Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 23: śothacikitsitaṃ Behandlung der Schwellungen (Śopha)

Das dreiundzwanzigste Kapitel behandelt *śopha*, die Schwellung bzw. das Ödem, das lokal begrenzt in sechs Formen oder als den ganzen Körper erfassende *sarvasara*-Form in fünf Varianten auftritt – verursacht durch Vāta, Pitta, Kapha, das gemeinsame Auftreten aller drei *doṣa* (*sannipāta*) oder durch Gift. Ausführlich werden Ursachen wie Überernährung, unverträgliche Nahrungskombinationen und übermäßige körperliche Erschütterung sowie die je nach *doṣa* charakteristische Farbe, Konsistenz und Schmerzqualität der Schwellung beschrieben; die Lage im Körper – oberer, mittlerer oder unterer Bereich, je nachdem wo sich die *doṣa* im Verdauungstrakt befinden – bestimmt zugleich die Schwere der Prognose. Die allgemeine Behandlung setzt auf strenge Diät (Verzicht auf Saures, Salziges, Fettes) sowie eine große Zahl von Ghī-Zubereitungen, harntreibenden Pulvern und Aderlass, die spezielle Behandlung differenziert nach dem jeweils führenden *doṣa*. Das Kapitel liest sich als kompakte, praxisnahe Ödem-Lehre der klassischen Chirurgie.

DIE FÜNF FORMEN DES ŚOPHA (SCHWELLUNG) NACH DOṢA (Vers 5–11)
DoṣaFarbe / KonsistenzSchmerzqualitätBehandlung (Kurzfassung)
vātarötlich oder schwärzlich, weich, unbeständigStechen und ÄhnlichesTraivṛta- oder Rizinusöl, ein Monat oder halber Monat
pittagelb oder blutunterlaufen, weich, breitet sich rasch ausBrennen wie von saurer SuppeGhee mit Nyagrodha-Sud
kaphablass oder weißlich, ölig, hart, kalt, breitet sich langsam ausJuckreizGhee mit Āragvadha-Sud
sannipāta (alle drei Doṣa)Merkmale aller drei zugleichSchmerzen aller drei zugleichGhee aus Snuhī-Milchsaft, saurer Flüssigkeit, Dantī und Dravantī
Gift (viṣa)weich, rasch auftretend, herabhängend, beweglich oder unbeweglichmeist Brennen, Eiterung, Rötungdie für Vergiftung vorgesehenen Rezepturen
Eine Schwellung im mittleren Körperbereich sowie eine den ganzen Körper erfassende (sarvasara) gelten als schwer zu behandeln; eine Schwellung, die nur eine Körperhälfte betrifft oder sich nach oben ausbreitet, gilt als lebensbedrohlich (Vers 7–8).

athātaḥ śophānāṃ cikitsataṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun wollen wir die Behandlung der Schwellungen (*śopha*, Ödem) erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So, wie es der erhabene Dhanvantari verkündet hat.

ṣaḍivadho'vayavasamutthaḥ śopho'bhihito lakṣaṇataḥ pratīkārataśca sarvasarastu pañcavidhaḥ tadyathāvātapittaśleṣmasannipātaviṣanimittaḥ

Der auf einzelne Körperteile begrenzte *śopha* wird, was Merkmale und Behandlung betrifft, als sechsfach bezeichnet; die sich im ganzen Körper ausbreitende Form (sarvasara) hingegen ist fünffach, nämlich verursacht durch *vāta*, *pitta*, *kapha* (śleṣma), sannipāta (das gemeinsame Auftreten aller drei Doṣas) oder Gift (viṣa).

tatrāpatarpitasyādhvagamanātimātramabhyavaharato vā piṣṭānnaharitakaśāka lava-ṇānikṣīṇasya vā'timātramamlamupasevamānasya mṛtpakvaloṣṭakaṭaśarkarānūpauda-kamāṃsasevanādajīrṇino vā grāmyadharmasevanādviruddhahārasevanāt vā hastyaśvo-ṣṭrarathapadātisaṅkṣobhaṇādayo sitasya doṣā dhātūn pradūṣya śvayathumāpādayantyakhile śarīre

