Paṭala 16: śrīkulārṇave tantre kāmyakarmavidhānaṃ nāma ṣoḍaśa ullāsaḥ
16. Kapitel: Die Vorschrift der wunschgebundenen Riten (Kāmya-karma-vidhāna)
Quelle: Kulārṇava-Tantra, hg. Tārānātha Vidyāratna (Arthur Avalon), Tantrik Texts Vol. 5, Luzac & Co., London 1917 (archive.org, OCR-Text). Inhalt: Auf Pārvatīs Bitte legt Śiva die Ordnung der wunschgebundenen Riten (kāmya-karma) dar: die Anwendung des Prāsāda-Mantra mit Japa, Homa und Tarpaṇa (1–15), ein langer Katalog von Kenntnissen, die der Ausübende vor jedem Ritus haben muss (Zeiten, Mantra-Eigenschaften, Homa-Zeichen, Initiation, Kula-Verehrung, Śakti-Ritual usw., 14–39), die Regeln zu Mantra-Endungen und Stoffen für die sechs Werke (40–48), sodann Meditationen für Beruhigung/Nährung (sattvisch), Unterwerfung (rajasisch) und Tötung böser Wesen (tamasisch) mit dem Parā-Prāsāda-Bīja (50–100, 128–136), Yantra, Weihekrüge, Weihe (abhiṣeka) und Homa-Stoffe (80–127). Die OCR-Qualität ist mäßig bis schlecht, an mehreren Stellen (bes. 13–39, 46–48, 81–94, 112–115) stark entstellt; unsichere Stellen sind mit [?] markiert, Handschriftenvarianten (ka kha ga gha ṅa) laut Fußnoten in notes erwähnt. Die Versnummern des OCR sind teils fehlerhaft und wurden nach der Zählung korrigiert.
Die Göttin sprach: Herr der Kula (kula = die Gesamtheit/„Familie“ der Śakti-Sphäre), Ozean des Nektars der Barmherzigkeit! Ich möchte hören und bitte dich, höchster Herr, mir die Ordnung der wunschgebundenen Riten (kāmya-karman) zu nennen. (1)
Īśvara sprach: Höre, Göttin, ich will dir sagen, wonach du mich fragst; schon durch das bloße Hören davon wird man in der Anwendung (prayoga) der Mantras geschickt. (2)
Der Mantra-Kundige mit reinem Herzen, der die zuvor genannten Regeln einhält, soll den höchsten Prāsāda-Mantra hunderttausendmal murmeln (japa), Liebe. (3) Den zehnten Teil davon soll er in dessen Feuergrube, dem Träger der Opfergaben (Agni), opfern, Göttin; den zehnten Teil [davon wiederum] soll er mit Arghya-Wasser (Ehrengaben), Wasser und geschältem Reis als Tarpaṇa (Labung) darbringen. (4) Mit Duftstoffen, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern, Schmuck, Geld, Gewändern usw., Liebe, mit Wein, Speisen, Getränken und dergleichen, mit vielerlei göttlichen Dingen (5) soll er den Kreis der Yoginīs (yoginī-cakra) zufriedenstellen, nach Vermögen und in reichem Maß. So, verbunden mit Nyāsa (Berührung der Körperteile mit Mantras), Japa und Meditation, mit Homa, Verehrung und Tarpaṇa, (6) erlangt der Mantrī Vollendung (siddhi) und wird selbst unmittelbar der höchste Śiva. Danach soll er, Herrin der Kula, die gewünschten Anwendungen einüben. (7)
Vers 1a: OCR entstellt, „kuleśa“ nach Sinn und Parallele der Eingangsformeln rekonstruiert [?]; Vers 3: „prāsāda-paramantra“ hier wohl der Prāsāda-Mantra (Bīja-Silbe des „Palastes“) und der Parā-Mantra; siehe auch Vers 56–59. Vers 4: die zweite Halbzeile scheint ohne Nummer nach der ersten zu stehen; das Zehntel-Schema (Japa – Homa 1/10 – Tarpaṇa 1/10) ist die übliche Puraścaraṇa-Ordnung; das Zählwort „daśāṃśa“ ist wörtlich „zehnter Teil“, worauf sich das zweite daśāṃśa bezieht (vom Homa-Anteil oder vom Japa), lässt der Text offen. Vers 6d: OCR „mārcana-“ gelesen als „homārcana-“ [?]. Vers 7a: OCR „siddham anuṣṭhāya“/entstellt, „siddhim anuprāpya“ rekonstruiert [?]; Vers 7d: Lesart „samabhyased iṣṭān“ nach Fußnote kha.
