Paṭala 13: śrīkulārṇave ūrdhvāmnāyatantre guruśiṣyalakṣaṇaṃ nāma trayodaśa ullāsaḥ
13. Kapitel: Kennzeichen von Guru und Schüler
Quelle: Kulārṇava-Tantra, hg. Tārānātha Vidyāratna (Arthur Avalon), Tantrik Texts Vol. 5, Luzac & Co., London 1917 (archive.org, OCR-Text). Inhalt: Pārvatī fragt nach den Kennzeichen von Guru und Schüler. Śiva zählt zunächst lange die Fehler auf, derentwegen ein Schüler abzulehnen ist (Verse 3–22), dann die Vorzüge eines geeigneten Schülers (23–37). Es folgen die Vorzüge des Guru (38–50), seine Gleichsetzung mit Śiva, Mantra und Gottheit (51–66) und eine lange Reihe von Wissensgebieten (Yoga, Tattvas, adhvan, mudrā, Malas, Fesseln), deren Kenner als Guru gilt (67–96). Danach wird der seltene, augenblicklich erlösende Guru gepriesen (97–116), der wissende Guru vom bloß gelehrten unterschieden (117–126) und die Frage nach mehreren Gurus behandelt (127–132). Die OCR-Qualität ist mäßig bis schlecht; unsichere Stellen sind mit [?] markiert. Die gedruckten Versziffern sind stellenweise verstümmelt und wurden nach Zählung korrigiert (133 Verse). Auffällig: Die Kolophonziffer im Druck lautet 12 statt 13.
Die Göttin sprach: Herr der Kula (kula = die „Familie“, in der Kaula-Tradition die Śakti-Gemeinschaft), du Ozean des Nektars der Barmherzigkeit! Ich möchte hören; du vermagst, o Herr der Götter, das Kennzeichen von Guru und Schüler zu sagen. (1)
Īśvara (Śiva) sprach: Höre, Göttin, ich will dir sagen, wonach du mich fragst; allein durch das Hören davon entsteht das Guru-Sein (gurubhāva). (2)
Einen aus schlechter Familie Stammenden, einen Bösen, einen der Tugenden Ermangelnden, einen Missgestalteten, einen Schüler eines anderen, einen Ketzer (pāṣaṇḍa), einen Eunuchen (ṣaṇḍa), einen, der sich für gelehrt hält; (3) einen mit Gliedern, die zu wenig oder zu viel oder verunstaltet sind, einen mit fehlenden Körperteilen, einen Lahmen, Blinden und Tauben, einen Schmutzigen, einen von Krankheit Geplagten; (4) einen Grimmigen und Schlechtredenden, ferner einen, der nach Belieben Dirnen [?] hält, Geliebte; einen mit üblen Verzerrungen der Glieder, des Benehmens, des Gangs, der Rede und des Blicks; (5) einen, der von Schlaf, Schläfrigkeit, Stumpfheit, Trägheit, Würfelspiel und ähnlichen Lastern beherrscht ist, der sich stets hinter Türflügeln, Mauern, Pfeilern und dergleichen verbirgt, der nur innerliche Hingabe übt [?], von äußerer Hingabe jedoch frei ist [?]. (6)
[Von all diesen soll der Guru keinen als Schüler annehmen; vgl. Vers 22.]
Verse 1–6: Der OCR-Text ist hier lesbar, aber vielfach entstellt; Wortwahl aus Sprachkenntnis rekonstruiert. In Vers 2 liest der Haupttext „gurubhāvaḥ“; die Handschrift ga hat laut Fußnote „gurubhaktiḥ“. Vers 3: „ṣaṇḍa“ = Eunuch, Impotenter; „paraśiṣya“ = Schüler eines anderen Gurus (wörtlich). Vers 5: Der Ausdruck „svecchāveśyādharaṃ“ ist unsicher [?] (vielleicht „svairiṇīveśyādharam“, „Umgang mit Unzüchtigen und Dirnen pflegend“). Vers 6: Den Schluss (innere Hingabe bei fehlender äußerer) habe ich nach der OCR-Form „antarbhaktikaraṃ tadvad bāhyabhaktivivarjitam“ übernommen [?]; der Sinn („nur im Verborgenen ergeben“) ist unsicher. Der Text ist die Fehlerliste (Ausschlusskriterien) für Schüler; Vers 22 zieht die Summe. Die Handschrift ṅa hat laut Fußnote die Verse 3–6 ohne Zählung/Ziffern.
Einen, der Unwahres redet, einen Starrsinnigen, einen [vom Guru?] Entfernten [?], einen Zuträger, einen Schurken; einen, dem Besitz und Frauen [?] fehlen; einen, der Verbote und Vorschriften nicht beachtet; (7) einen, der Geheimnisse verrät, o Göttin, und Vorhaben zunichtemacht; einen, der (heuchlerisch) wie eine Katze lebt und darauf aus ist, Schwachstellen [anderer] aufzuspüren; (8) einen Betrüger, einen Undankbaren, einen, der [Bösem] verdeckt Vorschub leistet [?]; einen, der Vertrauen bricht, den Herrn verrät und Böses tut; (9) einen, der Misstrauen stiftet, einen zweifelnden Wesens, der [nur] nach Siddhis (übernatürlichen Kräften) strebt; einen Gewalttäter (ātatāyin), einen Habgierigen, einen Zornigen, einen falschen Zeugen; (10) einen, der alle täuscht, o Göttin, und sich für den Besten hält; einen, der sich dem Unwahren und Harten hingibt und viel scherzt und schwatzt [?]; (11) einen, der schlechte Überlegungen und Spitzfindigkeiten hervorbringt, der Streit liebt, ohne Grund tadelt, starr und unstet ist und nur mit Worten (andere) verspottet; (12) einen, der hinter dem Rücken tadelt und einem ins Gesicht Schmeichelworte sagt, einen, der nur mit Worten „Brahman“ lehrt, einen Wissensdieb, einen Selbstlober; (13) einen, der fremde Vorzüge nicht erträgt, einen Feind [des Guten?], einen Bekümmerten, Zornigen [?], einen Materialisten (cārvāka) [?]; einen Schwätzer, einen Freund von Bösen, einen von aller Welt Getadelten. (14)
Vers 7: „proṣitam“ (verreist, fort) ist wörtlich übernommen; die Fußnote der Handschrift ṅa bietet „preṣakaṃ prerakaṃ śaṭham“ (Sendender, Antreibender, Schurke). „dhanastrīdiṣu rahitam“ ist stark entstellt [?]. Vers 8: „mārjāravṛtti“ (Katzenverhalten) aus entstelltem OCR-Wort rekonstruiert [?]; Handschrift kha liest „kāryavighātakam“ (statt kāryavināśakam). Vers 11d: „hāsyādibahubhāṣiṇam“ aus entstellter OCR-Form rekonstruiert [?]. Vers 12a: „kalahapriyam“ statt OCR „kāladapriyam“ [?]. Vers 14a: OCR unlesbar; die Rekonstruktion „guṇāsahiṣṇum ahitam ārtaṃ krodhanam … cārvākam“ ist unsicher [?] (die Fußnoten kha und ṅa nennen „cārvākam“). Laut Fußnote fehlen in Handschrift ṅa diese Verse (die Handschrift lässt von hier bis zur Aufzählung der Schülerfehler nach ‚jāti-…‘ Stellen aus).
