Quellen der Menschheit

Kāṭhaka-Saṃhitā · Sthānaka 35

Anuvāka 18 Sühneregeln bei verdorbener Abendmilch, bei Schaden am Opfer durch Insekten, beim Verspritzen von Kohle und bei fehlender Ergreifbarkeit der Gattin.

ardhaṃ vā etasya yajñasya mīyate yasya sāyaṃ dugdham̐ havir ārtim ārchati

Die Hälfte dieses Opfers geht verloren, dessen abends gemolkene Opfermilch in Unglück gerät.

indrāya vrīhīn nirupyopavaset

Er soll Reiskörner für Indra spenden und fasten [?].

payo vā oṣadhayaḥ

Denn die Pflanzen sind Milch;

paya evārabhyopavasati

mit der Milch selbst beginnend fastet er.

yat prātas syāt tac chṛtaṃ kuryur

Was am Morgen (an Milch) da sein wird, das sollen sie kochen;

aindra itaraḥ puroḍāśas syāt

der andere Puroḍāśa-Kuchen soll dem Indra gehören.

payo vā oṣadhayaḥ

Denn die Pflanzen sind Milch;

payasaivāsmai payaḥ pradāpayati

durch Milch selbst lässt er ihm Milch geben.

athottarasmai haviṣe vatsān apāvartayet

Dann soll er für die folgende Opfergabe die Kälber abhalten.

saiva tatra prāyaścittis

Das ist dort die Sühne.

ubhayān vā eṣa devān bhāgadheyena vyardhayati ye yajamānasya sāyaṃ ca prātaś ca gṛham āgacchanti yasya sāyaṃ prātar dugdham̐ havir ārtim ārchati

Beide Götter bringt der um ihren Anteil, die abends und morgens ins Haus des Opferherrn kommen, dessen Opfermilch abends und morgens in Unglück gerät.

odanaṃ pañcaśarāvaṃ nirvapet

Er soll einen Reisbrei mit fünf Schalen (śarāva) spenden.

agniṃ devatānāṃ prathamaṃ yajet

Unter den Gottheiten soll er zuerst Agni verehren;

agnimukhā eva devatāḥ prīṇāti

die Gottheiten, die Agni als Mund haben, stellt er zufrieden.

agniṃ vā anv anyā devatā indram anyās

Denn die einen Gottheiten folgen Agni nach, andere Indra;

tā evobhayīḥ prīṇāti

diese beiden Arten stellt er zufrieden.

athottarasmai haviṣe vatsān apāvartayet

Dann soll er für die folgende Opfergabe die Kälber abhalten.

saiva tatra prāyaścittis

Das ist dort die Sühne.

yat kīṭāvapannena juhuyād aprajā apaśur yajamānas syāt

Wenn er mit (Opfergut), in das ein Insekt gefallen ist, opfert, wird der Opferherr ohne Nachkommen, ohne Vieh sein;

yad anāyatane ninayed anāyatanas syāt

wenn er es an ungeeigneter Stätte hingösse, würde er ohne Stätte sein.

madhyamena parṇena dyāvāpṛthivyayarcāntaḥparidhi ninayet

Mit dem mittleren Blatt soll er es mit dem Verse an Himmel und Erde innerhalb der Umfassungshölzer (paridhi) eingießen.

dyāvāpṛthivī vai yajñasya pratiṣṭhā

Himmel und Erde sind der Standort des Opfers;

pratiṣṭhām evainaṃ gamayati

zum festen Stand bringt er es damit.

saiva tatra prāyaścittis

Das ist dort die Sühne.

yat prayājeṣv aniṣṭeṣu prāṅ aṅgāras skanded adhvaryave ca yajamānāya cākam̐ syāt

Wenn bei den noch nicht vollzogenen Prayāja-Opfern eine Kohle nach Osten fällt, gibt es Unheil [?] für den Adhvaryu und für den Opferherrn;

yad dakṣiṇā brahmaṇe ca yajamānāya cākam̐ syāt

wenn nach Süden, für den Brahman-Priester und den Opferherrn;

yat pratyaṅ hotre ca patnyai cākam̐ syāt

wenn nach Westen, für den Hotṛ und die Gattin;

yad udaṅṅ agnidhe ca yajamānasya ca paśubhyo 'kam̐ syāt

wenn nach Norden, für den Agnīdh und für das Vieh des Opferherrn.

taṃ praharet ‖

Er soll sie (die Kohle) zurückwerfen:

sahasraśṛṅgo vṛṣabho jātavedās stomapṛṣṭho ghṛtavān suprarīkaḥ |

„Tausendhörnig ist der Stier Jātavedas, dessen Rücken Lobgesang ist, schmalzreich, schön anzusehen;

mā mā hāsīn nāthito net tvā jahāni sahasrapoṣaṃ ca gopoṣaṃ ca yaccha ‖

verlass mich nicht, den Bittenden; nicht möchte ich dich verlassen; gib tausendfaches Gedeihen und Rindergedeihen.“

brahmaṇaivainaṃ praharati

Mit dem heiligen Wort wirft er sie zurück.

ardhaṃ vā etasya yajñasya mīyate yasya vratye 'han patny anālambhukā bhavati

Die Hälfte dieses Opfers geht verloren, wenn am Gelübdetage die Gattin nicht zu ergreifen [?] ist [Anm.: oder: nicht berührbar, z.B. wegen ihrer Monatsreinigung].

tām aparudhya yajeta

Er soll sie ausschließen und opfern;

sarveṇaiva yajñena yajate

mit dem ganzen Opfer opfert er (so).

tām iṣṭvopahvayeta ‖

Nachdem er geopfert hat, soll er sie herbeirufen:

sā tvam asy amo 'ham amo 'ham asmi sā tvam |

„Die bist du; ich bin Amo, ich bin Amo [Anm.: wohl „ich bin der Er“], du bist Sā [Anm.: „Sie“, Wortspiel Sāman = Sā + Amo];

tā ehi saṃrabhāvahai pum̐se putrāya kartave |

so komm, wir wollen uns aneinander halten, um einen Mann, einen Sohn zu zeugen,

rāyaspoṣāya suprajāstvāya suvīryāya ‖

zu Reichtumsfülle, zu guter Nachkommenschaft, zu guter Manneskraft.“

ardha evainām ābhajati

Auf die Hälfte (des Opfers) setzt er sie (wieder) ein [?].

saiva tatra prāyaścittiḥ ‖

Das ist dort die Sühne.