mantreṇānena matimān sādhayed bhaktimuktaye | siddhamantrasya sidhyanti ṣaṭ karmāṇi na saṃśayaḥ | naiva sidhyanty asiddhasya devatāśāpam āpnuyāt ||8||
kāmyaprayogakartṝṇāṃ paraloko na vidyate | prayogasiddhir eteṣāṃ phalam anyan na tu priye ||9||
ekasyāpi vidhānasya na kutrāpi phaladvayam | deveśi dṛśyate tasmān niṣkāmo devatāṃ yajet ||10||
homatarpaṇamantrādyaiḥ sandhyā[?]viśeṣakaiḥ | tadbalāc ca parasyāpi ṣaṭkarmāṇi samācaret ||11||
prayogānte cakrapūjāṃ vidhinaiva samācaret | lakṣam ekaṃ japen mantraṃ nyāsadhyānasamanvitaḥ ||12||
prayogadoṣaśāntyartham ātmarakṣārtham eva ca | na cet phalaṃ na cāpnoti devatāśāpam āpnuyāt ||13||
tithivāraṃ ca nakṣatraṃ yogamāsartupañcakam | dīpeśaṃ kulacakrāṇi jñātvā karmāṇi sādhayet ||14||
ṛṣicchandodevatāṅganyāsadhyānārcanādikam | bījaṃ śaktiṃ kīlakādīn jñātvā mantrāṇi sādhayet ||15||
Mit diesem Mantra soll der Kluge [die Rites] zur Erlangung von Hingabe und Erlösung vollziehen (bhakti-mukti). Dem, der den Mantra vollendet hat, gelingen die sechs Werke (ṣaṭkarman) zweifellos; dem Unvollendeten gelingen sie keineswegs, er würde sich den Fluch der Gottheit zuziehen. (8)
Für die, die wunschgebundene Anwendungen vollziehen, gibt es keine jenseitige Welt (para-loka) [als Frucht]; das Gelingen der Anwendung ist ihre Frucht, sonst nichts, Liebe. (9) Eines einzigen Verfahrens zweifache Frucht [dies und jenseits] wird nirgends gesehen, Herrin der Götter; darum soll man die Gottheit wunschlos verehren. (10)
Mit Homa, Tarpaṇa, Mantras usw. und besonderen Zutaten [der Zwielichtverehrung?] [?], und kraft davon soll man auch für einen anderen die sechs Werke vollziehen. (11) Am Ende der Anwendung soll man die Verehrung des Kreises (cakra-pūjā) vorschriftsmäßig vollziehen; man soll den Mantra einmal hunderttausendmal murmeln, mit Nyāsa und Meditation verbunden, (12) zur Beruhigung der Fehler der Anwendung und zum Schutz seiner selbst. Wenn nicht [so], erlangt man keine Frucht und würde sich den Fluch der Gottheit zuziehen. (13)
Tithi (Mondtag), Wochentag, Mondhaus, [Yoga …], Monat und Jahreszeit, die fünf [Zeitglieder], Dīpeśa [?] und die Kula-Kreise soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (14) Ṛṣi, Metrum, Gottheit, Nyāsa der Glieder, Meditation, Verehrung usw., Bīja (Keimsilbe), Śakti und Kīlaka (Pflock) soll man kennen und dann die Mantras vollenden. (15)
Vers 8: die OCR enthält Zeilen wie „naiva sidhyanty asiddhasya …“; die drei Halbzeilen stehen so in der Vorlage. Vers 8a: „bhaktimuktaye“ nach Fußnote kha, ṅa. Vers 9: „prayoga-siddhi“ = das äußere Gelingen der Anwendung. Vers 11b: OCR „sandhyānaviśeṣakaiḥ“ unklar [?]. Vers 13 (im Druck versehentlich als 12 gezählt): 13c „na cet“ gelesen aus entstelltem OCR [?]; der Sinn: ohne das abschließende Cakra-Pūjā und Japa Fluch der Gottheit. Vers 14: Fußnote gha nennt „dina-māsa-nakṣatra-karaṇa-yoga, das fünfte gewünscht“ (d.h. die fünf Zeitglieder tithi, vāra, nakṣatra, yoga, karaṇa); „dīpeśaṃ“ (Fußnoten ka kha ga gha ṅa mit Varianten wie „doṣe…“) unsicher [?]. Der Vers 15 beginnt im OCR mit einem Rest „ca pi“ = „ṛṣi“.
Söhne, Verwandte, Gattinnen, die Übereinstimmung mit Tierkreiszeichen und Buchstabenklasse (rāśi-varṇa), Freundschaft mit den Wesen (bhūta) und ebenso das Yantra (das Diagramm) soll man kennen und dann die Mantras vollenden. (16)
Die Unterschiede von Mantra und Vidyā (männlicher und weiblicher Mantra), Schlaf (nidrā) und Erwachen (bodha) [der Mantras], männlich, weiblich, geschlechtslos usw. soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (17) Die Verdopplung von Vokal, Buchstabe und Wort, [den Blitz?] und die Natur des Bewusstseins [?]; kurze, lange usw. [?] soll man kennen und dann die Mantras vollenden. (18)
Reinheit der Kleidung, Sitz, Atemregelung (prāṇāyāma), Nyāsa, Rosenkränze (akṣa-mālā), Fehler, Läuterung (saṃskāra), Mudrās usw. soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (19) Ebenso Sitz, Abgrenzung der Himmelsrichtungen (dig-bandha), Bindung der Nāḍīs usw. samt ihrem Zusammenhang, Gottheit, Zeit, Mudrā usw. soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (20) Die Riten für den Zu-Vollendenden und den Vollbringer (sādhya, sādhaka), Schreibstift und die fünf Stoffe [?], Ort, Yantra und Maß soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (21) Ursprung, Eindruck (vāsanā), Farbe, Gestalt, Läuterung, Feuergrube, Stoffe und ihr Maß usw. soll man kennen und dann den Homa vollziehen. (22)
Verse 16–39 sind eine Katalogreihe mit dem Refrain „jñātvā … sādhayet“ (‚nach Kenntnis von … vollziehe er‘); viele Einzelbegriffe sind im OCR entstellt, daher nur sinngemäß. Vers 16a: „sutabāndhavadārāś“ nach OCR (Söhne, Verwandte, Gattinnen) [?]. Vers 17: „nidrā“/„bodha“ beziehen sich auf die Lehre vom Schlafen/Erwachen der Mantras (vgl. Verse 40–41). Vers 18ab stark entstellt [?]; die Kombination ist nicht sicher lesbar. Vers 19: Fußnote ṅa „…akṣamālikā“ stützt „akṣamālikāḥ“. Vers 21: „lekhanī-dravya-pañcaka“ = Schreibgerät und fünf Stoffe (vermutlich Schreibstoffe). Vers 22: Lesarten bei „kuṇḍa-dravya“ variieren (ṅa).
