athāto bhagnānāṃ cikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung von Knochenbrüchen (bhagna) darlegen.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das Kapitel über Knochenbrüche (bhagna) beschreibt systematisch die konservative Frakturbehandlung: Schienen aus Baumrinden wie Madhūka, Aśvattha und Vaṭa, Verbandwechsel je nach Jahreszeit, kühlende Salben aus Mañjiṣṭhā und Süßholz sowie die Grundtechniken der Reposition – Ziehen, Drücken, Zusammenführen und Verbinden. Ausführlich werden Bruch und Ausrenkung einzelner Körperteile behandelt, von Finger- und Fußgelenken über Rippen, Schulter und Schlüsselbein bis zu Kiefer, Zähnen und Schädel, ergänzt um Lagerungshilfen mit Pflöcken bei Bein- und Beckenbrüchen. Breiten Raum nimmt die Rezeptur des königlichen Gandhataila ein, eines aufwendig aus schwarzem Sesam, Kākolyādi-Kräutern und zahlreichen Duftstoffen gekochten Öls gegen Vāta-Leiden. Als Heilungskriterium gilt ein wiederhergestelltes, unverkürztes und schmerzfrei bewegliches Gelenk – ein nüchterner, praxisnaher Abschluss der beiden einleitenden Trauma-Kapitel.
| Körperteil | Behandlung |
|---|---|
| Nagelgelenk (zerquetscht) | Mit feiner Sonde öffnen, Blut ablassen, mit Reismehl bestreichen |
| Finger (gebrochen/ausgerenkt) | Einrichten nach den Nachbarfingern, mit feiner Binde umwickeln, mit Ghee beträufeln |
| Fußsohle | Mit Ghee einsalben, mit Schienen und Tuchbinde umwickeln |
| Unter- und Oberschenkel | Einsalben, gerade richten, kühle Baumrinden anlegen, mit Tuchbinde umwickeln |
| Oberschenkel (ausgerenkt) | Mit einem Flaschenzug (cakrayoga) einziehen |
| Becken | Nach oben oder unten ziehen, danach mit Klistieren (basti) behandeln |
| Rippen | Patienten aufrecht stellen, einsalben, Polster und Verband anlegen; ggf. in einem Öltrog lagern |
| Schultergelenk (ausgerenkt) | Achselhöhle mit einem Hebel anheben, mit kreuzförmiger Binde verbinden |
| Ellbogen, Knie, Fuß- und Handgelenk | Mit dem Daumen glattstreichen, einrichten, strecken und beugen, mit Öl beträufeln |
| Hand- oder Fußfläche | Beide Flächen angleichen, verbinden, mit rohem Öl übergießen |
| Schlüsselbein | Eingesunken: nach Dampfbehandlung mit Hebel anheben; hervorstehend: eindrücken und fest verbinden |
| Oberarm | Behandlung wie beim Oberschenkelbruch |
| Hals (verdreht/eingezogen) | Nackengrube und Kiefer fassen, Patienten aufrichten, Schienen mit Tuchbinde anlegen |
| Kiefergelenk (ausgerenkt) | Kieferknochen zusammenführen, Dampfbehandlung, Pañcāṅgī-Rezeptur, Ghee als Nasya |
| Zähne | Bei jungen Patienten gelockerte Zähne festdrücken und kühlend salben; bei alten Patienten entfernen |
| Nase (eingesunken/verdreht) | Mit Sonde geraderichten, beidseitig ein Röhrchen einführen, verbinden |
| Ohr (gebrochen) | Geraderichten, mit Ghee tränken, verbinden |
| Schädel (Gehirn nicht freiliegend) | Honig und Ghee auftragen, verbinden, sieben Tage Ghee trinken lassen |
athāto bhagnānāṃ cikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun werden wir die Behandlung von Knochenbrüchen (bhagna) darlegen.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
alpāśino'nātmavato jantorvātātmakasya ca upadra vairvā juṣṭasya bhagnaṃ kṛcchreṇa sidhyati
Bei einem Menschen, der wenig isst, der nicht Herr seiner selbst ist, dessen Konstitution von *vāta* (dem Wind, einem der drei Körpersäfte, *doṣa*) geprägt ist, oder der von Begleiterscheinungen (*upadrava*) betroffen ist, heilt ein Knochenbruch nur schwer.
lavaṇaṃ kaṭukaṃ kṣāramamlaṃ maithunamātapam vyāyāmaṃ ca na seveta bhagno rūkṣānnameva ca
Wer einen Knochenbruch hat, soll Salziges, Scharfes, Laugenhaltiges, Saures, Geschlechtsverkehr, Sonnenhitze und körperliche Anstrengung meiden, ebenso trockene Speisen.
