Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 21: śūkarogacikitsitaṃ Behandlung der Augenlidleiden (Śūkaroga)

Das einundzwanzigste Kapitel behandelt die *śūkaroga*, eine Gruppe von Lidrand- und Augenlidleiden, deren Name auf ein stechendes, grannenartiges Beschwerdegefühl anspielt. In knapper, listenartiger Form werden gut ein Dutzend Einzelkrankheiten durchgegangen – darunter *sarṣapī* (körnige Lidgeschwulst), *aṣṭhīlikā* (steinharte Verhärtung), *kumbhīkā*, *alajī*, *puṣkarikā* und *tvakpāka* –, jeweils mit einem knappen Behandlungsschema aus Blutegelbehandlung, Schwitzen, Umschlägen und, bei ausgereifter Geschwulst, Öffnung und Wundversorgung mit adstringierenden Absuden und Ölen aus Triphalā, Lodhra, Tinduka und Āmrātaka. Mehrfach wird auf die parallele Behandlung anderer, bereits beschriebener Krankheitsbilder verwiesen, etwa auf *visarpa* (Wundrose) oder den Blut-*vidradhi* (Abszess), was das Kapitel eng mit den vorangehenden Abschnitten zu Geschwülsten und Schwellungen verknüpft. Der knappe Umfang und die formelhafte Kürze der Einzelrezepte sind typisch für diese Sammlung ophthalmologischer Randerkrankungen.

DIE ŚŪKAROGA (LIDRANDLEIDEN) UND IHRE BEHANDLUNG (Vers 3–15)
NameBehandlung (Kurzfassung)
sarṣapīsorgfältig abschaben, mit adstringierenden Pulvern bestäuben, Öl zur Wundheilung
aṣṭhīlikāwiederholt Blutegel; klingt sie nicht ab, Entfernung wie ein kapha-bedingter granthi
kumbhīkābei Reife öffnen, Ausheilung mit Öl aus Triphalā/Lodhra/Tinduka/Āmrātaka
alajīBlutegel, Übergießung mit entsprechenden Absuden, Öl zur Heilung
saṃmūḍhapiḍakārasch mit Blutegeln behandeln; bei Reife öffnen und mit Honig und Ghee bestreichen
avamanthabei Reife und Öffnung Öl aus Dhava/Aśvakarṇa/Pattaṅga/Sallakī/Tinduka
puṣkarikāausschließlich kühlende Behandlung, Blutegel, Übergießung mit Ghee
sparśahāniBlutentzug, süße Mittel, Übergießung mit Milch/Zuckerrohrsaft/Ghee, alles gekühlt
die piḍakā uttamāEntfernung mit einem Häkchen, danach Bestäubung mit adstringierenden Mitteln und Honig
śataponakaSaftbehandlung (rasakriyā), danach Öl mit Pṛthakparṇī
tvakpākaBehandlung wie bei visarpa (Wundrose)
Für weitere, nicht eigens beschriebene Fälle verweist der Text auf verwandte Krankheitsbilder, etwa arbuda aus Blut auf den Blut-vidradhi (Vers 15).

athātaḥ śūkadoṣacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung der *śūkaroga* (grannenartig stechenden Augenlidleiden) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

saṃlikhya sarṣapīṃ samyak kaṣāyairavacūrṇayet kaṣāyeṣveva tailaṃ ca kurvīta vraṇaropaṇam

*Sarṣapī* (eine körnige Lidgeschwulst) schabe man sorgfältig ab und bestäube sie mit adstringierenden Pulvern (*kaṣāya*); und man verwende ein in eben diesen Mitteln gekochtes Öl zur Wundheilung (*ropaṇa*).

aṣṭhīlikāṃ jalaukobhirgrāhayecca punaḥ punaḥ tathā cānupaśāmyantīṃ kaphagranthivaduddharet

*Aṣṭhīlikā* (eine steinharte Lidgeschwulst) lasse man wiederholt mit Blutegeln behandeln; klingt sie nicht ab, entferne man sie wie einen kapha-bedingten Knoten (*granthi*).

svedayedgrathitaṃ śaśvannāḍīsvedena buddhimān sukhoṣṇairupanāhaiśca susnigdhairupanāhayet

Ist sie verhärtet, so bähe der kluge Arzt sie fortwährend mit Röhrendampf (*nāḍīsveda*) und lege angenehm warme, gut geölte Umschläge (*upanāha*) an.

kumbhīkāṃ pākamāpannāṃ bhindyācchuddhāṃ tu ropayet tailena triphalālodhratindukāmrātakena tu