Glanz des Feuers, Farbe des Rauchs, Klang, Geruch, Form der Flamme, gute und schlechte Anzeichen usw. soll man kennen und daraus Gutes und Schlechtes deuten. (23) Die Zeichen von Mantra-Wirklichkeit, Nachsinnen, Besessenwerden von Gottheiten usw. und die Unterschiede der Mantra-Aussprache soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (24) Maṇḍala (Kreisdiagramm), Krug, Stoffe, Reinigung, Duft, ungebrochene Reiskörner usw., Namensgebung und andere Teile der Initiation soll man kennen und dann die Initiation (dīkṣā) vollziehen. (25)
Das Tägliche, das Anlassgebundene, das Wunschgebundene, Gelübde, Name, Eindruck (vāsanā), Verehrung, das Tragen von Yantras usw. soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (26) Das Betreten des Verehrungshauses usw., die Kennzeichen der Kula-Verehrung [?], Reinigung der Kula-Stoffe usw. soll man kennen und dann die Verehrung vollziehen. (27) Innere Verehrung (antar-yāga), äußere Verehrung (bahir-yāga), Aufstellung des Arghya usw., die Handvoll Blumen der fünf Blumen (pañca-puṣpāñjali), Göttin, soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (28) Die Schrift auf Gefäß und Untersatz, das Zusammenfügen der Kalās und Mudrās, die Opfergabe an Baṭuka usw., Göttin, soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (29)
Die Kula- und Akula-genannte Sahaja-Śakti [?], ihre Unterschiede und Kennzeichen, [die Frau] mit günstigen Merkmalen, die Weihe der Frau (strī-saṃskāra), Verehrung usw., Zeit der [göttlichen usw.] Vereinigung soll man kennen und dann die Śakti annehmen. (30)
Vers 23: OCR „śikhākṛtīḥ“ und „kalpayet“ unsicher. Vers 27b: OCR „kulapūjā ca lakṣaṇam“ entstellt [?]. Vers 30 hat im Druck drei Halbzeilen (plus die Fußnotenvariante ka: „kulākulākhyaśaktiś ca mudrābhedaś ca lakṣaṇam“); Lesung „sahaja“ nach OCR unsicher [?]; „divyādi“ vermutlich die Bhāvas (divya, vīra, paśu) oder „himmlische usw. Vereinigung“ [?]. „Baṭuka“: Schutzgottheit (Bhairava-Aspekt) des Kula-Rituals.
Gefäß, Untersatz und was dazugehört, der Stoff, der die Natur der Kāmakalā hat (Kāma-kalā: die „Kunst/Teilform“ des Verlangens, Name eines Yantra-Symbols), die Arten des Trinkens, das Maß des Wonnegefühls durch die Frucht [des Trankes?], Zustand und Kennzeichen, die Läuterung der drei Wirklichkeiten (tattva-traya) soll man kennen und dann den Kula-Nektar trinken. (31)
Eintritt in den Kreis (cakra-praveśa), Verneigung, Verweilen und ebenso das Hinausgehen, das Verhalten beim Genuss der Yoginīs usw. soll man kennen; dann wird man ein Kaulika (Anhänger des Kula-Wegs). (32) Die Zeit der Wonneerregung (rati-ullāsana), Darbringung des Kula-Lichts [?], Rezitation von Friedensliedern und Preisungen usw. soll man kennen; dann wird man ein Kula-Lehrer (kula-deśika). (33) Das Anziehen des Paars, die Verehrung der menstruierenden Jungfrau [?] und die Verehrung an besonderen Mondtagen soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (34)
Die Unterschiede der Überlieferungsrichtungen (āmnāya), das Zeichen (saṅketa), das Sich-Schließen der Blume [?], die drei Ogha („Ströme“, Gruppen von Gurus) und die Lehrtradition (sampradāya) soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (35) Weibliche Vidyā [?] und Kula-Verhalten, Unterschiede der Mantras und die Pādukā („Sandalen“, Guru-Fußabdrücke), die zwei Fußpaare, Göttin, soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (36) Die Reihenfolge der Verehrung des dem eigenen [Rang] gleichen oder nicht geringeren Kaulikas, Siddhi-Mudrā usw. [?] soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (37) Guru und Schüler, Bestattungsriten für Verstorbene, Mantra und Opfer, die Reihenfolge der Richtungsopfer, Vorschriften zur Erlösungslampe usw. soll man kennen und dann die Riten vollziehen. (38)
Dies sind, Herrin der Kula, einige Besonderheiten genannt. Für alle Mantras gilt die allgemeine Regel der Vorgehensweise. (39)
Verse 31–38: die OCR-Zeilenfolge und Halbzeilenzahl sind unregelmäßig (31 hat drei Halbzeilen; die erste steht im Druck am Fuß der vorherigen Seite); die Versnummern des OCR (29, 22, 22, 24, 35, 26, 27, 28 …) wurden nach der Zählung als 31–38 korrigiert. Vers 32: Fußnote kha „maṇḍale“ u. ä. Vers 33: Fußnote kha „kuladīpanasevanam“ und „syāt kuladeśikaḥ“ (auch Vers 38 kha: „japahomavidhānādi jñātvā syāt kuladeśikaḥ“). Vers 34 [?]: „mithunākṛṣṭa-“ entstellt. Vers 35: Fußnote gha „oghatraya“, ṅa „gurutraya“ (drei Guru-Linien). Vers 36: Fußnote ka „caraṇadvitayaṃ“; „strīvidyā-“ vermutlich entstellt (Fußnote nennt „mālinī-“ o. ä.) [?]. Vers 37: Fußnote ka ṅa „siddhimudrā“. Alle Begriffe sind reine Aufzählungen, ihre Deutung bleibt sinngemäß.