śālirmāṃsarasaḥ kṣīraṃ sarpiryūṣaḥ satīnajaḥ bṛṃhaṇaṃ cānnapānaṃ syāddeyaṃ bhagnāya jānatā
Reis, Fleischbrühe, Milch, Ghee (*ghṛta*, geklärte Butter), Hülsenfruchtsuppe und andere kräftigende Speisen und Getränke soll der kundige Arzt dem Knochenbruchpatienten verabreichen.
madhūkodumvarāśvatthapalāśakakubhatvacaḥ vaṃśasarjavaṭānāṃ ca kuśārthamupasaṃharet
Man sammle die Rinden von Madhūka, Udumbara, Aśvattha, Palāśa und Kakubha sowie von Vaṃśa, Sarja und Vaṭa, um daraus Schienen herzustellen.
ālepanārthaṃ mañjiṣṭhāṃ madhukaṃ raktacandanam śatadhautaghṛtonmiśraṃ śālipiṣṭaṃ ca saṃharet
Zur Herstellung einer Salbe sammle man Mañjiṣṭhā, Süßholz und rotes Sandelholz, vermengt mit hundertfach gewaschenem Ghee und Reismehl.
saptāhādatha saptāhāt saumyeṣvṛtuṣu bandhanam sādhāraṇeṣu kartavyaṃ pañcame pañcame'hani
In den milden Jahreszeiten soll bei einfachen Brüchen der Verband von Woche zu Woche, jeweils am fünften Tag, erneuert werden.
āgneyeṣu tryahāt kuryādbhagnadoṣavaśena vā tatrātiśithilaṃ baddhe sandhisthairyaṃ na jāyate
In den heißen Jahreszeiten erneuere man ihn schon nach drei Tagen, oder je nach Schwere des *doṣa* (der krankhaften Störung); wird der Verband dabei zu locker angelegt, festigt sich das *sandhi* (das Gelenk) nicht.
gāḍhenāpi tvagādīnāṃ śopho ruk pāka eva ca tasmāt sādhāraṇaṃ bandhaṃ bhagne śaṃsanti tadvidaḥ
Ist er hingegen zu fest angelegt, entstehen Schwellung, Schmerz und Eiterung von Haut und den darunterliegenden Geweben; daher empfehlen die Kundigen bei einem Knochenbruch einen mittelmäßig festen Verband.
nyagrodhādikaṣāyaṃ tu suśītaṃ pariṣecane pañcamūlīvipakvaṃ tu kṣīraṃ kuryāt savedane
Bei Schmerzen verwende man einen gut gekühlten *kaṣāya* (Absud) aus Nyagrodha und ähnlichen Drogen zur Übergießung, oder Milch, die mit der Pañcamūlī gekocht wurde.
sukhoṣṇamavacāryaṃ vā cakratailaṃ vijānatā vibhajya kālaṃ doṣaṃ ca doṣaghnauṣadhasaṃyutam
Oder der kundige Arzt lasse angenehm warmes Cakra-*taila* (Öl) auftragen, wobei er Jahreszeit und beteiligten *doṣa* berücksichtigt und es mit gegen den *doṣa* wirkenden Heilkräutern versetzt.
pariṣekaṃ pradehaṃ ca vidadhyācchītameva ca gṛṣṭikṣīraṃ sasarpiṣkaṃ madhurauṣadhasādhitam
Man verordne kühlende Übergießungen und Salbenauflagen sowie Milch einer jungen Kuh mit Ghee, gekocht mit süßenden Heilkräutern.
