Kapitel 4: aśvatthāmno niścayaḥ
Kṛpas Rat zur Ruhe und Aśvatthāmans unbeugsamer Entschluss zur Rache
Kṛpa rät Aśvatthāman, die Nacht auszuruhen und den Angriff auf die Pāñcālas am Morgen gemeinsam zu führen. Aśvatthāman weist dies zurück, da Zorn und Kummer um Vater und Duryodhana ihm keinen Schlaf lassen.
kṛpa uvāca; diṣṭyā te pratikartavye matir jāteyam acyuta; na tvā vārayituṃ śakto vajrapāṇir api svayam
Kṛpa sprach: „Glücklicherweise, Acyuta, ist dir dieser Entschluss zur Vergeltung gekommen; dich davon abzuhalten vermöchte nicht einmal der Donnerkeilträger selbst.“
Wort für Wort
kṛpa uvāca
Kṛpa sprach (Perf.)
diṣṭyā te pratikartavye
glücklicherweise, dir, zur Vergeltung (Instr./Dat./Lok.)
matir jāteyam acyuta
dieser Entschluss ist entstanden, Unerschütterlicher (Nom.f./Part.Perf.Pass./Vok.)
Mit uns beiden zusammen wirst du morgen im Zusammentreffen die Feinde erschlagen, nachdem du Kraft entfaltet hast, bester der Wagenkämpfer, gegen die Pāñcālas samt ihrem Gefolge.
Wort für Wort
āvābhyāṃ sahitaḥ śatrūñ
mit uns beiden vereint, die Feinde (Instr.Du./Nom./Akk.Pl.)
śvo 'si hantā samāgame
morgen bist du Töter im Zusammentreffen (Fut.-Periphrase/Lok.)
vikramya rathināṃ śreṣṭha
nachdem du Kraft entfaltet hast, Bester der Wagenkämpfer (Abs./Vok.)
na hi tvā rathināṃ śreṣṭha pragṛhītavarāyudham; jetum utsahate kaś cid api deveṣu pāvakiḥ
Denn dich, bester der Wagenkämpfer, der du die vorzügliche Waffe ergriffen hast, vermag nicht einmal jemand unter den Göttern zu besiegen, auch nicht der Sohn des Feuers [Skanda].
Wort für Wort
na hi tvā rathināṃ śreṣṭha
denn nicht dich, Bester der Wagenkämpfer (Akk./Vok.)
pragṛhītavarāyudham
der du die vorzügliche Waffe gezückt hast (Bahuvrīhi, Akk.)
jetum utsahate kaś cid
zu besiegen wagt irgendwer (Inf./3.Sg.Med.)
api deveṣu pāvakiḥ
auch unter den Göttern, der Feuersohn (Lok.Pl./Nom.)
pāvakiḥ „Sohn des Feuers“ meint wohl Skanda/Kārttikeya; Deutung nicht ganz sicher.
So werden wir vereint, Lieber, alle Feinde, die zusammengekommen sind, im Kampf mit Gewalt niederschlagen und vollkommene Freude erlangen; ruhe du dich gelassen aus und schlafe diese Nacht behaglich.
Wort für Wort
te vayaṃ sahitās tāta
so wir, vereint, Lieber (Nom.Pl./Vok.)
sarvāñ śatrūn samāgatān
alle Feinde, die versammelt sind (Akk.Pl.)
prasahya samare hatvā
gewaltsam im Kampf erschlagen habend (Abs./Lok.)
prītiṃ prāpsyāma puṣkalām
Freude werden wir erlangen, reichliche (1.Pl.Fut./Akk.)
viśramasva tvam avyagraḥ
ruhe du aus, unbekümmert (Imp./Nom.)
svapa cemāṃ niśāṃ sukham
und schlafe diese Nacht behaglich (Imp./Akk./Adv.)
ahaṃ ca kṛtavarmā ca prayāntaṃ tvāṃ narottama; anuyāsyāva sahitau dhanvinau paratāpinau; rathinaṃ tvarayā yāntaṃ rathāv āsthāya daṃśitau
Und ich und Kṛtavarman werden dir, wenn du aufbrichst, bester der Männer, gemeinsam folgen, beide Bogenschützen, Peiniger der Feinde; du ziehst eilig zu Wagen, wir beide, gepanzert, steigen auf einen Wagen.
Wort für Wort
ahaṃ ca kṛtavarmā ca
ich und Kṛtavarman (Nom.)
prayāntaṃ tvāṃ narottama
dir, der du aufbrichst, Bester der Männer (Akk./Vok.)
anuyāsyāva sahitau
wir beide werden folgen, vereint (1.Du.Fut./Nom.Du.)
dhanvinau paratāpinau
beide Bogenträger, Feindeversenger (Nom.Du.)
rathinaṃ tvarayā yāntaṃ
dich, den Wagenkämpfer, der du eilig ziehst (Akk./Instr./Part.)
rathāv āsthāya daṃśitau
auf Wagen gestiegen, gepanzert (Abs./Nom.Du.)