Mantras haben männliche Gottheiten, Vidyās (weibliche Mantras) weibliche Gottheiten, Liebe. Die männlichen Mantras, die auf „huṃ phaṭ“ enden, [erwachen], wenn der Atem (prāṇa) im rechten [Nasenloch] geht; die Vidyās, die auf „agnijāyā“ (svāhā, Agnis Gattin) enden, [erwachen ...], weibliche Gottheiten, Liebe. (40) Bei linkem Atem erwachen [sie]; die auf „namaḥ“ Endenden sind geschlechtslos; wenn der Atem in beiden Nāḍīs (Kanälen) geht [?], gelangen alle zum Erwachen (bodha). (41)
Für Beruhigungsriten (śāntika) sind die Mantras sanft, [mit Silben von Erde, Wissen, Nektar] [?]; die auf „svāhā“ Endenden sollen im Wesentlichen luftig [?] sein, die feurigen für grausame Riten. (42) „Huṃ“ bei Feindschaftszauber [?], „vaṣaṭ“ beim Unterwerfen (vaśya), „phaṭ“ beim Töten (māraṇa); beim Lähmen (stambhana) wird „namaḥ“ genannt, „svāhā“ bei Beruhigung und Nährung (pauṣṭika). (43) Bei Homa und Tarpaṇa „svāhā“, bei Nyāsa und Verehrung „namaḥ“: das soll der Mantra-Kundige am Ende des Mantras anfügen, wie es beim Japa festgelegt ist. (44)
Für Beruhigung Silber oder Kupfer, für Unterwerfung Birkenrinde (bhūrja-patra), für alle Zwecke Gold, für grausame [Riten] ein Leichentuch (preta-karpaṭa). (45) [Das …] wird für Beruhigung genannt, die „fünf Düfte“ (pañca-gandha) für das Unterwerfen, für alle Zwecke die „acht Düfte“ (aṣṭa-gandha), für grausame [Riten] auch die „acht Gifte“. (46)
Vers 40–41: die Halbzeilenordnung im Druck ist unregelmäßig (Vers 40 mit drei Halbzeilen; 41a beginnt mit „vāme prāṇe prabudhyante“); die Zuordnung der Erweckungszeit (rechter Atem für männliche Mantras, linker für Vidyās) ist Lehre vom Schlafen und Erwachen der Mantras (vgl. Vers 17); die Zuordnung von 41c ist unsicher [?]. Vers 42: die Fußnote ka kha ga bietet abweichende Lesarten; Text unsicher [?]. Vers 43a: OCR „kar ca ṇuṣṭo“; „hūṃ ca dveṣe“ ist Rekonstruktion [?]. Vers 45d: „pretakarpaṭa“ nach Fußnote. Vers 46a: Halbzeile im OCR unlesbar (Anfang und Substanz für Beruhigung); Vers 46c: „aṣṭagandha“ nach OCR „…ṣṭagandhaṃ“ [?]; die Vers-Zeile ist im OCR doppelt gedruckt.
Als Schreibgerät gilt für Beruhigung Dūrvā-Gras [?], für Unterwerfung u. ä. eine Pfauenfeder, für alle Zwecke [ein Goldgriffel] [?], für grausame [Riten] eine Krähenfeder. (47) Der Ort: für Beruhigung [ein passender Platz] [?], für Unterwerfung u. ä. ein Heiligtum der Caṇḍikā, für alle [Riten] ein Götterhaus, für grausame Riten der Leichenverbrennungsplatz. (48)
Diese und ähnliche Kennzeichen soll man aus dem Munde des Gurus kennen, Liebe; dann soll der Mantra-Kundige alle Riten vollziehen, um die jeweilige Frucht zu erlangen. (49)
An der Wurzel [des Körpers, im Mūlādhāra] der Prāsāda-Bīja, der Farbe der jungen Sonne gleich; im obersten Glied [Scheitel] der Parā-Bīja, glänzend wie zehntausend Monde. (50) [Beide,] durch gegenseitige enge Umarmung von Wonne erfüllt [?], von der Wurzel bis zum Brahmarandhra (der Öffnung des Scheitels) ununterbrochen [?] – (51) [von diesen] mit den Strömen des höchsten Nektarsafts vom Fuß bis zum Scheitel durchtränkt – so soll man sich selbst stets vorstellen: der wird alterslos und unsterblich. (52) Nachdem man so meditiert hat, Herrin der Kula, soll man alle Riten vollbringen; sie gelingen rasch, Göttin; darüber ist kein Zweifel anzustellen. (53)
Ich will dir die Varianten der Meditation nennen, Liebe, die alles gelingen lassen, durch die man Gewünschtes erlangt auch ohne Verehrung, Homa usw. (54)
Vers 47: „lekhanī dūrvā“ und „svarṇalekhanī“ sind Rekonstruktionen aus stark entstelltem OCR [?]. Vers 48ab: OCR „stkhaṇḍa śāntikara syād“ unklar [?]. Vers 50: „mūle“ statt OCR „sthūle“ (nach Zusammenhang mit 51: mūlāt … brahmarandhrāntam). Vers 51 ist stark entstellt, nur sinngemäß [?]. Fußnote ṅa zu 54: „japapūjādikaṃ vinā“ („ohne Japa und Verehrung“).
An einem entzückenden Ort soll der Ausübende, mit gefestigtem Geist, in bequemer Haltung sitzend meditieren, nachdem er dem Guru gehuldigt hat: (55) Auf den Prāsāda-Parā-Bīja (die Keimsilbe der „Śrī-Prāsāda-Parā“), mit den sechzehn Vokalen versehen, in der Mitte der Vollmondscheibe, die im Scheitel steht, (56) weiß wie Kristall, Kampfer, Jasmin und Mond, Liebe, dessen Körper mit dem Nektar überströmt ist, der aus der Mondscheibe entsprungen ist. (57) So soll er sich stets vorstellen, mit unbewegtem inneren Selbst; er wird von allem Unheil befreit, [die Meditation] bringt Glück und Gedeihen [?]. (58)
Den Śrī-Prāsāda-Parā-Mantra soll er 1008-mal [täglich?] murmeln [und] ein Maṇḍala (eine Frist von 40 [o. ä.] Tagen) lang verehren, Liebe [?]. (59) [Dann schwindet] die Furcht vor vorzeitigem Tod, Tod, Krankheit, Alter und Sterben, die Furcht vor Epilepsie, Vetāla-Geistern, Dämonen (bhūta), Wahnsinn usw. (60) Frei von Kummer und Krankheit, mit Söhnen und Enkeln, lebt er volle hundert Jahre, von allen Menschen verehrt [?]. (61) Er versteht zehntausend [?] Schriften; seine Dichtkunst wird makellos; er wird unmittelbar aus Bewusstsein bestehend: darüber ist kein Zweifel anzustellen. (62)
Vers 55: „śuci“ statt „sthāne“ möglich; OCR „sitaḥ“ als „sthitaḥ“ gelesen. Vers 58d und 59: OCR entstellt [?]; die Bedeutung von „taruṇollāsa“ (‚jugendliche Wonne‘?) und das Zeitmaß „maṇḍala“ sind unklar. Vers 62a: „ayutaṃ“ nach OCR; „akhilaṃ“ (‚alles‘) wäre sinnvolle Alternative [?].
