Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 15: mūḍhagarbhacikitsitaṃ Behandlung der fehlgestellten Geburt

Das Kapitel über mūḍhagarbha behandelt die schwierigste geburtshilfliche Situation, die fehlgestellte oder blockierte Geburt, und beschreibt acht Fehllagen des Fötus sowie manuelle Techniken zur Entbindung – Ziehen, Wenden, Umlagern –, eingeleitet, sofern der Fötus noch lebt, durch überlieferte Lösungssprüche (mantra). Ist der Fötus bereits abgestorben, schildert der Text unverblümt die Embryotomie: Öffnen des Schädels, Entfernen der Schädelknochen, Durchtrennen von Schultern oder Becken, stets mit der obersten Priorität, das Leben der Mutter zu erhalten. Ein lebender Fötus darf dagegen unter keinen Umständen zerschnitten werden. Nach der Entbindung folgt eine ausführliche Wochenbett-Versorgung mit Klistieren, Räucherungen und dem eigens beschriebenen Balā-Öl, einem aufwendigen Vāta-besänftigenden Präparat aus Balā, Daśamūla und zahlreichen Duftstoffen, das auch bei geschwächtem männlichen Samen und allgemeiner Vāta-Schwäche empfohlen wird.

FEHLLAGEN DES FÖTUS (MŪḌHAGARBHA) UND ENTBINDUNGSTECHNIK (Vers 9)
Lage des FötusVorgehen
Beine voranin gerader Richtung herausziehen
nur ein Bein vorgetretendas andere Bein strecken, dann herausziehen
Gesäß voranGesäßregion zusammendrücken, nach oben heben, gestreckte Beine herausziehen
quer liegend („wie ein Türriegel“)hintere Hälfte heben, vordere Hälfte zum Geburtsweg richten, herausziehen
Kopf zur Seite gewandt, an der Schulter hängendSchulter zusammendrücken, heben, Kopf zum Geburtsweg bringen, herausziehen
beide Arme voranArme nach oben drücken, Schultern und Kopf in gerader Richtung bringen, herausziehen
Der Text erwähnt zwei weitere, „sehr schwer zu behandelnde“ Fehllagen, ohne sie im Einzelnen zu beschreiben; gelingt die manuelle Entbindung nicht, wird das Messer (śastra) angewendet (Vers 9–13). Bei lebendem Fötus ist ein Zerschneiden unter allen Umständen verboten (Vers 10).

athāto mūḍhagarbhacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung des *mūḍhagarbha* (der fehlgestellten, blockierten Geburt) darlegen.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

nāto'nyat kaṣṭatamamasti yathā mūḍhagarbhaśalyoddharaṇam atra hi yoniyakṛtplī hāntravivaragarbhāśayānāṃ madhye karma kartavyaṃ sparśena utkarṣaṇāpakarṣaṇasthānā-pavartanotkartanabhedanacchedanapīḍanarjūkaraṇadāraṇāni caikahastena garbhaṃ garbhiṇīṃ cāhiṃsatā tasmādadhipatimāpṛcchya paraṃ ca yatnamāsthāyopakrameta

Es gibt nichts Schwierigeres als dies: die Entfernung des blockierten Fötus als *śalya* (Hindernis); dabei muss inmitten von *yoni* (Scheide), Leber, Milz, Darm und *garbhāśaya* (Gebärmutter) durch Ertasten gearbeitet werden – Herausziehen, Zurückziehen, Umlagern, Umwenden, Aufschneiden, Durchtrennen, Abtrennen, Zusammendrücken, Geraderichten und Auseinanderreißen, alles mit einer Hand, ohne den Fötus oder die Gebärende zu verletzen. Deshalb befrage man zuerst den leitenden Arzt und gehe dann mit äußerster Sorgfalt vor.

tatra samāsenāṣṭavidhā mūḍhagarbhagatiruddiṣṭā svabhāvagatā api trayaḥ saṅgābhavantiśiraso vaiguṇyādaṃsayorjaghanasya vā

Dabei werden kurz gefasst acht Arten der Fehllage des *mūḍhagarbha* genannt; selbst bei natürlicher Lage entstehen drei Arten der Blockade – durch Fehlstellung des Kopfes, der Schultern oder des Beckens.

jīvati tu garbhe sūtikāgarbhanirharaṇe prayateta nirhartumaśakye cyāvanān mantrānupaśṛṇuyāt tān vakṣyāmaḥ

Lebt der Fötus noch, so bemühe man sich um die Entbindung der Gebärenden; ist die Entbindung nicht möglich, so höre man die *mantra* (Zaubersprüche) zur Loslösung; diese wollen wir nun mitteilen.

