Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sauptikaparva

Kapitel 4: aśvatthāmno niścayaḥ Kṛpas Rat zur Ruhe und Aśvatthāmans unbeugsamer Entschluss zur Rache

Kṛpa rät Aśvatthāman, die Nacht auszuruhen und den Angriff auf die Pāñcālas am Morgen gemeinsam zu führen. Aśvatthāman weist dies zurück, da Zorn und Kummer um Vater und Duryodhana ihm keinen Schlaf lassen.

kṛpa uvāca; diṣṭyā te pratikartavye matir jāteyam acyuta; na tvā vārayituṃ śakto vajrapāṇir api svayam

Kṛpa sprach: „Glücklicherweise, Acyuta, ist dir dieser Entschluss zur Vergeltung gekommen; dich davon abzuhalten vermöchte nicht einmal der Donnerkeilträger selbst.“

Wort für Wort
kṛpa uvāca
Kṛpa sprach (Perf.)
diṣṭyā te pratikartavye
glücklicherweise, dir, zur Vergeltung (Instr./Dat./Lok.)
matir jāteyam acyuta
dieser Entschluss ist entstanden, Unerschütterlicher (Nom.f./Part.Perf.Pass./Vok.)
na tvā vārayituṃ śakto
nicht dich abzuhalten fähig (Inf./Nom.)
vajrapāṇir api svayam
der Donnerkeil-in-der-Hand, sogar selbst (Nom.)

anuyāsyāvahe tvāṃ tu prabhāte sahitāv ubhau; adya rātrau viśramasva vimuktakavacadhvajaḥ

Wir beide zusammen werden dir bei Tagesanbruch folgen; ruhe dich heute Nacht aus, die Rüstung und das Banner abgelegt.

Wort für Wort
anuyāsyāvahe tvāṃ tu
wir beide werden dir folgen, aber (1.Du.Fut.Med./Akk.)
prabhāte sahitāv ubhau
bei Tagesanbruch, vereint, wir beide (Lok./Nom.Du.)
adya rātrau viśramasva
heute in der Nacht ruhe dich aus (Lok./Imp.Med.)
vimuktakavacadhvajaḥ
mit abgelegter Rüstung und abgelegtem Banner (Bahuvrīhi, Nom.)

ahaṃ tvām anuyāsyāmi kṛtavarmā ca sātvataḥ; parān abhimukhaṃ yāntaṃ rathāv āsthāya daṃśitau

Ich werde dir folgen, und Kṛtavarman, der Sātvata; wenn du gegen die Feinde vorrückst, werden wir beide, gepanzert, einen Wagen besteigen.

Wort für Wort
ahaṃ tvām anuyāsyāmi
ich werde dir folgen (1.Sg.Fut.)
kṛtavarmā ca sātvataḥ
und Kṛtavarman, der Sātvata (Nom.)
parān abhimukhaṃ yāntaṃ
dich, der du gegen die Feinde hin ziehst (Akk.Pl./Adv./Part.Präs.Akk.)
rathāv āsthāya daṃśitau
auf einen Wagen gestiegen, gepanzert wir beide (Abs./Nom.Du.)

Die Konstruktion ist etwas locker: rathāv (Du.) verlangt wohl „jeder auf einem Wagen“ bzw. einen gemeinsamen Wagen.

āvābhyāṃ sahitaḥ śatrūñ śvo 'si hantā samāgame; vikramya rathināṃ śreṣṭha pāñcālān sapadānugān

Mit uns beiden zusammen wirst du morgen im Zusammentreffen die Feinde erschlagen, nachdem du Kraft entfaltet hast, bester der Wagenkämpfer, gegen die Pāñcālas samt ihrem Gefolge.