Bei jemandem, der abgemagert ist und übermäßig weite Wege zurücklegt oder übermäßig viel isst, oder der, ohne abgemagert zu sein, übermäßig Mehlspeisen, Gemüse und Salziges zu sich nimmt, oder übermäßig Saures genießt, oder der wegen des Verzehrs von gebranntem Ton, groben Salzkrusten, Sumpf- und Wassertieren sowie deren Fleisch an Verdauungsstörung leidet, oder der zur Unzeit Geschlechtsverkehr pflegt, oder unverträgliche Nahrungskombinationen zu sich nimmt, oder durch das Erschüttertwerden bei der Fahrt auf Elefanten, Pferden, Kamelen, Wagen oder zu Fuß übermäßig strapaziert wird - bei einem solchen Menschen verderben die *doṣa* (Körpersäfte) die Gewebe (dhātu) und bewirken eine Schwellung (śvayathu) im ganzen Körper.

tatra vātaśvayathuraruṇaḥ kṛṣṇo vā mṛduranavasthitāstodādayaścātra vedanāviśeṣāḥ pittaśvayathuḥ pītaḥ sarakto vā mṛduḥ śīghrānusāryūṣādayaścātra vedanāviśeṣāḥ śleṣmaśvayathuḥ pāṇḍuḥ śuklo vā snigdhaḥ kaṭhinaḥ śīto mandānusārī ka-ṇḍvādayaścātra vedanāviśeṣāḥ sannipātaśvayathuḥ sarvavarṇavedanaḥ viṣanimittastu garopayogādduṣṭatoyasevanāt prakuthitodakāvagāhanāt saviṣasattvadigdhacūrṇe-nāvacūrṇanādvā saviṣamūtrapurīṣaśukraspṛṣṭānāṃ vā tṛṇakāṣṭhādīnāṃ saṃsparśanāt sa tu mṛduḥ kṣiprotthāno'valambī calo'calo vā dāhapākarāgaprāyaśca bhavati

Die *vāta*-bedingte Schwellung ist rötlich oder schwärzlich, weich und unbeständig; als besondere Schmerzqualität tritt dabei Stechen und Ähnliches auf. Die *pitta*-bedingte Schwellung ist gelb oder blutunterlaufen, weich und breitet sich rasch aus; als besondere Schmerzqualität tritt dabei ein brennendes Gefühl wie von saurer Suppe und Ähnliches auf. Die *kapha*-bedingte Schwellung ist blass oder weißlich, ölig, hart, kalt und breitet sich langsam aus; als besondere Schmerzqualität tritt dabei Jucken und Ähnliches auf. Die durch sannipāta bedingte Schwellung zeigt Merkmale und Schmerzen aller drei zugleich. Die durch Gift verursachte Schwellung entsteht durch den Genuss von Gift, durch den Verzehr verdorbenen Wassers, durch das Baden in verunreinigtem, gärendem Wasser, durch das Bestäuben mit giftversetztem Puder, oder durch die Berührung von Gras, Holz und Ähnlichem, das mit giftigem Urin, Kot oder Samen in Berührung gekommen ist; sie ist weich, tritt rasch auf, hängt herab, ist beweglich oder unbeweglich und geht meist mit Brennen, Eiterung und Rötung einher.

bhavanti cātra doṣāḥ śvayathumūrdhvaṃ hi kurvantyāmāśayasthitāḥ pakvāśayasthā madhye ca varcaḥsthānagatāstvadhaḥ

Dabei gilt: Befinden sich die *doṣa* im āmāśaya (oberen Verdauungsbereich), so verursachen sie eine Schwellung im oberen Körperbereich; befinden sie sich im pakvāśaya (unteren Verdauungsbereich), in der Körpermitte; befinden sie sich im Bereich des Enddarms, im unteren Körperbereich.

kṛtsnaṃ dehamanuprāptāḥ kuryuḥ sarvasaraṃ tathā śvayathurmadhyadeśe yaḥ sa kaṣṭaḥ sarvagaśca yaḥ

