athātaḥ pramehapiḍakācikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *pramehapiḍakā* (der bei Meha auftretenden Geschwüre) darlegen.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das Kapitel über pramehapiḍakā behandelt die bei prameha auftretenden Geschwüre und Karbunkel, deren neun Arten bereits an anderer Stelle benannt wurden. Es beschreibt den Krankheitsverlauf als Eskalationskette von Vorzeichen über Reinigungsversäumnis bis zur inneren Vereiterung und leitet daraus die Notwendigkeit früher Intervention ab; zugleich wird erklärt, warum sich bei diesen Kranken – wegen ihres fettreichen, „schwer reinigbaren“ Körpers – der Name madhumeha, „Süßharnkrankheit“, wegen des honigartigen Geruchs von Harn und Ausscheidungen eingebürgert hat. Ausdrücklich gewarnt wird vor Schwitzbehandlungen, da sie den fettdurchsetzten Körper zum Zerfall bringen könnten. Zentrale Rezepturen sind das Dhānvantara-Ghee sowie mehrere Eisenpräparate und ein „Eisen-Ariṣṭa“ aus Sāla-Kernholz, die Verdauungskraft stärken und Schwellungen mindern sollen. Als Genesungszeichen gilt ein wieder klarer, bitter-scharf schmeckender Harn.
athātaḥ pramehapiḍakācikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *pramehapiḍakā* (der bei Meha auftretenden Geschwüre) darlegen.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So wie es der erhabene Dhanvantari verkündete.
śarāvikādyā nava piḍakāḥ prāguktāḥtāḥprāṇavato'lpāstvaṅmāṃsaprāptā mṛdvyo'lparujaḥ kṣiprapākabhedinyaśca sādhyāḥ
Die neun Arten von *piḍakā* (Geschwüren), beginnend mit Śarāvikā, wurden bereits genannt. Von diesen sind heilbar jene, die bei einem lebenskräftigen Menschen wenige sind, nur Haut und Fleisch betreffen, weich, wenig schmerzhaft sind und rasch reifen und aufbrechen.
tābhirupadrutaṃ pramehiṇamupacaret tatra pūrvarūpeṣvapatarpaṇaṃ vanaspatikaṣāyaṃ bastamūtraṃ copadiśet evamakurvatastasya madhurāhārasya mūtraṃ svedaḥ śleṣmā ca madhurībha-vati pramehaścābhivyakto bhavati tatrobhayataḥ saṃśodhanamāseveta evamakurvatastasya doṣāḥ pravṛddhā māṃsaśoṇite pradūṣya śophaṃ janayantyupadra vān vā kāṃścit tatro-ktaḥ pratīkāraḥ sirāmokṣaśca evamakurvatastasya śopho vṛddho'timātraṃ rujo vi-dāhamāpadyate tatra śastrapraṇidhānamuktaṃ vraṇakriyopasevā ca evamakurvatastasya pūyo'bhyantaramavadāryotsaṅgaṃ mahāntamavakāśaṃ kṛtvā pravṛddho bhavatyasādhyaḥ tasmādādita eva pramehiṇamupakramet
Den davon betroffenen *pramehin* behandle man wie folgt: Solange nur Vorzeichen bestehen, verordne man Fasten sowie einen Absud von Waldbäumen und Ziegenharn. Unterbleibt dies, so wird bei jenem, der süße Speisen zu sich nimmt, der Harn, der Schweiß und das *kapha* süß, und der *prameha* tritt offen zutage; dann wende man beiderseitige Reinigungsverfahren an. Unterbleibt auch dies, so verderben die vermehrten Körpersäfte (*doṣa*) Fleisch und Blut und erzeugen Schwellungen oder andere Komplikationen; dafür wurde bereits die entsprechende Behandlung samt Aderlass genannt. Unterbleibt auch dies, so nimmt die Schwellung übermäßig zu und geht in Schmerz und Brennen über; dafür wurde der Einsatz des Skalpells sowie die Wundbehandlung genannt. Unterbleibt auch dies, so bricht der Eiter innerlich auf, erzeugt eine große Höhle und wird unheilbar. Deshalb soll man den *pramehin* von Anfang an behandeln.
