athāto mukharogacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der Munderkrankungen (*mukharoga*) erläutern.
Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana
Das zweiundzwanzigste Kapitel bietet eine systematische Übersicht über die Munderkrankungen (*mukharoga*), gegliedert nach den betroffenen Regionen: Lippen, Zahnfleisch (*dantamūla*), Zähne, Zunge, Gaumen (*tālavya*) und Rachen (*kaṇṭhya*). Für jeden Bereich werden, jeweils nach den drei *doṣa* unterschieden, zahlreiche Einzelkrankheiten mit Namen benannt – etwa Śītāda und Dantavaidarbha am Zahnfleisch, Kapālikā als schwerste Zahnkrankheit oder die Zäpfchenerkrankungen (Tuṇḍikerī, Galaśuṇḍikā) am Gaumen – und mit Mundspülungen, Nasenölbehandlungen, Räucherungen sowie chirurgischen Eingriffen wie Zahnextraktion und der genau bemessenen Zäpfchenoperation behandelt. Ausführlich gewarnt wird vor Behandlungsfehlern, etwa der Entfernung eines lockeren, aber gesunden Nachbarzahns, die zu Erblindung und Gesichtslähmung führen könne. Den Abschluss bildet eine Liste von neunzehn als unheilbar geltenden Munderkrankungen, bei denen der Arzt dennoch eine lindernde, palliative Behandlung anbieten soll – ein frühes Zeugnis ärztlicher Prognosepflicht.
| Bereich | Unheilbare Erkrankung(en) |
|---|---|
| Lippen (oṣṭha) | die durch Fleisch, durch Blut oder durch alle drei Doṣa zugleich verursachten Formen |
| Zahnfleisch (dantamūla) | Triliṅgagati, Sauṣira |
| Zähne (danta) | Śyāva, Dālana, Bhañjana |
| Zunge (jihvā) | Alāsa |
| Gaumen (tālu) | Arbuda |
| ohne eigene Bereichsangabe im Text | Svaraghna, Valaya, Vṛnda, Vidārī, Alasa, Galauṣṭha, Māṃsatāna, Śataghnī sowie die durch Blut entstandene Form der Rohiṇī |
| Name | Bereich | Behandlung (Kurzfassung) |
|---|---|---|
| Śītāda | Zahnfleisch | Aderlass, Mundspülung mit Ingwer/Senf/Triphalā/Mustā, Nasenöl mit Triphalā/Süßholz/Padmaka |
| dantapuppuṭaka (frischer Zahnfleischabszess) | Zahnfleisch | Aderlass, Einreibung mit fünf Salzen und kṣāra, mit Honig vermischt |
| Dantaveṣṭa | Zahnfleisch | Aderlass, Einreibemittel auf die Wunden |
| Śauṣira | Zahnfleisch | Aderlass, Lodhra/Mustā/Rasāñjana, Mundspülung mit milchsafthaltigen Pflanzen |
| Upakuśa | Zahnfleisch | beidseitige Kopfreinigung, Blutablass mit Kākodumbarikā/Gojī, Salz-Einreibung |
| Dantavaidarbha | Zahnfleisch | Reinigung mit dem Messer, danach Alkali, kühlende Nachbehandlung |
| Zahnfistel (dantanāḍī) | Zahn | allgemeine Fistelbehandlung; Entfernung des betroffenen Zahns, Kauterisierung mit Alkali oder Feuer |
| Kapālikā | Zahn | schwerste Zahnerkrankung; Aderlass, vāta-lindernde Nasentropfen, Entfernung des lockeren Zahns, Kauterisierung |
| Zahnschauern (dantaharṣa) | Zahn | lauwarme Öl-/Ghee-Spülungen, Kopfölbehandlung, Entfernung von Zahnstein |
| Kieferausrenkung (hanumokṣa) | Zahn | Behandlung wie bei Ardita (Fazialislähmung) |
athāto mukharogacikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ
Nun wollen wir die Behandlung der Munderkrankungen (*mukharoga*) erläutern.
yathovāca bhagavān dhanvantariḥ
So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.
caturvidhena snehena madhucchiṣṭayutena ca vātaje'bhyañjanaṃ kuryānnāḍīsvedaṃ ca buddhimān
Bei einer durch *vāta* (Windhumor, einen der drei Körpersäfte) verursachten Störung soll der kluge Arzt eine Einreibung mit den vier Arten von *sneha* (Öl/Fett) zusammen mit Bienenwachs sowie eine röhrenförmige Schwitzbehandlung (*nāḍīsveda*) anwenden.