Zweiter Teil des Verses konstruktionell holprig; rathāv (Du.) wie in 3.
Nachdem du zu ihrem Lager gegangen bist und im Kampf deinen Namen ausgerufen hast, wirst du dann unter den kämpfenden Feinden ein großes Gemetzel anrichten.
Wort für Wort
sa gatvā śibiraṃ teṣāṃ
er [du], nachdem er zum Lager derer gegangen ist (Abs./Akk./Gen.)
nāma viśrāvya cāhave
den Namen verkündet habend und im Kampf (Abs./Lok.)
tataḥ kartāsi śatrūṇāṃ
dann wirst du machen, der Feinde (Fut.-Periphrase/Gen.)
yudhyatāṃ kadanaṃ mahat
der Kämpfenden Vernichtung, große (Part.Gen.Pl./Akk.)
Und nachdem du ihnen ein Gemetzel bereitet hast, sollst du dich am klaren Tag bei Tagesanbruch ergötzen wie Śakra, nachdem er die großen Asuras vernichtet hat.
Wort für Wort
kṛtvā ca kadanaṃ teṣāṃ
und nachdem du Vernichtung gemacht hast, unter ihnen (Abs./Gen.)
prabhāte vimale 'hani
bei Tagesanbruch, am klaren Tag (Lok.)
viharasva yathā śakraḥ
ergötze dich, wie Śakra (Imp.Med./Nom.)
sūdayitvā mahāsurān
nachdem er vernichtet hat die großen Asuras (Abs./Akk.Pl.)
mayā tvāṃ sahitaṃ saṃkhye guptaṃ ca kṛtavarmaṇā; na saheta vibhuḥ sākṣād vajrapāṇir api svayam
Dich, der du von mir begleitet und von Kṛtavarman beschützt im Kampf bist, würde nicht der Allmächtige aushalten, ja nicht einmal der Donnerkeilträger selbst, sichtbar vor Augen.
Wort für Wort
mayā tvāṃ sahitaṃ saṃkhye
dich, mit mir vereint, im Kampf (Instr./Akk./Lok.)
guptaṃ ca kṛtavarmaṇā
und beschützt von Kṛtavarman (Part./Instr.)
na saheta vibhuḥ sākṣād
nicht würde standhalten der Mächtige, leibhaftig (Opt.Med./Nom./Adv.)
Und nachdem wir die niedrigen Pāñcālas samt den Pāṇḍavas im Kampf erschlagen haben, werden wir alle zurückkehren, oder wir werden erschlagen in den Himmel gehen.
Wort für Wort
hatvā ca samare kṣudrān
und nachdem wir erschlagen haben im Kampf die Niedrigen (Abs./Lok./Akk.Pl.)
kiṃ nāma duḥkhaṃ loke 'smin pitur vadham anusmaran; hṛdayaṃ nirdahan me 'dya rātryahāni na śāmyati
„Welches Leid gibt es in dieser Welt, wenn ich des Mordes an meinem Vater gedenke? Es verbrennt mir heute das Herz, und Tag und Nacht kommt es nicht zur Ruhe.“
Wort für Wort
kiṃ nāma duḥkhaṃ loke 'smin
welches Leid denn in dieser Welt (Nom./Lok.)
pitur vadham anusmaran
des Vaters Ermordung gedenkend (Gen./Akk./Part.)
hṛdayaṃ nirdahan me 'dya
das Herz verbrennend, mir heute (Akk./Part./Gen./Adv.)
rātryahāni na śāmyati
Nächte und Tage kommt nicht zur Ruhe (Nom.Pl./3.Sg.Präs.)
Syntax unklar: nirdahan (Nom.m.) gehört wohl zu duḥkham als Subjekt-Bezug; Übersetzung sinngemäß. [?]
yathā ca nihataḥ pāpaiḥ pitā mama viśeṣataḥ; pratyakṣam api te sarvaṃ tan me marmāṇi kṛntati
„Und wie mein Vater von den Bösen erschlagen wurde, zumal – du hast ja alles selbst mit eigenen Augen gesehen –, das zerschneidet mir die empfindlichsten Stellen.“
Wort für Wort
yathā ca nihataḥ pāpaiḥ
und wie erschlagen von den Bösen (Part./Instr.Pl.)
pitā mama viśeṣataḥ
mein Vater, besonders (Nom./Gen./Adv.)
pratyakṣam api te sarvaṃ
sichtbar auch dir alles (Adv./Gen./Nom.)
tan me marmāṇi kṛntati
das mir die Lebensstellen zerschneidet (Nom./Gen./Akk.Pl./3.Sg.)
