Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 6: śaścikitsitaṃ Behandlung der Hämorrhoiden (Arśas)

Das Kapitel über arśas, die Hämorrhoiden, nennt vier Behandlungswege – Heilmittel, Ätzmittel, Kauterisation und chirurgischen Eingriff – und ordnet ihnen je nach Beschaffenheit der Hämorrhoide die passende Methode zu. Ausführlich beschrieben wird das operative Verfahren mit einem eigens vermessenen euterförmigen Instrument, mit dem der Arzt Ätzmittel gezielt aufträgt, sowie Anzeichen richtiger und fehlerhafter Kauterisation. Zur dauerhaften Gesunderhaltung folgt eine lange Reihe diätetischer und medikamentöser Rezepte, insbesondere eine sorgfältig protokollierte Bhallātaka-Kur (Marking-Nuss), bei der die tägliche Dosis über Wochen gesteigert und wieder reduziert wird, bis insgesamt tausend Früchte verbraucht sind. Neben Bhallātaka erscheinen Khadira, Bījaka und zahlreiche Buttermilch- und Aschenlaugezubereitungen. Das Kapitel verbindet damit chirurgische Präzision – bis hin zu genauen Instrumentenmaßen – mit einer breiten internen Materia medica gegen ein als besonders hartnäckig geltendes Leiden.

DIE VIER BEHANDLUNGSWEGE BEI HÄMORRHOIDEN (ARŚAS) (Vers 3)
Beschaffenheit der HämorrhoideMethode
Frisch entstanden, geringe Doṣa-Ausprägung, ohne BegleiterscheinungenHeilmittel (bheṣaja)
Weich, vorgewölbt, tief sitzend, aber vergrößertÄtzmittel (kṣāra)
Hart, fest, dick, derbKauterisation (agni)
Dünner Stiel, vergrößert, feuchtChirurgischer Eingriff (śastra)

athāto'śasāṃ cikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung der Hämorrhoiden (*arśas*) erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So sprach der erhabene Dhanvantari:

caturvidho'śasāṃ sādhanopāyaḥ tadyathābheṣajaṃ kṣāro'gni śastramiti tatra acirakālajātānyalpadoṣaliṅgopadra vāṇi bheṣajasādhyāni mṛduprasṛtāvagāḍhā-nyucchritāni kṣāreṇa karkaśasthirapṛthukaṭhinānyaignanā tanumūlānyucchritāni kledavanti ca śastreṇa tatra bheṣajasādhyānāmarśasāmadṛśyānāṃ ca bheṣajaṃ bhavati kṣārāgniśastrasādhyānāṃ tu vidhānamucyamānamupadhāraya

Es gibt vier Wege zur Behandlung der Hämorrhoiden, nämlich: Heilmittel (*bheṣaja*), Ätzmittel (*kṣāra*), Kauterisation (*agni*) und chirurgischen Eingriff (*śastra*). Frisch entstandene Hämorrhoiden mit geringer Ausprägung der *doṣas* und ohne Begleiterscheinungen sind durch Heilmittel behandelbar; weiche, vorgewölbte und tief sitzende, aber vergrößerte Hämorrhoiden werden mit Ätzmittel behandelt; harte, feste, dicke und derbe mit Kauterisation; solche mit dünnem Stiel, aber vergrößert und feucht, mit dem Messer. Bei den durch Heilmittel behandelbaren sowie bei den nicht sichtbaren Hämorrhoiden kommt also *bheṣaja* zur Anwendung; die im Folgenden zu schildernde Vorgehensweise gilt für die mit Ätzmittel, Kauterisation und Messer zu behandelnden.