bhallātakabilvāmbupippalīmūlodakīryāvarṣābhūpunarnavācitrakaśaṭīsnuhī varu-ṇakapuṣkaradantīpathyā daśapalonmitā yavakolakulatthāṃśca prāsthikān sali-ladro ṇe niṣkvāthya caturbhāgāvaśiṣṭe'vatārya vacātrivṛtka mpillakabhārgīni-culaśuṇṭhīgajapippalīviḍaṅgarodhraśirīṣāṇāṃ bhāgairardhapalikairghṛtaprasthaṃ vipā-cayenmehaśvayathukuṣṭhagulmo darārśaḥplīhavidra dhipiḍakānāṃ nāśanaṃ nāmnā dhānvantaram
Man nehme je zehn Pala von Bhallātaka, Bilva-Wasser, Pippalī-Wurzel, Udakīrya, Yāvarṣābhū, Punarnavā, Citraka, Śaṭī, Snuhī, Varuṇa, Puṣkara, Dantī und Pathyā sowie eine Prastha-Menge Gerste und Kulattha-Bohnen, koche dies in einem Droṇa Wasser ein, bis nur ein Viertel übrig ist, und bereite damit unter Zugabe je eines halben Pala von Vacā, Trivṛt, Kampillaka, Bhārgī, Nicula, Ingwer, Gajapippalī, Viḍaṅga, Rodhra und Śirīṣa ein Prastha Ghee zu. Dieses Rezept, genannt Dhānvantara, heilt *meha*, Schwellung, Kuṣṭha, Gulma (Bauchgeschwulst), Hämorrhoiden, Milzleiden, Abszesse und Geschwüre.
durvirecyā hi madhumehino bhavanti medo'bhivyāptaśarīratvāt tasmāttīkṣṇameteṣāṃ śodhanaṃ kurvīta piḍakāpīḍitāḥ sopadra vāḥ sarva eva pramehāmūtrādimādhuryemadhugandhasāmānyāt pāribhāṣikīṃ madhumehākhyāṃ labhante
Diabetiker (*madhumehin*) sind nur schwer abzuführen, weil ihr Körper von Fett durchsetzt ist; daher wende man bei ihnen ein besonders kräftiges Reinigungsmittel an. Alle von *piḍakā* Geplagten mit Begleiterscheinungen erhalten wegen der Süße und des honigartigen Geruchs ihres Harns und ihrer sonstigen Ausscheidungen fachsprachlich den Namen *madhumeha* (Süßharnkrankheit).
na caitān kathaṃcidapi svedayet medobahutvādeteṣāṃ viśīryate dehaḥ svedena
Man wende bei ihnen unter keinen Umständen Schwitzbehandlungen an, denn wegen ihres überschüssigen Fettes würde der Körper durch das Schwitzen zerfallen.
rasāyanīnāṃ ca daurbalyānnordhvamuttiṣṭhanti pramehiṇāṃ doṣāḥ tato madhumehināmadhaḥ kāye piḍakāḥ prādurbhavanti
Wegen der Schwäche ihrer Nährflüssigkeiten steigen die *doṣa* der *pramehin* nicht nach oben; deshalb entstehen bei den *madhumehin* die Geschwüre im unteren Teil des Körpers.
apakvānāṃ tu piḍakānāṃ śophavat pratīkāraḥ pakvānāṃ vraṇavaditi tailaṃ tu vra-ṇaropaṇamevādau kurvīta āragvadhādikaṣāyamutsādanārthe śālasārādikaṣāyaṃ pariṣecane pippalyādikaṣāyaṃ pānabhojaneṣu pāṭhācitrakaśārṅgeṣṭākṣudrā bṛhatīsārivāsomavalkasaptaparṇāragvadhakuṭajamūlacūrṇāni madhumiśrāṇi prāśnīyāt
Unreife Geschwüre behandle man wie eine Schwellung, reife wie eine Wunde; dabei diene Öl vor allem der Wundheilung. Man verwende einen Absud aus Āragvadha und ähnlichen Mitteln zum Bestreichen, einen Absud aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln zum Übergießen, einen Absud aus Pippalī und ähnlichen Mitteln in Trank und Speise. Man lasse ihn Pulver aus Pāṭhā, Citraka, Śārṅgeṣṭā, Kṣudrā, Bṛhatī, Sārivā, Somavalka und Saptaparṇa sowie aus der Wurzel von Āragvadha und Kuṭaja, mit Honig vermischt, zu sich nehmen.
śālasārādivargakaṣāyaṃ caturbhāgāvaśiṣṭamavatārya parisrāvya punarupanīya sā-dhayet sidhyati cāmalakarodhrapriyaṅgundantīkṛṣṇāyastāmracūrṇānyāvapet etadanu-padagdhaṃ lehībhūtamavatāryānuguptaṃ nidadhyāt tato yathāyogamupayuñjīta eṣa lehaḥ sarvamehānāṃ hantā
Man koche einen Absud aus der Gruppe um Sāla-Kernholz ein, bis nur ein Viertel übrig ist, seihe ihn ab, koche ihn erneut ein und bringe ihn zur rechten Konsistenz. Dann gelingt er, wenn man Pulver von Amalaka, Rodhra, Priyaṅgu, Dantī, Eisen und Kupfer hinzugibt; nachdem dies leicht angebrannt und zur Latwerge geworden ist, nehme man es vom Feuer und bewahre es wohlverschlossen auf. Davon nehme man dann je nach Bedarf ein. Diese Latwerge beseitigt alle Arten von *meha*.
