athāto netrabastipramāṇapravibhāgacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Maße und die Einteilung des *netra* (der Einlaufkanüle) und des *basti* (des medizinischen Einlaufs bzw. Klistiers) darlegen.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das fünfunddreißigste Kapitel legt Maße und Einteilung von *netra* (Einlaufkanüle) und *basti* (medizinischer Einlauf/Klistier) dar, den nach Suśruta wirkungsvollsten aller öligen Anwendungen, dessen Indikationsspektrum von Fieber und Lähmungen über Bauchwassersucht und Steinleiden bis zu Menstruations- und Fruchtlagestörungen reicht. Minutiös werden Länge, Umfang, Öffnungsweite und Füllmenge der Kanüle für verschiedene Altersstufen vom Kleinkind bis zum Greis festgelegt, ebenso die zulässigen Materialien für Kanüle und Klistierblase. Unterschieden werden der reinigende *nirūha*- bzw. *āsthāpana*-Einlauf und der ölige *anuvāsana*- bzw. *mātrābasti*-Einlauf, deren physiologische Wirkweise – der Einlauf verbleibt im Dickdarm, seine Kraft aber durchdringt, vom *apāna*-Wind getragen, den ganzen Körper wie Wasser die Wurzel eines Baumes – ausführlich erläutert wird. Den Abschluss bildet eine systematische Fehlerlehre mit insgesamt sechsundsiebzig möglichen *vyāpad*, gegliedert nach Einführungs-, Kanülen-, Blasen-, Press-, Substanz- und Lagerungsfehlern – ein Beleg für die hohe technische Standardisierung dieses zentralen Verfahrens.
| Alter | Länge | Umfang | Öffnung | Ölmenge |
|---|---|---|---|---|
| 1 Jahr | 6 aṅgula | wie kleiner Finger | wie Reiherfederkiel | 2 prasṛta |
| 8 Jahre | 8 aṅgula | wie Ringfinger | wie Falkenfederkiel | 4 prasṛta |
| 16 Jahre | 10 aṅgula | wie Mittelfinger | wie Pfauenfederkiel | 8 prasṛta |
| über 25 Jahre | 12 aṅgula | Basis wie Daumenbauch, Spitze wie kleiner Finger | wie Geierfederkiel | 12 prasṛta |
| über 70 Jahre | 12 aṅgula (wie bei Erwachsenen) | wie bei Erwachsenen | wie bei Erwachsenen | wie bei einem 16-Jährigen |
athāto netrabastipramāṇapravibhāgacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir das Kapitel über die Maße und die Einteilung des *netra* (der Einlaufkanüle) und des *basti* (des medizinischen Einlaufs bzw. Klistiers) darlegen.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
tatra snehādīnāṃ karmaṇāṃ bastikarma pradhānatamamāhurācāryāḥ kasmāt aneka-karmakaratvādbasteḥ iha khalu bastirnānāvidhadra vyasaṃyogāddaṣṇāṃ saṃśodhanasaṃśa-manasaṃgrahaṇāni karoti kṣīṇaśukraṃ vājīkaroti kṛśaṃ bṛṃhayati sthūlaṃ karśayati cakṣuḥ prīṇayati valīpalitamapahanti vayaḥ sthāpayati
Unter den Anwendungen mit Ölen und anderen Mitteln gilt die Anwendung des *basti* den Lehrmeistern als die bedeutendste. Warum? Weil der *basti* auf vielerlei Weise wirkt. Denn je nach der Verbindung mit verschiedenartigen Substanzen bewirkt er die Reinigung, die Beruhigung oder das Zurückhalten der *doṣa* (der Körpersäfte bzw. krankheitserregenden Faktoren); er macht geschwundenen Samen wieder kräftig, macht den Abgemagerten kräftig und den Fetten schlank, erfreut die Augen, beseitigt Falten und graues Haar und bewahrt die Jugend.
