yathā bhinnekedārasetau śāliyavaṣaṣṭikādīnyanabhiṣyandyamānānyambhasā praśoṣamāpadyante tadvaditi

Diese (śleṣma-Krankheit) behandle man mit scharfen, bitteren, herben, schneidenden, warmen und trockenen Behandlungsmaßnahmen, nämlich mit Schwitzbehandlung, Brechmitteln (vamana), Kopf-Reinigungsmitteln, körperlicher Bewegung und ähnlichen śleṣma-beseitigenden Mitteln, wobei man Dosierung und Zeitpunkt genau bestimmt. Von allen Behandlungsmaßnahmen gegen śleṣma halten die Ärzte das Brechmittel für das wichtigste, denn dieses dringt von Anfang an in den āmāśaya ein und treibt, ohne dass dabei eine (weitere) Krankheit entsteht, allein die krankhafte Wurzel des śleṣma nach oben aus; ist der śleṣma dort bezwungen, kommen auch die im übrigen Körper befindlichen śleṣma-Krankheiten zur Ruhe – so wie, wenn der Damm eines Reisfeldes durchbrochen ist, Reis, Gerste, ṣaṣṭika-Reis und Ähnliches, da sie nicht mehr bewässert werden, austrocknen.

bhavanti cātra- rogamādau parīkṣeta tato'nantaramauṣadham| tataḥ karma bhiṣak paścājjñānapūrvaṃ samācaret

Und hierzu gibt es Verse: Zuerst untersuche man die Krankheit, unmittelbar danach das Heilmittel; erst danach führe der Arzt mit Wissen und Bedacht die Behandlung (karma) aus.

yastu rogamavijñāya karmāṇyārabhate bhiṣak| apyauṣadhavidhānajñastasya siddhiryadṛcchayā

Der Arzt aber, der, ohne die Krankheit erkannt zu haben, mit der Behandlung beginnt – mag er auch die Anwendung der Heilmittel kennen –, dessen Erfolg beruht nur auf Zufall.

yastu rogaviśeṣajñaḥ sarvabhaiṣajyakovidaḥ| deśakālapramāṇajñastasya siddhirasaṃśayam

Wer aber die Besonderheiten der Krankheit kennt, in allen Heilmitteln bewandert ist und Ort, Zeit und rechtes Maß kennt, dessen Erfolg ist ohne Zweifel.

tatra ślokāḥ- saṅgrahaḥ prakṛtirdeśo vikāramukhamīraṇam | asandeho'nubandhaśca rogāṇāṃ samprakāśitaḥ

Dazu gibt es Verse: Die Zusammenfassung, die Natur (prakṛti), der Sitz, die Nennung der Krankheitsursachen sowie die zweifelsfreie Klärung des Zusammenhangs der Krankheiten wurden dargelegt.

doṣasthānāni rogāṇāṃ gaṇā nānātmajāśca ye| rūpaṃ pṛthak ca doṣāṇāṃ karma cāpariṇāmi yat

Die Sitze der doṣas, die Gruppen der je eigenständig entstandenen Krankheiten, die je eigene Erscheinungsform der doṣas sowie ihre unveränderliche Wirkung –

pṛthaktvena ca doṣāṇāṃ nirdiṣṭāḥ samupakramāḥ| samyaṅmahati rogāṇāmadhyāye tattvadarśinā

– und die für jeden doṣa einzeln angegebenen Behandlungsmaßnahmen wurden vom Kenner der Wahrheit vollständig in diesem großen Kapitel über die Krankheiten dargelegt.

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