Paṭala 7: śrīkulārṇave nirvāṇamokṣadvāre mahārahasye sarvāgamottamottame sapādalakṣagranthe pañcamakhaṇḍe ūrdhvāmnāyatantre vaṭukaśaktyādipūjanaṃ nāma saptama ullāsaḥ
7. Kapitel: Die Verehrung des Vaṭuka, der Śakti usw.
Quelle: Kulārṇava-Tantra, hg. Tārānātha Vidyāratna (Arthur Avalon), Tantrik Texts Vol. 5, Luzac & Co., London 1917 (archive.org, OCR-Text; Zeichenbereich in window.K etwa 117500–132960, das Kapitel beginnt also vor dem angegebenen Bereich). Inhalt: Die Göttin fragt nach der Darbringung an Vaṭuka und die übrigen Wächterwesen, nach den Merkmalen der Śakti (der Partnerin im Kula-Ritus) und nach dem Annehmen der Substanzen (dravya). Śiva nennt (1–29) die Bali-Mantras für Vaṭuka, die Yoginīs, die Schar der Wesen, den Kṣetrapāla und Rājarājeśvara samt Wirkungen und Zweck, dann (30–36) Anordnung der Opfergaben nach Himmelsrichtungen, Fingerhaltungen und die Lichtschwenkung (Kula-Lampen). Es folgen (37–51) die Regeln zur Verehrung und Bewirtung der Śakti, die Aufzählung der geeigneten (16 Berufs-/Kastengruppen) und der zu meidenden Frauen, dann (52–83) die Übergabe aller Handlungen an die Göttin, der Rest-Ritus (Śeṣikā/Ucchiṣṭa-Mātaṅgī, mit Dhyāna-Vers), die Reinigung von drei Körpern durch drei Tattvas, das Trinken der Gaben durch Guru und Schüler und Verhaltensregeln. Zuletzt (84–104) Mantras und Meditation beim Trinken, die dreifache Art des Trinkens (divya, vīra, paśu), Maß und Verbote des Trinkens sowie Lob des Kula-Genusses. Die OCR-Qualität ist schlecht bis mäßig, besonders in den Mantra-Beschreibungen (Verse 17–29); unsichere Stellen sind mit [?] markiert. Fußnoten-Siglen ka kha ga gha ṅa bezeichnen Handschriften (ṅa fehlt an einigen Stellen ganz). Das Kapitel hat 104 Verse.
Die Göttin sprach: Herr der Kula (Kuleśa), [sage mir] die Darbringung (bali) an Vaṭuka und die anderen, das Merkmal der Śakti und das Annehmen der Substanz (dravya) – sprich, o Born des Erbarmens! (1)
Īśvara sprach: Höre, Göttin, ich will dir sagen, wonach du mich fragst; schon durch die bloße Beschreibung davon leuchtet jenes Wissen auf. (2) Solange Vaṭuka nicht befriedigt ist, so lange [ ] nicht, Herrin der Kula [Satzbau unsicher, ?]; alle Gottheiten werden befriedigt durch Gedenken und Verehrung [des Vaṭuka]. (3) Daher soll man Vaṭuka und die Übrigen mit Duftstoffen, Blüten, berauschendem Trank (āsava) und Fleisch (āmiṣa) verehren; nach der Vorschrift des jeweiligen Tantra erlangt die Gottheit Wohlgefallen. (4) Jede beliebige Menge von Substanzen, die zur Verehrung, um des Genusses willen, [an dem dafür] genannten Ort in Hingabe gegeben wird, [gilt] den Kṣetrapālas (Flurhütern), Herrin der Kula. (5)
Ich werde nun die Mantras des Vaṭuka einzeln nennen, Herrin der Kula; durch bloße Verehrung mit ihnen vergehen alle Übel. (6)
Vers 1: ka? ga gha lesen „bhaktilakṣaṇam“ statt „śaktilakṣaṇam“. Vers 2: OCR „tasya varṇanamātreṇa tajjñānaṃ“ unsicher rekonstruiert; Fußnoten variieren. Vers 3: OCR stark entstellt („yāvan no vaṭuke …“), Rekonstruktion [?]. Vers 4: „gandhapuṣpāsavāmiṣaiḥ“ aus entstelltem OCR erschlossen. Vers 5: „sthānoktam“ [?]. Vaṭuka = Bhairava in Knabengestalt, Wächtergott (hier zunächst als Schutz- und Opferempfänger); Kṣetrapāla = „Flurhüter“, Wächter des Ritualortes.