Wort für Wort
āvābhyāṃ sahitaḥ śatrūñ
mit uns beiden vereint, die Feinde (Instr.Du./Nom./Akk.Pl.)
śvo 'si hantā samāgame
morgen bist du Töter im Zusammentreffen (Fut.-Periphrase/Lok.)
vikramya rathināṃ śreṣṭha
nachdem du Kraft entfaltet hast, Bester der Wagenkämpfer (Abs./Vok.)
pāñcālān sapadānugān
die Pāñcālas samt Gefolge (Akk.Pl.)

śaktas tvam asi vikrāntuṃ viśramasva niśām imām; ciraṃ te jāgratas tāta svapa tāvan niśām imām

Du bist fähig, Heldenmut zu zeigen; ruhe dich in dieser Nacht aus. Du hast lange gewacht, Lieber; schlafe nun diese Nacht.

Wort für Wort
śaktas tvam asi vikrāntum
fähig bist du, Heldenmut zu zeigen (Inf.)
viśramasva niśām imām
ruhe dich aus, diese Nacht (Imp./Akk.)
ciraṃ te jāgratas tāta
lange, du der du wachst, Lieber (Adv./Gen./Part.Präs./Vok.)
svapa tāvan niśām imām
schlafe nun, diese Nacht (Imp./Akk.)

viśrāntaś ca vinidraś ca svasthacittaś ca mānada; sametya samare śatrūn vadhiṣyasi na saṃśayaḥ

Ausgeruht, vom Schlaf erquickt und mit gelassenem Gemüt, du Ehrengeber, wirst du im Kampf auf die Feinde treffen und sie erschlagen, ohne Zweifel.

Wort für Wort
viśrāntaś ca vinidraś ca
ausgeruht und ohne Schlaflosigkeit (Part./Bahuvrīhi)
svasthacittaś ca mānada
und mit gefasstem Gemüt, Ehrengeber (Bahuvrīhi/Vok.)
sametya samare śatrūn
zusammengetroffen, im Kampf, die Feinde (Abs./Lok./Akk.)
vadhiṣyasi na saṃśayaḥ
du wirst erschlagen, kein Zweifel (2.Sg.Fut./Nom.)

na hi tvā rathināṃ śreṣṭha pragṛhītavarāyudham; jetum utsahate kaś cid api deveṣu pāvakiḥ

Denn dich, bester der Wagenkämpfer, der du die vorzügliche Waffe ergriffen hast, vermag nicht einmal jemand unter den Göttern zu besiegen, auch nicht der Sohn des Feuers [Skanda].

Wort für Wort
na hi tvā rathināṃ śreṣṭha
denn nicht dich, Bester der Wagenkämpfer (Akk./Vok.)
pragṛhītavarāyudham
der du die vorzügliche Waffe gezückt hast (Bahuvrīhi, Akk.)
jetum utsahate kaś cid
zu besiegen wagt irgendwer (Inf./3.Sg.Med.)
api deveṣu pāvakiḥ
auch unter den Göttern, der Feuersohn (Lok.Pl./Nom.)

pāvakiḥ „Sohn des Feuers“ meint wohl Skanda/Kārttikeya; Deutung nicht ganz sicher.

kṛpeṇa sahitaṃ yāntaṃ yuktaṃ ca kṛtavarmaṇā; ko drauṇiṃ yudhi saṃrabdhaṃ yodhayed api devarāṭ

Wer, selbst als König der Götter, würde Drauṇi im Kampf herausfordern, der zornentbrannt zieht, in Begleitung Kṛpas und verbunden mit Kṛtavarman?

Wort für Wort
kṛpeṇa sahitaṃ yāntaṃ
ihn, der mit Kṛpa vereint zieht (Instr./Akk./Part.Präs.)
yuktaṃ ca kṛtavarmaṇā
und verbunden mit Kṛtavarman (Part./Instr.)
ko drauṇiṃ yudhi saṃrabdhaṃ
wer den Drauṇi im Kampf, den Erregten (Nom./Akk./Lok./Part.)
yodhayed api devarāṭ
würde bekämpfen, sogar der Götterkönig (Opt.Kaus./Nom.)

te vayaṃ pariviśrāntā vinidrā vigatajvarāḥ; prabhātāyāṃ rajanyāṃ vai nihaniṣyāma śātravān

So werden wir, gut ausgeruht, vom Schlaf erquickt, frei vom Fieber, wenn die Nacht angebrochen [gemeint: zu Ende gegangen] ist, die Feinde erschlagen.

