Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 36: netrabastivyāpaccikitsitaṃ Komplikationen bei Klistierrohr und Klistier

Das Kapitel „Über die Behandlung der Missgeschicke bei netra und basti“ gehört zur ausführlichen basti-Lehre (Klistiertherapie) des Cikitsāsthāna und behandelt systematisch die technischen Fehlerquellen bei der Verabreichung des medizinischen Einlaufs. Ausgehend von Mängeln des netra (der Einlaufkanüle) – falsche Länge, Dicke, Krümmung, Sitz der karṇikā (des Griffrings) – werden der Reihe nach Fehler bei Körperlage, Pressdruck, Dosierung sowie bei Konsistenz und Temperatur des basti (zu ölig, zu trocken, zu heiß, zu scharf, zu sauer) mit ihren jeweiligen Symptomen – Afterverletzung, Blutung, Blähung, parikartikā (schneidender Afterschmerz), pravāhikā (Ruhr) – und der passenden Gegenmaßnahme aufgeführt, meist einem angepassten picchābasti (schleimigen Einlauf) oder Abführmittel. Unterschieden werden dabei ayoga (Unterdosierung) und atiyoga (Überdosierung) sowohl beim reinigenden nirūha als auch beim öligen snehabasti. Der Schlussvers regelt den zeitlichen Abstand aufeinanderfolgender basti-, virecana- und Brechbehandlungen. Das Kapitel liest sich wie ein technisches Fehlerhandbuch der Klistierpraxis und ergänzt die vorausgehenden basti-Kapitel um deren praktische Gefahren.

Fehler bei netra und basti sowie ihre Behandlung (Vers 3–48, Auswahl)
FehlerFolgeBehandlung
netra verrutscht oder verdrehtVerletzung, Schmerz am AfterBehandlung wie bei frischen Wunden
netra zu hoch oder zu tief eingeführtSchmerz am Afterpitta-beruhigende Ölübergießung
netra schräg oder seitlich eingeklemmtbasti dringt nicht richtig einnetra gerade einführen
netra zu dick, rau oder kantigVerletzung durch Reibungwie bei Verrutschen/Verdrehen
karṇikā zu nah an der Spitze, netra gesprungen oder zu dünnbasti wird wirkungslos ausgegossendiese Fehler meiden
karṇikā zu weit von der Spitze entferntDruck auf das marman des Afters, Blutungenpitta-beruhigend, schleimiger basti
zu starkes Pressenbasti gelangt in den Magen, tritt durch Nase/Mund ausHals drücken, scharfes virecana, kalte Übergießungen
zu schwaches Pressenbasti erreicht den Dickdarm nichtangemessen pressen
wiederholtes Presseneingeengter Wind, Blähungen, heftige Schmerzenentsprechender basti je nach Lage
ayoga (Unterdosierung)Verstopfung, Blähung, stechende Schmerzenscharfer basti, scharfes Abführmittel
atiyoga (Überdosierung)Symptome wie Überdosierung eines Abführmittels, im Extremfall Lebensgefahrkühler picchābasti, bei Lebensgefahr mit Blutzusatz
Das Kapitel nennt insgesamt weit mehr Einzelfehler (u. a. zu Substanzkonsistenz, Körperlage und Temperatur); hier in Auswahl wiedergegeben.

athāto netrabastivyāpaccikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir das Kapitel über die Behandlung der *vyāpad* (der Missgeschicke bzw. Komplikationen) beim *netra* (der Einlaufkanüle) und beim *basti* (dem medizinischen Einlauf) darlegen.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

atha netre vicalite tathā caiva vivartite gude kṣataṃ rujā vā syāttatra sadyaḥkṣatakriyāḥ

Ist das *netra* verrutscht oder verdreht worden, so kann am After eine Verletzung oder ein Schmerz entstehen; in diesem Fall wende man die Behandlung für frische Wunden an.

atyutkṣipte'vasanne ca netre pāyau bhavedrujā vidhiratrāpi pittaghnaḥ kāryaḥ snehaiśca secanam

Ist das *netra* zu hoch oder zu tief eingeführt worden, so entsteht Schmerz am After; auch hier ist eine *pitta* (das Feuerprinzip) beruhigende Behandlung angezeigt, mit Übergießungen durch Öle.

tiryakpraṇihite netre tathā pārśvāvapīḍite mukhasyāvaraṇādbastirna samyak pratipadyate ṛju netraṃ vidheyaṃ syāttatra samyagvijānatā

Ist das *netra* schräg eingeführt oder seitlich eingeklemmt worden, so gelangt der *basti* wegen der Verlegung seiner Mündung nicht richtig hinein; wer die Sachlage richtig erkennt, führe das *netra* in diesem Fall gerade ein.

atisthūle karkaśe ca netre'strimati gharṣaṇāt gude bhavet kṣataṃ ruk ca sādhanaṃ tasya pūrvavat

Ist das *netra* zu dick, zu rau oder kantig, so entsteht durch die Reibung eine Verletzung und Schmerz am After; die Behandlung dafür ist dieselbe wie zuvor.