triphalācitrakatrikaṭukaviḍaṅgamustānāṃ nava bhāgāstāvanta eva kṛṣṇāyaścūrṇa-sya tatsarvamaikadhyaṃ kṛtvā yathāyogaṃ mātrāṃ sarpirmadhubhyāṃ saṃsṛjyopayuñjīta eta-nnavāyasam etena jāṭharyaṃ na bhavati sanno'gnirāpyā yate durnāmaśophapāṇḍukuṣṭha-rogāvipākakāsaśvasāpramehāśca na bhavanti
Man nehme von Triphalā, Citraka, Trikaṭu und Viḍaṅga sowie Musta je neun Teile, und ebenso viele Teile Eisenpulver; all dies vermenge man miteinander und nehme davon je nach Bedarf eine mit Ghee und Honig vermischte Dosis. Dies ist das 'neue Eisenpräparat', und wer es einnimmt, leidet nicht an Verdauungsstörungen des Magens, sein erschlafftes Verdauungsfeuer wird wiederhergestellt, und Hämorrhoiden, Schwellungen, Blutarmut, Kuṣṭha, schlechte Verdauung, Husten, Atemnot und *prameha* bleiben ihm fern.
śālasārādiniryūhe caturthāṃśāvaśeṣite parisrute tataḥ śīte madhu mākṣikamāvapet
In den auf ein Viertel eingekochten und abgeseihten Absud aus Sāla-Kernholz und ähnlichen Mitteln gebe man, sobald er abgekühlt ist, Bienenhonig hinzu.
phāṇitībhāvamāpannaṃ guḍaṃ śodhitameva ca ślakṣṇapiṣṭāni cūrṇāni pippalyādigaṇasya ca
Ferner gebe man gereinigten, zu Sirup eingedickten Rohzucker sowie fein zerriebene Pulver aus der Gruppe um Pippalī hinzu.
ekadhyamāvapet kumbhe saṃskṛte ghṛtabhāvite pippalīcūrṇamadhubhiḥ pralipte'ntaśucau dṛḍhe
All dies gebe man zusammen in einen gereinigten, mit Ghee getränkten und innen mit Pippalī-Pulver und Honig bestrichenen, dichten und sauberen Tonkrug.
ślakṣṇāni tīkṣṇalohasya tatra patrāṇi buddhimān khadirāṅgārataptāni bahuśaḥ sannipātayet
Der kluge Arzt lasse dort wiederholt dünne, an Khadira-Kohle erhitzte Blätter aus hartem Eisen hineinfallen.
supidhānaṃ tu taṃ kṛtvā yavapalle nidhāpayet māsāṃstrīṃścaturo vā'pi yāvadālohasaṃkṣayāt
Nachdem er den Krug fest verschlossen hat, lasse er ihn drei bis vier Monate lang in einem Gerstenhaufen liegen, bis sich das Eisen aufgelöst hat.
tato jātarasaṃ taṃ tu prātaḥ prātaryathābalam niṣeveta yathāyogamāhāraṃ cāsya kalpayet
Von dem so entstandenen Auszug nehme man dann morgens früh je nach Kraft ein und richte die Ernährung entsprechend danach aus.
kārśyakṛdbalināmeṣa sannasyāgneḥ prasādhakaḥ śophanudgulmahṛt kuṣṭhamehapāṇḍvāmayāpahaḥ
Dieses Mittel macht die Kräftigen schlank, stellt das erloschene Verdauungsfeuer wieder her, beseitigt Schwellungen und Gulma und heilt Kuṣṭha, *meha* und Blutarmut.
plīhodaraharaḥ śīghraṃ viṣamajvaranāśanaḥ abhiṣyandāpaharaṇo lohāriṣṭo mahāguṇaḥ
Dieser 'Eisen-Ariṣṭa' von großer Heilkraft beseitigt rasch die Milz-Bauchwassersucht (*plīhodara*), vernichtet unregelmäßiges Fieber und löst Verstopfungen der Körperkanäle.
pramehiṇo yadā mūtramapicchilamanāvilam viśadaṃ tiktakaṭukaṃ tadā'rogyaṃ pracakṣate
Wenn der Harn des *pramehin* nicht mehr schleimig und trübe, sondern klar sowie bitter-scharf schmeckend wird, dann gilt dies als Zeichen der Genesung.