Erfassen sie den ganzen Körper, so verursachen sie die Sarvasara-Form. Eine Schwellung, die im mittleren Körperbereich sitzt, ist schwer zu behandeln, ebenso eine, die den ganzen Körper erfasst hat.

ardhāṅge'riṣṭabhūtaśca yaścordhvaṃ parisarpati śvāsaḥ pipāsā daurbalyaṃ jvaraścchardirarocakaḥ

Eine Schwellung, die eine Körperhälfte betrifft, gilt als lebensbedrohlich (ariṣṭa), ebenso eine, die sich nach oben ausbreitet; begleitet von Atemnot, Durst, Schwäche, Fieber, Erbrechen und Appetitlosigkeit.

hikkātīsārakāsāśca śūnaṃ saṅkṣapayanti hi sāmānyato viśeṣācca teṣāṃ vakṣyāmi bheṣajam

Schluckauf, Durchfall und Husten zehren einen Geschwollenen völlig auf. Ich will nun die allgemeine und die besondere Behandlung dafür darlegen.

śophinaḥ sarva eva parihareyuramlalavaṇadadhiguḍa vasāpayastailaghṛtapiṣṭamayagurūṇi

Alle an Schwellung Leidenden sollen Saures, Salziges, Dickmilch, Rohrzucker, Fett, Milch, Öl, Ghee und schwer verdauliche mehlhaltige Speisen meiden.

tatra vātaśvayathau traivṛtameraṇḍatailaṃ vā māsamardha māsaṃ vā pāyayet nyagrodhādi-kakaṣāyasiddhaṃ sarpiḥ pittaśvayathau āragvadhādisiddhaṃ sarpiḥ śleṣmaśvayathau sa-nnipātaśvayathau snuhīkṣīrapātraṃ dvādaśabhiramlapātraiḥ pratisaṃsṛjya dantīdra vantīpratīvāpaṃ sarpiḥ pācayitvā pāyayet viṣanimitteṣu kalpeṣu pratīkāraḥ

Bei der *vāta*-bedingten Schwellung gebe man einen Monat oder einen halben Monat lang Traivṛta- oder Rizinusöl zu trinken. Bei der *pitta*-bedingten Schwellung gebe man ein mit einem Sud aus Nyagrodha und ähnlichen Kräutern bereitetes Ghee. Bei der *kapha*-bedingten Schwellung gebe man ein mit einem Sud aus Āragvadha und ähnlichen Kräutern bereitetes Ghee. Bei der sannipāta-bedingten Schwellung vermenge man einen Teil Milchsaft der Snuhī mit zwölf Teilen saurer Flüssigkeiten, füge Dantī und Dravantī als Zusatzpulver hinzu, koche daraus ein Ghee und gebe es zu trinken. Bei der giftbedingten Schwellung besteht die Behandlung in den dafür vorgesehenen Rezepturen.

ata ūrdhvaṃ sāmānyacikitsitamupadekṣyāmaḥ tilvakaghṛtacaturthāni yānyuktānyudareṣu tato'nyatamamupayujyamānaṃ śvayathumapahanti mūtravartikriyāṃ vā seveta navāyasaṃ vā'haraharmadhunā viḍaṅgātiviṣākuṭajaphalabhadradārunāgaramaricacūrṇaṃ vā dharaṇamuṣṇāmbunā trikaṭukṣārāyaścūrṇāni vā triphalākaṣāyeṇa mūtraṃ vā tulyakṣīraṃ harītakīṃ vā tulyaguḍāmupayuñjīta devadāruśuṇṭhīṃ vā gugguluṃ vā mūtreṇa varṣābhūkaṣāyānupānaṃ vā tulyaguḍaṃ śṛṅgaveraṃ vā varṣābhūkaṣāyaṃ mūlakalkaṃ vā saśṛṅgaveraṃ payo'nupānamaharaharmāsaṃ vyoṣavarṣābhūkaṣāyasiddhena vā sarpiṣāmudgolumbān bhakṣayet pippalīpippalīmūlacavyacitrakamayūrakavarṣābhūsiddhaṃ vā kṣīraṃ pibet sahauṣadhamuraṅgīmūlasiddhaṃ vā trikaṭukairaṇḍaśyāmāmūlasiddhaṃ vā varṣābhūśṛṅgaverasahādevadārusiddhaṃ vā tathā'lābūbibhītakaphalakalkaṃ vā taṇḍulāmbunā kṣārapippalīmaricaśṛṅgaverānusiddhena ca mudgayūṣeṇālavaṇenālpasnehena bhojayedyavānnaṃ godhūmānnaṃ vā vṛkṣakārkanaktamālanimbavarṣābhūkvāthaiśca pariṣekaḥ sarṣapasuvarcalāsaindhavaśārṅgeṣṭābhiśca pradehaḥ kāryaḥ yathādoṣaṃ ca vamanavirecanāsthāpanāni tīkṣṇānyajasramupaseveta snehasvedopanāhāṃśca sirābhiścābhīkṣaṇaṃ śoṇitamavasecayedanyatropadravaśophāditi