śītalaṃ lākṣayā yuktaṃ prātarbhagnaḥ pibennaraḥ savraṇasya tu bhagnasya vraṇaṃ sarpirmadhūttaraiḥ
Diese kühle, mit Lākṣā versetzte Milch trinke der Knochenbruchpatient morgens; ist der Bruch mit einer *vraṇa* (Wunde) verbunden, behandle man diese vorrangig mit Ghee und Honig.
pratisārya kaṣāyaistu śeṣaṃ bhagnavadācaret prathame vayasi tvevaṃ bhagnaṃ sukaramādiśet
Nachdem man die *vraṇa* mit Absuden betupft hat, behandle man das Übrige wie einen gewöhnlichen Bruch; bei jungen Menschen gilt ein Bruch als leicht heilbar.
alpadoṣasya jantostu kāle ca śiśirātmake prathame vayasi tvevaṃ māsāt sandhiḥ sthiro bhavet
Bei einem Menschen mit geringer *doṣa*-Störung, in der kühlen Jahreszeit und im jungen Lebensalter festigt sich das *sandhi* auf diese Weise innerhalb eines Monats.
madhyame dviguṇāt kālāduttare triguṇāt smṛtaḥ avanāmitamunnahyedunnataṃ cāvapīḍayet
Im mittleren Lebensalter dauert es die doppelte, im höheren Alter die dreifache Zeit, wie überliefert ist. Was nach unten verschoben ist, ziehe man nach oben, was hervorsteht, drücke man nieder.
āñchedatikṣiptamadho gataṃ copari vartayet āñchanaiḥ pīḍanaiścaiva saṅkṣepairbandhanaistathā
Was zu weit hinausgeschoben ist, ziehe man heran, was nach unten geraten ist, bringe man wieder nach oben empor – durch Ziehen, Drücken, Zusammenführen und Verbinden.
sandhīñcharīre sarvāṃstu calānapyacalānapi etaistu sthāpanopāyaiḥ sthāpayenmatimān bhiṣak
Mit diesen Methoden der Einrichtung soll der kluge Arzt alle *sandhi* des Körpers, die beweglichen wie die unbeweglichen, wieder in ihre richtige Lage bringen.
utpiṣṭamatha viśliṣṭaṃ sandhiṃ vaidyo na ghaṭṭayet tasya śītān parīṣekān pradehāṃścāvacārayet
Ein zerquetschtes oder völlig zertrenntes *sandhi* soll der Arzt nicht gewaltsam einrichten; dafür verordne er kühlende Übergießungen und Salbenauflagen.
abhighāte hṛte sandhiḥ svāṃ yāti prakṛtiṃ punaḥ ghṛtadigdhena paṭṭena veṣṭayitvā yathāvidhiṃ
Ist das *sandhi* nur durch die Verletzung verschoben, kehrt es von selbst wieder in seine natürliche Lage (*prakṛti*) zurück; man umwickle es vorschriftsmäßig mit einer mit Ghee bestrichenen Binde (*paṭṭa*).
paṭṭopari kuśān dattvā yathāvadbandhamācaret pratyaṅgabhagnasya vidhirata ūrdhvaṃ pravakṣyate
Über der Binde lege man Schienen (*kuśa*) an und richte den Verband vorschriftsmäßig ein. Im Folgenden wird nun die Behandlung von Brüchen der einzelnen Körperglieder dargelegt.
nakhasandhiṃ samutpiṣṭaṃ raktānugatamārayā avamathya srute rakte śālipiṣṭena lepayet
Ist das Nagelgelenk zerquetscht und mit Blut unterlaufen, öffne man es mit einer feinen Sonde; ist das Blut abgeflossen, bestreiche man es mit Reismehl.
bhagnāṃ vā sandhimuktāṃ vā sthāpayitvā'ṅguladyaṃsamām aṇunā'veṣṭya paṭṭena ghṛtasekaṃ pradāpayet
Ist ein Finger gebrochen oder im *sandhi* ausgerenkt, richte man ihn so ein, dass er den beiden Nachbarfingern gleicht, umwickle ihn mit einer feinen Binde und lasse ihn mit Ghee beträufeln.