[Man spreche] dreimal das Tāra (Praṇava, oṃ), dann „Sohn der Göttin“, „Vaṭuka“, „Herr“ [o.ä.] – „du in der Pracht der kupferfarben-braunen Haarlast Leuchtender, Gelbroter“ (7) – dann das Wort „Vinetra“ [?], danach das Wort „Flammenmund“; „nimm diese Verehrung und diese Opfergabe an“ (zweimal „nimm“), „Geliebter des Feuers“ [d. h. svāhā]. So ist das Vaṭuka-Mantra genannt, mit vierundvierzig Silben. (8)
Durch diese Opfergabe zufriedengestellt, gewährt Vaṭuka alle Vollendungen (siddhi); er, den Geister und Vetālas umgeben, möge mir stets Frieden schaffen. (9)
Dreimal das Tāra, dann spreche man das Wort „allen Yoginīs“, danach „allen Wesen“ und „… den Herrschenden über alle Wesen“ [?] (10), dann das Wort „diesen“, „den Ḍākinīs“, „den Śākinīs“; dann „in den drei Welten“ und „den Wohnenden“ – so spreche man; (11) „Verehrung und Opfergabe nimm an“ (zweimal „nimm“), endend mit svāhā: das ist das Yoginī-Mantra. Dieses Mantra, Herrin von allem, ist als fünfzigsilbig genannt. (12)
Die Mantras sind hier als Wortfolge beschrieben, nicht vollständig ausgeschrieben; die Übersetzung gibt die Bestandteile wieder. Vers 7: „devīputra“ und „nātha“ nach OCR; die Epitheta „kapilajaṭābhārabhāsurapiṅgala“ sind Vokative. Vers 8: „vinetra“ unsicher. „pāvakavallabhā“ = „Geliebte des Feuers“ = svāhā. „catuścatvāriṃśadakṣaraḥ“ = vierundvierzig Silben (OCR „catuścatvāriṃśad-ṅaraḥ“, Zählung nicht nachgeprüft). Vers 10d: „sarvabhūtādhivartini“ ist aus OCR entstellt, Deutung [?]. Vers 12: „yugma“ = zweifach (gṛhṇa gṛhṇa).
„Welche Yoginī auch immer, furchtbar oder mild, noch schrecklicher oder höchste, Luftwandelnde, Erdwandelnde, Himmelswandelnde – sie sei mir stets wohlgesinnt.“ (13)
Dreimal das Tāra spreche man, [dann] „allen Wesen, allen ebenso“, danach „den Herren der Wesen“, dazu das Herz[-Wort] (hṛd, d. h. namaḥ): siebzehnsilbig. (14) „[Die] Friedlichen [?], die in vielerlei Gestalten, göttlich, erdgebunden oder im Zwischenraum (Luftraum) gehend, [dort] sind, und alle, die in der Unterwelt weilen, durch Śiva-Yoga geläutert (15) – Brahmā und die anderen, wahrhaft Verpflichtete, Indra und die anderen, überall Aufgestellte – sie sollen mit wohlgesinntem Gemüt befriedigt sein und diese Opfergabe annehmen.“ (16)
Das Kṣetrapāla-Mantra: Dreimal das Tāra, dann zweifach das Wort „Göttin“ [?], … „dem Vaṭuka-Herrn, dem Verzehrer der Speisereste (ucchiṣṭa)“ [Anfang unsicher, ?] (17); dann das Wort „alle Hindernisse“ und zweimal „vernichte“; zweimal „nimm“, das Wort „Ruru“, dann das Wort „Kṣetrapāla“; „diese mit allen Aufwartungen [verbundene] Verehrung, diese Opfergabe“ [spreche man]; „nimm“ …, endend auf zwei Ṭha [d. h. svāhā]: dies ist das Kṣetrapāla-Mantra, Liebe. (18) Es wird als vierundsechzigsilbig bezeichnet und verleiht alle Vollendungen: „Wer in diesem Bereich (kṣetra) wohnt, als Diener des Kṣetrapāla – dieser möge, durch die Opfergabe erfreut, mir allen Schutz gewähren.“ (19)
Vers 13: OCR „prītā ca me sadā“ [?]. Vers 15: „śāntā“ und „bhaumāntarikṣagāḥ“ sind aus stark entstelltem OCR rekonstruiert [?]. Vers 16a: Fußnote ṅa liest „brahmādyāḥ“, dem folgt die Übersetzung; der Haupttext-OCR hat eine unklare Form. Verse 17–18: OCR stark entstellt; „dviṭhānta“ = auf zwei Ṭha endend (Ṭha-Ṭha = svāhā); „gṛhṇa khaṭ“ [?]. Die Fußnote vermerkt, dass ṅa die zweite Hälfte von Vers 19 auslässt und ab dort zwei Verse nicht hat. Vers 19: „nivāsī ca“ [?] (OCR „nivāso ca“).
Man spreche das Tāra, [noch einmal] das Tāra [?], [dazu] das Prāsāda[-Bīja] und das Parā[-Bīja]: [so entsteht] das Mantra. „Kāṃ kīṃ“, am Anfang die zwei kurzen [Laute] [?], und „dem von Bhairava Bewohnten“ [?]. (20) Danach „von Akṣobhya [und] Ānanda her“ [?], dann „Furcht [und?] Gewünschtes gebend“ [?]; nachdem man das Wort „Siddhārtha“ gesprochen hat, danach zweimal „steige herab“ (21) – dann das Wort „Kṣetrapāla“, hierauf das Wort „Mahāśānta“ [„sehr friedlich“ o. Ä.], das Wort „Mātṛputra“ („Sohn der Mütter“), danach „Kulaputra“ („Sohn der Kula“), (22) und das Wort „Siddhiputra“, dann „Herr des Ortes“; „dem Herrn dieses Dorfes“ und darauf „dem Herrn dieses Landes“. (23)
Diese Verse beschreiben ein Mantra (es folgen die Verse 24–28) stückweise; OCR ist stark entstellt, daher viele [?]. Die Fußnoten (ṅa: „akṣobhyavanditaḥ“; ka: „akṣobhyāntaṃ tataḥ“) zeigen die Unsicherheit. Vers 23: die Ausgabe zählt diesen Vers fälschlich „22“; nach Zählung 23. „prāsāda“ und „parā“ sind Bīja-Bezeichnungen (Haum bzw. Hrīṃ, nach üblicher Terminologie – nicht im Text).
