Paṭala 9: śrīkulārṇavatantre yogasaṃsthāpanakathanaṃ nāma navama ullāsaḥ
9. Kapitel: Darlegung der Grundlegung des Yoga
Quelle: Kulārṇava-Tantra, hg. Tārānātha Vidyāratna (Arthur Avalon), Tantrik Texts Vol. 5, Luzac & Co., London 1917 (archive.org, OCR-Text); Ullāsa 9 hat 134 Verse. Inhalt: Auf die Frage der Göttin nach dem Yoga und dem Lohn der Verehrung der Kula-Anhänger erklärt Śiva die Meditation (grob/fein), den Samādhi und das Wesen des Yogin (Verse 1–37), dann die höchste Verehrung als Nicht-Tun und die Gleichheit von Jīva und Śiva (38–54). Es folgen die kaulische „Umwertung“ aller Werte, das verborgene, scheinbar närrische Verhalten der Kula-Yogins (55–83) und die Merkmale und die Verehrung der Kaulas – auch mit den fünf Ritualsubstanzen (84–121). Am Schluss steht die Lehre vom Verhältnis von Werk (karman) und Erkenntnis (122–133). Die OCR-Qualität ist schlecht (viele Verse stark entstellt); unsichere Stellen sind mit [?] markiert, Handschriftenvarianten (ka kha ga gha ṅa) in notes vermerkt.
Die Göttin sprach: Herr der Kula, ich möchte den Yoga hören und das Kennzeichen des Herrn der Yogins (yogīśa), und die Frucht der Verehrung der Kula-Anhänger – sage mir das, du Schatz des Erbarmens. (1)
Īśvara sprach: Höre, Göttin, ich will dir sagen, wonach du mich fragst; allein durch das Hören davon leuchtet der Yoga unmittelbar auf. (2)
Die Meditation (dhyāna) wird nach dem Unterschied von grob und fein als zweifach gelehrt: die mit Gestalt (sākāra) nennt man grob, die gestaltlose (nirākāra) aber fein. (3) Manche bezeichnen die Festigung des Geistes [?] als „grobe“ Meditation; doch im Groben wie im Feinen soll der Geist unbewegt sein. (4)
Man meditiere über den höchsten Herrn, der frei ist von Hand, Fuß, Bauch, Mund und dergleichen, ganz aus Licht, als Sein-Bewusstsein-Wonne, ungeteilt (niṣkala). (5) Er geht nicht auf, geht nicht unter, nimmt nicht zu [?] und nimmt nicht ab; er leuchtet von selbst und lässt anderes aufleuchten, ohne ein Hilfsmittel. (6)
Vers 4ab: OCR und Handschriften uneinheitlich (ṅa: „sthirātmamānasaḥ kaścit“ und für 4cd „sthūlena niścitaṃ ceto bhavet sūkṣme 'pi saṃsthitiḥ“); Rekonstruktion des Haupttexts unsicher [?]. Vers 6b: OCR „hṛdi/hṛd“ – als „vṛddhiṃ“ gedeutet [?]. Vers 6d: ka/ga/ṅa lesen Varianten „bhāsayet“ bzw. „bhāvayet“ statt „bhāsayan“. „niṣkala“: ungeteilt, ohne Teile.
anantaṃ gatarūpaṃ ca sattāmātram agocaram | manasā mātrasaṃvedyaṃ taj jñānaṃ brahmasaṃjñitam ||7||
praṇaṣṭavāyusaṃcāraḥ pāṣāṇa iva niścalaḥ | parajīvaikadhāmā ca yogī yogavid ucyate [?] ||8||
yad ayaṃ mātranirbhāsaṃ stimitodadhivat sthitam | svarūpaśūnyaṃ taddhyānaṃ samādhir abhidhīyate ||9||
na kiñcic cintanād eva svayaṃ tattvaṃ prakāśate | svayaṃ prakāśite tattve tatkṣaṇāt tanmayo bhavet ||10||
svapnajāgradavasthāyāṃ suptavad yo 'vatiṣṭhate | niḥśvāsocchvāsahīnaś ca niścitaṃ mukta eva saḥ ||11||
niṣpandakaraṇagrāmaḥ svātmalīnamano 'nilaḥ | ya āste śavavat sākṣāj jīvanmuktaḥ sa ucyate ||12||
Unendlich, gestaltlos [?], bloßes Sein, unfassbar, allein vom Geist erfahrbar [?] – dieses Wissen wird „Brahman“ genannt. (7)
Wer, dessen Atembewegung erloschen ist, wie ein Stein unbewegt ist, dessen einzige Stätte der Höchste und das Einzelwesen zugleich sind [?], den nennt man einen Yogin, der den Yoga kennt. (8)
Wo [nur] diese bloße Erscheinung [?], wie ein regloses Meer, steht, leer von der eigenen Form – diese Meditation heißt Samādhi. (9) Nicht durch irgendein Nachdenken leuchtet die Wirklichkeit (tattva) von selbst auf; ist die Wirklichkeit von selbst aufgeleuchtet, wird man im selben Augenblick eins mit ihr. (10)
Wer im Zustand von Traum und Wachen wie ein Schlafender verharrt, ohne Ein- und Ausatmen, der ist gewiss erlöst. (11) Wessen Gesamtheit der Sinnesorgane reglos ist, wessen Geist und Atem im eigenen Selbst aufgelöst sind, wer unmittelbar wie ein Leichnam dasitzt, der heißt „lebend Erlöster“ (jīvanmukta). (12)
Vers 7: OCR stark entstellt; Handschriften: ṅa „anavasthaṃ ca tadrūpam“ (Pāda b), ka ga „vacasā nātmasaṃvedyam“ (statt „manasā mātrasaṃvedyam“); Rekonstruktion unsicher. Vers 8cd: Haupttext nach OCR „parajīvaikadhāmno“ (Genitiv, syntaktisch schwierig); Fußnoten: kha „parajīvasya sambhinno“, ga gha „parajīveṣu sanmārgaḥ“; ich habe zu „-dhāmā ca“ emendiert [?]. Vers 9: ṅa/kha „yad ayaṃ mātranirbhāsam“.