abhyajya sarpiṣā pādaṃ talabhagnaṃ kuśottaram vastrapaṭṭena badhnīyānna ca vyāyāmamācaret
Bei einem Bruch der Fußsohle salbe man den Fuß mit Ghee ein, umwickle ihn zunächst mit Schienen und dann mit einer Tuchbinde; der Patient übe keine körperliche Anstrengung aus.
abhyajyāyāmayejjaṅghāmūruṃ ca susamāhitaḥ dattvā vṛkṣatvacaḥ śītā vastrapaṭṭena veṣṭayet
Man salbe Unterschenkel und Oberschenkel ein und richte sie sorgfältig gerade; nachdem man kühle Baumrinden angelegt hat, umwickle man sie mit einer Tuchbinde.
matimāṃścakrayogena hyāñchedūrvasthi nirgatam sphuṭitaṃ piccitaṃ cāpi badhnīyāt pūrvavadbhiṣak
Der kluge Arzt ziehe einen aus dem Oberschenkel ausgerenkten Knochen mit Hilfe eines Flaschenzugs (*cakrayoga*) wieder ein; ist er gesplittert oder zersplittert, verbinde er ihn wie zuvor beschrieben.
āñchedūrdhvamadho vā'pi kaṭibhagnaṃ tu mānavam tataḥ sthānasthite saṃdhau bastibhiḥ samupācaret
Bei einem Beckenbruch ziehe man den Patienten nach oben oder nach unten; ist das *sandhi* wieder an seinem Platz, behandle man ihn zusätzlich mit *basti* (medizinischen Klistieren).
parśukāsvatha bhagnāsu ghṛtābhyaktasya tiṣṭhataḥ dakṣiṇāsvathavā vāmāsvanumṛjya nibandhanīḥ
Sind die Rippen, die rechten oder die linken, gebrochen, lasse man den mit Ghee eingesalbten Patienten aufrecht stehen und streiche mit Bindetüchern glatt darüber.
tataḥ kavalikāṃ dattvā veṣṭayet susamāhitaḥ tailapūrṇe kaṭāhe vā dro ṇyāṃ vā śāyayennaram
Dann lege man ein Polster an und umwickle sorgfältig; oder man lasse den Mann in einem mit Öl gefüllten Kessel oder Trog liegen.
musalenotkṣipet kakṣāmaṃsasandhau visaṃhate sthānasthitaṃ ca badhnīyāt svastikena vicakṣaṇaḥ
Ist das Schultergelenk ausgerenkt, hebe man die Achselhöhle mit einem stößelartigen Hebel an; ist es wieder an seinem Platz, verbinde der kundige Arzt es mit einer kreuzförmigen Binde.
kaurparaṃ tu tathā sandhimaṅguṣṭhenānumārjayet anumṛjya tataḥ sandhiṃ pīḍayet kūrparāccyutam
Ebenso streiche man mit dem Daumen über das ausgerenkte Ellbogen-*sandhi*; nach dem Glattstreichen drücke man das aus dem Ellbogen verschobene *sandhi* wieder ein.
prasāryākuñcayeccainaṃ snehasekaṃ ca dāpayet evaṃ jānuni gulphe ca maṇibandhe ca kārayet
Man strecke und beuge es abwechselnd und lasse Öl darüber träufeln; ebenso verfahre man bei Knie, Fußgelenk und Handgelenk.
ubhe tale same kṛtvā talabhagnasya dehinaḥ badhnīyādāmatailena pariṣekaṃ ca kārayet
Bei einem Bruch der Hand- oder Fußfläche gleiche man beide Flächen einander an, verbinde sie und übergieße sie mit rohem, unverkochtem Öl.
mṛtpiṇḍaṃ dhārayet pūrvaṃ lavaṇaṃ ca tataḥ param haste jātabale cāpi kuryāt pāṣāṇadhāraṇam
Zunächst lasse man einen Lehmklumpen, dann Salz in der Hand halten; sobald die Hand wieder Kraft gewonnen hat, lasse man auch einen Stein halten.
sannamunnamayet svinnamakṣakaṃ musalena tu tathonnataṃ pīḍayecca badhnīyādgāḍhameva ca
Ist das Schlüsselbein eingesunken, hebe man es nach einer Dampfbehandlung (*sveda*) mit einem stößelartigen Hebel an; steht es hervor, drücke man es hinein und verbinde es fest.
