Paṭala 10: śrīkulārṇave viśeṣadivasārcanaṃ nāma daśama ullāsaḥ
10. Kapitel: Die Verehrung an besonderen Tagen
Quelle: Kulārṇava-Tantra, hg. Tārānātha Vidyāratna (Arthur Avalon), Tantrik Texts Vol. 5, Luzac & Co., London 1917 (archive.org, OCR-Text). Inhalt: Auf Pārvatīs Frage nach der Verehrung an besonderen Tagen zählt Śiva die Anlässe auf (Parvan-Tage, Geburtstage des Guru, Initiationen, Besuch von Pīṭhas u. a.) und die Ritualformen: Verehrung von Guru und Yoginīs, den Kreis (śrīcakra) mit Paaren (mithuna) und den Pañcamakāra, die Verehrung von neun Mädchen (kumārī) während der Navarātri, die Verehrung einer Śakti am Freitag, Paare-Verehrung an Saṃkrāntis, Monatsriten (Vaiśākha, Kārttika) mit Lampen- und Sonnenverehrung, die 8x8 (64) Paare, die 50 Paare, den Dūtī-Ritus und die drei Śaktis. Es folgt das Lob der Kula-Verehrung (107–115), die Zusicherung der Präsenz von tausend Kotis Yoginīs und Bhairavas als Wächter des Kula (116–122), Regeln zur Gunstbezeugung und Dakṣiṇā, Nirmālya-Riten und Fristen (123–137) sowie die Beschreibung der sechs Yoginīs Ḍākinī bis Hākinī (138–143) und der Abschluss (144). Die OCR-Qualität ist mäßig bis schlecht; unsichere Stellen sind mit [?] markiert. Die Verse 116–144 wurden aus einer zweiten Digitalisierung derselben Ausgabe ergänzt (die letzten beiden Druckseiten dort zweispaltig verschränkt; Zählung der Verse 123–137 nach Verspaarung rekonstruiert, siehe notes).
śrīdevy uvāca |
kuleśa śrotum icchāmi viśeṣadivasārcanam | tatsaparyāphalaṃ deva vada me parameśvara ||1||
īśvara uvāca |
śṛṇu devi pravakṣyāmi yan māṃ tvaṃ paripṛcchasi | tasya śravaṇamātreṇa sarvapāpaiḥ pramucyate ||2||
nityapūjottamā proktā madhyamaṃ parvapūjanam | māsapūjādhamā devi māsād ūrdhvaṃ paśur bhavet ||3||
[?] dinair māsaṃ samarcanam | paśor bhūyaḥ praveśe syāt [?] yadi syād īkṣyet punaḥ [?] ||4||
madyaṃ māṃsaṃ ca matsyaṃ ca mudrā maithunam eva ca | makārapañcakaṃ devi devatāprītikārakam ||5||
mādipañcakam īśāni devatāprītaye iṣṭam [?] | yathāvidhi niṣeveta dṛṣṭyāṃ [?] cet sa pātakī ||6||
Die Göttin sprach: Herr der Kula, ich möchte die Verehrung an besonderen Tagen hören. Sage mir, o Gott, höchster Herr, welche Frucht diese Verehrung trägt. (1)
Īśvara (Śiva) sprach: Höre, Göttin, ich will dir sagen, wonach du mich fragst; allein durch das Hören davon wird man von allen Übeln befreit. (2)
Die tägliche Verehrung gilt als die beste, die Verehrung an den Parvan-Tagen (Mondphasen-Wendetagen) als die mittlere; die nur monatliche Verehrung ist die geringste, Göttin; über einen Monat hinaus [ohne Verehrung] würde man zum paśu (zum „Tier“, dem nicht eingeweihten, gebundenen Menschen). (3)
[Vers 4 ist im OCR unlesbar; erkennbar nur:] „… nach Tagen (?), im Monat die Verehrung … Beim erneuten Eintritt in den paśu-Zustand … wenn es sei … solle man wieder sehen (?) …“ [?]. (4)
Wein, Fleisch, Fisch, geröstetes Getreide (mudrā) und Beischlaf (maithuna) – dies ist die Fünfheit der mit „M“ beginnenden [Dinge] (pañca-makāra), o Göttin, die der Gottheit Freude bereitet. (5)
Diese mit „M“ beginnende Fünfheit, o Īśānī, [ist] für die Freude der Gottheit gewollt [?]. Man soll sie regelgemäß gebrauchen; [unterlässt man es] … so ist man ein Frevler (pātakī) [?]. (6)
Vers 3d: Lesart nach den Handschriften (ka ga ṅa: „paśur bhūyāt“) rekonstruiert; kha liest für 3ab „parvapūjā tu madhyamā“. Vers 4: OCR weitgehend zerstört; die Fußnoten (kha, ṅa) bieten nur Varianten wie „paśur bhūyāt pare svecchā“ (ṅa/kha, unklar); Rekonstruktion nicht möglich, Übersetzung bewusst fragmentarisch [?]. Vers 5: mudrā ist hier (im Kontext der Fünf M) das geröstete Getreide o. Ä.; die Bedeutung „Handgeste“ passt im Pañcamakāra-Kontext nicht. Vers 6: kha lässt diesen Vers laut Fußnote aus; die Lesart „iṣṭam“ und „dṛṣṭyāṃ“ ist OCR-Rekonstruktion [?].
Der achte Tag der dunklen Monatshälfte, der vierzehnte, Neumond und Vollmond sowie die Saṃkrānti (Sonnenübertritt in ein neues Zeichen): das sind die fünf Parvan-Tage; an diesen heiligen Tagen [soll man verehren]. (7)
Wenn der Geburtstag des Guru eintritt, ebenso der des Gurus des Gurus und des Gurus von diesem, und der Geburtstag von Menschen der Mānava-Ogha und der anderen [Meisterreihen] sowie der eigene Geburtstag; (8)
bei Wohlstand soll man verehren, bei Gewinn, bei Askese, Einweihung, Gelübden und dergleichen [?]; beim Aufsuchen eines Pīṭha (heiligen Sitzes), bei einem Vīra-Pīṭha (Sitz der Helden), beim Anblick der eigenen Leute; (9)
bei der Ankunft des Lehrers (deśika), beim Anblick eines heiligen Tīrtha oder Gelübdes – bei solchen und ähnlichen besonderen Tagen, o Herrin der Götter, [soll man verehren]. (10)
Nach dem Vermögen, nach dem Haushalt, nach den Gegenständen, nach dem Angemessenen, nach Zeit und Ort: so vollziehe man die Verehrung. (11)
Durch einen Ācārya soll man nach der Vorschrift die Cakra-Verehrung (den Kreis-Ritus) ausführen lassen, oder man verehre selbst, Göttin, wobei die Bindu-Verehrung vorangeht. (12)
[Wer so handelt,] erlangt die Welt der Wahrheit (satyaloka), frei von Wiederkehr. Wer aber als Kaulika aus Verblendung [es] nicht tut, zieht den Fluch der Gottheit auf sich. (13)
Vers 8: „mānavaughādi“: Bezug auf die Guru-Reihen (Ogha) Mānava, Divya, Siddha; Deutung [?]. Vers 9: Halbvers ab Mitte OCR-unsicher („tapodīkṣāvratādiṣu“ rekonstruiert), „pīṭhoparigamane“ mit Variante kha „pīṭhoparigame“. Vers 11: „yathāgṛhaṃ“ nach OCR; kha/ṅa lesen „yathābalaṃ“. Vers 13a: der OCR-Text ist entstellt; ṅa liest „satyalokam āpnoti punarāvṛttivarjitaḥ“ (danach Subjekt = der Verehrende). Kaulika: Anhänger der Kula-Lehre. Bindu: Punkt (Mittelpunkt des Yantra). „Cakra“ ist hier der rituelle Kreis der Verehrung.
