Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 34: vamanavirecanavyāpa ccikitsitaṃ Komplikationen bei Erbrechen und Abführung

Das vierunddreißigste Kapitel behandelt die möglichen Zwischenfälle (*vyāpad*), die bei *vamana* und *virecana* durch Fehler des Arztes oder des Patienten auftreten können. Fünfzehn solcher Komplikationen werden einzeln durchgegangen – darunter das Verlaufen des Mittels in die falsche Richtung, Unter- (*ayoga*) und Überwirkung (*atiyoga*), Blähung (*ādhmāna*), Schneideschmerz im After (*parikartikā*), Ausfluss (*parisrāva*), Ruhr (*pravāhikā*), das gefährliche „Aufsteigen zum Herzen" bei unterdrücktem Drang sowie der lebensbedrohliche Austritt von *jīvaśoṇita*, echtem „Lebensblut" bei extremer Überwirkung. Für jede dieser Störungen werden Ursache, Symptomatik und eine gezielte Gegenbehandlung angegeben, etwa Ölklistiere mit Süßholz, kühlende Bäder oder besänftigende Speisen aus Milch und Zucker. Bemerkenswert ist die diagnostische Unterscheidung von *jīvaśoṇita* und gewöhnlichem *raktapitta*-Blut mittels eines Wasch- und Hundefraßtests. Das Kapitel dokumentiert damit eindrücklich das differenzierte Fehler- und Komplikationsmanagement der klassischen Reinigungstherapie.

Die 15 vyāpad bei vamana und virecana (Vers 3–22)
KomplikationKurzbeschreibung
Fehlgeleitete Richtungvamana-Mittel geht abwärts statt aufwärts (bzw. virecana-Mittel aufwärts statt abwärts)
Verweilen des Mittelszu gering dosiertes Mittel bleibt wirkungslos stehen; Durst, Flankenschmerz, Ohnmacht, Übelkeit
Verdautes HeilmittelMittel wird bei hartem koṣṭha wie gewöhnliche Speise verdaut, ohne Wirkung
Unzureichende doṣa-Ausleitungbei nicht vorbereitetem Körper werden nur wenige doṣa ausgeleitet
vātaśūladurch Trockenheit erregter vāta; Schmerzen in Flanke, Rücken, Hüfte, Nacken, marman
ayogaUnterwirkung: Blähung, Beklemmung im Herzen, Durst, Ohnmacht, Brennen
atiyogaÜberwirkung: übermäßiger Austritt von pitta bzw. kapha, starker Kraftverlust
jīvādānaAustritt von jīvaśoṇita (Lebensblut) bei extremer Überwirkung – lebensbedrohlich
ādhmānaBlähungen durch nicht warm/ölig getrunkenes Mittel; Zurückhalten von Wind, Urin, Kot
parikartikābrennender Schneideschmerz in After, Nabel, Glied, Blase, Kopf
parisrāvaschmerzhafter Ausfluss von pitta und kapha bei zu milder Anwendung
pravāhikāRuhr: schwerer, schleimiger, teils blutiger Stuhl unter Pressen
hṛdayopasaraṇaAnsammlung der doṣa im Herzbereich bei unterdrücktem Drang; Zähneknirschen, Bewusstlosigkeit
vibandhaVerstopfung durch Rückzug der doṣa in die Kanäle bei Kälteexposition während der Ausleitung
aṅgapragrahaGliedersteifheit
Nach V3 sind zwei Zwischenfälle verfahrensspezifisch (Richtungswechsel bei vamana bzw. virecana), die übrigen dreizehn beiden Verfahren gemeinsam.

athāto vamanavirecanavyāpaccikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung der Zwischenfälle (*vyāpad*) von *vamana* und *virecana* erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari sprach:

vaidyāturanimittaṃ vamanaṃ virecanaṃ ca pañcadaśadhā vyāpadyate tatra vamanasyādho ga-tirūrdhvaṃ virecanasyeti pṛthak sāmānyamubhayoḥsāvaśeṣauṣadhatvaṃ jīrṇauṣadhatvaṃ hīnedoṣāpahṛtatvaṃ vātaśūlam ayogo atiyogo jīvādānam ādhmānaṃ parikartikā parisrāvaḥ pravāhikā hṛdayopasaraṇaṃ vibandha aṅgapragraha iti