„… Vaṭuka-Herr“ [?], dann das Wort „Sohn“ [?]; danach das Wort „Meghanāda“ („Wolkendonner“), sodann das Wort „Pracaṇḍa-Ugra“ („sehr wild, schrecklich“) (24), danach das Wort „Kapāla-“ und das Wort „Bhīṣaṇa-“ („furchtbar“); „dem Herrn aller Hindernisse“; „diese Verehrung und Opfergabe“ (25) – „nimm, nimm“, ein Paar „tue“, „mein“, zweimal „entferne“ [?]; zweimal „lodere“, zweimal „flamme auf“; „alle Hindernisse“ sage man; (26) zweimal „vernichte“, „kṣāṃ kṣīṃ“ [?] und hernach „kṣaṃ“ [?] – „dem Kṣetrapāla vauṣaṭ“: das [Mantra] hat hundertsechzig Silben [?]. (27)
Dreimal das Tāra spreche man danach, „N. N.“ [amuka; d. h. Nennung des Verehrers/Namens, ?] „Kṣetrapāla“ und [?]; „Rājarājeśvara, Gott“ [?], „Verehrung und Opfergabe“ dann; zweimal „nimm“, endend auf zwei Ṭha (svāhā): dies ist das Mantra, [dessen Silbenzahl] achtundzwanzig [übersteigt/beträgt, ?]. (28)
„Durch diese Opfergabe möge Gott Rājarājeśvara, samt dem Kreis der Vaṭukas (vaṭuvaṃśa), mir stets gnädig sein.“ (29)
Vers 24: OCR „devo“; „devī“ [?]. Vers 26: „dūrayugmakam“ [?] – vermutlich „entferne, entferne“. Vers 27: die Fußnote gibt für die Silbenzahl „ṣaṣṭyuttaraśata“ (nach OCR „ṣaṣṭyuttaratācaraḥ“), ṅa hat „ṣaḍuttara-“; unsicher. Vers 28: „aṣṭāviṃśottaro“ nach OCR [?]; Bedeutung der Silbenzahl unsicher. Rājarājeśvara = „König der Könige, Herr“, hier Beiname Bhairavas/Kubera-artiger Herr der Wächter; nach dem Text steht er in der Mitte des Ritualfeldes (Vers 30). „vaṭuvaṃśa“ = Vaṭuka-Schar, Vaṭuka-Familie.
Im Westen gebe man dem Vaṭuka, im Norden die Opfergabe an die Yoginīs; im Osten gebe man die Opfergabe an die Wesen (bhūta) und im Süden [?] dem Kṣetrapāla; in der Mitte verehre man Rājarājeśvara, Herrin der Kula. (30)
Mit Daumen und Ringfinger gilt die Opfergabe des Vaṭuka als überliefert; mit Zeigefinger, Mittelfinger, Ringfinger und Daumen die der Yoginī [?]. (31) Mit den Fingern der linken [Hand] ist, Liebe, die Opfergabe an die Wesen genannt; mit Daumen und Zeigefinger soll die Opfergabe an den Kṣetrapāla sein, mit Daumen und Mittelfinger die an Rājarājeśvara. (32)
Nachdem man Vaṭuka und die Übrigen verehrt hat, zeige man die Kula-Lampen (kuladīpa), [gefertigt] aus leicht rötlich gefärbtem, feingeriebenem [Teig] von vier Fingerbreit Größe, (33) Lampen in Gestalt einer Damaru-Trommel, dreieckig und sehr schön, [durch …] [?] – sieben oder auch fünf sollen gemacht werden. (34) Man vereine inneres Licht und äußeres Licht, [Lampen] von unermesslichem Glanz, [dreimal ?] über der Göttin kreisen lassen und die Kula-Lampen darbringen: (35)
„Herrin des Kreises aller Kreise, Mutter des Ganzen: nimm dieses Lichtschwenken (ārātrika), Göttin, zu meiner Vollendung an.“ Nachdem man die Kula-Lampen gezeigt hat, vollziehe man die Śakti-Verehrung. (36)
Vers 30: die Ausgabe zählt „320“ (OCR), gemeint 30; „dakṣiṇe“ ist für OCR „diśe“ eingesetzt [?] (der Süden fehlt sonst in der Aufzählung). Vers 31: die Zählung ist im OCR „21“ (Fehler); Halbvers b/c nach ka? kha ga gha „tarjanīmadhyamāṅguṣṭhayogena“, unsicher. Vers 32 hat drei Zeilen. Vers 33: Lesart „īṣad raktasupiṣṭena“ (ṅa) gegenüber kha „īṣatpakva-…“. Vers 34: „karṣāgrādiguṇaiḥ“ nicht gedeutet [?]. Vers 35: „tridhā“ [?] (OCR „vidhā“). Vers 36a: ṅa liest „samastacakracakreśi yute devi kulātmike“ (statt „sakalāmbike“). Ārātrika = Lichtschwenken vor der Gottheit.