ihāmṛtaṃ ca somaśca citrabhānuśca bhāmini uccaiḥśravāśca turago mandire nivasantu te

Hier, o Leuchtende, mögen Amṛta und Soma, Citrabhānu und das Ross Uccaiḥśravas in deiner Wohnstatt weilen.

idamamṛtamapāṃ samuddhṛtaṃ vai tava laghu garbhamimaṃ pramuñcatu stri tadanalapavanārkavāsavāste saha lavaṇāmbudharairdiśantu śāntim

Dies ist der Amṛta, aus den Wassern emporgehoben; er löse dir, o Frau, diesen Fötus rasch. Möge er dir mit Feuer, Wind, Sonne und Indra sowie mit den Wolken des salzigen Meeres Frieden gewähren.

muktāḥ paśorvipāśāśca muktāḥ sūryeṇa raśmayaḥ muktaḥ sarvabhayādgarbha ehyehi viramāvitaḥ

Befreit sind die Fesseln des Tieres, befreit sind die Strahlen von der Sonne – befreit von aller Furcht, o Fötus, komm, komm hervor, ungehindert.

auṣadhāni ca vidadhyādyathoktāni mṛte cottānāyā ābhugnasakthyāvastrā dhāra konnamitakaṭyā dhanvananagavṛttikāśālmalīmṛtsnaghṛtābhyāṃ mrakṣayitvā hastaṃ yonau praveśya garbhamupaharet tatra sakthibhyāmāgatamanulomamevāñchet e-kasankthā pratipannasyetarasakthi prasāryāpaharet sphigdeśenāgatasya sphigdeśaṃ prapīḍyordhvamutkṣipya sakthinī prasāryāpaharet tiryagāgatasya parighasyeva tira-ścīnasya paścādardhamūrdhvamutkṣipya pūrvārdhamapatyapathaṃ pratyārjavamānīyāpaharet pā-rśvāpavṛttaśirasamaṃsaṃ prapīḍyordhvamutkṣipya śiro'patyapathamānīyāpaharet bāhu-dvayapratipannasyordhvamutpīḍyāṃsau śiro'nulomamānīyāpaharet dvāvantyāvasādhyau muḍhagarbhau evamaśakye śastramavacārayet

Und man verabreiche die genannten Heilmittel; ist der Fötus abgestorben, so lege man die Frau auf den Rücken, mit angewinkelten Schenkeln, mit einem Tuch gestützt und erhöhtem Becken; man salbe die Hand mit Dhanvana-, Nāgavṛtti- und Śālmalī-Wurzel, mit Erde und Ghee, führe sie in die *yoni* ein und hole den Fötus heraus. Kommt er mit den Beinen voran, so ziehe man ihn in gerader Richtung heraus. Ist nur ein Bein vorgetreten, so strecke man das andere und ziehe ihn heraus. Kommt er mit dem Gesäß voran, so drücke man die Gesäßregion zusammen, hebe sie nach oben und ziehe die gestreckten Beine heraus. Liegt er quer wie ein Türriegel, so hebe man die hintere Hälfte nach oben, bringe die vordere Hälfte in gerader Richtung zum Geburtsweg und ziehe ihn heraus. Ist der Kopf zur Seite gewandt und an der Schulter hängengeblieben, so drücke man die Schulter zusammen, hebe sie nach oben, bringe den Kopf zum Geburtsweg und ziehe ihn heraus. Ist er mit beiden Armen vorangekommen, so drücke man sie nach oben, bringe Schultern und Kopf in gerader Richtung und ziehe ihn heraus. Es gibt noch zwei letzte, sehr schwer zu behandelnde Fehllagen des mūḍhagarbha; ist es auf diese Weise nicht möglich, so wende man das Messer (*śastra*) an.

sacetanaṃ ca śastreṇa na kathañcana dārayet dāryamāṇo hi jananīmātmānaṃ caiva ghātayet

Einen noch lebenden Fötus darf man keinesfalls mit dem Messer zerschneiden; denn ein zerschnittener lebender Fötus tötet sowohl die Mutter als auch sich selbst.

aviṣahye vikāre tu śreyo garbhasya pātanam na garbhiṇyā viparyāsastasmātprāptaṃ na hāpayet

Bei unerträglicher Komplikation jedoch ist die Abtreibung des Fötus das Bessere; der Tod der Schwangeren aber darf nicht eintreten – deshalb versäume man nicht, was geboten ist.

