Quellen der Menschheit

Suśruta-Saṃhitā · Chikitsasthana

Adhyāya 7: śmarīcikitsitaṃ Behandlung des Blasensteins (Aśmarī)

Das Kapitel über aśmarī, den Blasenstein, gilt als „schreckliche, todesähnliche Krankheit“, die im Frühstadium mit Heilmitteln, im fortgeschrittenen Stadium aber nur noch chirurgisch zu behandeln ist. Nach Doṣa geordnete Ghee- und Ätzmittelrezepturen aus Pflanzen wie Pāṣāṇabheda, Śvadaṃṣṭrā und Gokṣura sollen den Stein auflösen oder zertrümmern; scheitert dies, folgt eine detaillierte Beschreibung der Lithotomie – Lagerung des Patienten, manuelles Herabdrücken und Fixieren des Steins über den Damm, der Schnitt neben der Dammnaht und die Steinentfernung in einem Stück, um Rezidive durch verbliebene Splitter zu vermeiden. Ausdrücklich benannt werden acht lebenswichtige Kanäle und Strukturen – Harn- und Samenleiter, Dammnaht, Blase und weitere –, deren Verletzung Tod, Impotenz oder Harninkontinenz nach sich zieht. Das Kapitel zählt damit zu den frühesten detaillierten Beschreibungen eines Steinschnitts in der Medizingeschichte.

DIE ACHT ZU MEIDENDEN STELLEN BEIM STEINSCHNITT (Vers 36–38)
StrukturFolge bei Verletzung
Harnführender KanalTod, da sich die Blase mit Urin füllt
Samenführender KanalTod oder Impotenz
Beide Hodensack-GefäßeVerlust der Manneskraft
HarnröhrenmündungUrinträufeln
DammnahtSchmerzen und Hervortreten von Gewebe
AfterZu den acht zu meidenden Stellen gezählt
BlaseZeichen bereits an anderer Stelle des Kapitels genannt
Gebärmutter (bei Frauen die yoni)Zeichen bereits an anderer Stelle des Kapitels genannt
Beim Steinschnitt selbst wird der Schnitt links neben der Dammnaht geführt, um genau diese acht Strukturen zu schonen.

athāto'śmarīcikitsitaṃ vyākhyāsyāmaḥ

Nun werden wir die Behandlung des Blasensteins (*aśmarī*) erläutern.

yathovāca bhagavān dhanvantariḥ

So sprach der erhabene Dhanvantari:

aśmarī dāruṇo vyādhirantakapratimo mataḥ auṣadhaistaruṇaḥ sādhyaḥ pravṛddhaśchedamarhati

*Aśmarī* gilt als schreckliche, todesähnliche Krankheit; im frühen Stadium ist sie durch Heilmittel behandelbar, im fortgeschrittenen Stadium erfordert sie den chirurgischen Eingriff.

tasya pūrveṣu rūpeṣu snehādikrama iṣyate tenāsyāpacayaṃ yānti vyādhermūlānyaśeṣataḥ

In ihren Vorstadien ist die Behandlung mit Öl u. Ä. angezeigt; dadurch schwinden die Wurzeln der Krankheit vollständig.

pāṣāṇabhedo vasuko vaśirāśmantakau tathā śatāvarī śvadaṃṣṭrā ca bṛhatī kaṇṭakārikā

*Pāṣāṇabheda*, *vasuka*, *vaśirā*, *aśmantaka*, *śatāvarī*, *śvadaṃṣṭrā*, *bṛhatī* und *kaṇṭakārikā*,

kapotavaṅkā'tagalaḥ kaccakośīrakubjakāḥ vṛkṣādanī bhallukaśca varuṇaḥ śākajaṃ phalam

*kapotavaṅkā*, *atagala*, *kaccā*, *kośīra*, *kubjaka*, *vṛkṣādanī*, *bhalluka* und die Frucht des *varuṇa*-Baumes,

yavāḥ kulatthāḥ kolāni katakasya phalāni ca ūṣakādipratīvāpameṣāṃ kvāthairghṛtaṃ kṛtam

Gerste, *kulattha*, Jujube und *kataka*-Früchte – mit diesen Mitteln, versetzt mit Aschenlauge u. Ä. als Zusatz, bereite man aus deren Sud ein Ghee.