Die eigene Śakti (Kraft, Partnerin) oder eine Vīra-Śakti, die eingeweiht ist, [und] den Guru voran [?] lasse man trinken, [erst] dann vollziehe man selbst das Trinken – so lautet die Entscheidung der Schrift. (37) Eine nicht eingeweihte Frau soll man unverzüglich der Weihe (saṃskāra) unterziehen, Mutter; durch die Weihe nach der Mantra-Initiation (mantradīkṣā) wird sie rein, nicht anders. (38) Darum soll man eine Śakti mit guten Merkmalen mit Duftstoffen, Blüten, ungebrochenen Reiskörnern usw. verehren – in der Vorstellung, sie sei die Gottheit – und ihr das Genussgefäß darbringen. (39) Danach soll man auch Mädchen (kanyakā) und reizende Frauen (pramadā), in der Vorstellung, sie seien die Gottheit, verehren und [jeder] einzeln ein Gefäß geben. (40) Wer aber die Kula-Substanz genießt, ohne [sie] der Śakti dargebracht zu haben – dessen Verehrung ist fruchtlos, und die Gottheit wird nicht gnädig. (41)
Vers 37: OCR „gurum agrataḥ“ (ka ga gha „gurumagraṇīm“?, ṅa „dīkṣitāṃ ca viśeṣataḥ“); der Satzbau ist unsicher [?]: möglich ist auch „(die Śakti) mit dem Guru voran“. Vers 38: ṅa liest „sadyaḥ saṃskāraṃ“ als Nebenform. Vers 39: gedruckte Zählung „329“ (Fehler), gemeint 39. „dravya“/„kuladravya“ = die rituellen Substanzen (u. a. Wein, Fleisch).
Caṇḍālī (Frau aus der Caṇḍāla-Gruppe), Lederarbeiterin, Māgadhī, Pukkasī, Śvapacī, Khaṭikī [?], Fischerin (kaivartī) und Prostituierte (veśyā-yoṣit) – (42) dies wird das „Kula-Achtergefüge“ (kulāṣṭaka) genannt, auch „Frauen-Achtergefüge“ (aṅganāṣṭaka) heißt es; [ferner:] Ballspielerin/Kandukī [?], Schnapsbrennerin (śauṇḍikī), von Waffen Lebende, Wächterin (rakṣakī), (43) Sängerin, Wäscherin (rajakī), Künstlerin/Handwerkerin (śilpī) und als achte die Kaulikī – [Frauen,] die mit Tantra und Mantra verbunden sind und die Regeln der Gemeinschaftsübung (samayācāra) einhalten; (44) eine Jungfrau (kumārī), eine Gelübdetreue, oder auch eine, die Yoga-Mudrā trägt: die zur Zeit der Verehrung von selbst Gekommene wird von den Weisen als „Sahajā“ („Natürliche“) erkannt. (45)
Gibt es keine Frau von höchster Herkunft, so soll man eine Frau aus den vier Ständen verehren – [eine, die] ohne Zweifel und Scheu, hingebungsvoll, verschwiegen ist [und] … [?] (46); nicht begierig, von gutem Charakter, mit lächelndem Gesicht, freundlich sprechend, (47) dem Guru und der Gottheit zugetan, edlen Gemüts, den Kaulas lieb, ohne Neid, urteilsfähig, eifrig in der Verehrung der Gottheit, reizend, von gutem Wandel – das ist die Śakti mit guten Merkmalen. (48)
Verse 42–44: In der OCR-Vorlage sind die Berufs-/Stammesnamen stark entstellt. Fußnoten: ka kha „khaṭikā“, „kaṇṭakī“; kha ga gha „karmakārī“, ṅa „karmacārī“ (statt „carmakārī“); zur Liste ergibt der Text zwei Achtergruppen (42; 43–44), die in Vers 43a als „kulāṣṭaka“ und „aṅganāṣṭaka“ bezeichnet werden. „Kandukī“ und „śauṇḍikī“ [?]; die Namen sind Berufsbezeichnungen (Schnapsbrennerin, Wäscherin usw.), hier wörtlich wiedergegeben; „veśyā“ = Prostituierte. „Sahajā“: die zu Beginn der Verehrung von selbst Erschienene. Die Zählung 46 fehlt im OCR (Seitenumbruch); Vers 46cd ist stark entstellt [?] („gūḍhā … yā svopajīvinī“ nur Vermutung). Vers 48: die Verse 47 und 48 sind nach der Druckzählung geordnet.
Bösartig, zornig [?], derb, grausam, leidend, die Kula Befleckende, schlechten Wandels, von anderen abhängig, verängstigt, gierig, krank [?], träge, (49) dem Schlaf ergeben, sehr Unnahbare [?], mit verstümmelten Gliedern, von Krankheit geplagt, übelriechend, verachtet, verblendet, alt und irre, die Geheimnisse Verratende, (50) zänkisch, schlecht redend, schamlos, streitsüchtig, hässlich, vom rechten Weg Abirrende, starr, lahm, blind, mit entstelltem Gesicht [?] … – eine solche Śakti soll man meiden. (51)
Hierauf soll der Mantrakundige alle Verehrung usw., mit sanftem [?] Wasser voran, mit dem Mantra der Göttin darbringen – von hier an [wird der Ritus] von vorn [usw.] [?] (52)
Vers 49: gedruckte Zählung „48“ (Fehler). ṅa liest für die zweite Hälfte „parādhīnā bhāvahīnā durācārāturā 'lasā“. Vers 50: „durgandhā“ nach kha; „vṛddhonmattā“ [?]. Vers 51 umfasst im Druck drei Halbzeilen (die dritte Halbzeile ist OCR-entstellt); ein Pāda scheint zu fehlen. Vers 52: OCR „mandodaka-“ [?] (möglich „madyodaka-“, „mit Wein und Wasser voran“); ka liest „itaḥ prabhṛti“. Die Deutung von „itaḥ pūrvādiṣu“ ist unsicher.