tatra balavantamāturamarśobhirupadrutamupasnigdhaṃ parisvinnamanilavedanābhi vṛddhi-praśamārthaṃ siddha muṣṇamalpamannaṃ dra vaprāyaṃ bhuktavantamupaveśya saṃvṛte śucau deśe sādhāraṇe vyabhre kāle same phalake śayyāyāṃ vā pratyādityagudamanyasyotsa-ṅge niṣaṇṇapūrvakāyamuttānaṃ kiñcidunnatakaṭikaṃ vastrakambalakopaviṣṭaṃ yantraṇa-śāṭakena parikṣiptagrīvāsakthiṃ parikarmibhiḥ suparigṛhītamaspandanaśarīraṃ kṛtvā tato'smai ghṛtābhyaktagudāya ghṛtābhyaktaṃ yantramṛjvanumukhaṃ pāyau śanaiḥ śanaiḥ pravā-hamāṇasya praṇidhāya praviṣṭe cārśo vīkṣya śalākayotpīḍya picuvastrayora-nyatareṇa pramṛjyakṣāraṃ pātayet pātayitvā ca pāṇinā yantradvāraṃ pidhāya vā-kcchatamātramupekṣeta tataḥ pramṛjya kṣārabalaṃ vyādhibalaṃ cāvekṣya punarālepayet athārśaḥ pakvajāmbavapratīkāśamavasannamīṣannatamabhisamīkṣyopāvartayet kṣāraṃ prakṣālayeddhānyāmlena dadhimastuśuktaphalāmlairvā tato yaṣṭīmadhukamiśreṇa sarpi-ṣā nirvāpya yantramapanīyotthāpyāturamuṣṇodakopaviṣṭaṃ śītābhiradbhiḥ pariṣiñcet aśītābhirityeke tato nirvātamāgāraṃ praveśyācārikamādiśet sāvaśeṣaṃ pu-nardahet evaṃ saptarātrāt saptarātrādekaikamupakrameta tatra bahuṣu pūrvaṃ dakṣiṇaṃ sādhayet dakṣiṇādvāmaṃ vāmāt pṛṣṭhajaṃ tato'grajamiti

Man lasse den kräftigen, von Hämorrhoiden geplagten Patienten, der bereits geölt und gedämpft wurde, zur Linderung der durch *vāta* verursachten Schmerzen und zur Beruhigung ihrer Zunahme leicht verdauliche, warme, flüssige Kost in geringer Menge einnehmen; danach setze man ihn an einem reinen Ort, bei wolkenlosem Himmel, zu passender Zeit, auf ein Brett oder Lager, mit dem After der Sonne zugewandt, auf den Schoß eines Gehilfen, mit nach vorn geneigtem Oberkörper, aber zurückgelehnt, die Hüfte etwas erhöht, in Tuch und Decke gehüllt sitzend; Hals und Oberschenkel binde man mit einem Tuch fest, sodass der Körper von den Helfern gut gehalten wird und sich nicht bewegen kann. Dann führe man ihm das mit Ghee bestrichene, gerade und stumpfe Instrument (*yantra*) in den mit Ghee bestrichenen After langsam ein; sobald man das Instrument vorgeschoben hat und die Hämorrhoide sichtbar wird, drücke man sie mit einer Sonde hervor, wische sie mit Watte oder Tuch ab und träufle das Ätzmittel darauf. Danach verschließe man die Öffnung des Instruments mit der Hand und warte etwa die Zeit, die man für hundert Silben braucht. Dann prüfe man die Wirkung des Ätzmittels im Verhältnis zur Stärke der Krankheit und trage es gegebenenfalls erneut auf. Sobald die Hämorrhoide die Farbe einer reifen *jambu*-Frucht angenommen hat, welk und leicht eingesunken erscheint, neutralisiere man das Ätzmittel; man wasche es mit Koriander-Wasser, Sauermilch, Molke oder saurem Fruchtsaft ab, träufle dann mit Süßholz versetztes Ghee ein, entferne das Instrument, richte den Patienten auf und besprenge ihn, während er in warmem Wasser sitzt, mit kaltem Wasser – nach Ansicht mancher mit nicht-kaltem. Danach bringe man ihn in ein zugluftfreies Zimmer und weise die Pflegerin an; verbliebene Reste kauterisiere man erneut. So behandle man Woche für Woche jeweils eine Hämorrhoide. Sind mehrere zu behandeln, so behandle man zuerst die rechte, danach die linke, dann die hintere und zuletzt die vordere.

tatra vātaśleṣmanimittānyagnikṣārābhyāṃ sādhayet kṣāreṇaiva mṛdunā pittaraktanimittāni