vidadhyādoṣṭhakope tu sālvaṇaṃ copanāhane mastiṣke caiva nasye ca tailaṃ vātaharaṃ hitam
Bei einer Störung der Lippen (*oṣṭhakopa*) verordne er einen mit Salz versehenen Breiumschlag sowie eine Kopfölung; auch für die Nasenölbehandlung (*nasya*) ist ein *vāta*-linderndes Öl zuträglich.
śrīveṣṭakaṃ sarjarasaṃ suradāru saguggulu yaṣṭīmadhukacūrṇaṃ tu vidadhyāt pratisāraṇam
Aus Śrīveṣṭaka-Harz, Sarjarasa-Harz, Suradāru, Guggulu und Süßholzpulver bereite man eine Einreibepaste (*pratisāraṇa*).
pittaraktābhighātotthaṃ jalaukobhirupācaret pittavidra dhivaccāpi kriyāṃ kuryādaśeṣataḥ
Was durch Verletzung von *pitta* (Gallenhumor) und Blut entsteht, behandle man mit *jalaukā* (Blutegeln); die gesamte Behandlung führe man dabei wie bei einem *pitta*-Abszess (*pittavidradhi*) durch.
śirovirecanaṃ dhūmaḥ svedaḥ kavala eva ca hṛte rakte prayoktavyamoṣṭhakope kaphātmake
Bei einer durch *kapha* (Schleimhumor) bedingten Lippenstörung sind, nachdem Blut abgelassen wurde, Kopfabführung (*śirovirecana*), Rauchbehandlung (*dhūma*), Schwitzen und Mundspülung (*kavala*) anzuwenden.
tryūṣaṇaṃ svarjikākṣāro yavakṣāro viḍaṃ tathā kṣaudrayuktaṃ vidhātavyametacca pratisāraṇam
Die drei Scharfgewürze (Ingwer, Pfeffer, langer Pfeffer), Svarjikā- und Yava-Alkali sowie Viḍa-Salz, mit Honig vermengt, sollen ebenfalls als Einreibemittel bereitet werden.
medoje svedite bhinne śodhite jvalano hitaḥ priyaṅgutriphalālodhraṃ sakṣaudraṃ pratisāraṇam
Bei einer durch *medas* (Fettgewebe) verursachten Schwellung, die gedämpft, geöffnet und gereinigt wurde, ist Kauterisation mit Feuer heilsam; Priyaṅgu, Triphalā und Lodhra mit Honig eignen sich als Einreibemittel.
etadoṣṭhaprakopānāṃ sādhyānāṃ karma kīrtitam dantamūlagatānāṃ tu rogāṇāṃ karma vakṣyate
Damit ist die Behandlung der heilbaren Lippenerkrankungen dargelegt; nun soll die Behandlung der Erkrankungen des Zahnfleisches (*dantamūla*) beschrieben werden.
śītāde hṛtarakte tu toye nāgarasarṣapān niṣkvāthya triphalāṃ mustaṃ gaṇḍūṣaḥ sarasāñjanaḥ
Bei Śītāda soll man, nachdem Blut abgelassen wurde, Ingwer und Senfkörner mit Triphalā und Mustā in Wasser kochen; als Mundspülung diene dies zusammen mit Rasāñjana.
priyaṅgavaśca mustaṃ ca triphalā ca pralepanam nasyaṃ ca triphalāsiddhaṃ madhukotpalapadmakaiḥ
Priyaṅgu, Mustā und Triphalā dienen als Salbe; als Nasenöl diene ein mit Triphalā, Süßholz, blauer Lotusblüte (utpala) und Padmaka bereitetes Präparat.
dantapuppuṭake kāryaṃ taruṇe raktamokṣaṇam sapañcalavaṇaḥ kṣāraḥ sakṣaudraḥ pratisāraṇam
Bei einem frischen Zahnfleischabszess (dantapuppuṭaka) ist ein Aderlass angezeigt; ein mit den fünf Salzen versehenes Alkali (*kṣāra*), mit Honig vermischt, dient als Einreibemittel.