śarīropacayaṃ varṇaṃ balamārogyamāyuṣaḥ kurute parivṛddhiṃ ca bastiḥ samyagupāsitaḥ
Richtig angewendet, vermehrt der *basti* die Körperfülle, den Teint, die Kraft, die Gesundheit und die Lebensspanne.
tathā jvarātīsāratimirapratiśyāyaśirorogādhimanthārditākṣepakapakṣāghātaikā-ṅgasarvāṅgarogādhmānodarayoniśūlaśarkarāśūlavṛddhypudaṃśānāhamūtrakṛcchragulma-vātaśoṇitavātamūtrapurīṣodāvartaśukrārtavastanyanāśahṛddhanumanyāgrahaśarkarāśma-rīmūḍhagarbhaprabhṛtiṣu cātyarthamupayujyate
Ebenso findet er in hohem Maße Anwendung bei Fieber, Durchfall, Nachtblindheit, Schnupfen, Kopfkrankheiten, bei Adhimantha (einer schmerzhaften Augenkrankheit) und Ardita (Gesichtslähmung), bei Krämpfen, Halbseitenlähmung, Erkrankungen einzelner Glieder oder des ganzen Körpers, bei Blähungen, Bauchwassersucht, Schmerzen der Gebärmutter, Steinschmerzen, Hodenschwellungen, Geschwüren an den Geschlechtsteilen, Verstopfung, schmerzhaftem Harnlassen, Bauchgeschwülsten (*gulma*), Vātaśoṇita (Gicht), der Verkehrung von Wind, Harn und Stuhl, dem Verlust von Samen, Menstrualblut oder Muttermilch, Herzkrankheiten, Tetanus, Nackenkrampf, Blasengrieß und Blasensteinen sowie bei fehlliegender Frucht im Mutterleib und dergleichen mehr.
bhavati cātra bastirvāte ca pitte ca kaphe rakte ca śasyate saṃsarge sannipāte ca bastireva hitaḥ sadā
Dazu heißt es: Bei gestörtem *vāta* (dem Wind-*doṣa*), bei gestörtem *pitta* (dem Feuer-*doṣa*) und bei gestörtem *kapha* (dem Schleim-*doṣa*), ebenso bei Blutstörungen, wird *basti* empfohlen; auch bei der Vermischung zweier *doṣa* und bei *sannipāta* (dem gleichzeitigen Aus-dem-Gleichgewicht-Geraten aller drei) ist *basti* stets heilsam.
tatra sāṃvatsarikāṣṭadviraṣṭavarṣāṇāṃ ṣaḍaṣṭadaśāṅgulapramāṇāni kaniṣṭhikānāmi-kāmadhyamāṅgulipariṇāhānyagre'dhyardhāṅguladvyaṅgulārdhatṛtīyāṅgulasanniviṣṭaka-rṇikāni kaṅkaśayenabarhiṇapakṣanāḍītulyapraveśānimudgamāṣakalāyamātrasrotāṃsi vidadhyānnetrāṇi teṣu cāsthāpanadra vyapramāṇamāturahastasaṃmitena prasṛtena saṃmitau prasṛtau dvau catvāro'ṣṭau ca vidheyāḥ
Für ein einjähriges, ein achtjähriges und ein sechzehnjähriges Kind fertige man *netra* von sechs, acht bzw. zehn *aṅgula* (Fingerbreiten, einer Längenmaßeinheit) Länge an, mit einem Umfang wie der kleine Finger, der Ringfinger bzw. der Mittelfinger; ihre *karṇikā* (der Griffring bzw. Wulst am Rohr) sitze anderthalb, zwei bzw. zweieinhalb *aṅgula* vom vorderen Ende entfernt; ihre Öffnung entspreche der eines Reiher-, Falken- bzw. Pfauenfederkiels, und ihr Kanal habe die Weite eines Mungbohnen-, Urdbohnen- bzw. Erbsenkorns. Die Menge der Einlaufflüssigkeit für diese bemesse man nach der Hand des Patienten mit dem Hohlmaß *prasṛta* (etwa eine Handvoll): zwei, vier bzw. acht *prasṛta* seien vorzusehen.
varṣāntareṣu netrāṇāṃ bastimānasya caiva hi vayobalaśarīrāṇi samīkṣyotkarṣayedvidhim
In den Zwischenjahren erhöhe man das Maß der *netra* und ebenso die Menge des *basti*, indem man Alter, Kraft und Körperbeschaffenheit des Patienten berücksichtigt.