Bei Krankheiten wie Fieber und Wahnsinn soll er murmeln und [den Bīja] im Kopf vergegenwärtigen; bei Kolik, Wind[-Leiden], Wunden, Geschwülsten, Harnbeschwerden usw. soll er an die jeweiligen Körperstellen denkend, Göttin, den Mantra ausgiebig murmeln, Liebe. (63) Bei schweren Krankheiten soll er [den Bīja] in allen Gliedern vergegenwärtigen; im selben Augenblick kommen alle Krankheiten zur Ruhe, ohne Zweifel. (64)
Wer in den zehn Sinnesorganen [den Bīja] meditiert, erlangt Vollkommenheit der Sinne [?]; in welchem [Organ] er den Bīja sich vorstellt, dort tritt sicher die entsprechende Wirkung ein. (65) Wer ihn stets im Scheitel vergegenwärtigt, wird alterslos und unsterblich; [die Meditation] vertreibt alle Krankheiten und gibt Wissen und Gesundheit, Liebe. (66) Höher als diese gibt es keine Meditation, wahrlich, ohne Zweifel. Dies ist, Göttin, die aus der sattvischen Meditation geborene Frucht, die hier genannt wurde. (67) Alle Beruhigungsriten soll man nach diesem Verfahren vollziehen; nach diesem Verfahren, Herrin der Götter, entsteht unvergleichliches Glück. (68)
Wer in den zwölf Grundlotosen (ādhāra-padma) den Bīja mit den zwölf Vokalen vergegenwärtigt, wird alterslos und unsterblich. (69) In den sechs Stützen (ṣaḍ-ādhāra, den sechs Cakras) soll man den Bīja mit den sechs langen [Vokalen] vergegenwärtigen; er wird von den in den sechs Stützen wohnenden Göttinnen verehrt, Herrin der Kula. (70)
Vers 63: Im OCR fehlen Teile; die Zeilen „śūlavāta…“ und „tattatsthāneṣu …“ sind sinngemäß rekonstruiert, wobei der Zeilenschluss „…japet“ und Nummerierung nur ein Vers ergibt [?]. Vers 65a: [?]. Vers 69a: „dvādaśādhāra“ nach OCR.
In der Mitte der Blütenkelche (karṇikā) dieses Lotos, in der Sonnenscheibe stehend, der Parā-Prāsāda-Bīja, der jungen Morgensonne gleich, (71) leuchtend im Glanz von Hibiskus, Bandhūka-Blume, Zinnober und Rubin, im Inneren von den fünfundzwanzig Berührungslauten (sparśa, den Konsonanten ka bis ma) umhüllt, o Mutter (ambikā): (72) durch den sich ausbreitenden Schimmer seines Glanzes sind die drei Welten sichtbar gemacht [?] – und sich selbst soll man sich, Göttin, vorstellen, mit unbewegtem inneren Selbst. (73)
Den Parā-Prāsāda-Bīja soll der Kluge, mit jugendlicher Wonne [?] verbunden, ein Maṇḍala lang mit je 1008 [Wiederholungen] murmeln. (74) Götter, Dānavas, Gandharvas, Siddhas, Kinnaras, Guhyakas, Vidyādharas, Weise, Yakṣas, Nāgas, Apsaras und Frauen, (75) Löwen, Tiger, Schlangenfürsten usw. und andere böse Vögel [?] macht er zweifellos sich untertan – wie viel mehr Menschen usw.! (76) Er erlangt große Herrschaft, Genüsse des Himmels usw., Liebe. Wessen [Bild] er im Scheitel vergegenwärtigend murmelt, der wird sicher gefügig. (77)
Dies ist, Göttin, die aus der rajasischen Meditation entstehende Frucht, so ist es genannt. Alle Unterwerfungsriten (vaśya-karman) soll man nach diesem Verfahren vollziehen. (78) Sie macht alles gefügig, Göttin, und gibt die Frucht jeder Herrschaft; höher als diese gibt es keine Meditation, wahrlich, ohne Zweifel. (79)
Vers 71a: „sūryamaṇḍala“ aus OCR „sūcamarḍala“. Vers 72d: „pañcaviṃśatibhiḥ sparśaiḥ“ aus stark entstelltem OCR („svaparṇī“) rekonstruiert [?]; die 25 sparśa sind die Konsonanten ka bis ma. Vers 73b: „vyaktīkṛta“ [?]. Vers 74: „taruṇollāsa“ wie Vers 59 unklar. Vers 76b: „duṣṭakhagān“ [?]. Vers 78a: „rājasa-dhyāna“ nach Parallele zu Vers 67 (sāttvika-dhyāna) gelesen; OCR „rājasyānajaṃ“.