Durch ein Verschulden des Arztes oder des Patienten treten bei *vamana* und *virecana* fünfzehn Arten von Zwischenfällen auf. Speziell für sich betrachtet gehören dazu: bei *vamana* das Abwärtsgehen statt aufwärts, und bei *virecana* das Aufwärtsgehen statt abwärts. Beiden gemeinsam sind: das Zurückbleiben von Heilmittelresten, ein bereits verdautes Heilmittel, eine unzureichende Ausleitung der *doṣa*, *vāta*-Schmerz (*vātaśūla*), Unterwirkung (*ayoga*), Überwirkung (*atiyoga*), Lebensblutentzug (*jīvādāna*), Blähungen (*ādhmāna*), Schneideschmerz (*parikartikā*), Ausfluss (*parisrāva*), Ruhr (*pravāhikā*), Aufsteigen zum Herzen (*hṛdayopasaraṇa*), Verstopfung (*vibandha*) und Gliedersteifheit (*aṅgapragraha*).

tatra bubhukṣāpīḍitasyātitīkṣṇāgnermṛdukoṣṭhasya cāvatiṣṭhamānaṃ durvamasya vā gu-ṇasāmānyabhāvādvamanamadho gacchati tatrepsitānavāptirdoṣotkleśaśca tamāśu snehayitvā bhūyastīkṣṇatarairvāmayet

Bei einem von Hunger Gequälten, bei einem Menschen mit sehr scharfem Verdauungsfeuer und weichem *koṣṭha*, bei einem, bei dem das Mittel liegen bleibt, oder bei einem, der schwer erbricht, geht das *vamana*-Mittel aufgrund der Übereinstimmung seiner Eigenschaften mit dem Körper nach unten. Dabei bleibt das erwünschte Ergebnis aus, und es kommt zu einer Erregung der *doṣa*. Man ölt ihn rasch erneut ein und lasse ihn dann mit stärker wirkenden Mitteln erbrechen.

apariśuddhāmāśayasyotkliṣṭaśleṣmaṇaḥ saśeṣānnasya vā'hṛdyamatiprabhūtaṃ vā virecanaṃ pītamūrdhvaṃ gacchati tatrepsitānavāptirdoṣokleśaśca tatrāśuddhāmāśayamu-lbaṇaśleṣmāṇamāśu vāmayitvā bhūyastīkṣṇatarairvirecayet āmānvaye tvāmavat saṃvidhānam ahṛdye'tiprabhūte ca hṛdyaṃ pramāṇayuktaṃ ca ata ūrdhvamuttiṣṭhatyauṣadhe na tṛtīyaṃ pāyayet tatastvenaṃ madhughṛtaphāṇitayuktairlehairvirecayet

Bei einem, dessen Magen nicht gereinigt ist, dessen *kapha* erregt ist, oder dessen Speise noch unverdaut vorhanden ist, geht ein unschmackhaftes oder zu reichlich gegebenes *virecana*-Mittel nach oben. Auch dabei bleibt das erwünschte Ergebnis aus, und es kommt zu einer Erregung der *doṣa*. Man lasse einen solchen Patienten mit unreinem Magen und stark erregtem *kapha* rasch erbrechen und führe ihn dann mit stärker wirkenden Mitteln ab. Handelt es sich um einen *āma*-Zustand, so verfahre man wie bei *āma*; ist das Mittel unschmackhaft oder zu reichlich gegeben, so verwende man ein schmackhaftes, richtig dosiertes Mittel. Steigt das Heilmittel dennoch nach oben, so gebe man kein drittes Mal ein Mittel zu trinken, sondern führe ihn stattdessen mit Leckmitteln aus Honig, Ghee und Zuckersirup ab.

doṣavigrathitamalpamauṣadhamavasthitamūrdhvabhāgikamadhobhāgikaṃ vā na sraṃsayati doṣān tatra tṛṣṇā pārśvaśūlaṃ chardirmūrcchā parvabhedo hṛllāso'ratirudgārāviśu-ddhiśca bhavati tamuṣṇābhiradbhirāśu vāmayedūrdhvabhāgike adhobhāgike'pi ca sāvaśeṣauṣadhamatipradhāvitadoṣamatibalamasamyagviriktalakṣaṇamapyevaṃ vāmayet

Ein zu gering dosiertes Heilmittel, das von den *doṣa* gleichsam umschlossen wird und, sei es als *vamana*- oder als *virecana*-Mittel, ohne Wirkung stehen bleibt, leitet die *doṣa* nicht aus. Dabei treten Durst, Flankenschmerz, Erbrechen, Ohnmacht, Gliederschmerzen, Übelkeit, Unruhe und unreines Aufstoßen auf. Bleibt das *vamana*-Mittel so stehen, lasse man den Patienten rasch mit warmem Wasser erbrechen. Ebenso lasse man ihn beim Verweilen des *virecana*-Mittels erbrechen, ferner bei zurückgebliebenen Heilmittelresten, bei zu heftig in Bewegung geratenen *doṣa*, bei übermäßiger Kraft des Mittels und bei Zeichen einer unzureichenden Abführung.