ūruvaccāpi kartavyaṃ bāhubhagnacikitsitam grīvāyāṃ tu vivṛttāyāṃ praviṣṭāyāmadho'pi vā
Die Behandlung eines Oberarmbruchs erfolgt ebenso wie die des Oberschenkels. Ist der Hals verdreht, eingezogen oder nach unten verschoben,
avaṭāvatha hanvośca pragṛhyonnamayennaram tataṃ kuśāṃ samaṃ dattvā vastrapaṭṭena veṣṭayet
fasse man die Nackengrube und den Kiefer und richte den Mann auf; dann lege man gleichmäßig Schienen an und umwickle sie mit einer Tuchbinde.
uttānaṃ śāyayeccainaṃ saptarātramatandri taḥ hanvasthinī samānīya hanusandhau visaṃhate
Man lasse ihn auf dem Rücken liegen und pflege ihn sieben Nächte lang unermüdlich. Ist das Kiefer-*sandhi* ausgerenkt, führe man die beiden Kieferknochen wieder zusammen.
svedayitvā sthite samyak pañcāṅgīṃ vitaredbhiṣak vātaghnamadhuraiḥ sarpiḥ siddhaṃ nasye ca pūjitam
Nachdem man eine Dampfbehandlung durchgeführt hat und es richtig an seinem Platz sitzt, verabreiche der Arzt die Pañcāṅgī-Rezeptur; geschätzt ist auch mit *vāta*-lindernden, süßen Mitteln zubereitetes Ghee als *nasya* (Nasenmedikation).
abhagnāṃścalitān dantān saraktānavapīḍayet taruṇasya manuṣyasya śītairālepayedbahiḥ
Bei einem jungen Menschen drücke man ungebrochene, aber gelockerte und blutende Zähne wieder fest; von außen bestreiche man sie mit kühlenden Salben.
siktvā'mbubhistataḥ śītaiḥ sandhānīyairupācaret utpalasya ca nālena kṣīrapānaṃ vidhīyate
Nachdem man sie mit kaltem Wasser besprengt hat, behandle man sie mit heilungsfördernden Mitteln; man trinke Milch durch einen Lotusstängel.
jīrṇasya tu manuṣyasya varjayeccalitān dvijān nāsāṃ sannāṃ vivṛttāṃ vā ṛjvīṃ kṛtvā śalākayā
Bei einem alten Menschen dagegen entferne man gelockerte Zähne. Ist die Nase eingesunken oder verdreht, richte man sie mit einer Sonde gerade.
pṛthaṅnāsikayornāḍyau dvimukhyau saṃpraveśayet tataḥ paṭṭena saṃveṣṭya ghṛtasekaṃ pradāpayet
In jedes der beiden Nasenlöcher führe man ein beidseitig offenes Röhrchen ein; dann umwickle man sie mit einer Binde und lasse sie mit Ghee beträufeln.
bhagnaṃ karṇaṃ tu badhnīyāt samaṃ kṛtvā ghṛtaplutam sadyaḥkṣatavidhānaṃ ca tataḥ paścāt samācaret
Ein gebrochenes Ohr richte man gerade, tränke es mit Ghee und verbinde es; danach wende man die Behandlung für frische Wunden an.
mastuluṅgādvinā bhinne kapāle madhusarpiṣī dattvā tato nibadhnīyāt saptāhaṃ ca pibedghṛtam
Ist der Schädel gebrochen, ohne dass das Gehirn freiliegt, gebe man Honig und Ghee darauf und verbinde ihn; sieben Tage lang trinke der Patient Ghee.
patanādabhighātādvā śūnamaṅgaṃ yadakṣatam śītān pradehānsekāṃśca bhiṣak tasyāvacārayet
Ist ein Körperteil durch Sturz oder Stoß geschwollen, ohne offen verletzt zu sein, verordne der Arzt dafür kühlende Salbenauflagen und Übergießungen.
atha jaṅghorubhagnānāṃ kapāṭaśayanaṃ hitam kīlakā bandhanārthaṃ ca pañca kāryā vijānatā
Bei Brüchen von Unterschenkel und Oberschenkel ist ein bretterartiges Lager zuträglich; der Kundige bringe fünf Pflöcke zur Fixierung an.
yathā na calanaṃ tasya bhagnasya kriyate tathā sandherubhayato dvau dvau tale caikaśca kīlakaḥ
So, dass sich der Bruch nicht bewegen kann: je zwei Pflöcke auf beiden Seiten des *sandhi* und einer an der Fußsohle.
