athātaḥ kṣīṇabalīyaṃ vājīkaraṇacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die *vājīkaraṇa*-Behandlung (Aphrodisiakum-Therapie) für an Kraft Geschwächte erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das sechsundzwanzigste Kapitel behandelt *vājīkaraṇa*, die Aphrodisiaka-Therapie „für an Kraft Geschwächte". Zunächst wird *klaibya* (Impotenz) in sechs Ursachenarten unterschieden – seelisch bedingt, durch scharfe und saure Kost, durch geschlechtliche Übermäßigkeit, durch Verletzung eines lebenswichtigen Punktes (*marman*), angeboren oder durch erzwungene Enthaltsamkeit verhärteten Samens –, wobei nur die angeborene und die durch *marma*-Verletzung entstandene Form als unheilbar gelten. Den Hauptteil bildet eine lange Sammlung konkreter Rezepturen: Kuchen und Küchlein aus Sesam, Urdbohnen und Vidārī-Wurzel, mit Milch, Ghī und Zucker zubereitet, sowie zahlreiche tierische Zutaten wie Ziegenhoden und Fett des Gangesdelphins. Auch psychologische und atmosphärische Faktoren – mondbeschienene Nächte, Musik, Düfte, eine liebevolle Umgebung – werden ausdrücklich als „hengstmachend" (*vājīkaraṇa*) benannt. Das Kapitel markiert damit den Übergang zu den folgenden *rasāyana*-Kapiteln über Verjüngung und Kraftmehrung.
| Ursache | Heilbarkeit |
|---|---|
| seelisch bedingt, durch unerfreuliche Umstände oder Verkehr mit einer verhassten Frau | heilbar |
| durch übermäßigen Genuss von Scharfem, Saurem, Heißem und Salzigem (Erschöpfung der Gewebe) | heilbar |
| durch übermäßigen Geschlechtsverkehr (Zusammenbruch des Gliedes, Samenschwund) | heilbar |
| durch schwere Erkrankung des Gliedes oder Durchtrennung eines marman | unheilbar |
| angeboren | unheilbar |
| durch verhärteten Samen infolge erzwungener Enthaltsamkeit (brahmacarya) | heilbar |
athātaḥ kṣīṇabalīyaṃ vājīkaraṇacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die *vājīkaraṇa*-Behandlung (Aphrodisiakum-Therapie) für an Kraft Geschwächte erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
kalyasyodagravayaso vājīkaraṇasevinaḥ sarveṣvṛtuṣvaharaharvyavāyo na nivāritaḥ
Einem gesunden Menschen in kräftigem Alter, der *vājīkaraṇa*-Mittel anwendet, ist der tägliche Geschlechtsverkehr zu jeder Jahreszeit nicht verboten.
sthavirāṇāṃ riraṃsūnāṃ strīṇāṃ vāllabhyamicchatām yoṣitprasaṅgāt kṣīṇānāṃ klīvānāmalparetasām
Für alte Männer, die noch begehren, für solche, die bei Frauen beliebt sein wollen, für solche, die durch häufigen Umgang mit Frauen erschöpft sind, für Impotente und für solche mit geringem Samen,
vilāsināmarthavatāṃ rūpayauvanaśālinām nṛṇāṃ ca bahubhāryāṇāṃ yogā vājīkarā hitāḥ
für Lebemänner, für Wohlhabende, für an Schönheit und Jugend reiche Männer sowie für Männer mit vielen Ehefrauen sind *vājīkaraṇa*-Rezepturen zuträglich.
sevamāno yadaucityādvājīvātyarthavegavān nārīstarpayate tena vājīkaraṇamucyate
Wenn ein Mann durch angemessenen Gebrauch solcher Mittel wie ein Hengst überaus kraftvoll wird und die Frauen dadurch befriedigt, nennt man dies *vājīkaraṇa* (wörtlich: „zum Hengst machen“).