Hierbei [spreche man] zuvor dreimal das Tāra, dann „Prāṇa und Verstand“ [?], „aus der Befugnis (adhikāra) des Körpers und der Pflichten“ [?], „im Wachen, im Traum und im Tiefschlaf“ (53) – „durch Denken, durch Gemüt, durch Rede, durch Tat“ – so spreche man dann weiter –, „mit den Händen“ und darauf „mit den Füßen“, darauf „mit dem Bauch“, (54) „mit dem Glied (śiśna)“, und „was [dort] erinnert worden ist, was gesagt, was getan“ spreche man; „all das sei am Ende dem Guru von mir dargebracht“ – [und] endend auf svāhā. Dieses Mantra wird als dreiundsiebzigsilbig bezeichnet, Liebe. (55) „Ob wissend oder unwissend, was auch immer von mir getan wird, Śivā: all das ist dein Werk – im Wissen darum, sei mir gnädig.“ (56) Nachdem man so gebeten, gepriesen und sich in Hingabe verneigt hat, verehre man in der Gestalt der Hauptgottheit die Begleitwesen (parivāra). Dann [entlasse man ?] / vergegenwärtige man die Göttin samt ihren Hüllen (āvaraṇa) im Lotus des eigenen Herzens. (57)
Vers 53: „prāṇabuddhau“, „dehadharmādhikārato“ aus entstelltem OCR erschlossen [?]. Vers 55: die Silbenzahl (73) nicht nachgezählt. Vers 57: drei Zeilen im Druck; letzte Zeile: Haupttext „cintayet svahṛdambuje“ (vergegenwärtigen), ka kha gha „udvāsayet svahṛdambuje“ (entlassen in den Herzlotus). „śive“ Vers 56: Vokativ (Śivā), nach OCR „śive“.
Dann, nachdem man [sie] der Śeṣikā (der „Rest-Gottheit“) dargebracht hat, reinige man [den Rest] mit dem Wurzelmantra (mūlamantra). Es sei das Vāgbhava[-Bīja] (Aiṃ), das Herz[-Wort] (hṛd), „Ucchiṣṭa-Cāṇḍāli“ und danach (58) spreche man „Mātaṅgi“ [ ] am Ende [?], „Vaśaṅkari“ (Bezwingerin), [je] doppelt [?]; das Śeṣikā-Mantra ist mit einundzwanzig Silben angegeben. (59) Mit diesem Mantra [sie] darbringend, gebe man [es] der Śeṣikā. Man meditiere die Göttin Ucchiṣṭa-Mātaṅgī, die Betörerin der drei Welten: (60)
„Vergnügt am Spiel der Vīṇā, in dunkelblauem Gewand glänzend, mit Bimba-roten Lippen, die Füße feucht vom frischen Lack (yāvaka), mit wirrem Haar und Stirnlocken, mit Schwertern [?], weißen Muschel[-Ohrringen] und Ohrgehängen geschmückt, strahlend von Rubinschmuck – vor Mātaṅgī verneige ich mich, der lächelnden Göttin, papageiengrün-dunkel.“ (61)
Dann [spreche man]: „dem Śrī-Guru in [wahrer] Gestalt, dem unmittelbar höchsten Śiva“, und, das Gefäß mit beiden Händen erhebend, reiche man es samt dem Zweiten (sadvitīya) dar. (62) Man verehre zusammen mit den Vīras (den „Helden“ der Praxis), die in der Überlieferung (sampradāya) verbunden sind; nachdem man einander gehuldigt hat, trinke man, jeweils auf Erlaubnis des Betreffenden. (63)
Vers 58: „syād vāgbhavaṃ hṛd“ nach OCR [?]; ṅa: „… guru pada ucchiṣṭa cāṇḍālī tadanantaram“. Vers 59: „sarvānte“ [?]; Wortfolge unsicher. Vers 60: Fußnote: ṅa liest „śauṇika- / kaulikamohinīm“ statt „trailokyamohinīm“ [?]; „nivedya“ (OCR „nikhāya“) [?]. Vers 61: Śārdūlavikrīḍita-Strophe (Dhyāna); „khaḍgaḥ“ [?] (OCR „khadakgaḥ“). Fußnoten: ka kha „nīlāṃśukollāsinīm“ ; „keśālakām“ ka „kośalatāṃ“, kha „keśāṅkanām“, ṅa „keśānanām“. Vers 62: ṅa liest „guru-pādāya“ und „sat-saṃpradāyāya“; „sadvitīyaṃ“ (ka kha ga gha „sadvitīyam“) bedeutet vermutlich „mit einem zweiten [Gefäß/Anteil]“ – die genaue Bedeutung ist unklar (vgl. Verse 64, 76, 80, 91, wo „dvitīya“ ebenfalls vorkommt). Vers 63: „pūjayet“ [?]; ṅa „pibec chu tadvunñayā“ (entstellt).