na śṛṇoti na cāghrāti na spṛśati na paśyati | na jānāti sukhaṃ duḥkhaṃ na saṃkalpayate manaḥ ||13||
na cāpi kiñcij jānāti na budhyati kāṣṭhavat | evaṃ śaktau vilīnātmā samādhistha ihocyate [?] ||14||
yathā jale jalaṃ kṣiptaṃ kṣīre kṣīraṃ ghṛte ghṛtam | aviśeṣo bhaved yadvaj jīvātmaparamātmanoḥ [?] ||15||
yathā dhyānasya sāmyāt kīṭo 'pi bhramarāyate | tathā samādhisāmyād brahmabhūto bhaven naraḥ ||16||
lo[ḍi]taṃ kṛtaṃ yadvat tatra liptaṃ na pūrvavat [?] | pṛthaktvaṃ guṇebhyaḥ syād ātmā tad iha ucyate [?] ||17||
yathā gāḍhāndhakārastho na kiñcid iha paśyati | alakṣyatvāt tathā yogī prapañcaṃ naiva paśyati [?] ||18||
yathā nimīlane kāle prapañcaṃ naiva paśyati | tathaivonmīlane 'pi syād etad dhyānasya lakṣaṇam ||19||
Er hört nicht, riecht nicht, berührt nicht, sieht nicht; er erkennt weder Glück noch Leid, und der Geist bildet keine Absicht (saṃkalpa). (13) Er erkennt auch überhaupt nichts und nimmt nichts wahr wie ein Stück Holz. So wird der, dessen Selbst in der Śakti aufgelöst ist [?], hier „im Samādhi Stehender“ genannt. (14)
Wie Wasser, in Wasser gegossen, Milch in Milch, Ghee in Ghee, keinen Unterschied [mehr] hat, so [gibt es] keinen Unterschied zwischen dem Einzelselbst und dem höchsten Selbst [?]. (15) Wie selbst ein Käfer durch die Ähnlichkeit in der Meditation zur Biene wird, so wird der Mensch durch die Angleichung im Samādhi zu Brahman. (16)
Wie [Wasser?], das aufgewühlt/gemacht wurde, nicht mehr wie früher anhaftet [?] – abgesondert von den Eigenschaften (guṇa) ist das Selbst; das heißt hier so [?]. (17) Wie einer, der in dichter Finsternis steht, hier nichts sieht, so sieht der Yogin, weil [es] nicht wahrnehmbar ist, die Welt der Erscheinung (prapañca) nicht. (18) Wie er beim Schließen [der Augen] die Erscheinungswelt nicht sieht, so auch beim Öffnen – das ist das Kennzeichen der Meditation. (19)
Vers 14c: „śaktau“ nach OCR „śake“ [?]; Handschriften ka/ga: „jñātvā“, ṅa: „(?)“. Vers 15a: OCR „liptaṃ“ (an anderer Stelle für „kṣiptaṃ“ gebraucht); in 15d fehlt im OCR das verneinende „a-“ – ergänzt nach dem Sinn („aviśeṣa“) [?]. Vers 17: erste Vershälfte im OCR nicht sicher lesbar (Rekonstruktion nur als Andeutung, keine sichere Deutung); zweite Hälfte nach OCR „pṛthagbhūto guṇebhyaḥ syād ātmā tad iha ucyate“ (ka: „…ihocyate“ ṅa: „tāvad ihocyate“). Vers 18c: Fußnote ka/ga/gha/kha „alakṣyaṃ ca“.
janaḥ svadehakaṇḍūtiṃ vijānāti yathā tathā | paraṃ brahmasvarūpo ca vetti viśvaṃ viceṣṭitam [?] ||20||
vidite parame tattve varṇātīte 'vikriye | kiṅkaratvaṃ hi gacchanti mantrā mantrādhipaiḥ saha ||21||
ātmaikabhāvaniṣṭhasya yā vā ceṣṭā tad arcanam | yo yo jalpaḥ sa mantraḥ syāt tad dhyānaṃ yan nirīkṣaṇam ||22||
dehābhimāne galite vijñāte paramātmani | yatra yatra mano yāti tatra tatra samādhayaḥ ||23||
bhidyate hṛdayagranthiś chidyante sarvasaṃśayāḥ | kṣīyante cāsya karmāṇi tasmin dṛṣṭe parāvare ||24||
yogīndreṇa yadā prāptaṃ niścalaṃ paramaṃ padam | devāsurapadaṃ yat tat prāptaṃ cāpi na dṛśyate [?] ||25||
yaḥ paśyet sarvagaṃ śāntam ānandātmakam avyayam | tasya kiñcid anālabhyaṃ jñātavyaṃ nāvaśiṣyate ||26||
Wie ein Mensch das Jucken seines eigenen Körpers weiß, so weiß [der Yogin], der von der Natur des höchsten Brahman ist, das Treiben der Welt [?]. (20) Ist die höchste Wirklichkeit erkannt, die jenseits der Laute/Buchstaben (varṇa) und unveränderlich ist, so werden die Mantras samt den Herren der Mantras zu Dienern. (21)
Für den, der fest in der Einheit des Selbst steht, ist jede Regung die Verehrung; jedes Wort, das er spricht, ist [sein] Mantra, und was er anblickt, ist Meditation. (22) Ist der Körper-Dünkel geschwunden und das höchste Selbst erkannt, so ist überall, wohin der Geist geht, Samādhi. (23) Der Knoten des Herzens wird gelöst, alle Zweifel werden zerschnitten, und seine Werke (karman) schwinden, wenn jenes Höhere-und-Niedere (parāvara) geschaut ist. (24)
Hat der Herr der Yogins den unbewegten höchsten Zustand erlangt, so gilt auch der Zustand von Göttern und Asuras, den man [dadurch] erlangt, nicht mehr etwas [?]. (25) Wer den Allgegenwärtigen, Friedvollen, dessen Wesen Wonne ist, den Unvergänglichen, schaut – für den gibt es nichts Unerreichbares, und nichts Erkennbares bleibt übrig. (26)
Vers 20: OCR entstellt; ka/ga gha/ṅa bieten Varianten („janasya“, „viśvaṃ saceṣṭitam“), Rekonstruktion unsicher. Vers 21d: Varianten „vetti tad vikramāt“ (ga gha), „varṇātīte 'sti vikrame“ (ṅa). Vers 22: „jalpa“ (Rede) nach OCR „jalya“ gedeutet; ṅa „svasyāntarasya“. Vers 24d: kha „parāvare“, ṅa „parāt pare“; Haupttext parāvare. Vers 25: OCR unsicher; Fußnote (kha) „tadvat prāpyate cāpi gadyate“; Sinn nur ungefähr [?]. Vers 26: ṅa liest zusätzlich anders („na tasya kiñcij jñātavyam …“).
samprāpte jñānavijñāne jaye ca hṛdi saṃsthite | labdhe śāntipade devi na yogo naiva dhāraṇā ||27||
pare brahmaṇi vijñāte samastair niyamair alam | tālavṛntena kiṃ kāryaṃ labdhe malayamārute ||28||
āsanābandhanaṃ nāsti nāsikābandhanaṃ na hi | na yamo niyamo 'py asti svayam ātmeti paśyatām ||29||
na padmāsanato yogo na nāsāgranirīkṣaṇam | aikyaṃ jīvātmanor āhur yogaṃ yogaviśāradāḥ ||30||
dhyāyatāṃ kṣaṇamātraṃ hi [sa]dā parama[nirvṛ]tiḥ [?] | yad bhavet sumahat puṇyaṃ tasyānto naiva gaṇyate ||31||
ahaṃ brahmāsmīti yaḥ kṛtvā tv ātmacintanam | sa sarvaṃ pātakaṃ hanyāt tamaḥ sūryodayo yathā ||32||
vratakratutapaḥstīrthadānadevārcanādiṣu | yat phalaṃ koṭiguṇitaṃ tad avāpnoti tattvavit ||33||
Sind Wissen und Erkenntnis (jñāna-vijñāna) erlangt, der Sieg [?] im Herzen gefestigt und der Zustand des Friedens gewonnen, Göttin, dann gibt es weder Yoga noch Sammlung (dhāraṇā). (27) Ist das höchste Brahman erkannt, so genügt es mit allen Regeln (niyama); was soll man mit einem Fächer tun, wenn man den Malaya-Wind [den kühlenden Sandelholzwind] hat? (28) Für die, die [alles] als das eigene Selbst sehen, gibt es keine Sitzhaltung-Bindung und keine Nasen-Bindung, weder Yama noch Niyama. (29)
Nicht aus dem Lotossitz entsteht Yoga, nicht aus dem Blick auf die Nasenspitze; die Einheit von Einzelselbst und [höchstem] Selbst nennen die Yoga-Kundigen „Yoga“. (30) Für die, die auch nur einen Augenblick meditieren, [entsteht] höchste Ruhe/Seligkeit [?]; das sehr große Verdienst, das dabei entsteht, hat kein zählbares Ende. (31) Wer, nachdem er „Ich bin Brahman“ als Selbstbesinnung vollzogen hat, der vernichtet alle Sünde wie der Sonnenaufgang die Finsternis. (32)
Was an Frucht durch Gelübde, Opfer, Askese, heilige Bäder, Almosen, Götterverehrung und dergleichen zehnmillionenfach entsteht, das erlangt der Wissende der Wirklichkeit (tattvavit). (33)
Vers 27b: OCR „jaye ca“; ṅa liest „siddhau/siddhye ca hṛdi sthite“ (Sieg oder Vollendung); Haupttext nach OCR. Vers 29ab: OCR „āsikābandhanam“, zu „āsanābandhanam“ (Sitz) gedeutet. Vers 29d nach ka/kha: „svayam evātmeti“. Nach Vers 30 hat ṅa laut Fußnote einen zusätzlichen Vers („padmāsanagato yogī nāsikāṃ nirīkṣayet“), der in den übrigen Handschriften fehlt; hier nicht aufgenommen. Vers 31ab: OCR stark entstellt („khayā parama…ntiḥ“), Rekonstruktion unsicher [?]. Vers 32: OCR „tvaṃ brahmāham asmīti“; als „ahaṃ brahmāsmi“ gedeutet; „ātmacintanam“ aus „dātvintanam“ rekonstruiert.