bhinatti vātasaṃbhūtāmaśmarīṃ kṣiprameva tu kṣārān yavāgūryūṣāṃśca kaṣāyāṇi payāṃsi ca

Es zerbricht rasch den durch *vāta* entstandenen Blasenstein. Man verwende in dieser windvertreibenden Gruppe Aschenlaugen, Reisschleim, Suppen, Sude und Milch

bhojanāni ca kurvīta varge'smin vātanāśane kuśaḥ kāśaḥ saro gundrā itkaṭo moraṭo'śmabhit

sowie Speisen. Weitere Mittel dieser Gruppe sind: *kuśa*, *kāśa*, *śara*, *gundrā*, *itkaṭa*, *moraṭa*, *aśmabhit*,

varī vidārī vārāhī śālimūlatrikaṇṭakam bhallūkaḥ pāṭalā pāṭhā pattūro'tha kuruṇṭikā

*varī*, *vidārī*, *vārāhī*, *śālimūla*, *trikaṇṭaka*, *bhallūka*, *pāṭalā*, *pāṭhā*, *pattūra* und *kuruṇṭikā*,

punarnavā śirīṣaśca kvathitāsteṣu sādhitam ghṛtaṃ śilājamadhukabījairindīvarasya ca

*punarnavā* und *śirīṣa* – mit diesen gekocht bereite man ein Ghee, versetzt mit *śilāja*, Süßholz-Samen und Samen des blauen Lotus (*indīvara*),

trapusairvārukādīnāṃ bījaiścāvāpitaṃ śubham bhinatti pittasaṃbhūtāmaśmarīṃ kṣiprameva tu

sowie mit Gurken- und Melonensamen. Dieses zerbricht rasch den durch *pitta* entstandenen Blasenstein.

kṣārān yavāgūryūṣāṃśca kaṣāyāṇi payāṃsi ca bhojanāni ca kurvīta varge'smin pittanāśane

Man verwende in dieser *pitta*-vertreibenden Gruppe Aschenlaugen, Reisschleim, Suppen, Sude, Milch

gaṇo varuṇakādistu guggulvelāhareṇavaḥ kuṣṭhabhadrā dimaricacitrakaiḥ sasurāhvayaiḥ

und Speisen. Die Gruppe um *varuṇaka* – *guggulu*, *elā*, *hareṇu*, *kuṣṭha*, *bhadra*, Pfeffer, *citraka* und Asant –

etaiḥ siddhamajāsarpirūṣakādigaṇena ca bhinatti kaphasaṃbhūtāmaśmarīṃ kṣiprameva tu

mit diesen bereitetes Ziegenghee, zusammen mit der Gruppe um Aschenlauge u. Ä., zerbricht rasch den durch *kapha* entstandenen Blasenstein.

kṣārān yavāgūryūṣāṃśca kaṣāyāṇi payāṃsi ca bhojanāni ca kurvīta varge'smin kaphanāśane

Man verwende in dieser *kapha*-vertreibenden Gruppe Aschenlaugen, Reisschleim, Suppen, Sude, Milch

picukāṅkolakatakaśākendīvarajaiḥ phalaiḥ cūrṇitaiḥ saguḍaṃ toyaṃ śarkarāśamanaṃ pibet

und Speisen. Man trinke Wasser mit den gepulverten Samen von *picu*, *aṅkola*, *kataka*, *śāka* und blauem Lotus, versetzt mit *guḍa*, um Harnsteinsplitter (*śarkarā*) aufzulösen.

krauñcoṣṭrarāsabhāsthīni śvadaṃṣṭrā tālamūlikā ajamodā kadambasya mūlaṃ nāgarameva ca