Nach einem Monat, nach drei Monaten, nach sechs Monaten oder auch nach einem Jahr soll man den Guru in Hingabe verehren, [und] seine Gattin, Söhne und die übrigen [Angehörigen] [?]. (14)
Fehlt er, [verehre man] einen Kenner der Kula, dessen Schüler oder einen anderen Yogin und erfreue ihn mit Kula-Gaben (kuladravya), wobei die Kula-Verehrung vorangeht. (15)
Bei Krankheiten, in Nöten, bei Verfehlungen, bei bösem Traum und bösen Vorzeichen soll man die Schar der Yoginīs verehren, Göttin, um dieses Übel zu besänftigen. (16)
Wo Kenner des Wesens der [einen] Überlieferung (āmnāya), Kula-Lehrer, o Herrin der Kula, sowie Kaulikas und drei, vier oder fünf Śaktis, Geliebte, [zugegen sind], (17)
soll man sie entweder einzeln verehren, Göttin, oder auch in Gestalt von Paaren (mithuna), wohl geschmückt mit Duft, Blüten, unversehrtem Reis usw., Herrin der Götter, mit Speisen zum Beißen und Essen, mit Fleisch und mit Dingen, die die sechs Geschmäcke haben. (18)
Wenn diese [Frauen] mit dem „Hochgefühl bis zum reifen Ende“ (prauḍhānta-ullāsa) verbunden dort verweilen, dann heißt das „Śrīcakra“, und man nennt es auch den Kreis der Genießenden (bhoktṛ-vṛnda). (19)
Vers 14b: OCR entstellt; ich lese „śrīguruṃ … tatstrīsutādikān“ (ṅa: „vyāghraṃ ca strīsutādibhiḥ“ – unbrauchbar); [?]. Vers 16: „duḥsvapne“ statt OCR „duḥsaṅge“ (Rekonstruktion [?]). Vers 17: Handschriften ka ga lesen in der Umgebung „tatkulīnaṃ“ etc. (Fußnote zu 15). Vers 18: „mithunākārato“ nach OCR-Form „mithunākāra-“; Paar (mithuna) = Mann und Frau als rituelles Paar. Vers 19: Der Ausdruck „prauḍhāntollāsa“ kehrt im ganzen Kapitel wieder; die genaue Bedeutung ist aus dem Text nicht sicher zu erschließen (wörtlich etwa „Freude/Hochgefühl bis zum Ende (anta) der Reife (prauḍha)“, vermutlich Bezeichnung eines Höhepunkts oder Reifegrads im Ritus) – daher wörtlich wiedergegeben. „Śrīcakra“ hier: der Kreis der Teilnehmenden, nicht das Yantra.
[Es folgt die Verehrung von Mädchen (kumārī) im Monat Āśvina.] Die Verehrung aller Mädchen [aller Stände (varṇa)?] im Monat Āśvina, am Morgen …, [soll] der Mantra-Kundige, der Sādhaka mit reinem Geist, [vollziehen] [?]. (20)
Ein bezauberndes einjähriges Mädchen mit glückverheißenden Merkmalen [nehme er]; der Mantra-Kundige, gebadet, sei Geber [der Gaben] und vollziehe die stufenweise Verehrung der Göttin. (21)
Ein Mädchen, dessen Körper durch Ölsalbung und Bad rein ist, führe er zum Verehrungsraum, [lasse es Platz nehmen] … (22) [Zeile im OCR verstümmelt]
Mit Duft, Blüten usw., mit Räucherwerk und Lampen, mit Kula-Lampen, mit genießbaren Speisen und Getränken, mit Milch, Ghee, Honig und Fleisch, mit Früchten wie Bananen und Kokosnuss soll er es zufriedenstellen. (23)
Er selbst, Göttin, mit seiner Śakti (Partnerin), mit dem „Hochgefühl bis zum reifen Ende“ verbunden, soll nach Vermögen das Mantra der Göttin rezitieren – oder in Steigerung um je eins [?]. (24)
Das geschmückte Mädchen betrachtend, denke er an seine Wunschgottheit (iṣṭadevatā); dann verneige er sich vor ihm in der Vorstellung, es sei die Gottheit, und entlasse es. (25)
Am zweiten [Tag] verehre er die zweijährige und die einjährige; so an jedem [weiteren] Tag die Mädchen, [auch die] am Vortag verehrten [?]. (26)
Vers 20: OCR stark entstellt (Rekonstruktion „sarvavarṇa-kumārīṇāṃ“ unsicher); ṅa hat in der Fußnote eine andere Fassung mit „madyājamāṃsakaiḥ“ (Wein, Ziegenfleisch). Vers 22: die zweite Zeile ist im OCR nicht lesbar („… bālām upaveśya …“). Vers 23: dieser Vers steht im OCR über zwei Seiten; die Versnummer im Druck ist versehentlich „22“ (nach Zählung 23). Vers 24: „ekottaravṛddhyā“ mit Fußnote ṅa: „mantra-buddhy-avadhimat“ (unklar). Vers 26: der letzte Halbvers ist OCR-unsicher; gedacht ist wohl eine kumulative Steigerung (Tag n: Mädchen von 1 bis n Jahren), vgl. Vers 27. „Kumārī“: jungfräuliches Mädchen als Verkörperung der Göttin. Śakti: hier die weibliche Ritualpartnerin.