Durch *vāta* und *kapha* verursachte Hämorrhoiden behandle man mit Kauterisation und Ätzmittel, durch *pitta* und Blut verursachte allein mit mildem Ätzmittel.

tatra vātānulomyamannaruciragnidīptirlāghavaṃ balavarṇotpattirmanastuṣṭiriti samya-gdagdhaliṅgāni atidagdhe tu gudāvadaraṇaṃ dāho mūrcchā jvaraḥ pipāsā śoṇi-tātipravṛttistannimittā ścopadra vā bhavanti dhyāmālpavraṇatā kaṇḍūra nilavaiguṇyamindri yāṇāmaprasādo vikārasya cāśāntirhīnadagdhe

Anzeichen für eine richtige Kauterisation sind ungehinderter Abgang von *vāta*, Appetit, Verdauungskraft, Leichtigkeit, Kraft- und Hautfarbenzunahme sowie geistiges Wohlbefinden. Bei zu starker Kauterisation hingegen treten Aftereinriss, Brennen, Ohnmacht, Fieber, Durst und übermäßiger Blutabgang als Folgeerscheinungen auf; bei zu schwacher Kauterisation zeigt sich dunkle Verfärbung, dünne Wundbildung, Jucken, gestörter *vāta*, Trübung der Sinne und Ausbleiben der Heilung.

mahānti ca prāṇavataśchittvā dahet nirgatānicātyarthaṃ doṣapūrṇāni yantrādvinā svedābhyaṅgasnehāvagāhopanāhavisrāvaṇāle pakṣārāgniśastrairupācaret pravṛttara-ktāni ca raktapittavidhānena bhinnapurīṣāṇi cātīsāravidhānena baddhavarcāṃsi snehapānavidhānenodāvartavidhānena vā eṣa sarvasthānagatānāmarśasāṃ dahanakalpaḥ

Große, aber nicht lebensbedrohliche Hämorrhoiden schneide man ab und kauterisiere sie; sind sie stark von *doṣa* durchsetzt und ohne Instrument hervorgetreten, so behandle man sie – je nach Fall – mit Schwitzen, Einölen, Fettbehandlung, Bad, Umschlag, Aderlass, Ätzmittel, Kauterisation oder Messer. Bei starkem Blutabgang verfahre man wie bei *raktapitta*, bei Kotabgang wie bei Durchfall, bei Stuhlverhaltung wie bei Fettbehandlung oder wie bei *udāvarta*. Dies ist das allgemeine Verfahren der Kauterisation bei allen Arten von Hämorrhoiden, unabhängig vom Sitz.

āsādya ca darvīkūrcakaśalākānāmanyatamena kṣāraṃ pātayet bhraṣṭagudasya tu vinā yantreṇa kṣārādikarma prayuñjīta sarveṣu ca śāliṣaṣṭikayavagodhū mānnaṃ sarpiḥsnigdhamupaseveta payasā nimbayūṣeṇa paṭolayūṣeṇa vā yathādoṣaṃ śākairvā-stūkataṇḍulīyakajīvantyupodikāśvabalā bālamūlakapālaṅkyasana cillī-cuccūkalāyavallībhiranyairvā yaccānyadapi snigdhamagnidīpanamarśoghnaṃ sṛṣṭamūtrapurīṣaṃ ca tadupaseveta

Mit dem löffel-, pinsel- oder sondenförmigen Instrument – je nach Erreichbarkeit – träufle man das Ätzmittel auf; ist der After vorgefallen, wende man Ätzmittel u. Ä. ohne Instrument an. In allen Fällen esse der Patient mit Ghee zubereiteten *śāli*-, *ṣaṣṭika*- oder Gerstenreis und Weizen, dazu Milch, Neembaum-Suppe oder *paṭola*-Suppe, je nach *doṣa*, sowie Gemüse aus *vāstūka*, Amarant, *jīvantī*, *upodikā*, *śvabalā*, junger Rettich, *pālaṅkya*, *asana*, *cillī*, *cuccu* und Erbsenranke, oder anderes Öliges, Verdauungsförderndes und gegen Hämorrhoiden Wirksames, das zudem den Abgang von Urin und Kot fördert.