Man soll ein Dreieck zeichnen, ein Sechseck, ein Achtspeichen-[Rad bzw. Achtblatt] und die große Erdumfriedung (mahī-pura, das äußere Viereck), in der Mitte den Wurzelmantra (mūla-mantra), verbunden mit dem Namen dessen, den es betrifft (sādhya). (80) In die Ecken des Sechsecks die sechs Glieder (ṣaḍ-aṅga), höchste Herrin; [ … ] auf die [acht] Blätter die acht Buchstabengruppen (varga) schreiben [?]. (81) In den vier Ecken des Erdhauses (bhū-gṛha) soll man die Wurzel-Mātṛkā [?] schreiben, mit Pulvern in fünf Farben, schön und für das Auge bezaubernd. (82)
Nachdem der beste Mantra-Kundige so das Yantra vorschriftsmäßig gezeichnet hat, soll er [eine bestimmte Anzahl] Krüge (kalaśa) aufstellen, Liebe: (83) von der Mitte bis zum äußeren Viereck zweiunddreißig Krüge, Liebe; oder achtzehn [?], sieben oder zwölf, Liebe; (84) oder vier oder [auch nur] einen soll der beste Ausübende nach seinem Vermögen aufstellen. Festigkeit, Adern und Fäden, [Fleisch], Blut = Wasser, (85) Haut = Tuch, [Knochen = Stein?] [?], der Kopf = die Kokosnuss [so entspricht der Krug dem Körper]. Die mit Mantra-Leben (mantra-prāṇa) versehene Krug-Gottheit soll man verehren. (86)
Vers 80: „aṣṭāra“ (Achtspeichen) und „mahīpura“ (aus OCR „mahopura“) nach Yantra-Standard; Vers 81: Halbzeile 81cd im OCR fast unlesbar [?]. Vers 82: „mūlamātṛkām“ aus OCR „mūlasaṃvike“ unsicher [?]. Vers 83b: Zahlenangabe der Krüge im OCR entstellt (Fußnoten ka ṅa mit verschiedenen Zahlwörtern) [?]. Vers 84: Fußnote kha „dvāviṃśatighaṭān“ (22 Krüge) statt „dvātriṃśat“ (32). Vers 85–86: die Entsprechungen Krug–Körper sind im OCR verstümmelt; Fußnote kha zu 86a: „carma vastra … nārikelaphalaṃ śiraḥ“ [?].
Sāvitrī [im Kopf?], die Glieder (aṅga), die Mütter (mātṛ) mit den Bhairavas; in den Zwischenrichtungen den Guru, Vighneśa (Gaṇeśa), Durgā und den Kṣetrapati (Herrn des Ortes), Liebe, (87) soll der beste Mantra-Kundige in den Krügen vorschriftsmäßig verehren und dann den lieben Schüler zur Vernichtung aller Sünden mit [dem Krugwasser] weihen (abhiṣeka). (88)
Langes Leben, Glück (śrī), Glanz, Glück in der Ehe [oder: Wohlergehen], Wissen, Gesundheit usw. stellen sich ein. Ein König, so geweiht, erlangt die Erde, die bis zu den vier Meeren reicht. (89) Ein Mittelloser, so geweiht, erlangt große Herrschaft; eine unfruchtbare Frau, so geweiht, erlangt einen Sohn, mit allen Vorzügen begabt. (90) Dämonen, Epilepsie, Krankheiten usw. vergehen ohne Zweifel. Wer das beste Yantra auf Dreimetall (tri-loha) oder auf Birkenrinde schreibt, (91) es umwickelt und trägt, Göttin, dem wird es Schutz nach allen Seiten sein; langes Leben, Gesundheit, Herrschaft, Erwerb von Wissen, Ruhm, Sieg, (92) was immer dem Wohlgesinnten erwünscht ist, all das erlangt er zweifellos: Schwert[-Siddhi], Unterwerfung, Aufhalten des Alterns, [ ], Sandalen[-Siddhi] [?], (93) die acht Siddhis (Animā usw.), den großen Elixier-Zauber (mahā-rasa-rasāyana), sofort die Verjüngungspille (?) und alle Siddhis, an deren Spitze sie stehen, (94)
Vers 87: Die OCR-Lesung der ersten Halbzeile ist unsicher; Fußnoten ka gha: „sāvitrīmūrdhniraṅgāni“, kha: „sāvitrī mūrtivarṇādi“. Vers 91: „trilohe“ (Dreimetall) nach OCR. Vers 92a: „veṣṭitaṃ dhārayet“ aus OCR „viṣṭataṃ dhānā“ [?]. Vers 93cd: OCR „vayaḥstambhaṃ … cikhaccanapādukām“ unlesbar; Rekonstruktion mit [?]. Vers 94: „sadyo vayoguṭikā…“ bleibt fraglich [?].
Bei dem, der den Parā-Prāsāda-Mantra kennt, sind [diese Wirkungen] ohne Zweifel zu sehen. Die sechs Werke soll man anwenden; anders geschieht es nicht, Liebe. (95) [Gelbe?] Stoffe, Kurkuma (haridrā) usw., Brennhölzer, Blätter, Früchte usw. soll der Mantra-Kundige wie zuvor opfern, in Meditation auf die Gottheit versunken. (96) […] ohne Zweifel; es vernichtet die Wirkung böser Planetengeister-Anfälle (graha-vega) und Ähnlichem, Liebe. (97)
Höher als diese gibt es keine Meditation, wahrlich, ohne Zweifel. Dies ist die aus der tamasischen Meditation geborene Frucht, Göttin, wie genannt. (98) Die Riten zur Tötung Böser soll man nach diesem Verfahren vollziehen. So, nach diesen Unterschieden der Meditation, aus dem Munde des Gurus erkannt, Liebe, (99) soll man die sechs Werke anwenden, nicht anders, von Helden Verehrte (vīravandite). (100)
Brennhölzer von Khadira, weißem Mandāra, [weißer] Sonnenpflanze [?], von Palāśa, Udumbara, Aśvattha, Mango, Apāmārga [und deren Rinde] [?], (101) mit Nandyāvarta-, weißen Aśoka- und Jayā-Blüten [?] usw. und anderen weißen glücksbringenden Stoffen, dazu Hölzer, Blätter und Früchte, (102)
Vers 95: die Konstruktion ist im OCR unklar; Text sinngemäß. Vers 96a: OCR „…tadravyaṃ“ [?]. Vers 97: die erste Halbzeile fehlt im OCR (Fußnote nennt „roga … duṣṭād vināśanakaraṃ param“; „diese Verse fehlen in anderen Handschriften“) [?]. Vers 100: die Verszählung lautet im Druck 100; die Halbzeilen 99cd und 100a–b sind im OCR verschoben. Vers 101: „samidbhiḥ“ gemeint, OCR „samidbharaiḥ“ [?]; Fußnote gha nennt Varianten. Vers 102: „jayā“ (Hibiskus/Jayā-Blume) [?].