hitaḥ śirovirekaśca nasyaṃ snigdhaṃ ca bhojanam visrāvite dantaveṣṭe vraṇāṃstu pratisārayet
Kopfabführung, öliges Nasenöl und ölige Nahrung sind zuträglich; ist beim Dantaveṣṭa Blut abgelassen worden, behandle man die Wunden (*vraṇa*) mit Einreibemitteln.
rodhrapattaṅgayaṣṭyāhvalākṣācūrṇairmadhūttaraiḥ gaṇḍūṣe kṣīriṇo yojyāḥ sakṣaudra ghṛtaśarkarāḥ
Mit Pulvern aus Lodhra, Rotholz (pattaṅga), Süßholz und Lākṣā, vorwiegend mit Honig, seien milchsafthaltige Pflanzen für die Mundspülung verwendet, zusammen mit Honig, Ghee und Zucker.
kākolyādau daśakṣīrasiddhaṃ sarpiśca nasyataḥ śauṣire hṛtarakte tu rodhramustarasāñjanaiḥ
Ein mit Kākolī und ähnlichen Kräutern sowie den zehn Milchsäften bereitetes Ghee diene als Nasenöl; bei Śauṣira wende man, nachdem Blut abgelassen wurde, Lodhra, Mustā und Rasāñjana an.
sakṣaudraḥ śasyate lepo gaṇḍūṣe kṣīriṇo hitāḥ sārivotpalayaṣṭyāhvasāvarāgurucandanaiḥ
Mit Honig ist eine Salbe gelobt; für die Mundspülung sind milchsafthaltige Pflanzen mit Sārivā, Utpala, Süßholz, Sāvara, Agaru und Sandelholz heilsam.
kṣīre daśaguṇe siddhaṃ sarpirnasye ca pūjitam kriyāṃ paridare kuryācchītādoktāṃ vicakṣaṇaḥ
Ein in der zehnfachen Menge Milch gekochtes Ghee ist ebenfalls als Nasenöl geschätzt; bei Paridara wende der kundige Arzt die bei Śītāda beschriebene Behandlung an.
saṃśodhyobhayataḥ kāryaṃ śiraścopakuśe tathā kākodumbarikāgojīpatrairvisrāvayedasṛk
Bei Upakuśa soll beidseitig sowohl der Kopf gereinigt werden, als auch mit Blättern von Kākodumbarikā und Gojī Blut abgelassen werden.
kṣaudra yuktaiśca lavaṇaiḥ savyoṣaiḥ pratisārayet pippaladyaḥ sarṣapāñ śvetānnāgaraṃ naicūlaṃ phalam
Man reibe mit Salzen ein, die mit Honig und den Scharfgewürzen vermengt sind, ebenso mit Pippalī und weiteren Zutaten, mit weißen Senfkörnern, Ingwer und der Frucht des Naicūla.
sukhodakena saṃsṛjya kavalaṃ cāpi dhārayet ghṛtaṃ madhurakaiḥ siddhaṃ hitaṃ kavalanasyayoḥ
Mit angenehm temperiertem Wasser vermischt halte man dies auch als Mundspülung im Mund; ein mit süßen Kräutern bereitetes Ghee ist für Mundspülung und Nasenöl zuträglich.
śastreṇa dantavaidarbhe dantamūlāni śodhayet tataḥ kṣāraṃ prayuñjīta kriyāḥ sarvāśca śītalāḥ
Bei Dantavaidarbha reinige man das Zahnfleisch mit dem Messer (*śastra*), wende danach Alkali an, und alle weiteren Maßnahmen seien kühlend.
uddhṛtyādhikadantaṃ tu tato'gnimavacārayet kṛmidantakavaccāpi vidhiḥ kāryo vijānatā
Nachdem man einen überzähligen Zahn entfernt hat, wende man Feuer an; der Kundige verfahre ebenso wie bei einem von Mikroorganismen befallenen Zahn (*kṛmidantaka*).
chittvā'dhimāṃsaṃ sakṣaudrai rebhiścūrṇairupācaret vacātejovatīpāṭhāsvarjikāyāvaśūkajaiḥ
Nachdem man das überschüssige Fleisch herausgeschnitten hat, behandle man mit folgenden, mit Honig vermengten Pulvern: Vacā, Tejovatī, Pāṭhā, Svarjikā-Alkali und Yavaśūka.