Einen Angeber, einen, der andere quält, einen, der an „saṃvid“ (Rauschtrank) hängt [?], Liebe; einen, der wegen Geringfügigem streitet [?], seinen Herrn verrät und sich selbst betrügt; (15) einen, der Zunge und Genitalien ergeben ist, o Göttin, einen Dieb [?]; einen, der ohne Anlass Hass, Gelächter, Habgier, Zorn und dergleichen zeigt; (16) einen, der äußerst tollkühn handelt, der über die Werke [anderer] spottet, einen Wüstling und ganz Schamlosen, einen, der Falsches und Übles anzeigt [?]; (17) einen, der von Missgunst, Rausch, Neid, Heuchelei und Ichbezogenheit erfüllt ist; einen mit rohem Sinn, Zuträgerei, Geiz und Zorn; (18) einen Unbeständigen, Leidenden, Furchtsamen, Kraftlosen, Starren, Kranken; einen mit unentwickeltem Verstand, einen Trägen, Bösen, von Sorgen Verwirrten, einen Lüstling (viṭa); (19) einen, der von Gier und Habsucht erfüllt ist, einen Kläglichen, nie Zufriedenen, der von jedem bettelt; einen Vielfraß, Heuchler, Irrenden, Krummen, Liebe; (20) einen, dem Hingabe, Vertrauen, Mitleid, Ruhe, Rechtschaffenheit und rechter Wandel fehlen; einen, der Mutter, Vater, Guru, Weise und Versammlung verlacht; (21) einen, dem die Kula-Substanzen usw. zuwider sind, der auf den Dienst am Guru eingebildet ist [?]; einen, den Frauen, die Samaya-Gemeinschaft [?] und der Guru verabscheuen, Herrin der Kula. Wer mit solchen schlechten Eigenschaften behaftet ist – einen solchen Schüler soll der Guru meiden. (22)
Vers 15b und 16b: „svalpārthavādinam“ bzw. der Schluss von 16a („taskaraṃ paścimāṭitam / pañcaghaṭitam“) sind stark entstellt [?]. „saṃvid“ ist im Kaula-Kontext ein berauschendes Getränk oder Kraut; „saṃvitpraṇayam“ daher unsicher [?]. Vers 17: Fußnote kha „atisāhasakarmāṇam“, kha/ka „karmānta-“. Vers 18a: das Ziffern- bzw. Zeichenpräfix ist OCR-Störung; „pāruṣya“ (Roheit) rekonstruiert. Vers 19d: „viṭa“ (Lüstling, Parasit). Vers 22b–c: „samayadviṣṭam“ nach OCR-Rest rekonstruiert [?]. Vers 22 enthält drei Zeilen (sechs Pādas). Die Handschrift ṅa hat den Vers ohne Nummer.
Einen guten Schüler aber, Herrin der Kula, [nimmt man an], der mit glückverheißenden Merkmalen ausgestattet ist, mit Hilfsmitteln zur Versenkung (samādhi) ausgerüstet, mit Tugend und gutem Charakter begabt; (23) einen Weisen mit reinem Körper und reiner Kleidung, einen, der [das Gelehrte] behält, reinen Herzens, fest im Gelübde, von gutem Wandel, mit Vertrauen und Hingabe erfüllt; (24) einen Tüchtigen, der maßvoll isst, festen Sinnes, der dem Guru stets dient [?]; einen, der Vertrauen erweckt [?], einen Helden, frei von Armut des Gemüts; (25) einen, der bei allen Aufgaben überaus geschickt ist, lauter, allen hilfreich, dankbar, sündenscheu, von guten und rechtschaffenen Menschen geschätzt; (26) einen Gläubigen (āstika), der zum Geben neigt und am Wohl aller Wesen Freude hat, der Vertrauen und Bescheidenheit besitzt und in Sachen Besitz, Gattin usw. nicht betrügt; (27) einen, der Unerreichbares erreicht, einen Tapferen, mit Eifer und Kraft begabt; einen, der ruhig und ohne Aufregung handelt, unachtsam nie, scharfsinnig; (28) einen, der Heilsames, Zuträgliches, Maßvolles und mit Lächeln Gesprochenes redet, den Schmuck seiner Freunde; einen, der die Bedeutung alles Gesehenen erfasst hat [?], geschickt, von weitem Verstand; (29) einen, der vom Selbstlob und vom Tadel anderer abgewandt ist, freundlichen Gesichts, Liebe; einen, der die Sinne bezwungen hat, sehr zufrieden ist, verständig, einen Brahmacārin (in Enthaltsamkeit Lebenden). (30)
Vers 24a: Lesart „svacchadehāmbaraṃ“ nach der OCR-Form; kha hat eine andere Lesung. Vers 25: Der Vers ist stark entstellt; „dakṣaṃ mitaprāśinaṃ … nityaṃ gurusevakam“ und „viśvāsyakāriṇam“ sind Rekonstruktionen aus Fragmenten [?]. Vers 27d: „dhanadārādyavañcakam“ (in Vermögens- und Familiendingen nicht betrügend) nach dem Sinn; die OCR-Form ist entstellt. Vers 29: „suhṛdbhūṣaṇam“ nach dem Sinn statt OCR „suhṛddūṣaṇam“; die zweite Zeile ist stark entstellt [?]. Vers 30d: „dhīmantam“ statt OCR „pīmantam“.
[Einen Schüler, den] Leid, Sorge, Krankheit, Unbeständigkeit, Kummer und Verwirrung [nicht plagen? – Text unsicher]; der Guru-Meditation, Lobpreis, [heiligen] Erzählungen, Götterverehrung und Ehrerbietung eifrig zugetan ist; (31) einen, der die Einheit von Guru und Gottheit kennt [?], der sich der Verehrung der Frau [als Śakti] widmet; der stets in der Nähe des Guru weilt und den Guru zufriedenstellt; (32) einen, der mit Geist, Rede und Körper allzeit dem Dienst ergeben ist, der den Befehl des Guru befolgt, o Göttin, und den Ruhm des Guru verbreitet; (33) einen, der das Wort des Guru als Maßstab kennt, im Dienst am Guru Freude hat, sich nach dessen Sinn richtet und Aufträge ausführt, Herrin der Kula; (34) einen, der in Gegenwart des Guru frei ist von Stolz auf Herkunft, Ehre und Reichtum, der am Besitz des Guru nichts begehrt und nur dessen Gnade zu erlangen wünscht; (35) einen, der sich in Erzählungen über den Kula-Dharma übt [?] und den Kaulikas lieb ist, der der Kula-Verehrung usw. zugetan ist [und die Kula-Substanzen ... ?]; (36) einen, der Japa (Mantra-Rezitation), Meditation usw. betreibt und den Weg zur Erlösung erstrebt, der die Kula-Schriften liebt und sich von den Schriften der Paśus (der noch Gebundenen) abwendet, Göttin. Wer diese und ähnliche Merkmale hat – einen solchen Schüler soll der Guru annehmen. (37)
Vers 31a: Die erste Zeile ist unsicher überliefert; ich habe „vyathādhivyādhicāpalya…“ aus dem OCR-Rest gebildet; die Fußnote nennt „duḥśaṅkātaṅkasaṃśayam“ (Handschrift kha oder ṅa) [?]. Vers 32a: „gurudevataikyajñam“ (der die Einheit von Guru und Gottheit kennt) ist Rekonstruktion aus der OCR-Form „gurudevatasañjñam“ [?]; der Gedanke kehrt in Vers 64–65 wieder. Vers 33 trägt im Druck die Ziffer 22, Vers 34 die Ziffer 24, Vers 35 die Ziffer 25 und Vers 37 die Ziffer 27; nach der Zählung sind es 33, 34, 35, 37 (OCR-/Druckfehler, stillschweigend korrigiert). Vers 36: stark entstellt; „kuladharmakathābhyāsam“ und „kuladravyānu[?]kam“ sind unsichere Rekonstruktionen [?]. Vers 37a: „mokṣamārga-“ statt OCR „soktamāgga-“; Fußnote ṅa liest „saukhyamārga-“ (Weg zum Glück).