uttamā sahajāvasthā madhyamā dhyānadhāraṇā | japastutiḥ syād adhamā homapūjā 'dhamādhamā [?] ||34||
uttamā tattvacintā syāj japacintā tu madhyamā | śāstracintādhamā jñeyā lokacintādhamādhamā ||35||
pūjākoṭisamaṃ stotraṃ stotrakoṭisamo japaḥ | japakoṭisamaṃ dhyānaṃ dhyānakoṭisamo layaḥ ||36||
na hi dhyānāt paro mantro na devas tv ātmanaḥ paraḥ | nānusandhānāt parā pūjā na hi layāt paraṃ phalam [?] ||37||
akriyaiva parā pūjā maunam eva paro japaḥ | acintaiva paraṃ dhyānam anicchaiva paraṃ phalam ||38||
mantrodakair vinā sandhyāṃ pūjādravyair vinā tapaḥ | upacārair vinā pūjāṃ yogī nityaṃ samācaret ||39||
niḥsaṅgo nirvikalpaś ca nirupādhivāsanaḥ | nijasvarūpanirmagnaḥ sa yogī paratattvavit ||40||
Der beste [Zustand] ist der natürliche Zustand (sahajāvasthā), der mittlere ist Meditation und Sammlung (dhāraṇā); Rezitation und Lobpreis sind der niedrige, Opfer und Verehrung [?] der niedrigste. (34) Das Nachsinnen über die Wirklichkeit (tattva) ist das beste, das Nachsinnen über die Rezitation das mittlere, das Nachsinnen über die Lehrschriften ist als niedrig zu erkennen, das Nachsinnen über weltliche Dinge als das niedrigste. (35)
Ein Lobgesang ist zehn Millionen [Mal] so viel wert wie die Verehrung, die Rezitation (japa) zehn Millionen Lobgesängen gleich, die Meditation zehn Millionen Rezitationen gleich, die Auflösung (laya) zehn Millionen Meditationen gleich. (36) Es gibt kein Mantra höher als die Meditation, keinen Gott höher als das Selbst, keine Verehrung höher als die [innere] Zuwendung (anusandhāna), keine Frucht höher als die Auflösung [?]. (37)
Nichtstun ist die höchste Verehrung, Schweigen ist das höchste Rezitieren, Nichtdenken ist die höchste Meditation, Wunschlosigkeit die höchste Frucht. (38) Ohne Mantra und Wasser soll der Yogin stets die Abendandacht (sandhyā) vollziehen, ohne Opfergaben die Askese, ohne Dienste (upacāra) die Verehrung. (39)
Ohne Anhaftung, ohne Zweifel/Alternativen (nirvikalpa), ohne Neigung zu Beschränkungen (upādhi), im eigenen Wesen versunken – ein solcher Yogin kennt die höchste Wirklichkeit. (40)
Vers 34d: „homapūjā“ nach OCR „dolapūjā“ gedeutet [?]. Vers 37cd: OCR/Fußnoten variieren („nānusandheḥ“, „ṅa: nādāt“, „dānāt“); „layāt“ unsicher [?]. Vers 38: fehlt laut Fußnote in den Handschriften ka kha ga gha (nur in ṅa); die Fußnote nennt außerdem für ṅa einen zusätzlichen Vers über Lahme, Blinde, Taube usw., der inhaltlich Vers 48 entspricht. Vers 40 wiederholt fast wörtlich Vers 47 (im OCR dort „nihsaṅkalpo nirvikalpo …“); in der Ausgabe stehen beide.
Der Körper ist der Tempel, o Göttin, das Einzelwesen (jīva) ist der Gott, stets Śiva; man werfe die Opferreste der Unwissenheit weg und verehre ihn mit dem Bewusstsein „Ich bin er“. (41) Der Jīva ist Śiva, Śiva ist der Jīva; dieser Jīva ist allein Śiva. Durch die Fessel gebunden gilt er als Jīva, von der Fessel befreit als Sadāśiva. (42) Durch die Hülse gebunden ist es Reis in der Hülse (vrīhi), ohne die Hülse ist es geschältes Korn; durch Karman gebunden gilt er als Jīva, von Karman befreit als Sadāśiva. (43)
Im Feuer weilt der Gott bei den Brahmanen, im Herzen bei den Weisen, in Bildern bei den Unerweckten, überall bei denen, die das Selbst erkannt haben. (44)
Wer bei Tadel und Lob, Kälte und Hitze, Glück und Leid, Feind und Freund gleich bleibt und frei von Freude und Groll dasitzt, der ist ein Fürst der Yogins. (45) Wunschlos, stets zufrieden, gleichblickend, die Sinne bezwungen, weilt der Yogin wie ein Fremder [in der Fremde], der die höchste Wirklichkeit kennt. (46) Ohne Absichten, ohne Zweifel, ohne Neigung zu Beschränkungen, im eigenen Wesen versunken – ein solcher Yogin kennt die höchste Wirklichkeit. (47)
Vers 41c: „ajñānanirmālyam“ nach OCR „ajñānanirmālyam“. Vers 42: pāśa = die Fessel(n) (in der Śaiva-Lehre Anava, Karma, Māyā usw.). Vers 44: Handschriftliche Varianten; „sarvatra viditātmanām“ nach ka. Vers 46b: OCR „samadṛśa“; „samadṛk sa“ ist Lesung [?]. Vers 47 wiederholt Vers 40 nahezu wörtlich; ṅa lässt laut Fußnote diese Verse aus.
