Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sauptikaparva

Kapitel 17: śivamāhātmya-kathā Kṛṣṇa erzählt von Śivas Größe und der Schöpfung der Wesen

Auf Yudhiṣṭhiras Frage nach Aśvatthāmans Untat verweist Kṛṣṇa auf die Gnade Mahādevas und beginnt einen Schöpfungsmythos um Brahmā, Rudra/Sthāṇu und die Nahrung der Geschöpfe.

vaiśaṃpāyana uvāca; hateṣu sarvasainyeṣu sauptike tai rathais tribhiḥ; śocan yudhiṣṭhiro rājā dāśārham idam abravīt

Vaiśaṃpāyana sprach: Als im nächtlichen Überfall alle Heere durch jene drei Wagenkämpfer erschlagen waren, sprach König Yudhiṣṭhira, klagend, zu dem Dāśārha diese Worte.

Wort für Wort
vaiśaṃpāyana uvāca
Vaiśaṃpāyana sprach (Perf.)
hateṣu sarvasainyeṣu
als alle Heere erschlagen waren (Lok. abs., Part. Pass.)
sauptike tai rathais tribhiḥ
im nächtlichen Überfall durch jene drei Wagenkämpfer (Lok./Instr. Pl.)
śocan yudhiṣṭhiro rājā
klagend, König Yudhiṣṭhira (Part. Präs./Nom.)
dāśārham idam abravīt
zu dem Dāśārha dies sprach er (Akk./Impf.)

kathaṃ nu kṛṣṇa pāpena kṣudreṇākliṣṭakarmaṇā; drauṇinā nihatāḥ sarve mama putrā mahārathāḥ

„Wie nur, Kṛṣṇa, sind von dem bösen, niedrigen Drauṇi, der [doch] mühelos zu handeln vermag, alle meine Söhne, die großen Wagenkämpfer, erschlagen worden?“

Wort für Wort
kathaṃ nu kṛṣṇa
wie nur, Kṛṣṇa (Vok.)
pāpena kṣudreṇa
von dem Bösen, Niedrigen (Instr. Sg.)
ākliṣṭakarmaṇā
der mit unbeschwerter/unermüdlicher Tat [handelt] (Instr. Sg., Bahuvrīhi)
drauṇinā nihatāḥ
von Drauṇi erschlagen (Instr./Nom. Pl. Part. Pass.)
sarve mama putrā mahārathāḥ
alle meine Söhne, große Wagenkämpfer (Nom. Pl.)

akliṣṭakarman ist hier vermutlich anerkennend-bitter gemeint; Deutung unsicher.

tathā kṛtāstrā vikrāntāḥ sahasraśatayodhinaḥ; drupadasyātmajāś caiva droṇaputreṇa pātitāḥ

„Ebenso [wurden] die Söhne des Drupada, [die] waffenkundig und tapfer [waren] und gegen Hunderttausende kämpften, von dem Sohn des Droṇa gefällt.“

Wort für Wort
tathā kṛtāstrā vikrāntāḥ
ebenso waffengeübt, tapfer (Nom. Pl.)
sahasraśatayodhinaḥ
die gegen Tausende und Hunderte kämpften (Nom. Pl., Tatpuruṣa)
drupadasya ātmajāḥ ca eva
und die Söhne des Drupada (Gen./Nom. Pl.)
droṇaputreṇa pātitāḥ
vom Sohn des Droṇa gefällt (Instr./Nom. Pl. Kaus.-Part.)

yasya droṇo maheṣvāso na prādād āhave mukham; taṃ jaghne rathināṃ śreṣṭhaṃ dhṛṣṭadyumnaṃ kathaṃ nu saḥ

„Ihm, dem Droṇa, der große Bogenschütze, im Kampf nicht das Gesicht zukehrte [?] – ihn, Dhṛṣṭadyumna, den besten der Wagenkämpfer, erschlug jener: wie nur?“