Wort für Wort
te vayaṃ pariviśrāntā
wir also, gut ausgeruht (Nom.Pl.)
vinidrā vigatajvarāḥ
ausgeschlafen, vom Fieber befreit (Nom.Pl./Bahuvrīhi)
prabhātāyāṃ rajanyāṃ vai
wenn die Nacht hell geworden ist, fürwahr (Lok.abs.)
nihaniṣyāma śātravān
wir werden erschlagen, die Feinde (1.Pl.Fut./Akk.Pl.)

tava hy astrāṇi divyāni mama caiva na saṃśayaḥ; sātvato 'pi maheṣvāso nityaṃ yuddheṣu kovidaḥ

Denn du besitzt göttliche Waffen, und ich ebenso, ohne Zweifel; auch der Sātvata, der große Bogenschütze, ist beständig kundig in den Kämpfen.

Wort für Wort
tava hy astrāṇi divyāni
denn dein sind Waffen, göttliche (Gen./Nom.Pl.)
mama caiva na saṃśayaḥ
und auch mein, kein Zweifel (Gen./Nom.)
sātvato 'pi maheṣvāso
auch der Sātvata, großer Bogenschütze (Nom.)
nityaṃ yuddheṣu kovidaḥ
stets in den Kämpfen kundig (Adv./Lok.Pl./Nom.)

te vayaṃ sahitās tāta sarvāñ śatrūn samāgatān; prasahya samare hatvā prītiṃ prāpsyāma puṣkalām; viśramasva tvam avyagraḥ svapa cemāṃ niśāṃ sukham

So werden wir vereint, Lieber, alle Feinde, die zusammengekommen sind, im Kampf mit Gewalt niederschlagen und vollkommene Freude erlangen; ruhe du dich gelassen aus und schlafe diese Nacht behaglich.

Wort für Wort
te vayaṃ sahitās tāta
so wir, vereint, Lieber (Nom.Pl./Vok.)
sarvāñ śatrūn samāgatān
alle Feinde, die versammelt sind (Akk.Pl.)
prasahya samare hatvā
gewaltsam im Kampf erschlagen habend (Abs./Lok.)
prītiṃ prāpsyāma puṣkalām
Freude werden wir erlangen, reichliche (1.Pl.Fut./Akk.)
viśramasva tvam avyagraḥ
ruhe du aus, unbekümmert (Imp./Nom.)
svapa cemāṃ niśāṃ sukham
und schlafe diese Nacht behaglich (Imp./Akk./Adv.)

ahaṃ ca kṛtavarmā ca prayāntaṃ tvāṃ narottama; anuyāsyāva sahitau dhanvinau paratāpinau; rathinaṃ tvarayā yāntaṃ rathāv āsthāya daṃśitau

Und ich und Kṛtavarman werden dir, wenn du aufbrichst, bester der Männer, gemeinsam folgen, beide Bogenschützen, Peiniger der Feinde; du ziehst eilig zu Wagen, wir beide, gepanzert, steigen auf einen Wagen.

Wort für Wort
ahaṃ ca kṛtavarmā ca
ich und Kṛtavarman (Nom.)
prayāntaṃ tvāṃ narottama
dir, der du aufbrichst, Bester der Männer (Akk./Vok.)
anuyāsyāva sahitau
wir beide werden folgen, vereint (1.Du.Fut./Nom.Du.)
dhanvinau paratāpinau
beide Bogenträger, Feindeversenger (Nom.Du.)
rathinaṃ tvarayā yāntaṃ
dich, den Wagenkämpfer, der du eilig ziehst (Akk./Instr./Part.)
rathāv āsthāya daṃśitau
auf Wagen gestiegen, gepanzert (Abs./Nom.Du.)

