Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 10: mahākuṣṭhacikitsitaṃ Behandlung der schweren Hautkrankheiten

Das Kapitel über mahākuṣṭha, die schweren Hautkrankheiten, stellt weniger neue Krankheitsbilder als vielmehr die pharmazeutischen Grundformen der Kuṣṭha-Therapie systematisch vor: den Rührtrank (mantha) aus fermentiertem Gerstenmehl, fermentierte Absude (ariṣṭa) und Auszüge (āsava), das gegorene Getränk surā, Latwergen (avaleha), Pulver (cūrṇa) sowie die aufwendig durch wiederholtes Ablöschen im Kräutersud zubereiteten Eisenpräparate (ayaskṛti). Als Leitdrogen dienen durchgehend die Kernhölzer von Sāla, Nyagrodha und Āragvadha sowie Khadira, für dessen Gewinnung ein eigenes Verfahren beschrieben wird – das Auffangen des beim Verbrennen der ausgegrabenen Wurzel austretenden Saftes. Alle Zubereitungen zielen neben Kuṣṭha zugleich auf Meha (Harnkrankheiten) und Fettleibigkeit. Das Kapitel liefert damit ein methodisches Baukastenprinzip, nach dem sich, wie der Schlussvers betont, „tausendfach“ weitere Rezepturen desselben Musters herstellen lassen.

DIE SIEBEN ZUBEREITUNGSFORMEN BEI MAHĀKUṢṬHA (Vers 4–11)
FormBedeutungGrundlage
manthaRührtrankFermentiertes Gerstenmehl mit Absuden von Sāla, Āragvadha u. a.
ariṣṭaFermentierter AbsudKräuterpulver mit Roheisenpulver und Rohzucker, im Gerstenhaufen fermentiert
āsavaAuszugAschenlaugenwasser mit eingedicktem Zuckersaft
surāGegorenes GetränkAbsud aus Śiṃśapā- und Khadira-Kernholz mit Gärmittel
avalehaLatwergeEingekochter Absud der Kernhölzer, mit Honig geleckt
cūrṇaPulverKernholzpulver, mit Absud getränkt
ayaskṛtiEisenpräparatErhitzte Eisenblätter, wiederholt in Kräuterabsud abgelöscht
Als Leitdrogen dienen durchgehend die Kernhölzer von Sāla, Nyagrodha, Āragvadha und Khadira; laut Schlussvers lassen sich nach diesem Muster „tausendfach“ weitere Rezepturen bilden.

athāto mahākuṣṭhacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung des *mahākuṣṭha* (der schweren Hautkrankheiten) darlegen.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari verkündete.

kuṣṭheṣu meheṣu kaphāmayeṣu sarvāṅgaśopheṣu ca dāruṇeṣu kṛśatvamicchatsu ca medureṣu yogānimānagryamatirvidadhyāt

Bei *kuṣṭha* (Hautkrankheiten), bei *meha* (Harnkrankheiten), bei durch *kapha* (den Schleim-Doṣa) verursachten Leiden, bei schweren Schwellungen des ganzen Körpers sowie bei fettleibigen Menschen, die abmagern wollen, soll der kluge Arzt die folgenden vorzüglichen Heilmittel anwenden.

kṣuṇṇān yavānniṣpūtān rātrau gomūtraparyuṣitān mahati kiliñje śoṣayet evaṃ saptarātraṃ bhāvayecchoṣayecca tatastān kapālabhṛṣṭān śaktūn kārayitvā prātaḥ prātareva kuṣṭhinaṃ pramehiṇaṃ vā sālasārādikaṣāyeṇa kaṇṭakivṛkṣakaṣāyeṇa vā pāyayedbhallātakaprapunnāḍāvalgujārkacitrakaviḍaṅgamusta cūrṇacaturbhāga yuktān eva meva sālasārādikaṣāyaparipītānāmāragvadhādikaṣāyaparipītānāṃ vā gavāśvā śakṛdbhūtānāṃ vā yavānāṃ śaktūn kārayitvābhallātakādīnāṃ cūrṇā-nyāvāpya khadirāśananimbarājavṛkṣarohītakaguḍūcīnāmanyatamasya kaṣāyeṇa śarkarāmadhumadhureṇa drā kṣāyuktena dāḍimāmalakavetasāmlena saindhavalavaṇānvitena pāyayet eṣa sarvamanthakalpaḥ