Wort für Wort
yasya droṇaḥ maheṣvāsaḥ
dem (Gen.) Droṇa, der große Bogenschütze (Nom.)
na prādād āhave mukham
gab nicht im Kampf das Gesicht (3.Sg.Aor./Lok./Akk.)
taṃ jaghne rathināṃ śreṣṭham
ihn erschlug er, den Besten der Wagenkämpfer (Perf. Med./Akk./Gen. Pl.)
dhṛṣṭadyumnaṃ kathaṃ nu saḥ
Dhṛṣṭadyumna, wie nur jener (Akk./Nom.)

na prādād āhave mukham: Sinn unsicher (etwa „wandte sich nicht ab“ bzw. „stellte sich nicht“); Bezug von yasya unklar.

kiṃ nu tena kṛtaṃ karma tathāyuktaṃ nararṣabha; yad ekaḥ śibiraṃ sarvam avadhīn no guroḥ sutaḥ

„Welche Tat wurde von ihm so ausgeführt, o Stier unter den Männern, dass der Sohn des Lehrers allein das ganze Lager von uns erschlug?“

Wort für Wort
kiṃ nu tena kṛtaṃ karma
welche Tat wurde von ihm getan (Nom./Instr./Part. Pass.)
tathāyuktaṃ nararṣabha
so beschaffen, Stier unter den Männern (Vok.)
yad ekaḥ śibiraṃ sarvam
dass allein das ganze Lager (Nom./Akk.)
avadhīn naḥ guroḥ sutaḥ
erschlug von uns [Gen.] der Sohn des Lehrers (Aor./Gen. Pl./Nom.)

vāsudeva uvāca; nūnaṃ sa devadevānām īśvareśvaram avyayam; jagāma śaraṇaṃ drauṇir ekas tenāvadhīd bahūn

Vāsudeva sprach: „Gewiss ist Drauṇi allein zu dem unvergänglichen Herrn der Götterherren, dem Gott der Götter, als Zuflucht gegangen; darum hat er viele erschlagen.“

Wort für Wort
vāsudeva uvāca
Vāsudeva sprach
nūnaṃ sa devadevānām
gewiss er, [zu dem] der Götter Götter (Gen. Pl.)
īśvareśvaram avyayam
dem Herrn der Herren, dem Unvergänglichen (Akk.)
jagāma śaraṇaṃ drauṇiḥ
ging zur Zuflucht Drauṇi (Perf./Akk./Nom.)
ekas tena avadhīd bahūn
allein, durch ihn erschlug er viele (Instr./Aor./Akk. Pl.)

devadevānām: Lesart/Bezug (Gen. Pl. „der Götter Götter“ bzw. Kompositum) leicht unklar; Zuordnung zu īśvareśvaram gewählt.

prasanno hi mahādevo dadyād amaratām api; vīryaṃ ca giriśo dadyād yenendram api śātayet

„Denn ist Mahādeva gnädig, so könnte er sogar Unsterblichkeit gewähren; und Giriśa könnte eine Kraft verleihen, mit der man selbst Indra zu Fall brächte.“

Wort für Wort
prasannaḥ hi mahādevaḥ
denn gnädig Mahādeva (Nom.)
dadyād amaratām api
könnte gewähren Unsterblichkeit sogar (Opt./Akk.)
vīryaṃ ca giriśaḥ dadyāt
und Kraft könnte Giriśa gewähren (Akk./Nom./Opt.)
yena indram api śātayet
womit man Indra sogar stürzen könnte (Instr./Akk./Opt. Kaus.)

vedāhaṃ hi mahādevaṃ tattvena bharatarṣabha; yāni cāsya purāṇāni karmāṇi vividhāny uta

„Denn ich kenne Mahādeva der Wahrheit nach, o Stier der Bharata, und auch seine mannigfachen alten Taten.“

Wort für Wort
veda aham hi mahādevam
ich kenne ja Mahādeva (1.Sg.Perf./Akk.)
tattvena bharatarṣabha
der Wahrheit nach, Stier der Bharata (Instr./Vok.)
yāni ca asya purāṇāni
und die seine alten (Nom./Gen. Pl.)
karmāṇi vividhāni uta
Taten, vielfältigen, überdies (Nom. Pl.)