Zweiter Teil des Verses konstruktionell holprig; rathāv (Du.) wie in 3.

sa gatvā śibiraṃ teṣāṃ nāma viśrāvya cāhave; tataḥ kartāsi śatrūṇāṃ yudhyatāṃ kadanaṃ mahat

Nachdem du zu ihrem Lager gegangen bist und im Kampf deinen Namen ausgerufen hast, wirst du dann unter den kämpfenden Feinden ein großes Gemetzel anrichten.

Wort für Wort
sa gatvā śibiraṃ teṣāṃ
er [du], nachdem er zum Lager derer gegangen ist (Abs./Akk./Gen.)
nāma viśrāvya cāhave
den Namen verkündet habend und im Kampf (Abs./Lok.)
tataḥ kartāsi śatrūṇāṃ
dann wirst du machen, der Feinde (Fut.-Periphrase/Gen.)
yudhyatāṃ kadanaṃ mahat
der Kämpfenden Vernichtung, große (Part.Gen.Pl./Akk.)

kṛtvā ca kadanaṃ teṣāṃ prabhāte vimale 'hani; viharasva yathā śakraḥ sūdayitvā mahāsurān

Und nachdem du ihnen ein Gemetzel bereitet hast, sollst du dich am klaren Tag bei Tagesanbruch ergötzen wie Śakra, nachdem er die großen Asuras vernichtet hat.

Wort für Wort
kṛtvā ca kadanaṃ teṣāṃ
und nachdem du Vernichtung gemacht hast, unter ihnen (Abs./Gen.)
prabhāte vimale 'hani
bei Tagesanbruch, am klaren Tag (Lok.)
viharasva yathā śakraḥ
ergötze dich, wie Śakra (Imp.Med./Nom.)
sūdayitvā mahāsurān
nachdem er vernichtet hat die großen Asuras (Abs./Akk.Pl.)

tvaṃ hi śakto raṇe jetuṃ pāñcālānāṃ varūthinīm; daityasenām iva kruddhaḥ sarvadānavasūdanaḥ

Denn du bist imstande, im Kampf das Heer der Pāñcālas zu besiegen, wie der zornige Vernichter aller Dānavas das Heer der Daityas.

Wort für Wort
tvaṃ hi śakto raṇe jetuṃ
denn du bist fähig, im Kampf zu besiegen (Nom./Lok./Inf.)
pāñcālānāṃ varūthinīm
der Pāñcālas Heerschar (Gen.Pl./Akk.)
daityasenām iva kruddhaḥ
wie das Daityaheer, zornig (Akk./Nom.)
sarvadānavasūdanaḥ
der Vernichter aller Dānavas (Nom.)

mayā tvāṃ sahitaṃ saṃkhye guptaṃ ca kṛtavarmaṇā; na saheta vibhuḥ sākṣād vajrapāṇir api svayam

Dich, der du von mir begleitet und von Kṛtavarman beschützt im Kampf bist, würde nicht der Allmächtige aushalten, ja nicht einmal der Donnerkeilträger selbst, sichtbar vor Augen.

Wort für Wort
mayā tvāṃ sahitaṃ saṃkhye
dich, mit mir vereint, im Kampf (Instr./Akk./Lok.)
guptaṃ ca kṛtavarmaṇā
und beschützt von Kṛtavarman (Part./Instr.)
na saheta vibhuḥ sākṣād
nicht würde standhalten der Mächtige, leibhaftig (Opt.Med./Nom./Adv.)
vajrapāṇir api svayam
der Donnerkeilträger sogar selbst (Nom.)

na cāhaṃ samare tāta kṛtavarmā tathaiva ca; anirjitya raṇe pāṇḍūn vyapayāsyāva karhi cit

Und weder ich, Lieber, noch ebenso Kṛtavarman werden je im Kampf von hier weichen, ohne die Pāṇḍavas im Kampf besiegt zu haben.