Man stampfe Gerste, reinige sie und lasse sie über Nacht in Kuhharn einweichen; dann trockne man sie in einem großen Bastkorb. So verfahre man sieben Nächte lang mit Einweichen und Trocknen. Danach röste man die Körner auf Scherben und stelle daraus Mehl (*śaktu*) her; dieses gebe man dem Kuṣṭha- oder *pramehin* (Meha-Kranken) frühmorgens mit einem Absud aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln oder mit einem Absud von Dornbäumen zu trinken, vermengt mit einem Viertel Pulver aus Bhallātaka, Prapunnāḍa, Avalguja, Arka, Citraka, Viḍaṅga und Musta. Ebenso kann man dieses mit dem Sāla-Absud oder dem Āragvadha-Absud getränkte Mehl, oder auch Mehl aus Gerstenkörnern, die den Kot von Rindern oder Pferden durchlaufen haben, mit den Pulvern von Bhallātaka und den übrigen versetzen und mit einem Absud aus Khadira, Aśana, Nimba, Rājavṛkṣa, Rohītaka oder Guḍūcī – je nach Wahl –, gesüßt mit Zucker und Honig, mit Weintrauben angereichert, mit dem sauren Saft von Granatapfel, Amalaka und Vetasa sowie mit Steinsalz versehen, zu trinken geben. Dies ist das gesamte Rezept des Rührtranks (*mantha*).

yāvakāṃśca bhakṣyān dhānolumbakakulmāṣāpūpapūrṇakośotkārikāśaṣkulikā kuṇāvīprabhṛtīn seveta yavavidhānena godhūmaveṇuyavānupayuñjīta

Auch möge er Gerstenbrei sowie Speisen wie geröstetes Korn, Kulmāṣa-Brei, Fladenbrot, gefüllte Teigtaschen, Utkārikā-Kuchen, Śaṣkulikā-Gebäck, Kuṇāvī und dergleichen zu sich nehmen; nach der Art der Gerstenzubereitung soll er auch Weizen und Bambusreis verwenden.

ariṣṭānato vakṣyāmaḥpūtīkacavyacitrakasuradārusārivādantītrivṛttrikaṭukānāṃ pratyekaṃ ṣaṭpalikā bhāgā badarakuḍavastriphalākuḍava ityeteṣāṃ cūrṇāni tataḥ pippalīmadhughṛtairantaḥpralipte ghṛtabhājane prākkṛtasaṃskāre saptodakakuḍavānayora-jordhakuḍavamardhatulāṃ ca guḍasyābhihitāni cūrṇānyāvāpya svanuguptaṃ kṛtvā ya-vapalle saptarātraṃ vāsayet tato yathābalamupayuñjīta eṣo'riṣṭaḥ kuṣṭhamehamedaḥ pāṇḍurogaśvayathūnapahanti evaṃ śālasārādau nyagrodhādāvāragvadhādau cāriṣṭān kurvīta

Nun wollen wir von den *ariṣṭa* (fermentierten Absuden) sprechen. Man nehme von Pūtīka, Cavya, Citraka, Suradāru, Sārivā, Dantī, Trivṛt und Trikaṭu je sechs Pala, dazu einen Kuḍava Badara-Beeren und einen Kuḍava Triphalā-Pulver; diese Pulver gebe man in ein von innen mit Pippalī, Honig und Ghee bestrichenes, zuvor gereinigtes Gefäß, füge sieben Kuḍava Wasser sowie einen halben Kuḍava Roheisenpulver und eine halbe Tulā Rohzucker hinzu, verschließe es sorgfältig und lasse es sieben Nächte lang in einem Gerstenhaufen ruhen. Danach nehme man davon je nach Kraft ein. Dies ist der *ariṣṭa*, der Kuṣṭha, Meha, Fettleibigkeit (*medas*) und Blutarmut (Pāṇḍuroga) sowie Schwellungen beseitigt. Ebenso bereite man solche *ariṣṭas* aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln, aus Nyagrodha und ähnlichen Mitteln sowie aus Āragvadha und ähnlichen Mitteln.