yathā paṅgvandhabadhirajaḍonmattamūkādayaḥ | nivasanti kleśāni [?] tathā yogī sa tattvavit ||48||
pañcamudrāsamutpannaparamānandanirbharaḥ | ya āste sa tu yogīndraḥ paśyaty ātmānam ātmani ||49||
galitāsaṅganāsaṅge [?] yat sukhaṃ jāyate priye | tad vaktuṃ naiva śakyaṃ [?] viduṣām abudhānāṃ tu pātakam [?] ||50||
sadā māṃsāsavāhlādī sadā caraṇacintakaḥ | sadā saṅkalpahīno yaḥ kulayogī sa ucyate ||51||
pibanmadyaṃ palaṃ khādan svecchācāraparāyaṇaḥ | ahaṃ tvam anayor aikyaṃ bhāvayan nivased sukhī ||52||
āmiṣāsavasaurabhyahīnaṃ yasya mukhaṃ bhavet | prāyaścittī sa varjyaś ca paśur eva na saṃśayaḥ ||53||
vaktrāsavagandhaḥ syāt paśuḥ paśupatiḥ svayam | vinā māṃsāsavagandhena sākṣāt paśur eva saḥ [?] ||54||
So wie Lahme, Blinde, Taube, Stumme, Wahnsinnige, Dumme und dergleichen [ihr Leben leben, ohne dass Leiden sie treffen?] [?], so [lebt] der Yogin, der die Wirklichkeit kennt. (48) Wer, erfüllt von der höchsten Wonne, die aus den fünf Mudrās entstanden ist, dasitzt, der ist ein Fürst der Yogins; er schaut das Selbst im Selbst. (49)
Das Glück, das, Geliebte, bei [dem Zustand] entsteht, in dem die Anhaftung (āsaṅga) geschwunden ist [?] – das kann man nicht aussprechen [?]; für die Kundigen [?], für die Unkundigen aber eine Sünde [?]. (50)
Wer stets Freude an Fleisch und berauschendem Trank (āsava) hat, stets die Füße [des Gurus/der Gottheit] bedenkt, stets frei von Vorsätzen (saṅkalpa) ist, der wird „Kula-Yogin“ genannt. (51) Wein trinkend, Fleisch essend, ganz dem eigenen Willen im Handeln folgend, soll er glücklich leben, die Einheit dieser beiden – „Ich“ und „Du“ – vergegenwärtigend. (52)
Wessen Mund ohne den Wohlgeruch von Fleischspeise und berauschendem Trank ist, der ist bußbedürftig und zu meiden – er ist bloß ein Tier (paśu), ohne Zweifel. (53) Wessen Mund nach dem Trank duftet [?], der ist, obwohl „paśu“, selbst Paśupati („Herr der paśu“, Śiva); ohne den Geruch von Fleisch und Trank aber ist er offenkundig nur ein paśu [?]. (54)
Vers 48cd: OCR „nivasanti kleśāni“ (Rest entstellt); ohne sichere Deutung. Zusatz-Fußnote nennt für ṅa „…nivasanti kleśān …“. Vers 49: „pañcamudrā“ = hier vermutlich die fünf Mudrā-Substanzen bzw. die fünf ‚M‘ (madya, māṃsa, matsya, mudrā, maithuna); der Vers selbst erklärt es nicht [?]. Vers 50: OCR stark entstellt („galimasāṅ nāsaṅga … tadvamo ro 'viduṣām abudhānāṃ tu pātakam“); ṅa/kha: „madhyamānām“/„mṛdujānām“; nur als Andeutung zu verstehen. Vers 51b: OCR „caraṇacintakaḥ“; „āsavāhlādī“ aus „āsavollāsī“ (OCR) gedeutet; ṅa „kalāśayavihīnaḥ“ o. ä. Vers 52cd: „ahaṃ tvam“ nach ṅa-Lesung („aṃ tv…“) rekonstruiert. Vers 53: „prāyaścittī“ (zur Buße Verpflichteter) nach OCR; ṅa liest anders. Vers 54: teilweise entstellt; Sinn: rituelles Kriterium für Kaula-Zugehörigkeit; Rekonstruktion unsicher [?]. Der Text ist wörtlich wiedergegeben, ohne Wertung.
loke niṣkṛṣṭam utkṛṣṭaṃ lokotkṛṣṭaṃ niṣkṛṣṭakam | kulamārge samuddiṣṭaṃ bhairaveṇa mahātmanā ||55||
anācāraḥ sadācāro 'kāryaṃ kāryam uttamam | asatyam api satyaṃ syāt kaulikānāṃ kuleśvari ||56||
apeyam api peyaṃ syād abhakṣyaṃ bhakṣyam eva ca | agamyam api gamyaṃ syāt kaulikānāṃ kuleśvari ||57||
na vidhir na niṣedhaḥ syān na puṇyaṃ na ca pātakam | na svargo naiva narakaḥ kaulikānāṃ kuleśvari ||58||
anabhijñā abhijñāyante daridrā dhanāyanti ca | vinaṣṭā api vardhante kaulikāḥ kulanāyike ||59||
ripavaś cāpi mitrāyante sākṣād dāsāyante bhūmipāḥ | bāndhavāyanti janāḥ sarve kaulikānāṃ kuleśvari ||60||
durmukhāḥ sumukhāḥ sarve garvitāḥ praṇamanti ca | bādhakāḥ sādhakāyante kaulikānāṃ kuleśvari ||61||
nirguṇāḥ saguṇāyante amaṅgalaṃ maṅgalāyate | adharmā api dharmāyante kaulikānāṃ kuleśvari ||62||
Was in der Welt gering ist, ist [im Kula] hoch, und was in der Welt hoch ist, ist gering – so ist es im Kula-Pfad vom großen Bhairava verkündet worden. (55) Regelwidriges Verhalten wird zu gutem Verhalten, Verbotenes zum Besten, was zu tun ist; selbst Unwahres wird wahr, für die Kaulas, o Herrin des Kula. (56) Auch das Untrinkbare wird trinkbar, das Ungenießbare essbar, das Unzugängliche (agamya) zugänglich, für die Kaulas, o Herrin des Kula. (57) Weder Gebot noch Verbot gilt, weder Verdienst noch Sünde, weder Himmel noch Hölle, für die Kaulas, o Herrin des Kula. (58)
Unkundige werden zu Kundigen, Arme zu Reichen, Zugrundegegangene gedeihen dennoch, die Kaulas, o Herrin des Kula. (59) Feinde werden zu Freunden, Könige zu Dienern, alle Menschen zu Verwandten, für die Kaulas, o Herrin des Kula. (60) Unfreundliche werden freundlich, Hochmütige verneigen sich, Hindernde (bādhaka) werden zu Vollbringern (sādhaka), für die Kaulas. (61) Eigenschaftslose werden [wie] mit Vorzügen begabt, Unheil wird zu Heil, selbst Unrechtes wird zu Rechtem, für die Kaulas. (62)
Vers 55: „bhairaveṇa“ aus OCR „bhaireṇa“ gedeutet. Vers 56b: ṅa liest „sarvakāryam“ statt „akāryam“ (und ka/ga „sarvajñaś ca“ o. ä.); Haupttext nach OCR/kha. Verse 59–62 verwenden Denominative auf -āyate („wird wie …“); Verbformen in 59 (abhijñāyante, dhanāyanti) aus OCR („abhijñanti, dhanayanti“) rekonstruiert [?]. Die Verse beschreiben die paradoxe „Umwertung“ im Kula-Pfad (kaulische Antinomie); sie werden wörtlich, ohne Deutung übersetzt.