kṣaudra dvitīyāḥ pippalyaḥ kavalaścātra kīrtitaḥ paṭolatriphalānimbakaṣāyaścātra dhāvane hitaḥ śirovirekaśca dhūmo vairecanaśca yaḥ
Pippalī zusammen mit Honig sowie eine Mundspülung sind hierbei gelobt; ein Sud aus Paṭola, Triphalā und Nimba ist zum Mundspülen heilsam, ebenso Kopfabführung und abführender Rauch.
sāmānyaṃ karma nāḍīnāṃ viśeṣaṃ cātra me śṛṇu nāḍīvraṇaharaṃ karma dantanāḍīṣu kārayet
Das ist die allgemeine Behandlung der *nāḍī* (Fistel); höre nun von mir die besondere Behandlung: Bei Zahnfisteln (*dantanāḍī*) wende man die fistelheilende Behandlung an.
yaṃ dantamabhijāyeta nāḍī taṃ dantamuddharet chittvā māṃsāni śastreṇa yadi noparijo bhavet
Den Zahn, aus dem die Fistel entstanden ist, entferne man, nachdem man mit dem Messer das Fleisch durchtrennt hat, sofern die Fistel nicht oberflächlich ist.
śodhayitvā daheccāpi kṣāreṇa jvalanena vā bhinattyupekṣite dante hanukāsthi gatirdhruvam
Nach der Reinigung kauterisiere man mit Alkali oder Feuer; wird ein erkrankter Zahn vernachlässigt, so bricht mit Sicherheit der Kieferknochen auf, und die Krankheit breitet sich aus.
samūlaṃ daśanaṃ tasmāduddharedbhagnamasthiram uddhṛte tūttare dante samūle sthirabandhane
Daher entferne man den Zahn mitsamt der Wurzel, sofern er gebrochen oder locker ist. Wurde jedoch der benachbarte, obere Zahn entfernt, obwohl Wurzel und Halt fest waren,
raktātiyogāt pūrvoktā rogā ghorā bhavanti hi kāṇaḥ saṃjāyate janturarditaṃ cāsya jāyate
so entstehen durch übermäßigen Blutverlust die zuvor genannten schweren Erkrankungen: der Mensch wird einäugig, und bei ihm entsteht Ardita (Fazialislähmung).
calamapyuttaraṃ dantamato nāpaharedbhiṣak dhāvane jātimadanasvādukaṇṭakakhādiram
Deshalb soll der Arzt einen zwar lockeren, aber benachbarten Zahn nicht entfernen; zum Mundspülen verwende man Jāti, Madana, Svādukaṇṭaka und Khadira,
kaṣāyaṃ jātimadanakaṭukasvādukaṇṭakaiḥ yaṣṭyāhvarodhramañjiṣṭhākhadiraiścāpi yat kṛtam
einen Sud aus Jāti, Madana, Kaṭukā, Svādukaṇṭaka sowie aus Süßholz, Lodhra, Mañjiṣṭhā und Khadira -
tailaṃ saṃśodhanaṃ taddhi hanyāddantagatāṃ gatim kīrtitā dantamūle tu kriyā danteṣu vakṣyate
dieses reinigende Öl vertreibt das im Zahn sitzende Leiden. Damit ist die Behandlung des Zahnfleisches dargelegt; nun soll die Behandlung der Zähne selbst beschrieben werden.
snehānāṃ kavalāḥ koṣṇāḥ sarpiṣastraivṛtasya vā niryūhāścānilaghnānāṃ dantaharṣapramardanāḥ
Lauwarme Mundspülungen mit Ölen, mit Ghee oder mit Traivṛta-Öl, sowie Abkochungen *vāta*-lindernder Kräuter lindern das Zahnschauern (*dantaharṣa*) durch Massage.
snaihikaśca hito dhūmo nasyaṃ snigdhaṃ ca bhojanam raso rasayavāgvaśca kṣīraṃ santānikā ghṛtam
Ölhaltiger Rauch, öliges Nasenöl und ölige Nahrung sind heilsam, ebenso Fleischsaft, Reisschleim mit Fleischsaft, Milch, Rahm (santānikā) und Ghee.