krūrakoṣṭhasyātitīkṣṇāgneralpamauṣadhamalpaguṇaṃ vā bhaktavat pākamupaiti tatra sa-mudīrṇā doṣā yathākālamanirhrīyamāṇā vyādhivibhramaṃ balavibhraṃśaṃ cāpādayanti tamanalpamamandamauṣadhaṃ ca pāyayet

Bei einem Menschen mit hartem *koṣṭha* und sehr scharfem Verdauungsfeuer wird ein zu gering dosiertes oder zu schwach wirkendes Heilmittel wie gewöhnliche Speise verdaut. Dabei geraten die bereits erregten *doṣa*, da sie nicht zur rechten Zeit ausgeleitet werden, in Verwirrung und führen zu Kraftverlust. Man gebe einem solchen Patienten ein nicht zu gering dosiertes, nicht zu mildes Heilmittel.

asnigdhasvinnenālpaguṇaṃ vā bheṣajamupayuktamalpān doṣān hanti tatra vamane doṣaśeṣo gauravamutkleśaṃ hṛdayāviśuddhiṃ vyādhivṛddhiṃ ca karoti tatra taṃ yathā-yogaṃ pāyayitvā vāmayeddṛḍhatarāṃ virecane tu gudaparikartanamādhmānaṃ girogaurava-maniḥ saraṇaṃ vā vāyorvyādhivṛddhiaṃ ca karoti tamupapādya bhūyaḥ snehasvedābhyāṃ virecayeddṛḍhataraṃ dṛḍhaṃ bahupracalitadoṣaṃ vā tṛtīye divase'lpaguṇaṃ ceti

Bei einem nicht geölten und nicht geschwitzten Patienten vertreibt ein Heilmittel von zu geringer Wirkkraft nur wenige *doṣa*. Bei *vamana* führt dies zu zurückbleibenden *doṣa*, zu einem Schweregefühl, zu Übelkeit, zu einem Gefühl der Unreinheit im Herzbereich und zu einer Verschlimmerung der Krankheit; man gebe einem solchen Patienten dem Erfordernis entsprechend ein stärker erbrechendes Mittel. Bei *virecana* dagegen verursacht dies Schneideschmerz im After, Blähungen, Schweregefühl im Kopf oder Zurückhalten der Winde und eine Verschlimmerung der Krankheit; man behandle einen solchen Patienten und führe ihn dann, erneut geölt und geschwitzt, mit einem stärkeren Mittel ab. Bei festsitzenden, stark in Bewegung geratenen *doṣa* gebe man am dritten Tag ein weniger stark wirkendes Mittel.

asnigdhasvnnena rūkṣauṣadhamupayuktamabrahmacāriṇā vā vāyuṃ kopayati tatra vāyuḥ prakupitaḥ pārśvapṛṣṭhaśroṇimanyāmarmaśūlaṃ mūrcchāṃ bhramaṃ madaṃ saṃjñānāśaṃ ca karoti taṃ vātaśūlamityācakṣate tamabhyajya dhānyasvedena svedayitvā yaṣṭīmadhukavipakvena tailenānuvāsayet

Bei einem nicht geölten und nicht geschwitzten Patienten erregt ein trockenes Heilmittel oder das Fehlen sexueller Enthaltsamkeit den *vāta*. Der so erregte *vāta* verursacht dann Schmerzen in Flanke, Rücken, Hüfte, Nacken und den vitalen Punkten (*marman*), ferner Ohnmacht, Schwindel, Benommenheit und Bewusstlosigkeit; dies nennt man *vātaśūla*. Man salbe einen solchen Patienten ein, schwitze ihn mit Getreidedampf und verabreiche ihm anschließend ein Ölklistier (*anuvāsana*) mit einem Öl, das mit Süßholz gekocht wurde.

