athāto visarpanāḍīstanarogacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *visarpa* (Wundrose/Erysipel), der *nāḍī* (Fistel/Fistelgang) und der Brusterkrankungen (stanaroga) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das Sammelkapitel behandelt drei verschiedene Leiden: visarpa (Wundrose, Erysipel), nāḍī (Fistelgänge) und stanaroga (Brusterkrankungen). Bei visarpa werden die drei einzeln-doṣa-bedingten Formen als heilbar von der durch sannipāta oder Verletzung entstandenen unterschieden und mit kühlenden beziehungsweise wärmenden Salbenauflagen aus Candana, Mustā oder Kaseru behandelt. Für nāḍī beschreibt der Text neben klassischer chirurgischer Eröffnung erstmals ausführlich die kṣārasūtra-Technik: ein mit Ätzlauge bestrichener Faden wird mittels Sonde in den Fistelgang eingelegt und schrittweise erneuert, bis der Gang vollständig durchtrennt ist – ein Verfahren, das bis in die moderne Fistelchirurgie fortwirkt. Der Abschnitt zu stanaroga behandelt Störungen der Muttermilch, deren Reinigung durch Brechmittel bei der Amme, sowie die Brustabszessbehandlung, bei der ausdrücklich vor Umschlägen gewarnt wird, weil das weiche Brustgewebe rasch in Fäulnis übergehen kann.
| Form | Heilbarkeit | Behandlung (Kurzfassung) |
|---|---|---|
| alle drei Doṣa zugleich | unheilbar | – |
| vāta-nāḍī | nur mit Mühe heilbar | feuchtwarmer Umschlag, Einschnitt, Verband aus Sesam/Apāmārga-Früchten/Saindhava-Salz |
| pitta-nāḍī | nur mit Mühe heilbar | warme Milch-Ghee-Umschläge, Einschnitt, Füllung aus Sesam/Nāgadantī/Süßholz |
| kapha-nāḍī | nur mit Mühe heilbar | Umschlag aus Kulattha/weißem Senf/Röstmehl/Sauerteig, Einschnitt mit dem śastra |
| durch Fremdkörper | – | Einschneiden, Fremdkörper entfernen, Reinigung mit Sesam, Honig und Ghee |
| bei Abgemagerten, Geschwächten oder an einem marman gelegen | – | Durchtrennung mit dem Ätzfaden (kṣārasūtra) statt mit dem Messer |
| Schritt | Vorgehen |
|---|---|
| 1 | Mit der Sonde den Verlauf des Fistelgangs erkunden |
| 2 | Den mit kṣāra (Ätzmittel) bestrichenen Faden mittels einer Nadel dem Verlauf folgend einlegen |
| 3 | Am Ende des Gangs durchstoßen und den Faden rasch herausziehen |
| 4 | Die Fadenenden zusammenführen und fest verknoten |
| 5 | Je nach Wirkstärke des kṣāra einen weiteren Faden einführen und den Vorgang wiederholen, bis der Gang vollständig durchtrennt ist |
athāto visarpanāḍīstanarogacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *visarpa* (Wundrose/Erysipel), der *nāḍī* (Fistel/Fistelgang) und der Brusterkrankungen (stanaroga) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
sādhyā visarpāstraya ādito ye na sannipātakṣatajau hi sādhyau sādhyeṣu tatpathyagaṇairvidadhyāddhṛtāni sekāṃśca tathopadehān
Von den *visarpa* sind die ersten drei, die aus je einem einzelnen *doṣa* (Körpersaft) entstehen, von Anfang an heilbar, nicht aber die durch sannipāta (gemeinsame Störung aller drei *doṣa*) und die durch Verletzung entstandene. Bei den heilbaren soll der Arzt mit den ihnen zuträglichen Mittelgruppen *ghṛta* (geklärte Butter, Ghee)-Anwendungen, Übergießungen und Salbenauflagen verordnen.
mustāśatāhvāsuradārūkuṣṭhavārāhikustumburukṛṣṇagandhāḥ vātātmake coṣṇagaṇāḥ prayojyāḥ sekeṣu lepeṣu tathā śṛteṣu
Mustā, Śatāhvā, Suradāru, Kuṣṭha, Vārāhī, Kustumburu und Kṛṣṇagandhā sowie weitere erwärmende Mittelgruppen sollen bei der durch *vāta* (den Wind, einen der drei *doṣa*) bedingten Wundrose bei Übergießungen, Salbenauflagen und Abkochungen verwendet werden.
yat pañcamūlaṃ khalu kaṇṭakākhyamalpaṃ mahaccāpyatha vallijaṃ ca taccopayojyaṃ bhiṣajā pradehe seke ghṛte cāpi tathaiva taile
Auch das sogenannte Kaṇṭaka-Pañcamūla, sowohl die kleine als auch die große Fünfwurzel-Gruppe, ebenso die aus Schlingpflanzen gebildete, soll der Arzt bei Salbenauflagen, Übergießungen, in *ghṛta* und ebenso in *taila* (Öl) verwenden.
kaseruśṛṅgāṭakapadmagundrāḥ saśaivalāḥ sotpalakardamāśca vastrāntarāḥ pittakṛte visarpe lepā vidheyāḥ saghṛtāḥ suśītāḥ
Kaseru, Śṛṅgāṭaka, Padma, Gundrā, zusammen mit Śaivala, Utpala und Schlamm, durch ein Tuch gesiebt, sollen bei der durch *pitta* (die Galle, eine der drei *doṣa*) bedingten Wundrose als kühle, mit *ghṛta* versetzte Salbenauflagen verordnet werden.
hrīveralāmajjakacandanāni srotojamuktāmaṇigairikāśca kṣīreṇa piṣṭāḥ saghṛtāḥ suśītā lepāḥ prayojyastanavaḥ sukhāya
Hrīvera, Lāmajjaka und Candana, dazu Flussperlen, Edelsteine und roter Ocker, mit Milch verrieben und mit *ghṛta* versetzt, sollen als kühle, fein aufgetragene Salbenauflagen zur Linderung angewendet werden.
prapauṇḍarīkaṃ madhukaṃ payasyā mañjiṣṭhikā padmakacandane ca sugandhikā ceti sukhāya lepaḥ paitte visarpe bhiṣajā prayojyaḥ
Prapauṇḍarīka, Madhuka, Payasyā, Mañjiṣṭhā, Padmaka und Candana sowie Sugandhikā – dies soll der Arzt bei der durch *pitta* bedingten Wundrose als lindernde Salbenauflage anwenden.
nyagrodhavargaiḥ pariṣecanaṃ ca ghṛtaṃ ca kuryāt svarasena tasya śītaiḥ payobhiśca madhūdakaiśca saśarkarairikṣurasaiśca sekān
Mit der Nyagrodha-Gruppe soll er Übergießungen vornehmen und daraus *ghṛta* mit dem Frischsaft herstellen; auch mit kühler Milch, mit Honigwasser sowie mit gezuckertem Zuckerrohrsaft soll er Übergießungen durchführen.
ghṛtasya gaurīmadhukāravindarodhrāmburājādanagairikeṣu tatharṣabhe padmakasārivāsu kākolimedākumudotpaleṣu
Für das *ghṛta* werden verwendet: Gaurī, Madhuka, Aravinda, Rodhra, Amburāja, Gairika, ebenso Ṛṣabha, Padmaka, Sārivā, Kākolī, Medā, Kumuda und Utpala,
sacandanāyāṃ madhuśarkarāyāṃ drā kṣāsthirāpṛśniśatāhvayāsu kalkīkṛtāsūdakamatra dattvā nyagrodhavargasya tathā sthirādeḥ
zusammen mit Candana, Honig, Zucker, Drākṣā, Sthirā, Pṛśni und Śatāhvā – diese werden zu einer *kalka* (Kräuterpaste) verarbeitet; dazu gibt man Wasser sowie den Sud der Nyagrodha-Gruppe und der Sthirā-Gruppe,
gaṇasya bilvādikapañcamūlyāścaturguṇaṃ kṣīramathāpi tadvat prasthaṃ vipakvaṃ pariṣecanena paittīrnihanyāttu visarpanāḍīḥ
sowie der Bilva-Fünfwurzel-Gruppe – dazu die vierfache Menge Milch; ein Prastha (Maß) davon wird gekocht. Durch diese Übergießung soll er die durch *pitta* bedingte Wundrose und die *nāḍī* beseitigen.
visphoṭaduṣṭavraṇaśīrṣarogān pākaṃ tathā'syasya nihanti pānāt grahārdite śoṣiṇi cāpi bāle ghṛtaṃ hi gauryādikametadiṣṭam
Durch das Trinken beseitigt es Blasenausschläge, üble *vraṇa* (Wunden/Geschwüre), Kopfkrankheiten sowie deren Eiterung; auch bei einem von grahas befallenen oder abzehrenden Kind ist eben dieses Gaurī-*ghṛta* empfohlen.
ajā'śvagandhā saralā sakālā saikaiṣikā cāpyathavā'jaśṛṅgī gomūtrapiṣṭo vihitaḥ pradeho hanyādvisarpaṃ kaphajaṃ sa śīghram
Ajā, Aśvagandhā, Saralā, Kālā, Ekaiṣikā oder auch Ajaśṛṅgī, mit Kuh-Urin verrieben und als Salbenauflage aufgetragen, beseitigt rasch die durch *kapha* (den Schleim, einen der drei *doṣa*) bedingte Wundrose.
kālānusāryāgurucocaguñjārāsnāvacāśītaśivendra parṇyaḥ pālindimuñjātamahīkadambā hitā visarpeṣu kaphātmakeṣu
Kālānusārya, Aguru, Coca, Guñjā, Rāsnā, Vacā, Śītā, Śivā, Indraparṇī, Pālindī, Muñjāta und Mahīkadamba sind bei den durch *kapha* bedingten Formen der Wundrose zuträglich.
gaṇastu yojyo varuṇapravṛttaḥ kriyāsu sarvāsu vicakṣaṇena saṃśodhanaṃ śoṇitamokṣaṇaṃ ca śreṣṭhaṃ visarpeṣu cikitsitaṃ hi
Die mit Varuṇa beginnende Kräutergruppe soll der kundige Arzt bei allen Maßnahmen anwenden; die Reinigungstherapie (saṃśodhana) und der Aderlass (śoṇitamokṣaṇa) sind bei der Wundrose die beste Behandlung.
sarvāṃśca pakvān pariśodhya dhīmān vraṇakrameṇopacaredyathoktam nāḍī tridoṣaprabhavā na sidhyeccheṣāścatasraḥ khalu yatnasādhyāḥ
Bei allen ausgereiften Formen soll der kundige Arzt nach der Reinigung nach der für *vraṇa* vorgeschriebenen Methode wie beschrieben behandeln. Die durch alle drei *doṣa* zugleich entstandene *nāḍī* ist nicht heilbar; die übrigen vier Formen sind nur mit großer Mühe heilbar.
tatrānilotthāmupanāhya pūrvamaśeṣataḥ pūyagatiṃ vidārya tilairapāmārgaphalaiśca piṣṭvā sasaindhavairbandhanamatra kuryāt
Dabei soll er die durch *vāta* entstandene (*nāḍī*) zunächst vollständig mit einem *upanāha* (feuchtwarmer Breiumschlag) behandeln, dann den Eitergang einschneiden und mit zerriebenen Sesamkörnern und Apāmārga-Früchten zusammen mit Saindhava-Salz einen Verband anlegen.
prakṣālane cāpi sadā vraṇasya yojyaṃ mahadyat khalu pañcamūlam hiṃsrāṃ haridrāṃ kaṭukāṃ balāṃ ca gojihvikāṃ cāpi sabilvamūlām
Zum Ausspülen der *vraṇa* soll stets das große Pañcamūla verwendet werden, zusammen mit Hiṃsrā, Haridrā, Kaṭukā, Balā, Gojihvikā sowie Bilva-Wurzel.
saṃhṛtya tailaṃ vipacedvraṇasya saṃśodhanaṃ pūraṇaropaṇaṃ ca pittātmikāṃ prāgupanāhya dhīmānutkārikābhiḥ sapayoghṛtābhiḥ
Damit soll er ein *taila* kochen, das die *vraṇa* reinigt, auffüllt und zur Heilung (ropaṇa) bringt. Bei der durch *pitta* bedingten (*nāḍī*) soll der kundige Arzt sie zunächst mit warmen Breiumschlägen, die mit Milch und *ghṛta* versetzt sind, behandeln.
nipātya śastraṃ tilanāgadantīyaṣṭyāhvakalkaiḥ paripūrayettām prakṣālane cāpi sasomanimbā niśā prayojyā kuśalena nityam
Nach dem Ansetzen des *śastra* (chirurgischen Messers) soll er sie mit einer *kalka* aus Sesam, Nāgadantī und Yaṣṭīmadhu ausfüllen. Zum Ausspülen soll der erfahrene Arzt stets Niśā zusammen mit Soma und Nimba verwenden.
śyāmātribhaṇḍītriphalāsu siddhaṃ haridra yo rodhrakavṛkṣayośca ghṛtaṃ sadugdhaṃ vraṇatarpaṇena hanyādgatiṃ koṣṭhagatā'pi yā syāt
Ein mit Śyāmā, Tribhaṇḍī, Triphalā, den beiden Haridrā-Arten und Rodhra gekochtes, mit Milch versetztes *ghṛta* soll er als sättigende Anwendung der *vraṇa* geben; damit beseitigt er auch den Fistelgang, selbst wenn er bis in den Bauchraum reicht.
nāḍīṃ kaphotthāmupanāhya samyak kulatthasiddhārthakaśaktukiṇvaiḥ mṛdūkṛtāmeṣya gatiṃ viditvā nipātayecchastramaśeṣakārī
Die durch *kapha* entstandene *nāḍī* soll er gründlich mit einem Umschlag aus Kulattha, weißem Senf, Röstmehl und Sauerteig erweichen; nachdem er den Gang erkundet und seinen Verlauf festgestellt hat, soll er, um vollständig zu wirken, das *śastra* ansetzen.
dadyādvraṇe nimbatilān sadantīn surāṣṭrajāsaindhavasaṃprayuktān prakṣālane cāpi karañjanimbajātyakṣapīlusvarasāḥ prayojyāḥ
In die *vraṇa* soll er Nimba, Sesam und Dantī zusammen mit Surāṣṭrajā und Saindhava-Salz geben. Zum Ausspülen sollen die Frischsäfte von Karañja, Nimba, Jātī, Akṣa und Pīlu verwendet werden.
suvarcikāsaindhavacitrakeṣu nikumbhatālītalarūpikāsu phaleṣvapāmārgabhaveṣu caiva kuryāt samūtreṣu hitāya tailam
Aus Suvarcikā, Saindhava-Salz, Citraka, Nikumbha, Tālī, Talarūpikā sowie den Früchten der Apāmārga-Pflanze soll er, zusammen mit Urin, zum Nutzen ein *taila* herstellen.
nāḍīṃ tu śalyaprabhavāṃ vidārya nirhṛtya śalyaṃ praviśodhya mārgam saṃśodhayet kṣaudra ghṛtapragāḍhaistilaistato ropaṇamāśu kuryāt
Die durch einen Fremdkörper entstandene *nāḍī* soll er einschneiden, den Fremdkörper entfernen und den Gang gründlich reinigen; er soll ihn mit Sesam, der reichlich mit Honig und *ghṛta* versetzt ist, reinigen und danach rasch die Heilung herbeiführen.
kumbhīkakharjūrakapitthabilvavanaspatīnāṃ ca śalāṭuvargaiḥ kṛtvā kaṣāyaṃ vipacettu tailamāvāpya mustāsaralāpriyaṅgūḥ
Aus Kumbhīka, Kharjūra, Kapittha, Bilva und den übrigen Bäumen sowie der Śalāṭu-Gruppe soll er einen *kaṣāya* (Absud) bereiten und darin, unter Zugabe von Mustā, Saralā und Priyaṅgu, ein *taila* kochen,
sugandhikāmocarasāhipuṣpaṃ rodhraṃ vidadhyādapi dhātakīṃ ca etena śalyaprabhavā tu nāḍī rohedvraṇo vā sukhamāśu caiva
dazu soll er Sugandhikā, Moca-Harz, Hi-Puṣpa, Rodhra sowie Dhātakī geben. Mit diesem *taila* heilt die durch einen Fremdkörper entstandene *nāḍī* oder *vraṇa* rasch und beschwerdefrei ab.
kṛśadurbalabhīrūṇāṃ nāḍī marmāśritā ca yā kṣārasūtreṇa tāṃ cchindyānna tu śastreṇa buddhimān
Die *nāḍī* eines Abgemagerten, Geschwächten oder Ängstlichen sowie eine *nāḍī*, die an einem *marma* (lebenswichtigen Punkt) liegt, soll der kluge Arzt mit einem mit *kṣāra* (Ätzmittel/Lauge) bestrichenen Faden (kṣārasūtra) durchtrennen, nicht aber mit dem *śastra*.
eṣaṇyā gatimanviṣya kṣārasūtrānusāriṇīm sūcīṃ nidadhyādgatyante tathonnamyāśu nirharet
Nachdem er mit der Sonde den Verlauf des Gangs erkundet hat, soll er ihm folgend den mit *kṣāra* bestrichenen Faden mittels einer Nadel einlegen; am Ende des Gangs soll er sie durchstoßen und rasch herausziehen.
sūtrasyāntaṃ samānīya gāḍhaṃ bandhaṃ samācaret tataḥ kṣārabalaṃ vīkṣya sūtramanyat praveśayet
Nachdem er die Enden des Fadens zusammengeführt hat, soll er ihn fest verknoten; danach soll er, je nach Wirkstärke des *kṣāra*, einen weiteren Faden einführen.
kṣārāktaṃ matimān vaidyo yāvanna chidyate gatiḥ bhagandare'pyeṣa vidhiḥ kāryo vaidyena jānatā
Der kluge Arzt wiederholt dies mit dem *kṣāra*-bestrichenen Faden, bis der Gang vollständig durchtrennt ist. Auch bei der Analfistel (bhagandara) soll der kundige Arzt nach diesem Verfahren vorgehen.
arbudādiṣu cotkṣipya mūle sūtraṃ nidhāpayet sūcībhiryavavaktrābhirācitān vā samantataḥ mūle sūtreṇa badhnīyācchinne copacaredvraṇam
Auch bei *arbuda* (Tumoren) und ähnlichem soll er das Gewächs anheben und an seiner Basis den Faden anlegen, oder es rundum mit gerstenkornförmigen Nadeln durchstechen; an der Basis soll er es mit dem Faden abbinden und, nachdem es abgetrennt ist, die *vraṇa* weiterbehandeln.
yā dvivraṇīye'bhihitāstu vartyastāḥ sarvanāḍīṣu bhiṣagvidadhyāt ghoṇṭāphalatvaglavaṇāni lākṣāpūgīphalaṃ cālavaṇaṃ ca patram
Die im Dvivraṇīya-Kapitel genannten Stifte soll der Arzt bei allen *nāḍī* anwenden: die Schale der Ghoṇṭā-Frucht, Salz, Lākṣā, Pūgī-Frucht sowie das ungesalzene Blatt,
snuhyarkadugdhena tu kalka eṣa vartīkṛto hantyacireṇa nāḍīḥ bibhītakāmrāsthivaṭapravālā hareṇukāśaṅkhinibījamasyaḥ
diese Zutaten werden mit dem Milchsaft von Snuhī und Arka zu einer *kalka* verrieben und zu einem Stift geformt; er beseitigt *nāḍī* rasch. Ebenso wirksam sind Bibhītaka, Mango-Kerne, junge Triebe des Feigenbaums, Hareṇukā, die Samen von Śaṅkhinī sowie Tusche,
vārāhikandaśca tathā pradeyo nāḍīṣu tailena ca miśrayitvā
sowie auch die Wurzelknolle der Vārāhī, mit *taila* vermischt, soll bei *nāḍī* angewendet werden.
dhattūrajaṃ madanakodra vajaṃ ca bījaṃ kośātakī śukanasā mṛgabhojinī ca aṅkoṭabījakusumaṃ gatiṣu prayojyaṃ lākṣodakāhṛtamalāsu vikṛtya cūrṇam
Der Same des Dhattūra, der des Madana und des Kodrava, ferner Kośātakī, Śukanasā und Mṛgabhojinī sowie Samen und Blüte des Aṅkoṭa – zu Pulver verarbeitet und mit Lākṣā-Wasser angerührt, sollen bei den Fistelgängen angewendet werden, um die krankhaften Ausscheidungen zu beseitigen.
tathā ca gomāṃsamasīṃ hitāya koṣṭhāśritasyādarato diśanti vartīkṛtaṃ mākṣikasaṃprayuktaṃ nāḍīghnamuktaṃ lavaṇottamaṃ vā
Ebenso empfiehlt man sorgfältig die Ruß-Asche von Rindfleisch bei einer im Bauchraum gelegenen (*nāḍī*); zu einem Stift geformt und mit Honig versetzt gilt sie als fistelvernichtend, ebenso das beste Salz.
duṣṭavraṇe yadvihitaṃ ca tailaṃ tat sarvanāḍīṣu bhiṣagvidadhyāt cūrṇīkṛtairatha vimiśritamebhireva tailaṃ prayuktamacireṇa gatiṃ nihanti
Das *taila*, das für schlecht heilende *vraṇa* vorgeschrieben ist, soll der Arzt auch bei allen *nāḍī* anwenden; ebenso beseitigt ein mit diesen Mitteln pulverisiert vermischtes und angewendetes *taila* den Fistelgang rasch.
eṣveva mūtrasahiteṣu vidhāya tailaṃ tat sādhitaṃ gatimapohati saptarātrāt piṇḍītakasya tu varāhavibhāvitasya mūleṣu kandaśakaleṣu ca sauvaheṣu
Wird eben mit diesen Mitteln, zusammen mit Urin, ein *taila* bereitet und gekocht, so beseitigt es den Fistelgang binnen sieben Nächten. In den Wurzeln des Piṇḍītaka, das mit Schweinefett durchtränkt wurde, sowie in den Knollenscheiben der Sauvaha-Pflanze,
tailaṃ kṛtaṃ gatimapohati śīghrametat kandeṣu cāmaravarāyudhasāhvayeṣu bhallātakārkamaricairlavaṇottamena siddhaṃ viḍaṅgarajanīdvayacitrakaiśca
aus diesen bereitet, beseitigt das *taila* den Fistelgang rasch; ebenso in den Knollen von Cāmara, Varāyudha genannt. Mit Bhallātaka, Arka, Pfeffer und bestem Salz gekocht, sowie mit Viḍaṅga, den beiden Rajanī-Arten und Citraka –
syānmārkavasya ca rasena nihanti tailaṃ nāḍīṃ kaphānilakṛtāmapacīṃ vraṇāṃśca stanye gate vikṛtimāśu bhiṣak tu dhātrīṃ pītāṃ ghṛtaṃ pariṇate'hani vāmayettu
mit dem Saft von Mārkava bereitet, beseitigt dieses *taila* die durch *kapha* und *vāta* bedingte *nāḍī*, *apacī* (Skrofeln/Halslymphknotenschwellung) und *vraṇa*. Ist die Muttermilch (stanya) rasch verdorben, so soll der Arzt der Amme *ghṛta* zu trinken geben und sie, wenn es verdaut ist, am folgenden Tag erbrechen lassen.
nimbodakena madhumāgadhikāyutena vāntāgate'hani ca mudgarasāśanā syāt evaṃ tryahaṃ caturahaṃ ṣaḍahaṃ vamedvā sarpiḥ pibettriphalayā saha saṃyutaṃ vā
Mit Nimba-Wasser, dem Honig und Pippalī beigemischt sind, soll erbrochen werden; am Tag danach soll sie sich von Mungbohnensuppe ernähren. So soll sie drei, vier oder sechs Tage lang das Erbrechen durchführen, oder sie soll *ghṛta*, zusammen mit Triphalā vermischt, trinken.
bhārgīṃ vacāmativiṣāṃ suradāru pāṭhāṃ mustādikaṃ madhurasāṃ kaṭurohiṇīṃ ca dhātrī pibettu payasaḥ pariśodhanārthamāragvadhādiṣu varaṃ madhunā kaṣāyam
Bhārgī, Vacā, Ativiṣā, Suradāru, Pāṭhā, die Mustā-Gruppe, Madhurasā und Kaṭurohiṇī – einen Sud daraus soll die Amme trinken, um die Milch zu reinigen; oder, vorzugsweise, einen *kaṣāya* aus der Āragvadha-Gruppe mit Honig.
sāmānyametadupadiṣṭamato viśeṣāddoṣān payonipatitān śamayedyathāsvam rogaṃ stanotthitamavekṣya bhiṣagvidadhyādyadvidra dhāvabhihitaṃ bahuśo vidhānam
Dies wurde als allgemeine Regel gelehrt; im Besonderen soll er die in die Milch übergegangenen *doṣa* jeweils entsprechend beruhigen. Nach Betrachtung der von der Brust ausgehenden Erkrankung soll der Arzt die zahlreichen Verfahren anwenden, die bei den vidradhi (inneren Abszessen) beschrieben wurden.
saṃpacyamānamapi taṃ tu vinopanāhaiḥ saṃbhojanena khalu pācayituṃ yateta śīghraṃ stano hi mṛdumāṃsatayopanaddhaḥ sarvaṃ prakothamupayātyavadīryate ca
Auch wenn sie bereits am Reifen ist, soll er sich bemühen, dies ohne *upanāha*, sondern durch geeignete Ernährung, rasch zur Reifung zu bringen; denn die Brust, die aus weichem Fleisch besteht, gerät bei Umschlägen leicht in völlige Fäulnis und bricht auf.
pakve tu dugdhahariṇīḥ parihṛtya nāḍīḥ kṛṣṇaṃ ca cūcukayugaṃ vidadhīta śastram āme vidāhini tathaiva gate ca pākaṃ dhātryāḥ stanau satatameva ca nirduhīta
Ist sie ausgereift, so soll er die milchführenden Fistelgänge meiden und, wobei er das dunkle Brustwarzenpaar schont, das *śastra* ansetzen. Ist sie hingegen unreif und brennend, oder ist sie bereits in Reifung übergegangen – in jedem Fall sollen der Amme die Brüste stets ausgemolken werden.