dagdheṣu cārśaḥsvabhyakto'nalasandhukṣaṇārthamanilaprakopasaṃrakṣaṇārthaṃ ca snehādīnāṃ sāmānyataḥ kriyāpathamupaseveta viśeṣatastu vātārśaḥsu sarpīṃṣi ca vātahara-dīpanīyasiddhāni hiṅgvādibhiścūrṇaiḥ pratisaṃsṛjya pibet pittārśaḥsu pṛthakpa-rṇyādīnāṃ kaṣāyeṇa dīpanīyapratīvāpaṃ sarpiḥ śoṇitārśaḥsu mañjiṣṭhāmuruṅgyā-dīnāṃ kaṣāye pācayet śleṣmārśaḥsu surasādīnāṃ kaṣāye upadra vāṃśca yathāsvamupācaret

Ist die Hämorrhoide kauterisiert, salbe man sie ein, um das Feuer der Verdauung zu entfachen und eine erneute Erregung des *vāta* zu verhüten; im Allgemeinen wende man die übliche Behandlung mit Ölen u. Ä. an, im Besonderen jedoch bei *vāta*-Hämorrhoiden Ghee, gekocht mit windvertreibenden und verdauungsfördernden Mitteln, mit Asant u. Ä. vermischt, zu trinken. Bei *pitta*-Hämorrhoiden verwende man mit dem Sud von *pṛthakparṇī* u. Ä. gekochtes, verdauungsförderndes Ghee. Bei Blut-Hämorrhoiden koche man es mit dem Sud von *mañjiṣṭhā* und *muruṅgī* u. Ä.; bei *kapha*-Hämorrhoiden mit dem Sud von *surasā* u. Ä. Begleiterscheinungen behandle man jeweils entsprechend ihrer Ursache.

paraṃ ca yatnamāsthāya gude kṣārāgniśastrāṇyavacārayet tadvibhramāddhi ṣāṇḍhyaśophadāhamadamūrcchāṭopānāhātīsārapravāhaṇāni bhavanti maraṇaṃ vā

Mit besonderer Sorgfalt wende man Ätzmittel, Kauterisation und Messer am After an; unsachgemäßer Gebrauch führt zu Impotenz, Schwellung, Brennen, Rausch, Ohnmacht, Blähung, Verstopfung, Durchfall und übermäßigem Pressen oder gar zum Tod.

ata ūrdhvaṃ yantrapramāṇamupadekṣyāmaḥtatra yantraṃ lauhaṃ dāntaṃ śārṅgaṃ vārkṣaṃ vā go-stanākāraṃ caturaṅgulāyataṃ pañcāṅgulapariṇāhaṃ puṃsāṃ ṣaḍaṅgulapariṇāhaṃ nārīṇāṃ talāyataṃ tad dvicchidraṃ darśanārtham ekachidraṃ tu karmaṇi ekadvāre hi śastrakṣā-rāgnīnāmatikramo na bhavati chidra pramāṇaṃ tu tryaṅgulāyatamaṅguṣṭhodarapariṇāhaṃ yada-ṅgulamavaśiṣṭaṃ tasyārdhāṅgulādadhastādardhāṅgulocchritoparivṛttakarṇikam eṣa yantrākṛtisamāsaḥ

Nun wollen wir die Maße des Instruments angeben: Das Instrument sei aus Metall, Elfenbein, Horn oder Holz, in Form eines Kuheuters, vier *aṅgula* lang, mit einem Umfang von fünf *aṅgula* für Männer und sechs für Frauen, handflächenlang. Es habe zwei Öffnungen zur Betrachtung, aber nur eine für die eigentliche Anwendung – denn nur bei einer einzigen Öffnung entgehen Messer, Ätzmittel und Feuer keiner Fehlanwendung. Die Öffnung selbst sei drei *aṅgula* lang und habe den Umfang eines Daumenbauchs; vom verbleibenden einen *aṅgula* stehe unterhalb der halben *aṅgula* ein umlaufender Rand hervor, eine halbe *aṅgula* hoch. Dies ist im Wesentlichen die Form des Instruments.