snehasvedābhyāmavibhāvitaśarīreṇālpamauṣadhamalpaguṇaṃ vā pītamūrdhvamadho vā nābhyeti doṣāṃścotkleśya taiḥ saha balakṣayamāpādayati tatrādhmānaṃ hṛdayagrahastṛṣṇā mūrcchā dāhaśca bhavati tamayogamityācakṣate tamāśuvāmayenmadanaphala-lavaṇāmbubhirvirecayettīkṣṇataraiḥ kaṣāyaiśca durvāntasya tu samutkliṣṭā doṣā vyāpya śarīraṃ kaṇḍūśvayathukuṣṭhapiḍakājvarāṅgamardanistodanāni kurvanti tata-stānaśeṣānmahauṣadhenāpaharet asnigdhasvinnasya durviriktasyādhonābheḥ stabdha-pūrṇodaratā śūlaṃ vātapurīṣasaṅgaḥ kaṇḍūmaṇḍalaprādurbhāvo vā bhavati tamāsthā-pya punaḥ saṃsnehya virecayettīkṣṇena nātipravartamāne tiṣṭhati vā duṣṭasaṃśodhane tatsantejanārthamuṣṇodakaṃ pāyayet pāṇitāpaiśca pārśvodaramupasvedayet tataḥ prava-rtante doṣāḥ anupravṛtte cālpadoṣe jīrṇauṣadhaṃ bahudoṣamahaḥ śeṣaṃ balaṃ cāvekṣya bhūyo mātrāṃ vidadhyāt apravṛttadoṣaṃ daśarātrādūrdhvamupasaṃskṛtadehaṃ snahesvedā-bhyāṃ bhūyaḥ śodhayet durvirecyamāsthāpya punaḥ saṃsnehya virecayet hrībhayalo-bhairvegāghātaśīlāḥ prāyaśaḥ striyo rājasamīpasthā vaṇijaḥ śrotriyāśca bhavanti tasmādete durvirecyāḥ bahuvātatvāt ata eva tānatisnigdhān svedopapannāñ śodhayet

Bei einem Körper, der durch Ölung und Schwitzung noch nicht gehörig vorbereitet ist, gelangt ein zu gering dosiertes oder zu schwach wirkendes, getrunkenes Heilmittel weder nach oben noch nach unten und bewirkt, indem es die *doṣa* erregt, zusammen mit ihnen einen Kraftverlust; dabei treten Blähungen, ein Beklemmungsgefühl im Herzen, Durst, Ohnmacht und Brennen auf – dies nennt man *ayoga* (Unterwirkung). Man lasse einen solchen Patienten rasch mit Madana-Frucht erbrechen und führe ihn mit salzigem Wasser oder mit stärker wirkenden Abkochungen ab. Bei einem, der schlecht erbrochen hat, breiten sich die erregten, aber nicht ausgeleiteten *doṣa* im Körper aus und verursachen Juckreiz, Schwellung, Hautkrankheiten, Pusteln, Fieber, Gliederschmerzen und stechende Schmerzen; man beseitige diese vollständig mit einem starken Heilmittel. Bei einem nicht geölten, nicht geschwitzten und schlecht abgeführten Patienten entsteht unterhalb des Nabels ein Gefühl von Steifheit und Völle des Bauches, Schmerzen, ein Zurückhalten von *vāta* und Kot, oder das Auftreten juckender Flecken; man verabreiche ihm ein Klistier (*āsthāpana*), öle ihn dann erneut ein und führe ihn mit einem scharfen Mittel ab. Wenn die Ausleitung der verdorbenen *doṣa* nicht recht in Gang kommt oder ganz ausbleibt, gebe man ihm zur Anregung warmes Wasser zu trinken und schwitze ihm Flanken und Bauch mit erhitzten Händen; daraufhin setzt die Ausleitung der *doṣa* ein. Setzt sie dagegen nicht ein und sind die *doṣa* nur gering, so betrachte man, ob das Heilmittel bereits verdaut ist, ob viele *doṣa* noch am Tage zurückgeblieben sind, und wie es um die Kraft steht, und verabreiche dann erneut eine Dosis. Bleibt die Ausleitung der *doṣa* länger als zehn Tage aus, so reinige man den inzwischen vorbereiteten Körper erneut mit Ölung und Schwitzung; ist der Patient schwer abzuführen, so verabreiche man ihm ein Klistier, öle ihn erneut ein und führe ihn dann ab. Aus Scham, Furcht oder Habgier neigen meist Frauen, Menschen in der Nähe des Königs, Kaufleute und Brahmanengelehrte dazu, die Dranggefühle zu unterdrücken; daher sind diese schwer abzuführen, da bei ihnen *vāta* stark vorherrscht. Eben deshalb reinige man sie, nachdem man sie reichlich geölt und geschwitzt hat.

snigdhasvinnasyātimātramatimṛdukoṣṭhasya vā'titīkṣṇamadhikaṃ vā dattamauṣadhama-tiyogaṃ kuryāt tatra vamanātiyoge pittātipravṛttirbalavisraṃso vātakopaśca balavān bhavati taṃ ghṛtenābhyajyāvagāhya śītāsvapsu śarkarāmadhumiśrairlehairupa-caredyathāsvāṃ virecanātiyoge kaphasyātipravṛttiruttarakālaṃ ca saraktasya tatrāpi balavisraṃso vātakopaśca balavān bhavati tamatiśītāmbubhiḥ pariṣicyāva-gāhya vā śītaistaṇḍulāmbubhirmadhumiśraiśchardayet picchābastiṃ cāsmai dadyāt kṣīrasarpiṣā cainamanuvāsayet priyaṅgvādiṃ cāsmai taṇḍulāmbunā pātuṃ prayacchet kṣīrarasayoścānyatareṇa bhojayet