Der Śrī-Guru, höchste Herrin, ist von reiner Gestalt (bzw. Farbe) und herzgewinnend, mit allen [guten] Merkmalen ausgestattet, an allen Gliedern schön; (38) er kennt den Sinn und das Wesen aller Āgamas (Tantra-Überlieferungen) und die Verfahren aller Mantras; er hat eine Erscheinung, die die Menschen erfreut, ist wie ein Gott lieb anzuschauen; (39) freundlichen Gesichts, leicht zugänglich, lauter, Vernichter von Irrtum und Zweifel, kundig der Zeichen und Gebärden [anderer], weise, in Erörterung des Für und Wider (ūhāpoha) glänzend; (40) im Innern das Ziel im Blick, nach außen aufmerksam, allwissend, kundig von Ort und Zeit, dessen Wort sich erfüllt, der die drei Zeiten kennt, fähig zu strafen und zu gnädiger Zuwendung; (41) ein Vedhaka (Einweihender, „Durchbohrer“ der Fesseln), ein Belehrender, friedvoll, allen Lebewesen mitfühlend, der die Sinnestätigkeit beherrscht und sich freut, die sechs inneren Feinde (Begierde, Zorn, Habgier, Verblendung, Stolz, Neid) zu besiegen; (42) an der Spitze stehend, sehr tief, kundig der feinen Unterschiede von richtigem und falschem Vortrag [?], Śiva und Viṣṇu gleich, ein Guter, der die Lehren anderer nicht schmäht [?]; (43) ohne Ich-Bezug (nirmama), stets zufrieden, im Tantra mit der Kraft der Mantras begabt, allen zugetan, standhaft, mitleidig, mit Lächeln als Vorrede zu jeder Rede. (44)
Vers 38a: „śuddhavarṇaḥ“ nach der OCR-Form; „varṇa“ kann Farbe/Aussehen oder Kaste bedeuten. Vers 40a–b: nach den Fußnoten leicht variierend (kha: „svacchaḥ saṃśayacchid asaṃśayaḥ“). Vers 42a: „vedhako“ (Fußnote ka/ga/gha: „vedako bodhakaḥ“; im Haupttext OCR „vadhako“) – gemeint ist der Guru, der die Fesseln „durchsticht“ (vedha-dīkṣā), vgl. Vers 72–74. 42d: nach kha „ṣaḍvargavijayaḥ priyaḥ“, nach ṅa „vijayapradaḥ“. Vers 43: gedruckte Ziffer 42 statt 43 (Zählung korrigiert). 43d: Rekonstruktion unsicher [?]; Fußnote gibt „vāgdūṣakaḥ“ (der Rede schmähend) als Variante. Vers 44: „nirmamo“ nach Fußnote kha/ṅa; „smitapūrvavāk“ statt OCR „smitapūraṇavāk“; kha/ṅa bieten „svatantro 'nantaśaktimān“ (unabhängig, von unendlicher Kraft) für Zeile b.
Er liebt die Gläubigen (bhakta), ist stets großzügig, tief [im Wesen], fördert die Rechtschaffenen; er ist bemüht, die besten Götter, die Gurus, die Älteren und die Frauen zu ehren; (45) er widmet sich den täglichen und den anlassbedingten Pflichten und dem im Gebot Bestimmten, ist frei von Leidenschaft und Abneigung, Furcht, Leid, Heuchelei und Ichbezogenheit; (46) er übt das Wissen und dessen Vollzug, verehrt Dharma und die übrigen [Lebensziele], ist mit dem zufrieden, was sich von selbst einstellt, und unterscheidet Vorzüge und Fehler; (47) er hängt nicht an Frauen, Reichtum usw. und nicht an schlechtem Umgang, Lastern usw.; er ist von wahrer Gesinnung erfüllt, frei von den Gegensatzpaaren (Lust und Leid usw.) und fest im Gelübde; (48) er ist nicht gierig, ungebunden, unparteiisch, klug; [er verkauft] Wahrheit [?] nicht um Besitz, Gelehrsamkeit usw. [?]; (49) ohne Anhaftung, ohne Zweifelsschwanken, mit gefestigter Einsicht, sehr rechtschaffen, gleichmütig gegenüber Tadel und Lob, schweigsam, unabhängig, gesund (frei von Leid). Wer solche und ähnliche Merkmale hat, der ist, Liebe, ein Śrī-Guru genannt. (50)
Vers 45c–d: „śreṣṭha-deva-guru-jyeṣṭha-vanitā-pūjana-utsukaḥ“ aus der OCR-Form rekonstruiert; Fußnote ṅa bietet „jyeṣṭho devagurujyeṣṭha…“. Vers 46: Ziffer 46 korrekt gedruckt; „karmaṇi nirdiṣṭe“ nach Fußnote kha („karmaṇi“) statt OCR „kartavya“. Vers 47: Fußnote kha/ṅa variieren (kha: „svavidyānuṣṭhānatapodharmāṃś ca prakāśakaḥ“; ṅa: „dharmajñānārthadarśakaḥ“). Vers 49: Zeile a nach kha/ṅa („alolupo 'hiṃsraś ca“ / „hy asaṅgaś ca“); Zeile b („vittavidyādibhir … tattvādivikrayī“) ist sehr stark entstellt; der Sinn (der Guru handelt nicht mit Erkenntnis um Besitz/Gelehrsamkeit) ist geraten [?]. Vers 50 hat drei Zeilen (sechs Pādas).