āsannakarṇike netre bhinne'ṇau vā'pyapārthakaḥ avaseko bhavedbastestasmāddoṣān vivarjayet

Sitzt die *karṇikā* (der Griffring am *netra*) zu nahe an der Spitze, oder ist das *netra* gesprungen oder zu dünn, so wird der *basti* wirkungslos ausgegossen; darum meide man diese Fehler.

prakṛṣṭakarṇike raktaṃ gudamarmaprapīḍanāt kṣaratyatrāpi pittaghno vidhirbastiśca picchilaḥ

Sitzt die *karṇikā* zu weit von der Spitze entfernt, so kommt es durch den Druck auf das *marman* (die empfindliche, vitale Stelle) des Afters zu Blutungen; auch hier ist eine *pitta*-beruhigende Behandlung angezeigt, und der *basti* sei schleimig, das heißt mit schleimbildenden Substanzen zubereitet.

hrasve tvaṇusrotasi ca kleśo bastiśca pūrvavat pratyāgacchaṃstataḥ kuryādro gān bastivighātajān

Ist das *netra* zu kurz oder sein Kanal zu eng, so wird die Einführung mühsam, und der *basti* kehrt wie zuvor beschrieben zurück; dies verursacht Krankheiten, die aus dem Misslingen des *basti* entstehen.

dīrghe mahāsrotasi ca jñeyamatyavapīḍavat prastīrṇe bahale cāpi bastau durbaddhadoṣavat

Ist das *netra* zu lang oder sein Kanal zu weit, so ist dies wie beim Fehler des zu starken Pressens zu behandeln; ist die *basti*-Blase zu schlaff ausgebreitet oder zu dick, so entspricht dies dem Fehler des schlecht Verschnürten.

bastāvalpe'lpatā vā'pi dra vyasyālpā guṇā matāḥ durbaddhe cāṇubhinne ca vijñeyaṃ bhinnanetravat

Ist der *basti* zu klein, oder ist die Menge der Substanz (*dravya*) zu gering, so gelten dessen Wirkungen als schwach; ist die Blase schlecht verschnürt oder zu dünn und gesprungen, so ist dies wie beim gesprungenen *netra* zu behandeln.

atiprapīḍito bastiḥ prayātyāmāśayaṃ tataḥ vāterito nāsikābhyāṃ mukhato vā prapadyate

Wird der *basti* zu stark gepresst, so gelangt er in den Magen (*āmāśaya*) und tritt, von *vāta* (dem Wind) getrieben, durch Nase oder Mund wieder aus.

tatra tūrṇaṃ galāpīḍaṃ kuryāccāpyavadhūnanam śiraḥkāyavirekau ca tīkṣṇau sekāṃśca śītalān

In diesem Fall drücke man rasch auf den Hals und schüttele den Patienten; man wende scharfe, kopf- und körperreinigende Abführmittel (*virecana*) sowie kalte Übergießungen an.

śanaiḥ prapīḍito bastiḥ pakvādhānaṃ na gacchati na ca saṃpādayatyarthaṃ tasmādyuktaṃ prapīḍayet

Wird der *basti* zu schwach gepresst, so erreicht er nicht den Dickdarm (*pakvāśaya*) und erzielt seine Wirkung nicht; darum presse man ihn in angemessenem Maß.

bhūyo bhūyo'vapīḍena vāyurantaḥ prapīḍyate tenādhmānaṃ rujaścogrā yathāsvaṃ tatra vastayaḥ

Durch wiederholtes Pressen wird der im Inneren befindliche Wind eingeengt; dadurch entstehen Blähungen und heftige Schmerzen. In diesem Fall wende man je nach Lage entsprechende *basti* an.

kālātikramaṇāt kleśo vyādhiścābhipravardhate tatra vyādhibalaghnaṃ tu bhūyo bastiṃ nidhāpayet

Durch Zeitüberschreitung beim Pressen entsteht Beschwerde, und die Krankheit verstärkt sich; in diesem Fall verabreiche man erneut einen *basti*, der die Kraft der Krankheit bricht.

gudopadehaśophau tu sneho'pakvaḥ karoti hi tatra saṃśodhano bastirhitaṃ cāpi virecanam