dṛṣṭadyumnam ahatvājau nāhaṃ jīvitum utsahe; sa me pitṛvadhād vadhyaḥ pāñcālā ye ca saṃgatāḥ
„Ohne Dhṛṣṭadyumna im Kampf erschlagen zu haben, wage ich nicht zu leben. Er ist wegen des Mordes am Vater von mir zu töten, und die Pāñcālas, die sich [mit ihm] vereint haben.“
Wort für Wort
dṛṣṭadyumnam ahatvājau
Dhṛṣṭadyumna nicht erschlagen habend, im Kampf (Akk./Abs./Lok.)
nāhaṃ jīvitum utsahe
nicht ich, zu leben wage (Inf./1.Sg.Med.)
sa me pitṛvadhād vadhyaḥ
er ist mir wegen des Vatermordes zu töten (Nom./Abl./Gerundiv)
pāñcālā ye ca saṃgatāḥ
die Pāñcālas und die, die vereint sind (Nom.Pl./Part.)
vilāpo bhagnasakthasya yas tu rājño mayā śrutaḥ; sa punar hṛdayaṃ kasya krūrasyāpi na nirdahet
„Die Klage des Königs, dessen Schenkel gebrochen waren, die ich vernommen habe, würde sie nicht wiederum das Herz irgendeines, auch eines grausamen Menschen verbrennen?“
Wort für Wort
vilāpo bhagnasakthasya
die Klage des mit gebrochenen Schenkeln (Nom./Bahuvrīhi Gen.)
yas tu rājño mayā śrutaḥ
welche des Königs von mir gehört wurde (Nom./Gen./Instr./Part.)
sa punar hṛdayaṃ kasya
sie wiederum das Herz wessen (Nom./Akk./Gen.)
krūrasyāpi na nirdahet
auch des Grausamen nicht verbrennen würde (Gen./Opt.)
„Wessen Augen, selbst eines Unbarmherzigen, würden nicht Tränen entströmen, wenn er wiederum eine solche Rede des Königs mit gebrochenen Schenkeln vernommen hat?“
Wort für Wort
kasya hy akaruṇasyāpi
wessen denn, auch eines Erbarmungslosen (Gen.)
netrābhyām aśru nāvrajet
aus beiden Augen Träne nicht käme (Abl.Du./Nom./Opt.)
nṛpater bhagnasakthasya
des Königs mit gebrochenen Schenkeln (Gen.)
śrutvā tādṛg vacaḥ punaḥ
gehört habend solche Rede wiederum (Abs./Akk./Adv.)
yaś cāyaṃ mitrapakṣo me mayi jīvati nirjitaḥ; śokaṃ me vardhayaty eṣa vārivega ivārṇavam; ekāgramanaso me 'dya kuto nidrā kutaḥ sukham
„Und diese Freundespartei von mir, die besiegt wurde, während ich lebe, vermehrt meinen Kummer wie die Wucht des Wassers das Meer. Wie soll mir, der ich einzig auf das Eine gerichteten Sinnes bin, heute Schlaf kommen, woher Behagen?“
Wort für Wort
yaś cāyaṃ mitrapakṣo me
und welche diese Freundespartei mein (Nom./Gen.)
mayi jīvati nirjitaḥ
während ich lebe, besiegt (Lok.abs./Part.)
śokaṃ me vardhayaty eṣa
den Kummer mir vermehrt sie (Akk./Gen./3.Sg.Kaus.)
vārivega ivārṇavam
wie die Wasserwucht das Meer (Nom./Akk.)
ekāgramanaso me 'dya
dessen, der einsinnigen Geistes ist, mir heute (Bahuvrīhi Gen.)
na cāsmi śakyaḥ saṃyantum asmāt kāryāt kathaṃ cana; na taṃ paśyāmi loke 'smin yo māṃ kāryān nivartayet; iti me niścitā buddhir eṣā sādhumatā ca me
„Und ich bin von diesem Vorhaben auf keine Weise abzubringen; ich sehe in dieser Welt keinen, der mich von dem Vorhaben abhalten könnte. So ist mein fester Entschluss, und er ist auch von den Guten gebilligt.“
Wort für Wort
na cāsmi śakyaḥ saṃyantum
und nicht bin ich imstande, gehemmt zu werden (Nom./Inf.)
asmāt kāryāt kathaṃ cana
von diesem Vorhaben auf keine Weise (Abl./Adv.)
na taṃ paśyāmi loke 'smin
nicht ihn sehe ich in dieser Welt (Akk./1.Sg./Lok.)
yo māṃ kāryān nivartayet
der mich vom Vorhaben abbringen könnte (Nom./Akk./Abl./Opt.Kaus.)
iti me niścitā buddhir
so mein fester Entschluss (Gen./Part.Nom.)
eṣā sādhumatā ca me
dieser, von den Guten gebilligt, und mein (Nom./Nom./Gen.)