bhojanāni vicitrāṇi pānāni vividhāni ca vācaḥ śrotrānugāminyastvacaḥ sparśasukhāstathā
Mannigfaltige Speisen, verschiedenartige Getränke, dem Ohr wohltuende Worte, ebenso der Haut angenehme Berührungen,
yāminī sendutilakā kāminī navayauvanā gītaṃ śrotramanohāri tāmbūlaṃ madirāḥ srajaḥ
eine mondbeschienene Nacht, eine jugendlich-junge Geliebte, ohrergreifender Gesang, Betelbissen, berauschende Getränke und Blumengirlanden,
gandhā manojñā rūpāṇi citrāṇyupavanāni ca manasaścāpratīghāto vājīkurvanti mānavam taistairbhāvairahṛdyaistu riraṃsormanasi kṣate
angenehme Düfte, reizvolle Gestalten sowie bunte Lustgärten und ein ungehindertes Gemüt - all dies macht einen Mann zum „Hengst“. Wird dagegen bei einem Begehrenden das Gemüt durch derartige unerfreuliche Umstände verletzt,
dveṣyastrīsaṃprayogācca klaibyaṃ tanmānasaṃ smṛtam kaṭukāmloṣṇalavaṇairatimātropasevitaiḥ
oder durch den Verkehr mit einer verhassten Frau, so entsteht dadurch eine seelisch bedingte Impotenz (*klaibya*, Impotenz). Durch übermäßigen Genuss von Scharfem, Saurem, Heißem und Salzigem
saumyadhātukṣayo dṛṣṭaḥ klaibyaṃ tadaparaṃ smṛtam ativyavāyaśīlo yo na ca vājīrkiṃyārataḥ
wird eine Erschöpfung der milden Gewebe beobachtet - dies gilt als eine weitere Art von *klaibya*. Wer übermäßigem Geschlechtsverkehr ergeben ist, ohne dabei wirklich wie ein Hengst zu sein,
dhvajabhaṅgamavāpnoti tacchukrakṣayahetukam mahatā meḍhrarogeṇa marmacchedena vā punaḥ
erleidet einen Zusammenbruch des Gliedes, verursacht durch Samenschwund; oder auch durch eine schwere Erkrankung des Gliedes oder durch Durchtrennung eines lebenswichtigen Punktes (*marman*)
klaibyametaccaturthaṃ syānnṛṇāṃ puṃstvopaghātajam janmaprabhṛti yaḥ klībaḥ klaibyaṃ tat sahajaṃ smṛtam
entsteht diese vierte Art von *klaibya* bei Männern, verursacht durch Schädigung der Manneskraft. Wer von Geburt an impotent ist, dessen Impotenz gilt als angeboren, die fünfte Art.
balinaḥ kṣubdhamanaso nirodhād brahmacaryataḥ ṣaṣṭhaṃ klaibyaṃ mataṃ tattu kharaśukranimittajam
Bei einem kräftigen Mann mit erregtem Gemüt entsteht durch Zurückhaltung im Rahmen der Enthaltsamkeit (*brahmacarya*) eine sechste Art von *klaibya*, die durch verhärteten Samen verursacht wird.
asādhyaṃ sahajaṃ klaibyaṃ marmacchedācca yadbhavet sādhyānāmitareṣāṃ tu kāryo hetuviparyayaḥ
Die angeborene Impotenz sowie jene, die durch Durchtrennung eines *marman* entsteht, sind unheilbar; bei den übrigen, heilbaren Arten dagegen ist eine der Ursache entgegengesetzte Behandlung anzuwenden.
vidhirvājīkaro yastu taṃ pravakṣyāmyataḥ param tilamāṣavidārīṇāṃ śālīnāṃ cūrṇameva vā
Die Vorschrift für *vājīkaraṇa*-Mittel werde ich nun im Folgenden darlegen: Das Pulver von Sesam, Urdbohnen und Vidārī, oder auch von Reis,
pauṇḍrakekṣurasairārdraṃ marditaṃ saindhavānvitam varāhamedasā yuktāṃ ghṛtenotkārikāṃ pacet
mit dem Saft von Pauṇḍraka-Zuckerrohr angefeuchtet und geknetet, mit Steinsalz versetzt und mit Eberfett vermengt, koche man zusammen mit Ghī zu einem Kuchen.