yaḥ śivaḥ sarvagaḥ sūkṣmaḥ śūnyonmanā [?] niṣkalo 'vyayaḥ | vyomākāro hy ajo 'nantaḥ sa kathaṃ pūjyate priye ||51||
ata eva śivaḥ sākṣād gururūpaṃ samāśritaḥ | bhaktyā sampūjito devi bhuktiṃ muktiṃ prayacchati ||52||
śivo 'haṃ nākṛtir devi naradṛggocaro na hi | tasmāt śrīgururūpeṇa śiṣyān rakṣati dhārmikān ||53||
manuṣyacarmaṇā baddhaḥ sākṣāt paraśivaḥ svayam | sacchiṣyānugrahārthāya gūḍhaṃ carati bhūtale ||54||
saṅgatā-rakṣaṇāyaiva [?] nirākāro 'pi sākṛtiḥ | śivaḥ kṛpānidhir loke saṃsārīva hi ceṣṭate ||55||
lalāṭalocanaṃ cāndrīṃ kalām api ca dordvayam | antardhāya ca varteta gururūpo mahītale ||56||
atrinetraḥ śivaḥ sākṣād acaturbāhur acyutaḥ | acaturvadano brahmā śrīguruḥ kathitaḥ priye ||57||
naravad dṛśyate loke śrīguruḥ pāpakarmaṇām | śivavad dṛśyate loke bhavāni puṇyakarmaṇām ||58||
Śiva, der alldurchdringend, fein, leer [und jenseits des Denkens (unmanā)] [?], ungeteilt (niṣkala) und unvergänglich ist, der die Gestalt des Himmelsraums hat, ungeboren, unendlich – wie könnte der verehrt werden, Liebe? (51) Darum hat Śiva selbst die Gestalt eines Guru angenommen; wenn er in Hingabe wohl verehrt wird, Göttin, gewährt er Genuss und Erlösung. (52)
„Ich bin Śiva; ich habe keine [greifbare] Gestalt, Göttin, und bin nicht im Bereich des menschlichen Auges“ – darum schützt er in Gestalt des Śrī-Guru die rechtschaffenen Schüler. (53) In Menschenhaut gebunden [gehüllt] wandelt der unmittelbare höchste Śiva selbst verborgen auf der Erde, um den guten Schülern Gnade zu erweisen. (54) Obwohl gestaltlos, hat der gnadenreiche Śiva zum Schutz der [Verbundenen?] [?] Gestalt angenommen und tut in der Welt, als wäre er ein Wesen im Saṃsāra. (55)
Das Auge auf der Stirn, den Mondstrahl (die Mondsichel) und die beiden Arme verbirgt er, [so] weilt er als Guru auf der Erde. (56) Śiva ist ohne drittes Auge, Viṣṇu (Acyuta) ohne vier Arme, Brahmā ohne vier Gesichter – [so] wird der Śrī-Guru genannt, Liebe. (57) Für die Sünder erscheint der Śrī-Guru in der Welt wie ein [gewöhnlicher] Mensch, für die von guten Taten erscheint er, Bhavānī, in der Welt wie Śiva. (58)
Vers 51: „śūnyonmanā“ ist unsicher [?]; „unmanā“ bezeichnet die Stufe jenseits des Denkens, dazu passt „niṣkala“. Vers 53: Zeile a nach den Fußnoten kha/ṅa („śivo 'ham ākṛtiḥ“ / „śivā divyākṛtir devi naradṛggocarā na hi“), Haupttext OCR-Rest „śivo 'haṃ nākṛtir devi naradṛggocaro na hi“ [?]. Vers 55a: „saṅgatā-rakṣaṇāya“ ist Rekonstruktion aus verstümmelter OCR-Form [?]; ṅa liest anscheinend „nirahaṅkāra …“. 55d: „ceṣṭate“ (ṅa: „ceṣṭitaḥ“). Vers 56: Mit „cāndrī kalā“ ist die Mondsichel im Haar Śivas gemeint; „antardhāya“ nach kha statt „antaḥ“. Vers 58: „pāpakarmaṇām“ / „puṇyakarmaṇām“ nach Fußnote kha, ka, ga, gha (Haupttext OCR-entstellt).
śrīguruṃ paramaṃ tattvaṃ tiṣṭhantaṃ cāntar agrataḥ [?] | mandabhāgyā na paśyanti jātyandhāḥ sūryam ivoditam ||59||
guruḥ sadāśivaḥ sākṣāt satyam eva na saṃśayaḥ | śiva eva gurur no ced bhuktiṃ muktiṃ dadāti kaḥ ||60||
sadāśivasya devasya śrīguror api pārvati | ubhayor antaraṃ nāsti yaḥ karoti sa pātakī ||61||
deśikākṛtim āsādya paśoḥ pāśān aśeṣataḥ | chittvā paraṃ padaṃ devi nayaty enam ato guruḥ ||62||
sarvānugrahakartṛtvād īśvaraḥ karuṇānidhiḥ | ācāryarūpam āsthāya dīkṣayā mocayet paśūn [?] ||63||
yathā ghaṭaś ca kalaśaḥ kumbhaś caikārthavācakaḥ | tathā devaś ca mantraś ca guruś caikārtha ucyate ||64||
yathā devas tathā mantro yathā mantras tathā guruḥ | devamantragurūṇāṃ ca pūjayā sadṛśaṃ phalam ||65||
śivarūpaṃ samāsādya pūjāṃ śraddhā[?] pārvati | gururūpaṃ samādāya bhavapāśān nikṛntayet ||66||
Den Śrī-Guru, das höchste Prinzip (tattva), der [vor ihnen] steht [?] – die Unglücklichen sehen ihn nicht, wie von Geburt an Blinde die aufgegangene Sonne nicht sehen. (59) Der Guru ist unmittelbar Sadāśiva – das ist wahr, daran ist kein Zweifel. Wäre der Guru nicht Śiva selbst, wer sonst gäbe Genuss und Erlösung? (60) Zwischen dem Gott Sadāśiva und dem Śrī-Guru gibt es, Pārvatī, keinen Unterschied; wer einen macht, ist ein Frevler (pātakin). (61) Indem er die Gestalt eines Lehrers (deśika) annimmt, zerschneidet er dem gebundenen Wesen (paśu) alle Fesseln (pāśa) und führt es zum höchsten Zustand, Göttin; darum ist er der Guru. (62) Weil er allen Gnade erweist, ist der Herr (Īśvara) ein Schatz des Mitleids; in Gestalt eines Ācārya (Lehrers) befreit er durch die Einweihung (dīkṣā) die Gebundenen [?]. (63)
Wie Ghaṭa, Kalaśa und Kumbha (drei Wörter für „Krug“) dasselbe bedeuten, so werden Gottheit, Mantra und Guru als „ein und dasselbe“ bezeichnet. (64) Wie die Gottheit, so das Mantra; wie das Mantra, so der Guru; die Verehrung von Gottheit, Mantra und Guru bringt gleiche Frucht. (65) Wer Śivas Gestalt [im Guru] erlangt hat, empfängt die Verehrung [...] [?], Pārvatī; wer die Gestalt des Guru angenommen hat, durchtrennt die Fesseln des Daseins. (66)
Vers 59a: „tiṣṭhantaṃ cāntar agrataḥ“ ist unsicher (OCR verstümmelt) [?]; „jātyandhāḥ“ statt OCR „jayandhāḥ“. Vers 60: „no ced“ (wörtlich: wenn nicht) nach der OCR-Form „nā ced“. Vers 62: Haupttext der Fußnote kha lautet sinngemäß „nayaty enam iti śrutiḥ“; ṅa „nayanty evam ato guruḥ“ – ich folge dem Haupttext (Etymologie: der Guru „führt“). Vers 63d: „paśūn“ ist aus einer abgeschnittenen OCR-Form („-un“) ergänzt [?]. Vers 66a–b: Zeile a unsicher [?]; „nikṛntayet“ nach ṅa. Vers 63 trägt im Druck die Ziffer 62 (Doppelung; nach Zählung 63 korrigiert).