ata ūrdhvamarśasāmālepān vakṣyāmaḥsnuhīkṣīrayuktaṃ haridrā cūrṇamālepaḥ prathamaḥ kukkuṭapurīṣaguñjāharidrā pippalīcūrṇamiti gomūtrapittapiṣṭo dvitīyaḥ dantīci-trakasuvarcikālāṅgalīkalko vā gopittapiṣṭastṛtīyaḥ pippalīsaindhavakuṣṭha-śirīṣaphalakalkaḥ snahkṣīrapiṣṭo'kakṣīrapiṣṭo vā caturthaḥ kāsīsaharitāla-saindhavāśvamārakaviḍaṅgapūtīkakṛtavedhanajambvarkotta māraṇī dantīcitrakālarkasnuhīpayaḥsu tailaṃ vipakvamabhyañjanenārśaḥ śātayati

Nun wollen wir die Salben für Hämorrhoiden nennen: Die erste ist Kurkumapulver mit *snuhī*-Milch; die zweite Hühnermist, *guñjā* und Kurkuma mit Pfeffer, angerieben mit Rindergalle und -urin; die dritte eine Paste aus *dantī*, *citraka*, *suvarcikā* und *lāṅgalī*, mit Rindergalle und -urin angerieben; die vierte eine Paste aus Pfeffer, Steinsalz, *kuṣṭha* und *śirīṣa*-Frucht, mit *snuhī*-Milch oder Feigenmilch angerieben. Ein aus *kāsīsa*, Auripigment, Steinsalz, *aśvamāraka*, *viḍaṅga*, *pūtīka*, *kṛtavedhana* und *jambū*-*arka*-Wurzel gekochtes Öl lässt, zum Einreiben angewandt, die Hämorrhoiden abfallen.

ata ūrdhvaṃ bheṣajasādhyeṣvadṛśyeṣvarśaḥsu yogān yāpanārthaṃ vakṣyāmaḥprātaḥ prā-targuḍaharītakīmāseveta brahmacārī gomūtradro ṇasiddhaṃ vā harītakīśataṃ prātaḥ prā-taryathābalaṃ kṣaudre ṇa apāmārgamūlaṃ vā taṇḍulodakena sakṣaudra maharahaḥ śatāva-rīmūlakalkaṃ vā kṣīreṇa citrakacūrṇayuktaṃ vā sīdhuṃ parārdhyaṃ bhallātacūrṇayuktaṃ vā saktumanthamalavaṇaṃ takreṇa kalaśe vā'ntaścitrakamūlakalkāvalipte niṣiktaṃ takramamlamanamlaṃ vā pānabhojaneṣūpayuñjīta eṣa eva bhārgyāsphotāyavānyāmala-kaguḍūcīṣu takrakalpaḥ pippalīpippalī mūlacavyacitrakaviḍaṅgaśuṇṭhīharīta-kīṣu ca pūrvavadeva niranno vā takramaharaharmāsamupaseveta śṛṅgaverapunarnavācitra-kakaṣāyasiddhaṃ vā payaḥ kuṭajamūlatvak phāṇitaṃ vā pippalyādipratīvāpaṃ kṣaudre ṇa mahāvātavyādhyuktaṃ hiṅagvādicūrṇamupaseveta takrāhāraḥ kṣīrāhāro vā kṣāralavaṇāṃścitrakamūlakṣārodakasiddhān vā kulmāṣān bhakṣayet citrakamūla-kṣārodakasiddhaṃ vā payaḥ palāśatarukṣārasiddhaṃ vā palāśatarukṣārasiddhān vā kulmāṣān pāṭalāpāmārga vṛhatīpalāśakṣāraṃ vā parisratumaharaharghṛtasaṃsṛṣṭaṃ ku-ṭajabandākamūlakalkaṃ vā takreṇa citrakapūtīkanāgarakalkaṃ vā pūtīkakṣāreṇa kṣārodakasiddhaṃ vā sarpiḥpippalyādipratīvāpaṃ kṛṣṇatilaprasṛtaṃ prakuñcaṃ vā prātaḥ prātarupaseveta śītodakānupānam ebhirabhivardhate'gnirarśāṃsi copaśāmyanti