Unverdautes, nicht resorbiertes Öl verursacht Verklebung und Schwellung des Afters; in diesem Fall ist ein reinigender *basti* angezeigt, ebenso ein Abführmittel.

hīnamātrāvubhau bastī nātikāryakarau matau atimātrau tathā'nāhaklamātīsārakārakau

Werden beide Arten von *basti* unterdosiert gegeben, so gelten sie als wenig wirksam; werden sie überdosiert gegeben, so verursachen sie Verstopfung, Erschöpfung und Durchfall.

mūrcchāṃ dāhamatīsāraṃ pittaṃ cātyuṣṇatīkṣṇakau mṛduśītāvubhau vātavibandhādhmānakārakau

Zu heiß und zu scharf zubereitet, verursachen beide Ohnmacht, Brennen, Durchfall und eine Erregung des *pitta*; zu weich und zu kalt zubereitet, verursachen sie eine Erregung des *vāta* mit Verstopfung und Blähungen.

tatra hīnādiṣu hitaḥ pratyanīkaḥ kriyāvidhiḥ gudabastyupadehaṃ tu kuryāt sāndro nirūhaṇaḥ

Bei Unterdosierung und den übrigen genannten Fehlern ist jeweils die entgegengesetzte Behandlung angezeigt. Ein zu dickflüssiger *nirūha* (der reinigende Einlauf) verursacht eine Verklebung an After und *basti*-Blase.

pravāhikāṃ vā janayettanuralpaguṇāvahaḥ tatra sāndre tanuṃ bastiṃ tanau sāndraṃ ca dāpayet

Ein zu dünnflüssiger *nirūha*, von geringer Wirkkraft, kann hingegen *pravāhikā* (Ruhr, ein schmerzhafter, häufiger Stuhldrang) verursachen; ist er zu dickflüssig, gebe man einen dünneren *basti*, ist er zu dünnflüssig, einen dickflüssigeren.

snigdho'tijāḍyakṛdrū kṣaḥ stambhādhmānakṛducyate bastiṃ rūkṣamatisnigdhe snigdhaṃ rūkṣe ca dāpayet

Ein zu öliger *basti* verursacht übermäßige Schwere und Trägheit, ein zu trockener verursacht Steifheit und Blähungen, so sagt man; ist er zu ölig, gebe man einen trockeneren *basti*, ist er zu trocken, einen öligeren.

atipīḍitavaddoṣān viddhi cāpyavaśīrṣake ucchīrṣake samunnāhaṃ bastiḥ kuryācca mehanam

Bei nach unten geneigtem Kopf während der Verabreichung entstehen dieselben Fehler (*doṣa*) wie bei zu starkem Pressen; bei hoch aufgerichtetem Kopf verursacht der *basti* eine Auftreibung und unwillkürlichen Harnabgang.

tatrottaro hito bastiḥ susvinnasya sukhāvahaḥ nyubjasya bastirnāpnoti pakvādhānaṃ vimārgagaḥ

In diesem Fall ist ein nachfolgender *basti* angezeigt, der dem gut Gedämpften Wohlbefinden bringt. Bei vornübergebeugter Lage erreicht der *basti*, da er den falschen Weg nimmt, nicht den Dickdarm.

hṛdgudaṃ bādhate cātra vāyuḥ koṣṭhamathāpi ca uttānasyāvṛte mārge bastirnāntaḥ prapadyate

Dabei bedrängt der Wind Herzgegend, After und Bauchraum. Bei rücklings liegender Lage, deren Zugang verlegt ist, dringt der *basti* gar nicht erst ein.

netrasaṃvejanabhrānto vāyuścāntaḥ prakupyati dehe saṅkucite dattaḥ sankthorapyubhayostathā

Durch die Erschütterung des *netra* gerät der Wind im Inneren verwirrt in Erregung. Wird der *basti* bei zusammengekrümmtem Körper oder bei angezogenen Beinen verabreicht, geschieht dasselbe.

na samyaganilāviṣṭo bastiḥ pratyeti dehinaḥ sthitasya bastirdattastu kṣipramāyātyavāṅmukhaḥ

Ist der Wind im Körper nicht in der richtigen Weise erfasst, so kehrt der *basti* beim Patienten nicht zurück. Wird der *basti* bei stehendem Patienten verabreicht, so tritt er rasch mit nach unten gerichteter Öffnung vorzeitig wieder aus.

na cāśayaṃ tarpayati tasmānnārthakaro hi saḥ nāpnoti bastirdattastu kṛtsnaṃ pakvāśayaṃ punaḥ