Wort für Wort
na cāhaṃ samare tāta
und nicht ich im Kampf, Lieber (Nom./Lok./Vok.)
kṛtavarmā tathaiva ca
Kṛtavarman ebenso (Nom.)
anirjitya raṇe pāṇḍūn
ohne besiegt zu haben im Kampf die Pāṇḍavas (Abs./Lok./Akk.Pl.)
vyapayāsyāva karhi cit
wir beide werden weichen, jemals (1.Du.Fut./Adv.)

hatvā ca samare kṣudrān pāñcālān pāṇḍubhiḥ saha; nivartiṣyāmahe sarve hatā vā svargagā vayam

Und nachdem wir die niedrigen Pāñcālas samt den Pāṇḍavas im Kampf erschlagen haben, werden wir alle zurückkehren, oder wir werden erschlagen in den Himmel gehen.

Wort für Wort
hatvā ca samare kṣudrān
und nachdem wir erschlagen haben im Kampf die Niedrigen (Abs./Lok./Akk.Pl.)
pāñcālān pāṇḍubhiḥ saha
die Pāñcālas mit den Pāṇḍavas (Akk.Pl./Instr.Pl.)
nivartiṣyāmahe sarve
wir werden umkehren, alle (1.Pl.Fut.Med./Nom.)
hatā vā svargagā vayam
erschlagen oder zum Himmel gehend, wir (Nom.Pl.)

sarvopāyaiḥ sahāyās te prabhāte vayam eva hi; satyam etan mahābāho prabravīmi tavānagha

Mit allen Mitteln werden wir dir beim Anbruch des Tages Beistand sein, nur wir; dies ist wahr, Starkarmiger, was ich dir sage, Makelloser.

Wort für Wort
sarvopāyaiḥ sahāyās te
mit allen Mitteln Helfer dir (Instr.Pl./Nom.Pl./Gen.)
prabhāte vayam eva hi
bei Tagesanbruch wir allein fürwahr (Lok./Nom.)
satyam etan mahābāho
wahr ist dies, Starkarmiger (Nom./Vok.)
prabravīmi tavānagha
ich sage dir, Makelloser (1.Sg.Präs./Gen./Vok.)

evam uktas tato drauṇir mātulena hitaṃ vacaḥ; abravīn mātulaṃ rājan krodhād udvṛtya locane

So von seinem Onkel angesprochen, sprach da Drauṇi, o König, zu seinem Onkel die heilsame Rede, die Augen vor Zorn verdreht.

Wort für Wort
evam uktas tato drauṇir
so angesprochen, dann Drauṇi (Part./Adv./Nom.)
mātulena hitaṃ vacaḥ
vom Onkel mütterlicherseits, heilsame Rede (Instr./Akk.)
abravīn mātulaṃ rājan
sprach zum Onkel, König (Impf./Akk./Vok.)
krodhād udvṛtya locane
aus Zorn die Augen verdrehend (Abl./Abs./Akk.Du.)

Hier spricht Saṃjaya zu Dhṛtarāṣṭra (rājan); Sprecherangabe der Rede fehlt im Vers, daher [Saṃjaya] nicht ergänzt.

āturasya kuto nidrā narasyāmarṣitasya ca; arthāṃś cintayataś cāpi kāmayānasya vā punaḥ

„Woher käme Schlaf einem Leidenden und Ergrimmten, oder einem Menschen, der über seine Ziele nachdenkt, oder wiederum einem Begehrenden?“

Wort für Wort
āturasya kuto nidrā
des Leidenden woher Schlaf (Gen./Adv./Nom.)
narasyāmarṣitasya ca
des Menschen, des Ergrimmten auch (Gen./Part.Gen.)
arthāṃś cintayataś cāpi
und die Ziele bedenkend auch (Akk.Pl./Part.Gen.)
kāmayānasya vā punaḥ
des Begehrenden oder wiederum (Part.Med.Gen.)

