Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 34

Anuvāka 5 Der Mahāvrata-Tag: Schaukel-Sitz, Wettstreit von Śūdra und Ārya um das Fell, Trommeln und Saiteninstrumente, Kumbhinī-Frauen und Rüstungen.

āsandīm āruhyodgātā mahāvratenodgāyati

Auf einen Sessel [Anm.: āsandī, ein Hochsitz] gestiegen, singt der Udgātṛ das Mahāvrata-Sāman.

preṅkham āruhya hotā mahad uktham anuśam̐sati

Auf eine Schaukel gestiegen, rezitiert der Hotṛ das große Uktha (Śastra).

adhiṣṭhāne 'dhiṣṭhāyādhvaryū pratigṛṇītaḥ

Auf einem Standbrett stehend, antworten die beiden Adhvaryus mit dem Pratigara.

kūrceṣv itara āsate

Die anderen sitzen auf Grasbüscheln (kūrca).

antarikṣaṃ vā annam

Der Luftraum ist nämlich Nahrung.

amuto vai pradīyate

Von dort (vom Himmel) wird gegeben.

asyāṃ prajāyate

Auf dieser (Erde) wird es erzeugt.

tad antarikṣāya jāyate

Das wird für den Luftraum geboren [?].

yad antarikṣa āsīnā mahāvratena caranti

Dass sie, im Luftraum sitzend, das Mahāvrata vollziehen,

annādyasyopāptyai

(geschieht) zur Erlangung von Speise.

atho devasākṣya evopariṣadyaṃ jayanti

Und sie gewinnen so, im Angesicht der Götter, das Obersitzen [?] (den Platz oben).

svargam u lokam ākramamāṇā yanti

Und die Himmelswelt besteigend, gehen sie (ans Werk).

abhigarāpagarau bhavataḥ

Es gibt Anruf und Gegenruf (Abhigara und Apagara) [Anm.: Zurufe wechselseitiger Lobpreisung und Schmähung].

pra vā anyas sattriṇaś śam̐sati nindaty anyo yaḥ praśam̐sati

Einer der Sattra-Teilnehmer lobt, der andere schmäht den, der lobt.

yad evaiṣām̐ suṣṭutam̐ suśastaṃ tat sa praśam̐sati

Was an ihnen gut gepriesen, gut rezitiert ist, das lobt jener.

atha yo nindati yad evaiṣām̐ duṣṣtutaṃ duśśastaṃ tat so 'pahanti

Wer aber schmäht, der schlägt weg, was an ihnen schlecht gepriesen, schlecht rezitiert ist.

śūdrāryau carman vyāyacchete ‖

Ein Śūdra und ein Ārya kämpfen um das Fell. ‖

devāś ca vā asurāś cāditye vyāyacchanta

Götter und Asuras stritten nämlich um die Sonne (Āditya).

taṃ devā abhyajayan

Sie gewannen die Götter für sich.

āryaṃ varṇam ujjāpayati

Den Ārya-Stand lässt er siegen.

ātmānam evojjāpayati

Sich selbst lässt er siegen.

antarvedy āryas syād bahirvedi śūdras

Innerhalb der Vedi soll der Ārya stehen, außerhalb der Vedi der Śūdra.

śvetaṃ carma parimaṇḍalam̐ syāt

Das Fell soll weiß und rund sein.

ādityasya rūpam

Es ist die Gestalt der Sonne.

sarvāsu sraktiṣu dundubhayo vadanti

An allen Ecken [Anm.: sraktī, Ecken/Kanten des Feldes] tönen die Pauken.

yā dikṣu vāk tāṃ tenāvarundhate

Die Stimme, die in den Himmelsrichtungen ist, gewinnen sie dadurch.

bhūmidundubhir bhavati

Es gibt eine Erdpauke (bhūmidundubhi).

yāsyāṃ vāk tāṃ tenāvarundhate

Die Stimme, die in dieser (Erde) ist, gewinnen sie dadurch.

yā paśuṣu vāk tāṃ tenāvarundhate

Die Stimme, die im Vieh ist, gewinnen sie dadurch.

kāṇḍavīṇā vadanti

Rohrlauten (kāṇḍavīṇā) tönen.

yauṣadhiṣu vāk tāṃ tenāvarundhate

Die Stimme, die in den Pflanzen ist, gewinnen sie dadurch.

nāḍītūṇavā vadanti

Röhrenflöten und Tūṇavas [?] tönen.

yā vanaspatiṣu vāk tāṃ tenāvarundhate

Die Stimme, die in den Bäumen ist, gewinnen sie dadurch.

vāṇaś śatatantur bhavati

Es gibt eine Vāṇa-Harfe mit hundert Saiten.

śatāyur vai puruṣaś śatavīryas

Hundertjährig ist nämlich der Mensch, hundertfach an Manneskraft.

āyur eva vīryam avarunddhe ‖

Lebenskraft (Lebensdauer) und Manneskraft gewinnt er. ‖

brahmacārī ca pum̐śacalī cartīyete

Ein Brahmacārin und eine Dirne [?] wetteifern (schmähen einander) [?].

sarvā hi bhūte vāco vadanti

Denn alle Stimmen der Wesen tönen.

mithunaṃ caranti

Sie vollziehen das Paar (Beiwohnung) [?].

saṃvatsaraṃ vā ete prajāyamānās sattram āsate

Ein Jahr lang sitzen diese, sich fortpflanzend, im Sattra.

teṣām̐ saṃvatsareṇaiva prajananam antardhīyate

Ihnen ist die Fortpflanzung durch dieses eine Jahr entzogen;

saṃvatsarasyaiva prajananasyopāptyai

(geschieht) zur Erlangung eben der Fortpflanzung des Jahres.

kumbhinīr upācaranti

Sie umgeben sich mit den Kumbhinīs (Krugträgerinnen) [Anm.: kumbhinī Bedeutung unsicher: Mädchen mit Krügen/Dienerinnen].

idaṃmadhuraṃ gāyantīs saṃnaddhakavacāḥ pariyanti

„Dies ist süß“ singend, gehen die Gepanzerten (mit angelegten Rüstungen) umher.

mahāvratam eva mahayanti

Das Mahāvrata eben verherrlichen sie,

atho sendratāyā eva

und auch nur um der Indra-Gemeinschaft willen.

brahmaṇo vā anyā tviṣiḥ kṣatrasyānyā

Eine andere ist nämlich der Glanz (tviṣi) des Brahman, eine andere der des Kṣatra.

yad dīkṣito 'dhikṛṣṇājinas sā brahmaṇas tviṣir

Dass der Geweihte auf dem Antilopenfell (Kṛṣṇājina) sitzt, das ist der Glanz des Brahman.

yat saṃnaddhakavaco 'dhijyadhanus sā kṣatrasya tviṣis

Dass (jemand) gepanzert mit bespanntem Bogen (auftritt), das ist der Glanz des Kṣatra.

ubhayos tviṣyor avaruddhyai ‖

Zur Gewinnung beider Glanzformen. ‖