āsavānato vakṣyāmaḥpalāśabhasmaparisrutasyoṣṇodakasya śītībhūtasya trayo bhāgā dvau phāṇitasyaikadhyamariṣṭakalpena vidadhyāt evaṃ tilādīnāṃ kṣāreṣu śālasārādau nyagrodhādāvāragvadhādau mūtreṣu cāsavān vidadhyāt

Nun wollen wir von den *āsava* (Auszügen) sprechen. Man nehme drei Teile von abgekühltem heißem Wasser, das durch Palāśa-Asche gefiltert wurde, und zwei Teile eingedickten Zuckersaft, und bereite daraus nach der Art des *ariṣṭa* einen Auszug. Ebenso bereite man *āsavas* aus den Laugen von Sesam und ähnlichen Stoffen, aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln, aus Nyagrodha und ähnlichen Mitteln, aus Āragvadha und ähnlichen Mitteln sowie aus Harnstoffen.

atha surā vakṣyāmaḥśiṃśapākhadirayoḥ sāramādāyotpāṭya cottamāraṇībrāhmī-kośavatīstatsarvamekataḥ kaṣāyakalpena vipācyodakamādadīta maṇḍodakārthaṃ kiṇvapiṣṭamabhiṣuṇuyācca yathoktam evaṃ surāḥ śālasārādau nyagrodhādāvāragvadhādau ca vidadhyāt

Nun wollen wir von der *surā* (dem gegorenen Getränk) sprechen. Man nehme den Kern von Śiṃśapā und Khadira, entrinde und zerkleinere ihn, dazu Uttamāraṇī, Brāhmī und Kośavatī insgesamt, koche dies nach Art eines Absuds und gewinne das Wasser daraus; für den Malzansatz rühre man Gärmittel-Pulver ein und presse es wie vorgeschrieben aus. Ebenso bereite man solche *surās* aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln, aus Nyagrodha und ähnlichen Mitteln sowie aus Āragvadha und ähnlichen Mitteln.

ato'valehān vakṣyāmaḥkhadirāsananimbarājavṛkṣaśālasārakvāthe tatsārapi-ṇḍāñchlakṣṇapiṣṭān prakṣipya vipacet tato nātidra vaṃ nātisāndra mavatārya ta-sya pāṇitalaṃ pūrṇamaprātarāśo madhumiśraṃ lihyāt evaṃ śālasārādau nyagrodhādāvāragvadhādau ca lehān kārayet

Nun wollen wir von den *avaleha* (Latwergen) sprechen. In einem Absud aus dem Kernholz von Khadira, Aśana, Nimba, Rājavṛkṣa und Sāla gebe man die fein zerriebenen Kernstücke derselben Bäume und koche sie ein. Danach nehme man den weder zu dünnen noch zu dicken Sud vom Feuer und lecke davon morgens vor dem Frühstück eine handflächenfüllende Menge, mit Honig vermischt. Ebenso bereite man Latwergen aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln, aus Nyagrodha und ähnlichen Mitteln sowie aus Āragvadha und ähnlichen Mitteln.

ataścūrṇakriyāṃ vakṣyāmaḥśālasārādīnāṃ sāracūrṇaprasthamāhṛtyāragvadhādikaṣā-yaparipītamanekaśaḥ śālasārādikaṣāyeṇaiva pāyayet evaṃ nyagrodhādīnāṃ phaleṣu puṣpeṣvāragvadhādīnāṃ cūrṇakriyāṃ kārayet

Nun wollen wir von der Pulverzubereitung (*cūrṇa*) sprechen. Man nehme ein Prastha Kernholzpulver von Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln, tränke es wiederholt mit dem Absud von Āragvadha und ähnlichen Mitteln, und gebe es sodann mit eben dem Sāla-Kernholz-Absud zu trinken. Ebenso bereite man die Pulverzubereitung aus den Früchten und Blüten von Nyagrodha und ähnlichen Bäumen sowie von Āragvadha und ähnlichen Mitteln.