Nun wollen wir bei den durch Heilmittel behandelbaren, nicht sichtbaren Hämorrhoiden Mittel zur dauerhaften Erhaltung des Wohlbefindens nennen: Man esse morgens täglich *guḍa* mit *harītakī*, keusch lebend, oder ein mit einer Menge Rinderurin gekochtes Mittel; oder man esse morgens je nach Kraft bis zu hundert *harītakī*-Früchte mit Honig; oder Wurzelpaste von *apāmārga* mit Reiswasser und Honig; oder täglich eine Paste aus *śatāvarī*-Wurzel mit Milch und *citraka*-Pulver; oder ausgezeichneten alten Wein mit *bhallātaka*-Pulver; oder salzlosen Sattubrei mit Buttermilch, oder Buttermilch, die man in einem innen mit *citraka*-Wurzelpaste bestrichenen Krug aufbewahrt hat, sauer oder nicht sauer, zum Trinken und als Speise. Ebenso lässt sich mit *bhārgī*, *sphotā*, *yavānī*, *āmalaka* und *guḍūcī* eine Buttermilchzubereitung herstellen; ebenso mit Pfeffer, *pippalīmūla*, *cavya*, *citraka*, *viḍaṅga* und Ingwer wie zuvor beschrieben; oder man lebe nüchtern oder esse täglich einen Monat lang Buttermilch. Ferner Milch, gekocht mit einem Sud aus Ingwer, *punarnavā* und *citraka*, oder Zuckersirup mit *kuṭaja*-Wurzelrinde, versetzt mit Pfeffer u. Ä. und Honig; oder das bei den großen *vāta*-Krankheiten genannte Asant-Pulver. Man esse täglich Buttermilch- oder Milchspeise, oder mit Aschenlauge und Salz sowie *citraka*-Wurzel-Aschenlauge-Wasser gekochte Bohnen, oder mit *citraka*-Wurzel-Aschenlauge-Wasser gekochte Milch, oder mit *palāśa*-Baum-Asche gekochte Bohnen, oder Aschenlauge aus *pāṭalā*, *apāmārga*, *bṛhatī* und *palāśa*, täglich mit Ghee vermischt, oder Wurzelpaste aus *kuṭaja* und *baṇḍāka* mit Buttermilch, oder Paste aus *citraka*, *pūtīka* und Ingwer mit *pūtīka*-Aschenlauge, oder mit Aschenlauge-Wasser gekochtes Ghee, mit Pfeffer u. Ä. versetzt, oder eine Handvoll schwarzen Sesam – all dies nehme man morgens ein, mit kaltem Wasser als Nachtrunk. Dadurch verstärkt sich die Verdauungskraft, und die Hämorrhoiden lassen nach.

dvipañcamūlīdantīcitrakapathyānāṃ tulāmāhṛtya jalacaturdroṇe vipācayet tataḥ pādāvaśiṣṭaṃ kaṣāyamādāya suśītaṃ guḍatulayā sahonmiśrya ghṛtabhājane niḥ-kṣipya māsamupekṣeta yavapalle tataḥ prātaḥ prātarmātrāṃ pāyayeta tenārśograhaṇīdoṣapāṇḍurogodāvartārocakā na bhavanti dīptaścāgnirbhavati

Man nehme eine *tulā* [Gewichtseinheit] der zehn Wurzeln, *dantī*, *citraka* und *pathyā*, koche sie in vier *droṇa* Wasser ein, bis nur noch ein Viertel übrig ist; diesen völlig abgekühlten Sud vermische man mit einer *tulā* *guḍa* und lasse ihn, in ein Ghee-Gefäß gegeben, einen Monat lang in der Gerstenhaufen-Fermentation stehen. Danach trinke man morgens die vorgeschriebene Menge. Dadurch werden Hämorrhoiden, Verdauungsschwäche, Blutarmut und Verstopfung mit Aufwärtsdrang beseitigt, und die Verdauungskraft wird gestärkt.