navamyām ekavarṣādinavavarṣāntakanyakāḥ | bālā śuddhā ca lalitā mālinī ca vasundharā | sarasvatī ramā gaurī durgā ca nava kīrtitāḥ ||27||
tārādinamo 'ntaiś ca devatāpadapūrvakaiḥ | nāmabhiś ca caturthyantaiḥ pūjayet tāḥ pṛthak pṛthak ||28||
vaṭukaṃ pañcavarṣaṃ ca navavarṣaṃ gaṇeśvaram [?] | gandhapuṣpāmbarākalpair yathāvibhavavistaraiḥ ||29||
abhyarcya devatābuddhyā padārthaiḥ paritoṣayet | svakāryaphalasiddhyarthaṃ vittaśāṭhyavivarjitaḥ ||30||
navarātraṃ japed ekottaravṛddhyā krameṇa ca | navarātrāntāṃ pūjāṃ devi devyāḥ samarcayet ||31||
tāmbūlaṃ dakṣiṇāṃ dattvā kumārīs tā visarjayet | evaṃ navakumārīṇām arcanaṃ prativatsaram ||32||
karoti sa sukhātmā devatāprītim āpnuyāt | mano 'bhilāṣaṃ samprāpya nivased tava sannidhau ||33||
Am neunten [Tag] die Mädchen von einem Jahr bis zu neun Jahren: Bālā, Śuddhā, Lalitā, Mālinī, Vasundharā, Sarasvatī, Ramā, Gaurī und Durgā – diese neun werden genannt. (27)
Mit den Namen, denen das Wort „Gottheit“ vorangeht, die mit „Oṃ“ (tāra) beginnen, auf „namaḥ“ enden und im Dativ stehen, soll man sie jeweils einzeln verehren. (28)
Einen fünfjährigen Knaben (vaṭuka) und einen neunjährigen, den Gaṇeśvara, [verehre man ebenfalls] [?] mit Duft, Blüten, Gewändern und Schmuck, nach Vermögen reichlich. (29)
Nachdem man [sie] in der Vorstellung, sie seien Gottheiten, verehrt hat, soll man sie mit den [rituellen] Gaben (padārtha) zufriedenstellen, um die Frucht des eigenen Vorhabens zu erlangen, ohne Geiz mit dem Besitz. (30)
Neun Nächte lang soll er rezitieren, in Steigerung um je eins, der Reihe nach; die bis zur neunten Nacht reichende Verehrung, Göttin, vollziehe er für die Göttin. (31)
Nachdem er Betel und Opfergabe (dakṣiṇā) gegeben hat, entlasse er diese Mädchen. So [geschieht] die Verehrung der neun Kumārīs jedes Jahr. (32)
Wer sie ausführt, wird glücklich und erlangt die Zufriedenheit der Gottheit; hat er seinen Herzenswunsch erlangt, so weilt er in deiner Nähe. (33)
Vers 27: im Druck stehen drei Halbzeilen unter einer Nummer (27); die Aufzählung der neun Namen (bālā, śuddhā, lalitā, mālinī, vasundharā, sarasvatī, ramā, gaurī, durgā) folgt der OCR-Form; die Handschrift ṅa hat laut Fußnote eine andere Namensreihe („umā, bhīmā, śāntā …“). Vers 29: der erste Halbvers ist im OCR entstellt [?]; Vers 30: die Nummer ist im OCR „20“ (nach Zählung 30). „Tāra“ = die Silbe Oṃ. Vers 33 trägt im Druck die Ziffer 23 (Zählung 33).
Oder [er verehre] neun junge Frauen (pramadā), o Pārvatī, die in der Blüte der Jugend stehen und schön sind, in den neun Nächten in Hingabe, wenn er Mantra-Kenner ist. (34)
[Verse 35 und der Anfang von 36–37 sind im OCR verstümmelt; erkennbar:] „… die Rote …, die Schwarze, die Schreckliche (Karālikā) [?] … die Göttin als Wille (icchā), Erkenntnis (jñāna) und Handlung (kriyā) … Gaṇeśvara …“ (35) „… wie zuvor mit den Verehrungsgaben (padārtha) soll der Sādhaka [sie] zufriedenstellen, die mit dem Hochgefühl bis zum reifen Ende verbunden sind …“
Wenn diese zufrieden sind, Geliebte, [so] weilt er in deiner Nähe. (36)
… jedes Jahr, mit gezügeltem Gelübde; … im [Zwei-]Monat oder jeden Monat, Geliebte. (37)
Drei oder fünf oder sieben soll er in der Vorstellung, es seien Gottheiten, verehren; er, dessen Selbst mit aller Herrlichkeit erfüllt ist, wird uns beiden lieb sein. (38)
Vers 35–37: Der OCR-Text ist an dieser Stelle stark zerstört (Zeilen aus mehreren Spalten/Fußnoten vermischt); es lassen sich nur einzelne Wörter sicher lesen. Der Druck hat zwei Halbverse mit der Nummer 35 (die Ziffer „35“ erscheint zweimal im OCR, nach Zählung Halbvers 35ab und 35cd = ein Vers); die Deutung der Reihe (Rote, Schwarze, Karālikā; icchā-jñāna-kriyā = die drei Śaktis des Willens, des Wissens und des Handelns) bleibt unsicher [?]. Vers 34: „mantravit“ für OCR „mandavit“. Fußnote ṅa zu 34: „ghaṭe … navarātriṣu“ unbrauchbar.
Am Freitag, Herrin der Kula, [nehme man] eine Geliebte, die in der Blüte der Jugend steht, mit allen [guten] Merkmalen ausgestattet, gefügig und reizend, (39)
[…] Göttin, eine junge Frau [?]; deren Körper durch Ölsalbung und Bad gereinigt ist, lasse er auf einem Sitz Platz nehmen. (40)
Der Kundige schmücke sie mit Duft, Blüten, Gewändern und Schmuck, und sich selbst schmücke er mit Duft, Blüten usw., Herrin der Kula. (41)
In ihr rufe er die Gottheit herbei und verehre sie in der Ordnung der Nyāsa (Berührungsriten, bei denen Mantras auf Körperstellen gelegt werden); er vollziehe die stufenweise Verehrung, [zeige] Räucherwerk, Lampe und die Kula-Lampen. (42)
Nachdem er [sie] gezeigt hat, soll er sie in der Vorstellung, sie sei die Gottheit, mit Gaben, die die sechs Geschmäcke haben, mit Fleisch und anderen Speisen zum Beißen und Essen, in Hingabe zufriedenstellen, Göttin. (43)
Sie betrachtend, die mit dem Hochgefühl bis zum reifen Ende verbunden ist, soll er das Mantra rezitieren, selbst mit dem Hochgefühl der Jugend, ganz in deren Meditation versunken, (44)
mit unerschütterndem Geist, eintausendundacht Mal; das Rezitieren usw. übergebe er [ihr] und verbringe mit ihr die Nacht. (45)
Wer, Geliebte, an drei, fünf, sieben oder neun Freitagen nach dieser Vorschrift verehrt: dessen Verdienst ist nicht zu zählen. (46)
Vers 39a: „śukravāre“ (Freitag) nach OCR-Form; „kuleśāni“ als Anrede. Vers 40ab: OCR fast unlesbar (Wörter wie „kalā…ṣṭakāṃ“, „ni…“), nur [?]. Vers 42: Fußnote ṅa liest 42cd „kṛtvārcanaṃ dhūpaṃ dīpaṃ puṣpādyaṃ kuladīpakam“. Vers 43 hat im Druck versehentlich „42“; die Verse 44 (Ziffer „44“) und 45 sind mit Ziffernfehlern gedruckt; Vers 46 zeigt im OCR „49“ (nach Zählung 46). Es handelt sich um die Verehrung einer Frau als Śakti/Gottheit (śakti-pūjā) im Rahmen des Kula-Rituals; sachlich wiedergegeben.