ādir eṣa hi bhūtānāṃ madhyam antaś ca bhārata; viceṣṭate jagac cedaṃ sarvam asyaiva karmaṇā

„Er ist ja der Anfang, die Mitte und das Ende der Wesen, o Bhārata; durch sein Wirken allein regt sich diese ganze Welt.“

Wort für Wort
ādir eṣa hi bhūtānām
Anfang ist dieser ja der Wesen (Nom./Gen. Pl.)
madhyam antaḥ ca bhārata
Mitte und Ende, o Bhārata (Nom./Vok.)
viceṣṭate jagat ca idam
regt sich die Welt hier (3.Sg.Präs. Med./Nom.)
sarvam asya eva karmaṇā
ganz, durch sein eigenes Wirken (Instr.)

evaṃ sisṛkṣur bhūtāni dadarśa prathamaṃ vibhuḥ; pitāmaho 'bravīc cainaṃ bhūtāni sṛja māciram

„So sah der Allmächtige, der Wesen zu erschaffen wünschte, zuerst [ihn]; und der Großvater sprach zu ihm: ‚Erschaffe die Wesen, nicht spät!‘“

Wort für Wort
evaṃ sisṛkṣuḥ bhūtāni
so, zu erschaffen wünschend die Wesen (Part./Akk. Pl.)
dadarśa prathamaṃ vibhuḥ
sah zuerst der Allmächtige (Perf./Nom.)
pitāmahaḥ abravīt ca enam
der Großvater sprach und zu ihm (Impf./Akk.)
bhūtāni sṛja mā aciram
Wesen erschaffe, nicht spät (Imp./Akk. Pl.)

Der Satzbau ist elliptisch: Der Schöpfer (Brahmā) sieht als erstes Śiva; ergänzt [ihn]. Wechsel der Subjekte unsicher.

harikeśas tathety uktvā bhūtānāṃ doṣadarśivān; dīrghakālaṃ tapas tepe magno 'mbhasi mahātapāḥ

Harikeśa sprach: „So sei es“, sah aber die Fehler der Wesen, [und] der große Asket verrichtete lange Zeit Askese, in Wasser versunken.

Wort für Wort
harikeśaḥ tathā iti uktvā
Harikeśa, „so“ gesagt habend (Nom./Abs.)
bhūtānāṃ doṣadarśivān
die Fehler der Wesen sehend (Gen. Pl./Nom.)
dīrghakālaṃ tapaḥ tepe
lange Zeit Askese übte er (Akk./Perf.)
magnaḥ ambhasi mahātapāḥ
versunken im Wasser, der große Asket (Part./Lok./Nom.)

sumahāntaṃ tataḥ kālaṃ pratīkṣyainaṃ pitāmahaḥ; sraṣṭāraṃ sarvabhūtānāṃ sasarja manasāparam

Nachdem der Großvater sehr lange Zeit auf ihn gewartet hatte, erschuf er auf dem Wege des Geistes einen anderen, den Schöpfer aller Wesen.

Wort für Wort
sumahāntaṃ tataḥ kālam
sehr lange darauf Zeit (Akk.)
pratīkṣya enam pitāmahaḥ
erwartet habend ihn, der Großvater (Abs./Akk./Nom.)
sraṣṭāraṃ sarvabhūtānām
einen Schöpfer aller Wesen (Akk./Gen. Pl.)
sasarja manasā aparam
erschuf durch den Geist einen anderen (Perf./Instr./Akk.)

so 'bravīt pitaraṃ dṛṣṭvā giriśaṃ magnam ambhasi; yadi me nāgrajas tv anyas tataḥ srakṣyāmy ahaṃ prajāḥ

Dieser sprach, als er den Vater, den Giriśa, im Wasser versunken sah: „Wenn mir kein anderer als Erstgeborener vorausgeht, dann werde ich die Geschöpfe erschaffen.“