tataḥ striyamāśvāsya maṇḍalāgreṇāṅgulīśastreṇa vā śiro vidārya śiraḥkapā-lānyāhṛtya śaṅkunā gṛhītvorasi kakṣāyāṃ vā'paharet abhinnaśirasamakṣikūṭe gaṇḍe vā aṃsasaṃsaktasyāṃsadeśe bāhū chittvā dṛtimivātataṃ vātapūrṇodaraṃ vā vidārya nirasyāntrāṇi śithilībhūtamāharet jaghanasaktasya vā jaghanakapālānīti

Dann beruhige man die Frau, spalte mit dem rundspitzigen Messer oder dem Fingermesser den Kopf, entferne die Schädelknochen, fasse sie mit einem Haken und ziehe sie an der Brust oder in der Achselhöhle heraus. Bleibt der ungespaltene Kopf an Auge, Schläfe oder Wange hängen, oder ist er an der Schulter festsitzend, so trenne man die Arme an der Schulterregion ab. Ist der Bauch wie ein aufgeblähter Schlauch mit Luft gefüllt, so spalte man ihn, entferne die Eingeweide und hole den nun schlaffen Körper heraus. Sitzt er am Becken fest, so entferne man ebenso die Beckenknochen.

kiṃbahunā yadyadaṅgaṃ hi garbhasya tasya sajjati tadbhiṣak samyagvinirharecchittvā rakṣennārīṃ ca yatnataḥ

Was soll man noch mehr sagen: welches Glied des Fötus auch immer feststeckt, das soll der Arzt sorgfältig durchtrennen und herausholen, und die Frau mit größter Sorgfalt bewahren.

garbhasya gatayaścitrā jāyante'nilakopataḥ tatrānalpamatirvairdyo varteta vidhipūrvakam

Die Fehllagen des Fötus entstehen mannigfaltig durch die Erregung des *vāta* (des Windes, eines der drei Körpersäfte, *doṣa*); dabei soll der scharfsinnige Arzt den Vorschriften gemäß handeln.

nopekṣeta mṛtaṃ garbhaṃ muhūrtamapi paṇḍitaḥ sa hyāśu jananīṃ hanti nirucchvāsaṃ paśuṃ yathā

Der kundige Arzt darf einen abgestorbenen Fötus nicht einmal für einen Augenblick vernachlässigen; denn er tötet die Mutter ebenso rasch, wie ein totes, atemloses Tier im Leib verwest.

maṇḍalāgreṇa kartavyaṃ chedyamantarvijānatā vṛddhipatraṃ hi tīkṣṇāgraṃ nārīṃ hiṃsyāt kadācana

Das innere Schneiden soll von dem Kundigen mit dem rundspitzigen Messer erfolgen; denn das Vṛddhipatra-Messer mit seiner scharfen Spitze könnte die Frau jederzeit verletzen.

athāpatantīmaparāṃ pātayet pūrvavadbhiṣak hastenāpaharedvā'pi pārśvabhyāṃ paripīḍya vā

Fällt die Nachgeburt nicht von selbst, so löse sie der Arzt wie zuvor beschrieben; oder er entferne sie mit der Hand oder durch Zusammendrücken der beiden Seiten.

dhunuyācca muhurnārīṃ pīḍayedvāṃ'sapiṇḍikām tailāktayonerevaṃ tāṃ pātayenmatimān bhiṣak

Man schüttele die Frau wiederholt oder drücke die Schultermuskulatur; so löse der kluge Arzt bei geölter *yoni* die Nachgeburt.

evaṃ nirhṛtaśalyāṃ tu siñceduṣṇena vāriṇā tato'bhyaktaśarīrāyā yonau snehaṃ nidhāpayet

Ist so das *śalya* entfernt, so begieße man sie mit warmem Wasser; danach, wenn der Körper eingeölt ist, lege man *sneha* (Öl) in die yoni ein.

evaṃ mṛdvī bhavedyonistacchūlaṃ copaśāmyati kṛṣṇātanmūlaśuṇṭhyelāhiṅgubhārgīḥ sadīpyakāḥ

So wird die yoni weich, und der Schmerz lässt nach. Man verabreiche Pippalī mit ihrer Wurzel, Ingwer, Kardamom, Asant, Bhārgī und Dīpyaka,

vacāmativiṣāṃ rāsnāṃ cavyaṃ saṃcūrṇya pāyayet snehena doṣasyandārthaṃ vedanopaśamāya ca

Vacā, Ativiṣā, Rāsnā und Cavya zu Pulver zermahlen, gebe man mit sneha zu trinken, um den Abfluss der *doṣa* (Körpersäfte) und die Linderung der Schmerzen zu bewirken.

kvāthaṃ caiṣāṃ tathā kalkaṃ cūrṇaṃ vā snehavarjitam śākatvagghiṅgvativiṣāpāṭhākaṭukarohiṇīḥ