Er erlangt die Frucht der Verehrung der vier Pīṭhas, Herrin der Kula; und was immer sein Geist wünscht, das erlangt er ohne Zweifel. (47)
Auf neue [?] Weise lasse er so nach Vorschrift, der Vorschriftenkundige, [rezitieren?] [?]; mit allen Lobliedern verehre er, so erlangt er alle Herrlichkeit. (48)
Man vollziehe [dies] im Krebs, im Steinbock, in den Fischen [?], in der Waage, im Löwen oder Widder, bei allen Saṃkrāntis (Sonnenübertritten), Geliebte. (49)
Gaurī und Śiva, Ramā und Viṣṇu, Vāṇī und der Lotossitzende (Brahmā), Śacī und Indra, Rohiṇī und der Mond, Svāhā und Agni, Prabhā und Ravi (die Sonne), (50)
Bhadrakālī und Vīrabhadra, Bhairavī und Bhairava – die Paare [verehre man] auf dem zuvor genannten Weg [?]. (51)
Mit „Oṃ“ vorn und „namaḥ“ am Ende, mit dem jeweiligen Namen, [verehre] der Kundige, mit Duft, Blüten usw., und stelle sie mit Wein usw. zufrieden. (52)
Er lasse auch die Paare mit dem Hochgefühl bis zum reifen Ende verbunden sein. Wenn dies so getan ist, so gibt es keinen Zweifel: die Paar-Gottheiten sind zufrieden, erweisen ihm Gnade, Göttin, und gewähren seinen Wunsch. (53)
Vers 47: kha lässt laut Fußnote den ersten Halbvers aus. Vers 48: OCR entstellt („navyāṃ vācayed“ [?]); Fußnoten (kha: „mantrī ca pūjyate“, ṅa: „stotraiś ca japyate“) sind Varianten für 48cd. Vers 49: Tierkreiszeichen nach OCR und Fußnote ṅa („mīne ’tha karka…“). Vers 50: Paare: Gaurī–Śiva, Ramā (Lakṣmī)–Viṣṇu, Vāṇī (Sarasvatī)–Brahmā, Śacī–Indra, Rohiṇī–Candra, Svāhā–Agni, Prabhā–Sūrya. Der Vers 53 trägt im Druck zweimal die Ziffer 52 (zweite = 53).
Wer aber jedes Jahr in Hingabe die Verehrung der Paare vollzieht, der weilt in jener Welt, mit aller Herrlichkeit ausgestattet. (54)
Nun am ersten Tag der hellen Monatshälfte des Monats Vaiśākha, o Herrin: nachdem man in der Brahma-Stunde (vor Sonnenaufgang) aufgestanden ist, gebadet und das Zwielicht-Gebet (sandhyā) vollzogen hat, (55)
an einem schönen, verborgenen Ort, mit dem Gesicht nach Osten sitzend, soll der Kundige sich selbst mit Duft, Blüten usw. schmücken, (56)
die zuvor beschriebenen Nyāsas ausführen, den Zustand der Gottheit einnehmen; sobald die Sonne ein wenig aufgegangen ist, [soll er] im [Sonnen-]Kreis seine Wunschgottheit (57)
mit ihrem Gefolge (āvaraṇa) meditieren und in ihr nach Vorschrift verehren, Geliebte, mit sechzehn Dienstleistungen (upacāra), wobei die Cakra-Verehrung vorangeht. (58)
Dann zeige er die Kula-Lampen dem Śiva in Gestalt des Guru, und [bringe dar] Fisch, Fleisch usw. nach Vorschrift, mit Speisen zum Beißen und Essen. (59)
Nachdem er das Arghya (Weihwasser-Opfer) dargebracht hat, trinke er den Rest davon selbst in Hingabe, Geliebte, mit dem Hochgefühl der Jugend und mit unbewegtem Geist. (60)
Den Kreis (maṇḍala) meditierend, [rezitiere er] die Göttin eintausendundacht Mal, übergebe dann die Verehrung [ihr] und entlasse die Gottheit. (61)
Vers 56: ga lässt laut Fußnote den Vers aus. Vers 57: „kiñcid abhyudite sūrye maṇḍale“: gemeint wohl die Verehrung im Sonnenkreis bzw. im Maṇḍala; Deutung [?]. Vers 60: ka liest 60b „bhaktyā pibet sadā“. Vers 61: „samuddharet“ = wörtlich „heraufführen“, hier als Verabschiedung der Gottheit gedeutet [?]. Arghya: rituelle Wassergabe, im Kula-Kontext auch das geweihte Getränk.
So, beginnend mit dem ersten Tag der hellen Monatshälfte, [soll man] Tag für Tag dessen Verehrung vollziehen bis zum vierzehnten der dunklen [Hälfte], o Ambikā [Mutter]. (62)
Am Neumondstag, Göttin, verehre man die Śakti-Kaulikas, [und zwar] drei, fünf, sieben oder neun, frei von Besitzgier. (63)
Wer so einen ganzen Monat lang die Sonnen-Verehrung ausführt: dessen Gottheit ist zufrieden und gibt die erwünschte Frucht. (64)
Mittags soll man den Gott verehren und abends soll man verehren, Geliebte; [wer beides tut,] erlangt deren Frucht und wird den Yoginīs lieb. (65)
Wer als Kundiger einen Monat lang dreimal täglich (zu den drei Zwielichtzeiten) den Gott verehrt, erlangt die ersehnte Vollendung (siddhi) und wandelt wie ein Gott auf Erden. (66)
Am ersten Tag der hellen Monatshälfte [eines Monats, dessen Name im OCR unlesbar ist], ohne Tagesspeise (fastend), gebadet, mit weißem Gewand bekleidet, nachdem er abends das Zwielicht-Gebet vollzogen hat, (67)
auf dem in der eigenen Verehrung (svārcana) genannten Weg, mit allen Dingen ausgestattet, mit dem Hochgefühl der Jugend, der Gottheit von Mond und Sonne [?] gedenkend, (68)
soll er vom Aufgang bis zum Untergang, mit ungeteiltem Sinn, das Mantra rezitieren. So verehre er täglich bis zum vierzehnten der hellen Monatshälfte. (69)
Vers 62: „tadarcanaṃ“ ist Rekonstruktion für OCR-Wortfolge („kuryān nipācanaṃ“) [?]. Vers 64: „sūryārcanam“ nach OCR-Form; ob Sonnenverehrung im engeren Sinn oder Verehrung „im Sonnenkreis“ (vgl. 57), bleibt [?]. Vers 65: Halbvers 65cd sinngemäß nach OCR-Rest. Vers 67: der Monatsname ist im OCR nicht lesbar (Rest „…śuklapratipadi“); Vers 68: „candrasūrya[?]devatāṃ“ unsicher. Fußnote ṅa zu 71: siehe dort.