Bei einem übermäßig geölten und geschwitzten Patienten oder bei einem Menschen mit sehr weichem *koṣṭha* bewirkt ein zu scharfes oder zu reichlich gegebenes Heilmittel ein *atiyoga* (Überwirkung). Bei einer Überwirkung von *vamana* kommt es zu einem übermäßigen Austritt von *pitta*, zu Kraftverlust und zu einer starken Erregung von *vāta*; man salbe einen solchen Patienten mit Ghee ein, lasse ihn in kaltem Wasser baden und behandle ihn nach Bedarf mit Leckmitteln aus Zucker und Honig. Bei einer Überwirkung von *virecana* kommt es zu einem übermäßigen Austritt von *kapha*, der später auch Blut enthält, und auch hierbei zu starkem Kraftverlust und heftiger Erregung von *vāta*; man begieße oder bade einen solchen Patienten mit sehr kaltem Wasser und lasse ihn mit kaltem, mit Honig vermischtem Reiswasser erbrechen. Man verabreiche ihm auch ein schleimiges Klistier (*picchābasti*) und ein Ölklistier mit Milch und Ghee; man gebe ihm auch Priyaṅgu und Verwandtes mit Reiswasser zu trinken und speise ihn mit Milch oder Fleischbrühe.

tasminneva vamanātiyoge pravṛddhe śoṇitaṃṣṭhīvatichardayati vā tatra jihvāniḥsaraṇamapasaraṇamakṣṇorvyāvṛttirhanusaṃhananaṃ tṛṣṇā hikkā jvaro vaisaṃjñyamityupadravā bhavanti tamajāsṛkcandanośīrāñjanalājacūrṇaiḥ saśarkarodakairmanthaṃ pāyayet phalarasairvāsaghṛtakṣaudraśarkaraiḥ śuṅgābhirvā vaṭādīnāṃ peyāṃ siddhāṃ sakṣaudrāṃ varcograhibhirvā payasā jāṅgalarasena vā bhojayet atisrutaśoṇitavidhānenopacaret jihvāmatisarpitāṃ kaṭukalavaṇacūrṇapraghṛṣṭāṃ tiladrākṣāpraliptāṃ vā'ntaḥ pīḍayet antaḥ praviṣṭāyāmamlamanye tasya purastāt khādayeyuḥ vyāvṛtte cākṣiṇī ghṛtābhyakte pīḍayet hanusaṃhanane vātaśleṣmaharaṃ nasyaṃ svedāṃśca vidadhyāt tṛṣṇādiṣu ca yathāsvaṃ pratikurvīta visaṃjñe veṇuvīṇāgītasvanaṃ śrāvayet

Wenn sich eben diese Überwirkung von *vamana* weiter verstärkt, spuckt oder erbricht der Patient Blut. Dabei treten als Begleiterscheinungen auf: Herausfallen der Zunge, Verdrehen oder Zurückweichen der Augen, Verkrampfung des Kiefers, Durst, Schluckauf, Fieber und Bewusstlosigkeit. Man gebe einem solchen Patienten ein Getränk (*mantha*) aus Ziegenblut, Sandelholz, Uśīra (Vetiver) und geröstetem Reispulver, mit Zuckerwasser vermischt, zu trinken; oder man speise ihn mit Fruchtsäften, mit Vāsā und Ghee, mit Honig und Zucker, oder mit den Trieben des Banyanbaums und verwandter Pflanzen, oder mit gekochtem, mit Honig versetztem Reisschleim, oder mit stuhlbindenden Mitteln, mit Milch oder mit Wildfleischbrühe. Bei übermäßigem Blutaustritt behandle man nach den Regeln für Blutungen. Ist die Zunge weit herausgetreten, so bestreiche man sie mit einem Pulver aus scharfen und salzigen Substanzen und drücke sie hinein, oder bestreiche sie mit Sesam und Weintrauben; ist sie hingegen zu weit hineingedrungen, so lasse man den Patienten zunächst etwas Saures vor sich kauen. Sind die Augen verdreht, so bestreiche man sie mit Ghee und drücke sie zurecht. Bei Kieferverkrampfung verabreiche man ein *vāta*- und *kapha*-linderndes *nasya* sowie Schwitzverfahren. Bei Durst und den übrigen Beschwerden behandle man je nach Bedarf. Ist der Patient bewusstlos, so lasse man ihn den Klang von Flöte und Vīṇā und Gesang hören.