tad idaṃ samanuprāptaṃ paśya me 'dya catuṣṭayam; yasya bhāgaś caturtho me svapnam ahnāya nāśayet

„Sieh, diese Vierheit ist mir heute zugefallen; schon ein vierter Teil davon würde mir rasch den Schlaf vernichten.“

Wort für Wort
tad idaṃ samanuprāptaṃ
dieses hier ist eingetroffen (Nom.n./Part.)
paśya me 'dya catuṣṭayam
sieh, mir heute, die Vierheit (Imp./Gen./Adv./Akk.)
yasya bhāgaś caturtho me
von dem ein vierter Teil mir (Gen./Nom./Gen.)
svapnam ahnāya nāśayet
den Schlaf schnell zerstören würde (Akk./Adv./Opt.Kaus.)

catuṣṭayam meint offenbar die vier in Vers 21 genannten Zustände (leiden, ergrimmt sein, Ziele erwägen, begehren).

kiṃ nāma duḥkhaṃ loke 'smin pitur vadham anusmaran; hṛdayaṃ nirdahan me 'dya rātryahāni na śāmyati

„Welches Leid gibt es in dieser Welt, wenn ich des Mordes an meinem Vater gedenke? Es verbrennt mir heute das Herz, und Tag und Nacht kommt es nicht zur Ruhe.“

Wort für Wort
kiṃ nāma duḥkhaṃ loke 'smin
welches Leid denn in dieser Welt (Nom./Lok.)
pitur vadham anusmaran
des Vaters Ermordung gedenkend (Gen./Akk./Part.)
hṛdayaṃ nirdahan me 'dya
das Herz verbrennend, mir heute (Akk./Part./Gen./Adv.)
rātryahāni na śāmyati
Nächte und Tage kommt nicht zur Ruhe (Nom.Pl./3.Sg.Präs.)

Syntax unklar: nirdahan (Nom.m.) gehört wohl zu duḥkham als Subjekt-Bezug; Übersetzung sinngemäß. [?]

yathā ca nihataḥ pāpaiḥ pitā mama viśeṣataḥ; pratyakṣam api te sarvaṃ tan me marmāṇi kṛntati

„Und wie mein Vater von den Bösen erschlagen wurde, zumal – du hast ja alles selbst mit eigenen Augen gesehen –, das zerschneidet mir die empfindlichsten Stellen.“

Wort für Wort
yathā ca nihataḥ pāpaiḥ
und wie erschlagen von den Bösen (Part./Instr.Pl.)
pitā mama viśeṣataḥ
mein Vater, besonders (Nom./Gen./Adv.)
pratyakṣam api te sarvaṃ
sichtbar auch dir alles (Adv./Gen./Nom.)
tan me marmāṇi kṛntati
das mir die Lebensstellen zerschneidet (Nom./Gen./Akk.Pl./3.Sg.)

kathaṃ hi mādṛśo loke muhūrtam api jīvati; droṇo hateti yad vācaḥ pāñcālānāṃ śṛṇomy aham

„Wie könnte einer wie ich in dieser Welt auch nur einen Augenblick leben, da ich von den Pāñcālas das Wort höre: ‚Droṇa ist erschlagen‘?“

Wort für Wort
kathaṃ hi mādṛśo loke
wie denn einer wie ich in der Welt (Adv./Nom./Lok.)
muhūrtam api jīvati
auch nur einen Augenblick lebt (Akk./3.Sg.)
droṇo hateti yad vācaḥ
Droṇa ist erschlagen, ja: die Worte (Nom./Part./Akk.Pl.)
pāñcālānāṃ śṛṇomy aham
der Pāñcālas höre ich (Gen.Pl./1.Sg.Präs.)