Am Vollmondstag verehre man nach Vermögen die Śakti-Kaulikas. Wer so in Hingabe die Verehrung der hellen Monatshälfte vollzieht, Geliebte, (70)
wird von allen Übeln gereinigt, mit aller Herrlichkeit ausgestattet, als einziger von allen Welten verehrt, und wohnt auf Erden wie Śiva. (71)
Wie die Verehrung in der hellen Monatshälfte, so [ist sie] auch in der anderen (der dunklen) Hälfte; wer sie nach Vorschrift ausführt, erlangt alle Wünsche. (72)
Er genießt hier alle Genüsse, [wird] wie ein Gott, angenehm anzusehen, und erlangt zweifellos die Vereinigung (melana) mit den Yoginīs und Vīras (Helden). (73)
Vers 71: ṅa liest für 71cd „sarvalokaikapūjya nivasec chivasannidhau“ (weilt in Śivas Nähe). Vers 73 trägt im Druck die Ziffer 72 (zweites Vorkommen, Zählung 73). „Vīra“: der ‚Held‘, im Tantra ein Einzuweihender/Adept der rechten Praxis.
Nun am ersten Tag der hellen Monatshälfte des Monats Kārttika, o Herrin: gebadet, den Mund gespült, rein im Innern, nachdem er die zuvor beschriebenen Nyāsas ausgeführt hat, (74)
wenn die Welt der Lebewesen schläft, in der tiefen Nacht, freudigen Herzens, nach der bei der früheren Verehrung genannten Vorschrift, mit allen Dingen ausgestattet, (75)
entzünde er mit Ghee einen Docht (von der Stärke eines Ringfingers?) [?], Pārvatī, in einem [Diagramm-]Lotos mit schönen Blättern aus fünffarbigem Pulver, (76)
[stelle] auf einen Krug und auf eine schöne Bronzeschale Honig-… [?] und nachdem er die Lampe davor aufgestellt hat, mit dem Gesicht nach Norden sitzend, (77)
soll er, die Göttin samt Gefolge in der Lampe meditierend, nach Vorschrift verehren, mit dem Hochgefühl der Jugend, der in der Lampe weilenden Gottheit gedenkend, (78)
eintausendundacht Mal das Mantra mit ungeteiltem Sinn rezitieren. So verehre er bis zum vierzehnten der dunklen [Hälfte], o Ambikā. (79)
Am Neumondstag verehre er in Hingabe die Śakti-Kaulikas. Wenn dies so getan ist, Herrin der Kula, wird die Gottheit zufrieden. (80)
[Er wird] mit allen Wünschen erfüllt, mit aller Herrlichkeit ausgestattet, als einziger von allen Welten verehrt, und wandelt nach Belieben glücklich umher. (81)
Vers 76ab: „anāmikāṅguli-“ nach OCR (ka ga gha: „nānāmikāṅg…“): gemeint ist vermutlich ein Docht von der Dicke des Ringfingers [?]. Vers 76cd: „pañcavarṇarajaś-citre“ nach OCR-Form [?]. Vers 77: „madhuparṇaṃ“ (‚Honig-Blatt‘) unsicher, möglicherweise „madhuparkaṃ“ (Honigmischung) zu lesen [?]. Die Verse 78 und 79 tragen im Druck Ziffernfehler („8“, „9“).
Die „Achter-mal-Acht“-Verehrung (aṣṭāṣṭaka) soll man vollziehen, nach Vermögen und an dem angegebenen Tag; oder auch an achtmal acht Tagen, an Wunschtagen, an zweiunddreißig Tagen ebenso, und an vierundsechzig Tagen. (82)
Durch Gurus lasse man [sie], Göttin, ausführen, nach der Ordnung oder auf andere Weise [?]; oder man vollziehe [sie] selbst, frei von Geiz mit dem Besitz. (83)
Die „Wurzel-Achtheit“ (mūlāṣṭaka): Brāhmī usw. [die acht Mütter], die Bhairavas mit Asitāṅga an der Spitze und Maṅgalā usw. [?] werden mit acht Paaren benannt, Geliebte. (84)
Die aus der Wurzel-Achtheit Hervorgegangenen sind im Kula-Āgama bekannt; ab dem achten [Tag?] usw. verehre man die vierundsechzig Paare, (85)
nach der früher genannten Vorschrift, nach Vermögen ausführlich. Die Reihenfolge lasse man nicht ausfallen, um das eigene Vorhaben [zu erreichen], Geliebte. (86)
Vers 82–86: die Verehrung von 8 x 8 = 64 Paaren (mithuna) in acht Gruppen. Die OCR bietet in den Fußnoten zahlreiche Varianten (kha: „pañcaṣaṣṭi“, ka ga: „brāhmyādyā“, ga: „śaktibhiḥ śabditāḥ“, ṅa: „ahorātraṃ“), die Rekonstruktion ist stellenweise unsicher [?]. Vers 83: der Halbvers ist stark entstellt. Vers 84: Deutung der Achtheiten (Brāhmī-Mātṛkās; Bhairavas Asitāṅga, Ruru usw.) folgt dem Wortlaut; „Maṅgalā“ ist unsicher [?]. Vers 85b: „aṣṭamyādiṣu“ unsicher (ka: „aṣṭamyādyaiḥ“).
Mit Duft, Blüten, unversehrtem Reis usw., mit Fisch, Fleisch, berauschendem Trank (āsava) usw., mit Speisen zum Beißen und Essen und vielerlei [rituellen] Gaben, die die sechs Geschmäcke haben, soll man die Paare gut zufriedenstellen, Göttin, in höchster Hingabe. (87)
Bis zum „Hochgefühl des reifen Endes“ vollziehe er das Śrīcakra, o Ambikā. Wer so, Göttin, auch nur einmal die Achtmal-Acht-Verehrung ausführt, (88)
der wird von den Göttern, Brahmā, Viṣṇu, Maheśa (Śiva) usw. verehrt – wie erst von Menschen und anderen! – er ist unmittelbar wie ein zweiter Śiva. (89)
Durch dessen Verehrung er von der Schar der vierundsechzig Yoginīs gepriesen wird, weilt er ohne Wiederkehr (in den Kreislauf) in deiner Nähe. (90)
[Sie ist] die Freude aller Gottheiten bewirkend, höchste Herrin: höher als diese gibt es keine Verehrung – das ist wahr, ohne Zweifel. (91)
Wer in Hingabe einen solchen Kreis der Achtmal-Acht schaut, Geliebte, erlangt die Frucht von zehn Millionen Opfern, Gaben, Askesen, heiligen Bädern und Gelübden. (92)
Ein König, der in Hingabe die Achtmal-Acht-Verehrung ausführen lässt, Göttin, herrscht ohne Zweifel über die Erde, die von den vier Meeren begrenzt ist. (93)
Vers 89–91: Laut Fußnote fehlen den Handschriften ga und gha von hier bis „parameśvari“ (Vers 91a) zwei Verse. Vers 90a: „yadarcanāc“ nach OCR-Form rekonstruiert (Fußnote ṅa: „yastu bhaktaḥ samāhitaḥ“ zu einer Parallelzeile). Vers 91: ṅa liest „prītikāriṇī parameśvarī“. Vers 92: ka liest „yas tu bhaktaḥ samāhitaḥ“ statt 92a. Āsava: vergorener Trank. Die Verszählung 88–93 folgt der Zählung; im Druck teils verstümmelt.