śirobastirhitaścāpi kramo yaścānilāpahaḥ ahiṃsan dantamūlāni śarkarāmuddharedbhiṣak
Auch eine Kopfölbehandlung (*śirobasti*) sowie jedes *vāta*-vertreibende Verfahren sind zuträglich; der Arzt entferne den Zahnstein, ohne dabei das Zahnfleisch zu verletzen.
lākṣācūrṇairmadhuyutaistatastāḥ pratisārayet dantaharṣakriyāṃ cāpi kuryānniravaśeṣataḥ
Danach reibe man die Stellen mit Lākṣā-Pulver ein, das mit Honig vermengt ist; man führe die Behandlung gegen Zahnschauern vollständig durch.
kapālikā kṛcchratamā tatrāpyeṣā kriyā hitā jayedvisrāvaṇaiḥ svinnamacalaṃ kṛmidantakam
Kapālikā ist die schwerste Zahnerkrankung; auch hierbei ist diese Behandlung heilsam: durch Aderlass besiege man einen erweichten, unbeweglichen, von Mikroorganismen befallenen Zahn.
tathā'vapīḍairvātaghnaiḥ snehagaṇḍūṣadhāraṇaiḥ bhadra dārvādivarṣābhūlepaiḥ snigdhaiśca bhojanaiḥ
ebenso mit *vāta*-lindernden Nasentropfen (avapīḍa), mit gehaltenen öligen Mundspülungen, mit Salben aus Bhadradāru und Varṣābhū und mit öligen Speisen.
calamuddhṛtya ca sthānaṃ vidahet suṣirasya ca tato vidārīyaṣṭyāhvaśṛṅgāṭakakaserukaiḥ
Man entferne den lockeren Zahn, kauterisiere die Stelle des entstandenen Hohlraums, und bereite danach ein Öl mit Vidārī, Süßholz, Śṛṅgāṭaka und Kaseruka -
tailaṃ daśaguṇe kṣīre siddhaṃ nasye hitaṃ bhavet hanumokṣe samuddiṣṭāṃ kuryāccārditavat kriyām
ein in der zehnfachen Menge Milch gekochtes Öl ist als Nasenöl zuträglich; bei Kieferausrenkung (hanumokṣa) wende man die für Ardita vorgeschriebene Behandlung an.
phalānyamlāni śītāmbu rūkṣānnaṃ dantadhāvanam tathā'tikaṭhinān bhakṣyān dantarogī vivarjayet
Saure Früchte, kaltes Wasser, austrocknende Nahrung, das Zähneputzen sowie allzu harte Speisen soll ein Zahnkranker meiden.
sādhyānāṃ dantarogāṇāṃ cikitsitamudīritam jihvāgatānāṃ sādhyānāṃ karma vakṣyāmi siddhaye
Damit ist die Behandlung der heilbaren Zahnerkrankungen dargelegt; nun will ich zum Erfolg die Behandlung der heilbaren Zungenerkrankungen beschreiben.
oṣṭhaprakope'nilaje yaduktaṃ prāk cikitsitam kaṇṭakeṣvanilottheṣu tat kāryaṃ bhiṣajā bhavet
Was zuvor als Behandlung der durch *vāta* verursachten Lippenstörung genannt wurde, dasselbe soll der Arzt auch bei durch *vāta* entstandenen Kaṇṭaka (dornartigen Auswüchsen) anwenden.
pittajeṣu vighṛṣṭeṣu niḥsṛte duṣṭaśoṇite pratisāraṇagaṇḍūṣaṃ nasyaṃ ca madhuraṃ hitam
Bei *pitta*-bedingten, aufgeriebenen Kaṇṭaka sind, nachdem das verdorbene Blut abgeflossen ist, eine süße Einreibung, Mundspülung und Nasenölbehandlung heilsam.
kaṇṭakeṣu kaphottheṣu likhiteṣvasṛjaḥ kṣaye pippalyādirmadhuyutaḥ kāryastu pratisāraṇe
Bei *kapha*-bedingten Kaṇṭaka soll man nach Skarifizierung und Blutentzug ein aus Pippalī und weiteren Mitteln mit Honig vermengtes Präparat als Einreibemittel verwenden.
gṛhṇīyāt kavalāṃścāpi gaurasarṣapasaindhavaiḥ paṭolanimbavārtākukṣārayūṣaiśca bhojayet
Auch nehme man Mundspülungen mit weißem Senf und Steinsalz; man ernähre den Kranken mit Suppen aus Paṭola, Nimba, Aubergine und Alkali.