dṛṣṭadyumnam ahatvājau nāhaṃ jīvitum utsahe; sa me pitṛvadhād vadhyaḥ pāñcālā ye ca saṃgatāḥ

„Ohne Dhṛṣṭadyumna im Kampf erschlagen zu haben, wage ich nicht zu leben. Er ist wegen des Mordes am Vater von mir zu töten, und die Pāñcālas, die sich [mit ihm] vereint haben.“

Wort für Wort
dṛṣṭadyumnam ahatvājau
Dhṛṣṭadyumna nicht erschlagen habend, im Kampf (Akk./Abs./Lok.)
nāhaṃ jīvitum utsahe
nicht ich, zu leben wage (Inf./1.Sg.Med.)
sa me pitṛvadhād vadhyaḥ
er ist mir wegen des Vatermordes zu töten (Nom./Abl./Gerundiv)
pāñcālā ye ca saṃgatāḥ
die Pāñcālas und die, die vereint sind (Nom.Pl./Part.)

vilāpo bhagnasakthasya yas tu rājño mayā śrutaḥ; sa punar hṛdayaṃ kasya krūrasyāpi na nirdahet

„Die Klage des Königs, dessen Schenkel gebrochen waren, die ich vernommen habe, würde sie nicht wiederum das Herz irgendeines, auch eines grausamen Menschen verbrennen?“

Wort für Wort
vilāpo bhagnasakthasya
die Klage des mit gebrochenen Schenkeln (Nom./Bahuvrīhi Gen.)
yas tu rājño mayā śrutaḥ
welche des Königs von mir gehört wurde (Nom./Gen./Instr./Part.)
sa punar hṛdayaṃ kasya
sie wiederum das Herz wessen (Nom./Akk./Gen.)
krūrasyāpi na nirdahet
auch des Grausamen nicht verbrennen würde (Gen./Opt.)

kasya hy akaruṇasyāpi netrābhyām aśru nāvrajet; nṛpater bhagnasakthasya śrutvā tādṛg vacaḥ punaḥ

„Wessen Augen, selbst eines Unbarmherzigen, würden nicht Tränen entströmen, wenn er wiederum eine solche Rede des Königs mit gebrochenen Schenkeln vernommen hat?“

Wort für Wort
kasya hy akaruṇasyāpi
wessen denn, auch eines Erbarmungslosen (Gen.)
netrābhyām aśru nāvrajet
aus beiden Augen Träne nicht käme (Abl.Du./Nom./Opt.)
nṛpater bhagnasakthasya
des Königs mit gebrochenen Schenkeln (Gen.)
śrutvā tādṛg vacaḥ punaḥ
gehört habend solche Rede wiederum (Abs./Akk./Adv.)

yaś cāyaṃ mitrapakṣo me mayi jīvati nirjitaḥ; śokaṃ me vardhayaty eṣa vārivega ivārṇavam; ekāgramanaso me 'dya kuto nidrā kutaḥ sukham

„Und diese Freundespartei von mir, die besiegt wurde, während ich lebe, vermehrt meinen Kummer wie die Wucht des Wassers das Meer. Wie soll mir, der ich einzig auf das Eine gerichteten Sinnes bin, heute Schlaf kommen, woher Behagen?“

Wort für Wort
yaś cāyaṃ mitrapakṣo me
und welche diese Freundespartei mein (Nom./Gen.)
mayi jīvati nirjitaḥ
während ich lebe, besiegt (Lok.abs./Part.)
śokaṃ me vardhayaty eṣa
den Kummer mir vermehrt sie (Akk./Gen./3.Sg.Kaus.)
vārivega ivārṇavam
wie die Wasserwucht das Meer (Nom./Akk.)
ekāgramanaso me 'dya
dessen, der einsinnigen Geistes ist, mir heute (Bahuvrīhi Gen.)
kuto nidrā kutaḥ sukham
woher Schlaf, woher Glück (Adv./Nom.)