ata ūrdhvamayaskṛtīrvakṣyāmaḥtīkṣmalohapatrāṇi tanūni lavaṇavargapradigdhāni gomayāgniprataptāni triphalāśālasārādikaṣāyeṇa nirvāpayet ṣoḍaśavārān tataḥ khadirāṅgārataptānyupaśāntatāpāni sūkṣmacūrṇāni kārayeddhanatāntavapari-srāvitāni tato yathābalaṃ mātrāṃ sarpirmadhubhyāṃ saṃsṛjyopayuñjīta jīrṇe yathā-vyādhyanamlamalavaṇamāhāraṃ kurvīta evaṃ tulāmupayujya kuṣṭhamehamedaḥśvayathupā-ṇḍurogonmādāpasmārānapahatya varṣaśataṃ jīvati tulāyāṃ tulāyāṃ varṣaśatamutkarṣaḥ etena sarvalauheṣvayaskṛtayo vyākhyātāḥ

Nun wollen wir weiterhin von den *ayaskṛti* (Eisenpräparaten) sprechen. Man nehme dünne Blätter aus hartem Eisen, bestreiche sie mit einer Paste aus Salzarten, erhitze sie über Kuhdungfeuer und lösche sie sechzehnmal in einem Absud aus Triphalā und Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln ab. Danach erhitze man sie an glühender Khadira-Kohle, bis die Hitze nachlässt, und zerreibe sie zu feinem Pulver, das man durch ein dichtes Tuch siebt. Davon nehme man je nach Kraft eine Dosis, vermischt mit Ghee und Honig; ist diese verdaut, halte man eine der Krankheit angemessene Diät ohne Saures und Salziges ein. Nimmt man so eine Tulā ein, so werden Kuṣṭha, Meha, Fettleibigkeit, Schwellungen, Blutarmut, Wahnsinn und Epilepsie beseitigt, und man lebt hundert Jahre; mit jeder weiteren Tulā steigt die Lebenserwartung um weitere hundert Jahre. Damit sind alle Eisenpräparate aus sämtlichen Metallen erklärt.

trivṛcchyāmāgnimanthasaptalākevukaśaṅkhinītilvaka triphalāpalāśaśiṃśapānāṃ svarasamādāya pālāśyāṃ dro ṇyāmabhyāsicya khadirāṅgārataptamayaḥ piṇḍaṃ tri-saptakṛtvo nirvāpya tamādāya punarāsicya sthālyāṃ gomayāgninā vipacet ta-taścaturthabhāgāvaśiṣṭamavatārya parisrāvya bhūyo'ignataptānyayaḥ patrāṇi prakṣipet sidhyati cāsmin pippalyādicūrṇabhāgaṃ dvau madhunastāvadghṛtasyeti dadyāt ta-taḥ praśāntamāyase pātre svanuguptaṃ nidadhyāt tato yathāyogaṃ śuktiṃ prakuñcaṃ vo-payuñjīta jīrṇe yathāvyādhyāhāramupaseveta eṣauṣadhāyaskṛtirasādhyaṃ kuṣṭhaṃ pramehaṃ vā sādhayati sthūlamapakarṣati śophamupahanti sannamagnimuddharati viśeṣeṇa co-padiśyate rājayakṣmiṇāṃ varṣaśatāyuścānayā puruṣo bhavati śālasārādikvā-thamāsicya pālāśyāṃ dro ṇyāmayoghanāṃstaptātninarvāpya kṛtasaṃskāre kalaśe-'bhyāsicya pippalyādicūrṇabhāgaṃ kṣaudraṃ guḍamiti ca dattvāsvanuguptaṃ nidadhyāt etāṃ mahauṣadhāyaskṛtiṃ māsamardhamāsaṃ vā sthitāṃ yathābalamupayuñjīta evaṃ nyagrodhādāvārevatādiṣu ca vidadhyāt