pañcaviṃśaterūrdhvaṃ dvādaśāṅgulaṃ mūle'ṅguṣṭhodaraparīṇāham agre kaniṣṭhikodaraparīṇāham agre tryaṅgulasanniviṣṭakarṇikaṃ gṛdhrapakṣanāḍītulyapraveśaṃ kolāsthimātrachidraṃ iklannakalāyamātrachidram ityeke sarvāṇi mūle bastinibandhanārthaṃ dvikarṇikāni āsthāpanadravyapramāṇaṃ tu vihitaṃ dvādaśaprasṛtāḥ saptatestūrdhvaṃ netrapramāṇametadeva dravyapramāṇaṃ tu dviraṣṭavarṣavat
Für Personen über fünfundzwanzig Jahren soll das *netra* zwölf *aṅgula* lang sein, an der Basis vom Umfang des Daumenbauches, an der Spitze vom Umfang des kleinen Fingers, mit der *karṇikā* drei *aṅgula* von der Spitze entfernt, mit einer Öffnung wie der Federkiel eines Geiers; die lichte Weite betrage die eines Jujubensteins - nach anderen Gelehrten die einer Erbse. Alle *netra* sollen an der Basis zwei *karṇikā* haben, um den *basti* daran festzubinden. Die Menge der Einlaufflüssigkeit sei auf zwölf *prasṛta* festgesetzt. Für Personen über siebzig Jahren gilt dasselbe Maß des *netra*, doch die Menge der Flüssigkeit entspreche der eines Sechzehnjährigen.
mṛdurbastiḥ prayoktavyo viśeṣādbālavṛddhayoḥ tayostīkṣṇaḥ prayuktastu bastirhiṃsyād balāyuṣī
Ein milder *basti* ist anzuwenden, besonders bei Kindern und Greisen; wird bei ihnen hingegen ein scharfer *basti* verwendet, so schädigt er ihre Kraft und ihre Lebenskraft.
vriṇanetramaṣṭāṅgulaṃ mudgavāhisrotaḥ vraṇamavekṣya yathāsvaṃ snehakaṣāye vidadhīta
Für Wunden verwende man ein *netra* von acht *aṅgula* Länge mit einem Kanal von der Weite eines Mungbohnenkorns; je nach Beschaffenheit der Wunde setze man entsprechend Öl oder einen Absud (*kaṣāya*) ein.
tatra netrāṇi suvarṇarajatatāmrāyorītidantaśṛṅgamaṇitarusāramayāni ślakṣṇāni dṛḍhāni gopucchākṛtīnyṛjūni guṭikāmukhāni ca
Die *netra* sollen aus Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Bronze, Elfenbein, Horn, Edelstein, Holz oder Hartholz gefertigt sein, glatt, fest, in der Form eines Kuhschwanzes, gerade und mit kugelförmiger Mündung.
bastayaśca bandhyā mṛdavo nātivahalā dṛḍhāḥ pramāṇavanto gomahiṣavarāhājorabhrāṇām
Die *basti*-Blasen selbst sollen fest verschnürbar, weich, nicht zu dick, widerstandsfähig und von passendem Maß sein; man fertige sie aus der Harnblase von Rind, Büffel, Schwein, Ziege oder Schaf.
netrālābhe hitā nāḍī nalavaṃśāsthisaṃbhavā bastyalābhe hitaṃ carma sūkṣmaṃ vā tāntavaṃ ghanam
Ist kein *netra* verfügbar, so eignet sich ersatzweise ein Röhrchen aus Schilfrohr, Bambus oder Knochen; ist keine *basti*-Blase verfügbar, so eignet sich dünnes Leder oder dicht gewebter Stoff.
bastiṃ nirupadigdhaṃ tu śuddhaṃ suparimārjitam mṛdvanuddhatahīnaṃ ca muhuḥ snehavimarditam
Der *basti* soll frei von Verklebungen, sauber, gut gereinigt, weich, ohne Unebenheiten oder Mängel sein und wiederholt mit Öl eingerieben werden.
netramūle pratiṣṭhāpya nyubjaṃ tu vivṛtānanam baddhvā lohena taptena carmasrotasi nirdahet
Man befestige die Blase an der Basis des *netra*, halte dieses dabei mit nach unten gerichteter, geöffneter Mündung, binde sie fest und versiegele die Nahtstelle des Leders mit erhitztem Metall.
parivartya tato bastiṃ baddhvā guptaṃ nidhāpayet āsthāpanaṃ ca tailaṃ ca yathāvattena dāpayet
Danach wende man den *basti* um, binde ihn fest und bewahre ihn geschützt auf; damit gebe man dann vorschriftsmäßig das Einlaufmittel oder das Öl.
