Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 40: dhūmanasyakavalagraha cikitsitaṃ Rauch-, Nasen- und Gurgeltherapie

Das Kapitel behandelt drei verwandte Verfahren zur Reinigung des oberhalb des Schlüsselbeins gelegenen Körperbereichs. Die Rauchtherapie (dhūma) wird fünffach unterteilt – gewöhnlich, ölend, abführend, hustenstillend und brechreizauslösend –, mit genauen Angaben zu Docht (varti), Rauchröhre (dhūmanetra), Anwendungszeitpunkten und Kontraindikationen etwa bei Schwangeren, Kindern oder grauem Star. Die nasya-Lehre unterscheidet fünf Formen der Nasenmedikation – das eigentliche nasya und śirovirecana (kopfreinigende Nasenmedikation) als Hauptformen, dazu pratimarśa (die tägliche leichte Ölung), avapīḍa (Nasenpressung) und pradhamana (Pulvereinblasung) – mit ausführlicher Beschreibung der Verabreichungstechnik, der Dosierung in Tropfen und der Zeichen richtiger, unzureichender und übermäßiger Wirkung. Beim kavalagraha (Mundspülung) werden vier nach doṣa unterschiedene Arten – ölend, klärend, reinigend, wundheilend – sowie das ergänzende pratisāraṇa (lokales Einreiben) vorgestellt. Alle drei Verfahren dienen der Behandlung von vāta- und kapha-bedingten Kopf-, Nasen- und Mundleiden und ergänzen die basti-zentrierten vorangehenden Kapitel um die obere Körperhälfte.

Dhūma, nasya und kavalagraha: ihre Unterarten (Vers 3, 21, 57–59)
VerfahrenUnterartKennzeichen / Indikation
Rauchtherapie (dhūma)prāyogikagewöhnlich; Docht ohne besonderen Zusatz
Rauchtherapiesnaihikaölend; mit Ölfruchtkern, Wachs, Sarjarasa, Guggulu – beruhigt vāta
Rauchtherapievairecanikaabführend; mit kopfreinigenden Substanzen – regt kapha an und zieht ihn aus
Rauchtherapiekāsaghnahustenstillend; mit Bṛhatī, Kaṇṭakārī, Scharfstoffen u. a.
Rauchtherapievāmanīyaerbrechenerregend; mit Sehne, Haut, Huf, Horn u. a.
nasyanasya i. e. S.Ölung; bei vāta-Kopf, Zahn-/Haar-/Bartausfall, Ohrenleiden
nasyaśirovirecanakopfreinigend; bei kapha in Gaumen, Kehle, Kopf, Schnupfen, Epilepsie
nasyapratimarśatägliche leichte Nasenölung, zu vierzehn festen Zeitpunkten
nasyaavapīḍaNasenpressung; bei Verschleimten, Schlangengebissenen, Bewusstlosen
nasyapradhamanaPulvereinblasung; bei Geistesstörung, Mikroorganismen, Gift
Mundspülung (kavalagraha)snehīölend; bei vāta, mit öligen, warmen Mitteln
Mundspülungprasādīklärend; bei pitta, mit süßen, kühlen Mitteln
Mundspülungśodhinreinigend; bei kapha, mit scharfen, sauren, salzigen, heißen Mitteln
Mundspülungropaṇawundheilend; bei Wunden, mit adstringierenden, bitteren, süßen Mitteln

athāto dhūmanasyakavalagrahacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung mit *dhūma* (der Rauchtherapie), *nasya* (der Nasenmedikation) und *kavalagraha* (dem Mundspülen bzw. Gurgeln) erklären.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So wie es der erhabene Dhanvantari lehrte:

dhūmaḥ pañcavidho bhavati tadyathāprāyogikaḥ snaihiko vairecanikaḥ kāsaghno vāmanīyaśceti

Die Rauchtherapie ist fünffach: die gewöhnliche (*prāyogika*), die ölende (*snaihika*), die abführende (*vairecanika*), die hustenstillende (*kāsaghna*) und die zum Erbrechen anregende (*vāmanīya*).

tatrailādinā kuṣṭhatagaravarjyena ślakṣṇapiṣṭena dvādaśāṅgulaṃ śarakāṇḍamaṅgulipa-riṇāhaṃ kṣaumeṇāṣṭāṅgulaṃ veṣṭayitvā lepayedeṣā vartiḥ prāyogike snehaphalasā-ramadhūcchiṣṭasarjarasagugguluprabhṛtibhiḥ snahemiśraiḥ snaihike śirovirecanadra vyairvai-recane bṛhatīkaṇṭakārikātri kaṭukāsamardahiṅgviṅgudītvaṅmanaḥśilācchinna-ruhākarkaṭa śṛṅgīprabhṛtibhiḥ kāsaharaiśca kāsaghne snāyucarmakhuraśṛṅgakarkaṭakāsthiśuṣkamatsyavallūrakṛmiprabhṛtibhirvāmanīyaiśca vāmanīye

Dabei nehme man ein Schilfrohr von zwölf Fingerbreiten Länge und einem Fingerbreit Umfang, umwickle es mit acht Fingerbreiten Leinenstoff und bestreiche es mit fein gemahlener Paste aus Elā und ähnlichen Drogen, jedoch ohne Kuṣṭha und Tagara — dies ist der *varti* (der Docht). Für die gewöhnliche Rauchtherapie nimmt man diese Mischung; für die ölende eine mit dem Kern der Ölfrucht, Bienenwachs, Sarjarasa-Harz, Guggulu und Ähnlichem, vermischt mit Öl; für die abführende mit kopfreinigenden Substanzen; für die hustenstillende mit Bṛhatī, Kaṇṭakārī, den drei Scharfstoffen, Samardaka, Hiṅgu, Iṅgudī, Zimtrinde, Manaḥśilā, Chinnaruhā, Karkaṭaśṛṅgī und ähnlichen hustenstillenden Mitteln; für die zum Erbrechen anregende mit Sehne, Haut, Huf, Horn, Krebs, Knochen, getrocknetem Fisch, gedörrtem Fleisch, Würmern und ähnlichen erbrechenerregenden Stoffen.

