Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 34

Anuvāka 7 Prajāpati schafft mit dem Zwölftagesopfer die Geschöpfe; Gāyatrī und Bṛhatī, die sechsunddreißig Nächte, Götter und Menschen und der Atirātra.

prajāpatir akāmayata prajās sṛjeyeti

Prajāpati wünschte: „Ich möchte Geschöpfe erschaffen.“

sa etam ātman dvādaśāham apaśyat

Er sah in sich dieses Zwölftagesopfer.

tam ātmano niramimīta

Er formte es aus sich heraus.

tena prajā asṛjata

Damit schuf er die Geschöpfe.

taṃ gāyatrī chando 'nvasṛjyata

Ihm wurde das Metrum Gāyatrī nachgeschaffen.

sākāmayatāham imam̐ sarvataḥ paribhaveyam iti

Sie wünschte: „Ich möchte diesen von allen Seiten überwältigen.“

taṃ tejasā mukhataḥ paryabhavad ojasā madhyataś chandasopariṣṭāt

Sie überwältigte ihn mit Glanz vom Mund her, mit Kraft von der Mitte her, mit dem Metrum von oben.

sarvato vai sā taṃ vyatyaśayat

Von allen Seiten überragte sie ihn nämlich.

sarvato bhrātṛvyaṃ vyatiśaye ya evaṃ veda

Von allen Seiten überragt den Nebenbuhler, wer dies so weiß.

dve rūpe saṃvatsarasya

Zwei Gestalten hat das Jahr:

māsā anyad ṛtavo 'nyat

die Monate die eine, die Jahreszeiten die andere.

ṛtavas tenāptas

dadurch sind die Jahreszeiten erlangt;

māsās tenāptas

dadurch sind die Monate erlangt.

ubhābhyām eva rūpābhyām̐ saṃvatsaram āpnoti

Mit beiden Gestalten erlangt er das Jahr.

brahma vai gāyatrī kṣatraṃ dvādaśāhas

Die Gāyatrī ist nämlich das Brahman (die Priesterwürde), das Zwölftagesopfer das Kṣatra (die Kriegerwürde).

anv enaṃ kṣatraṃ budhyate

Ihm wacht das Kṣatra nach (folgt ihm).

pra purodhām āpnoti ya evaṃ veda ‖

Die Stellung des Hauspriesters (purodhā) erlangt, wer dies so weiß. ‖

yajñaṃ vā anyāni cchandām̐sy abhyasṛjyanta

Zum Opfer hin wurden nämlich die anderen Metren geschaffen.

svārājyam eva bṛhaty abhyasṛjyata

Die Bṛhatī wurde zur Selbstherrschaft hin geschaffen.

tasmād bṛhatyā na vaṣaṭkurvanti

Daher spricht man mit der Bṛhatī nicht den Vaṣaṭ-Ruf.

yad vaṣaṭkuryuḥ paśūn agnau pradadhyur

Wenn sie ihn sprächen, würden sie die Opfertiere ins Feuer geben (verbrennen) [?].

vacasāptvā paśūn avarundhate

Durch das Wort erlangen sie das Vieh und gewinnen es.

vāci vā ete catvāraḥ paśavo gaur aśvo 'jāvis

In der Rede sind nämlich diese vier Opfertiere: Rind, Pferd, Ziege, Schaf [?].

tasmād vācā hūtāḥ paśava udāyanti

Daher kommen Tiere, durch das Wort gerufen, herbei.

vācā siddhā āvartante

Durch das Wort gezähmt [?], kehren sie zurück.

bṛhatīṃ vā eta āpnuvanti ya etā rātrīr āsate

Die Bṛhatī erlangen die, welche diese Nächte (im Sattra) sitzen.

ṣaṭtrim̐śad etā rātrayas

Sechsunddreißig sind diese Nächte,

ṣaṭtrim̐śadakṣarā bṛhatī

sechsunddreißig Silben hat die Bṛhatī.

bṛhatī svargaṃ lokaṃ praveda

Die Bṛhatī weist [?] den Weg in die Himmelswelt.

svargaṃ lokam āpnuvanti ya etā rātrīr āsate

Die Himmelswelt erlangen, die diese Nächte sitzen.

devalokān vā eta āpnuvanti ya etā rātrīr āsate

Die Götterwelten erlangen, die diese Nächte sitzen.

ṣaṭtrim̐śad etā rātrayas

Sechsunddreißig sind diese Nächte,

ṣaṭtrim̐śad devalokās

sechsunddreißig die Götterwelten:

aṣṭau vasava ekādaśa rudrā dvādaśādityā vaṣaṭkāraś ca prajāpatiś ca traya ime lokās

die acht Vasus, elf Rudras, zwölf Ādityas, der Vaṣaṭkāra und Prajāpati, dazu diese drei Welten.

tān sarvān devalokān āpnuvanti ya etā rātrīr āsate

All diese Götterwelten erlangen, die diese Nächte sitzen.

ubhaye vai devāś ca manuṣyāś cāvyāvṛttā āsan

Beide, Götter und Menschen, waren nämlich ununterschieden [?].

te devā etaṃ dvādaśāham upāyan

Diese Götter gingen an dieses Zwölftagesopfer heran.

te dīkṣayaivātmānam apunata

Sie läuterten sich durch die Weihe selbst,

upasadbhir yajñam̐ samabharanta

sie trugen mit den Upasad-Tagen das Opfer zusammen,

hitvā śarīram̐ sutyayā svargaṃ lokam āyan

und den Körper zurücklassend, gingen sie durch die Kelterung zur Himmelswelt.

ya evaṃ vidvān dvādaśāham upaiti dīkṣayaivātmānaṃ punīta upasadbhir yajñam̐ saṃbharate hitvā śarīram̐ sutyayā svargaṃ lokam eti

Wer als Wissender das Zwölftagesopfer vornimmt, läutert sich durch die Weihe, trägt durch die Upasad-Tage das Opfer zusammen und geht, den Körper zurücklassend, durch die Kelterung zur Himmelswelt.

prajāpatir vā etam̐ svargakāma āharat

Prajāpati holte nämlich dieses (Opfer) herbei, den Himmel begehrend.

sa na prābhavat

Er vermochte es nicht (zu vollenden).

ekādaśāho vā eṣa

Dieses ist nämlich ein Elftagesopfer.

sa etam atirātram upariṣṭād ubhayataḥ paryaharat

Er brachte diesen Atirātra oben von beiden Seiten herum [Anm.: legte ihn an beiden Enden um].

samāno vā eṣa ubhayataḥ parihriyate

Dieser wird nämlich von beiden Seiten als derselbe umgelegt.

svargasya lokasya samaṣṭyai ‖

Zur vollständigen Erlangung der Himmelswelt. ‖