Die fünfzig Paare, [mit] Śrīkaṇṭha usw. [beginnend], soll man verehren, nach der vorher genannten Vorschrift, Herrin der Kula, als Kundiger, (94)
um die Frucht des eigenen Vorhabens zu erlangen, ohne Geiz mit dem Besitz; die Paare, die mit dem Hochgefühl bis zum reifen Ende verbunden sind, soll er verehren. (95)
Zufrieden gewähren sie dem Sādhaka die ersehnte Frucht. Sein Befehl ist überall unwiderstehlich; er wird wie ein Gott verehrt, Geliebte; in deiner Welt wird er weilen, Göttin, von Brahmā und den anderen Göttern gepriesen. (96)
Die Paare Keśava usw., Gaṇeśa usw., Kāma usw. und [die mit] Śrīkaṇṭha usw. beginnenden: hat er sie verehrt, erlangt er gewiss deren Frucht. (97)
Wer aber die Gnade [erwirkt] bei der Verehrung der Ḍākinī und der anderen, jeden Monat oder jedes Jahr oder an seinem Geburtstag, Geliebte, (98)
nach der zuvor genannten Vorschrift, nach Vermögen ausführlich, bis zum „Hochgefühl des reifen Endes“ – der [Kundige] soll [sie] zufriedenstellen, der Vorschriftenkundige. (99)
Alle Gottheiten, zufrieden, erweisen [ihm] Gnade, Göttin; frei von allem Unheil, mit aller Herrlichkeit ausgestattet, (100)
wird er in dieser Welt von allen gepriesen und lebt hundert Herbste; am Ende des Körpers erlangt er zweifellos deine Welt. (101)
Vers 94: „śrīkaṇṭhādi“ ist die Reihe der Vidyeśvaras (Śrīkaṇṭha usw.), hier als 50 Paare mit den 50 Buchstaben verbunden gedacht [?]; der OCR-Text bietet „śrīkaṇṭhādīni“ recht sicher. Vers 96: die Ziffer im Druck ist entstellt (Zählung 96). Vers 98: „anugrahaṃ“ nach OCR; Bezug des Verses (wer bewirkt Gnade bei Ḍākinī-Verehrung?) unklar [?]. Vers 100: Fußnotenvarianten „sarvopadrava-/sarvopaloga-“.
Wer das Dūtī-Opfer (dūtīyāga) nach der früher genannten Vorschrift ausführt, Geliebte, mit zweifelsfreiem Geist, mit neun Śaktis ausgestattet, (102)
erlangt jedes Jahr die Frucht der Verehrung der vierundsechzig Pīṭhas. Sein Befehl gelingt, und er erlangt die Zufriedenheit der Gottheit. (103)
Wer die Verehrung der drei Śaktis ausführt, die aus Wille (icchā), Erkenntnis (jñāna) und Handlung (kriyā) besteht, nach der im Āgama genannten Vorschrift, wie zuvor, als Kundiger, (104)
soll [sie] mit den [rituellen] Gaben gut zufriedenstellen, nach Vermögen ausführlich. Zufrieden gewähren die drei Göttinnen jederzeit die Frucht [seines Wunsches]; sie gewähren, Herrin der Götter, dem Sādhaka das Ersehnte, ohne Zweifel. (105)
Wer diese und ähnliche Verehrung der Gottheiten an besonderen Tagen nach der Vorschrift der Śāstra ausführt, der wird uns beiden lieb sein. (106)
Vers 102: „dūtīyāga“ (Opfer mit der Dūtī, der rituellen Botin/Partnerin) nach den Handschriften ka kha ga („dūtīyāgāntu“); ṅa liest „ḍākinyāḥ pūjanaṃ priye“. Vers 103: laut Fußnote fehlen in ga zwei Verse von 101/102 bis „pīṭhārcanaphalaṃ labhet“. „ājñāsiddhi“ statt OCR „āknāsiddhi“ [?]. Vers 104: Ekāṃ pūjāṃ (ka) bzw. „triśakti-“ (OCR „tika-“); Rekonstruktion [?]. Vers 105c: Fußnotenvariante „sarvajñāna-“.
Ein Kaulika, der aus Verblendung an den besonderen Tagen das Śrīcakra nicht vollzieht, obwohl er dazu fähig ist, der wird zum „Tier“ der Yoginīs (yoginīpaśu). (107)
Ohne Kula-Verehrung gibt es im Cakra keinerlei Berechtigung. Wer die Kula-Verehrung streng einhält, der ist ein Kaulika. (108)
Ohne Yantra (Diagramm) erfreut sich die Gottheit an der Verehrung nicht. Wer die Kula-Verehrung streng einhält, ist wahrlich ein Kaulika; Herrin der Kula, [ihm wird] jederzeit Gewinn zuteil und die Vereinigung mit Yoginīs und Vīras. (109)
Sogar ein Niedriger, der einmal in Hingabe die Kula-Verehrung ausführen lässt, erlangt Vollendung [?] – wie viel mehr die anderen Zweimalgeborenen (dvijāti)! (110)
Darum soll man mit allem Bemühen, in allen Lebenslagen, allezeit, an der Kula-Verehrung Freude haben, um die ersehnte Frucht zu erlangen. (111)
Über der Kula-Verehrung [steht] kein Opfer, kein Gelübde, kein heiliger Ort, keine Askese; (112) keine Gabe, kein Ritus (kriyā), keine Erkenntnis, kein Glück; (113) keine Pflicht (dharma), keine Frucht, keine Meditation, keine Rezitation [?]; (114) kein Yoga, kein [anderer] Weg, kein Glück des Schicksals, keine [andere] Verehrung. (115)
Vers 107–108: Fußnote: kha, gha, ṅa haben Vers 108 nicht. Vers 109: die zweite Zeile („kulapūjāṃ suniyataṃ …“) wiederholt 108b und steht im OCR doppelt – wohl Dittographie oder zwei Fassungen; ich gebe sie wieder. Vers 110: OCR „nīco ’pi“ mit Varianten ga gha „duḥśīlo ’pi“ (‚selbst ein Schlechtgesitteter‘); „sa siddhim“ unsicher [?] (Handschriften: samavāpnoti/sarvam āpnoti). Vers 112–115: „kulapūjādhika-“ ist mehrdeutig (‚die Kula-Verehrung ist das Höchste an …‘ oder ‚mehr als Kula-Verehrung [gibt es] nicht‘); ich habe mit „über der Kula-Verehrung [steht] kein …“ wiedergegeben, im Sinn: Nichts überragt die Kula-Verehrung. Vers 114d: „japaḥ“ statt OCR „madaḥ“ [?].