tatra bastinetradra vyairdhūmanetradra vyāṇi vyākhyātāni bhavanti dhūmanetraṃ tu kaniṣṭhi-kāpariṇāhamagre kalāyamātrasroto mūle'ṅguṣṭhapariṇāhaṃ dhūmavartipraveśasroto'ṅgu-lānyaṣṭacatvāriṃśat prāyogike dvātriṃśat snehane caturviṃśatirvairecane ṣoḍaśā-ṅgulaṃ kāsarnaghe vāmanīye ca ete'pi kolāsthimātracchidre bhavataḥ vraṇanetramaṣṭāṅgulaṃ vraṇadhūpanārthaṃ kalāyaparimaṇḍalaṃ kulatthavāhisrota iti

Die Materialien für das *dhūmanetra* (die Rauchröhre) sind bereits mit den Materialien für die Klistierröhre erklärt worden. Die Rauchröhre hat vorn den Umfang des kleinen Fingers mit einer Öffnung von der Größe einer Erbse, an der Basis den Umfang des Daumens; die Öffnung für das Einführen des Rauchdochts ist achtundvierzig Fingerbreiten lang bei der gewöhnlichen, zweiunddreißig bei der ölenden, vierundzwanzig bei der abführenden und sechzehn Fingerbreiten bei der hustenstillenden wie bei der zum Erbrechen anregenden Rauchtherapie; auch diese haben eine Öffnung von der Größe eines Kolā-Kerns. Die Wundröhre ist acht Fingerbreiten lang, zum Beräuchern der Wunde bestimmt, mit einer Öffnung von der Größe einer Erbse, wie die Röhre für die Kulattha-Abkochung.

atha sukhopaviṣṭaḥ sumanā ṛjvadhodṛṣṭiratandri taḥ snehāktadīptāgrāṃ vartiṃ netrasrotasi praṇidhāya dhūmaṃ pibet

Dann soll er, bequem sitzend, guten Mutes, mit geradem, nach unten gerichtetem Blick und ohne Trägheit, den mit Öl bestrichenen, an der Spitze entzündeten Docht in die Öffnung der Röhre einführen und den Rauch einziehen.

mukhena taṃ pibet pūrvaṃ nāsikābhyāṃ tataḥ pibet mukhapītaṃ mukhenaiva vamet pītaṃ ca nāsayā

Zuerst soll er ihn durch den Mund einziehen, dann durch beide Nasenlöcher; was durch den Mund eingezogen wurde, soll er auch durch den Mund wieder ausstoßen, was durch die Nase eingezogen wurde, durch die Nase.

mukhena dhūmamādāya nāsikābhyāṃ na nirharet tena hi pratilomena dṛṣṭistatra nihanyate

Hat er den Rauch durch den Mund aufgenommen, soll er ihn nicht durch die Nase ausstoßen; denn durch diesen entgegengesetzten Weg wird dabei das Augenlicht geschädigt.

viśeṣatastu prāyogikaṃ ghrāṇenādadīta snaihikaṃ mukhanā sābhyāṃ nāsikayā vairecanikaṃ mukhenaivetarau

Im Besonderen soll man die gewöhnliche Rauchtherapie durch die Nase einziehen, die ölende durch Mund und Nase zugleich, die abführende durch die Nase, die beiden übrigen nur durch den Mund.

tatra prāyogike vartiṃ vyapagataśarakāṇḍāṃ nivātātapaśuṣkāmaṅgāreṣvavadīpya netramūlasrotasi prayujya dhūmamāhareti brūyāt evaṃ snehanaṃ vairecanikaṃ ca kuryā-diti itarayorvyapetadhūmāṅgaro sthire samāhite śarāve prakṣipya vartiṃ mūlacchi-dre ṇānyena śarāveṇa pidhāya tasmin chidre netramūlaṃ saṃyojyadhūmamāseveta praśānte dhūme vartimavaśiṣṭāṃ prakṣipya punarapi dhūmaṃ pāyayedādoṣaviśuddheḥ eṣa dhūmapānopāyavidhiḥ

Bei der gewöhnlichen Rauchtherapie soll man den vom Schilfrohr befreiten, an windstillem, sonnigem Ort getrockneten Docht an glühenden Kohlen entzünden, ihn in die Öffnung an der Basis der Röhre einführen und dem Patienten sagen: 'Ziehe den Rauch ein!' — ebenso soll man bei der ölenden und der abführenden verfahren. Bei den beiden übrigen Arten lege man, nachdem Rauch und Glut vergangen sind, den Docht in eine feststehende, ruhig aufgestellte Schale, verschließe die Öffnung an der Basis mit einer anderen Schale, verbinde in dieser Öffnung die Basis der Röhre und ziehe so den Rauch ein; ist der Rauch erloschen, lege man den übrig gebliebenen Docht wieder hinein und lasse den Rauch erneut einziehen, bis die *doṣa* (Körpersäfte) vollständig ausgeschieden sind. Dies ist das Verfahren des Raucheinziehens.

tatraśokaśramabhayāmarṣauṣṇyaviṣaraktapittamadamūrcchādāhapipāsāpāṇḍurogatālu-śoṣacchardiśiro'bhighātodgārāpatarpitatimirapramehodarādhmānordhvavātārtā bāla-vṛddhadurbalaviriktāsthāpitajāgaritagarbhiṇīrūkṣakṣīṇakṣatoraska madhu ghṛtadadhidugdhamatsyamadyayavāgūpītālpakaphāśca na dhūmamāseveran