Kranich-, Kamel- und Eselknochen, *śvadaṃṣṭrā*, *tālamūlikā*, *ajamodā*, *kadamba*-Wurzel und Ingwer,

pītāni śarkarāṃ bhindyuḥ surayoṣṇodakena vā trikaṇṭakasya bījānāṃ cūrṇaṃ mākṣikasaṃyutam

damit versetzt und mit Wein oder heißem Wasser getrunken, brechen den Harngrieß auf. Auch Pulver aus den Samen des *trikaṇṭaka* (*gokṣura*), mit Honig versetzt,

avikṣīreṇa saptāhamaśmarībhedanaṃ pibet dra vyāṇāṃ tu ghṛtoktānāṃ kṣāro'vimūtragālitaḥ

sieben Tage lang ohne Ziegenmilch getrunken, zerbricht den Blasenstein. Von den bei Ghee genannten Mitteln stelle man auch ein Ätzmittel her, durch Ziegenurin gefiltert,

grāmyasattvaśakṛtkṣāraiḥ saṃyuktaḥ sādhitaḥ śanaiḥ tatroṣakādirāvāpaḥ kāryastrikaṭukānvitaḥ

vermischt mit Aschenlauge aus Kot von Ziegen und Ähnlichem und langsam eingekocht; dabei füge man Aschenlauge u. Ä. sowie die drei Scharfstoffe hinzu.

eṣa kṣāro'śmarīṃ gulmaṃ śarkarāṃ ca bhinattyapi tilāpāmārgakadalīpalāśayavakalkajaḥ

Dieses Ätzmittel zerbricht Blasenstein, Bauchgeschwulst und Harngrieß. Ein Ätzmittel aus Sesam, *apāmārga*, Banane, *palāśa* und Gerste,

kṣāraḥ peyo'vimūtreṇa śarkarānāśanaḥ paraḥ pāṭalākaravīrāṇāṃ kṣāramevaṃ samācaret

mit Ziegenurin getrunken, ist ein hervorragendes Mittel gegen Harngrieß. Ebenso verfahre man mit Aschenlauge aus *pāṭalā* und Oleander.

śvadaṃṣṭrāyaṣṭikābrāhmīkalkaṃ vā'kṣasamaṃ pibet sahaiḍakākhyau peyau vā śobhāñjanakamārkavau

Man trinke eine Paste aus *śvadaṃṣṭrā*, *yaṣṭikā* und *brāhmī* in der Menge eines *akṣa*; ebenso einen Trank aus *aiḍaka*, *śobhāñjana* und *arka*,

kapotavaṅkāmūlaṃ vā pibedamlaiḥ surādibhiḥ tatsiddhaṃ vā pibet kṣīraṃ vedanābhirupadrutaḥ

oder man trinke *kapotavaṅkā*-Wurzel mit saurer Flüssigkeit oder Wein u. Ä.; oder man trinke damit gekochte Milch, wenn der Patient von Schmerzen geplagt wird.

harītakyādisiddhaṃ vā varṣābhūsiddhameva vā sarvathaivopayojyaḥ syādgaṇo vīratarādikaḥ

Oder man trinke einen mit *harītakī* u. Ä. gekochten Sud, oder einen aus *varṣābhū*; in jedem Fall verwende man die Gruppe um *vīratara* u. Ä.

ghṛtaiḥ kṣāraiḥ kaṣāyaiśca kṣīraiḥ sottarabastibhiḥ yadi nopaśamaṃ gacchecchedastatrottaro vidhiḥ

Wenn trotz Ghee, Ätzmitteln, Suden, Milch und Nachklistieren keine Besserung eintritt, ist der chirurgische Eingriff geboten.

kuśalasyāpi vaidyasya yataḥ siddhirihādhruvā upakramo jaghanyo'yamataḥ saṃparikīrtitaḥ

Da selbst bei einem erfahrenen Arzt der Erfolg hier ungewiss ist, gilt dieser Eingriff als letztes, äußerstes Mittel.

akriyāyāṃ dhruvo mṛtyuḥ kriyāyāṃ saṃśayo bhavet tasmādāpṛcchya kartavyamīśvaraṃ sādhukāriṇā

Unterlässt man die Behandlung, ist der Tod gewiss; behandelt man, besteht immerhin Hoffnung. Daher soll der rechtschaffen Handelnde erst Gott befragen und dann handeln.