„Es gibt nichts [Höheres], es gibt nichts, und wiederum gibt es nichts“ – ich beschwöre dich [bei] dir, Herrin des Kula (kula = die Wesensfamilie/Gesamtheit der Śakti-Verehrung). Was soll hier viel gesagt werden? Höre das Geheimnis, Pārvatī. (116)
Wer die Kula-Verehrung auf dem Weg vollzieht, den Veda und Śāstra lehren – in dessen Nähe wisse mich weilend, nirgends sonst, Herrliche. Dies ist wahr, dies ist wahr, wahr, wahr, ohne Zweifel. (117)
Die im Raum, auf der Erde, in den Himmelsrichtungen, im Wasser, in Bergen und Wäldern, überall Wandelnden, Liebe: tausend Kotis von Yoginīs und ebenso viele Bhairavas sind von mir, Göttin, zum Schutz des Kula bestellt. (118)
Tag für Tag blicken sie alle, Pārvatī, mit heiteren Gesichtern auf die Sādhakas, aus dem Verlangen nach der Verehrung, die jeweils ihnen gilt. (119)
Unverehrt schlagen sie nieder, wohlverehrt schützen sie: [sie schützen] die dem Guru Ergebenen, die Rechtschaffenen, die die geheimen Pflichten Einhaltenden, die stets Glückverheißenden [?]. (120)
Die ohne Hingabe, die Schlechtwandelnden, die [das Geheime] Offenbarenden vernichten sie. Darum soll man im Śrīcakra die Yoginīs und Bhairavas ins Gedächtnis rufen, Liebe. (121)
Wer als verblendeter Geist [sie] nicht ins Gedächtnis ruft, wird zum „Tier“ (paśu) der Yoginīs. Darum soll man inmitten des Śrīcakra alle Gottheiten ins Gedächtnis rufen. (122)
Die Verse 116–122 wurden aus der zweiten Digitalisierung (Seitenverlust der ersten OCR) ergänzt; die Zählung ist dort im Druck durchgehend lesbar, nur 118 steht doppelt (die zweite Zeilengruppe ist 119, danach 120–122). Vers 116: „nāsti nāsti punar nāsti“ ist elliptisch; gemeint wohl ‚nichts gleicht/übertrifft [die Kula-Verehrung]‘. Vers 117: die dritte Zeile ist ein Halbvers; Fußnotenvarianten: ka „kulapūjāṃ karoti yo naraḥ“; ga gha „tvatsamīpe sthitiṃ yāti …“; „māṃ vai viddhi“ nach der OCR-Form [?]. Vers 118: 3 Zeilen (ein Halbvers mehr); „khabhūmi-“ als ‚Luft/Raum, Erde, …‘ gelesen [?]; „tāvantau“ (Dual) so im OCR, wohl „tāvanto“. Vers 119: ṅa liest „vīkṣante“ als „vijñapayanti“ [?]; kha: „sāvadhānena rakṣante devāḥ pūjanakāṅkṣayā“. Vers 120: kha „prasīdanti“, ṅa „namanti ca“ für „pālayanti“; „sadāśivān“ unsicher [?]. Vers 122: Zeile a „yoginīnāṃ bhaved paśuḥ“ metrisch nach OCR („bhavet paśuḥ“ zu erwarten).
Zufrieden gewähren sie den Sādhakas ihre Gunst, daran ist kein Zweifel [?]. Die Gunstbezeugung (anugraha) aber will ich dir sagen, Göttin, der Reihe nach. (123)
[…?] Gewänder, Schmuck, Fingerring; sei es zur Gunst für sich selbst oder für andere, das Beste [?], mit dem Kula-Achter (kulāṣṭaka) verbunden und mit den Vierundsechzig versehen [?]. (124)
Mit Mühe verehrt, stellt sich vielfache Vollendung ein. Man übe keine Falschheit/Knauserei im Besitz, wenn man für sich Vollendung wünscht. (125)
So ist die Sechsheit (ṣaṭka) dargelegt, die Gunst [?], Schönantlitzige, mit reinen Substanzen ausgestattet und mit der Cakra-Verehrung verbunden. (126)
Nachdem man allen die Opfergabe (dakṣiṇā) gegeben hat, [und jedem] einzeln das Opfergefäß (homapātra), soll man die in ihren Stufen/Klassen [varṇa?] Stehenden verehren, mit allem Schmuck geschmückt. (127)
[…?] mit Wonne verbunden […?], jeweils einzeln: dies ist von den Sādhakas mit Eifer auszuführen, um das ersehnte Ziel zu erreichen. (128)
Dieser Abschnitt steht in der zweiten OCR auf einer zweispaltig verschränkten Doppelseite (S. 157/158 des Drucks); die Zeilen wurden nach Sinn und Zeilenpaarung (Anuṣṭubh) zugeordnet, die gedruckten Nummern sind dort teils verrutscht bzw. doppelt (gedruckt u. a. 123, 122, 134, 124, 125, 125, 126, 126, 127, 128, 128, 129–132). Ich zähle nach Verspaarung durchgehend 123–144, was mit den klar lesbaren gedruckten Endnummern 140–144 übereinstimmt. Vers 123: die erste Zeile („anugṛhṇanti …“) ist als Verspartner der zweiten unsicher. Vers 124: die erste Zeile ist im OCR stark entstellt (nur „…vastrabhūṣāṅgulīyakam“ sicher); die Verszuordnung (dreizeilig) ist unsicher. Laut Fußnote fehlen die Verse von 123b bis 133 der Zählung des Druckes in den Handschriften ka kha ga gha (nur ṅa). Vers 126: „anugra“ vermutlich „anugraham/anugrāham“ [?]; „ṣaṭka“: Bedeutung (sechs [Arten/Gruppen]) offen. Vers 127: „varṇasthāḥ“ wörtlich ‚in ihren Buchstaben/Farben/Ständen befindlich‘ [?]. Vers 128: Kopf der ersten Zeile im OCR nicht lesbar.