tāṃ bhakṣayitvā puruṣo gacchettu pramadāśatam bastāṇḍasiddhe payasi bhāvitānasakṛttilān
Wer diesen Kuchen isst, vermag hundert Frauen zu befriedigen. Sesamkörner, die wiederholt in Milch, worin Ziegenhoden gekocht wurden, getränkt wurden,
śiśumāravasāpakvāḥ śaṣkulyastaistilaiḥ kṛtāḥ yaḥ khādet sa pumān gacchet strīṇāṃ śatamapūrvavat
und mit dem Fett des Gangesdelphins zu Küchlein gebacken - wer diese isst, vermag wie zuvor hundert Frauen zu befriedigen.
pippalīlavaṇopete bastāṇḍe kṣīrasarpiṣi sādhite bhakṣayedyastu sa gacchet pramadāśatam
Wer Ziegenhoden isst, die mit langem Pfeffer und Salz versehen und in Milch und Ghī gekocht wurden, vermag hundert Frauen zu befriedigen.
pippalīmāṣaśālīnāṃ yavagodhūmayostathā cūrṇabhāgaiḥ samaistaistu ghṛte pūpalikāṃ pacet
Aus zu gleichen Teilen gemischtem Pulver von langem Pfeffer, Urdbohnen, Reis, Gerste und Weizen backe man in Ghī einen Fladen.
tāṃ bhakṣayitvā pītvā tu śarkarāmadhuraṃ payaḥ naraścaṭakavadgaccheddaśavārānnirantaram
Wer diesen Fladen isst und dazu mit Zucker gesüßte Milch trinkt, vermag wie ein Sperling zehnmal hintereinander dem Geschlechtsakt nachzugehen.
vidāryāḥ sukṛtaṃ cūrṇaṃ svarasenaiva bhāvitam sarpirmadhuyutaṃ līḍhvā daśa strīradhigacchati
Wer fein zubereitetes Vidārī-Pulver, mit ihrem eigenen Saft getränkt und mit Ghī und Honig versetzt, ableckt, vermag zehn Frauen zu befriedigen.
evamāmalakaṃ cūrṇaṃ svarasenaiva bhāvitam śarkarāmadhusarpirbhiryuktaṃ līḍhvā payaḥ pibet
Ebenso lecke man Āmalakī-Pulver, mit ihrem eigenen Saft getränkt und mit Zucker, Honig und Ghī versetzt, und trinke dazu Milch;
etenāśītivarṣo'pi yuveva parihṛṣyati pippalīlavaṇopete bastāṇḍe ghṛtasādhite
dadurch wird selbst ein Achtzigjähriger wie ein Jüngling voller Lust. Auch Ziegenhoden, die mit langem Pfeffer und Salz versehen und in Ghī gekocht wurden,
śiśumārasya vā khādette tu vājīkare bhṛśam kulīrakūrmanakrāṇāmaṇḍānyevaṃ tu bhakṣayet
oder die des Gangesdelphins soll man essen - beides wirkt stark als *vājīkaraṇa*-Mittel. Ebenso esse man die Eier von Krebs, Schildkröte und Krokodil,
mahiṣarṣabhabastānāṃ pibecchukrāṇi vā naraḥ aśvatthaphalamūlatvakśuṅgāsiddhaṃ payo naraḥ
oder ein Mann trinke den Samen von Büffel, Stier und Ziegenbock. Ein Mann trinke auch Milch, gekocht mit den Früchten, Wurzeln, der Rinde und den Trieben des Aśvattha,
pītvā saśarkarākṣaudraṃ kuliṅga iva hṛṣyati vidārimūlakalkaṃ tu śṛtena payasā naraḥ
mit Zucker und Honig getrunken - dadurch wird er lustvoll wie ein Sperling. Trinkt ein Mann eine Paste aus Vidārī-Wurzel zusammen mit gekochter Milch,
uḍumbarasamaṃ pītvā vṛddho'pi taruṇāyate māṣāṇāṃ palamekaṃ tu saṃyuktaṃ kṣaudra sarpiṣā
eine der Udumbara-Frucht gleiche Menge, so wird selbst ein Greis wieder jung. Isst er eine Pala Urdbohnen, versetzt mit Honig und Ghī,
avalihya payaḥ pītvā tena vājī bhavennaraḥ kṣīrapakvāṃstu godhūmānātmaguptāphalaiḥ saha
leckt er sie ab und trinkt dazu Milch, so wird der Mann dadurch zum „Hengst“. Isst er in Milch gekochten Weizen zusammen mit den Früchten der Ātmaguptā,
śītān ghṛtayutān khādettataḥ paścāt payaḥ pibet nakramūṣikamaṇḍūkacaṭakāṇḍakṛtaṃ ghṛtam
abgekühlt und mit Ghī versetzt, und trinkt danach Milch, so wirkt es ebenso. Ghī, das aus den Eiern von Krokodil, Maus, Frosch und Sperling zubereitet ist,
pādābhyaṅgena kurute balaṃ bhūmiṃ tu na spṛśet yāvat spṛśati no bhūmiṃ tāvadgacchennirantaram
verleiht bei Einreibung der Füße Kraft; danach soll man den Boden nicht berühren - solange man den Boden nicht berührt, vermag man ununterbrochen dem Geschlechtsakt nachzugehen.