atha rogānvitamupasnigdhamapakṛṣṭadoṣamīṣatkarśitamabhyaktasvinnaśarīraṃ bhuktavantaṃ kṛtabalimaṅgalasvastivācanamagropaharaṇīyoktena vidhānenopakalpi tasambhāra-māśvāsya tato balavantamaviklavamājānusame phalake prāgupaviṣṭānyapuruṣa-syotsaṅge niṣaṇṇapūrvakāyamuttānamunnatakaṭīkaṃ vastrādhā rakopaviṣṭaṃ saṅku-citajānukūrparamitareṇa sahāvabaddhaṃ sūtreṇa śāṭakairvā tataḥ svabhyaktanābhiprade-śasya vāmapārśvaṃ vimṛdya muṣṭinā'vapīḍayedadho nābheryāvadaśmaryadhaḥ prapanneti ta-taḥ snehābhyakte kḷptanakhe vāmahastapradeśinīmadhyame aṅgulyau pāyau praṇidhā-yānusevanīmāsādya prayatnabalābhyāṃ pāyumeḍhrāntaramānīya nirvyalīkamanāyatama-viṣamaṃ ca bastiṃ sanniveśya bhṛśamutpīḍayedaṅgulibhyāṃ yathā granthirivonnataṃ śalyaṃ bhavati

Danach lasse man den erkrankten, bereits geölten, von *doṣa* befreiten, leicht abgemagerten, eingeölten und gedämpften Patienten, der gegessen, das Opfer dargebracht und den Segensspruch empfangen hat, nach dem im Kapitel über die vorbereitenden Maßnahmen beschriebenen Verfahren beruhigen und ihm Mut zusprechen. Danach lege man den kräftigen, unerschrockenen Patienten auf ein knielanges Brett, mit dem Rücken auf dem Schoß eines vorher davorsitzenden Gehilfen, sodass der Oberkörper nach vorn geneigt, aber zurückgelehnt ist, die Hüfte erhöht, in Tücher gehüllt sitzend, die Knie angezogen und mit einem Band oder Tuch zusammengebunden. Dann drücke man, nachdem man die Umgebung des Nabels eingeölt hat, mit der Faust die linke Seite unterhalb des Nabels, bis der Stein bis unterhalb des Nabels heruntergedrückt ist. Danach führe man, mit eingeölten, kurz geschnittenen Nägeln, Zeige- und Mittelfinger der linken Hand in den After ein, taste die Dammnaht ab und bringe mit Geschick und Kraft den Stein zwischen After und Glied; dort halte man ihn fest, nicht schief, nicht in ungleichmäßiger Lage, sondern gerade, und drücke ihn mit den Fingern kräftig hervor, bis er wie ein Knoten hervortritt.

sa cedgṛhītaśalye tu vivṛtākṣo vicetanaḥ hatavallambaśīrṣaśca nirvikāro mṛtopamaḥ

Ist der Stein bereits erfasst, aber der Patient mit starrem Blick, bewusstlos, gelähmt, mit hängendem Kopf und ohne Regung, einem Toten gleich,

na tasya nirharecchalyaṃ nirharettu mriyeta saḥ vinā tveteṣu rūpeṣu nirhartuṃ prayateta vai

so entferne man den Stein nicht; entfernte man ihn dennoch, würde der Patient sterben. Nur wenn diese Anzeichen fehlen, versuche man, ihn zu entfernen.

tataḥ savye pārśve sevanīṃ yavamātreṇa muktvā'vacārayecchastramaśmarīpramāṇaṃ da-kṣiṇato vā kriyāsaukaryahetorityeke yathā sā na bhidyate cūrṇyate vā tathā prayateta cūrṇamalpamapyavasthitaṃ hi punaḥ parivṛddhimeti tasmāt samastāmagrava-kreṇādadīta strīṇāṃ tu bastipārśvagato garbhāśayaḥ sannikṛṣṭaḥ tasmāttāsāmutsaṅga vacchastraṃ pātayet ato'nyathā khalvāsāṃ mūtrasrāvī vraṇo bhavet puruṣasya vā mūtraprasekakṣaṇanānmūtrakṣaraṇam aśmarīvraṇādṛte bhinnabastirekadhāpi na bhavati dvidhā bhinnabastirāśmariko na sidhyati aśmarīvraṇanimittamekadhābhinnabasti-rjīvati kriyābhyā sācchāstra vihitacchedānniḥ syandaparivṛddhatvācca śalya-syeti uddhṛtaśalyaṃ tūṣṇodakadro ṇyāmavagāhya svedayet tathā hi basti sṛjā na pūryate pūrṇe vā kṣīravṛkṣakaṣāyaṃ puṣpanetreṇa vidadhyāt