vāsudevārjunābhyāṃ hi tān ahaṃ parirakṣitān; aviṣahyatamān manye mahendreṇāpi mātula

„Denn ich halte sie, von Vāsudeva und Arjuna beschützt, für schwer bezwingbar, Onkel, sogar für Mahendra.“

Wort für Wort
vāsudevārjunābhyāṃ hi
von Vāsudeva und Arjuna denn (Instr.Du.)
tān ahaṃ parirakṣitān
sie, ich, beschützt (Akk.Pl./Nom./Part.)
aviṣahyatamān manye
als am schwersten zu ertragende, halte ich (Superl./1.Sg.Med.)
mahendreṇāpi mātula
sogar von Mahendra, Onkel (Instr./Vok.)

Der Sinn von mahendreṇāpi ist „selbst für Mahendra (Indra) unbezwingbar“; Instrumental beim Gerundiv.

na cāsmi śakyaḥ saṃyantum asmāt kāryāt kathaṃ cana; na taṃ paśyāmi loke 'smin yo māṃ kāryān nivartayet; iti me niścitā buddhir eṣā sādhumatā ca me

„Und ich bin von diesem Vorhaben auf keine Weise abzubringen; ich sehe in dieser Welt keinen, der mich von dem Vorhaben abhalten könnte. So ist mein fester Entschluss, und er ist auch von den Guten gebilligt.“

Wort für Wort
na cāsmi śakyaḥ saṃyantum
und nicht bin ich imstande, gehemmt zu werden (Nom./Inf.)
asmāt kāryāt kathaṃ cana
von diesem Vorhaben auf keine Weise (Abl./Adv.)
na taṃ paśyāmi loke 'smin
nicht ihn sehe ich in dieser Welt (Akk./1.Sg./Lok.)
yo māṃ kāryān nivartayet
der mich vom Vorhaben abbringen könnte (Nom./Akk./Abl./Opt.Kaus.)
iti me niścitā buddhir
so mein fester Entschluss (Gen./Part.Nom.)
eṣā sādhumatā ca me
dieser, von den Guten gebilligt, und mein (Nom./Nom./Gen.)

vārttikaiḥ kathyamānas tu mitrāṇāṃ me parābhavaḥ; pāṇḍavānāṃ ca vijayo hṛdayaṃ dahatīva me

„Doch der Bericht der Boten über die Vernichtung meiner Freunde und den Sieg der Pāṇḍavas verbrennt mir gleichsam das Herz.“

Wort für Wort
vārttikaiḥ kathyamānas tu
von den Berichterstattern erzählt aber (Instr.Pl./Part.Pass.)
mitrāṇāṃ me parābhavaḥ
der Freunde mein Untergang (Gen./Gen./Nom.)
pāṇḍavānāṃ ca vijayo
und der Pāṇḍavas Sieg (Gen.Pl./Nom.)
hṛdayaṃ dahatīva me
das Herz verbrennt gleichsam mir (Akk./3.Sg./Gen.)

vārttika „Berichterstatter, Bote“; Sinn: was Boten über Untergang und Sieg berichten, brennt im Herzen.

ahaṃ tu kadanaṃ kṛtvā śatrūṇām adya sauptike; tato viśramitā caiva svaptā ca vigatajvaraḥ

„Ich aber werde heute, nachdem ich den Feinden im nächtlichen Überfall ein Gemetzel bereitet habe, danach ausruhen und schlafen, vom Fieber befreit.“

Wort für Wort
ahaṃ tu kadanaṃ kṛtvā
ich aber, nachdem ich Vernichtung gemacht habe (Nom./Akk./Abs.)
śatrūṇām adya sauptike
der Feinde heute im Nachtüberfall (Gen./Adv./Lok.)
tato viśramitā caiva
danach ein Ausruhender und (Fut.-Periphrase, 1.Sg.)
svaptā ca vigatajvaraḥ
ein Schlafender und fieberfrei (Fut.-Periphrase/Bahuvrīhi)

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