Mit der linken [Hand] hebe man das Gefäß auf, mache mit der rechten die Mudrā (Handhaltung) [?] und nehme es der Vorschrift gemäß mit dem Zweiten (dvitīya) an, dabei das Mantra sprechend. (64) Fleisch von Bohnengröße (māṣa), [in] der Substanz (dravya) in einer Handvoll (culluka) befindlich – die drei Körper des Selbst [?] und dies reinige man nun mit den drei Tattvas. (65) Der Guru, mit jugendlicher Freude, mit heiterem Gesicht und heiteren Augen, rufe die Schüler heran und gebe, Liebe, die drei Tattvas. (66)
Der Schüler, das Opfergeschenk (upāyana) nehmend, reinen Herzens, Blumen usw. nach Vermögen darbringend, frei von Geiz beim Besitz [vittaśāṭhya], (67) verneige sich draußen achtgliedrig (aṣṭāṅga), trete dann leise ein, Liebe, und überreiche in Hingabe das Geschenk dem Guru, der Śiva in Gestalt ist. (68) Die Daumen [beider Hände] ineinandergefügt, die Hände mit verbundenen Zeigefingerspitzen, [dann] mit den Knien zur Erde gehend, verneige er sich fünfgliedrig (pañcāṅga) vor dem Guru. (69) Mit dem linken Daumen und der Nase [?] … die ausgestreckte rechte Hand [des Gurus] berührend, mit geläutertem Herzen, den Kopf leicht geneigt, (70)
Vers 64: „pātraṃ“ (OCR „pādaṃ“) aus dem Sinn; „dvitīya“ vgl. Anm. zu 7.58. Vers 65: ṅa liest „māṃsapātraṃ tu madyaṃ cullukasannibham“; Haupttext-OCR als „piśitaṃ māṣamātraṃ …“ gelesen [?]. Vers 69: „saktāgratarjanau“ = mit aneinanderhaftenden Zeigefingerspitzen. Vers 70: OCR „vāmāṅguṣṭhanāsikābhyāṃ“ [?], vermutlich „…nāmikābhyāṃ“ (Daumen und Ringfinger) wie in Vers 71; Deutung unsicher; die Konstruktion setzt sich in Vers 71 fort. Fußnote ṅa: „viśuddhahṛdayam īṣad ānatamastakam“.
Mit linkem Daumen und Ringfinger, [reicht] der ehrwürdige Guru dem Schüler, Liebe, … [und lässt ihn] mit den vierundzwanzig [?] … [die Tattvas] vergegenwärtigen [?]. (71) Die im eigenen Körper befindlichen Tattvas [soll man] mit dem Vāgbhava[-Bīja] (Aiṃ), Herrin der Kula, [zusammen] mit dem Ātma-Tattva verbunden, den grobstofflichen Körper (sthūla-deha) reinigen. (72) [Dann] mit den sieben Tattvas von Māyā bis zum Puruṣa, hierauf [?] mit dem Kāmarāja[-Bīja] (Klīṃ), der Mantrakundige, verbunden mit dem Vidyā-Tattva, reinige den feinstofflichen Körper (sūkṣma-deha). (73) Mit den reinen fünf Tattvas von Śiva[-Tattva] bis Vidyā, die alles durchdringen, [und] mit dem höchsten Śiva-Tattva reinige man den höchsten (para) Körper. (74) Mit den sechsunddreißig Tattvas versehen, durch Mālinī und Bālā [Mantras], Liebe, [mit] dem Bīja, das alle Tattvas in sich fasst, reinige man in allen Tattvas [?]. (75)
Verse 71–75 beschreiben die Reinigung dreier Körper (grob, fein, höchster) mit den Tattva-Gruppen (Ātma-, Vidyā-, Śiva-Tattva, Śaiva-Kategorienlehre); der OCR-Text ist hier stark entstellt und die Deutung in Teilen unsicher. Vers 71b: „pratyarpyaiḥ paricintyanta …“ nicht sicher deutbar; „caturviṃśatibhiḥ“ [?] (24 Tattvas der Prakṛti-Reihe?). Vers 72a: ka „svātmadeha-“; ṅa „saṃyuktenātha tattvena“. Vers 73: die zweite Zeile ist unsicher [?]; ka ga gha „tataḥ sarvavarṇātha“ (entstellt). Vers 75: ṅa „tattvatrayānvitaṃ bījaṃ“ [?]. Die Tattva-Folge Māyā … Puruṣa umfasst hier sieben Tattvas (Māyā, Kalā, Vidyā, Rāga, Kāla, Niyati, Puruṣa) – Zusatz nach der Standardlehre, nicht im Text.