Auch einen *kvātha* (Absud) dieser Kräuter, oder eine *kalka* (Kräuterpaste) oder ein Pulver ohne Öl; ferner Śākatvac-Rinde, Hiṅgu, Ativiṣā, Pāṭhā und Kaṭurohiṇī,

tathā tejovatīṃ cāpi pāyayet pūrvavadbhiṣak trirātraṃ pañcasaptāhaṃ tataḥ snehaṃ punaḥ pibet

sowie auch Tejovatī gebe der Arzt wie zuvor zu trinken, drei Nächte lang oder fünf bis sieben Tage; danach trinke sie wieder sneha.

pāyayetāsavaṃ naktamariṣṭaṃ vā susaṃskṛtam śirīṣakakubhābhyāṃ ca toyamācamane hitam

Nachts gebe man ihr Āsava oder gut zubereiteten Ariṣṭa (fermentierten Heilwein) zu trinken; Wasser mit Śirīṣa und Kakubha ist zum Mundspülen zuträglich.

upadra vāśca ye'nye syustān yathāsvamupācaret sarvataḥ pariśuddhā ca snigdhapathyālpabhojanā

Und welche anderen Begleiterscheinungen (*upadrava*) auch auftreten mögen, die behandle man je nach ihrer Art. Ist sie vollständig gereinigt, so ernähre sie sich fettreich, zuträglich und in geringer Menge,

svedābhyaṅgaparā nityaṃ bhavet krodhavivarjitā payo vātaharaiḥ siddhaṃ daśāhaṃ bhojane hitam

widme sich stets der Dampfbehandlung (*sveda*) und dem *abhyaṅga* (der Ölmassage) und meide den Zorn. Milch, mit vāta-stillenden Mitteln gekocht, ist zehn Tage lang als Nahrung zuträglich,

rasaṃ daśāhaṃ śeṣe tu yathāyogamupācaret vyupadra vāṃ viśuddhāṃ ca jñātvā ca varavarṇinīm

danach zehn Tage lang Fleischsud; für die übrige Zeit verfahre man je nach Erfordernis. Erkennt man, dass die schöne Frau frei von upadrava und gereinigt ist,

ūrdhvaṃ caturbhyo māsebhyo visṛjet parihārataḥ yonisantarpaṇe'bhyaṅge pāne bastiṣu bhojane

so entlasse man sie nach vier Monaten aus der Schonung – bei Stärkung der yoni, bei abhyaṅga, bei Getränken, bei *basti* (Klistieren) und bei der Nahrung.

balātailamidaṃ cāsyai dadyādanilavāraṇam balāmūlakaṣāyasya daśamūlīśṛtasya ca

Man gebe ihr dieses Balā-*taila* (Öl), das den vāta abwehrt: von einem Sud der Balā-Wurzel und einem mit den zehn Wurzeln (Daśamūla) gekochten Sud,

yavakolakulatthānāṃ kvāthasya payasastathā aṣṭāvaṣṭau śubhā bhāgāstailādekastadekataḥ

von einem Sud aus Gerste, Jujube und Kulattha-Bohnen sowie von Milch – je acht gute Teile, und Öl im Verhältnis eins zu eins dazu;

pacedāvāpya madhuraṃ gaṇaṃ saindhavasaṃyutam tathā'guruṃ sarjarasaṃ saralaṃ devadāru ca

man koche es unter Zugabe der süßenden Kräutergruppe, zusammen mit Steinsalz, ferner Aguru, Sarjarasa, Sarala und Devadāru,

mañjiṣṭhāṃ candanaṃ kuṣṭhamelāṃ kālānusārivām māṃsīṃ śaileyakaṃ patraṃ tagaraṃ sārivāṃ vacām

Mañjiṣṭhā, Sandelholz, Kuṣṭha, Kardamom, Kālānusārivā, Māṃsī, Śaileyaka, Zimtblatt, Tagara, Sārivā und Vacā,

śatāvarīmaśvagandhāṃ śatapuṣpāṃ punarnavām tat sādhusiddhaṃ sauvarṇe rājate mṛnmaye'pi vā

Śatāvarī, Aśvagandhā, Śatapuṣpā und Punarnavā. Ist es gut gekocht, so bewahre man es in einem goldenen, silbernen oder auch tönernen Gefäß,

prakṣipya kalaśe samyak svanuguptaṃ nidhāpayet balātailamidaṃ khyātaṃ sarvavātavikāranut

gieße es sorgfältig in einen Krug und verwahre es gut verschlossen. Dieses Balā-taila ist bekannt dafür, alle durch den vāta verursachten Störungen zu beseitigen.