[…?], o Göttin, wird das Haus wie der Himmel, und der Umgang mit Frauen wie Verdienst, für die Kaulas, o Herrin des Kula. (63) Was soll hier viel gesagt werden: die Herren der Kula-Yogins, Geliebte, haben stets ihre Absicht erfüllt (saṅkalpasiddha) – darüber darf man nicht grübeln. (64) In welcher Gewandung auch immer, wodurch auch immer unkenntlich, wo auch immer soll der Kula-Yogin weilen, o Herrin des Kula. (65) Die Yogins, den Menschen zum Wohl handelnd, streifen in mancherlei Gestalten über diese Erde, ohne dass man ihr wahres Wesen erkennt. (66)
Überall verbergen sie ihre Selbsterkenntnis, o Herrin des Kula [?]; wie ein Verrückter, Stummer, Dummer soll man mitten unter den Leuten leben. (67) So wie in der Welt der Lauf von Mond und Sonne am Himmel nicht wahrnehmbar ist, so [ist es] bei den Kula-Yogins [?]. (68) Wie man, Göttin, den Weg der Vögel am Himmel und der Wasserlebewesen im Wasser nicht sieht, so ist der Weg der Yogins zu erkennen [nämlich: nicht erkennbar]. (69)
Vers 63a: OCR unlesbar (nach Ziffern „satyadāya“?); Teil ausgelassen. Handschrift ṅa: „svargaḥ sākṣād gṛhāyate“; ṅa „ʼṅganāḥ sarvāḥ“. Vers 66d: „avijñātasvarūpiṇaḥ“ nach OCR. Vers 67ab: OCR „sakṛtvevātmavijñānaṃ khyāpayanti“ (kha: „sat tv evātmavijñānaṃ khyāpayet kevalam“); ich habe „gopayanti“ (verbergen) nach dem Kontext (67cd „wie ein Stummer“) gedeutet [?]; diese Lesart weicht vom OCR ab. Nach Fußnote fehlt der Vers in ka ga gha ṅa. Vers 68: OCR/ Fußnote (ṅa „tathaiva kulayogināṃ“) – zweite Hälfte verkürzt; Sinn sicher, Wortlaut unsicher. Zwischen 69 und 70 steht im OCR eine unlesbare Zeile („nakṣatrāṇāṃ grahāṇāṃ …“, wohl Variante); nicht übernommen.
Sie reden, als wären sie nicht bei Verstand [?], sie treiben sich herum wie Unwissende, Geliebte; sie erscheinen wie Gewöhnliche, obwohl sie in der Kula-Lehre-und-Yoga bewandert sind. (70) Wie die Leute [sie] verachten sollen, so dass sie sich nicht mit ihnen abgeben, [so verhält] der Yogin sich, ohne irgendetwas zu sagen. (71) Auch wenn er erlöst ist, soll er wie ein Kind spielen, [im Kreis] der Kula wie ein Dummer umhergehen, wie ein Verrückter reden, obwohl er gelehrt ist – der Kula-Yogin, o große Herrin. (72)
So wie diese Welt lacht, sich ekelt und schmäht, verhält sich der Yogin, sodass man ihn, wenn man ihn sieht, von ferne meidet. (73) Mal wohlerzogen, mal verkommen, mal wie ein Geist oder Dämon (bhūta-piśāca), in vielerlei Gestalt und Tracht soll der Yogin auf Erden umherziehen. (74) Zum Nutzen der Welt genießt der Yogin Genüsse, nicht aus Begierde; umherwandernd unter allen Leuten soll er auf der Erde spielen [?]. (75) [Wie das Feuer, das alles verzehrt], wird er, obwohl er alle Genüsse genossen hat, nicht von den Übeln befleckt. (76) Wie der Wind alles berührt und der Raum alles durchdringt, so ist der allgegenwärtige Yogin stets rein [?]. (77)
Vers 70a: „asanta“ (nicht seiend / nicht bei Sinnen) nach OCR; Lesart unsicher. Vers 71: OCR verstümmelt; Sinn: der Yogin schweigt und lässt sich meiden. Vers 72: „kulena“ nach OCR/ka; ṅa liest „kule“. Vers 74a: „chiṣṭaḥ“ (kvacic chiṣṭaḥ) nach OCR „chiṣṭa“ – „gebildet/wohlerzogen“ [?]. Vers 75cd: OCR „…dṛśyan janān sarvān …“; ṅa „aṭan gṛhān kulān sarvān“; Haupttext mit „aṭan janān“ als Kompromiss [?]. Vers 76: erste Vershälfte im OCR unvollständig („bhogo yathā 'nalaḥ“), Ergänzung „sarvabhuk“ (alles verzehrend) sinngemäß [?]. Vers 77: Rekonstruktion nach OCR; Fußnote: fehlt in ka ga gha ṅa.
Wie Wasser, das ins Dorf gelangt ist, rein wird, wenn es mit einem Fluss verbunden ist, so ist, was der Hand eines Yogin übergeben wird, rein – [gleich wo, im Haus] nach eigenem Belieben usw. [?]. (78) Was die in der Kula-Lehre Bewanderten tun, o Herrin der Götter, das ist für die Kundigen und die, die ihr Heil wünschen, maßgeblich [?]. (79) Der Weg, auf dem die Herren der Yogins wandeln, gilt als der höchste Weg; wie auch die Himmelsrichtung, in der die Sonne aufgeht, „die östliche“ heißt. (80) Wo auch immer der Elefant geht, dort entsteht ein Pfad; wo der Kula-Yogin wandelt, dieser ist der [jeweilige] Weg, o Herrin des Kula. (81)
Wer vermag einen gekrümmten Fluss gerade zu machen oder seinen Lauf zu hemmen – oder den nach eigenem Willen Wandelnden, Friedvollen abzuhalten? (82) So wie ein toller junger Elefant, mit dem man spielen kann, zu sehen ist [?], so ist auch der Wissende zu sehen, der mit den Schlangen der Sinne spielt [?]. (83) Von Leid befreit, zufrieden, frei von den Gegensatzpaaren, ohne Missgunst, in der Kula-Erkenntnis versunken, friedvoll und dir ergeben sind die Kaulas. (84)
Vers 78cd: OCR „tathā svecchāgṛhādi yogihastāpitaṃ śuci“; ṅa: „ādiyogigṛhasthagataḥ śuciḥ“; Sinn nur ungefähr [?]. Vers 79: OCR „tadeva viduṣāṃ mānyamāno hitakāṅkṣiṇām“; ich lese „mānyaṃ … mānyaṃ“ nicht gesichert [?]. Vers 80cd: ka: „syāt pūrvā“. Vers 82: „ṛjuṃ“ aus „ḥajaṃ“ (OCR) rekonstruiert. Vers 83: OCR/ṅa stark entstellt („yad unmatta …“, „krīḍan sarvo na“); die Vergleichslogik ist unklar; Übersetzung nur vorläufig [?]. Vers 84: ka ga gha „vidurāgamavatsalāḥ“ (in 84c); ka „jñānajñānaratāḥ“.