śroṇyāṃ vā pṛṣṭhavaṃśe vā vakṣasyakṣakayostathā bhagnasandhivimokṣeṣu vidhimenaṃ samācaret
Bei Brüchen oder Ausrenkungen des *sandhi* am Becken, an der Wirbelsäule, am Brustkorb oder am Schlüsselbein wende man dieses Verfahren an.
sandhīṃściravimuktāṃstu snigdhān svinnān mṛdūkṛtān uktairvidhānairbuddhyā ca samyak prakṛtimānayet
*sandhi*, die schon lange ausgerenkt sind, mache man zunächst durch *sneha* (eine Ölsubstanz) geschmeidig, dämpfe und erweiche sie, und bringe sie dann mit den genannten Methoden und mit Umsicht vollständig in ihre *prakṛti* zurück.
kāṇḍabhagne prarūḍhe tu viṣamolvaṇasaṃhite āpothya samayedbhagnaṃ tato bhagnavadācaret
Ist ein Röhrenknochenbruch bereits verheilt, aber uneben und mit Wulst zusammengewachsen, breche man ihn erneut durch Stoßen und richte ihn gerade; danach behandle man ihn wie einen frischen Bruch.
kalpayennirgataṃ śuṣkaṃ vraṇānte'sthi samāhitaḥ sandhyante vā kriyāṃ kuryāt savraṇe vraṇabhagnavat
Ragt am Ende der *vraṇa* trockener, abgestorbener Knochen heraus, entferne man ihn sorgfältig; ist ein *sandhi* mit einer offenen *vraṇa* verbunden, behandle man es wie einen Bruch mit Wunde.
ūrdhvakāye tu bhagnānāṃ mastiṣkyaṃ karṇapūraṇam ghṛtapānaṃ hitaṃ nasyaṃ praśākhāsvanuvāsanam
Bei Brüchen im oberen Körperbereich sind Kopfbehandlungen, Ohrentröpfeln, das Trinken von Ghee, *nasya* sowie an den Gliedmaßen ölige Nachklistiere zuträglich.
ata ūrdhvaṃ pravakṣyāmi tailaṃ bhagnaprasādhakam rātrau rātrau tilān kṛṣṇān vāsayedasthire jale
Im Folgenden will ich nun ein *taila* beschreiben, das Knochenbrüche heilen hilft. Jede Nacht lege man schwarzen Sesam in fließendes Wasser ein,
divā divā śoṣayitvā gavāṃ kṣīreṇa bhāvayet tṛtīyaṃ saptarātraṃ tu bhāvayenmadhukāmbunā
trockne ihn jeden Tag und tränke ihn mit Kuhmilch; in der dritten Woche tränke man ihn mit Süßholzwasser.
tataḥ kṣīraṃ punaḥ pītān suśuṣkāṃścūrṇayedbhiṣak kākolyādiṃ sayaṣṭhyāhvaṃ mañjiṣṭhāṃ sārivāṃ tathā
Dann tränke man ihn wieder mit Milch, trockne ihn gut und der Arzt zermahle ihn zu Pulver; dazu nehme man die Kākolyādi-Drogengruppe samt Süßholz, Mañjiṣṭhā und Sārivā,
kuṣṭhaṃ sarjarasaṃ māṃsīṃ suradāru sacandanam śatapuṣpāṃ ca saṃcūrṇya tilacūrṇena yojayet
Kuṣṭha, Sarjarasa, Jaṭāmāṃsī, Deodarholz mit Sandelholz sowie Śatapuṣpā; man zerreibe alles zu Pulver und mische es mit dem Sesampulver.