Der Guru gebe [dem Schüler] das Wort „reinige“ und den Ali (Wein, alia) samt dem Zweiten [?]; die vom Guru gegebene Handvoll (culluka) [nehme dieser] „ich reinige“ sprechend; der Schüler, in Hingabe gebeugt, trinke den Ali lautlos dreimal. (76) Mit beiden Händen berühre er den Körper, dabei „alle Tattvas“ [d. h. die Tattva-Formel] sprechend; vom Kopf bis zu den Füßen betrachte er diesen Körper. (77) Bis zum Grobstofflichen reicht das Ātma-Tattva, das Vidyā-Tattva ist das Feinstoffliche, das bis zur Vidyā reicht; bis zum Höchsten reicht das Śiva-Tattva – so ist die Welt (jagat) dreifach in Tattvas gegliedert. (78) Wer so das Wissen von den drei Tattvas vom Guru erfährt und danach handelt, ist schon zu Lebzeiten erlöst – so hat Śaṅkara (Śiva) gesprochen. (79)
Hierauf soll der Guru, nachdem er [den Rest] selbst angenommen hat, den Schülern [den Rest] geben; nachdem man das vom Guru Gegebene erhalten hat, trinke man den Wein (āsava) samt dem Zweiten. (80) Vor dem ehrwürdigen Guru, den Älteren und Verehrungswürdigen, Herrin der Kula, soll man sitzend keinen Wein trinken – so ist der Entscheid der Schrift. (81) Wer aber, ohne Prāṇa-Bheda (Unterscheidung des Atems?), Phala (Frucht), Ullāsa (Aufschwung), Praṇāma (Verneigung) und Sthiti (Haltung) samt ihren Merkmalen zu kennen, [dies] ausübt, der wird zum Sitz von Unglück. (82) Nicht trinke man [ununterbrochen] Wein [?]; eine Sühne wird vorgeschrieben. Deshalb ist [es] nach der Mantra-Vorschrift zu tun, Herrin der Kula. (83)
Vers 76: „sahitoyam“ [?] (OCR „sadhitoyam“; kha „sadvitīyānilaḥ“); ka „dvitīyam“; „ali“ = Wein (hier ritueller Trank). Vers 77: „idaṃ dehaṃ“ [?] (OCR entstellt); ga gha „śanaiḥ“. Vers 80: ka kha „dvitīyam āsavam“. Vers 81: „nopaviśya“ kann auch „nicht ohne Sitzen …“ gelesen werden; hier als „ohne sich zu setzen / im Sitzen nicht“ mehrdeutig – der Sinn lautet, dass man nicht trinkt, während man sitzt, wenn Guru und Ältere vor einem sind [?]. Vers 82: Aufzählung „prāṇabheda-phala-ullāsa-praṇāma-sthiti“ nach OCR; Deutung unsicher. Vers 83: Fußnote: ṅa hat den Vers-Abschnitt bis „pānabhedādi vidhīyate“ nicht. Halbvers 83ab ist unsicher [?].
„Dies Läuternde, die Arznei gegen das Werden (bhava), trinke ich – die Ursache, die die Fesseln (pāśa) des Gebundenen (paśu) völlig durchtrennt, von Bhairava verkündet.“ (84) „Wegen des Wesens der Freiheit des Bewusstseins (cittasvātantrya), [ist man] von jener Wonne durchdrungenen Selbst; das Einssein mit ihr [gilt] für die Zustände (bhāva), und die Zustände sind durch die Säfte (rasa) [in mir] verborgen.“ (85) „Zur Entfaltung bis zum Ende der Suṣumnā wird durch ihn (den Trinkenden) der gute Trank getrunken; darum trinke ich, dich, Göttin, diesen Wein (surā) verehrend.“ (86) Mit diesem Mantra, Herrin der Götter, und mit dem Wurzelmantra soll der Mantrakundige mit unbewegtem Gemüt den Ali[-Trank] langsam, ganz langsam trinken. (87)
„In dem Dreieck an der eigenen Wurzel (mūlādhāra), das leuchtet wie zehn Millionen Sonnen, in der Kuṇḍalinī, die von der Gestalt des Bewusstseins ist [?], opfere man die Substanz ringsum [?].“ (88) „Das Gefäß der Nicht-Diesheit (adantā) gefüllt mit dem höchsten Nektar der Diesheit (idantā) – im Feuer, das aus höchstem Ich-Sein (parāhantā) besteht: das ist das Kennzeichen von Opfer und Annahme.“ (89) Die Einheit von Guru, Gottheit und Mantras vergegenwärtige man im Denken; bis zum Aufschwung (ullāsa) trinke man den Wein, nach Anweisung [?]. (90) Die [erste] Handvoll (culluka) gilt als Vollendung gewährend, die zweite als Wissen schenkend; durch das Trinken [erlangt man] den höchsten Zustand – im Kaula-Weg wird die Dreizahl [genannt]. (91)
Vers 84: OCR „idaṃ pavitraṃ [?]“; ṅa liest „jagatāṃ paramauṣadham“ (statt „bhavabheṣajam“) und „bhavocchedakāraṇam“. Verse 85–86 sind in den Handschriften stark verschieden überliefert (kha: „cintasvātantryasāratvāt“; ṅa „bhāvāntaritā“); Verständnis unsicher, die Terminologie (svātantrya, ānanda, rasa) erinnert an kaschmirische Śākta-Śaiva-Sprache. Vers 86: ka gha ṅa „svātantryavikāśāya“ (zur Entfaltung der Freiheit). Vers 87: OCR „ananākula-“ zu „anākula“ verbessert. Vers 88: Fußnote kha „svamūlatrikoṇodyatkoṭisūryasamaprabhā“; ṅa „kuṇḍalākṛticidrūpe“; Rekonstruktion [?]. Vers 89: ṅa „homa svīkāra“. Vers 90: „mantrāṇām“ (OCR „mana ṇaṃ“) aus dem Sinn; „upadeśe“ [?]. Vers 91: „dvitīyo“ (OCR „dīpo“) [?]; ṅa „caruḥ siddhidaḥ proktaḥ“; kha ga „parapadaprāptiḥ kaule niyatam īritam“.