upajihvāṃ tu saṃlikhya kṣāreṇa pratisārayet śirovirekagaṇḍūṣadhūmaiścainamupācaret
Nachdem man das Zäpfchen (upajihvā) skarifiziert hat, reibe man es mit Alkali ein; man behandle den Patienten außerdem mit Kopfabführung, Mundspülung und Rauch.
jihvāgatānāṃ karmoktaṃ tālavyānāṃ pravakṣyate aṅguṣṭhāṅgulisaṃdaṃśenākṛṣya galaśuṇḍikām
Damit ist die Behandlung der Zungenerkrankungen dargelegt; nun soll die der Gaumenerkrankungen (tālavya) beschrieben werden. Man ziehe mit Daumen und Zeigefinger wie mit einer Zange das Zäpfchen (galaśuṇḍikā) hervor,
chedayenmaṇḍalāgreṇa jihvopari tu saṃsthitām notkṛṣṭaṃ caiva hīnaṃ ca tribhāgaṃ chedayedbhiṣak
und schneide es, während es über der Zunge liegt, mit einem runden Messer ab; der Arzt schneide dabei ein Drittel ab, weder zu viel noch zu wenig.
atyādānāt sravedra ktaṃ tannimittaṃ mriyeta ca hīnacchedādbhavecchopho lālā nidrā bhramastamaḥ
Bei zu großem Schnitt fließt Blut, und der Patient kann daran sterben; bei zu geringem Schnitt entstehen Schwellung, vermehrter Speichelfluss, Schläfrigkeit, Schwindel und Bewusstseinstrübung.
tasmādvaidyaḥ prayatnena dṛṣṭakarmā viśāradaḥ galaśuṇḍīṃ tu sañchidya kuryāt prāptamimaṃ kramam
Daher soll der Arzt, erfahren und in der Technik geübt, das Zäpfchen mit Sorgfalt abschneiden und danach das folgende Verfahren durchführen:
maricātiviṣāpāṭhāvacākuṣṭhakuṭannaṭaiḥ kṣaudra yuktaiḥ salavaṇaistatastāṃ pratisārayet
Man reibe die Stelle mit Pfeffer, Ativiṣā, Pāṭhā, Vacā, Kuṣṭha und Kuṭannaṭa ein, vermengt mit Honig und Salz.
vacāmativiṣāṃ pāṭhāṃ rāsnāṃ kaṭukarohiṇīm niṣkvāthya picumandaṃ ca kavalaṃ tatra yojayet
Man koche Vacā, Ativiṣā, Pāṭhā, Rāsnā, Kaṭukarohiṇī und Nimba und verwende dies als Mundspülung.
iṅgudīkiṇihīdantīsaralāsuradārubhiḥ pañcāṅgīṃ kārayet piṣṭairvartiṃ gandhottarāṃ śubhām
Aus zerstoßenem Iṅgudī, Kiṇihī, Dantī, Sarala und Suradāru bereite man einen wohlriechenden Räucherstab aus fünf Bestandteilen.
tato dhūmaṃ pibejjanturdvirahnaḥ kaphanāśanam kṣārasiddheṣu mudgeṣu yūṣaścāpyaśane hitaḥ
Davon inhaliere der Kranke zweimal täglich den *kapha*-vertreibenden Rauch; als Nahrung ist eine mit Alkali gekochte Mungbohnensuppe zuträglich.
tuṇḍikeryadhruṣe kūrme saṅghāte tālupuppuṭe eṣa eva vidhiḥ kāryo viśeṣaḥ śastrakarmaṇi
Bei Tuṇḍikerī, Adhruṣa, Kūrma, Saṅghāta und Tālupuppuṭa ist dasselbe Verfahren anzuwenden, mit Besonderheiten im chirurgischen Vorgehen (śastrakarma).
tālupāke tu kartavyaṃ vidhānaṃ pittanāśanam snehasvedau tāluśoṣe vidhiścānilanāśanaḥ
Bei Tālupāka soll eine *pitta*-vertreibende Behandlung durchgeführt werden; bei Tāluśoṣa sind Ölung, Schwitzen und ein *vāta*-vertreibendes Verfahren angezeigt.
