Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 9

Anuvāka 2 Über die Ājyabhāga-Spenden, die Bedeutung der hundert Silben und das Hundertjahrmaß beim Punarādheya.

nānāgneyaṃ kriyata ity āhuḥ kasmād ājyabhāgau yajantīti

„Es wird (das Opfer) nicht nur für Agni gemacht“, sagt man: „Warum opfert man die beiden Ājyabhāgas [Anm.: zwei Butterspenden am Opferbeginn]?“

cakṣuṣī vā ete yajñasya yad ājyabhāgau

Die beiden Augen des Opfers sind diese, die beiden Ājyabhāgas.

yad ājyabhāgā antariyāc cakṣuṣī yajñasyāntariyāt

Wenn er die Ājyabhāgas übergehen ließe, ließe er die beiden Augen des Opfers übergehen.

agna āyūm̐ṣi pavasa ity etām̐ somasyājyabhāgasya loke kuryāt

„Agni, du läuterst die Lebensalter“ – diesen (Vers) soll er an die Stelle des Soma-Ājyabhāga setzen.

yat pāvamānam

dass er (dem) Pavamāna (dem sich Läuternden) gehört,

nānāgneyaṃ kriyate na somam antareti

So wird es nicht nur für Agni gemacht, und er geht nicht am Soma vorbei.

agnir mūrdhā divaḥ kakud ity etām̐ somasyājyabhāgasya loke kuryāt prajākāmasya vā paśukāmasya vā

„Agni ist das Haupt, der Gipfel des Himmels“ – diesen (Vers) soll er an die Stelle des Soma-Ājyabhāga setzen für den, der Nachkommenschaft oder Vieh wünscht.

tena prajananavatī

dadurch ist er der Zeugung förderlich;

nānāgneyaṃ kriyate na somam antareti ‖

So wird es nicht nur für Agni gemacht, und er geht nicht am Soma vorbei.

vīrahā vā eṣa devānāṃ yo 'gnim utsādayate

Ein Heldenmörder der Götter ist, wer das Feuer ausgehen lässt.

śatadāyo vīras

Hundertfach ist die Gabe des Helden [?];

yad etāś śatākṣarā akṣarapaṅktayas

dass diese (Verse) hundertsilbig sind, Silbenreihen,

vīram evaitad devānām avadayate

dadurch lässt er den Helden der Götter [?] (wieder) zuteilwerden.

anyasyai vai pramāyā ādheyo 'nyasyai punarādheyas

Für die eine Verstorbene gilt die (Erst-)Einrichtung, für eine andere die Wiedereinrichtung [Anm.: Deutung unsicher; vielleicht „für die eine Frau die Einrichtung, für die andere die Wiedereinrichtung“ o. ä.].

na vai tām ādheyena spṛṇoti yasyai punarādheyaḥ

Die, für die die Wiedereinrichtung gilt, erlangt er nicht durch die Erst-Einrichtung;

punarādheyena vāva tām̐ spṛṇoti

nur durch die Wiedereinrichtung erlangt er sie.

jarā vai devahitam āyus

Das Greisenalter ist das von den Göttern bestimmte Lebensalter;

tāvatīr hi samā jīvati

so viele Jahre nämlich lebt man.

tasmād āhuś śatadāyo vīra iti

Daher sagt man: „Hundertfach ist die Gabe des Helden.“

yad etāś śatākṣarā akṣarapaṅktayo bhavanti

Dass diese hundertsilbigen Silbenreihen da sind,

yāvad eva vīryaṃ tad āpnoti tat spṛṇoti

– so viel Manneskraft es gibt, die erlangt er, die gewinnt er.

āyuṣā vā eṣa vīryeṇa vyṛdhyate yo 'gnim utsādayate

Um Lebensdauer und Manneskraft kommt, wer das Feuer ausgehen lässt.

śatāyur vai puruṣaś śatavīryas

Hundertjährig ist der Mensch, hundertkräftig;

āyur vīryaṃ hiraṇyam

Lebensdauer und Manneskraft ist Gold.

yad dhiraṇyam̐ śatamānaṃ dadāti

Dass er Gold im Hundertmaß [Anm.: śatamāna, ein Gewicht von hundert Einheiten] gibt,

āyur eva vīryaṃ punar ālabhate ‖

dadurch erlangt er Lebensdauer und Manneskraft wieder.