Man nehme den frisch gepressten Saft von Trivṛt, Śyāmā, Agnimantha, Saptalā, Kevuka, Śaṅkhinī, Tilvaka, Triphalā, Palāśa und Śiṃśapā, gieße ihn in einen Trog aus Palāśa-Holz, tauche darin einen an Khadira-Kohle erhitzten Eisenklumpen dreiundzwanzigmal ab, nehme ihn heraus, übergieße ihn erneut und koche ihn in einem Kessel über Kuhdungfeuer. Sobald nur noch ein Viertel übrig ist, nehme man ihn vom Feuer, seihe ab und lege wiederum feuererhitzte Eisenblätter hinein; ist die Masse fertig, gebe man zwei Teile Pippalī-Pulver und ebenso viel Honig wie Ghee hinzu. Dann bewahre man sie wohlverschlossen in einem eisernen Gefäß auf. Man nehme davon nach Bedarf eine Muschelschale- oder Handvoll-Menge ein; ist diese verdaut, halte man eine der Krankheit angemessene Diät ein. Dieses Eisenpräparat heilt selbst unheilbares Kuṣṭha und Meha, verringert Fettleibigkeit, beseitigt Schwellungen, hebt erloschenes Verdauungsfeuer wieder auf und wird besonders bei Schwindsuchtkranken empfohlen; durch dieses Mittel erreicht man ein Alter von hundert Jahren. Ebenso gieße man einen Absud aus Sāla-Kernholz in einen Palāśa-Trog, lösche darin erhitzte Eisenklumpen ab, gieße den Sud in einen gereinigten Krug, füge Pippalī-Pulver, Honig und Rohzucker hinzu und bewahre alles wohlverschlossen auf. Dieses große Eisenpräparat lasse man einen Monat oder einen halben Monat stehen und nehme es dann je nach Kraft ein. Ebenso bereite man es aus Nyagrodha und ähnlichen Mitteln oder aus Revata und ähnlichen Mitteln.

ataḥ khadiravidhānamupadekṣyāmaḥpraśastadeśajātamanupahataṃ madhyamavayasaṃ khadiraṃ paritaḥ khānayitvā tasya madhyamaṃ mūlaṃ chittvā'yomayaṃ kumbhaṃ tasminnantare nida-dhyādyathā rasagrahaṇasamartho bhavati tatastaṃ gomayamṛdā'valiptamavakīryendhanairgo-mayamiśrairādīpayedyathā'sya dahyamānasya rasaḥ sravatyadhastāt tadyadā jānīyāt pūrṇaṃ bhājanamiti athainamuddhṛtya parisrāvya rasamanyasmin pātre nidhāyānuguptaṃ nidadhyāt tato yathāyogaṃ mātrāmāmalakarasamadhusarpirbhiḥ saṃsṛjyopayuñjīta jīrṇe bhallātakavidhānavadāhāraḥ parihāraśca prasthe copayuktae śataṃ varṣāṇāmā-yuṣo'bhivṛddhirbhavati khadirasāratulāmudakadro ṇe vipācya ṣoḍaśāṃśāvaśiṣṭa-mavatāryānuguptaṃ nidadhyāt tamāmalakarasamadhu sarpirbhiḥ saṃsṛjyopayuñjīta eṣa eva sarvavṛkṣasāreṣu kalpaḥ khadirasāracūrṇatulāṃ khadirasārakvāthamātrāṃ vā prātaḥ prātarupaseveta khadirasārakvāthasiddhamāvikaṃ vā sarpiḥ

Nun wollen wir das Verfahren mit Khadira lehren. Man grabe einen an einem geeigneten Ort gewachsenen, unverletzten Khadira-Baum mittleren Alters ringsum aus, schneide seine Hauptwurzel ab und stelle darin einen eisernen Topf so auf, dass er den herabfließenden Saft auffangen kann. Dann bestreiche man den Topf mit Kuhdung und Lehm, umgebe ihn mit Brennmaterial, das mit Kuhdung vermischt ist, und zünde es an, so dass der Saft des verbrennenden Holzes nach unten fließt. Sobald man erkennt, dass das Gefäß voll ist, hole man es hervor, seihe den Saft ab und bewahre ihn in einem anderen Gefäß wohlverschlossen auf. Davon nehme man je nach Bedarf eine Dosis, vermischt mit Amalaka-Saft, Honig und Ghee. Ist sie verdaut, gelten Diät und Verhaltensregeln wie bei der Bhallātaka-Kur; nimmt man ein Prastha davon ein, erlangt man eine um hundert Jahre verlängerte Lebensspanne. Man kann auch eine Tulā Khadira-Kernholz in einem Topf Wasser einkochen, bis nur ein Sechzehntel übrig ist, dies vom Feuer nehmen und wohlverschlossen aufbewahren; man nehme es mit Amalaka-Saft, Honig und Ghee vermischt ein. Ebenso verfährt man mit den Kernhölzern aller anderen Bäume. Man kann auch täglich morgens früh eine Tulā Khadira-Kernholzpulver oder eine Dosis Khadira-Kernholz-Absud einnehmen, oder auch mit Khadira-Kernholz-Absud gekochtes Ziegenghee.