siddhāntasāravettāhaṃ brahmaivāham [?] iti bodhakṛt | avicchinnaḥ sadā hṛṣṭaś [?]hṛdayo gurur ucyate ||67||
yo vilaṅghyāśramān varṇān tattva eva sthitaḥ sadā | jyotirvarṇāśramī [?] yogī sa guruḥ kathitaḥ priye ||68||
navādhāraṃ ṣaḍadhvānaṃ ṣoḍaśādhāranilayam | yo jānāti vidhānena sa guruḥ kathitaḥ priye ||69||
śūnyaṃ vinā sthirā dṛṣṭir manasālambanaṃ vinā | vināyāsaṃ sthiro vāyur yasya syāt sa guruḥ priye ||70||
yat tu saṃvittijananaṃ parānandasamudbhavam | tattvaṃ viditaṃ yena sa guruḥ kulanāyike ||71||
bhūtabhavyau mantratantrau vetti yaḥ śāktaśāmbhavam | vedhaṃ ca ṣaḍvidhaṃ devi sa hi vedhakaro guruḥ ||72||
padavarṇakalāmantratattvabhuvanāhvayam | śodhayed yaḥ ṣaḍadhvānaṃ sa guruḥ kathitaḥ priye ||73||
Wer den Kern der Siddhānta-Lehren kennt und die Erkenntnis „Ich bin Brahman“ [?] vermittelt, ungebrochen, allzeit froh [?] und [im Herzen klar], der wird Guru genannt. (67) Wer, über die Ständeordnung (varṇa) und Lebensabschnitte (āśrama) hinaus, stets nur im Wesen (tattva) verweilt, der Yogin des „Lichts [jenseits von] Stand und Lebensabschnitt“ [?], der heißt Guru, Liebe. (68) Wer die neun Stützen (ādhāra), die sechs Pfade (adhvan) und die sechzehn Stützen (ādhāra) samt ihrem Sitz nach der Vorschrift kennt, der heißt Guru. (69) Wer ohne „Leere“ (śūnya) feste Sicht hat, ohne Stütze für den Geist, und dessen Atem (vāyu) ohne Anstrengung ruhig ist – der ist Guru, Liebe. (70) Wer jenes Prinzip (tattva) kennt, das Erkenntnis (saṃvitti) erzeugt und der höchsten Wonne entspringt – der ist Guru, Herrin der Kula. (71)
Wer Vergangenes und Zukünftiges, Mantra und Tantra, das Śākta- und das Śāmbhava-[Wissen] und das sechsfache Vedha („Durchbohren“) kennt, der ist, Göttin, der Vedhaka-Guru. (72) Wer den sechsfachen Pfad (ṣaḍadhvan), der Pada, Varṇa, Kalā, Mantra, Tattva und Bhuvana heißt, [rituell] zu läutern vermag, der wird Guru genannt, Liebe. (73)
Vers 67: Wichtige Silbe „brahmaivāham“ unsicher [?] (OCR „…jo 'hamiti“, vielleicht „bījo 'ham“ = „Ich bin der Same/Keim“); Rest der Zeile stark entstellt. Vers 68: OCR-Ende „jyotiṣ-varṇāśramo yogī“; Lesart unsicher [?]. Vers 69: „navādhāra“ = nine ādhāra (Körperzentren), „ṣaḍadhvan“ = sechs Pfade (padādhvan, mantrādhvan, varṇādhvan, kalādhvan, tattvādhvan, bhuvanādhvan), „ṣoḍaśādhāra“ = sechzehn Stützpunkte des Yoga (nach der Tantra-Lehre). Vers 70: „śūnyam“ gedeutet als „Leere/Ausrichtung auf das Nichts“ [?]. Vers 72: die OCR-Zeilen a–b sind entstellt; Rekonstruktion aus Fußnoten (ṅa liest „bhūto bhāvo bhadraraudrau prāktaṃ śāmbhavam eva yaḥ“; „mantratantrau śaktiśāmbhavavittamaḥ“). Vers 73: „padavarṇakalāmantratattvabhuvanāhvayam“ aus Fußnoten ga/kha/ṅa rekonstruiert; Vers 73 trägt im Druck die Ziffer 72 statt 73 (korrigiert).
vedhaṃ padaṃ virodhaṃ ca grahaṇaṃ mokṣaṇaṃ tathā | yo vā samyag vijānāti sa guruḥ kathitaḥ priye ||74||
jāgrat svapnaḥ suṣuptiś ca turīyaṃ tadatītakam | yo vetti pañcakaṃ devi sa guruḥ kathitaḥ priye ||75||
piṇḍaṃ padaṃ tathā rūpaṃ rūpātītaṃ catuṣṭayam | yo vā samyag vijānāti sa guruḥ kathitaḥ priye ||76||
yo vā parāṃ ca paśyantīṃ madhyamāṃ vaikharīm api | catuṣṭayaṃ vijānāti sa guruḥ kathitaḥ priye ||77||
ātmavidyāśivatattvam [?] iti tattvacatuṣṭayam | yo vetti parameśāni sa gurur nāparaḥ priye ||78||
[śabda?]vedhadīkṣāṃ paśugrahaṇam eva ca | vividhaṃ yo vijānāti sa guruḥ paramo mataḥ ||79||
padaṃ pāśaṃ paśūṃś ca rahasyārthaṃ vidhānataḥ | yo jānāti varārohe sa guruḥ kathitaḥ priye ||80||
Wer das Durchbohren (vedha), das Wort/den Schritt (pada), das Widerstreitende (virodha), das Ergreifen und das Lösen kennt – der heißt Guru, Liebe. (74) Wachen, Traum, Tiefschlaf, das Vierte (turīya) und das darüber Hinausliegende – wer diese fünf Zustände kennt, Göttin, der heißt Guru. (75) Piṇḍa (Körper), Pada, Rūpa (Form) und Rūpātīta (das Formlose): wer diese Vierheit recht kennt, der heißt Guru. (76) Wer die vier [Stufen der Sprache] – Parā, Paśyantī, Madhyamā und auch Vaikharī – kennt, der heißt Guru. (77) Ātma-, Vidyā-, Śiva-[tattva] [?]: wer diese Vierheit der Prinzipien kennt, höchste Herrin, der ist Guru und kein anderer, Liebe. (78) Wer das Durchbohren [und] die Einweihung, das Ergreifen der Paśus [Gebundenen] – die verschiedenen [Arten] – kennt, der gilt als höchster Guru. (79)
Wer Pada, Pāśa (Fessel) und Paśu und den geheimen Sinn nach der Vorschrift kennt, du Schönhüftige, der heißt Guru, Liebe. (80)
Vers 74: Die Begriffe sind nach OCR-Form gegeben; „padam“ und „virodham“ sind mit Vorsicht gelesen [?]. Vers 76: Die vier Arten der Meditation/Verehrung (piṇḍastha, padastha, rūpastha, rūpātīta). Vers 78: nur drei Prinzipien sind lesbar; die Vierheit ist unvollständig [?]. Vers 79: Die Anfangssilben sind OCR-Reste („śabda-“ ist Vermutung) [?]; „vedhadīkṣā“ (Einweihung durch „Durchbohren“) und „paśugrahaṇa“ (Ergreifen des Paśu) nach den Fußnoten. Nach 79 steht im OCR-Text eine Wiederholung der Zeile „sa guruḥ paramo mataḥ“ sowie eine Fußnoten-Sammlung der Handschrift ṅa mit anderen Fassungen der Verse 72/79 (z. B. „bhūto bhāvo bhadraraudrau …“, „pañca ṣaḍvidhaṃ devi sa hi vetti paro guruḥ“); diese wurden als Varianten, nicht als eigene Verse gezählt. Die Fußnote vermerkt außerdem, dass in Handschrift ṅa ab hier drei Verse fehlen.