Auch durchtränkt er dabei den Sitz der *doṣa* nicht; deshalb bleibt er wirkungslos. Wird der *basti* so verabreicht, erreicht er den ganzen Dickdarm nicht.

dakṣiṇāśritapārśvasya vāmapārśvānugo yataḥ nyubjādīnāṃ pradānaṃ ca basternaiva praśasyate

Bei einem auf der rechten Seite Liegenden folgt die Wirkung der linken Seite; die Verabreichung des *basti* bei vornübergebeugter und den übrigen falschen Lagen wird daher keinesfalls empfohlen.

paścādanilakopo'tra yathāsvaṃ tatra kārayet vyāpadaḥ snehabastestu vakṣyante taccikitsite

Kommt es hierbei nachträglich zu einer Erregung des Windes, so behandle man dies jeweils entsprechend. Die Missgeschicke des öligen *basti* (*snehabasti*) werden in dessen eigenem Behandlungskapitel dargelegt.

ayogādyāstu vakṣyāmi vyāpadaḥ sacikitsitāḥ anuṣṇo'lpauṣadho hīno bastirnaiti prayojitaḥ

Nun will ich die durch *ayoga* (Unterdosierung, unzureichende Anwendung) und Ähnliches verursachten Missgeschicke samt ihrer Behandlung darlegen. Ein nicht ausreichend erwärmter, an Arzneistoff zu armer *basti* kehrt nach der Anwendung nicht zurück.

viṣṭambhādhmānaśūlaiśca tamayogaṃ pracakṣate tatra tīkṣṇo hito bastistīkṣṇaṃ cāpi virecanam

An Verstopfung, Blähung und stechenden Schmerzen erkennt man diesen Fall der Unterdosierung; hierbei ist ein scharfer *basti* angezeigt, ebenso ein scharfes Abführmittel.

saśeṣānne'thavā bhukte bahudoṣe ca yojitaḥ atyāśitasyātibahurbastirmandoṣṇa eva ca

Wird der *basti* verabreicht, während noch Speisereste unverdaut vorliegen, oder bei reichlich vorhandenen *doṣa*, oder wird einem, der übermäßig gegessen hat, ein zu großer, nur lauwarmer *basti* gegeben -

anuṣṇalavaṇasneho hyatimātro'thavā punaḥ tathā bahupurīṣaṃ ca kṣipramādhmāpayennaram

- wird ein nicht ausreichend erwärmtes, salziges Ölklistier in übermäßiger Menge verabreicht, oder liegt reichlich Stuhl vor, so führt dies rasch zu Blähungen beim Patienten.

hṛtkaṭīpārśvapṛṣṭheṣu śūlaṃ tatrātidāruṇam tatra tīkṣṇataro bastirhitaṃ cāpyanuvāsanam

Dabei entsteht heftigster stechender Schmerz in Herzgegend, Hüfte, Flanken und Rücken; in diesem Fall ist ein noch schärferer *basti* angezeigt, ebenso ein *anuvāsana* (ein öliger Nacheinlauf).

atitīkṣṇotilavaṇo rūkṣo bastiḥ prayojitaḥ sapittaṃ kopayedvāyuṃ kuryācca parikartikām

Wird ein zu scharfer, zu stark gesalzener und zu trockener *basti* verabreicht, so erregt er *vāta* zusammen mit *pitta* und verursacht *parikartikā*, einen schneidenden, stechenden Afterschmerz.

nābhibastigudaṃ tatra chinattīvātidehinaḥ picchābastirhitastasya snehaśca madhuraiḥ śṛtaḥ

Dabei ist es, als durchschnitte es dem Patienten Nabel, Blase und After. Für ihn ist ein *picchābasti* (ein schleimiger, aus schleimbildenden Substanzen bereiteter Einlauf) angezeigt, ebenso ein mit süßen Mitteln gekochtes Öl.

atyamlalavaṇastīkṣṇaḥ parisrāvāya kalpate daurbalyamaṅgasādaśca jāyate tatra dehinaḥ

Ein zu saurer, zu salziger und zu scharfer *basti* führt zum Durchsickern; dabei entstehen beim Patienten Schwäche und Mattigkeit der Glieder.

parisravettataḥ pittaṃ dāhaṃ sañjanayedgude picchābastirhitastatra bastiḥ kṣīraghṛtena ca

Dabei sickert das *pitta* aus und erzeugt ein Brennen im After; in diesem Fall ist ein *picchābasti* angezeigt, ebenso ein *basti* aus Milch und geklärter Butter (*ghṛta*).

pravāhikā bhavettīkṣṇānnirūhāt sānuvāsanāt sadāhaśūlaṃ kṛcchreṇa kaphāsṛgupaveśyate