Wort für Wort
saḥ abravīt pitaram
er sprach zum Vater (Impf./Akk.)
dṛṣṭvā giriśaṃ magnam ambhasi
gesehen habend den Giriśa versunken im Wasser (Abs./Akk./Lok.)
yadi me na agrajaḥ tu anyaḥ
wenn mir nicht ein Erstgeborener, ein anderer
tataḥ srakṣyāmi ahaṃ prajāḥ
dann werde ich erschaffen die Geschöpfe (1.Sg.Fut./Akk. Pl.)

tam abravīt pitā nāsti tvad anyaḥ puruṣo 'grajaḥ; sthāṇur eṣa jale magno visrabdhaḥ kuru vai kṛtim

Der Vater sagte zu ihm: „Es gibt keinen anderen Mann als Erstgeborenen außer dir; dieser Sthāṇu liegt im Wasser versunken – schaffe getrost dein Werk.“

Wort für Wort
tam abravīt pitā
zu ihm sprach der Vater (Impf./Nom.)
na asti tvad anyaḥ
es gibt nicht außer dir (3.Sg.Präs./Abl.)
puruṣaḥ agrajaḥ
einen Mann als Erstgeborenen (Nom.)
sthāṇuḥ eṣa jale magnaḥ
Sthāṇu, dieser, im Wasser versunken (Nom./Lok.)
visrabdhaḥ kuru vai kṛtim
vertrauensvoll vollbringe wahrlich das Werk (Nom./Imp./Akk.)

sthāṇu: „Pfahl, Unbewegter“ (Beiname Śivas); Wortspiel möglich.

sa bhūtāny asṛjat sapta dakṣādīṃs tu prajāpatīn; yair imaṃ vyakarot sarvaṃ bhūtagrāmaṃ caturvidham

Da erschuf er sieben Wesen und [weiter] die Prajāpatis, angeführt von Dakṣa, durch die er diese ganze vierfache Gesamtheit der Wesen gestaltete.

Wort für Wort
saḥ bhūtāni asṛjat sapta
er schuf sieben Wesen (Impf./Akk. Pl.)
dakṣādīn tu prajāpatīn
und Dakṣa und die anderen Prajāpatis (Akk. Pl.)
yaiḥ imaṃ vyakarot sarvam
durch die er dies ganze ordnete (Instr./Impf.)
bhūtagrāmaṃ caturvidham
die Wesensgesamtheit, vierfach (Akk.)

sapta bhūtāni: Bezug unsicher; evtl. „sieben Geschöpfe/Weisen“.

tāḥ sṛṣṭamātrāḥ kṣudhitāḥ prajāḥ sarvāḥ prajāpatim; bibhakṣayiṣavo rājan sahasā prādravaṃs tadā

Kaum erschaffen, stürzten alle diese hungrigen Geschöpfe, den Prajāpati verschlingen wollend, o König, plötzlich auf ihn los.

Wort für Wort
tāḥ sṛṣṭamātrāḥ kṣudhitāḥ
diese, kaum erschaffen, hungrig (Nom. Pl. f.)
prajāḥ sarvāḥ prajāpatim
alle Geschöpfe den Prajāpati (Nom./Akk.)
bibhakṣayiṣavaḥ rājan
zu verschlingen begehrend, o König (Nom. Pl./Vok.)
sahasā prādravan tadā
plötzlich stürzten sie los damals (Instr./Impf.)

sa bhakṣyamāṇas trāṇārthī pitāmaham upādravat; ābhyo māṃ bhagavān pātu vṛttir āsāṃ vidhīyatām

Er, [von ihnen] verschlungen zu werden bedroht, suchte Schutz und lief zum Großvater: „Vor diesen möge mich der Erhabene schützen, für diese möge Nahrung bestimmt werden.“

Wort für Wort
saḥ bhakṣyamāṇaḥ trāṇārthī
er, gefressen werdend, Schutz suchend (Part. Pass./Nom.)
pitāmaham upādravat
zum Großvater lief er hin (Akk./Impf.)
ābhyaḥ māṃ bhagavān pātu
vor diesen möge mich der Erhabene schützen (Abl./Akk./Imp.)
vṛttiḥ āsāṃ vidhīyatām
Unterhalt für diese werde bestimmt (Nom./Gen. Pl./Imp. Pass.)

tatas tābhyo dadāv annam oṣadhīḥ sthāvarāṇi ca; jaṅgamāni ca bhūtāni durbalāni balīyasām

Da gab er ihnen Nahrung: die Pflanzen und das Unbewegliche, und die beweglichen Wesen, die Schwachen als Nahrung der Stärkeren.

