Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 9

Anuvāka 11 Prajāpati teilt sich zehnfach, erschafft Götter und Asuras, und aus den Hotṛ-Gruppen der Götter und Ṛṣis entstehen die Opferlohn-Gaben.

prajāpatir akāmayata syāt prajāyeyeti

Prajāpati wünschte: „Ich möchte sein, ich möchte mich fortpflanzen.“

sa daśadhātmānaṃ vyadhatta

Er teilte sich selbst zehnfach.

tasya cittis srug āsīc cittam ājyaṃ vāg vedir ādhītaṃ barhiḥ keto agnir vijñātam agnid vācaspatir hotā mana upavaktā prāṇo havis sāmādhvaryus

Sein Denken war der Opferlöffel, der Sinn die Schmelzbutter, die Rede der Altar, das Ersonnene das Streu, die Erkenntnis das Feuer, das Erkannte der Agnīdh, Vācaspati der Hotṛ, der Geist der Upavaktṛ, der Atem die Opfergabe, das Sāman der Adhvaryu.

sa daśadhātmānaṃ vidhāya mithunaṃ kṛtvā sa āyatanam aicchat

Nachdem er sich selbst zehnfach eingeteilt und ein Paar gebildet hatte, suchte er einen Standort.

sa trivṛtam evāyatanam acāyat prāṇān

Er wählte als Standort nur den Trivṛt [Anm.: dreifacher Stoma] – (nämlich) die Lebenshauche.

tataḥ prajā asṛjata

Darauf schuf er die Geschöpfe.

tata ūrdhvo 'nya udatṛṇat pañcadaśo 'vāṅ anyo 'vātṛṇat pañcadaśas

Da brach der eine nach oben durch, ein Fünfzehnfacher, der andere brach nach unten durch, ein Fünfzehnfacher.

ya ūrdhva udatṛṇat sa pūrvapakṣas

Der, der nach oben durchbrach, ist die erste Monatshälfte (die helle).

tam ūrdhvam āpyāyamānaṃ devā ūrdhvā anvāpyāyanta

Als jener nach oben anschwoll, schwollen die Götter aufwärts mit an.

yo 'vāṅ avātṛṇat so 'parapakṣas

Der, der nach unten durchbrach, ist die zweite Monatshälfte (die dunkle).

tam apadhvam̐samānam asurā avāñco 'nuprādhvam̐santa

Als jene schwand, stürzten die Asuras abwärts mit ihr zugrunde [?].

dakṣiṇam̐ hastam anu devān asṛjata

Zur rechten Hand hin schuf er die Götter;

savyam̐ hastam anv asurān

Zur linken Hand hin die Asuras;

te mṛddhā abhavan

sie wurden zerstört [?] (bzw. Geringere).

tasmād dakṣiṇo 'rdha ātmano vīryāvattaras

Deshalb ist die rechte Körperhälfte kraftvoller.

satyena devān asṛjata te satyam abhavan

Mit der Wahrheit schuf er die Götter; sie wurden Wahrheit.

anṛtenāsurām̐s te 'nṛtam abhavan

Mit der Unwahrheit die Asuras; sie wurden Unwahrheit.

ahnā devān asṛjata te śuklaṃ varṇam apuṣyan

Mit dem Tag schuf er die Götter; sie gewannen helle Farbe.

rātryāsurām̐s te kṛṣṇā abhavan

Mit der Nacht die Asuras; sie wurden dunkel.

sa vai tad evaicchad yasmin hoṣyāmīti

Er suchte eben das, worin er opfern sollte: „in was werde ich opfern?“

sa indram eva vīryam antarātmann apaśyat

Da sah er Indra als die Manneskraft im Innern der Seele.

sarvam anyaj jātam āsīt

Alles andere war schon entstanden.

sa indraṃ gaccha svāhety apānīt

Er hauchte aus [?] mit den Worten: „Geh zu Indra! Svāhā!“

vīryaṃ vai prāṇo vīryam indras

Manneskraft ist der Lebenshauch, Manneskraft ist Indra;

vīrya eva vīryam ādadhāt

so legte er Manneskraft in die Manneskraft.

te caturhotrā somagṛhapatayo nyasīdann indraṃ janayāmeti

Die Caturhotṛ-Götter [Anm.: Gruppe mit vier Hotṛ], Herren des Soma-Hauses, ließen sich nieder (mit dem Gedanken): „Wir wollen Indra erzeugen.“

teṣāṃ pṛthivī hotāsīd dyaur adhvaryus tvaṣṭāgnin mitra upavaktā

Bei ihnen war die Erde der Hotṛ, der Himmel der Adhvaryu, Tvaṣṭṛ der Agnīdh, Mitra der Upavaktṛ.

ta etau grahā agṛhṇata

Sie schöpften diese beiden Schöpfbecher (grahas).

ta ekavim̐śam evāyatanam acāyan

Sie wählten als Standort nur den Ekaviṃśa [Anm.: einundzwanzigfacher Stoma].

te pañcahotrā varuṇagṛhapatayo nyasīdan svar ayāmeti

Die Pañcahotṛ-Götter [Anm.: Gruppe mit fünf Hotṛ], mit Varuṇa als Hausherrn, ließen sich nieder (mit dem Gedanken): „Wir wollen zum Himmelslicht gehen.“

teṣām agnir hotāsīd aśvinādhvaryū yad aśvinā tena pañcahotrā rudro 'gnid bṛhaspatir upavaktā

Bei ihnen war Agni der Hotṛ, die beiden Aśvins die Adhvaryus – dadurch, dass es die beiden Aśvins sind, (sind sie) Pañcahotṛ (fünf Hotṛ) –, Rudra der Agnīdh, Bṛhaspati der Upavaktṛ.

ta etau grahā agṛhṇata

Sie schöpften diese beiden Schöpfbecher.

te triṇavam evāyatanam acāyan

Sie wählten als Standort nur den Triṇava [Anm.: siebenundzwanzigfacher Stoma].

tam̐ setuṃ kṛtvā tat paśavo 'sṛjyanta

Nachdem sie diesen zur Brücke gemacht hatten, wurden dort die Tiere geschaffen.

tān devatābhyo 'nayan yamāyāśvam agnaye hiraṇyaṃ rudrāya gāṃ bṛhaspataye vāsa uttānāyāṅgirasāyāprāṇat prajāpataye puruṣam ‖

Diese führten sie den Gottheiten zu: dem Yama das Ross, dem Agni das Gold, dem Rudra die Kuh, dem Bṛhaspati das Gewand, dem auf dem Rücken liegenden Aṅgirasa das Nichtatmende [?], dem Prajāpati den Menschen.