Diejenigen, die von Kummer, Erschöpfung, Furcht, Zorn, Hitze, Gift, *pitta*-bedingten Blutungen, Rausch, Ohnmacht, Brennen, Durst, Blutarmut, Gaumentrockenheit, Erbrechen, einem Schlag auf den Kopf, Aufstoßen, Unterernährung, grauem Star, Zuckerkrankheit, Bauchwassersucht, Blähung oder aufsteigendem *vāta* (dem Wind) geplagt sind; ebenso Kinder, Greise, Schwache, Abgeführte, mit *basti* Behandelte, solche, die die ganze Nacht wachgeblieben sind, Schwangere, Ausgetrocknete, Abgemagerte, an der Brust Verwundete sowie jene, die Honig, Ghee, Dickmilch, Milch, Fisch, Alkohol oder Reisschleim zu sich genommen haben oder nur wenig *kapha* (Schleim) haben — sie alle sollen keine Rauchtherapie anwenden.

akālapītaḥ kurute bhramaṃ mūrcchāṃ śirorujam ghrāṇaśrotrākṣijihvānāmupaghātaṃ ca dāruṇam

Zur Unzeit eingezogen, verursacht der Rauch Schwindel, Ohnmacht, Kopfschmerz und eine schwere Schädigung von Nase, Ohren, Augen und Zunge.

ādyāstu trayo dhūmā dvādaśasu kāleṣūpādeyāḥ tadyathākṣutadantaprakṣālananasya-snānabhojanadivāsvapnamaithunacchardimūtroccārahasitaruṣitaśastrakarmānteṣviti tatra vibhāgomūtroccārakṣavathuhasitaruṣitamaithunānteṣu snaihikaḥ snānacchardanadivāsva-pnānteṣu vairecanikaḥ dantaprakṣālanasya snānabhojanaśastrakarmānteṣu prāyogika iti

Die ersten drei Rauchtherapien sollen zu zwölf Zeitpunkten angewendet werden, nämlich: nach dem Niesen, nach dem Zähneputzen, nach der Nasenmedikation, nach dem Bad, nach dem Essen, nach dem Schlaf am Tage, nach dem Geschlechtsverkehr, nach dem Erbrechen, nach dem Wasserlassen, nach dem Stuhlgang, nach dem Lachen und Zorn sowie nach chirurgischen Eingriffen. Dabei gilt folgende Einteilung: nach Wasserlassen, Stuhlgang, Niesen, Lachen, Zorn und Geschlechtsverkehr die ölende; nach Bad, Erbrechen und Schlaf am Tage die abführende; nach Zähneputzen, Nasenmedikation, Bad, Essen und chirurgischem Eingriff die gewöhnliche.

tatra snaihiko vātaṃ śamayati snehādupalepācca vairecanaḥ śleṣmāṇamutkleśyāpa-karṣati raukṣyāttaikṣṇyādauṣṇyādvaiśadyācca prāyogikaḥ śleṣmāṇamutkleśayatyutkliṣṭaṃ cāpakarṣati śamayati vātaṃ sādhāraṇatvāta pūrvābhyāmiti

Dabei beruhigt die ölende Rauchtherapie durch ihre Öligkeit und ihre schmierende Wirkung den *vāta*; die abführende regt den *kapha* an und zieht ihn heraus, durch Trockenheit, Schärfe, Hitze und Klärung; die gewöhnliche regt den *kapha* an, zieht den angeregten heraus und beruhigt zugleich den *vāta*, da sie beiden vorigen Wirkungen gemeinsam ist.

bhavati cātra naro dhūmopayogācca prasannendri yavāṅmanāḥ dṛḍhakeśadvijaśmaśruḥ sugandhiviśadānanaḥ

Durch den Gebrauch der Rauchtherapie werden bei einem Menschen Sinne, Sprache und Geist klar, Haar, Zähne und Bart fest, und das Gesicht wird wohlriechend und rein.

tathā kāsaśvāsārocakāsyopalepasvarabhedamukhāsrāvakṣavathuvamathu krathatandrā -nidrā hanumanyāstambhāḥ pīnasaśirorogakarṇākṣiśūlā vātakaphanimittāścāsya mukharogā na bhavanti

Ebenso treten bei ihm keine von *vāta* und *kapha* verursachten Mundkrankheiten mehr auf: Husten, Atemnot, Appetitlosigkeit, Belag im Mund, heisere Stimme, Speichelfluss, Niesreiz, Brechreiz, Rasseln, Schläfrigkeit und übermäßiger Schlaf, Verspannung von Kiefer und Nacken, Schnupfen, Kopfkrankheiten sowie Ohren- und Augenschmerzen.

tasya yogāyogātiyogā vijñātavyāḥ tatra yogo rogapraśamanaḥ ayogo rogā-praśamanaḥtālugalaśoṣaparidāhapipāsāmūrcchābhramamadakarṇakṣveḍadṛṣṭināsārogadau rbalyānyatiyogo janayati

Bei ihr müssen richtige Anwendung (*yoga*), unzureichende Anwendung (*ayoga*) und übermäßige Anwendung (*atiyoga*) unterschieden werden: Die richtige Anwendung stillt die Krankheit, die unzureichende stillt sie nicht; die übermäßige Anwendung erzeugt Trockenheit von Gaumen und Kehle, Brennen, Durst, Ohnmacht, Schwindel, Rauschgefühl, Ohrensausen sowie Schwächung von Sehkraft und Nase.

prāyogikaṃ trīṃstrīnucchvāsānādadīta mukhanāsikābhyāṃ ca paryāyāṃstrīṃścaturo veti snaihikaṃ yāvadaśrupravṛttiḥ vairecanikamādoṣadarśanāt tilataṇḍulayavāgūpītena pātavyo vāmanīyaḥ grāsāntareṣu kāsaghna iti

Die gewöhnliche Rauchtherapie soll man je drei Atemzüge durch Mund und Nase einziehen, in drei oder vier Durchgängen; die ölende, bis Tränen fließen; die abführende, bis sich ausgeschiedene *doṣa* zeigen; die zum Erbrechen anregende soll getrunken werden, nachdem man Reisschleim aus Sesam und Reis genossen hat; die hustenstillende zwischen den einzelnen Bissen einer Mahlzeit.