kīrtitaṃ tālujānāṃ tu kaṇṭhyānāṃ karma vakṣyate sādhyānāṃ rohiṇīnāṃ tu hitaṃ śoṇitamokṣaṇam
Damit ist die Behandlung der Gaumenerkrankungen dargelegt; nun soll die der Halserkrankungen (kaṇṭhya) beschrieben werden. Bei heilbarer Rohiṇī ist ein Aderlass zuträglich,
chardanaṃ dhūmapānaṃ ca gaṇḍūṣo nasyakarma ca vātikīṃ tu hṛte rakte lavaṇaiḥ pratisārayet
ebenso Erbrechen, Rauchinhalation, Mundspülung und Nasenölbehandlung; bei der *vāta*-bedingten Form reibe man, nachdem Blut abgelassen wurde, mit Salzen ein.
sukhoṣṇān snehagaṇḍūṣān dhārayeccāpyabhīkṣṇaśaḥ pataṅgaśarkarākṣaudraiḥ paittikīṃ pratisārayet
Man halte wiederholt angenehm warme, ölige Mundspülungen im Mund; die *pitta*-bedingte Form reibe man mit Rotholz, Zucker und Honig ein.
drā kṣāparūṣakakvātho hitaśca kavalagrahe agāradhūmakaṭukaiḥ ślaiṣmikīṃ pratisārayet
Ein Sud aus Weintrauben und Parūṣaka ist als Mundspülung heilsam; die *kapha*-bedingte Form reibe man mit Rußschmalz (agāradhūma) und Scharfstoffen ein.
śvetāviḍaṅgadantīṣu tailaṃ siddhaṃ sasaindhavam nasyakarmaṇi yoktavyaṃ tathā kavaladhāraṇe
Ein mit weißem Viḍaṅga und Dantī gekochtes Öl, mit Steinsalz versetzt, soll sowohl für die Nasenölbehandlung als auch für die Mundspülung verwendet werden.
pittavat sādhayedvaidyo rohiṇīṃ raktasaṃbhavām visrāvya kaṇṭhaśālūkaṃ sādhayettuṇḍikerivat
Wie bei der *pitta*-Form behandle der Arzt die durch Blut entstandene Rohiṇī; Kaṇṭhaśālūka behandle er, nachdem Blut abgelassen wurde, wie Tuṇḍikerī.
ekakālaṃ yavānnaṃ ca bhuñjīta snigdhamalpaśaḥ upajihvikavaccāpi sādhayedadhijihvikām
Der Patient nehme einmal täglich in geringer Menge ölige Gerstenspeise zu sich; auch Adhijihvikā behandle man wie Upajihvikā.
ekavṛndaṃ tu visrāvya vidhiṃ śodhanamācaret gilāyuścāpi yo vyādhistaṃ ca śastreṇa sādhayet
Bei Ekavṛnda lasse man Blut ab und führe eine reinigende Behandlung durch; auch die als Gilāyu bekannte Erkrankung behandle man mit dem Messer.
amarmasthaṃ supakvaṃ ca bhedayedgalavidra dhim vātāt sarvasaraṃ cūrṇairlavaṇaiḥ pratisārayet
Einen gut ausgereiften Halsabszess, der nicht an einem lebenswichtigen Punkt (marman) liegt, eröffne man; die durch *vāta* bedingte, sich im ganzen Körper ausbreitende Form (sarvasara) reibe man mit Salzpulvern ein.
tailaṃ vātaharaiḥ siddhaṃ hitaṃ kavalanasyayoḥ tato'smai snaihikaṃ dhūmamimaṃ dadyādvicakṣaṇaḥ
Ein mit *vāta*-lindernden Kräutern gekochtes Öl ist für Mundspülung und Nasenöl zuträglich; danach gebe der kundige Arzt den folgenden öligen Rauch:
śālarājādanairaṇḍasāraiṅgudamadhūkajāḥ majjāno gugguludhyāmamāṃsīkālānusārivāḥ śrīsarjarasaśaileyamadhūcchiṣṭāni cāharet
Man nehme das Mark von Śāla, Rājādana, Eraṇḍa, Iṅgudī und Madhūka, ferner Guggulu, Dhyāmaka, Jaṭāmāṃsī, Kālānusārivā, Śrīveṣṭaka-Harz, Sarjarasa-Harz, Śaileya und Bienenwachs.