Dann führe man, auf der linken Seite der Dammnaht, in der Breite eines Gerstenkorns von ihr entfernt, das Messer entsprechend der Größe des Steins ein – nach Ansicht mancher auch auf der rechten Seite, der leichteren Ausführung wegen –, so, dass der Stein weder zerbrochen noch zerrieben wird; denn selbst ein kleiner verbliebener Splitter wächst wieder nach. Daher entferne man den Stein möglichst in einem Stück und mit gerader Klingenführung. Bei Frauen liegt die Gebärmutter nahe der seitlichen Blasenwand, daher führe man bei ihnen den Schnitt wie über deren Schoß hinweg; andernfalls entstünde eine urinierende Fistelwunde. Beim Mann führt eine Verletzung der Harnröhrenmündung zu Urinträufeln. Außer bei der durch den Steinschnitt bedingten Wunde heilt eine einfach durchtrennte Blase niemals vollständig zu, eine doppelt durchtrennte Blase führt beim Steinpatienten nicht zum Erfolg; nur durch die eine, durch den Blasenstein bedingte Öffnung überlebt der Patient, wenn die Blase einfach durchtrennt wurde – dank der Behandlung und weil durch das vorschriftsmäßig ausgeführte Messer der Ausfluss den Stein bereits gelockert hat. Ist der Stein entfernt, lasse man den Patienten in einem Trog mit warmem Wasser baden und dämpfe ihn – so füllt sich die Blase nicht mit Blut. Ist sie dennoch gefüllt, spüle man sie mit einem Sud aus Milchbäumen mittels einer Blumenspritze (*puṣpanetra*) aus.

bhavati cātra kṣīravṛkṣakaṣāyastu puṣpanetreṇa yojitaḥ nirharedaśmarīṃ tūrṇaṃ raktaṃ bastigataṃ ca yat

Auch hierzu gilt: Der mit der Blumenspritze eingeführte Sud aus Milchbäumen entfernt rasch den in der Blase befindlichen Blasenstein und das dort angesammelte Blut.

mūtramārgaviśodhanārthaṃ cāsmai guḍasauhityaṃ vitaret uddhṛtya cainaṃ madhughṛtābhyakta-vraṇaṃ mūtraviśodhanadra vyasiddhāmuṣaṇāṃ saghṛtāṃ yavāgūṃ pāyayetobhayakālaṃ trirātrāṃ trirātrādūrdhvaṃ guḍapragāḍhena payasā mṛdvodanamalpaṃ bhojayeddaśarātraṃ mūtrāsṛgviśuddhyarthaṃ vraṇakledanārthaṃ ca daśarātrādūrdhvaṃ phalāmlairjāṅgalarasairupācaret tato daśarātraṃ cainamapramattaḥ svedayet snehena dra vasvedena vā kṣīravṛkṣakaṣāyeṇa cāsya vraṇaṃ prakṣālayet rodhramadhukamañjiṣṭhāprapauṇḍarīkakalkairvraṇaṃ pratigrāhayet eteṣveva haridrā yuteṣu tailaṃ ghṛtaṃ vā vipakvaṃ vraṇābhyañjanamiti styānaśoṇitaṃ cottaraba-stibhirupācaret saptarātrācca svamārgamapratipadyamāne mūtre vraṇaṃ yathoktena vidhinā dahedagninā svamārgapratipanne cottarabastyāsthāpanānuvāsanairupācarenmadhurakaṣā-yairiti yadṛcchayā vā mūtramārgapratipannāmantarāsaktāṃ śukrāśmarīṃ śarkarāṃ vā srotasāpaharet evaṃ cāśakye vidārya nāḍīṃ śastreṇa baḍiśenoddharet rūḍhavra-ṇaścāṅganāśvanaganāgarathadrumān nāroheta varṣaṃ nāpsu plaveta bhuñjīta vā guru