tatra dvividho bastiḥ nairūhikaḥ snaihikaśca āsthāpanaṃ nirūha ityanarthāntaraṃ tasya vikalpo mādhutailikaḥ tasya paryāyaśabdo yāpano yuktarathaḥ siddhabastiriti sa doṣanirharaṇāccharīranīrohaṇādvā nirūhaḥ vayaḥ sthāpanādāyuḥsthāpanādvā āsthāpanam mādhutailikavidhānaṃ ca nirūhopakramacikitsite vakṣyāmaḥ yathāpramāṇaguṇavihitaḥ snehabastivikalpo'nuvāsanaḥ pādāvakṛṣṭaḥ anuvasannapi na duṣyatyanudivasaṃ vā dīyata ityanuvāsanaḥ tasyāpi vikalpo'dhārdhamātrāvakṛṣṭo'parihāryo mātrābastiriti
Es gibt zwei Arten von *basti*: den *nairūhika* (reinigenden) und den *snaihika* (öligen). *Āsthāpana* ist ein anderes Wort für *nirūha*; eine Variante davon, mit Honig und Öl bereitet, wird auch *yāpana*, *yuktaratha* oder *siddhabasti* genannt. Er heißt *nirūha*, weil er die *doṣa* entfernt (*nirharaṇa*) bzw. den Körper entwässert (*nirohaṇa*); *āsthāpana* heißt er, weil er das Alter (*vayas*) bzw. die Lebensspanne (*āyus*) festigt (*sthāpana*). Die Zubereitung mit Honig und Öl werden wir im Kapitel über die Behandlung mit *nirūha*-Maßnahmen darlegen. Der ölige *basti*, nach Maß und Eigenschaft richtig zubereitet, heißt *anuvāsana*, wenn er um ein Viertel der Dosis des *nirūha* verringert ist; er heißt so, weil er, auch wenn er über Nacht (*anuvasan*) im Körper verbleibt, nicht schadet, oder weil er täglich gegeben wird. Eine weitere Variante davon, um die Hälfte oder ein Viertel verringert und unverzichtbar, heißt *mātrābasti*.
nirūhaḥ śodhano lekhī snaihiko bṛṃhaṇo mataḥ nirūhaśodhitānmārgān samyak sneho'nugacchati
Der *nirūha* gilt als reinigend und abmagernd (*lekhī*), der ölige *basti* als aufbauend (*bṛṃhaṇa*); den durch *nirūha* gereinigten Kanälen folgt das Öl anschließend ungehindert.
apetasarvadoṣāsu nāḍīṣviva vahajjalam sarvadoṣaharaścāsau śarīrasya ca jīvanaḥ tasmādviśuddhadehasya snehabastirvidhīyate
Wie Wasser ungehindert durch Kanäle fließt, aus denen alle Hindernisse entfernt sind, so verhält es sich mit dem Öl in den gereinigten Bahnen. Der *nirūha* entfernt alle *doṣa* und ist die Lebenskraft (*jīvana*) des Körpers; daher wird der ölige *basti* für den bereits gereinigten Körper vorgeschrieben.
tatronmādabhayaśokapipāsārocakājīrṇārśaḥ pāṇḍurogabhramamadamūrcchācchardi ku-ṣṭhamehodarasthaulyaśvāsakāsakaṇṭhaśoṣaśophopasṛṣṭakṣatakṣīṇacatustrimāsagarbhiṇīdurbalāgnyasahā bālavṛddhau ca vātarogādṛte kṣīṇā nānuvāsyā nāsthāpayitavyāḥ
Bei Wahnsinn, Furcht, Kummer, übermäßigem Durst, Appetitlosigkeit, Verdauungsstörung, Hämorrhoiden, Blutarmut, Schwindel, Rausch, Ohnmacht, Erbrechen, Hautkrankheiten (*kuṣṭha*), Harnkrankheiten (*prameha*), Bauchwassersucht, Fettleibigkeit, Atemnot, Husten, Kehlkopftrockenheit, Schwellungen, bei frisch Verwundeten, bei Geschwächten, bei im dritten oder vierten Monat Schwangeren sowie bei denen, deren Verdauungsfeuer zu schwach ist, um es zu ertragen, ebenso bei Kindern und Greisen soll man - außer bei einer *vāta*-Erkrankung - weder *anuvāsana* noch *āsthāpana* anwenden, wenn sie geschwächt sind.