mit gekochtem Reis, Milchreis (pāyasa) und [anderen] Stoffen, samt Sesam und Reiskörnern, mit den drei Süßen (madhura-traya: Honig, Zucker, Ghee) versehen, [soll opfern] der Mantra-Kundige, Herrin der Kula: (103) mit einem [Stoff] oder mit allen, je nach dem Gewicht der jeweiligen Angelegenheit, [soll er] tausend, dreitausend oder fünftausend [Male] opfern, Göttin, (104) oder zehntausend, hunderttausend oder eine Million, Herrin der Kula, in der für den jeweiligen Ritus angegebenen, geweihten Feuergrube (kuṇḍa), im Träger der Opfergaben (Agni); (105) in diesem hat er die Gottheit samt ihrem Gefolge (āvaraṇa) herbeigerufen und sie meditiert, Liebe, und soll vorschriftsmäßig opfern, Göttin, mit dem in sie versunkenen inneren Selbst. (106) Was aus allen Krankheiten, Wunden, Wahnsinn, Epilepsie, Unheilszeichen und Yakṣa-Einfluss [?] entsteht, [und] alles Leid wird beruhigt, im selben Augenblick, kein Zweifel. (107)
Damit erlangt man völlige Beruhigung, Erkenntnis und Wissen, Liebe. Mit den aus Kadamba, Aśoka, Bakula, Punnāga, Mango, Madhūka hervorgehenden [Blüten], (108) mit Campaka, Palāśa, Pāṭala usw. [?], mit Mālatī, Mallikā, Jātī, Bandhūka, roten Lotosblüten, (109) mit Kahlāra, rotem Mandāra, Kunda, Javā (Hibiskus) usw., mit Kokosnuss, Banane, Weintrauben und [anderen] Früchten, (110) mit Sandel, Aloe (aguru), Kampfer, Rocanā (gelbem Farbstoff), Safran usw. und mit anderen glückverheißenden Stoffen, Hölzern, Ghee und Früchten, (111)
Vers 103a: OCR „bhaktaiḥ sapāyasair dhṛtvā madhuraiḥ“ (Fußnote kha) / „bhavatta … pāyasa“ (gha) – Rekonstruktion [?]. Vers 104: Fußnote kha „sahasraṃ tu trisahasraṃ pañca vā“ (hier gefolgt). Vers 105: „ayuta“ 10 000, „niyuta“ 100 000, „prayuta“ 1 000 000. Vers 106a: „āvāhya“ aus OCR „bāhya“ [?]. Vers 107d: „yakṣajam“ [?]. Vers 108–111: Blumen- und Stofflisten; einige Namen (Vers 109a, 110a–b) im OCR entstellt [?].
Wie zuvor soll er, Göttin, vorschriftsmäßig opfern, der beste Kenner der Mantras. Durch den Homa [macht er sich] Männer [und] von ihrer Jugend berauschte Geliebte [gefügig] [?]. (112)
Löwen, Brünstige, ebenso Tiger, Vögel, böse Elefanten, [ … ] Götter und Apsarasen, [ … ] Jungfrauen [oder junge Frauen] ebenso [ … ] [?]. (113–115, im OCR weitgehend verloren)
Wer im Ūrdhvāmnāya (der „Aufwärts-Überlieferung“) wohl bewandert ist, den Parā-Prāsāda-Mantra kennt und die Wirklichkeit des Sinnes von „Kālārṇava“ (Ozean der Zeit) erkennt, ist zu Lebzeiten erlöst (jīvan-mukta), Herrin der Kula. (116) Ob er an einem heiligen Badeplatz wohnt, an einem nicht heiligen oder mitten im Wasser: wer den Parā-Prāsāda-Mantra kennt, ist erlöst, ohne Zweifel. (117)
Richtungen, Sitz, Ort, Mudrās usw., dargebrachte Opfer usw. [?], [Dhūmra-]Bhairava und die Göttin, [des Herrn des Oberen, Ūrdhvanātha], Pārvatī [?]. (118) Mit Nimba (Neem), Kāraskara (Brechnuss), Stechapfel (unmatta), Dornen und Kaṇṭakārī, Gift[pflanzen] [?], [ … ], Knochen, Dornen, Schlingpflanzen usw. – mit Stoffen, die Unheil bewirken [?] – (119)
Vers 112 und 113–115: An dieser Stelle (Seitenumbruch) ist der OCR-Text stark verstümmelt: nach „yauvanagarvitāḥ“ folgen nur Bruchstücke (Löwen, Brünstige, Tiger, Vögel, böse Elefanten, Götter, Apsarasen, junge Frauen); der Druck springt von Vers 112 zu Vers 116, sodass die Verse 113–115 im Wesentlichen fehlen. Rekonstruktion nicht möglich, Übersetzung nur als Bruchstück [?]. Die Fußnote (kha) nennt „mattagajavyāghrān …“. Vers 116: „ūrdhvāmnāya“ (aus OCR „ūmnāye“) ist die „obere“ Überlieferungsrichtung des Kula-Systems; „kālārṇava“ hier vermutlich Anspielung auf den Titel des Werks bzw. „Ozean der Zeit“. Vers 118: die Halbzeilen sind im OCR stark entstellt [?]. Vers 119: Fußnoten kha gha ṅa zeigen viele Varianten (z. B. kha „markaṭīviṣatuṇḍibhiḥ“, gha „asthikaṇṭakaviprādyair ahomair aśubhakāraṇam“); Rekonstruktion unsicher [?]. Vers 119 ist im Druck als 118 (zweites Mal) gezählt und wurde nach Zählung korrigiert.