vraṇadhūmaṃ śarāvasaṃpuṭopanītena netreṇa vraṇamānayet dhūmapānādvedanopaśamo vraṇavaiśadyamāsrāvopaśamaśca bhavati

Den Wundrauch soll man mittels der durch zwei zusammengefügte Schalen geführten Röhre an die Wunde heranführen; durch das Einziehen des Rauches kommt es zur Linderung des Schmerzes, zur Reinigung der Wunde und zum Nachlassen des Ausflusses.

vidhireṣa samāsena dhūmasyābhihito mayā nasyasyātaḥ pravakṣyāmi vidhiṃ niravaśeṣataḥ

Dies ist, in Kürze zusammengefasst, das von mir dargelegte Verfahren der Rauchtherapie. Nun will ich das Verfahren des *nasya* vollständig darlegen.

auṣadhamauṣadhasiddho vā sneho nāsikābhyāṃ dīyata iti nasyam taddvividhaṃ śirovirecanaṃ snehanaṃ ca tadidvavavidhamapi pañcadhā tadyathānasyaṃ śirovirecanaṃ pratimarśo avapīḍaḥ pradhamanaṃ ca teṣu nasyaṃ pradhānaṃ śirovirecanaṃ ca nasyavi-kalpaḥ pratimarśaḥ śirovirecanavikalpo'vapīḍaḥ pradhamanaṃ ca tato nasyaśabdaḥ pañcadhā niyamitaḥ

Wenn ein Heilmittel oder ein mit einem Heilmittel angereicherter *sneha* (eine ölige Substanz) durch die beiden Nasenlöcher gegeben wird, heißt dies *nasya*. Es ist zweifach: *śirovirecana* (die kopfreinigende Nasenmedikation) und *snehana* (die Ölung); und dieses Zweifache ist wiederum fünffach, nämlich: das eigentliche *nasya*, das *śirovirecana*, der *pratimarśa* (die leichte tägliche Nasenölung), der *avapīḍa* (die Nasenpressung) und das *pradhamana* (das Einblasen von Pulver in die Nase). Von diesen sind *nasya* und *śirovirecana* die Hauptformen; der *pratimarśa* ist eine Variante des *nasya*, *avapīḍa* und *pradhamana* sind Varianten des *śirovirecana*. So wird das Wort *nasya* fünffach unterteilt.

tatra yaḥ snehanārthaṃ śūnyaśirasāṃ grīvāskandhorasāṃ ca balajananārthaṃ dṛṣṭiprasāda-jananārthaṃ vā sneho vidhīyate tasmin vaiśeṣiko nasyaśabdaḥ tattu deyaṃ vātā-bhibhūte śirasi dantakeśaśmaśruprapātadāruṇa karṇaśūla karṇakṣaveḍatimirasvaropa-ghātanāsā rogāsyaśoṣāva bāhukākāla jabalīpalitaprādurbhāvadāruṇaprabodheṣuvātapaittikeṣu mukharogeṣvanyeṣu ca vātapittaharadra vyasiddhena sneheneti

Wird ein Öl zur Ölung bei Menschen mit geschwächtem Kopf, zur Kräftigung von Nacken, Schultern und Brust oder zur Klärung der Sehkraft verabreicht, so wird dafür im engeren Sinne das Wort *nasya* verwendet. Dieses soll gegeben werden bei einem von *vāta* befallenen Kopf, bei heftigem Ausfallen von Zähnen, Haaren und Bart, bei Ohrenschmerz, Ohrensausen, grauem Star, Stimmschädigung, Nasenkrankheiten, Mundtrockenheit, Lähmung des Arms, vorzeitigem Ergrauen und Auftreten grauer Haare, bei quälender Schlaflosigkeit sowie bei anderen von *vāta* und *pitta* (der Galle) verursachten Krankheiten des Mundes — jeweils mit einem Öl, das mit *vāta*- und *pitta*-lindernden Substanzen zubereitet ist.

śirovirecanaṃśleṣmaṇā'bhivyāptatālukaṇṭhaśirasāmarocakaśirogauravaśūlapī-nasārdhāvabhedakakṛmipratiśyāyāpasmāragandhājñāneṣvanyeṣucordhvajatrugateṣu kaphajeṣu vikāreṣu śirovirecanadra vyaistatsiddhena vā sneheneti

Das *śirovirecana* wird angewendet bei Menschen, deren Gaumen, Kehle und Kopf von *kapha* durchdrungen sind, bei Appetitlosigkeit, Kopfschwere, Kopfschmerz, Schnupfen, halbseitigem Kopfschmerz, pathogenen Mikroorganismen, chronischem Schnupfen, Epilepsie, Geruchsverlust sowie bei anderen oberhalb des Schlüsselbeins auftretenden, von *kapha* verursachten Krankheiten — mit kopfreinigenden Substanzen oder mit einem daraus bereiteten Öl.

tatraitaddvividhamapyabhuktavato'nnakāle pūrvāhṇe śleṣmarogiṇāṃ madhyāhne pittarogiṇāṃ aparāhṇe vātarogiṇām

Diese beiden Arten sollen jeweils beim Ungegessenen, zur gewohnten Essenszeit, angewendet werden: am Vormittag bei *kapha*-Kranken, am Mittag bei *pitta*-Kranken, am Nachmittag bei *vāta*-Kranken.

atha puruṣāya śirovirecanīyāya tyaktamūtrapurīṣāya bhuktavate vyabhre kāle danta-kāṣṭhadhūmapānābhyāṃ viśuddhavaktrasrotase pāṇitāpaparisvinna mṛditagalakapola-lalāṭapradeśāya vātātaparajohīne veśmanyuttānaśāyine prasāritakara caraṇāya kiñcit pravilambitaśirase vastrācchāditanetrāya vāmahastapradeśinyagronnāmi-tanāsāgrāya viśuddhasrotasi dakṣiṇahastena snehamuṣṇāmbunā prataptaṃrajatasuvarṇa-tāmramaṇimṛtpātraśuktīnāmanyatamasthaṃ śuktyā picunā vā sukhoṣṇaṃ snehamadrutamāsiñcedavyavacchinnadhāraṃ yathā netre na prāpnaoti