Ist *kumbhīkā* (eine krugförmige Lidgeschwulst) zur Reife gelangt, öffne man sie, und ist sie gereinigt, lasse man sie mit einem Öl aus Triphalā, Lodhra, Tinduka und Āmrātaka ausheilen.

grāhayitvā jalaukobhiralajīṃ secayettataḥ kaṣāyaisteṣu siddhaṃ ca tailaṃ ropaṇamiṣyate

Nachdem man *alajī* (eine Lidentzündung) mit Blutegeln behandelt hat, übergieße man sie mit den entsprechenden Absuden (*kaṣāya*); ein darin gekochtes Öl wird zur Heilung empfohlen.

balātailena koṣṇena mṛditaṃ pariṣecayet madhuraiḥ sarpiṣā snigdhaiḥ sukhoṣṇairupanāhayet

Man massiere sie sanft und übergieße sie mit leicht warmem Balā-Öl; man lege mit süßen, öligen Mitteln und Ghee angenehm warme Umschläge an.

saṃmūḍhapiḍakāṃ kṣipraṃ jalaukobhirupācaret bhittvā paryāgatāṃ cāpi lepayet kṣaudra sarpiṣā

*Saṃmūḍhapiḍakā* (eine verhärtete Lidpustel) behandle man rasch mit Blutegeln; ist sie zur Reife gediehen, öffne man sie und bestreiche sie mit Honig und Ghee.

avamanthe gate pākaṃ bhinne tailaṃ vidhīyate dhavāśvakarṇapattaṅgasallakītindukīkṛtam

Ist *avamantha* zur Reife gelangt und geöffnet, wird ein Öl aus Dhava, Aśvakarṇa, Pattaṅga, Sallakī und Tinduka vorgeschrieben.

kriyāṃ puṣkarikāyāṃ tu śītāṃ sarvāṃ prayojayet jalaukobhirhareccāsṛk sarpiṣā cāvasecayet

Bei *puṣkarikā* wende man ausschließlich kühlende Behandlungen an; man entziehe mit Blutegeln Blut (*raktamokṣaṇa*) und übergieße mit Ghee.

sparśahānyāṃ haredra ktaṃ pradihyānmadhurairapi kṣīrekṣurasasarpirbhiḥ secayecca suśītalaiḥ

Bei *sparśahāni* (Gefühlsverlust) entziehe man Blut und bestreiche auch mit süßen Mitteln; man übergieße mit Milch, Zuckerrohrsaft und Ghee, alles gut gekühlt.

piḍakāmuttamākhyāṃ ca baḍiśenoddharedbhiṣak uddhṛtya madhusaṃyuktaiḥ kaṣāyairavacūrṇayet

Die piḍakā namens *uttamā* entferne der Arzt mit einem Häkchen; nach dem Entfernen bestäube er sie mit adstringierenden Mitteln, mit Honig vermischt.

rasakriyā vidhātavyā likhite śataponake pṛthakparṇyādisiddhaṃ ca deyaṃ tailamanantaram

Bei der geschabten *śataponaka* ist eine *rasakriyā* (Saftbehandlung) vorzunehmen; danach gebe man ein mit Pṛthakparṇī und anderen Mitteln gekochtes Öl.

kriyāṃ kuryādbhiṣak prājñastvakpākasya visarpavat raktavidra dhivaccāpi kriyā śoṇitaje'bude

Bei *tvakpāka* (einer Hautentzündung) wende der kluge Arzt die Behandlung wie bei visarpa (Wundrose) an; bei einem aus Blut entstandenen arbuda (Geschwulst) wende man die Behandlung wie bei einem Blut-vidradhi (Abszess) an.

kaṣāyakalkasarpīṃṣi tailaṃ cūrṇaṃ rasakriyām śodhanaṃ ropaṇaṃ caiva vīkṣya vīkṣyāvacārayet

Absude, Pasten, Ghee-Zubereitungen, Öl, Pulver und Saftbehandlungen sowie *śodhana* (Reinigung) und ropaṇa (Heilung) wende man jeweils nach sorgfältiger Prüfung an.

hitaṃ ca sarpiṣaḥ pānaṃ pathyaṃ cāpi virecanam hitaḥ śoṇitamokṣaśca yaccāpi laghu bhojanam

Heilsam ist das Trinken von Ghee sowie eine bekömmliche Abführbehandlung (*virecana*); heilsam ist auch der Aderlass sowie leichte Kost.

arbudaṃ māṃsapākaṃ ca vidra dhiṃ tilakālakam pratyākhyāya prakurvīta bhiṣak samyak pratikriyām

*Arbuda*, *māṃsapāka*, *vidradhi* und *tilakālaka* — nachdem der Arzt die Prognose gestellt hat, führe er die angemessene Gegenbehandlung sorgfältig durch.

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