udarī ca pramehī ca kuṣṭhī sthūlaśca mānavaḥ avaśyaṃ sthāpanīyāste nānuvāsyāḥ kathañcana
Wer an Bauchwassersucht, an Diabetes (*prameha*) oder an Hautkrankheiten (*kuṣṭha*) leidet, sowie der Fettleibige, muss unbedingt *āsthāpana* erhalten; *anuvāsana* darf ihnen unter keinen Umständen gegeben werden.
asādhyatā vikārāṇāṃ syādeṣāmanuvāsanāt asādhyatve'pi bhūyiṣṭhaṃ gātrāṇāṃ sadanaṃ bhavet
Würde man ihnen dennoch *anuvāsana* geben, so würden ihre Krankheiten unheilbar; selbst wenn nicht unheilbar, träte doch meist eine starke Erschlaffung der Glieder ein.
pakvāśaye tathā śroṇyāṃ nābhyadhastācca sarvataḥ samyakpraṇihito bastiḥ sthāneṣveteṣu tiṣṭhati
Richtig verabreicht, verbleibt der *basti* im Dickdarm (*pakvāśaya*), im Becken und überall unterhalb des Nabels - in diesen Bereichen hält er sich auf.
pakvāśayādbastivīryaṃ khairdehamanusarpati vṛkṣamūle niṣiktānāmapāṃ vīryamiva drumam
Vom Dickdarm aus durchdringt die Wirkkraft des *basti* durch die feinen Körperkanäle den ganzen Körper, so wie die Kraft von Wasser, das an die Wurzel eines Baumes gegossen wird, den ganzen Baum durchdringt.
sa cāpi sahasā bastiḥ kevalaḥ samalo'pi vā pratyeti vīryaṃ tvanilairapānādyairvinīyate
Der *basti* selbst kehrt, sei er nun rein oder mit Ausscheidungen vermischt, rasch aus dem Körper zurück; seine Wirkkraft aber wird von den Winden - vor allem von *apāna* - im Körper weitergetragen.
vīryeṇa bastirādatte doṣānāpādamastakāt pakvāśayastho'mbarago bhūmerarko rasāniva
Mit seiner Wirkkraft zieht der *basti*, obwohl er selbst im Dickdarm verbleibt, die *doṣa* vom Scheitel bis zu den Füßen an sich - so wie die am Himmel stehende Sonne die Säfte aus der Erde emporzieht.
sa kaṭīpṛṣṭhakoṣṭhasthān vīryeṇāloḍya saṃcayān utkhātamūlān harati doṣāṇāṃ sādhuyojitaḥ
Richtig angewendet, durchrührt er mit seiner Kraft die in Hüfte, Rücken und Bauchraum angesammelten Ansammlungen der *doṣa*, entwurzelt sie und führt sie ab.
doṣatrayasya yasmācca prakope vāyurīśvaraḥ tasmāttasyātivṛddhasya śarīramabhinighnataḥ
Da *vāyu* (der Wind) unter den drei *doṣa* der Herrscher ihrer Erregung ist, bedarf es, wenn er übermäßig angewachsen ist und den Körper zu vernichten droht, einer entsprechenden Maßnahme -
vāyorviṣahate vegaṃ nānyā basterṛte kriyā pavanāviddhatoyasya velā vegamivodadheḥ
- so vermag außer *basti* keine andere Maßnahme dem Ansturm des *vāyu* standzuhalten, so wie nur die Küste dem vom Sturm gepeitschten Wellenschlag des Ozeans standhält.
śarīropacayaṃ varṇaṃ balamārogyamāyuṣaḥ kurute parivṛddhiṃ ca bastiḥ samyagupāsitaḥ
Richtig angewendet, vermehrt der *basti* die Körperfülle, den Teint, die Kraft, die Gesundheit und die Lebensspanne.