Sodann soll man bei einem Mann, der für die kopfreinigende Nasenmedikation bestimmt ist, der Harn und Stuhl entleert und gegessen hat, an einem wolkenlosen Tag, dessen Mundwege durch Zähneputzen und Raucheinziehen gereinigt sind, dessen Hals-, Wangen- und Stirnbereich durch erwärmte Hände geschwitzt und massiert wurde, der frei von Wind, Sonne und Staub in einem Gebäude auf dem Rücken liegt, mit ausgestreckten Händen und Füßen, mit leicht nach hinten geneigtem Kopf, mit einem Tuch bedeckten Augen und mit dem Zeigefinger der linken Hand leicht angehobener Nasenspitze — bei gereinigten Nasenwegen mit der rechten Hand ein Öl, das in warmem Wasser erwärmt wurde und sich in einem Gefäß aus Silber, Gold, Kupfer, Edelstein oder Ton oder in einer Muschelschale befindet, mit der Muschelschale oder mit einem Wattebausch angenehm warm und nicht zu rasch fließend in ununterbrochenem Strahl eingießen, so dass es nicht in die Augen gelangt.

snehe'vasicyamāne tu śiro naiva prakampayet na kupyenna prabhāṣecca na kṣuyānna hasettathā

Während das Öl eingegossen wird, soll er den Kopf nicht bewegen, nicht in Zorn geraten, nicht sprechen, nicht niesen und auch nicht lachen.

etairhi vihataḥ sneho na samyak pratipadyate tataḥ kāsapratiśyāyaśiro'kṣigadasaṃbhavaḥ

Denn durch diese Handlungen wird das Öl gestört und gelangt nicht richtig an seinen Bestimmungsort; daraus entstehen Husten, Schnupfen sowie Kopf- und Augenleiden.

tasya pramāṇamaṣṭau bindavaḥ pradeśinīparvadvayaniḥsṛtāḥ prathamā mātrā dvitīyā śuktiḥ tṛtīyāpāṇiśuktiḥ ityetāstisro mātrā yathābalaṃ prayojyāḥ

Das Maß dafür beträgt acht Tropfen, wie sie aus zwei Fingergliedern des Zeigefingers ausfließen; dies ist das erste Maß. Das zweite ist eine Muschelschale voll, das dritte eine hohle Hand voll. Diese drei Maße sind je nach Kraft des Patienten anzuwenden.

snehanasyaṃ nopagiletkathaṃcidapi buddhimān śṛṅgāṭakamabhiplāvya nireti vadanādyathā kaphotkleśabhayāccainaṃ niṣṭhīvedanidhārayan

Das ölige Nasenmittel soll der Kluge auf keinen Fall hinunterschlucken; er soll es so aufnehmen, dass es, nachdem es die Kreuzung der Kanäle im Rachen durchflossen hat, durch den Mund wieder austritt; aus Furcht vor einer Erregung des *kapha* soll er es ausspucken, ohne es zurückzuhalten.

datte ca punarapi saṃsvedya galakapolādīn dhūmamāseveta bhojayeccainamabhiṣyandi tato'syācārikamādiśeta rajodhūmasnehātapamadyadra vapānaśiraḥ snānātiyānakrodhādīni ca pariharet

Ist es verabreicht, soll man Hals, Wangen und die übrigen Bereiche erneut erwärmen, den Patienten Rauch einziehen lassen und ihm dann schleimbildende Nahrung geben; danach soll man ihm die übliche Verhaltensregel vorgeben und ihn Staub, Rauch, Öl, Sonnenhitze, Alkohol, übermäßiges Flüssigkeitstrinken, Kopfbad, weite Reisen, Zorn und Ähnliches meiden lassen.

tasya yogātiyogāyogānāmidaṃ vijñānaṃ bhavati

Für sie gilt folgende Erkenntnis von richtiger, übermäßiger und unzureichender Anwendung:

lāghavaṃ śiraso yoge sukhasvapnaprabodhanam vikāropaśamaḥ śuddhirindri yāṇāṃ manaḥsukham

Bei richtiger Anwendung zeigen sich Leichtigkeit des Kopfes, angenehmer Schlaf und Erwachen, Nachlassen der Beschwerden, Klarheit der Sinne und Wohlbefinden des Geistes.

kaphaprasekaḥ śiraso gurutendri yavibhramaḥ lakṣaṇaṃ mūÞryatisnigdhe rūkṣaṃ tatrāvacārayet

Speichelfluss von *kapha*, Schwere des Kopfes und Verwirrung der Sinne — dies sind die Zeichen zu starker Ölung; in diesem Fall soll man ein trocknendes Mittel anwenden.

ayoge vātavaiguṇyamindri yāṇāṃ ca rūkṣatā rogāśāntiśca tatreṣṭaṃ bhūyo nasyaṃ prayojayet

Bei unzureichender Anwendung zeigen sich Störung des *vāta*, Trockenheit der Sinne und Ausbleiben der Heilung; in diesem Fall soll man die Nasenmedikation erneut wie gewünscht anwenden.

catvāro bindavaḥ ṣaḍ vā tathā'ṣṭau vā yathābalam śirovirekasnehasya pramāṇamabhinirdiśet

Vier Tropfen, sechs oder auch acht — je nach Kraft des Patienten soll man das Maß des Öls für das *śirovirecana* festlegen.

nasye trīṇyupadiṣṭāni lakṣaṇāni prayogataḥ śuddhahīnātisaṃjñāni viśeṣācchāstracintakaiḥ