tatsarvaṃ sukṛtaṃ cūrṇaṃ snehenāloḍya yuktitaḥ ṭiṇṭūkavṛntaṃ sakṣaudraṃ matimāṃstena lepayet
Der Kundige zerreibe all dies fein zu Pulver, vermenge es sachgemäß mit Öl, und bestreiche damit einen mit Honig versehenen Ṭiṇṭūka-Stiel.
eṣa sarvasare dhūmaḥ praśastaḥ snaihiko mataḥ kaphaghno mārutaghnaśca mukharogavināśanaḥ
Dieser ölige Rauch gilt bei der Sarvasara-Form als vorzüglich; er vertreibt *kapha* und *vāta* und beseitigt Munderkrankungen.
pittātmake sarvasare śuddhakāyasya dehinaḥ sarvaḥ pittaharaḥ kāryo vidhirmadhuraśītalaḥ
Bei der *pitta*-artigen Sarvasara-Form soll bei einem Patienten mit gereinigtem Körper jede Maßnahme *pitta*-vertreibend, süß und kühlend sein.
pratisāraṇagaṇḍūṣau dhūmaḥ saṃśodhanāni ca kaphātmake sarvasare vidhiṃ kuryāt kaphāpaham
Einreibung, Mundspülung, Rauch und reinigende Maßnahmen sind hier anzuwenden; bei der *kapha*-artigen Sarvasara-Form wende man ein *kapha*-vertreibendes Verfahren an.
pibedativiṣāṃ pāṭhāṃ mustaṃ ca suradāru ca rohiṇīṃ kaṭukākhyāṃ ca kuṭajasya phalāni ca
Man trinke Ativiṣā, Pāṭhā, Mustā, Suradāru, die als Rohiṇī bekannte Kaṭukā und die Früchte des Kuṭaja,
gavāṃ mūtreṇa manujo bhāgairdharaṇasaṃmitaiḥ eṣa sarvān kaphakṛtān rogān yogo'pakarṣati
zu gleichen Teilen abgewogen, mit Kuhurin (gomūtra); diese Rezeptur beseitigt alle durch *kapha* verursachten Erkrankungen.
kṣīrekṣurasagomūtradadhimastvamlakāñjikaiḥ vidadhyāt kavalān vīkṣya doṣaṃ tailaghṛtairapi
Je nach vorherrschendem *doṣa* bereite man Mundspülungen mit Milch, Zuckerrohrsaft, Kuhurin, Dickmilch, Molke oder saurem Kāñjika, auch mit Öl und Ghee.
rogāṇāṃ mukhajātānāṃ sādhyānāṃ karma kīrtitam asādhyā api vakṣyante rogā ye tatra kīrtitāḥ
Damit ist die Behandlung der heilbaren, im Mund entstehenden Erkrankungen dargelegt; nun sollen auch die unheilbaren (asādhya) Erkrankungen genannt werden, die dabei aufgeführt sind.
oṣṭhaprakope varjyāḥ syurmāṃsaraktatridoṣajāḥ dantamūleṣu varjyau tu triliṅgagatisauṣirau
Bei der Lippenstörung sind die durch Fleisch, Blut oder alle drei *doṣa* verursachten Formen unheilbar; bei den Zahnfleischerkrankungen sind Triliṅgagati und Sauṣira unheilbar,
danteṣu ca na sidhyanti śyāvadālanabhañjanāḥ jihvāgateṣvalāsastu tālavyeṣvarbudaṃ tathā
bei den Zähnen sind Śyāva, Dālana und Bhañjana unheilbar; bei den Zungenerkrankungen ist Alāsa, bei den Gaumenerkrankungen ist Arbuda (Tumor) unheilbar,
svaraghno valayo vṛndo vidāryalasa eva ca galauṣṭho māṃsatānaśca śataghnī rohiṇī ca yā
ferner Svaraghna, Valaya, Vṛnda, Vidārī, Alasa, Galauṣṭha, Māṃsatāna, Śataghnī sowie die durch Blut entstandene Form der Rohiṇī -
asādhyāḥ kīrtitā hyete rogā nava daśaiva ca teṣāṃ cāpi kriyāṃ vaidyaḥ pratyākhyāya samācaret
diese neunzehn Erkrankungen gelten als unheilbar. Auch bei ihnen soll der Arzt, nachdem er dem Kranken die Aussichtslosigkeit erklärt hat, dennoch eine lindernde Behandlung durchführen.