pippalīmaricaviḍaṅgailavālukalodhrāṇāṃ dve dve pale indra vāruṇyāḥ pañca palāni kapitthamadhyasya daśa pathyāphalānāmardhaprasthaḥ prastho dhātrīphalānāṃ etadaikadhyaṃ jalacaturdroṇe vipācya pādāvaśeṣaṃ parisrāvya suśītaṃ guḍatulādvayenonmiśrya ghṛtabhājane niḥkṣipya pakṣamupekṣeta yavapalle tataḥ prātaḥ prātaryathābalamupayuñjīta eṣa khalvariṣṭaḥ plīhāgniṣaṅgā rśograhaṇīhṛtpāṇḍurogaśophakuṣṭhagulmodarakṛmiharo balavarṇakaraśceti

Man nehme je zwei *pala* Pfeffer, schwarzen Pfeffer, *viḍaṅga*, *elāvāluka* und *lodhra*, fünf *pala* *indravāruṇī*, das Fruchtfleisch von zehn *kapittha*-Früchten, einen halben *prastha* *pathyā*-Früchte und einen *prastha* *āmalaka*-Früchte; dies koche man zusammen in vier *droṇa* Wasser ein, bis nur ein Viertel übrig ist, seihe es ab, vermenge es völlig abgekühlt mit zwei *tulā* *guḍa*, gebe es in ein Ghee-Gefäß und lasse es vierzehn Tage in der Gerstenhaufen-Fermentation stehen. Danach nehme man morgens je nach Kraft davon ein. Dies ist der sogenannte *ariṣṭa*, der Milzleiden, *agniṣaṅga*, Hämorrhoiden, Verdauungsschwäche, Herzleiden, Blutarmut, Schwellungen, Hautkrankheiten, Bauchgeschwulst, Bauchwassersucht und Befall mit pathogenen Mikroorganismen heilt und Kraft und Hautfarbe verleiht.

tatra vātaprāyeṣu snehasvedavamanavirecanāsthāpanānuvāsanamapratiṣiddhaṃ pittajeṣu virecanam evaṃ raktajeṣu saṃśamanaṃ kaphajeṣu śṛṅgaverakulatthopayogaḥ sarvadoṣaharaṃ yathoktaṃ sarvajeṣu yathāsvauṣadhisiddhaṃ ca payaḥ sarveṣviti

Bei überwiegend durch *vāta* bedingten Hämorrhoiden sind Ölung, Schwitzen, Brech- und Abführmittel sowie beruhigende und ölende Klistiere nicht verboten; bei *pitta*-bedingten ist Abführung angezeigt; bei blutbedingten Beruhigung; bei *kapha*-bedingten der Gebrauch von Ingwer und *kulattha*; bei allen *doṣas* gemeinsam die allen *doṣas* zuträglichen Mittel sowie entsprechend der jeweiligen Ursache zubereitete Milch.

ata ūrdhvaṃ bhallātakavidhānamupadekṣyāmaḥ bhallātakāni paripakvānyanupaha-tānyāhṛtya tata ekamādāya dvidhā tridhā caturdhā vā chedayitvā kaṣāyakalpe-navipācya tasya kaṣāyasya śuktimanuṣṇāṃ ghṛtābhyaktatālujihvaṣṭhauḥ prātaḥ prāta-rupaseveta tato'parāhṇe kṣīraṃ sarpirodana ityāhāraḥ evamekaikaṃ vardhayedyāvatpañcati tataḥ pañca pañcābhivardhayedyāvat saptatiriti prāpya ca saptatimapakarṣayedbhūyaḥ pañca pañca yāvat pañceti pañcabhyastvekaikaṃ yāvadekamiti evaṃ bhallātakasahasramupayujya sarvakuṣṭhārśobhirvimukto balavānarogaḥ śatāyurbhavati

Nun wollen wir das Verfahren mit *bhallātaka* (Marking-Nuss) darlegen: Man nehme reife, unbeschädigte *bhallātaka*-Früchte, davon eine, zerteile sie in zwei, drei oder vier Stücke, koche sie nach Art eines Suds frisch und nehme morgens den noch warmen Schaum dieses Suds ein, nachdem man Gaumen, Zunge und Lippen mit Ghee bestrichen hat. Am Nachmittag esse man dann Milch, Ghee und Reis als Nahrung. So steigere man die Menge Tag für Tag um je eine, bis man fünf erreicht hat, dann um jeweils fünf, bis man siebzig erreicht hat; hat man siebzig erreicht, reduziere man wieder um jeweils fünf, bis man bei fünf angelangt ist, danach um je eine, bis man bei einer angelangt ist. So verbraucht man insgesamt tausend *bhallātaka*-Früchte; wer dies tut, wird von allen Hautkrankheiten und Hämorrhoiden befreit, kräftig, gesund und erreicht ein Alter von hundert Jahren.