ata ūrdhvaṃ vyāpado vakṣyāmaḥ tatra netraṃ vicalitaṃ vivartitaṃ pārśvāvapīḍitam atyutkṣiptam avasannaṃ tiryakprakṣiptamiti ṣaṭ praṇidhānadoṣāḥ atisthūlaṃ ka-rkaśam avanataṃ aṇubhinnaṃ sannikṛṣṭaviprakṛṣṭakarṇikaṃ sūkṣmāticchidra m ati-dīrgham atihrasvam asrimadityekādaśa netradoṣāḥ bahalatā alpatā sacchi-dra tā prastīrṇatā durbaddhateti pañca bastidoṣāḥ atipīḍitatā śithilapīḍitatā bhūyo bhūyo'vapīḍanaṃ kālātikrama iti catvāraḥ pīḍanadoṣāḥ āmatā hīnatā atimātratā atiśītatā atyuṣṇatā atitīkṣṇatā atimṛdutā atisnigdhatā atirūkṣatā atisāndra tā atidra vatā ityekādaśa dra vyadoṣāḥ avākśīrṣo-cchīrṣanyubjottāna saṅkucitadehasthitadakṣiṇapārśvaśāyinaḥ pradānamiti sapta śayyādoṣāḥ evametāścatuścatvāriṃśadvyāpado vaidyanimittāḥ āturanimittāḥ pa-ñcadaśa āturopadra vacikitsite vakṣyante snehastvaṣṭabhiḥ kāraṇaiḥ pratihato na pratyāgacchati tribhirdoṣaiḥ aśanābhibhūto malavyāmiśro dūrānupraviṣṭo asvi-nnasya anuṣṇo alpambhuktavato alpaśceti vaidyāturanimittaā bhavanti ayoga-stūbhayoḥ ādhmānaṃ parikartikā parisrāvaḥ pravāhikā hṛdayopasaraṇam aṅgapragraho atiyogo jīvādānamiti nava vyāpado vaidyanimittā bhavanti
Von nun an wollen wir die *vyāpad* (die Missgeschicke bzw. Komplikationen) darlegen. Sechs *praṇidhāna*-Fehler (Fehler bei der Einführung) gibt es: das Verrutschen, das Verdrehen, das seitliche Einklemmen, das zu hohe, das zu tiefe und das schräge Einführen des *netra*. Elf *netra*-Fehler gibt es: zu dick, zu rau, gebogen, zu dünn oder gesprungen, ein zu nah oder zu weit von der Spitze sitzender *karṇikā*-Wulst, eine zu feine oder zu weite Öffnung, zu lang, zu kurz und kantig. Fünf *basti*-Fehler gibt es: zu dick, zu dünn, undicht, zu schlaff ausgebreitet und schlecht verschnürt. Vier Fehler beim Pressen gibt es: zu starkes, zu schwaches, wiederholtes Pressen und verspätetes Pressen nach Ablauf der rechten Zeit. Elf Fehler der Substanz (*dravya*) gibt es: unausgereift, zu wenig, zu viel, zu kalt, zu heiß, zu scharf, zu weich, zu ölig, zu trocken, zu dickflüssig und zu dünnflüssig. Sieben Lagerungsfehler gibt es: die Verabreichung bei nach unten geneigtem Kopf, bei hoch aufgerichtetem Kopf, bei vornübergebeugtem, bei rücklings liegendem, bei zusammengekrümmtem Körper oder bei einem auf der rechten Seite Liegenden. So ergeben sich diese vierundvierzig vom Arzt verursachten *vyāpad*. Fünfzehn vom Patienten verursachte *vyāpad* werden im Kapitel über die Behandlung der Beschwerden des Patienten dargelegt. Das Öl des *anuvāsana* wird aus acht Gründen zurückgehalten und kehrt nicht zurück; drei davon liegen beim Patienten: er ist von Speise überwältigt, mit Ausscheidungen vermischt oder das Öl ist zu tief eingedrungen; die übrigen liegen beim Arzt: weil der Patient nicht gedämpft wurde, weil das Öl nicht warm genug war, weil zu wenig gegessen oder zu wenig Öl gegeben wurde - dies sind die vom Arzt bzw. vom Patienten verursachten Gründe für das Nichtzurückkehren. Fehldosierung (*ayoga*, Unterdosierung, und *atiyoga*, Überdosierung) bei beiden Arten führt zu neun vom Arzt verursachten *vyāpad*: Blähung, einen schneidenden Schmerz (*parikartikā*), Durchsickern, Ruhr (*pravāhikā*), Beklemmung im Herzbereich, Versteifung der Glieder, Übermaß der Wirkung und Lebensgefahr.
bhavati cātra ṣaṭsaptatiḥ samāsena vyāpadaḥ parikīrtitā tāsāṃ vakṣyāmi vijñānaṃ siddhiṃ ca tadanantaram
Dazu heißt es: Insgesamt wurden hier sechsundsiebzig *vyāpad* zusammenfassend genannt. Ihre Erkennung und ihre erfolgreiche Behandlung werde ich anschließend darlegen.