Nach dem Essen ist Wein Gift, nach dem Wein ist Essen Gift; als Nektar (amṛta) aber erkenne man die Speise, die mit Wein [genossen wird]. (92) Trank, mit Salz verbunden, ist wahrlich Nektar, Liebe; Trank ohne Salz ist bloßes Gift-Essen. (93)
Das Trinken wird als dreifach angegeben, in der Reihenfolge divya (göttlich), vīra (heldisch), paśu (tierhaft): das göttliche ist das Trinken vor der Göttin; das heldische das in der Mudrā-Haltung [oder: im Mudrā-Sitz] Vollzogene [ ]; das nach eigenem Willen wie ein Tier Getrunkene ist als „Tier-Trinken“ bezeichnet. (94) Das göttliche gewährt Genuss und Erlösung (bhukti, mukti), das heldische bringt Hingabe (bhakti); das Tier-Trinken gilt als Hölle, das Ergebnis des Trinkens, Liebe, [ist danach] fruchtlos [?]. (95) Solange bei Blick, Geist, Rede und Körper kein Taumel entsteht, so lange trinke man; darüber hinaus ist es Tier-Trinken. (96) Solange keine Beeinträchtigung der Sinne [eintritt], solange keine Entstellung im Mund [?], so lange nur trinke man Wein; sonst gibt es den Fall (patana). (97) Für die mit Wurzel-Weihe (mūlābhiṣeka [?]) Versehenen wird das Trinken als [erlaubt/zu üben] bezeichnet. (98)
Mit beiden Händen das Gefäß erhebend, gedenke man des Wurzelmantras und der Pādukā [Fußsandale des Gurus]; bis zum Hals trinke man die Substanz – der ist erlöst, daran ist kein Zweifel. (99)
Zählung: Die Ausgabe zählt teils falsch („82“ für 92, „84“ für 93, „85“ für 94 usw.); nach Zählung verläuft die Verszählung 92–99 wie oben. Die Ausgabe zählt Vers 98 (mit „<<“) und lässt bei 99 die Ziffer aus (OCR); Verse 98 und 99 sind hier nach Zählung getrennt. Vers 93: „lavaṇena“ (Salz) aus OCR „savvaṇena“ erschlossen; kha ṅa „viṣabhakṣaṇam“. Vers 94: „vīraṃ“ (OCR „varaṃ“); ṅa/kha: „svāsane“ statt „mudrāsane“. Vers 95: ka „tatphalaṃ viphalaṃ priye“ (dessen Frucht ist ohne Frucht/nutzlos); ṅa „nārakeya-sevanam“. Vers 96: „bhramaḥ“ aus OCR „svasaḥ“ nach ka kha [?]. Vers 97: Fußnote kha (garbled). Vers 98: „mūlābhiṣeka“ [?]; ka „tāvad yaḥ pibate madyaṃ sa mukto nātra saṃśayaḥ“ für 99cd.
pītvā pītvā punaḥ pītvā yāvat patati bhūtale | utthāya ca punaḥ pītvā punarjanma na vidyate ||100||
ānandāt tuṣyate devī mūrcchayā bhairavaḥ svayam | vamanāt sarvadevāś ca tasmāt trividham ācaret ||101||
divyapānaratānāṃ vai yat sukhaṃ kulayoginām | tat sukhaṃ sārvabhaumasya nṛpasyāpi na vidyate ||102||
yat sukhaṃ kulaniṣṭhānāṃ kuladravyaniṣevaṇāt | tat saukhyam eva mokṣaḥ syāt satyam eva varānane ||103||
iti te kathitaṃ kiñcid vaṭuśaktyādipūjanam | samāsena kuleśāni kiṃ bhūyaḥ śrotum icchasi ||104||
iti śrīkulārṇave nirvāṇamokṣadvāre mahārahasye sarvāgamottamottame sapādalakṣagranthe pañcamakhaṇḍe ūrdhvāmnāyatantre vaṭukaśaktyādipūjanaṃ nāma saptama ullāsaḥ ||
Trinkend, trinkend und wieder trinkend, bis man zu Boden fällt; [dann] sich erhebend und wieder trinkend – für den gibt es keine [Wieder-]Geburt mehr. (100) Durch Wonne (ānanda) wird die Göttin zufrieden, durch Ohnmacht [oder: durch den Willen] Bhairava selbst, durch Erbrechen [?] alle Götter; darum übe man [das Trinken] in dreifacher Weise. (101) Die Freude der im göttlichen Trinken versunkenen Kula-Yogins – solche Freude hat nicht einmal ein Weltenherrscher, ein König. (102) Die Freude derer, die in der Kula gegründet sind, durch den Genuss der Kula-Substanz: diese Freude selbst ist Erlösung (mokṣa), wahrlich, du Schönantlitzige. (103) So ist dir, Herrin der Kula, in Kürze etwas über die Verehrung des Vaṭuka, der Śakti usw. gesagt; was möchtest du weiter hören? (104)
So [endet] im ehrwürdigen Kulārṇava – im Erlösungstor Nirvāṇa-mokṣa, im großen Geheimnis, dem Höchsten der höchsten aller Āgamas, im Werk von 125.000 [Versen], im fünften Abschnitt, im Tantra der oberen Überlieferung (ūrdhvāmnāya) – der siebte Ullāsa mit dem Namen „Verehrung des Vaṭuka, der Śakti usw.“.
Vers 100: Formel „pītvā pītvā punaḥ pītvā“ nach dem OCR-Text. Vers 101: Fußnote ka „icchayā bhairavaḥ“ bzw. ṅa „mūrcchanā dravaḥ“ für „mūrcchayā bhairavaḥ“; „vamanāt“ (OCR) – ka „ramaṇāt“, kha „vāsanāt“; entsprechend „durch Genuss/Liebesspiel“ oder „durch [Duft]wahrnehmung“ möglich. Vers 104: OCR „bhūyaḥ śrotum“ ok. Kolophon: „sapādalakṣa-grantha“ = Werk von 125.000 [Ślokas], „pañcamakhaṇḍe“ = im fünften Teil; Lesung nach OCR (ähnlich Kolophon des 6. Ullāsa).