dvivraṇīyoktena vidhānena bhallātakaniścyutitaṃ snehamādāya prātaḥ prātaḥ śu-ktimātramupayuñjīta jīrṇe pūrvavadāhāraḥ phalaprakarṣaśca bhallātakamajjabhyo vā snehamādāyāpakṛṣṭadoṣaḥ pratisaṃsṛṣṭabhakto nivātamāgāraṃ praviśya yathābalaṃ pra-sṛtiṃ prakuñcaṃ vopayuñjīta tasmiñjīrṇe kṣīraṃ sarpirodana ityāhāraḥ evaṃ māsamupa-yujya māsatrayamādiṣṭāhāro rakṣedātmānaṃ tataḥ sarvopatāpānapahṛtya varṇavān ba-lavāñ śravaṇagrahaṇadhāraṇaśaiktasaṃpanno varṣaśatāyurbhavati māse māse ca prayoge varṣaśataṃ varṣamāyuṣo'bhivṛddhirbhavati evaṃ daśamāsānupayujya varṣasahasrāyurbhavati

Man nehme das nach dem im Kapitel über Wunden beschriebenen Verfahren aus *bhallātaka* gewonnene Öl und nehme morgens täglich nur den Schaum davon ein; ist es verdaut, esse man wie zuvor, und man steigere die Menge entsprechend. Oder man nehme das Öl aus *bhallātaka*-Kernen; hat sich der *doṣa* zurückgezogen, esse man leicht verdauliche Kost, begebe sich in ein zugluftfreies Zimmer und nehme je nach Kraft eine Handvoll oder eine Prise davon ein. Ist dies verdaut, esse man Milch, Ghee und Reis. So verfahre man einen Monat lang, und drei Monate lang halte man sich an die vorgeschriebene Diät, um sich zu schützen. Danach ist man von allen Leiden befreit, von schöner Hautfarbe, kräftig, mit Gehör, Auffassungsgabe und Gedächtnis begabt und erreicht ein Alter von hundert Jahren. Wird die Anwendung Monat für Monat wiederholt, so verlängert sich die Lebenserwartung jeweils um hundert Jahre; wendet man sie so zehn Monate lang an, erreicht man ein Alter von tausend Jahren.

bhavanti cātra yathā sarvāṇi kuṣṭhāni hataḥ khadirabījakau tathaivārśāṃsi sarvāṇi vṛkṣakāruṣkarau hataḥ

Wie *khadira* und *bījaka* alle Hautkrankheiten heilen, so heilen *vṛkṣaka* und *āruṣkara* (*bhallātaka*) alle Arten von Hämorrhoiden.

haridrā yāḥ prayogeṇa pramehā iva ṣoḍaśa kṣārāgnī nātivartante tathā dṛśyā gudodbhavāḥ

Wie Kurkuma durch ihre Anwendung die sechzehn Arten von Diabetes beseitigt, so überwinden Ätzmittel und Kauterisation ebenso sichtbar die im After entstehenden Leiden.

ghṛtāni dīpanīyāni lehāyaskṛtayaḥ surāḥ āsavāśca prayoktavyā vīkṣya doṣasamucchritim

Verdauungsförderndes Ghee, Latwergen, eisenhaltige Präparate, Weine und vergorene Getränke wende man je nach Grad der *doṣa*-Zunahme an.

vegāvarodhastrīpṛṣṭhayānānyutkuṭukāsanam yathāsvaṃ doṣalaṃ cānnamarśaḥsu parivarjayet

Man vermeide bei Hämorrhoiden das Unterdrücken natürlicher Bedürfnisse, das Reiten auf Pferden und Fahrzeugen, das Hocken in der Kauerstellung sowie Speisen, die den jeweiligen *doṣa* verstärken.

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