cakraṃ saṅketakaṃ mantraṃ pūjāsaṅketakaṃ tathā | tritayaṃ yo vijānāti sa guruḥ kathitaḥ priye ||81||
varṇetarasamagrāṇi [?] liṅgatritayasaṃsthitim | tattvato yo vijānāti sa guruḥ kathitaḥ priye ||82||
āṇavaṃ kārmaṇaṃ caiva māyīyaṃ ca malatrayam | yo viśodhayituṃ śaktaḥ sa guruḥ paramo mataḥ ||83||
āraktaśvetakṛṣṇākhyakhacaratrayavāsanām [?] | yo jānāti mahādevi sa guruḥ paramo mataḥ ||84||
mahāmudrāṃ nabhomudrām uḍḍīyānaṃ jālandharam | mūlabandhaṃ ca yo vetti sa guruḥ paramo mataḥ ||85||
śivādikṣitiparyantaṃ ṣaṭtriṃśattattvanirṇayam | yo vijānāti tattvena sa guruḥ paramo mataḥ ||86||
antaryāgaṃ bahiryāgaṃ kalājñānasthitiṃ priye | cāruyantravidhānaṃ ca yo vetti sa guruḥ priye ||87||
Wer das Cakra-Zeichen (saṅketa), das Mantra und ebenso das Zeichen der Verehrung – diese Dreiheit – kennt, der heißt Guru, Liebe. (81) Wer die Verfassung der dreifachen Liṅga [?] wirklich kennt, der heißt Guru, Liebe. (82) Wer die dreifache Unreinheit (mala) – die des Atomaren (āṇava), die der Tat (kārmaṇa) und die der Māyā (māyīya) – zu läutern vermag, der gilt als höchster Guru. (83) Wer, große Göttin, die [Prägungen (vāsanā)] der drei „Himmelsgänger“ (khacara?) [?], der „rötlichen, weißen und schwarzen“, kennt, der gilt als höchster Guru. (84) Wer Mahāmudrā, Nabhomudrā, Uḍḍīyāna, Jālandhara und Mūlabandha (Yoga-Griffe/Haltungen) kennt, der gilt als höchster Guru. (85) Wer die Bestimmung der sechsunddreißig Tattvas (Prinzipien) von Śiva bis zur Erde in Wahrheit kennt, der gilt als höchster Guru. (86) Wer inneres und äußeres Opfer (yāga), die Ordnung der Kalā-Erkenntnis, Liebe, und die schöne Yantra-Ordnung [?] kennt, der ist Guru, Liebe. (87)
Vers 81: „cakraṃ saṅketakaṃ mantram“ nach der OCR-Form; unsicher, ob drei „saṅketa“ (Cakra-, Mantra-, Pūjā-Zeichen) gemeint sind; die Fußnote (ka) hat „yantraṃ“. Vers 82: Zeile a stark entstellt [?] (OCR: „…rasamagrā…“). Vers 83: „āṇavaṃ kārmaṇaṃ … māyīyam“ nach der Fußnote-Variante (ṅa: „āṇavaṃ kāmyaṃ caiva māyikaṃ ca“; ka: „ātmajaṃ karmajaṃ caiva“). Vers 84: OCR sehr stark entstellt („āraktaśvetakṛṣṇā … khacara-…vāsanām“); die Deutung ist unsicher [?]. Vers 87: Die Zeile b ist in der Handschrift kha „cāruyantravidhānaṃ ca“; der Haupttext hat „bādhāmantravidhānaṃ“ [?].
piṇḍabrahmāṇḍayor aikyaṃ sthitiṃ yo vetti tattvataḥ | śirāsthiromasaṃkhyādi sa gurur nāparaḥ priye ||88||
padmādicaturaśītināmāsanavicakṣaṇaḥ | yamādyaṣṭāṅgayogajñaḥ sa guruḥ paramo mataḥ ||89||
ghṛṇā śaṅkā bhayaṃ lajjā jugupsā ceti pañcamī | kulaṃ śīlaṃ tathā jātir aṣṭau pāśāḥ prakīrtitāḥ ||90||
pāśabaddhaḥ paśuḥ proktaḥ pāśamukto maheśvaraḥ | tasmāt pāśamukto yas tu sa guruḥ paramo mataḥ ||91||
bandhaṃ yonimudrayā mantracaitanyadarśanam | yantramantrasvarūpaṃ ca yo vetti sa guruḥ priye ||92||
vikṣiptāṃ gatāyātāṃ saṃśliṣṭāṃ saṃvilīnakām [?] | caturvidhāṃ mano'vasthāṃ yo vetti sa guruḥ priye ||93||
mūlādibrahmarandhrāntasaptāmbhojadaleṣu yaḥ | jīvācāraphalaṃ vetti sa gurur nāparaḥ priye ||94||
śivādiguruparyantaṃ pāramparyakrameṇa yaḥ | [vetti?] tattvasambhāraṃ sa gurur nāparaḥ priye ||95||
Wer die Einheit von Körper (piṇḍa) und Weltall (brahmāṇḍa) und ihren Bestand in Wahrheit kennt, samt der Zahl der Adern, Knochen und Haare usw., der ist Guru und kein anderer, Liebe. (88) Wer in den vierundachtzig verschiedenen Sitzhaltungen (āsana), angefangen mit dem Lotossitz, bewandert ist und die achtgliedrige Yoga-Übung (mit Yama usw.) kennt, der gilt als höchster Guru. (89) Abscheu (ghṛṇā), Zweifel/Argwohn (śaṅkā), Furcht, Scham, als fünftes Ekel (jugupsā), [Herkunft aus einer bestimmten] Kula, Sitte und Kaste – diese acht Fesseln (pāśa) werden genannt. (90) Wer an Fesseln gebunden ist, heißt Paśu (gebundenes Wesen); wer von Fesseln frei ist, der Große Herr (Maheśvara). Wer daher frei von Fesseln ist, der gilt als höchster Guru. (91) Wer die Bindung durch die Yoni-Mudrā, das Schauen der Mantra-Bewusstheit (mantra-caitanya) und das Wesen von Yantra und Mantra kennt, der ist Guru, Liebe. (92) Wer die vier Zustände des Geistes – zerstreut, hin- und hergehend, verbunden und [ganz] aufgelöst [?] – kennt, der ist Guru. (93) Wer in den sieben Lotosblüten [-Blättern] von der Wurzel (mūla) bis zur Brahma-Öffnung (brahmarandhra) die Frucht der Lebenspraxis (jīva-ācāra) kennt, der ist Guru und kein anderer. (94) Wer in der Überlieferungsfolge von Śiva an bis zum [gegenwärtigen] Guru das Gefüge der Prinzipien kennt, der ist Guru und kein anderer, Liebe. (95)
Vers 89: „caturaśīti“ = 84 Āsanas. Vers 90: Aufzählung der acht Fesseln; Zeile a nach dem Haupttext, Fußnoten ka/ṅa variieren („tṛṣṇā lajjā bhayaṃ ca …“, „śoko jugupsā ceti pañcamam“). „Kula“ meint hier die Zugehörigkeit zu einer Familie/Abstammung im weltlichen Sinn. Vers 91: „tasmāt pāśamukto yas tu“ nach OCR-Rest „tasmāt pāśo yas tu“ [?]. Vers 93: die vier Zustände nach Fußnoten ga/kha/ṅa („vikṣiptaṃ yātāyātaṃ śliṣṭaṃ sulīnaṃ“); der Haupttext hat „saṃvinītakām“ [?]. Vers 95: die zweite Zeile ist stark entstellt; „[vetti] tattvasambhāram“ ist Ergänzung [?].
