Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sauptikaparva

Kapitel 5: kṛpāśvatthāmasaṃvāda Kṛpas Mahnung, Aśvatthāmans Entschluss und der Aufbruch zum Lager der Pāñcālas

Kṛpa rät Aśvatthāman von der nächtlichen Tötung der Schlafenden ab; dieser verweist auf die Rechtsbrüche der Pāṇḍavas-Seite und fährt zum Lager, Kṛpa und Kṛtavarman folgen.

kṛpa uvāca; śuśrūṣur api durmedhāḥ puruṣo 'niyatendriyaḥ; nālaṃ vedayituṃ kṛtsnau dharmārthāv iti me matiḥ

Kṛpa sprach: „Auch wenn er dienstwillig ist, vermag ein Mensch von schlechtem Verstand und ungezügelten Sinnen Recht und Nutzen nicht vollständig zu erkennen – so ist meine Ansicht.“

Wort für Wort
kṛpa uvāca
Kṛpa sprach (3.Sg.Perf.)
śuśrūṣur api durmedhāḥ puruṣaḥ
auch wenn er dienstwillig/lernbegierig ist, ein Mensch von schlechtem Verstand (Nom.Sg.)
aniyatendriyaḥ
mit ungezügelten Sinnen (Bahuvrīhi, Nom.Sg.)
na alaṃ vedayituṃ
ist nicht imstande zu erkennen (Inf. Kaus.)
kṛtsnau dharmārthau
vollständig Recht und Nutzen (Akk.Du.)
iti me matiḥ
so [ist] meine Ansicht (Nom.Sg.f.)

tathaiva tāvan medhāvī vinayaṃ yo na śikṣati; na ca kiṃ cana jānāti so 'pi dharmārthaniścayam

Ebenso kennt auch der Kluge, der Zucht und Bescheidenheit nicht lernt, nichts von der sicheren Entscheidung über Recht und Nutzen.

Wort für Wort
tathā eva tāvat medhāvī
ebenso nun der Kluge (Nom.Sg.)
vinayaṃ yaḥ na śikṣati
wer Zucht/Bescheidenheit nicht lernt (Akk.Sg.; 3.Sg.Präs.Desid.)
na ca kiṃ cana jānāti
und nichts kennt er (3.Sg.Präs.)
saḥ api
auch er (Nom.Sg.m.)
dharmārthaniścayam
die Entscheidung/das sichere Wissen über Recht und Nutzen (Tatpuruṣa, Akk.Sg.)

ciraṃ hy api jaḍaḥ śūraḥ paṇḍitaṃ paryupāsya ha; na sa dharmān vijānāti darvī sūparasān iva; muhūrtam api taṃ prājñaḥ paṇḍitaṃ paryupāsya ha; kṣipraṃ dharmān vijānāti jihvā sūparasān iva

Ein Tor, selbst ein Held, der lange einem Weisen aufgewartet hat, erkennt die Rechtsregeln nicht, so wie der Schöpflöffel die Geschmäcker der Suppe nicht. Ein Kluger aber, der einem Weisen auch nur einen Augenblick aufgewartet hat, erkennt rasch die Rechtsregeln, so wie die Zunge die Geschmäcker der Suppe.

Wort für Wort
ciraṃ hi api jaḍaḥ śūraḥ
lange, selbst ein Tor, ein Held (Adv.; Nom.Sg.)
paṇḍitaṃ paryupāsya ha
einem Weisen aufgewartet habend (Akk.Sg.; Gerundium)
na sa dharmān vijānāti
der erkennt die Rechtsregeln nicht (Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
darvī sūparasān iva
wie der Löffel die Suppengeschmäcker (Nom.Sg.f.; Akk.Pl.)
muhūrtam api taṃ prājñaḥ paṇḍitaṃ paryupāsya ha
auch nur einen Augenblick, ein Kluger, einem Weisen aufgewartet habend (Akk.Sg.; Nom.Sg.; Gerundium)
kṣipraṃ dharmān vijānāti
rasch erkennt er die Rechtsregeln (Adv.; Akk.Pl.; 3.Sg.Präs.)
jihvā sūparasān iva
wie die Zunge die Suppengeschmäcker (Nom.Sg.f.; Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage (Sternzeile); das Bild vom Löffel und der Zunge ist ein verbreiteter Vergleich.