virecanātiyoge ca sacandra kaṃ salilamadhaḥ sravati tato māṃsadhāvanaprakāśa-muttarakālaṃ jīvaśoṇitaṃ ca tato gudaniḥsaraṇaṃ vepathurvamanātiyogopadra vāścāsya bhavanti tamapi niḥsrutaśoṇitavidhānenopacaret niḥsarpitagudasya gudamabhyajya parisvedyāntaḥ pīḍayet kṣudra rogacikitsitaṃ vā vīkṣeta vepathau vātavyādhi-vidhānaṃ kurvīta jihvāniḥsaraṇādiṣūktaḥ pratīkāraḥ atipravṛtte vā jīvaśoṇite kāśmarīphalabadarīdūrvośīraiḥ śṛtena payasā ghṛtamaṇḍāñjanayuktena suśītenā-sthāpayet nyagrodhādikaṣāyekṣurasaghṛtaśoṇitasaṃsṛṣṭaiścainaṃ bastabhirupācaret śo-ṇitaṣṭhīvane raktapittaraktātīsārakriyāścāsya vidadhyāt nyagrodhādiṃ cāsya vidadhyāt pānabhojaneṣu

Bei einer Überwirkung von *virecana* geht zunächst mondscheinfarbenes Wasser nach unten ab, dann Flüssigkeit von der Farbe eines Fleischwaschwassers, und später *jīvaśoṇita* (Lebensblut). Danach kommt es zu Mastdarmvorfall, Zittern, sowie zu denselben Begleiterscheinungen wie bei der Überwirkung von *vamana*. Man behandle auch diesen Fall nach den Regeln für Blutungen. Bei vorgefallenem Mastdarm salbe man den After ein, dämpfe ihn und drücke ihn zurück; oder man ziehe die Behandlung der kleineren Erkrankungen (*kṣudraroga*) heran. Bei Zittern wende man das für *vāta*-Erkrankungen vorgeschriebene Verfahren an; die für das Herausfallen der Zunge und Ähnliches genannten Gegenmaßnahmen gelten entsprechend. Tritt jedoch *jīvaśoṇita* übermäßig aus, so verabreiche man ein Klistier mit Milch, gekocht mit Kāśmarī-Frucht, Badarī (Jujube), Dūrvā-Gras und Uśīra, versetzt mit Ghee-Rahm und Augensalbe, sehr kühl. Man behandle ihn auch mit Klistieren aus dem Absud von Nyagrodha (Banyan) und verwandten Pflanzen, Zuckerrohrsaft, Ghee und Blut vermischt. Bei Blutspucken verordne man die Behandlungsmaßnahmen für *raktapitta* (Blutungen) und blutigen Durchfall; man verordne ihm auch Nyagrodha und Verwandtes zu Trank und Speise.

jīvaśoṇitaraktapittayośca jijñāsārthaṃ tasmin picuṃ plotaṃ vā kṣipet yadyu-ṣṇodakaprakṣālitamapi vastraṃ rañjayati tajjīvaśoṇitamavagantavyaṃ sabhaktaṃ ca śune dadyācchaktusaṃmiśraṃ vā sa yadyupabhuñjīta tajjīvaśoṇitamavagantavyam anyathā raktapittamiti

Um zwischen *jīvaśoṇita* und *raktapitta* (Blut aus gestörtem *pitta*) zu unterscheiden, tauche man einen Wattebausch oder ein Tuch in das ausgetretene Blut. Färbt es das Tuch auch nach dem Waschen mit heißem Wasser noch, so ist es als *jīvaśoṇita* zu erkennen. Ebenso gebe man es, mit Speise oder mit geröstetem Getreidemehl vermischt, einem Hund; frisst dieser es, so ist es als *jīvaśoṇita* zu erkennen, andernfalls als *raktapitta*.

saśeṣānnena bahudoṣeṇa rūkṣeṇānilaprāyakoṣṭhenānuṣṇamasnigdhaṃ vā pītamauṣadhamādhmāpayati tatrānilamūtrapurīṣasaṅgaḥ samunnaddhodaratā pārśvabhaṅgo gudabastinistodanaṃ bhaktāruciśca bhavati taṃ cādhmānamityācakṣate tamupasvedyānāhavartidīpanabastikriyābhirupacaret

Bei einem Menschen, der noch unverdaute Speise im Körper hat, viele *doṣa* aufweist, trocken ist und einen von *vāta* beherrschten *koṣṭha* besitzt, verursacht ein nicht warm und nicht ölig getrunkenes Heilmittel *ādhmāna* (Blähungen). Dabei kommt es zum Zurückhalten von *vāta*, Urin und Kot, zu einer Auftreibung des Bauches, zu Schmerzen in der Flanke, zu stechenden Schmerzen in After und Blasenbereich sowie zu Appetitlosigkeit. Man behandle einen solchen Fall mit Schwitzverfahren, mit *ānāha*-Zäpfchen, verdauungsfördernden Mitteln und Klistieren.