Von einem zu scharfen *nirūha*, dem ein *anuvāsana* folgte, entsteht *pravāhikā* (Ruhr); dabei wird unter Brennen und stechendem Schmerz mit Mühe ein Gemisch aus *kapha* und Blut ausgeschieden.

picchābastirhitastatra payasā caiva bhojanam sarpirmadhurakaiḥ siddhaṃ tailaṃ cāpyanuvāsanam

In diesem Fall ist ein *picchābasti* angezeigt, ebenso eine Kost aus Milch, geklärte Butter oder Öl, mit süßen Mitteln zubereitet, als *anuvāsana*.

atitīkṣṇo nirūho vā savāte cānuvāsanaḥ hṛdayasyopasaraṇaṃ kurute cāṅgapīḍanam

Ein zu scharfer *nirūha* oder ein bei Wind-Erregung falsch gegebenes *anuvāsana* verursacht eine Beklemmung im Herzbereich und schmerzhafte Bedrängnis der Glieder.

doṣaistatra rujastāstā mado mūrcchā'ṅgagauravam sarvadoṣaharaṃ bastiṃ śodhanaṃ tatra dāpayet

Dabei entstehen durch die *doṣa* verschiedenerlei Schmerzen, Rauschzustand, Ohnmacht und Schwere der Glieder; in diesem Fall gebe man einen reinigenden *basti*, der alle *doṣa* entfernt.

rūkṣasya bahuvātasya tathā duḥśāyitasya ca bastiraṅgagrahaṃ kuryādrū kṣo mṛdvalpabheṣajaḥ

Bei einem Patienten, der trocken veranlagt ist, viel Wind in sich hat und schlecht gelagert wurde, verursacht ein trockener, milder, an Arzneistoff zu armer *basti* eine Versteifung der Glieder.

tatrāṅgasādaḥ prastambho jṛmbhodveṣṭanavepakāḥ parvabhedaśca tatreṣṭāḥ svedābhyañjanabastayaḥ

Dabei treten Mattigkeit der Glieder, Steifheit, Gähnen, Sich-Winden, Zittern und Schmerz in den Gelenken auf; in diesem Fall sind Schwitzbehandlungen (*sveda*), Ölmassagen (*abhyañjana*) und entsprechende *basti* angezeigt.

atyuṣṇatīkṣṇo'tibahurdatto'tisveditasya ca alpadoṣasya vā bastiratiyogāya kalpate

Ein zu heißer, zu scharfer *basti*, in zu großer Menge verabreicht, oder bei einem übermäßig Gedämpften oder bei geringem *doṣa*-Bestand gegeben, führt zu *atiyoga* (Überdosierung).

virecanātiyogena samānaṃ tasya lakṣaṇam picchābastiprayogaśca tatra śītaḥ sukhāvahaḥ

Seine Symptome gleichen denen der Überdosierung eines Abführmittels; in diesem Fall bringt die Anwendung eines kühlen *picchābasti* Linderung.

atiyogāt paraṃ yatra jīvādānaṃ viriktavat deyastatra hitaścāpsu picchābastiḥ saśoṇitaḥ

Geht die Überdosierung so weit, dass Lebensgefahr entsteht, wie bei einem zu stark Abgeführten, so gebe man in diesem Fall zuträglicherweise einen in Wasser zubereiteten *picchābasti* mit Blut als Zusatz.

navaitā vyāpado yāstu nirūhaṃ pratyudāhṛtāḥ snehabastiṣvapi hi tā vijñeyāḥ kuśalairiha

Diese neun Missgeschicke, die für den *nirūha* genannt wurden, sollen von den Kundigen ebenso auch bei den öligen *basti*-Arten (*snehabasti*) erkannt werden.

ityuktā vyāpadaḥ sarvāḥ salakṣaṇacikitsitāḥ bhiṣajā ca tathā kāryaṃ yathaitā na bhavanti hi

So wurden alle Missgeschicke mit ihren Kennzeichen und ihrer Behandlung dargelegt; der Arzt soll zudem so vorgehen, dass diese gar nicht erst entstehen.

pakṣādvireko vāntasya tataścāpi nirūhaṇam sadyo nirūḍho'nuvāsyaḥ saptarātrādvirecitaḥ

Nach einem Brechmittel erfolgt die Abführbehandlung nach vierzehn Tagen, danach wiederum der *nirūha*; wer soeben den *nirūha* erhalten hat, erhalte sogleich das *anuvāsana*; wer eine Abführbehandlung erhalten hat, erhalte ihn nach sieben Nächten.

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