amadakrodhadambhāśāhaṅkārāḥ satyavādinaḥ | kaulikendrā hy acapalā ye nendriyavaśānugāḥ ||85||
kīrtyamāne kule yeṣāṃ romāñco gadgadasvaraḥ | ānandāśru pated devi kathitāḥ kaulikottamāḥ ||86||
sarvadharmādhiko loke kuladharmaḥ śivoditaḥ | iti ye niścitadhiyaḥ proktās te kaulikottamāḥ ||87||
yaḥ kulatattvajñaḥ kulaśāstraviśāradaḥ | kulārcanarataḥ sa syāt kaulikaḥ nāparaḥ priye ||88||
kulabhaktān kulajñānān kulācārān kulavratān | prīto bhavati yo nityaṃ kaulikaḥ sa ca me priyaḥ ||89||
japayajñoccāraṇamūlamantrārthatattvavit | [...] gurubhaktaś ca kaulikaḥ syād dīkṣayā [?] ||90||
[kulācāryasya] darśanaṃ [puṇya]pākenaiva labhyate nānyathā priye ||91||
smṛtaḥ kīrtito dṛṣṭo vandito bhāṣito 'pi vā | punāti jaladhi[?] … caṇḍālo 'pi … [?] ||92||
Ohne Dünkel, Zorn, Heuchelei, [eitle] Hoffnung und Ichbezogenheit, wahrhaftig, unstet nicht [d. h. beständig], die Fürsten der Kaulas, die den Sinnen nicht folgen [?] – (85) bei denen, wenn die Kula gepriesen wird, die Haare sich sträuben, die Stimme stockt und Tränen der Wonne fallen, o Göttin, die werden „die besten Kaulas“ genannt. (86) „Das Kula-Dharma, von Śiva verkündet, steht in der Welt über allen Dharmas“ – die, die dessen gewiss sind, werden als die besten Kaulas bezeichnet. (87)
Wer die Wirklichkeit der Kula kennt, in den Kula-Lehrschriften bewandert ist und der Kula-Verehrung ergeben ist, der ist ein Kaula, kein anderer, Geliebte. (88) Wer stets Freude hat an Kula-Anhängern, Kula-Kennern, Kula-Übenden und Kula-Gelübde-Haltenden, der ist ein Kaula, und der ist mir lieb. (89) [Wer] die Bedeutung des Wurzelmantras (mūla-mantra) und die Wirklichkeit [kennt …?], dem Guru ergeben ist, der wäre durch die Einweihung (dīkṣā) ein Kaula [?]. (90) Den Anblick eines Kula-Ācārya erlangt man nur durch die Reifung von Verdienst, nicht anders, Geliebte [?]. (91) Auch wenn nur erinnert, gepriesen, gesehen, begrüßt oder angesprochen, reinigt [ein solcher] … – selbst ein Caṇḍāla … [?]. (92)
Vers 85: Lesung „ahaṅkārāḥ“ (statt „-vivarjitāḥ“) nach OCR; „acapalāḥ“ = nicht unstet, beständig. Vers 87b: „kuladharmaḥ“ nach OCR „kuladhanaḥ“ [?]. Vers 89d: ṅa liest „kulaśiṣyāṇām“. Verse 90–92: OCR stark entstellt (auch Fußnoten: „tattvalayābhicāra“, „vipākenaiva“, „kaulakhyātāṭi“ u. a.); die Verse sind nur teilweise lesbar; Rekonstruktion in Klammern und mit [?]; Übersetzung sinngemäß und vorläufig. Zählung von 90–92 nach Ziffernfolge im OCR (91, 92 erhalten).
sarvajño 'py alpo vāpy uttamo vā 'dhamo 'pi vā | yatra devi kulajñānī tatrāhaṃ tvayā saha ||93||
nāhaṃ vasāmi kailāse na meruṇā ca mandare | kulajñā yatra tiṣṭhanti tatra tiṣṭhāmi bhāvini ||94||
sudūram api gantavyaṃ yatra māheśvaro janaḥ | draṣṭavyaṃ ca prayatnena tatra sannihito hy aham ||95||
atidūrasthito vāpi draṣṭavyaḥ kuladeśikaḥ | samīpe vartamāno 'pi na draṣṭavyaḥ paśuḥ priye ||96||
kulajñānī vased yatra sa deśaḥ puṇyabhāk tataḥ | darśanāc ca tasya [?] mucyate [?] ||97||
kulajñāninam ālokya svasantānagṛhe sthitam | hasanti pitaras tasya yāsyāmaḥ paramāṃ gatim ||98||
samāśvasanti pitaraḥ suvṛṣṭim iva karṣakaḥ | yo 'smatkuleṣu putro vā pautro vā kaulikaḥ bhavet ||99||
sa dhanyaḥ khalu loke 'smin puruṣaḥ kṣīṇakalmaṣaḥ | yatsamīpaṃ samāyānti kulācāryāḥ mudā priye ||100||
Ob allwissend oder wenig wissend, ob der Beste oder der Geringste – wo, Göttin, ein Kula-Kenner ist, dort bin ich mit dir. (93) Ich wohne nicht auf dem Kailāsa, nicht auf dem Meru und nicht auf dem Mandara; wo die Kula-Kenner weilen, dort weile ich, Erhabene. (94) Auch sehr weit muss man gehen, wo ein Verehrer Maheśvaras (māheśvara) ist, und ihn mit Mühe aufsuchen; dort bin ich gegenwärtig. (95) Auch wenn er sehr weit entfernt ist, ist der Kula-Lehrer (kuladeśika) aufzusuchen; ein Tier (paśu, ein nicht Eingeweihter) aber ist nicht aufzusuchen, auch wenn er ganz nah ist, Geliebte. (96)
Wo ein Kula-Kenner wohnt, dieses Land wird dadurch verdienstvoll; und durch den Anblick von ihm … wird man [von Sünden?] befreit [?]. (97) Wenn die Ahnen einen Kula-Kenner in dem Haus ihrer Nachkommenschaft sehen, lachen sie [frohlocken sie]: „Wir werden das höchste Ziel erreichen.“ (98) Die Ahnen atmen auf wie ein Bauer über guten Regen: „Wer aus unserem Geschlecht als Sohn oder Enkel ein Kaula wird – (99) der ist wahrlich glücklich in dieser Welt, ein Mensch, dessen Schuld geschwunden ist, in dessen Nähe die Kula-Ācāryas freudig kommen, Geliebte.“ (100)
Vers 93b: OCR „svayaṃ vāpy“; ich lese „alpo vāpy“ [?]. Vers 94: „meruṇā“ aus OCR „merau“ (Lokativ); ṅa „nandite/…“. Vers 97cd: OCR entstellt; Rekonstruktion nicht möglich, Wortlaut nur angedeutet [?]. Vers 98: ka liest „nṛtyanti pitaras tasya“ statt „hasanti“. Verse 98–100: die Ahnen sprechen; Vers 99 (im OCR mit falscher Ziffer, 99 nach Zählung) und Vers 100 syntaktisch zusammengezogen; ṅa „satsamīpaṃ“ in 100c.