Für die Nasenmedikation werden von den Kennern der Lehrtexte im Einzelnen drei Zeichen je nach Anwendung gelehrt, benannt als 'gereinigt' (*śuddhi*), 'unzureichend' (*hīna*) und 'übermäßig' (*ati*).

lāghavaṃ śirasaḥ śuddhiḥ srotasāṃ vyādhinirjayaḥ cittendri yaprasādaśca śirasaḥ śuddhilakṣaṇam

Leichtigkeit des Kopfes, Reinheit der Kanäle, Überwindung der Krankheit sowie Klarheit von Geist und Sinnen — das sind die Zeichen der vollständigen Reinigung des Kopfes.

kaṇḍūpadehau gurutā srotasāṃ kaphasaṃsravaḥ mūrdhni hīnaviśuddhe tu lakṣaṇaṃ parikīrtitam

Jucken, ein Belaggefühl, Schwere der Kanäle und Ausfluss von *kapha* — dies gilt als das Zeichen bei unzureichender Reinigung des Kopfes.

mastuluṅgāgamo vātavṛddhirindri yāṇāṃ ca rūkṣatā śūnyatā śirasaścāpi mūrdhni gāḍhavirecite

Bei zu starker Reinigung des Kopfes zeigen sich Austritt von Hirnflüssigkeit, Vermehrung des *vāta*, Trockenheit der Sinne sowie ein Leeregefühl im Kopf.

hīnātiśuddhe śirasi kaphavātaghnamācaret samyagviśuddhe śirasi sarpirnasyaṃ niṣecayet

Ist der Kopf unzureichend oder übermäßig gereinigt, soll man ein *kapha*- und *vāta*-linderndes Mittel anwenden; ist der Kopf richtig gereinigt, soll man Ghee als Nasenmittel eingießen.

ekāntaraṃ dvayantaraṃ vā saptāhaṃ vā punaḥ punaḥ ekaviṃśatirātraṃ vā yāvadvā sādhu manyate

Jeden zweiten Tag, jeden dritten Tag, eine Woche lang, immer wieder, oder auch einundzwanzig Nächte lang, oder so lange, wie man es für richtig hält.

mārutenābhibhūtasya vā'tyantaṃ yasya dehinaḥ dvikālaṃ cāpi dātavyaṃ nasyaṃ tasya vijānatā

Bei einem Menschen, der äußerst stark von *vāta* befallen ist, soll die Nasenmedikation, wie der Kundige weiß, sogar zweimal täglich gegeben werden.

avapīḍastu śirovirecanavadabhiṣyaṇṇasarpadaṣṭavisaṃjñebhyo dadyācchiro vire ca-nadra vyāṇāmanyatamamavapiṣyāvapīḍya ca śarkarekṣurasakṣīraghṛtamāṃsarasānā manyatamaṃ kṣīṇānāṃ śoṇitapitte ca vidadhyāt

Der *avapīḍa* soll, ebenso wie das *śirovirecana*, bei Verschleimten, Schlangengebissenen und Bewusstlosen angewendet werden, indem man eine der kopfreinigenden Substanzen zerstampft und einpresst; bei Abgemagerten und bei *śoṇitapitta* (einer *pitta*-bedingten Blutungserkrankung) soll man hingegen eines von Zucker, Zuckerrohrsaft, Milch, Ghee oder Fleischsaft verabreichen.

kṛśadurbalabhīrūṇāṃ sukumārasya yoṣitām śṛtāḥ snehāḥ śiraḥśuddhyai kalkastebhyo yathāhitaḥ

Bei Abgemagerten, Schwachen, Ängstlichen, bei einem Zartbesaiteten und bei Frauen wende man gekochte Öle zur Reinigung des Kopfes an; die *kalka* (Kräuterpaste) dazu ist zu wählen, wie es jeweils zuträglich ist.

cetovikārakṛmiviṣābhipannānāṃ cūrṇaṃ pradhamet

Bei denen, die von Geistesstörung, pathogenen Mikroorganismen oder Gift befallen sind, soll man Pulver einblasen (*pradhamana*).

nasyena parihartavyo bhuktavānapatarpito'tyarthataruṇapratiśyāyī garbhiṇīpītasneho-dakamadyadra vo'jīrṇīdattabastiḥ kuddho garārtastṛṣitaḥ śokābhibhūtaḥ śrānto bā-lo vṛddho vegāvarodhitaḥ śiraḥsnātukāmaścaeti anārtave cābhre nasyadhūmau pariharet

Von der Nasenmedikation soll man Abstand nehmen bei: einem, der gegessen hat, einem Unterernährten, einem mit ganz frischem Schnupfen, einer Schwangeren, einem, der Öl, Wasser, Alkohol oder andere Flüssigkeiten getrunken hat, einem mit unverdauter Nahrung, einem, der ein *basti* erhalten hat, einem Zornigen, einem von Gift Betroffenen, einem Durstigen, einem von Kummer Überwältigten, einem Erschöpften, einem Kind, einem Greis, einem, der natürliche Bedürfnisse unterdrückt hat, sowie einem, der ein Kopfbad wünscht. Außerhalb der rechten Jahreszeit und bei bewölktem Himmel soll man Nasenmedikation wie Rauchtherapie meiden.

tatra hīnātimātrātiśītoṣṇasahasāpradānādatipravilambitaśirasa ucchiṅghato vicalato'bhyavaharato vā pratiṣiddhapradānācca vyāpado bhavanti tṛṣṇodgārādayo doṣanimittāḥ kṣayajāśca

Durch zu geringe oder zu große Gabe, durch zu kalte, zu heiße oder zu plötzliche Gabe, bei zu lange zurückgeneigtem Kopf, beim Schnauben, bei Bewegung oder beim Essen während der Anwendung, sowie durch verbotene Gabe entstehen Übel wie Durst, Aufstoßen und Ähnliches, die entweder von den *doṣa* oder von Erschöpfung des Gewebes herrühren.

