Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 9

Anuvāka 15 Über die Caturhotṛ-Formeln, die Saṃbhāra-Handlungen, die Rolle des Agnīdh und der Gattinnen.

annaṃ vai caturhotāras

Speise sind die Caturhotṛ-Formeln;

annavān bhavati ya evaṃ veda

wer dies weiß, wird reich an Speise.

yad eka eva caturhotety āhuḥ kasmāt sarve caturhotāra ucyanta iti

Man sagt: „Es ist nur ein Caturhotṛ – warum werden alle ‚Caturhotṛ‘ genannt?“

teṣāṃ catvāro hotāras

von ihnen (gibt es) vier Hotṛ;

tad eṣāṃ caturhotṛtvam

das ist ihr Caturhotṛ-Sein.

saṃvatsaraṃ caturṇām eko nāśnīyāt

Ein Jahr lang soll man von den vieren eines nicht essen [?].

eṣā vā anāhitāgner iṣṭir yac caturhotāras

Dies ist die Opferung dessen, der kein Feuer eingerichtet hat, nämlich die Caturhotṛ.

annādyāyaivaitāṃ vidus

Zur Speisekost kennt man sie eben.

sarparājñyā ṛgbhir daśame 'hann udgātodgāyet

Mit den Versen der Sarparājñī [Anm.: Schlangenkönigin, hier Erde] soll der Udgātṛ am zehnten Tag singen.

iyaṃ vai sarparājñī

Die Sarparājñī ist diese (Erde).

annam evāptvānnam avarunddhe

Speise gewinnend erlangt er Speise.

aprayuktā vā ete 'navaruddhā yac caturhotāras

Diese Caturhotṛ sind nicht angewandt, nicht erobert.

yac caturhotṝn hotā vadati

Dass der Hotṛ die Caturhotṛ hersagt,

etad vai devānām̐ stotram aniruktaṃ yat sarparājñyā ṛcas

Dies ist der unausgesprochene Lobgesang der Götter, nämlich die Verse der Sarparājñī.

tasyai tad uktham aniruktaṃ yac caturhotāras

Das unausgesprochene Uktha [Anm.: Rezitation] von ihr sind die Caturhotṛ.

manasā prastauti manasodgāyati manasā pratiharati

Mit dem Geist stimmt er den Prastāva an, mit dem Geist singt er den Udgītha, mit dem Geist den Pratihāra [Anm.: Teile des Sāman-Gesangs].

reta evaitad udgātāraḥ prasiñcanti

Samen gießen da die Udgātṛs aus.

yac caturhotṝn hotā vadati

Dass der Hotṛ die Caturhotṛ hersagt,

reta eva prasiktam̐ hotā prajanayati

so lässt der Hotṛ den ausgegossenen Samen sich fortpflanzen.

agnyādheye vyācakṣīta

Bei der Feuereinrichtung (Agnyādheya) soll man sie auslegen.

brahmaṇo vā etad udaraṇaṃ yad agnyādheyam

Das ist die Ausgestaltung [?] des heiligen Wortes, nämlich der Agnyādheya.

brahmaṇa etad udaraṇaṃ yac caturhotāras

Das ist die Ausgestaltung des Brahman, nämlich die Caturhotṛ;

brahmaṇa etad udaraṇaṃ yad asā āditya udeti

das ist die Ausgestaltung des Brahman, dass jene Sonne aufgeht.

sarvam eva brahma sṛjate

Das ganze heilige Wort schafft er (so).

athaite saṃbhārās

Nun diese Saṃbhāras [Anm.: „Zusammentragungen“, zusammengebrachte Opferstoffe/-formeln].

saha vai devānāṃ cāsurāṇāṃ ca yajñau pratatā āstām

Zusammen waren die Opfer der Götter und der Asuras ausgespannt.

yad eva devā akurvata tad asurā akurvata

Was die Götter taten, das taten auch die Asuras.

te devā yajñam ādāya vyakrāman

Die Götter nahmen das Opfer und gingen weg.

tenāsurān parābhāvayan

Damit besiegten sie die Asuras.

yat samabharam̐s tat saṃbhārāṇām̐ saṃbhāratvam

Dass sie (es) zusammentrugen, das ist das Saṃbhāra-Sein der Saṃbhāras.

samṛtasoma eteṣāṃ caturbhiścaturbhiḥ pracariṣyañ juhuyāt

Wenn der Soma zusammengebracht ist, soll er, wenn er (die Opferhandlung) vollziehen will, mit je vier von diesen opfern [?].

pūrva eva yajñaṃ pūrvo devatā gṛhṇāti

Der Frühere ergreift das Opfer, der Frühere die Gottheiten.

sayajño bhavaty ayajña itaras

Der eine ist mit Opfer versehen, der andere ohne Opfer.

dīkṣāyāṃ vācayet

Bei der Weihe (dīkṣā) soll er (sie) sprechen lassen.

yāvān eva yajñas taṃ gṛhītvā dīkṣate

so groß das Opfer ist, das ergreifend lässt er sich weihen.

dvādaśāhe vācayet

Beim Dvādaśāha [Anm.: zwölftägiges Soma-Opfer] soll er (sie) sprechen lassen.

etāvān vai yajño yāvān dvādaśāhas

So groß ist das Opfer, wie der Dvādaśāha.

yāvān eva yajño yāvān dvādaśāhas taṃ gṛhītvā dīkṣate

So groß das Opfer, so groß der Dvādaśāha ist, den ergreifend lässt er sich weihen.

athaitāḥ patnyas

Nun diese Gattinnen (der Götter).

dakṣiṇato vai devānām asurā yajñam abhyajayan

Von der rechten (südlichen) Seite her gewannen die Asuras den Göttern das Opfer ab.

teṣām āgnīdhram anabhijitam āsīt

Den Āgnīdhra-Raum [Anm.: Sitz des Agnīdh] hatten sie nicht erobert.

tad devāḥ patnībhis saṃprāpadyanta

Dorthin gelangten die Götter mit den Gattinnen.

te 'surā hlīkāḥ patnīḥ prakhyāya punar āvartanta

Die Asuras, als sie die Gattinnen erblickten, kehrten beschämt [?] wieder um.

tān devās tato 'nūtthāya mādhyaṃdinena pavamānenābhyajayan

Die Götter standen von dort auf, verfolgten sie und besiegten sie mit dem Mittags-Pavamāna.

yasya patnīr vidvān agnid bhavati

Wessen Gattinnen ein wissender Agnīdh (dient) –

abhi bhrātṛvyasya gṛhān abhi paśūn ārohati

der steigt über die Häuser und das Vieh seines Nebenbuhlers hinauf.

nāsya bhrātṛvyo gṛhān na paśūn abhyārohati

Nicht steigt sein Nebenbuhler über seine Häuser und sein Vieh hinauf.

yasya patnīr vidvān agnit pātnīvatasya yajati

Wessen Gattinnen ein wissender Agnīdh (dient), der opfert die Pātnīvata-Spende [Anm.: Opfer für die Gattinnen der Götter].

vidvān patnīṃ tarpayati

Wissend sättigt er die Gattin.

tṛptā patnī reto dhatte

Die gesättigte Gattin empfängt den Samen.

retasaḥ prajāḥ prajāyante

Aus dem Samen werden Nachkommen geboren.

prajaniṣṇuḥ prajayā ca paśubhiś ca bhavati ‖

Er wird zeugungsfähig an Nachkommenschaft und an Vieh.