Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 34

Anuvāka 8 Der Zwölftagesopfer als Prajāpati: Blut und Reinheit, die beiden Atirātras als Augen, Gāyatrī mit Lichtflügeln, Sattra als Lebenshauch.

prajāpatir akāmayata prajāyeyeti

Prajāpati wünschte: „Ich möchte mich fortpflanzen.“

sa dvādaśāhenāyajata

Er opferte mit dem Zwölftagesopfer.

praiva jāyate ya evaṃ veda

Er pflanzt sich fort, wer dies so weiß.

āpo vai yad yajñiyā medhyā asṛjyanta tad ekā api nāsṛjyanta

Als die Wasser als opferfähig und rein geschaffen wurden, wurde dabei (das Blut) nicht mitgeschaffen [?].

asṛg vāva tan nāsṛjyata

Das Blut (asṛj) wurde nämlich dabei nicht geschaffen.

tad asno 'sṛktvam

Darin liegt das Nicht-Geschaffensein [Anm.: Wortspiel asṛj ‚Blut‘ und a-sṛj ‚nicht geschaffen‘] des Bluts.

tasmād yad evāsṛk chidyate 'tha yajñiyo medhyo bhavati

Daher wird das (Tier) erst, wenn das Blut abgeschnitten ist, opferfähig und rein.

puruṣasaṃmito vā eṣa yas sattriyaṃ pratigṛhṇāti

Menschenmäßig [?] ist dieser, der Sattra-Gaben annimmt.

puruṣaṃ vai so 'tti

Einen Menschen isst er nämlich.

yaṃ khalu vai puruṣam atti na tasyāsmiṃl loke nāmuṣminn apibhavati

Von wem er einen Menschen isst, für den gibt es weder in dieser noch in jener Welt Trank(-Genuss) [?].

prāṇo vai pūrvo 'tirātro 'pāna uttaras

Der Lebenshauch ist der vordere Atirātra, der Abhauch der spätere.

iyaṃ vai pūrvo 'tirātro 'sā uttaras

Diese (Erde) ist der vordere Atirātra, jene (der Himmel) der spätere.

agnir vai pūrvo 'gniṣṭomas sūrya uttaras

Agni ist der vordere Agniṣṭoma, die Sonne der spätere.

antarau vā etā anayos

Innen liegen nämlich diese (Tage) von beiden.

tasmād antarau prayujyete

Daher werden die beiden inneren [?] angesetzt.

tad āhur yad agniṣṭomaprāyaṇo yajñaḥ kasmād atirātrau pūrvau prayujyete iti

Dazu sagt man: „Wenn das Opfer mit dem Agniṣṭoma beginnt, warum werden zuerst zwei Atirātras angesetzt?“

athāhuś cakṣuṣī vā ete yajñasya yad atirātrau kanīnike agniṣṭomā iti

Dann sagt man: „Augen des Opfers sind diese beiden Atirātras, die Augensterne (Pupillen) die Agniṣṭomas.“

yad agniṣṭomau pūrvau prayuñjīran bahiṣkanīnike nirādadhyur andhāḥ prajāyeran

Würden sie die beiden Agniṣṭomas zuerst ansetzen, so setzten sie die Pupillen nach außen; blind würden (die Kinder) geboren.

yad atirātrau pūrvau prayujyete

Dass die beiden Atirātras zuerst angesetzt werden,

cakṣuṣī eva yajñasya pratidhāya madhyataḥ kanīnike pratidadhāti

das heißt: die Augen des Opfers setzt er ein und setzt die Pupillen in die Mitte.

bhūtaṃ vai pūrvo 'tirātro bhavyam uttaras

Das Gewordene ist der vordere Atirātra, das Werdende der spätere.

sad imāni daśāhāni madhye

Diese zehn Tage sind in der Mitte das Seiende (sat).

sad bhavati ya evaṃ veda

Seiend (wahrhaft, wirklich) wird, wer dies so weiß.

yo ha vai gāyatrīṃ jyotiṣpakṣāṃ veda jyotiṣmatā bhāsā svargaṃ lokam eti

Wer die Gāyatrī mit Lichtflügeln kennt, geht mit lichtvollem Glanz zur Himmelswelt.

yā atirātrau tau pakṣau

Die beiden Atirātras sind die beiden Flügel,

yā agniṣṭomau te jyotiṣī

die beiden Agniṣṭomas die beiden Lichter,

ye 'ṣṭā antara ukthyās sa ātmā

die acht Ukthya-Tage dazwischen der Leib.

eṣā vai gāyatrī jyotiṣpakṣā

Das ist die Gāyatrī mit Lichtflügeln.

ya evaṃ gāyatrīṃ jyotiṣpakṣāṃ veda jyotiṣmatā bhāsā svargaṃ lokam eti ‖

Wer so die Gāyatrī mit Lichtflügeln kennt, geht mit lichtvollem Glanz zur Himmelswelt. ‖

pakṣiṇo vā ete bhavanti

Geflügelt werden diese nämlich.

pakṣiṇo bhūtvā yatra kāmayanti tat parāpātam āsate

Geflügelt geworden, setzen sie sich im Wegfliegen dorthin, wohin sie wollen.

eṣa vai prajāpatir dvādaśadhā vinihito yad dvādaśāhas

Das ist nämlich Prajāpati, zwölffach verteilt, nämlich das Zwölftagesopfer:

yā atirātrau tau pakṣau

die beiden Atirātras sind die beiden Flügel,

yā agniṣṭomau te cakṣuṣī

die beiden Agniṣṭomas die beiden Augen,

ye 'ṣṭā antara ukthyās sa ātmā

die acht Ukthyas dazwischen der Leib.

sad vai sattriṇas spṛṇvanti

Das Seiende (sat) nämlich erfreuen [?] (gewinnen) die Sattra-Teilnehmer.

tat sattrasya sattratvam

Das ist das Sattra-Wesen des Sattra [Anm.: Etymologie sattra von sat].

prāṇā vai sat

Die Lebenshauche sind nämlich das Seiende.

prāṇān eva tat spṛṇvanti

Die Lebenshauche erfreuen [?] sie damit.

sarvāsāṃ vā ete prajānāṃ prāṇair āsate ye sattram āsate

Mit den Lebenshauchen aller Geschöpfe sitzen die, die das Sattra sitzen.

tasmāt pṛcchanti kim ete sattriṇa iti

Daher fragt man: „Was tun diese Sattra-Teilnehmer?“

priyaḥ prajānām utthito bhavati ya evaṃ veda ‖

Beliebt bei den Geschöpfen wird beim Aufstehen, wer dies so weiß. ‖