kaulikendre samāyāte kaulikāvasathaṃ prati | samāyānti mudā devi yoginyo yogibhiḥ saha ||101||
praviśya kulayogīndraṃ bhajante pitṛdevatāḥ | tasmāt sampūjayed bhaktyā kulajñānaparāyaṇān ||102||
abhyarcayitvā tvāṃ devi tvadbhaktān nārcayanti ye | pāpiṣṭhās tvatprasādasya bhājanaṃ na bhavanti te ||103||
naivedyaṃ purato nyastaṃ dṛṣṭvā devi svīkṛtaṃ mayā [?] | rasān bhaktasya jihvāgrād aśnāmi kamalekṣaṇe ||104||
tvadbhaktapūjanād devi pūjito 'haṃ na saṃśayaḥ | tasmān mama priyākāṅkṣī tvadbhaktān eva pūjayet ||105||
yat kṛtaṃ kulaniṣṭhānāṃ tad devānāṃ kṛtaṃ bhavet | devāḥ kulapriyāḥ sarve tasmāt kaulikam arcayet ||106||
na tuṣyāmy aham anyatra tathā bhaktyā supūjitaḥ | kaulikendre 'rcite samyak yathā tuṣyāmi pārvati ||107||
Wenn ein Fürst der Kaulas zur Wohnstätte der Kaulas kommt, kommen freudig, Göttin, die Yoginīs mit den Yogins. (101) Die Ahnen und Götter treten in den Kula-Yogin-Fürsten ein und dienen [durch ihn]; darum soll man die, die in der Kula-Erkenntnis ihr Ziel haben, mit Hingabe verehren. (102) Diejenigen, die dich, Göttin, verehren, aber deine Anhänger nicht verehren, sind die schlimmsten Sünder und werden nicht zum Gefäß deiner Gnade. (103)
Das Opfermahl (naivedya), das [mir] vorn hingestellt ist, [habe ich, nachdem ich es sah, angenommen?] [?]; doch die Geschmäcke esse ich von der Zungenspitze des Gläubigen, o Lotosäugige. (104) Durch die Verehrung deiner Anhänger, Göttin, bin ich verehrt, kein Zweifel; darum soll, wer mein Wohlgefallen wünscht, nur deine Anhänger verehren. (105) Was den in der Kula Verankerten getan wird, das ist den Göttern getan; alle Götter lieben die Kula; darum soll man den Kaula verehren. (106) Ich werde anderswo nicht [so] zufrieden, auch wenn ich mit Hingabe bestens verehrt werde, wie ich zufrieden bin, wenn ein Fürst der Kaulas recht verehrt wird, Pārvatī. (107)
Vers 102a: „praviśya“ nach OCR. Vers 104ab: OCR unsicher („dṛṣṭvā? / dṛṣṭāt“, Fußnote kha ṅa „devi sīlaṃ“, „mayā“); es ist unklar, ob das vorn hingestellte Opfermahl angenommen oder gerade nicht angenommen wird (zweiter Halbvers legt Gegensatz nahe: Śiva nimmt die Geschmäcke aus dem Mund des Anhängers); Übersetzung vorläufig [?]. Vers 106b–c: OCR „…rāḥ kulapriyāḥ“, „devāḥ“ ergänzt [?]; ṅa „kulaśiṣyāṇām“.
yat phalaṃ kaulikendrāṇāṃ pūjayā labhate priye | tat phalaṃ nāpnuyāt tīrthatapodānamakhavrataiḥ ||108||
dattam iṣṭaṃ hutaṃ taptaṃ pūjitaṃ japtam agriyam | [vṛthā] bhaved atha kulajñaṃ yo 'vamānayet [?] ||109||
aśanaṃ tad ucchiṣṭaṃ devi sa pāpī śvapacādhamaḥ | yaḥ praviśya kulaṃ dharmaṃ kulācāraṃ na vetti cet [?] ||110||
kulaniṣṭhān parityajya yac cānyasmai pradīyate | dānaṃ niṣphalaṃ devi dātā ca narakaṃ vrajet ||111||
bhinnabhāṇḍe jalaṃ yadvat śilāyām uptabījavat | bhasmanīva hutaṃ nyastaṃ tadvad dattam akaulike ||112||
yathāśaktyā tu yat kiñcid yo dadyāt kulayogine | viśeṣatithiṣu prītyā tat phalaṃ naiva gaṇyate ||113||
yo devi svayam āhūya kulajñānān śubhe dine | abhyarcya devatābuddhyā gandhapuṣpākṣatādibhiḥ ||114||
madyādibhiḥ pañcamudrābhiḥ stutyā parituṣayet | teṣu tuṣṭeṣv ahaṃ tuṣṭas tuṣṭāḥ syuḥ sarvadevatāḥ ||115||
Die Frucht, die man, Geliebte, durch die Verehrung der Fürsten der Kaulas erlangt, die erlangt man nicht durch Wallfahrten, Askese, Almosen, Opfer und Gelübde. (108) Gegebenes, Geopfertes, ins Feuer Gegossenes, Kasteiungen, Verehrung und Rezitation, das Beste [?]: [alles wird] umsonst, wenn einer einen Kula-Kenner geringschätzt [?]. (109) Dessen Speise ist Abfall, Göttin; er ist ein Sünder, der gemeine Hundeesser (śvapaca), der in die Kula eingetreten ist und das Kula-Dharma und die Kula-Praxis nicht kennt [?]. (110)
Wer die in der Kula Verankerten übergeht und einem anderen gibt – dessen Gabe ist fruchtlos, Göttin, und der Geber geht in die Hölle. (111) Wie Wasser in einem geborstenen Gefäß, wie Same, der auf Fels gesät wurde, wie eine ins Feuer gegebene Opferspende in die Asche – so ist es, wenn man einem Nicht-Kaula gibt. (112) Aber was einer nach Kräften, mit Zuneigung, einem Kula-Yogin gibt, besonders an [heiligen] Tagen – dessen Frucht ist unzählbar. (113)
Wer, Göttin, an einem glücklichen Tag Kula-Kenner selbst einlädt, sie mit Götterbewusstsein mit Duftstoff, Blumen, ungebrochenen Reiskörnern usw. verehrt (114) und mit den fünf Mudrās – Wein usw. – und mit Lobpreis zufriedenstellt: sind diese zufrieden, so bin ich zufrieden, und alle Götter sind zufrieden. (115)
Vers 109: OCR entstellt („kaj bhavedatha“, „japtamagriyam“?); erster Teil des zweiten Halbverses [vṛthā] ergänzt [?]. Vers 110: OCR „aśanaṃ tad ucch…“; Wortlaut unsicher [?]. Vers 112c: „bhinnabhāṇḍe“ aus OCR „hmanrabhāṇḍe“ rekonstruiert; „tadvad dattam akaulike“ nach OCR „tadd…na kaulike“ [?]. Vers 113d: „gaṇyate“ (OCR „varte“). Vers 115a: „madyādibhiḥ“ aus OCR „mādibhiḥ“ [?]; „pañcamudrā“ hier = die fünf Ritualsubstanzen (Wein usw.) nach Kontext. Fleisch/Wein/Mudrā sind hier wörtlich, sachlich wiedergegeben.