kṣāmeṇātimṛdukoṣṭhena mandāgninā rūkṣeṇa vā'titīkṣṇoṣṇātilavaṇamatirūkṣaṃ vā pītamauṣadhaṃ pittānilau pradūṣya parikartikāmāpādayati tatra gudanābhimeḍhra-bastiśiraḥsu sadāhaṃ parikartanamanilasaṅgo vāyuviṣṭambho bhaktāruciśca bhavati tatra picchābastiryaṣṭīmadhukakṛṣṇatilakalkamadhughṛtayuktaḥ śītāmbupariṣiktaṃ cainaṃ payasā bhuktavantaṃ ghṛtamaṇḍena yaṣṭīmadhukasiddhena tailena vā'nuvāsayet

Bei einem Abgemagerten mit sehr weichem *koṣṭha* und schwachem Verdauungsfeuer, oder bei einem Trockenen, verursacht ein zu scharfes, zu heißes, zu salziges oder zu trockenes getrunkenes Heilmittel, indem es *pitta* und *vāta* verdirbt, *parikartikā* (Schneideschmerz). Dabei kommt es zu brennendem Schneideschmerz in After, Nabel, Glied, Blasenbereich und Kopf, zu einem Zurückhalten von *vāta*, zu einer Blockierung der Winde und zu Appetitlosigkeit. Man verabreiche einem solchen Patienten ein schleimiges Klistier mit einer Paste aus Süßholz und schwarzem Sesam, versetzt mit Honig und Ghee; man begieße ihn mit kaltem Wasser, lasse ihn Milch zu sich nehmen und verabreiche ihm anschließend ein Ölklistier mit Ghee-Rahm oder mit einem mit Süßholz gekochten Öl.

krūrakoṣṭhasyātiprabhūtadoṣasya mṛdvauṣadhamavacāritaṃ samutkliśya doṣānna niḥśe-ṣānapaharati tataste doṣāḥ parisrāvamāpādayanti tatra daurbalyodaraviṣṭambhāru-cigātrasadanāni bhavanti savedanau cāsya pittaśleṣmāṇau parisravataḥ taṃ pari-srāvamityācakṣate tamajakarṇadhavatiniśapalāśabalākaṣāyairmadhusaṃyuktairāsthāpayet upaśāntadoṣaṃ snigdhaṃ ca bhūyaḥ saṃśodhayet

Bei einem Menschen mit hartem *koṣṭha* und sehr reichlichen *doṣa* erregt ein zu mild angewendetes Heilmittel die *doṣa* zwar, führt sie aber nicht vollständig aus. Diese *doṣa* verursachen dann *parisrāva* (Ausfluss). Dabei kommt es zu Schwäche, Blähungen des Bauches, Appetitlosigkeit und Erschlaffung der Glieder, und *pitta* und *kapha* treten unter Schmerzen als Ausfluss aus; dies nennt man *parisrāva*. Man verabreiche einem solchen Patienten ein Klistier mit dem Absud von Ajakarṇa, Dhava, Haridrā (Kurkuma), Palāśa und Balā, mit Honig versetzt. Ist der *doṣa* zur Ruhe gekommen, so reinige man ihn, nachdem er erneut geölt wurde, von neuem.

atirūkṣe'tisnigdhe vā bheṣajamavacāritamaprāptaṃ vātavarca udīrayati vegāghā-tena vā tadā pravāhikā bhavati tatra savātaṃ sadāhaṃ saśūlaṃ guru picchilaṃ śvetaṃ kṛṣṇaṃ saraktaaṃ vā bhṛśaṃ pravāhamāṇaḥ kaphamupaviśati tāṃ parisrāvavidhānenopacaret

Bei einem übermäßig trockenen oder übermäßig öligen Menschen treibt ein unpassend angewendetes Heilmittel *vāta* und Kot vorzeitig hervor, oder es entsteht durch das Unterdrücken des Dranggefühls *pravāhikā* (Ruhr). Dabei presst der Patient unter Windabgang, Brennen und Schmerz heftig einen schweren, schleimigen, weißen, schwarzen oder blutigen *kapha*-Stuhl heraus. Man behandle dies nach den für *parisrāva* vorgeschriebenen Maßnahmen.