Wer, wenn das Wesen (tattva) durch ihn gezeigt wird, augenblicklich dessen Wesen annimmt und sich als befreit betrachtet [gemeint: dessen Schüler] – [der Zeigende] ist der Guru und kein anderer, Liebe. (96) Diejenigen, die die angeborene Wonne (sahajānanda) geben und das aus den Sinnen geborene Glück nehmen: diese Gurus sollen die Schüler verehren; die anderen sind Betrüger und zu meiden. (97) Der Guru, der dem vor dem Saṃsāra furchtsamen Schüler mit Fürsorge durch Gelübde, Fasten und Regeln Zügel anlegt, heißt [ebenfalls] Guru. (98) Den, der augenblicklich gnädig wird und die „Herrlichkeit der Erlösung“ schenkt, soll man als schwer zu findenden Guru erkennen, der aus dem Saṃsāra hinüberführt. (99) Wer im Augenblick seinem Schüler die Fähigkeit des Selbst verleiht, ohne Ritualmühe usw. – ein solcher Guru ist schwer zu finden. (100) Wer wahre, überzeugende, leicht zugängliche und das Glück des Selbst gebende Unterweisung in der Erkenntnis erteilt, der ist ein selbst für Götter schwer zu findender Guru. (101) Wie von einer Lampe [das Licht] zur anderen Lampe überspringt, so, Göttin: wer die Erkenntnis [auf diese Weise] gibt, ohne Übung und dergleichen, der ist Guru. (102) Wie dem Hungrigen durch Speise rasch Sättigung entsteht, so ist der Guru, der durch bloße Unterweisung Erkenntnis gibt, schwer zu finden. (103)
Vers 96: Sinn der Konstruktion unsicher; die OCR ist verstümmelt; Fußnote ṅa: „dhanyaṃ tad uktam akhilaṃ sa guruḥ paramo mataḥ“ (Variante der zweiten Zeile). Vers 97: nach dem Haupttext „sahajānandam“ (Fußnote ṅa: „sac-cid-ānandam“). Vers 98: „niyantā“ (Lenker) nach OCR-Form „yantā“. Vers 100: das Wort „sa gurur durlabhaḥ“ ist vollständig. Vers 101: „jñānopadeśaṃ“ nach dem Sinn statt OCR „jñānīpareṃ“ [?]; der Vers ist in Handschrift kha nicht vorhanden (Fußnote). Vers 102: Fußnote ṅa „priyāyāsādirahitaḥ“. Vers 103: Ziffer 103 korrekt.
Gurus gibt es viele, wie Lampen in jedem Haus; schwer zu finden ist dieser Guru, Göttin, der wie die Sonne alles erleuchtet. (104) Gurus gibt es viele, die in Veda, Śāstra usw. bewandert sind; schwer zu finden ist dieser Guru, der den Sinn des höchsten Prinzips (paratattva) ganz durchdrungen hat. (105) Gurus gibt es viele, die [nur] anderes als das Selbst vermitteln [?]; schwer zu finden ist dieser Guru, der in der Welt das Selbst zum Leuchten bringt. (106) Gurus gibt es viele, die [Künste] und Heilkräuter kennen [?]; schwer zu finden auf Erden ist einer, der die in Nigama und Āgama-Schriften gelehrten Mantras kennt. (107) Gurus gibt es viele, die dem Schüler das Vermögen rauben; schwer zu finden ist dieser Guru, Göttin, der dem Schüler Leid und Not nimmt. (108) Viele auf Erden sind eifrig in den Regeln von Stand, Lebensabschnitt und Kula; wer aber frei von allen [weltlichen] Absichten (saṅkalpa) ist, ein solcher Guru ist schwer zu finden, Göttin. (109) Wer durch die Verbindung mit einem Guru höchste Wonne (parānanda) erlebt, den und keinen anderen soll ein verständiger Mensch zum Guru machen. (110) [Der Guru,] dessen Verstand sich bis zur unmittelbaren Erfahrung [des Höchsten] erstreckt – durch bloßen Anblick von ihm wird man erlöst, daran besteht kein Zweifel. (111)
Vers 104: „dīpavac ca gṛhe gṛhe“ und „sūryavat sarvadīpakaḥ“ (OCR: „…vat sarvadopakaḥ“) rekonstruiert. Vers 106: Zeile a stark entstellt (OCR „ātmano 'nyapradā su vi…“; Fußnote ṅa „yogenānyapadā…“) [?]. Vers 107: „kuhyantauṣadhivedinaḥ“ ist OCR-nah, aber sinnlos; vermutlich ein Fachwort für Alchemie/Heilkunde [?]. Vers 109: Fußnote ka „saṅkalpāt“, ṅa „saṃsparśāt“. Fußnoten der Handschriften ka/kha vermerken, dass Vers 108 („śiṣyaduḥkhāpahārakaḥ“) und andere Verse fehlen bzw. abweichen. Vers 111: Bezug von „tasya“ offen; Fußnote ṅa: „yad ātmabhavaparyantaṃ buddhis tasya …“.
Durch Zweifel (śaṅkā) [bzw. Furcht] ist die ganze Dreiwelt samt Beweglichem und Unbeweglichem verschlungen; wer diesen Zweifel verschlungen hat, der ist, Göttin, ein schwer zu findender Guru. (112) Wie Butter in der Nähe des Feuers zerschmilzt, so schmilzt die Sünde in der Nähe eines guten Ācārya (Lehrers). (113) Wie ein lodernder Brand Holz, trockenes wie feuchtes, verbrennt, so verbrennt der Seitenblick des Guru die Sünde des Schülers im Nu. (114) Wie ein großes Feuer, [wenn es] Baumwolle [ergreift, sie verbrennt und diese] in die zehn Himmelsrichtungen fliegt [?], so flieht durch die Barmherzigkeit des Guru die Masse der Sünden. (115) Wie durch den bloßen Anblick einer Lampe das Dunkel vergeht, so schwindet, Göttin, durch [den Anblick/die Gnade] des Sadguru das Unwissen. (116) Wer mit allen [guten] Merkmalen ausgestattet ist, Veda- und Śāstra-Regeln kennt und alle Mittel und Verfahren beherrscht, ist nur dann ein Guru, wenn er das Wesen (tattva) erkennt. (117) Verehrung, Feueropfer, Standespflichten, Askese, Wallfahrt, Gelübde usw., und Mantra- und Āgama-Wissen bleiben für den, dem das Wesen (tattva) fehlt, fruchtlos. (118)
Vers 112: Doppelte Bedeutung von „śaṅkā“ (Zweifel/Furcht). Vers 115a: Bild unklar; OCR „…mahānalo dagdhaṃ tūlaṃ daśa diśo vrajet“ [?]; Fußnoten ka/ṅa „pralīyate / palāyate / vilīyate“ für 115d, Haupttext „palāyate“ (ga/gha). Vers 116: die Anrede-Form der ersten Silben ist entstellt („śrīsadguror … devi“); Sinn: durch das Erscheinen bzw. den Segen des Sadguru [?]. Vers 117: Fußnote kha „tattvahīno gurur na hi“ (ohne tattva ist er kein Guru), ṅa „sarvopāyavidhātaiva tattvajñāno guruḥ sa hi“. Ich folge dem Haupttext; die Lesung „gurus sa hi“ ist mit metrischer Freiheit (sa-hi) gesetzt.