svayaṃguptekṣurakayoḥ phalacūrṇaṃ saśarkaram dhāroṣṇena naraḥ pītvā payasā na kṣayaṃ vrajet
Trinkt ein Mann das mit Zucker versetzte Fruchtpulver von Svayaṃguptā und Ikṣuraka mit warmer, frisch gemolkener Milch, so verfällt er nicht dem Kräfteschwund.
uccaṭācūrṇamapyevaṃ kṣīreṇottamamiṣyate śatāvaryuccaṭācūrṇaṃ peyamevaṃ balārthinā svayaṃguptāphalairyuktaṃ māṣasūpaṃ pibennaraḥ
Ebenso gilt Uccaṭā-Pulver mit Milch als vorzüglich. Ebenso trinke, wer Kraft begehrt, Śatāvarī- und Uccaṭā-Pulver mit Milch. Ein Mann trinke auch Urdbohnensuppe, versetzt mit den Früchten der Svayaṃguptā,
guptāphalaṃ gokṣurakācca bījaṃ tathoccaṭāṃ gopayasā vipācya khajāhataṃ śarkarayā ca yuktaṃ pītvā naro hṛṣyati sarvarātram
oder koche man die Frucht der Guptā, den Samen von Gokṣura sowie Uccaṭā in Kuhmilch, schlage es zu Butter und versetze es mit Zucker - wer dies trinkt, ist die ganze Nacht voller Lust.
māṣān vidārīmapi soccaṭāṃ ca kṣīre gavāṃ kṣaudra ghṛtopapannām pītvā naraḥ śarkarayā suyuktāṃ kuliṅgavaddhṛṣyati sarvarātram
Trinkt ein Mann Urdbohnen, Vidārī und Uccaṭā, in Kuhmilch, mit Honig, Ghī und reichlich Zucker versetzt, so ist er wie ein Sperling die ganze Nacht voller Lust.
gṛṣṭīnāṃ vṛddhavatsānāṃ māṣaparṇabhṛtāṃ gavām yat kṣīraṃ tat praśaṃsanti balakāmeṣu jantuṣu
Die Milch von Kühen, die erst einmal gekalbt haben, deren Kälber schon herangewachsen sind und die mit Māṣaparṇī-Kraut gefüttert wurden, wird bei kraftbegehrenden Menschen als vorzüglich gerühmt.
kṣīramāṃsagaṇāḥ sarve kākolyādiśca pūjitaḥ vājīkaraṇahetorhi tasmāttattu prayojayet
Alle Milch- und Fleischgruppen sowie die verehrte Kākolī-Kräutergruppe wirken als *vājīkaraṇa*-Mittel; darum wende man sie an.
ete vājīkarā yogāḥ prītyapatyabalapradāḥ sevyā viśuddhopacitadehaiḥ kālādyapekṣayā
Dies sind die *vājīkaraṇa*-Rezepturen, die Lust, Nachkommenschaft und Kraft verleihen; sie sollen von Menschen mit gereinigtem und wohlgenährtem Körper unter Beachtung der rechten Zeit und der übrigen Voraussetzungen angewendet werden.