Wort für Wort
tataḥ tābhyaḥ dadau annam
dann ihnen gab er Nahrung (Dat./Perf./Akk.)
oṣadhīḥ sthāvarāṇi ca
die Pflanzen und Unbewegliches (Akk. Pl.)
jaṅgamāni ca bhūtāni
und die beweglichen Wesen (Akk. Pl.)
durbalāni balīyasām
die Schwachen [als Nahrung] der Stärkeren (Akk./Gen. Pl.)

durbalāni balīyasām: Ergänzung „als Nahrung“ ist sinngemäß.

vihitānnāḥ prajās tās tu jagmus tuṣṭā yathāgatam; tato vavṛdhire rājan prītimatyaḥ svayoniṣu

Diese Geschöpfe gingen, mit Nahrung versehen, zufrieden dorthin, woher sie gekommen waren; dann wuchsen sie, o König, voll Freude in ihren [eigenen] Mutterschößen heran.

Wort für Wort
vihitānnāḥ prajāḥ tāḥ tu
mit bestimmter Nahrung versehen, diese Geschöpfe (Nom. Pl.)
jagmuḥ tuṣṭāḥ yathāgatam
gingen zufrieden, wie sie gekommen waren (Perf./Nom. Pl./Adv.)
tataḥ vavṛdhire rājan
dann wuchsen sie, o König (Perf. Med./Vok.)
prītimatyaḥ svayoniṣu
freudig in ihren eigenen Ursprüngen (Nom. Pl. f./Lok. Pl.)

bhūtagrāme vivṛddhe tu tuṣṭe lokagurāv api; udatiṣṭhaj jalāj jyeṣṭhaḥ prajāś cemā dadarśa saḥ

Als aber die Gesamtheit der Wesen gewachsen war und auch der Lehrer der Welten zufrieden war, stieg der Älteste aus dem Wasser empor und sah diese Geschöpfe.

Wort für Wort
bhūtagrāme vivṛddhe tu
als die Wesensgesamtheit gewachsen war (Lok. abs.)
tuṣṭe lokagurau api
auch [als] der Lehrer der Welten zufrieden war (Lok. abs.)
udatiṣṭhat jalāt jyeṣṭhaḥ
stand auf aus dem Wasser der Älteste (Impf./Abl./Nom.)
prajāḥ ca imāḥ dadarśa saḥ
und diese Geschöpfe sah er (Akk. Pl./Perf.)

bahurūpāḥ prajā dṛṣṭvā vivṛddhāḥ svena tejasā; cukrodha bhagavān rudro liṅgaṃ svaṃ cāpy avidhyata

Als der Erhabene, Rudra, die vielgestaltigen Geschöpfe sah, die durch ihre eigene Kraft [so] gewachsen waren, geriet er in Zorn und durchbohrte sein eigenes Glied.

Wort für Wort
bahurūpāḥ prajāḥ dṛṣṭvā
vielgestaltige Geschöpfe gesehen habend (Akk. Pl./Abs.)
vivṛddhāḥ svena tejasā
gewachsen durch eigene Kraft (Part./Instr.)
cukrodha bhagavān rudraḥ
zürnte der Erhabene Rudra (Perf./Nom.)
liṅgaṃ svaṃ ca api avidhyata
und sein eigenes Glied durchbohrte er auch (Akk./Impf. Med.)

liṅga: hier das Zeugungsglied; avidhyata nach Text „durchbohrte/riss weg“.

tat praviddhaṃ tadā bhūmau tathaiva pratyatiṣṭhata; tam uvācāvyayo brahmā vacobhiḥ śamayann iva

Es, weggeschleudert, blieb da auf der Erde genauso stehen; ihn sprach der unvergängliche Brahmā an, gleichsam mit [beschwichtigenden] Worten besänftigend.