bhavataścātra nasye śirovireke ca vyāpado dvividhāḥ smṛtāḥ doṣotkleśāt kṣayāccaiva vijñeyāstā yathākramam

Bei der Nasenmedikation und beim *śirovirecana* gelten die Übel als zweifach: Sie sind der Reihe nach zu erkennen als von der Erregung der *doṣa* oder von Erschöpfung des Gewebes herrührend.

doṣokleśanimittāstu jayecchamanaśodhanaiḥ atha kṣayanimittāsu yathāsvaṃ bṛṃhaṇaṃ hitam

Die durch Erregung der *doṣa* verursachten soll man mit besänftigenden und reinigenden Mitteln überwinden; bei den durch Erschöpfung verursachten ist eine dem jeweiligen Fall entsprechende *bṛṃhaṇa* (Kräftigungstherapie) zuträglich.

pratimarśaścaturdaśasu kāleṣūpādeyaḥ tadyathātalpotthitena prakṣālitadantena mūtroccārakavalāñjanānte bhuktavatā charditavatā divāsvapnotthitena sāyaṃ ceti

Der *pratimarśa* soll zu vierzehn Zeitpunkten angewendet werden, nämlich: nach dem Aufstehen vom Lager, nach dem Zähneputzen, nach Wasserlassen, nach Stuhlgang, nach dem Mundspülen, nach dem Anlegen der Augensalbe, nach dem Essen, nach dem Erbrechen, nach dem Aufstehen vom Tagesschlaf und abends.

tatra talpotthitenāsevitaḥ pratimarśo rātrāvupacitaṃ nāsāsrotogataṃ malamupaha-nti manaḥprasādaṃ ca karoti prakṣālitadantenāsevito dantānāṃ dṛḍhatāṃ vadanasau-gandhyaṃ cāpādayati gṛhānnirgacchatā sevito nāsāsrotasaḥ klichnanatayā ra-jodhūmo vā na bādhate vyāyāmamaithunādhvapariśrāntenāsevitaḥ śramamupahanti mū-troccārānte sevito dṛṣṭergurutvamapanayati kavalāñjanānte sevito dṛṣṭiṃ prasāda-yati bhuktavatā sevitaḥ srotasāṃ viśuddhiṃ laghutāṃ cāpādayati vāntenāsevitaḥ sratovilagnaṃ śleṣmāṇamapohya bhaktākāṅkṣāmāpādayati divāsvapnotthitenāse-vito nidrā śeṣaṃ gurutvaṃ malaṃ cāpohya cittaikāgryaṃjanayati sāyaṃ cāsevitaḥ sukhanidrā prabodhaṃ ceti

Wird der *pratimarśa* nach dem Aufstehen vom Lager angewendet, beseitigt er den während der Nacht in den Nasenwegen angesammelten Schmutz und schafft Klarheit des Geistes. Nach dem Zähneputzen angewendet, verleiht er den Zähnen Festigkeit und dem Mund Wohlgeruch. Beim Verlassen des Hauses angewendet, schadet, da die Nasenwege dadurch befeuchtet sind, weder Staub noch Rauch. Nach Anstrengung durch Sport, Geschlechtsverkehr oder Wandern angewendet, beseitigt er die Erschöpfung. Nach Wasserlassen und Stuhlgang angewendet, nimmt er die Schwere von der Sehkraft. Nach Mundspülung und Augensalbe angewendet, klärt er die Sehkraft. Nach dem Essen angewendet, bewirkt er Reinheit und Leichtigkeit der Kanäle. Nach dem Erbrechen angewendet, vertreibt er den in den Kanälen haftengebliebenen *kapha* und weckt den Appetit. Nach dem Aufstehen vom Tagesschlaf angewendet, vertreibt er die vom Schlaf übriggebliebene Schwere und den Schmutz und erzeugt Konzentration des Geistes. Und abends angewendet, schenkt er angenehmen Schlaf und leichtes Erwachen.

īṣaducchiṅghataḥ sneho yāvadvaktraṃ prapadyate nasye niṣiktaṃ taṃ vidyāt pratimarśaṃ pramāṇataḥ

Das Maß, bei dem das bei leichtem Hochziehen durch die Nase eingegossene Öl gerade bis zum Mund gelangt, soll man als das rechte Maß des *pratimarśa* erkennen.

nasyena rogāḥ śāmyanti narāṇāmūrdhvajatrujāḥ indri yāṇāṃ ca vaimalyaṃ kuryādāsyaṃ sugandhi ca

Durch die Nasenmedikation werden bei den Menschen die oberhalb des Schlüsselbeins entstehenden Krankheiten gestillt; sie bewirkt Reinheit der Sinne und macht den Mund wohlriechend.

hanudantaśirogrīvātrikabāhūrasāṃ balam valīpalitakhālityavyaṅgānāṃ cāpyasaṃbhavam

Sie verleiht Kraft von Kiefer, Zähnen, Kopf, Nacken, Schulterblättern, Armen und Brust und verhindert das Entstehen von Falten, grauem Haar, Kahlheit und Flecken im Gesicht.

tailaṃ kaphe savāte syāt kevale pavane vasām dadyātsarpiḥ sadā pitte majjānaṃ ca samārute

Bei *kapha* zusammen mit *vāta* soll man Öl verwenden, bei *vāta* allein Fett, bei *pitta* stets Ghee geben, und bei einer mit *vāta* verbundenen Störung auch Knochenmark.

caturvidhasya snehasya vidhirevaṃ prakīrtitaḥ śleṣmasthānāvirodhitvātteṣu tailaṃ vidhīyate

So wird die Regel für die vier Arten öliger Substanzen dargelegt; da Öl den Sitzen des *kapha* nicht zuwiderläuft, wird es bei diesen meist vorgeschrieben.

ataḥ paraṃ pravakṣyāmi kavalagrahaṇe vidhim caturdhā kavalaḥ snehī prasādī śodhiropaṇau