svayaṃ vedye pare tattve svātmānaṃ [na?] vetti niścalaḥ [?] | ātmano 'nugraho nāsti parasyānugrahaḥ katham ||119||
ṣaṭprakāraṃ manorūpaṃ pratyakṣaṃ svatanusthitam | yo na jānāti cānyasya kathaṃ mokṣaṃ dadāty asau ||120||
sarvalakṣaṇahīno 'pi tattvajño guruḥ smṛtaḥ | tasmāt tattvavid devi mukto mocaka eva ca ||121||
yas tattvavin maheśāni sa paśūn bodhayaty api | tattvahīnāt kuto 'py asya tattvajñānaparigrahaḥ [?] ||122||
tattvajñair upadiṣṭā ye tattvajñās te na saṃśayaḥ | paśubhiś copadiṣṭā ye devi te paśavaḥ smṛtāḥ ||123||
viddho vedhayed devi nāviddho vedhako bhavet | muktas tu mocayed anyaṃ na mukto mocakaḥ katham ||124||
andho darśayen mārgaṃ [?] na mūrkho mūrkham uddharet | śilāṃ santārayet toye kiṃ śilā tārayec chilām ||125||
tattvahīnaṃ guruṃ labdhvā kevalaṃ bhavatatparaḥ | sutarāṃ phalaṃ kiñcit sa naro nāpnuyāt priye ||126||
Wer im höchsten, selbst zu erkennenden Prinzip (tattva) sein eigenes Selbst [nicht] mit Festigkeit erkennt [?] – für den gibt es keine Gnade gegenüber sich selbst; wie soll er [dann] einem anderen Gnade erweisen? (119) Die sechsfache Art des Geistes (manas), unmittelbar im eigenen Körper gegenwärtig: wer sie nicht kennt – wie kann der einem anderen Erlösung geben? (120) Auch wer aller [äußeren] Merkmale entbehrt, gilt als Guru, wenn er das Wesen (tattva) kennt. Darum, Göttin, muss der Tattva-Kenner frei [erlöst] sein und ein Erlöser. (121) Wer das Wesen kennt, Herrin, der weckt auch die Paśus (die Gebundenen) auf; wie könnte von einem, dem das Wesen fehlt, die Aufnahme der Wesenserkenntnis [kommen]? [?] (122) Die von Wissenden belehrt sind, sind zweifellos selbst wissend; die aber von Paśus belehrt sind, Göttin, gelten als Paśus. (123)
Nur wer selbst durchbohrt ist, kann [andere] durchbohren, Göttin; der Nicht-Durchbohrte kann kein Vedhaka sein; nur ein Erlöster kann einen anderen erlösen – wie könnte ein Nicht-Erlöster Erlöser sein? (124) Ein Blinder [kann nicht] den Weg zeigen [?]; ein Tor zieht keinen Toren heraus. Kann ein Stein einen [anderen] Stein über das Wasser bringen? Wie könnte ein Stein einen Stein übersetzen? (125) Wer einen Guru ohne Wesenserkenntnis gefunden hat, bleibt bloß ganz dem Daseinskreislauf verhaftet; ein Mensch erlangt so, Liebe, auch nicht die geringste Frucht. (126)
Vers 119: OCR und Fußnoten (kha: „…svātmanaś ca niścayam“) lassen nur unsicher schließen; der Sinn verlangt eine Verneinung („nicht erkennt“), die ich als [na?] ergänzt habe; Zeile a bleibt unsicher [?]. Vers 119 trägt im Druck dieselbe Ziffer wie Vers 118; nach Zählung 119 (kein Verlust). Vers 122d: Zeile stark entstellt [?]. Vers 124: „viddho“ (durchbohrt) und „vedhaka“ als Fachbegriff der vedha-dīkṣā. Vers 125a: die Zeile ist OCR-mäßig fast unlesbar („abhinnathodarenmukham“); „andho darśayen mārgam“ ist Rekonstruktion nach dem Bildzusammenhang [?]; Zeile b: „śilāṃ santārayet toye“ (Stein über Wasser). Vers 126: „sutarām“ unsicher.
Im Śaiva[-Kreis] werden drei Gurus genannt, im Vaiṣṇava[-Kreis] fünf; in Veda und Śāstras gibt es Hunderte; in der Kula-Überlieferung [gibt es] nur einen Guru. (127) Der Antreibende (preraka), der Hinweisende (sūcaka), der Sagende (vācaka), der Zeigende (darśaka), der Lehrende (śikṣaka) und der Erweckende (bodhaka): so werden sechs Arten von Gurus überliefert. (128) Diese fünf sind [gleichsam] bloße Wirkungen; die Ursache ist der Bodhaka. Der Guru, der die volle Weihe (pūrṇābhiṣeka) vollzieht – dessen Sandalen (pādukā) sind zu verehren, Große Herrin, auch wenn [andere Gurus] zahlreich sind; daran besteht kein Zweifel. (129)
Wer einen Śrī-Guru, mit den [rechten] Merkmalen ausgestattet, den Zweifel-Zerschneider und Erkenntnis-Geber, gefunden hat, Göttin, der soll nicht bei einem anderen Guru Zuflucht suchen. (130) Wer einen unkundigen Guru erlangt hat, der stets Zweifel schafft, und zu einem anderen Guru geht, den befleckt dieser Fehler nicht. (131) Wie die honiggierige Biene von Blüte zu Blüte fliegt, so geht der wissensgierige Schüler von einem Guru zum anderen Guru. (132) So habe ich dir, Herrin der Kula, in Kürze etwas über das Kennzeichen von Guru und Schüler gesagt. Was möchtest du noch hören? (133)
Kolophon: So [endet] im Śrī-Kulārṇava – dem Tor zu Nirvāṇa und Erlösung, dem großen Geheimnis, dem Höchsten der Höchsten unter allen Āgamas, im Werk von 125 000 [Versen], im fünften Abschnitt, im Ūrdhvāmnāya-Tantra – das dreizehnte Kapitel (ullāsa), genannt „Kennzeichen von Guru und Schüler“.
Vers 127: „śaive gurutrayam“ nach OCR-Form „gave gurutrayaṃ“; „vedaśāstreṣu“ statt OCR „…gāstreṣu“. Vers 128: Zeile a „preraka sūcakaś caiva“ (OCR); die Zählung „ṣaḍ vidhā“ (Fußnote: „ṣaḍdhā“). Vers 129: „kāryabhūtāḥ“ nach dem Sinn (OCR „kāvyebharūtāḥ“); „pūrṇābhiṣeka“ (OCR „praṇābhiṣeka“) [?]. Die Ziffer 129 ist im Druck mit 128 beziffert (Doppelung mit Vers 128); nach Zählung 129. Verse 130–133 sind im Druck mit 120, 121, 122, 123 beziffert (OCR-/Druckfehler, nach Zählung 130–133 korrigiert). Vers 130: „śrīguru“ (Anrede-Form) nach OCR „śrīguruṃ“. Die Verszählung des Kapitels läuft daher bis 133. Kolophon: Die im Druck am Ende stehende Ziffer lautet 12 (OCR) statt 13 – vermutlich Druck- oder OCR-Fehler; das Kapitel ist als 13. Ullāsa gezählt (Überschrift „trayodaśa ullāsaḥ“). Die Kolophonbezeichnung „sapādalakṣagrantha … pañcamakhaṇḍa … ūrdhvāmnāya“ ist wegen OCR-Störung teilweise unsicher [?].