Wort für Wort
tat praviddhaṃ tadā bhūmau
es, fortgeschleudert, damals auf der Erde (Nom. Part. Pass./Lok.)
tathā eva pratyatiṣṭhata
genau so blieb es stehen (Impf. Med.)
tam uvāca avyayaḥ brahmā
ihn sprach an der Unvergängliche, Brahmā (Perf./Nom.)
vacobhiḥ śamayan iva
mit Worten gleichsam besänftigend (Instr. Pl./Part.)

kiṃ kṛtaṃ salile śarva cirakālaṃ sthitena te; kimarthaṃ caitad utpāṭya bhūmau liṅgaṃ praveritam

„Was hast du im Wasser getan, Śarva, als du lange Zeit dort verweiltest? Und warum hast du dieses Glied ausgerissen und in die Erde geworfen?“

Wort für Wort
kiṃ kṛtaṃ salile śarva
was wurde getan im Wasser, Śarva (Part. Pass./Lok./Vok.)
cirakālaṃ sthitena te
von dir, der lange Zeit verweilt hat (Instr./Gen.)
kimarthaṃ ca etat utpāṭya
und weshalb dieses ausgerissen habend (Abs.)
bhūmau liṅgaṃ praveritam
in die Erde das Glied geworfen (Lok./Nom. Part. Pass.)

so 'bravīj jātasaṃrambhas tadā lokagurur gurum; prajāḥ sṛṣṭāḥ pareṇemāḥ kiṃ kariṣyāmy anena vai

Da sprach jener, von Zorn erfüllt, der Lehrer der Welten, zum [Ur-]Lehrer: „Die Geschöpfe wurden von einem anderen erschaffen; was soll ich denn damit tun?“

Wort für Wort
saḥ abravīt jātasaṃrambhaḥ
er sprach, Zorn entstanden (Impf./Nom. Bahuvrīhi)
tadā lokaguruḥ gurum
damals der Lehrer der Welten zum Lehrer (Nom./Akk.)
prajāḥ sṛṣṭāḥ pareṇa imāḥ
Geschöpfe erschaffen von einem anderen, diese (Nom. Pl./Instr.)
kiṃ kariṣyāmi anena vai
was werde ich tun mit diesem wahrlich (1.Sg.Fut./Instr.)

anena: Bezug unsicher (dieses Glied bzw. dieses Geschlecht).

tapasādhigataṃ cānnaṃ prajārthaṃ me pitāmaha; oṣadhyaḥ parivarteran yathaiva satataṃ prajāḥ

„Und die durch Askese erlangte Nahrung [war] für die Geschöpfe [bestimmt], o Großvater; die Pflanzen sollen sich wandeln, so wie die Geschöpfe beständig.“

Wort für Wort
tapasā adhigatam ca annam
und durch Askese erlangt Nahrung (Instr./Part./Nom.)
prajārtham me pitāmaha
für die Geschöpfe, von mir, o Großvater (Adv./Gen./Vok.)
oṣadhyaḥ parivarteran
die Pflanzen sollen sich wandeln (Nom. Pl./Opt.)
yathā eva satataṃ prajāḥ
gerade wie beständig die Geschöpfe (Nom. Pl.)

Vers dunkel und wohl verderbt; Wiedergabe unsicher [?].

evam uktvā tu saṃkruddho jagāma vimanā bhavaḥ; girer muñjavataḥ pādaṃ tapas taptuṃ mahātapāḥ

Nachdem er so gesprochen hatte, ging Bhava, sehr zornig und missmutig, zum Fuß des Berges Muñjavat, um Askese zu üben, der große Asket.

Wort für Wort
evam uktvā tu saṃkruddhaḥ
so gesprochen habend, sehr zornig (Abs./Nom.)
jagāma vimanāḥ bhavaḥ
ging missmutig Bhava (Perf./Nom.)
gireḥ muñjavataḥ pādam
zum Fuß des Berges Muñjavat (Gen./Akk.)
tapaḥ taptum mahātapāḥ
um Askese zu üben, der große Asket (Inf./Nom.)

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