yastūrdhvamadho vā bheṣajavegaṃ pravṛttamajñatvādvinihanti tasyopasaraṇaṃ hṛdi kurvanti doṣāḥ tatra pradhānamarmasantāpādvedanābhiratyarthaṃ pīḍyamāno dantān kiṭakiṭā-yate udgatākṣo jihvāṃ khādati pratāmyatyacetāśca bhavati taṃ parivarjayanti mūrkhāḥ tamabhyajya dhānyasvedena svedayet yaṣṭimadhu kasiddhena ca tailenānuvāsayet śirovirecanaṃ cāsmai tīkṣṇaṃ vidadhyāt tato yaṣṭimadhukamiśreṇa taṇḍulāmbunā chardayet yathādoṣocchrāyeṇa cainaṃ bastibhirupācaret

Wer, sei es beim Streben nach oben oder nach unten, den Drang des Heilmittels aus Unkenntnis unterdrückt, bei dem versammeln sich die *doṣa* im Herzbereich. Dabei knirscht der Patient, von heftigen Schmerzen aufgrund der Erhitzung des wichtigsten vitalen Punktes übermäßig gequält, mit den Zähnen, seine Augen treten hervor, er beißt sich auf die Zunge, verfällt in Ohnmacht und wird bewusstlos – Unwissende geben einen solchen Patienten auf. Man salbe ihn ein, schwitze ihn mit Getreidedampf und verabreiche ihm ein Ölklistier mit einem Öl, das mit Süßholz gekocht wurde. Man wende bei ihm auch ein scharfes *śirovirecana* (kopfreinigendes Nasenmittel) an; danach lasse man ihn mit Süßholz vermischtem Reiswasser erbrechen, und je nach Ausmaß der *doṣa* behandle man ihn mit Klistieren.

yastūrdhvamadho vā pravṛttadoṣaḥ śītāgāramudakamanilamanyadvā seveta tasya doṣāḥ srotaḥsvavalīyamānā ghanībhāvamāpannā vātamūtraśakṛdgrahamāpādya vibadhyante tasyāṭopo dāho jvaro vedanāśca tīvrā bhavanti tamāśu vāmayitvā prāptakālāṃ kriyāṃ kurvīta adhobhāge tvadhobhāgadoṣaharadra vyaṃ saindhavāmlamūtrasaṃsṛṣṭaṃ vireca-nāya pāyayet āsthāpanamanuvāsanaṃ ca yathādoṣaṃ vidadhyāt yathādoṣamāhārakramaṃ ca ubhayatobhāge tūpadra vaviśeṣān yathāsvaṃ pratikurvīta

Wer, während bei ihm bereits der Ausleitungsvorgang nach oben oder nach unten in Gang ist, einen kühlen Raum, kaltes Wasser, Wind oder Ähnliches aufsucht, bei dem ziehen sich die *doṣa* in die Körperkanäle zurück, verdichten sich und führen zu einem Zurückhalten von *vāta*, Urin und Kot, wodurch es zur Verstopfung kommt. Dabei treten bei ihm Blähungsgeräusche im Bauch, Brennen, Fieber und heftige Schmerzen auf. Man lasse ihn rasch erbrechen und ergreife dann die dem Zeitpunkt entsprechenden Maßnahmen. Handelt es sich um den unteren Bereich, so gebe man ihm ein für die untere Körperhälfte *doṣa*-ausleitendes Mittel, mit Steinsalz und saurem Urin vermischt, zur Abführung; man verabreiche ihm auch je nach *doṣa* *āsthāpana*- und *anuvāsana*-Klistiere sowie eine dem *doṣa* entsprechende Diät. Bei Zwischenfällen, die beide Richtungen betreffen, behandle man die jeweiligen Beschwerden entsprechend.

yā tu virecane gudaparikartikā tadvamane kaṇṭhakṣaṇanaṃ yadadhaḥ parisravaṇaṃ sa ūrdhvabhāge śleṣmaprasekaḥ yā tvadhaḥ pravāhikā sā tūrdhvaṃ śuṣkodgārā iti

Was bei *virecana* als Schneideschmerz im After auftritt, entspricht bei *vamana* dem Wundgefühl im Rachen; was als *parisrāva* nach unten auftritt, entspricht im oberen Bereich dem Speichelfluss von *kapha*; und was als *pravāhikā* nach unten auftritt, entspricht im oberen Bereich trockenem Aufstoßen.

bhavati cātra yāstvetā vyāpadaḥ proktā daśa pañca ca tattvataḥ etā virekātiyogaduryogāyogajāḥ smṛtāḥ

Hierzu gilt: Diese fünfzehn genannten Zwischenfälle sind der Wahrheit nach als solche zu verstehen, die durch Überwirkung, Fehlwirkung oder Unterwirkung von *virecana* und *vamana* entstehen.

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