pīḍanārthaṃ ca kartavyaṃ sarvagandhaśṛtaṃ payaḥ caturguṇena payasā tattailaṃ vipacedbhiṣak
Zum Auspressen bereite man Milch, die mit allen wohlriechenden Drogen gekocht wurde; der Arzt koche das *taila* mit der vierfachen Menge dieser Milch.
elāmaṃśumatīṃ patraṃ jīvakaṃ tagaraṃ tathā rodhraṃ prapauṇḍarīkaṃ ca tathā kālānusāriṇam
Man füge hinzu: Elā, Aṃśumatī, Tejpat, Jīvaka, Tagara, Rodhra, Prapauṇḍarīka sowie Kālānusārivā,
saireyakaṃ kṣīraśuklāmanantāṃ samadhūlikām piṣṭvā śṛṅgāṭakaṃ caiva pūrvoktānyauṣadhāni ca
Saireyaka, Kṣīraśuklā, Anantā samt Madhūlikā sowie Śṛṅgāṭaka – man zerreibe sie zusammen mit den zuvor genannten Heilkräutern.
ebhistadvipacettailaṃ śāstravinmṛdunā'gninā etattailaṃ sadā pathyaṃ bhagnānāṃ sarvakarmasu
Mit diesen koche der schriftkundige Arzt das *taila* bei mildem Feuer; dieses *taila* ist bei allen Verrichtungen für Knochenbruchpatienten stets zuträglich.
ākṣepake pakṣaghāte tāluśoṣe tathā'dite manyāstambhe śiroroge karṇaśūle hanugrahe
Bei Krämpfen, Halbseitenlähmung, Austrocknung des Gaumens, bei Ardita, bei Nackensteife, Kopfschmerz, Ohrenschmerz, Kieferklemme,
bādhirye timire caiva ye ca strīṣu kṣayaṃ gatāḥ pathyaṃ pāne tathā'bhyaṅge nasye bastiṣu bhojane
bei Schwerhörigkeit und Erblindung sowie bei Männern, die durch Frauen ausgezehrt sind, ist es zuträglich – getrunken, als Einölung, als *nasya*, als *basti* und als Speisebeigabe.
grīvāskandhorasāṃ vṛddhiramunaivopajāyate mukhaṃ ca padmapratimaṃ sasugandhisamīraṇam
Dadurch entsteht auch eine Kräftigung von Hals, Schultern und Brust, und das Gesicht wird schön wie eine Lotusblüte und der Atem wohlriechend.
gandhatailamidaṃ nāmnā sarvavātavikāranut rājārhametat kartavyaṃ rājñāmeva vicakṣaṇaiḥ
Dieses *taila* trägt den Namen Gandhataila und beseitigt alle durch *vāta* verursachten Störungen; es ist eines Königs würdig und soll nur von erfahrenen Ärzten für Könige zubereitet werden.
trapusākṣapriyālānāṃ tailāni madhuraiḥ saha vasāṃ dattvā yathālābhaṃ kṣīre daśaguṇe pacet
Man nehme die Öle von Trapusa, Akṣa und Priyāla zusammen mit süßenden Drogen sowie, soweit erhältlich, tierisches Fett, und koche dies in der zehnfachen Menge Milch.
snehottamamidaṃ cāśu kuryādbhagnaprasādhanam pānābhyañjananasyeṣu bastikarmaṇi secane
Dieses vorzügliche *sneha*-Präparat lässt Knochenbrüche rasch heilen, angewandt als Trank, zur Einölung, als *nasya*, als *basti* und zur Übergießung.
bhagnaṃ naiti yathāpākaṃ prayateta tathā bhiṣak pakvamāṃsasirāsnāyu taddhi kṛcchreṇa sidhyati
Der Arzt bemühe sich, dass der Bruch nicht eitrig wird; denn sind Fleisch, Venen und Sehnen bereits geschädigt, heilt er nur schwer.
bhagnaṃ sandhimanāviddhamahīnāṅgamanulvaṇam sukhaceṣṭāpracāraṃ ca saṃhitaṃ samyagādiśet
Als gut verheilt gilt ein Bruch, dessen *sandhi* unverletzt ist, dessen Glied nicht verkürzt und nicht wulstig ist und das sich wieder mühelos bewegen lässt – so lehrt es die Saṃhitā klar und vollständig.