amṛtavallīsvarasaṃ kvāthaṃ vā prātaḥ prātarupaseveta tatsiddhaṃ vā sarpiḥ aparāhṇe sasarpiṣkamodanamāmalakayūṣeṇa bhuñjīta evaṃ māsamupayujya sarvakuṣṭhairvimucyata iti

Man nehme morgens früh den Saft oder Absud von Amṛtavallī (Guḍūcī) ein, oder das damit gekochte Ghee; am Nachmittag esse man mit Ghee angereicherten Reisbrei zusammen mit Amalaka-Suppe. Verfährt man so einen Monat lang, so wird man von allen Arten von Kuṣṭha befreit.

kṛṣṇatilabhallātakatailāmalakarasasarpiṣāṃ dro ṇaṃ śālasārādikaṣāyasya ca triphalātrikaṭukaparūṣaphalamajjaviḍaṅgaphalasāracitrārkāvalgujaharidrā dvayatri-vṛddantīdra vantīndra yavayaṣṭīmadhukātiviṣārasāñjanapriyaṅgūṇāṃ pālikā bhāgā-stānaikadhyaṃ snehapākavidhānena pacet tat sādhusiddhamavatārya parisrāvyānuguptaṃ nidadhyāt tata upasaṃskṛtaśarīraḥ prātaḥ prātarutthāya pāṇiśuktimātraṃ kṣaudre ṇa pratisaṃsṛjyopayuñjīta jīrṇe mudgāmalakayūṣeṇālavaṇena sarpiṣmantaṃ khadirodakasiddhaṃ mṛdvodanamaśnīyāt khadirodakasevī ityevaṃ dro ṇamupayujya sarvakuṣṭhai-rvimuktaḥ śuddhatanuḥ smṛtimān varṣaśatāyurarogo bhavati

Man nehme je einen Droṇa von schwarzem Sesamöl, Bhallātaka-Öl, Amalaka-Saft und Ghee sowie vom Absud aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln, dazu je eine Pala-Menge von Triphalā, Trikaṭu, Parūṣaka-Beeren, Viḍaṅga-Fruchtkernen, Citraka-Kernholz, Arka, Avalguja, gelber und schwarzer Kurkuma, Dantī, Dravantī, Indrayava, Süßholz, Ativiṣā, Rasāñjana und Priyaṅgu; all dies koche man zusammen nach dem Verfahren für Ölzubereitungen. Ist es gut fertig gekocht, nehme man es vom Feuer, seihe es ab und bewahre es wohlverschlossen auf. Danach stehe der körperlich vorbereitete Kranke morgens früh auf und nehme eine Handflächen-Menge davon mit Honig vermischt ein; ist sie verdaut, esse er ungesalzenen Mungobohnen-Amalaka-Brei sowie mit Ghee angereicherten, in Khadira-Wasser weich gekochten Reis – als 'Khadira-Wasser-Trinker'. Nimmt man so einen ganzen Droṇa ein, so wird man von allen Arten von Kuṣṭha befreit, erlangt einen reinen Körper, ein gutes Gedächtnis, ein Alter von hundert Jahren und bleibt frei von Krankheit.

bhavati cātra surāmanthāsavāriṣṭāṃllehāṃścūrṇānyayaskṛtīḥ sahasraśo'pi kurvīta bījenānena buddhimān

Hierzu heißt es: Nach diesem Grundmuster möge der kluge Arzt tausendfach *surā*, *mantha*, *āsava*, *ariṣṭa*, Latwergen, Pulver und Eisenpräparate herstellen.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks