athātaḥ kṣudra rogacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *kṣudraroga* (kleinen Krankheiten) erklären.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das zwanzigste Kapitel versammelt unter dem Titel *kṣudraroga* („kleine Krankheiten") eine lange Reihe kleinerer, meist lokaler Leiden, die im ärztlichen Alltag häufig vorkommen: warzenartige Hautgeschwülste wie *ajagallikā* und *vidārikā*, Nagelerkrankungen (*kunakha*), rissige Fersen, Krätze und Ekzeme (*kacchū*, *vicarcikā*, *pāmā*, die wie *kuṣṭha* behandelt werden), kreisrunder Haarausfall (*indralupta*), Schuppenbildung der Kopfhaut (*dāruṇaka*), pockenartige Ausschläge (*masūrikā*), Muttermale und Sommersprossen, Jugendakne (*yauvanapiḍakā*), Nagelverrenkung, Harnröhrenverschluss (*niruddhaprakāśa*), Aftergeschwulst (*valmīka*) sowie eine Hautkrankheit des Säuglings, die durch die Milch der Amme entsteht (*ahipūtanā*). Für jede Störung wird knapp ein eigenes, meist äußerliches Verfahren angegeben – Bestreichen, Bähen, Aderlass, Einritzen, Ausschneiden oder Kauterisieren –, häufig mit Mineralpulvern wie Manaḥśilā, Kāsīsa und Tuttha. Das Kapitel zeigt exemplarisch die praktische, rezeptartige Seite der chirurgischen Dermatologie Suśrutas.
| Name | Kurzbeschreibung / Behandlung |
|---|---|
| ajagallikā | kleine warzenartige Hautgeschwulst; Blutegel, Paste aus Muschelasche und Śṛṅgī, bei Reife wie eine vraṇa behandeln |
| Andhālajī, Panasī, Kacchapī, Pāṣāṇagardabha u.a. Warzen | Schwitzbehandlung, Paste aus Manaḥśilā/Kuṣṭha/Devadāru, bei Reife öffnen |
| pitta-bedingte Blasenausschläge (visphoṭaka u.a.) | Behandlung wie visarpa; bei Reife Ausheilung mit süßem Ghee |
| kunakha | Nagelkrankheit; wie Cipyā (feuchte Wunde) behandelt |
| vidārikā | Einölen, Bähen, Zerteilen, Paste aus Nāgavṛttika/Varṣābhū/Bilva; bei Reife öffnen und mit Paṭola/Nimba/Sesam/Ghee behandeln |
| śarkarārbuda | nach dem Verfahren für arbuda (Fettgeschwulst) behandelt |
| kacchū, vicarcikā, pāmā | Krätze und Ekzeme; Behandlung wie bei kuṣṭha, u.a. Salbe aus Bienenwachs, Śatāhvā und Senf |
| rissige Fersen | Venenpunktion, Dampf- und Ölbehandlung, Fußsalbe aus Bienenwachs/Fett/Sarja-Pulver |
| kadara | Hornschwiele; Ausschneiden, Kauterisieren, anschließende Ölbehandlung |
| indralupta | kreisrunder Haarausfall; Venenpunktion am Kopf, Paste aus Manaḥśilā/Kāsīsa/Tuttha/Pfeffer, rasāyana-Öl zur Einölung |
| dāruṇaka | Schuppenbildung der Kopfhaut; Venenpunktion, Nasentropfen, Kopfölbad, Waschung mit Kodrava-Asche |
| masūrikā | pockenartiger Ausschlag; Salben und Behandlung wie bei kuṣṭha |
| jatumaṇi, maṣaka, tilakālaka | Muttermale und Sommersprossen; Ausschneiden und Kauterisieren mit kṣāra oder Feuer |
| Nyaccha, Vyaṅga, Nīlikā | Hautverfärbungen; Aderlass (u.a. Stirnvene), Salbe aus Rinde milchsafthaltiger Pflanzen |
| yauvanapiḍakā | Jugendpickel; vor allem Erbrechen (vamana), Salbe aus Vacā/Lodhra/Steinsalz mit Senf |
| parivartikā | Nagelverrenkung; Einölen, Bähen, warmer Umschlag, Zurückschieben des Nagelglieds |
| niruddhaprakāśa | verschlossene Harnröhrenmündung; Einführen eines beidseitig offenen Röhrchens, alle drei Tage ein dickeres |
| valmīka | Fistelgeschwulst; Reinigung, Blutentzug, Ausschneiden mit Ätzmittel und Feuer |
| ahipūtanā | Hautkrankheit des Säuglings durch die Milch der Amme; Reinigung der Ammenmilch, Ghee aus Paṭola/Triphalā/Rasāñjana |
| gudabhraṃśa | Mastdarmvorfall; Bähen, Einölen, Zurückschieben, Gophaṇā-Verband |
athātaḥ kṣudra rogacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der *kṣudraroga* (kleinen Krankheiten) erklären.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
tatrājagallikāmāmāṃ jalaukobhirupācaret śuktiśraghnyavakṣārakalkaiścālepayedbhiṣak
Dabei behandle man die noch unreife *ajagallikā* (eine kleine, warzenartige Hautgeschwulst) mit Blutegeln, und der Arzt bestreiche sie mit einer *kalka* (Kräuterpaste) aus Muschelasche, Śṛṅgī und ätzender Lauge.
śyāmālāṅgalakipāṭhākalkairvā'pi vicakṣaṇaḥ pakvāṃ vraṇavidhānena yathoktena prasādhayet
Oder der kundige Arzt behandle sie mit einer Paste aus Śyāmā, Laṅgalī und Pāṭhā; ist sie hingegen ausgereift, so versorge er sie nach der für einen *vraṇa* (eine Wunde) vorgeschriebenen Methode.
andhālajīṃ yavaprakhyāṃ panasīṃ kacchapīṃ tathā pāṣāṇagardabhaṃ caiva pūrvaṃ svedena yojayet
Andhālajī, die gerstenkornartige Warze, Panasī, Kacchapī und Pāṣāṇagardabha behandle man zunächst mit *sveda* (Schwitz- bzw. Dampfbehandlung).
manaḥśilātālakuṣṭhadārukalkaiḥ pralepayet paripākagatān bhittvā vraṇavat samupācaret
Man bestreiche sie mit einer Paste aus Manaḥśilā, Tālaka, Kuṣṭha (Costuswurzel) und Devadāru; sind sie zur vollen Reife gelangt, öffne man sie und behandle sie wie eine Wunde.
vivṛtāmindra vṛddhāṃ ca gardabhīṃ jālagardabham irivellīṃ gandhanāmnīṃ kakṣāṃ visphoṭakāṃstathā
Vivṛtā, Indravṛddhā, Gardabhī, Jālagardabha, Irivellī, die Gandhā genannte Geschwulst, Kakṣā sowie die *visphoṭaka* (Blasenausschläge) —
pittajasya visarpasya kriyayā sādhayedbhiṣak ropayet sarpiṣā pakvān siddhena madhurauṣadhaiḥ
diese behandle der Arzt, wenn sie durch *pitta* (den feurigen Körpersaft) bedingt sind, nach der für *visarpa* (Wundrose, eine sich rasch ausbreitende Hautentzündung) vorgeschriebenen Methode; sind sie ausgereift, so lasse man sie mit Ghee, das mit süßen Heilmitteln gekocht wurde, ausheilen.
cipyamuṣṇāmbunāsiktamutkṛtya srāvayedbhiṣak cakratailena cābhyajya sarjacūrṇena cūrṇayet
Ist Cipyā mit heißem Wasser befeuchtet, so schneide der Arzt sie auf und lasse sie abfließen; dann salbe er mit Cakra-Öl und bestäube sie mit gepulvertem Sarja-Harz.
bandhenopacareccainamaśakyaṃ cāgninā dahet madhurauṣadhasiddhena tatastailena ropayet
Ist dies nicht möglich, behandle man sie mit einem Verband oder kauterisiere sie allmählich mit Feuer; danach heile man sie mit einem in süßen Heilmitteln gekochten Öl aus (*ropaṇa*).
kunakhe vidhirapyeṣa kāryo hi bhiṣajā bhavet upācaredanuśayīṃ śleṣmavidra dhivadbhiṣak
Bei *kunakha* (einer Nagelkrankheit) soll derselbe Vorgang angewandt werden; *anuśayī* behandle der Arzt wie einen kapha-bedingten *vidradhi* (Abszess).
vidārikāṃ samabhyajya svinnāṃ vimlāpya lepayet nagavṛttikavarṣābhūbilvamūlaiḥ supeṣitaiḥ
*Vidārikā* salbe man ein, bähe sie, zerteile die Verhärtung und bestreiche sie dann mit fein zerriebenen Wurzeln von Nāgavṛttika, Varṣābhū und Bilva.
vraṇabhāvagatāyāṃ vā kṛtvā saṃśodhanakriyām ropaṇārthaṃ hitaṃ tailaṃ kaṣāyamadhuraiḥ śṛtam
Ist sie aber bereits zu einer offenen Wunde geworden, so führe man zunächst eine *śodhana* (reinigende Behandlung) durch; zur Heilung ist ein Öl heilsam, das mit adstringierenden (*kaṣāya*) und süßen Mitteln gekocht wurde.
pracchānairvā jalaukobhiḥ srāvyā'pakvā vidārikā ajakarṇaiḥ sapālāśamūlakalkaiḥ pralepayet
Die noch unreife Vidārikā lasse man durch Einritzen oder mit Blutegeln zur Ader, und bestreiche sie mit einer Paste aus Ajakarṇa- und Palāśa-Wurzeln.
pakvāṃ vidārya śastreṇa paṭolapicumardayoḥ kalkena tilayuktena sarpirmiśreṇa lepayet
Ist sie reif, öffne man sie mit dem Messer und trage eine mit Sesam und Ghee vermischte Paste aus Paṭola und Nimba auf.
baddhvā ca kṣīravṛkṣasya kaṣāyaiḥ khadirasya ca vraṃṇaṃ prakṣālayecchuddhāṃ tatastāṃ ropayet punaḥ
Man verbinde sie und wasche die Wunde mit einem Sud aus Milchbäumen und Khadira, bis sie sauber ist, und lasse sie danach ausheilen.
medo'budavidhānena sādhayeccharkarārbudam kacchūṃ vicarcikāṃ pāmāṃ kuṣṭhavat samupācaret
Śarkarārbuda behandle man nach dem Verfahren für ein *arbuda* (eine Fettgeschwulst); Kacchū, Vicarcikā und Pāmā behandle man wie *kuṣṭha* (Hautkrankheiten).
lepaśca śasyate sikthaśatāhvāgaurasarṣapaiḥ vacādārvīsarṣapairvā tailaṃ vā naktamālajam
Als Salbe wird eine Mischung aus Bienenwachs, Śatāhvā und weißem Senf empfohlen, oder aus Vacā, Dārvī und Senf; auch Naktamāla-Öl ist geeignet.
sāratailamathābhyaṅge kurvīta kaṭukaiḥ śṛtam pādadāryāṃ sirāṃ viddhvā svedābhyaṅgau prayojayet
Zur Einölung verwende man ein Öl aus Kernholz, das mit scharfen Mitteln gekocht wurde; bei rissigen Fersen steche man die *sirā* (Vene) an und wende Dampf- und Ölbehandlung an.
madhūcchiṣṭavasāmajjasarjacūrṇaghṛtaiḥ kṛtaḥ yavāhvagairikonmiśraiḥ pādalepaḥ praśasyate
Eine Salbe aus Bienenwachs, Fett, Knochenmark, Sarja-Pulver und Ghee, vermischt mit Yavāhva und rotem Ocker, wird als Fußsalbe empfohlen.
pādau siktvā'ranālena lepanaṃ hyalase hitam kalkīkṛtairnimbatilakāsīsālaiḥ sasaindhavaiḥ
Nachdem man die Füße mit saurem Reiswasser begossen hat, ist bei Alasa eine Salbe aus zerriebenem Nimba, Sesam, Kāsīsa und Steinsalz heilsam.
lākṣāraso'bhayā vā'pi kāryaṃ syādra ktamokṣaṇam siddhaṃ rase kaṇṭakāryāstailaṃ vā sārṣapaṃ hitam
Lackfarbstoff oder Abhayā sind heilsam; auch ein *raktamokṣaṇa* (Aderlass) kann angezeigt sein; ein in Kaṇṭakārī-Saft gekochtes Öl oder Senföl ist ebenso heilsam.
kāsīsarocanaśilācūrṇairvā pratisāraṇam utkṛtya dagdhvā snehena jayet kadarasaṃjñakam
Auch das Bestreuen (*pratisāraṇa*) mit Pulver aus Kāsīsa, Gorocanā und Manaḥśilā ist geeignet; *kadara* (eine Hornschwiele) heile man durch Ausschneiden, Kauterisieren und anschließende Ölbehandlung.
indra lupte sirāṃ mūrdhni snigdhasvinnasya mokṣayet kalkaiḥ samaricairdihyācchilākāsīsatutthakaiḥ
Bei *indralupta* (kreisrundem Haarausfall) steche man am Kopf, nachdem er eingeölt und gedämpft wurde, die Vene an und bestreiche ihn mit einer Paste aus Manaḥśilā, Kāsīsa und Tuttha, vermengt mit Pfeffer.
kuṭannaṭadārukalkairlepanaṃ vā praśasyate pracchayitvā'vagāḍhaṃ vā guñjākalkairmuhurmuhuḥ
Auch eine Salbe aus Kuṭannaṭa und Devadāru wird empfohlen; oder man ritze die Kopfhaut tief ein und trage wiederholt eine Paste aus Guñjā auf.
lepayedupaśāntyarthaṃ kuryādvā'pi rasāyanam mālatīkaravīrāgninaktamālavipācitam
Man bestreiche sie zur Beruhigung, oder wende ein *rasāyana* (Verjüngungsmittel) an, das mit Mālatī, Karavīra, Citraka und Naktamāla zubereitet wurde.
tailamabhyañjane śastamindra luptāpahaṃ param arūṃṣikāṃ hṛte rakte secayennimbavāriṇā
Dieses Öl ist zur Einölung ausgezeichnet und vertreibt indralupta hervorragend; bei Arūṃṣikā übergieße man nach dem Aderlass mit Nimba-Wasser.
dihyāt saindhavayuktena vājiviṣṭhārasena tu haritālaniśānimbakalkairvā sapaṭolajaiḥ
Man bestreiche sie mit Pferdemist-Saft, versetzt mit Steinsalz, oder mit einer Paste aus Haritāla, Curcuma und Nimba, samt Paṭola.
yaṣṭīnīlotpalairaṇḍamārkavairvā pralepayet indra luptāpahaṃ tailamabhyaṅge ca praśasyate sirāṃ dāruṇake viddhvā snigdhasvinnasya mūrdhani
Auch eine Salbe aus Yaṣṭīmadhu (Süßholz), blauem Lotos, Eraṇḍa (Rizinus) und Mārkava kann man auftragen; dieses Öl vertreibt indralupta und wird zur Einölung empfohlen. Bei Dāruṇaka steche man, nachdem der Kopf eingeölt und gedämpft wurde, die Vene an,
avapīḍaṃ śirobastimabhyaṅgaṃ ca prayojayet kṣālane kodra vatṛṇakṣāratoyaṃ praśasyate
und wende Nasentropfen, ein Kopfölbad (*śirobasti*) und Einölung an; zum Waschen wird Wasser mit der Asche von Kodrava-Gras empfohlen.
upariṣṭāt pravakṣyāmi vidhiṃ palitanāśanam masūrikāyāṃ kuṣṭhaghnalepanādikriyā hitā
Weiter oben werde ich das Verfahren zur Beseitigung des Ergrauens (*palita*) darlegen; bei *masūrikā* (einem pockenartigen Ausschlag) sind Salben und andere gegen kuṣṭha wirkende Behandlungen heilsam.
pittaśleṣmavisarpoktā kriyā vā saṃpraśasyate jatumaṇiṃ samutkṛtya maṣakaṃ tilakālakam
Auch die für pitta- und kapha-bedingtes visarpa beschriebene Behandlung wird empfohlen; *jatumaṇi*, *maṣaka* (Muttermal) und *tilakālaka* (Sommersprossen) schneide man aus
kṣāreṇa pradahedyuktyā vahninā vā śanaiḥ śanaiḥ nyacche vyaṅge sirāmokṣo nīlikāyāṃ ca śasyate
und kauterisiere sie sachgemäß mit Ätzmittel (*kṣāra*) oder allmählich mit Feuer; bei Nyaccha, Vyaṅga und Nīlikā wird Aderlass empfohlen,
yathānyāyaṃ yathābhyāsaṃ lālāṭyādisirāvyadhaḥ ghṛṣṭvā dihyāttvacaṃ piṣṭvā kṣīriṇāṃ kṣīrasaṃyutām
wie es Regel und Übung entsprechen, das Anstechen der Stirn- und anderer Venen; man reibe die Haut ab und bestreiche sie mit zerriebener Rinde von Milchbäumen, vermischt mit deren eigenem Milchsaft,
balātibalayaṣṭyāhvarajanīrvā pralepanam payasyāgurukālīyalepanaṃ vā sagairikam
oder mit einer Salbe aus Balā, Atibalā, Yaṣṭīmadhu und Curcuma; auch eine Salbe aus Payasyā, Aguru und Kālīyaka, mit rotem Ocker versetzt, ist geeignet.
kṣaudrā jyayuktayā limpeddaṃṣṭrayā śūkarasya ca kapittharājādanayoḥ kalkaṃ vā hitamucyate
Man bestreiche mit Honig, vermischt mit dem Eckzahn des Ebers; oder eine Paste aus Kapittha und Rājādana wird als heilsam bezeichnet.
yauvane piḍakāsveṣa viśeṣācchardanaṃ hitam lepanaṃ ca vacārodhrasaindhavaiḥ sarṣapānvitaiḥ
Bei *yauvanapiḍakā* (Jugendpickeln) ist vor allem das Erbrechen (*vamana*) heilsam, sowie eine Salbe aus Vacā, Lodhra und Steinsalz, mit Senf versetzt.
kustumburuvacālodhrakuṣṭhairvā lepanaṃ hitam padminīkaṇṭake roge chardayennimbavāriṇā
Auch eine Salbe aus Koriander, Vacā, Lodhra und Kuṣṭha ist heilsam; bei Padminīkaṇṭaka lasse man mit Nimba-Wasser erbrechen.
tenaiva siddhaṃ sakṣaudraṃ sarpiḥpānaṃ pradāpayet nimbāragvadhayoḥ kalko hita utsādane bhavet
Man gebe damit gekochtes, mit Honig versetztes Ghee zu trinken; eine Paste aus Nimba und Aragvadha ist bei Auftreibungen im Gesicht heilsam.
parivṛttiṃ ghṛtābhyaktāṃ susvinnāmupanāhayet tato'bhyajya śanaiścarma cānayet pīḍayenmaṇim
Bei *parivartikā* (einer Nagelverschiebung/-verrenkung) salbe man mit Ghee ein, bähe gründlich und lege einen warmen Umschlag (*upanāha*) an; dann salbe man ein, ziehe die Haut allmählich zurück und drücke das Nagelglied hervor.
praviṣṭe ca maṇau carma svedayedupanāhanaiḥ trirātraṃ pañcarātraṃ vā vātaghnaiḥ sālvaṇādibhiḥ
Ist das Nagelglied wieder eingedrungen, bähe man die Haut mit warmen Umschlägen, drei oder fünf Nächte lang, mit *vāta*-lindernden, salzigen und anderen Mitteln.
dadyādvātaharān bastīn snigdhānyannāni bhojayet vapāṭikāṃ jayedevaṃ yathādoṣaṃ cikitsakaḥ
Man gebe vāta-lindernde Klistiere (*basti*) und lasse ölige Speisen essen; so besiege der Arzt Vapāṭikā, entsprechend dem jeweiligen *doṣa* (Körpersaft-Ungleichgewicht).
niruddhaprakaśe nāḍīṃ lauhīmubhayatomukhīm dāravīṃ vā jatukṛtāṃ ghṛtābhyaktāṃ praveśayet
Bei *niruddhaprakāśa* (verschlossener Harnröhrenmündung) führe man ein beidseitig offenes eisernes Röhrchen ein, oder ein hölzernes oder aus Lack gefertigtes, mit Ghee bestrichenes.
pariṣeke vasāmajjaśiśumāravarāhayoḥ cakratailaṃ tathā yojyaṃ vātaghnadra vyasaṃyutam
Zum Übergießen verwende man Fett und Knochenmark von Delphin und Eber, ebenso Cakra-Öl, versetzt mit vāta-lindernden Substanzen.
tryahāttryahāt sthūlatarāṃ samyaṅnāḍīṃ praveśayet sroto vivardhayedevaṃ snigdhamannaṃ ca bhojayet
Alle drei Tage führe man sachgemäß ein dickeres Röhrchen ein; so erweitere man den Kanal (*srotas*) und lasse ölige Speisen essen.
bhittvā vā sevanīṃ muktvā sadyaḥkṣatavadācaret sanniruddhagudaṃ rogaṃ valmīkaṃ vahnirohiṇīm
Oder man durchtrenne die Naht und öffne sie, und behandle wie eine frische Verletzung (*sadyaḥkṣata*); bei verschlossenem After (*sanniruddhaguda*), bei *valmīka* (einer Fistelgeschwulst) und bei *vahnirohiṇī*
pratyākhyāya yathāyogaṃ cikitsitamathācaret visarpoktena vidhinā sādhayedagnirohiṇīm
gebe man, nachdem man die Prognose gestellt hat, die angemessene Behandlung; *agnirohiṇī* behandle man nach dem für visarpa vorgeschriebenen Verfahren.
sanniruddhagude yojyā niruddhaprakaśakriyā śastreṇotkṛtya valmīkaṃ kṣārāgnibhyāṃ prasādhayet
Bei sanniruddhaguda wende man die für niruddhaprakāśa vorgeschriebene Behandlung an; valmīka schneide man mit dem Messer aus und behandle es mit Ätzmittel und Feuer.
vidhānenārbudoktena śodhayitvā ca ropayet valmīkaṃ tu bhavedyasya nātivṛddhamamarmajam
Nach dem für arbuda vorgeschriebenen Verfahren reinige man es und lasse es ausheilen; ist bei jemandem das valmīka nicht allzu groß und nicht an einem lebenswichtigen Punkt (*marma*) entstanden,
tatra saṃśodhanaṃ kṛtvā śoṇitaṃ mokṣayedbhiṣak kulatthikāyā mūlaiśca guḍūcyā lavaṇena ca
so reinige der Arzt es zunächst und lasse dann Blut ab, mit den Wurzeln von Kulatthikā, mit Guḍūcī und Salz,
ārevatasya mūlaiśca dantīmūlaistathaiva ca śyāmāmūlaiḥ sapalalaiḥ śaktumiśraiḥ pralepayet
mit den Wurzeln von Ārevata sowie mit den Wurzeln von Dantī, mit den Wurzeln von Śyāmā, vermengt mit Sesammehl und Gerstenschrot bestreiche man es.
susnigdhaiśca sukhoṣṇaiśca bhiṣak tamupanāhayet pakvaṃ vā tadvijānīyādgatīḥ sarvā yathākramam
Der Arzt lege gut geölte, angenehm warme Umschläge an; die Reife erkenne man daran und beachte alle Stadien der Reihe nach.
abhijñāya tataśchittvā pradahenmatimān bhiṣak saṃśodhya duṣṭamāṃsāni kṣāreṇa pratisārayet
Hat der kundige Arzt dies erkannt, so schneide er es aus und kauterisiere es; nachdem er verdorbenes Fleisch entfernt hat, bestreiche er es mit Ätzmittel.
vraṇaṃ viśuddhaṃ vijñāya ropayenmatimān bhiṣak sumanā granthayaścaiva bhallātakamanaḥśile
Erkennt der kundige Arzt, dass die Wunde gereinigt ist, so lasse er sie mit Sumanā, Granthi, Bhallātaka und Manaḥśilā ausheilen,
kālānusārī sūkṣmailā candanāguruṇī tathā etaiḥ siddhaṃ nimbatailaṃ valmīke ropaṇaṃ hitam
mit Kālānusārī, kleinem Kardamom, Sandelholz und Aguru; ein damit gekochtes Nimba-Öl ist bei valmīka zur Heilung geeignet.
pāṇipādopariṣṭāttu chidrai rbahubhirāvṛtam valmīkaṃ yat saśophaṃ syādvarjyaṃ tattu vijānatā
Ein valmīka, das oberhalb von Hand und Fuß liegt, von vielen Öffnungen durchsetzt und geschwollen ist, soll der Kundige als unheilbar meiden.
dhātryāḥ stanyaṃ śodhayitvā bāle sādhyā'hipūtanā paṭolapatratriphalārasāñjanavipācitam
Reinigt man die Milch der Amme, so ist *ahipūtanā* beim Kind heilbar; mit Paṭola-Blättern, Triphalā und Rasāñjana zubereitetes
pītaṃ ghṛtaṃ nāśayati kṛcchrāmapyahipūtanām triphalākolakhadirakaṣāyaṃ vraṇaropaṇam
und getrunkenes Ghee beseitigt selbst eine schwer heilbare ahipūtanā; ein Sud aus Triphalā, Kola und Khadira dient der Wundheilung (*vraṇaropaṇa*).
kāsīsarocanātutthaharitālarasāñjanaiḥ lepo'mlapiṣṭo badarītvagvā saindhavasaṃyutā
mit Kāsīsa, Gorocanā, Tuttha, Haritāla und Rasāñjana eine mit saurer Flüssigkeit angeriebene Salbe, oder Badarī-Rinde mit Steinsalz vermischt.
kapālatutthajaṃ cūrṇaṃ cūrṇakāle prayojayet cikitsenmuṣkakacchūṃ cāpyahipūtanapāmavat
Ein aus gebranntem Tuttha gewonnenes Pulver wende man zur rechten Zeit der Pulverbehandlung an; Muṣkakacchū behandle man ebenso wie ahipūtanā und Pāmā.
gudabhraṃśe gudaṃ svinnaṃ snehābhyaktaṃ praveśayet kārayedgophaṇābandhaṃ madhyacchidre ṇa carmaṇā
Bei *gudabhraṃśa* (Mastdarmvorfall) bähe man den After, salbe ihn ein und schiebe ihn zurück; man lege einen Gophaṇā-Verband mit in der Mitte durchlochtem Leder an.
vinirgamārthaṃ vāyośca svedayecca muhurmuhuḥ kṣīre mahatpañcamūlaṃ mūṣikāṃ cāntravarjitām
Damit der Wind (*vāyu*) entweichen kann, bähe man wiederholt; man koche das Große Pañcamūla und eine ausgenommene Maus in Milch,
paktvā tasmin pacettailaṃ vātaghnauṣadhasaṃyutam gudabhraṃśamidaṃ kṛcchraṃ pānābhyaṅgāt prasādhayet
und darin koche man Öl mit vāta-lindernden Heilmitteln; so heile man diesen schwer behandelbaren gudabhraṃśa durch Trinken und Einölung.