Von nun an wollen wir die allgemeine Behandlung darlegen. Die vier bei Bauchwassersucht (udara) genannten Ghee-Zubereitungen mit Tilvaka - von diesen vertreibt jede einzelne, wenn angewendet, die Schwellung. Man wende auch eine Behandlung mit harntreibenden Stäbchen an, oder trinke täglich mit Honig ein frisch bereitetes Eisenpräparat; oder ein abgewogenes Pulver aus Viḍaṅga, Ativiṣā, Kuṭaja-Früchten, Bhadradāru, Ingwer und Pfeffer, eingenommen mit heißem Wasser; oder Pulver aus den drei Scharfgewürzen und Alkalisalzen mit einem Sud aus Triphalā; oder Kuhurin zu gleichen Teilen mit Milch; oder Harītakī zu gleichen Teilen mit Rohrzucker; oder Devadāru und Ingwer oder Guggulu mit Urin; oder als Getränk einen Sud aus Varṣābhū zu gleichen Teilen mit Rohrzucker; oder Ingwer mit einem Sud aus Varṣābhū; oder eine Wurzelpaste aus Varṣābhū mit Ingwer und Milch als Getränk. Man esse täglich einen Monat lang Mungbohnenklöße, zubereitet mit einem aus den Scharfgewürzen und Varṣābhū-Sud gekochten Ghee; oder man trinke Milch, gekocht mit Pippalī, Pippalīmūla, Cavya, Citraka und Mayūraka-Varṣābhū; oder mit der Wurzel von Uraṅgī gekochte Milch; oder mit den drei Scharfgewürzen, Rizinuswurzel und Śyāmā-Wurzel gekochte Milch; oder mit Varṣābhū, Ingwer und Devadāru gekochte Milch; ebenso eine Paste aus Flaschenkürbis und Bibhītaka-Früchten mit Reiswasser. Man ernähre den Patienten mit einer salzlosen, fettarmen Mungbohnensuppe, die mit Alkali, Pippalī, Pfeffer und Ingwer gekocht ist, sowie mit Gersten- oder Weizenspeise. Als Übergießung diene ein Sud aus Vṛkṣakāraka, Naktamāla, Nimba und Varṣābhū; als Salbenumschlag diene eine Paste aus Senf, Suvarcalā-Salz, Steinsalz und Śārṅgeṣṭā. Je nach vorherrschendem *doṣa* wende man fortwährend scharfe Brech-, Abführ- und stopfende Mittel an, ebenso Ölung, Schwitzen und Breiumschläge; mittels Aderlass lasse man wiederholt Blut ab - außer wenn die Schwellung durch eine Komplikation einer anderen Krankheit entstanden ist.

bhavati cātra piṣṭānnamamlaṃ lavaṇāni madyaṃ mṛdaṃ divāsvapnamajāṅgalaṃ ca striyo ghṛtaṃ tailapayogurūṇi śophaṃ jighāṃsuḥ parivarjayettu

Und hierzu gilt: Wer die Schwellung besiegen will, meide Mehlspeisen, Saures, Salziges, berauschende Getränke, das Essen von Lehm, Tagesschlaf, Fleisch von Sumpf- und Wassertieren, den Verkehr mit Frauen sowie Ghee, Öl, Milch und andere schwer verdauliche Speisen.

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