yathābalamato mātrāṃ sūtikāyai pradāpayet yāca garbhārthinī nārī kṣīṇaśukraśca yaḥ pumān

Je nach Kraft gebe man der Wöchnerin davon eine angemessene Dosis; ebenso der Frau, die sich ein Kind wünscht, und dem Mann, dessen Samen (*śukra*) geschwächt ist.

vātakṣīṇe marmahate mathite'bhihate tathā bhagne śramābhipanne ca sarvathaivopayujyate

Bei einem durch vāta Geschwächten, bei einem an einem *marma* (lebenswichtigen Punkt) Verletzten, bei einem Erschütterten, Geschlagenen, ebenso bei einem Gebrochenen und einem von Erschöpfung Befallenen ist es auf jede Weise anzuwenden.

etadākṣepakādīn vai vātavyādhīnapohati hikkāṃ kāsamadhīmanthaṃ gulmaṃ śvāsaṃ ca dustaram

Dieses taila beseitigt Krämpfe und andere vāta-Krankheiten, Schluckauf, Husten, Adhimantha, Gulma (eine Bauchgeschwulst) und selbst schwer zu bezwingende Atemnot.

ṣaṇmāsānupayujyaitadantravṛddhimapohati pratyagradhātuḥ puruṣo bhavecca sthirayauvanaḥ

Wird es sechs Monate lang angewendet, beseitigt es die Darmschwellung Antravṛddhi; der Mensch erhält frisch erneuerte *dhātu* (Körpergewebe) und beständige Jugendkraft.

rājñāmetaddhi kartavyaṃ rājamātrāśca ye narāḥ sukhinaḥ sukumārāśca dhaninaścāpi ye narāḥ

Dies sollen Könige anwenden sowie Männer von königlichem Rang, ferner wohlhabende, verwöhnte und reiche Männer,

balākaṣāyapītebhyastilebhyo vā'pyanekaśaḥ tailamutpādya tatkvāthaśatapākaṃ kṛtaṃ śubham

aus Sesam, der wiederholt in Balā-Sud eingeweicht wurde, gewinne man Öl und koche es hundertfach in diesem Sud – so entsteht ein vortreffliches Präparat,

nivāte nibhṛtāgāre prayuñjīta yathābalam jīrṇe'smin payasā snigdhamaśnīyātṣaṣṭikaudanam

das man in einem windgeschützten, ruhigen Raum je nach Kraft anwenden soll; ist es verdaut, esse man mit Milch fettreichen Ṣaṣṭika-Reis.

anena vidhinā dro ṇamupayujyānnamīritam bhuñjīta dviguṇaṃ kālaṃ balavarṇānvitastataḥ

Nach dieser Vorschrift verwende man, wie beschrieben, ein Droṇa-Maß und esse entsprechend doppelt so lange; so erlangt man Kraft und schöne Hautfarbe.

sarvapāpairvinirmuktaḥ śatāyuḥ puruṣo bhavet śataṃ śataṃ tathotkarṣo dro ṇe dro ṇe prakīrtitaḥ

Von allem Übel befreit, erlangt der Mensch ein Lebensalter von hundert Jahren; und mit jedem weiteren Droṇa wird jeweils eine Steigerung um hundert Jahre verkündet.

balākalpenātibalāguḍūcyādityaparṇiṣu saireyake vīratarau śatāvaryāṃ trikaṇṭake

Nach demselben Verfahren wie bei Balā bereite man auch mit Atibalā, Guḍūcī, Ādityaparṇī, Saireyaka, Vīratara, Śatāvarī und Trikaṇṭaka,

tailāni madhuke kuryāt prasāriṇyāṃ ca buddhimān nīlotpalaṃ varīmūlaṃ gavye kṣīre vipācayet

der kluge Arzt bereite taila mit Süßholz und Prasāriṇī; man koche blaue Lotusblüte und Śatāvarī-Wurzel in Kuhmilch,

śatapākaṃ tatastena tilatailaṃ pacedbhiṣak balātailasya kalkāṃstu supiṣṭāṃstatra dāpayet

und mit diesem koche der Arzt hundertfach Sesamöl; die fein zerriebenen kalka des Balā-taila gebe man dazu hinein.

sarveṣāmeva jānīyādupayogaṃ cikitsakaḥ balātailavadeteṣāṃ guṇāṃścaiva viśeṣataḥ

Von all diesen Ölen soll der Behandelnde die Anwendung kennen, ebenso wie beim Balā-taila, sowie ihre jeweils besonderen *guṇa* (Heilwirkungen).

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