[Ferner] mit Kuṭaja [?], schwarzer Farbe, Hölzern, Blättern und Früchten, Rauch aus dem Haus, Leichenfeuer-Kohle, den drei Scharfen (trikaṭu: Ingwer, Pfeffer, Langpfeffer), Feuer, Gift und Augensalbe [?] (120), mit Saft des Stechapfels durchtränkt, gut zerrieben und besprengt, mit Staub von den Füßen des zu Beeinflussenden (sādhya) und mit Asche vom Scheiterhaufen vermischt, (121) soll er ein Abbild des Sādhya herstellen, jeweils aus dem betreffenden [Stoff] [?], mit gehörig eingesetztem Lebensodem (prāṇa-pratiṣṭhā), und es über der Feuergrube aufhängen; (122) oder der Mantra-Kundige soll dieses Abbild vorschriftsmäßig unterhalb der Feuergrube eingraben, mit trübem Sinn, grimmigem Blick, rotäugig [?]. (123) Auf dem Feuer des Scheiterhaufens, angefacht mit dem Holz von Giftbäumen und dergleichen [?], soll er mit diesen Stoffen opfern, Göttin, vorschriftsmäßig, der beste Mantra-Kundige: (124) Er bewirkt Zwietracht, Vertreibung und Tötung, ohne Zweifel. Bei Beruhigung soll man sich, Göttin, die sattvische, weiße Farbe vergegenwärtigen; (125) beim Unterwerfen die rajasische, rote Farbe, Göttin; bei grausamen Werken die tamasische, schwarze Farbe. (126)
Wer zuerst seinen eigenen Schutz [durch Mantras] vollzogen hat, soll danach die Riten ausführen. Wer es aus Verblendung anders macht, der wird selbst Leid erfahren [?]. (127)
Verse 120–124 beschreiben einen grausamen Ritus (Abbild des Opfers, Leichenfeuer); wörtlich übersetzt. Vers 120: Lesart „kuṭaja“ nach Fußnote kha (ka/gha: „baṭukaḥ kṛṣṇavastraś ca“); die Halbzeile b ist stark entstellt (kha „trikaṭv agni viṣāñjanam“) [?]. Vers 122b: „tattadudbhavām“ sinnlich unsicher [?]. Vers 123c–d: „aruṇekṣaṇaḥ“ aus OCR „ramapaṇaḥ“ [?]; die Zählung „123“ im Druck lautet fehlerhaft 122. Vers 124a: „viṣataru-“ nach OCR. Vers 125a: „kuryād“ (OCR „kuvvādi“) [?]. Vers 127d: OCR „tāpaśṭaḥ“, gelesen „tāpabhāk“ [?].
Deshalb, Göttin, soll der Weise das große sechsfache Nyāsa (mahā-ṣoḍhā-nyāsa), die Verehrung und die Opfergabe (bali) vollziehen und erst dann die Riten ausführen, nicht anders, von Helden Verehrte. (128)
Im Inneren des Wurzellotos (mūlādhāra), in der Mitte von Erde und Feuer [?], befindet sich, Liebe, der Bīja des Parā-Prāsāda, an Glanz dem Feuer am Ende des Weltzeitalters (kalpa) gleich, (129) in umgekehrter Reihenfolge von den zehn durchdringenden Buchstaben umhüllt, dem Zeitfeuer der Auflösung gleich, allen Wesen Furcht einflößend. (130) [Der Ausübende] soll sich nach Süden wenden, mit unruhigem Blick, dunkel [oder: unrein], und mit jugendlicher Wonne verbunden den Mantra namens Parā-Prāsāda (131) ein Maṇḍala lang mit je 1008 [Wiederholungen] murmeln [gegen] alle, die Schlechtes tun, Streit und Mühsal bereiten, (132) ebenso [gegen] Grausame, die Leid bringen, die Verehrung stören, [gegen] Dämonen (bhūta), Besessenheit-Bringer (upagraha), Vetālas, Piśācas, Yakṣas und Rākṣasas, (133) [gegen] böse Wesen wie die Dūtīs (Botinnen), die allezeit der Welt Schrecken bringen: man soll sich vorstellen, dass die Feinde mitten in dieses Feuer gefallen und verbrannt sind [?], (134) wodurch sie zugrunde gehen wie Motten im Feuer. (135)
Wessen Gestalt man im Bīja vergegenwärtigt [?], der gelangt zum Tod; durch diese Meditation, Herr der Götter, kann man sogar Kāla (die Zeit, den Tod) und Ähnliches vernichten. (136)
So ist dir, Liebe, in Kürze die Ordnung der wunschgebundenen Riten genannt worden, Herrin der Kula; was möchtest du weiter hören? (137)
Hier endet im Kulārṇava-Tantra, dem Tor zu Nirvāṇa und Erlösung, dem großen Geheimnis, dem Höchsten unter allen Āgamas, in dem Werk von einer Viertelhunderttausend [Versen], im fünften Abschnitt, im Ūrdhvāmnāya-Tantra, das sechzehnte Kapitel (ullāsa) mit dem Namen „Vorschrift der wunschgebundenen Riten“ (kāmya-karma-vidhāna). (16)
Vers 129a: „bhūvahnimadhyagata“ nach OCR (Fußnote ka/kha: „…vahnimadhyagataṃ“) [?]. Vers 131: Fußnote kha/gha: „dṛṣṭir malīmasaḥ“; der Ausübende ist offenbar Subjekt, das Grammatikalische unklar [?]. Vers 132–135: die Halbzeilenzählung im Druck unregelmäßig (Vers 133 im OCR mit „134“ beziffert; 134 ohne Zahl; 135 nur eine Halbzeile), nach Zählung geordnet. Vers 134d: Rekonstruktion aus verstümmeltem OCR [?]. Vers 136a: „mūrtiṃ“ (OCR „sūriṃ“) [?]. Kolophon: „sapādalakṣa“ = 125 000 (‚mit einem Viertel‘ eines Lakh); der Kolophon nennt hier „pañcama-khaṇḍa … ūrdhvāmnāyatantre“ wie in Ullāsa 15, im OCR entstellt („jñānakhalāyatantre“).