[Nachdem man sie meditiert hat,] soll man diese verehren, die Ḍākinī und die anderen, Schönantlitzige, [mit] Milchreis, Ghee und Reis [?], voll Hingabe, [als] Kundiger [?]. (129)
Nachdem man die siebte Göttin verehrt hat, soll man [alle] zur Erlangung aller Vollendung verehren; mit Duftstoffen, Blüten usw. verehrt man [ferner] den Kṣetrapāla [?] und den Herrn der Gaṇas (Gaṇeśvara). (130)
[Mantra:] „hsakhphreṃ hsauṃ … ḍāṃ … ḍamalavarayūṃ“, danach „śrīpādukāṃ … hsauṃ“ und „hsakhphreṃ“, am Ende mit dem Puṭa [?]. (131)
[Was] aus dem Körper der Śakti hervorgegangen ist, beim Verzehr der Reste der Śakti (śakti-nirmālya): […?] [nach] Wunsch des Herzens, mit den drei Süßen [?], Liebe. (132)
Nachdem man mit Duftstoffen, Blüten usw. recht verehrt hat, jeweils einzeln, mit der eigenen Gruppe (svavarga) verbunden, [und] die „gegebenen Reste“ (datta-nirmālya) [entgegennimmt] – (133)
„nimm an, das Paar, svāhā“: so die Entlassung der Reste (nirmālya-sarjana). Nach der Verehrung soll man die erwünschten Wünsche erbitten, Lotosgesichtige. (134)
Vers 129–133: Zeilenzuordnung nach Sinn (verschränkte Spalten, siehe 10.123); mehrere Zeilenanfänge im OCR entstellt. Die gedruckten Nummern 126, 126, 127, 128, 128 verteilen sich auf diese Verse; ich zähle nach Verspaarung (129–134). Vers 129: „vedī“ und „yuktāṃ“ unsicher [?]. Vers 130: „saptamī“ (die ‚siebte Göttin‘) ist nicht sicher identifizierbar [?]; „kṣetrapāla“ nach OCR-Form „…frat“ [?]. Vers 131: Mantra-Silben aus OCR-Zeichen erschlossen, nur ungefähr [?]; „puṭa“ = Umhüllung des Mantras mit einer Silbe vorn und hinten. Vers 132: „madhuratritaya“ = die drei Süßen (Honig, Zucker/Milch, Ghee o. ä.) [?]. Vers 133–134: „nirmālya“ = Reste einer Darbringung; „pratigṛhṇa yugaṃ“ ist unsicher [?]. Die gedruckte Zahl 137 an Vers 134 ist verrutscht.
Alle erwünschten [Dinge] und Güter erlangt der Sādhaka [?]; für sich und für einen anderen […?] soll man verehren, Liebe – (135)
zur Vernichtung von Krankheiten, wie hier zur Erlangung eines Sohnes, zur Unterwerfung, zum Glück, zur Erfüllung von Dharma, Kāma und Artha. (136)
Sieben Tage soll man verehren, Göttin, [oder] vierzehn Tage; nach einundzwanzig Tagen erlangt man hier die erwünschte Frucht. (137)
Ḍākinī hat ein Schlangengesicht, den Glanz von Blitz und Feuer [?]; sie trägt Wasserkrug (kamaṇḍalu) und Messer (kartikā) und gewährt Wünsche. (138)
Rākiṇī, die Göttin, hat ein Eulengesicht, gleicht dem Dunkelblauen, ist mit Schwert und Schild versehen und mit allem Schmuck geschmückt. (139)
Lākinī, reich an Weltenhütern [?], trägt Schlinge und Stachel; sie ist rein/gut, gleicht der Pāṭalī-Blüte und ist mit allen Schmuckstücken geschmückt. (140)
Verse 135–137: die gedruckten Nummern 129–132 sind hier verrutscht (entsprechen 135–137 und dem Nachbarvers 134 nach meiner Zählung); die Fußnote zu Vers 130 des Drucks nennt in ṅa „sādhakatvena saṃśayaḥ“. Vers 135: „labhate vasu“ (OCR „vasam“) [?]; Zeilenmitte entstellt. Vers 136: „yathātra putrasiddhaye“ [?]. Vers 138–143: Dhyāna-Beschreibungen der sechs Yoginīs; gedruckte Nummern: Ḍākinī 128 (entstellt), Rākiṇī 138, Lākinī 140, Kākinī 141, Śākinī 142, Hākinī 142/143; nach Zählung 138–143 (die Druckzahlen 140–144 am Ende passen zu 140–143 und dem Schlussvers 144). Vers 138: „vidyujjvalanaprabhā“ statt OCR „vittajā jvalanaprabhā“ [?]; „kartikā“ statt OCR „kartukā“. Vers 140: „lokapālāḍhyā“ (OCR) unsicher; Alternative „kapālāḍhyā“ (reich an Schädelschalen) [?].
Kākinī hat einen Pferdekopf und den Glanz des Rubins; sie ist dreigesichtig, [mit Glück verbunden [?]], spendet Vollendung und ist ganz herrlich. (141)
Śākinī gleicht schwarzer Augensalbe, hat ein Katzengesicht und ist sehr schön; sie trägt Donnerkeil (kuliśa) und Stab und lächelt rein. (142)
Hākinī hat ein Bärengesicht und gleicht einer dunklen Regenwolke; Schädelschale und Dreizack in den Händen, ist sie mit einem Schild geschmückt; [sie hat] ein, zwei, drei, vier, fünf [oder] sechs Gesichter, … [?]. (143)
So ist dir, Herrin der Kula, das Wenige über die Verehrung an besonderen Tagen in Kürze gesagt. Was möchtest du noch hören? (144)
Hier endet der zehnte Ullāsa mit dem Titel „Verehrung an besonderen Tagen“ im Śrī Kulārṇava, im Tor zur Erlösung des Nirvāṇa, dem großen Geheimnis, dem Höchsten der höchsten aller Āgamas, dem Werk von einhundertfünfundzwanzigtausend [Versen], im fünften Abschnitt, im Tantra der oberen Überlieferung (ūrdhvāmnāya) [?].
Vers 141: „trimukhī sukhasaṃyuktā“ (OCR „trisukhī sukhasaṃyuktā“) [?]. Vers 143: dreizeilig überliefert; die Zeile „ekadvitri…“ (gedruckt „ekadvitricatuḥpañcaṣaṇmukhī sarabhābhayā“) ist unsicher; „sarabhābhayā“ [?]. Gedruckte Nummern: Kākinī 141, Śākinī 142, Hākinī 142 (=143), Schlussvers 144. Vers 144 schließt die Rede; danach folgen im OCR die Sprecherzeilen „śrīdevy uvāca“ / „īśvara uvāca“ mit den Versen 1–2 von Ullāsa 11 (nicht Teil dieses Kapitels). Kolophon: ohne die gedruckte Ziffer 10; „ūrdhvāmnāya“ (OCR entstellt) [?]; in den Fußnoten fehlen diese Verse in ka kha ga gha (nur ṅa).