Wer einem von Wein berauschten Kula-Yogin eine Frau, Tochter oder Gattin gibt, Herrin der Götter – dessen Verdienst ist nicht zu zählen [?]. (116) […] mit Mühe gezeigt [?]; Wegzehrung für die jenseitige Welt, auch im Kreis der Helden (vīracakra), … mein [?]. (117) Einen, der sündhaftem Wandel folgt und von allen Menschen ausgestoßen ist, [auch] den bringt die Kula-Substanz (kuladravya) [zur Vollendung], selbst den Herrn der Yogins [?]. (118)
In welchem Land ein Held (vīra) wohnt, der der Kula-Verehrung ergeben ist, Geliebte, auch dieses Land wird rein; was soll man erst von denen sagen, die in seiner Stadt sind. (119) Wird ein Fürst der Kaulas auch nur einmal gespeist, so wird das Verdienst zehnmillionenfach; was dann erst, wenn viele gespeist werden – dieses Verdienst ist unzählbar. (120) Darum soll man mit aller Anstrengung, in allen Lebenslagen, allezeit dem Kula-Dharma ergeben sein und den Kula-Kenner verehren. (121)
Ob wissend oder unwissend – solange man den Körper trägt, so lange sind Kaste- und Lebensstufen-Pflichten (varṇāśrama) zur Befreiung vom Karman zu üben. (122)
Vers 116: die Gabe einer Frau (Tochter, Ehefrau) an den Kula-Yogin wird im Text als verdienstvolles Geben genannt; wörtlich wiedergegeben. „aṅganāṃ“ aus OCR „ajinī“ [?]. Vers 117: OCR stark entstellt (Fußnoten: ka „anivāta“, ga „alivinda“, kha „vīrevā carcitaṃ“, ṅa „vīracakrārpitam“); nur Teile lesbar. Vers 118: Verbform „sādhate“ nach OCR „cādhate“ / „bādhate“; die Lesart bādhate („bedrängt“) würde dem Kontext widersprechen; [?]. Vers 119b: Fußnoten „puṇya/pūjya“ (ka ga: puṇyaḥ). Vers 120a: „bhukte“ nach ṅa („kaulikaṃ yaḥ sakṛd bhuṅkte“ o. ä.); Haupttext OCR „kaulikendra sakṛdbhukte sukhaṃ“ – „puṇyaṃ“ nach Sinn (Pāda cd). Vers 122d: ṅa „sarvamuktaye“ statt „karmamuktaye“.
karmaṇonmūlite 'jñāne jñānena śivatāṃ vrajet | śivaikyenaiva muktiḥ syād ataḥ karma samācaret ||123||
kuryād anindyaṃ karmāṇi nityakarmāṇi vā caret | karmamuktaḥ sukhākāṅkṣī karmaniṣṭhaḥ sukhaṃ vrajet ||124||
sarvakarmāṇi saṃtyaktuṃ na śakyaṃ dehadhāriṇā | tyajet karmaphalaṃ yo vā sa tyāgīty abhidhīyate ||125||
sa kāryeṣu pravartante karaṇānīti cintayet | ahaṃbhāvam apāsyaiva yaḥ kuryāt sa na lipyate ||126||
kriyamāṇāni karmāṇi jñānaprāpter anantaram | na ca spṛśanti tattvajñaṃ jalaṃ padmadalaṃ yathā ||127||
sanniṣṭhasya ca karmāṇi puṇyāpuṇyāni saṃcayam | prayānti naiva lipyante kriyamāṇāni vā punaḥ [?] ||128||
utpannasahajānandas tattvajñānarataḥ priye | saṃtyaktasarvasaṅkalpaḥ sa vidvān karma saṃtyajet ||129||
Wird die Unwissenheit durch das Werk [Karman] entwurzelt, so gelangt man durch Erkenntnis zum Śiva-Sein; allein durch die Einheit mit Śiva entsteht Erlösung; darum soll man das Werk ausüben. (123) Man soll untadelige Werke tun oder die täglichen Pflichten (nitya-karman) ausüben; wer vom Werk [zu] befreit [werden] und Glück wünscht, der geht, im Werk verankert, glücklich [dahin]. (124) Alle Werke ganz aufzugeben ist für einen Körperträger nicht möglich; wer aber die Frucht des Werkes aufgibt, der wird „Entsagender“ (tyāgī) genannt. (125) „Die Organe wirken bei den Handlungen“ – so soll er denken; wer, nachdem er das Ich-Bewusstsein abgelegt hat, handelt, der wird nicht befleckt. (126) Die Werke, die nach Erlangung der Erkenntnis noch getan werden, berühren den Kenner der Wirklichkeit nicht, wie Wasser das Lotosblatt. (127)
Bei dem fest Gegründeten [?] gehen die angehäuften guten und schlechten Werke dahin und haften nicht an, ebenso die noch getanen [?]. (128) Wem angeborene Wonne (sahajānanda) entstanden ist, der in der Wirklichkeitserkenntnis verankert ist, Geliebte, wer alle Vorsätze aufgegeben hat, der Wissende möge das Werk aufgeben. (129)
Vers 123ab: ka ga „karmaṇā mīlitaṃ jñānam“, kha „karmaṇonmīlitaṃ jñānam“; Haupttext nach OCR; „unmūlite“ gedeutet. Vers 124: OCR-Lesung; der Sinn nicht ganz klar. Vers 126a: „sa“ unsicher (OCR); Deutung: karaṇāni (Sinnesorgane) als Subjekt [?]. Vers 128a: „sanniṣṭhasya“ nach OCR „saṃniṣṭhasya“ (Handschriften ka ga: „kriyāmāṇāni cāmunā“ in 127-Fußnote); Sinn unsicher [?].
Die, die den Werkteil (karmakāṇḍa) umsonst aufgegeben haben – als Ungelehrte, die sich für gelehrt halten, sind Ketzer (pāṣaṇḍa) und gehen in die Hölle, Geliebte. (130) Wie einer, der die Frucht erlangt hat, die fruchtlose Blüte lässt, so soll der Yogin, wenn er die Wirklichkeit erlangt hat, alle Werke aufgeben [?]. (131) Selbst durch zehntausend Rossopfer und zehntausend Brahmanenmorde werden von Verdienst und Übel nicht befleckt diejenigen, in deren Herzen Brahman steht. (132) Alle Verrichtungen auf Erden geschehen um der Zunge und des Genitals willen; was wird einer, der Zunge und Genital aufgegeben hat, durch Werk tun? (133)
So habe ich dir ein wenig über den Yoga und das Kennzeichen des Herrn der Yogins gesagt, in Kürze, Herrin der Kula; was möchtest du weiter hören? (134)
So [endet] im Kulārṇava-Tantra – [dem Tantra, das] Nirvāṇa und Erlösung gibt, dem besten unter allen Āgamas, im Werk von 125.000 [Versen] […], im Āmnāya-Tantra [?] – der neunte Ullāsa mit dem Titel „Darlegung der Grundlegung des Yoga“.
Vers 130: „vṛthaiva yaiḥ“ aus OCR „chathevaḥ yaiḥ“. Vers 131: OCR stark entstellt („phalaṃ prāpya yathā tantuḥ / tajño puṣpaṃ tyajati niṣphalam; tattvaṃ prāpya tathā yogī tyajet karma …“); Fußnoten (kha ṅa) „yathaiva“, „rudraṃ / kartu“; unsicher [?]. Vers 133: OCR „pṛthivyāṃ yāni kāryāṇi …“ – ṅa „nimittakam“. Kolophon: OCR verstümmelt („iti śrīkulārṇave nirvāṇamokṣadāyaka … sarvāgamottamottame sapādalakṣagranthe … khaṇḍe … āmnāyatantre yogasaṃsthāpanakathanaṃ nāma navama ullāsaḥ“); der Werktitel und die Bezeichnung „sapādalakṣa“ (125.000) nach OCR; lückenhaft. „yogasaṃsthāpana“ = Festlegung/Grundlegung des Yoga. In den OCR-Versnummern folgt die Zählung bis 134 lückenlos.