Nun will ich weiter das Verfahren des *kavalagraha* darlegen. Die Mundspülung ist vierfach: ölend (*snehī*), klärend (*prasādī*), reinigend (*śodhin*) und wundheilend (*ropaṇa*).

snigdhoṣṇaiḥ snaihiko vāte svāduśītaiḥ prasādanaḥ pitte kaṭvamlalavaṇai rūkṣoṣṇaiḥ śodhanaḥ kaphe

Bei *vāta* wende man die ölende Spülung mit öligen, warmen Mitteln an; bei *pitta* die klärende mit süßen, kühlen Mitteln; bei *kapha* die reinigende mit scharfen, sauren, salzigen, trockenen und heißen Mitteln.

kaṣāyatiktamadhuraiḥ kaṭūṣṇai ropaṇo vraṇe caturvidhasya caivāsya viśeṣo'ya prakīrtitaḥ

Bei einer Wunde wende man die wundheilende Spülung mit adstringierenden, bitteren, süßen, scharfen und heißen Mitteln an. Dies ist die dargelegte Besonderheit dieser vier Arten.

tatra trikaṭukavacāsarṣapaharītakīkalkamāloḍya tailaśuktasurāmūtrakṣāramadhūnā-manyatamena salavaṇamabhiprataptamupasvinnamṛditagalakapolalalāṭapradeśo dhārayet

Dabei soll man eine *kalka* aus den drei Scharfstoffen, Vacā, Senfkörnern und Harītakī anrühren, mit einem von Öl, Essig, Branntwein, Urin, Alkali oder Honig vermischen, salzen, gut erhitzen und, während Hals, Wangen und Stirn erwärmt und massiert sind, im Mund halten.

sukhaṃ saṃcāryate yā tu mātrā sā kavalaḥ smṛtaḥ asaṃcāryā tu yā mātrā gaṇḍūṣaḥ sa prakīrtitaḥ

Die Menge, die man mühelos im Mund bewegen kann, wird als *kavala* (die eigentliche Mundspülung) bezeichnet; die Menge, die man nicht bewegen und nur haltend im Mund behalten kann, wird als *gaṇḍūṣa* (die gehaltene Mundspülung) bezeichnet.

tāvacca dhārayitavyo'nanyamanasonnatadehena yāvaddoṣaparipūrṇakapolatvaṃ nāsāsrotonayanapariplāvaścabhavati tadā vimoktavyaḥ punaścānyo grahītavya iti

Man soll die Flüssigkeit mit aufmerksamem Geist und aufrechtem Körper so lange im Mund halten, bis die Wangen von den ausgetretenen *doṣa* ganz gefüllt sind und Nasenwege und Augen zu tränen beginnen; dann soll man sie ausspucken und von neuem eine weitere Portion aufnehmen.

evaṃ snehapayaḥkṣaudra rasamūtrāmlasaṃbhṛtāḥ kaṣāyoṣṇodakābhyāṃ ca kavalā doṣato hitāḥ

So sind Mundspülungen, bereitet aus Öl, Milch, Honig, Fleischsaft, Urin, Saurem, adstringierendem Sud oder warmem Wasser, je nach dem betroffenen *doṣa* zuträglich.

vyādherapacayastuṣṭirvaiśadyaṃ vaktralāghavam indri yāṇāṃ prasādaśca kavale śuddhilakṣaṇam

Abnahme der Krankheit, Zufriedenheit, Klarheit und Leichtigkeit des Mundes sowie Klarheit der Sinne — das sind die Zeichen richtiger Anwendung der Mundspülung.

hīne jāḍyakaphotkleśāvarasajñānameva ca atiyogānmukhe pākaḥ śoṣatṛṣṇāruciklamāḥ

Bei unzureichender Anwendung entstehen Erstarrung, Erregung des *kapha* und ein vermindertes Geschmacksempfinden; bei übermäßiger Anwendung entstehen Entzündung im Mund, Trockenheit, Durst, Appetitlosigkeit und Erschöpfung.

śodhanīye viśeṣeṇa bhavantyeva na saṃśayaḥ tilā nīlotpalaṃ sarpiḥ śarkarā kṣīrameva ca

Bei der reinigenden Mundspülung treten diese Erscheinungen ohne Zweifel besonders leicht auf. Für die Behandlung eines verbrühten Mundes eignen sich Sesam, blauer Lotus, Ghee, Zucker und Milch,

sakṣaudro dagdhavaktrasya gaṇḍūṣo dāhanāśanaḥ kavalasya vidhirhyeṣa samāsena prakīrtitaḥ

zusammen mit Honig, als *gaṇḍūṣa* für einen, dessen Mund verbrüht ist — dies beseitigt das Brennen. So ist, in Kürze zusammengefasst, das Verfahren der Mundspülung dargelegt.

vibhajya bheṣajaṃ buddhyā kurvīta pratisāraṇam kalko rasakriyā kṣaudraṃ cūrṇaṃ ceti caturvidham

Nachdem man das Heilmittel mit Bedacht ausgewählt hat, soll man das *pratisāraṇa* (das Einreiben) durchführen; dieses ist vierfach: als *kalka*, als eingedickter Saft, als Honigzubereitung oder als Pulver.

aṅgulyagrapraṇītaṃ tu yathāsvaṃ mukharogiṇām tasmin yogamayogaṃ ca kavaloktaṃ vibhāvayet

Mit der Fingerspitze aufgetragen, je nach dem jeweiligen Mundleiden — dabei soll man richtige und unzureichende Anwendung ebenso beurteilen, wie es für die Mundspülung dargelegt wurde.

tāneva śamayed vyādhīn kavalo yānapohati doṣaghnamanabhiṣyandi bhojayecca tathā naram

Ebenso soll es jene Krankheiten stillen, die die Mundspülung vertreibt; und man soll dem Menschen danach Nahrung geben, die die *doṣa* beseitigt und nicht schleimbildend ist.

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