Zur Reinigung der Harnwege gebe man dem Patienten reichlich *guḍa*. Nachdem man den Stein entfernt hat, bestreiche man die Wunde mit Honig und Ghee und gebe ihm morgens und abends drei Tage lang einen mit die Harnwege reinigenden Mitteln versetzten, salzigen Reisschleim mit Ghee zu trinken; nach diesen drei Tagen gebe man ihm zehn Tage lang, mit reichlich *guḍa* versetzter Milch, weichen, mäßig gekochten Reis zu essen, zur Reinigung von Urin und Blut sowie zur Feuchthaltung der Wunde. Nach diesen zehn Tagen behandle man ihn mit saurem Fruchtsaft und Wildfleischbrühe. Danach dämpfe man ihn zehn Tage lang sorgfältig, mit Öl oder Nassdampf; mit dem Sud aus Milchbäumen wasche man die Wunde und lasse sie mit einer Paste aus *rodhra*, Süßholz, *mañjiṣṭhā* und *prapauṇḍarīka* zuheilen. Mit denselben Mitteln, mit Kurkuma versetzt, bereite man ein Öl oder Ghee zum Bestreichen der Wunde. Angesammeltes, geronnenes Blut behandle man mit Nachklistieren. Fließt der Urin auch nach sieben Tagen nicht auf seinem normalen Weg ab, kauterisiere man die Wunde wie vorgeschrieben mit Feuer; fließt er wieder normal ab, behandle man mit süßen und adstringierenden Nachklistieren sowie beruhigenden und ölenden Klistieren. Ist ein aus Samen entstandener Stein (*śukrāśmarī*) oder Harngrieß zufällig in den normalen Harnweg gelangt und dort steckengeblieben, so entferne man ihn durch den Harnkanal; ist dies nicht möglich, spalte man die Röhre mit dem Messer und ziehe ihn mit einem Häkchen heraus. Ein Patient mit verheilter Wunde soll weder Frauen, Pferde, Elefanten, Wagen noch Bäume besteigen, ein Jahr lang nicht im Wasser schwimmen und keine schwere Kost zu sich nehmen.

mūtravahaśukravahamuṣkasrotomūtraprasekasevanīyonigudabastīnaṣṭau pariharet tatra mūtravahacchedānmaraṇaṃ mūtrapūrṇabasteḥ śukravahacchedānmaraṇaṃ klaibyaṃ vā muṣkasrota-upaghātād dhvajabhaṅgaḥ mūtraprasekakṣaṇanānmūtraprakṣaraṇaṃ sevanīyonicchedādrujaḥ prādubhārvaḥ bastigudaviddhalakṣaṇaṃ prāguktamiti

Man vermeide es, folgende acht [Kanäle] zu verletzen: den harnführenden, den samenführenden Kanal, die beiden Hodensack-Gefäße, die Harnröhrenmündung, die Dammnaht, die Gebärmutter (bei Frauen die *yoni*) und die Blase. Wird der harnführende Kanal durchtrennt, tritt der Tod ein, da sich die Blase mit Urin füllt; wird der samenführende Kanal durchtrennt, tritt der Tod ein oder Impotenz; wird das Hodensack-Gefäß verletzt, kommt es zum Verlust der Manneskraft; wird die Harnröhrenmündung verletzt, kommt es zu Urinträufeln; wird die Dammnaht durchtrennt, entstehen Schmerzen und ein Hervortreten von Gewebe; die Zeichen einer Verletzung von Blase und *yoni* wurden bereits zuvor genannt.

bhavati cātra marmāṇyaṣṭāvasaṃbudhya srotojāni śarīriṇām vyāpādayedbahūnmartyān śastrakarmāpaṭurbhiṣak

Auch hierzu gilt: Wer diese acht, aus den Kanälen der Lebewesen entspringenden lebenswichtigen Stellen (*marman*) nicht kennt, kann als ungeschickter Chirurg viele Menschen zugrunde richten.

sevanī śukraharaṇī srotasī phalayorgudam mūtrasekaṃ mūtravahaṃ yonirbastistathā'ṣṭamaḥ

Die Dammnaht, der samenführende Kanal, die beiden Kanäle der Hoden, der After, die Harnröhrenmündung, der harnführende Kanal, die *yoni* und die Blase als achte – dies sind die acht zu meidenden Stellen.

Interaktive Leseansicht des ganzen Werks