śuśrūṣus tv eva medhāvī puruṣo niyatendriyaḥ; jānīyād āgamān sarvān grāhyaṃ ca na virodhayet

Ein kluger Mensch aber, der dienstwillig ist und seine Sinne gezügelt hat, mag alle Überlieferungen erfassen und das Annehmbare nicht verletzen.

Wort für Wort
śuśrūṣuḥ tu eva medhāvī
dienstwillig aber, und klug (Nom.Sg.)
puruṣaḥ niyatendriyaḥ
ein Mensch mit gezügelten Sinnen (Nom.Sg.; Bahuvrīhi)
jānīyāt āgamān sarvān
er möge erkennen alle Überlieferungen (3.Sg.Opt.; Akk.Pl.)
grāhyaṃ ca
und das Annehmbare (Akk.Sg.n.)
na virodhayet
er möge nicht verletzen/nicht in Widerspruch stehen (3.Sg.Opt.Kaus.)

aneyas tv avamānī yo durātmā pāpapūruṣaḥ; diṣṭam utsṛjya kalyāṇaṃ karoti bahupāpakam

Wer aber unlenkbar, geringschätzig, böswillig, ein schlimmer Mensch ist, gibt das ihm bestimmte Heilsame auf und tut viel Böses.

Wort für Wort
aneyaḥ tu avamānī yaḥ
wer aber unlenkbar, verachtend ist (Nom.Sg.)
durātmā pāpapūruṣaḥ
schlechtgesinnt, ein schlimmer Mensch (Nom.Sg.)
diṣṭam utsṛjya
das Bestimmte aufgegeben habend (Akk.Sg.n.; Gerundium)
kalyāṇaṃ
das Heilsame (Akk.Sg.n.)
karoti bahupāpakam
tut viel Böses (3.Sg.Präs.; Akk.Sg.n.)

diṣṭam ist mehrdeutig (‚Bestimmtes/Schicksal‘ oder ‚Gelehrtes/Vorgeschriebenes‘); gewählt: das ihm Bestimmte.

nāthavantaṃ tu suhṛdaḥ pratiṣedhanti pātakāt; nivartate tu lakṣmīvān nālakṣmīvān nivartate

Einen, der einen Beschützer hat, halten die Freunde vom Sturz [in die Sünde] zurück; der Glückbegabte kehrt um, der Glücklose kehrt nicht um.

Wort für Wort
nāthavantaṃ tu suhṛdaḥ
den, der einen Beschützer hat, aber die Freunde (Akk.Sg.; Nom.Pl.)
pratiṣedhanti pātakāt
halten zurück vom Fall/von der Sünde (3.Pl.Präs.; Abl.Sg.)
nivartate tu lakṣmīvān
es kehrt um aber der Glückbegabte (3.Sg.Präs.Med.; Nom.Sg.)
na alakṣmīvān nivartate
nicht kehrt der Glücklose um (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.Med.)

yathā hy uccāvacair vākyaiḥ kṣiptacitto niyamyate; tathaiva suhṛdā śakyo naśakyas tv avasīdati

Wie ein Mensch mit verwirrtem Geist durch mancherlei Worte gezügelt wird, so kann er durch einen Freund gezügelt werden; wer nicht gezügelt werden kann, geht zugrunde.

Wort für Wort
yathā hi uccāvacaiḥ vākyaiḥ
wie nämlich durch mancherlei Worte (Instr.Pl.)
kṣiptacittaḥ niyamyate
der mit verwirrtem Geist wird gezügelt (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.)
tathā eva suhṛdā śakyaḥ
so ebenso durch einen Freund kann er [gezügelt werden] (Instr.Sg.; Nom.Sg.)
na śakyaḥ tu
wer aber nicht [zu zügeln] ist (Nom.Sg.)
avasīdati
geht zugrunde (3.Sg.Präs.)

Der Halbvers śakyo naśakyas tv avasīdati ist knapp; ergänzt ist ‚gezügelt werden‘.

tathaiva suhṛdaṃ prājñaṃ kurvāṇaṃ karma pāpakam; prājñāḥ saṃpratiṣedhante yathāśakti punaḥ punaḥ

Ebenso halten Weise einen weisen Freund, der eine üble Tat begeht, nach Kräften immer wieder davon ab.

Wort für Wort
tathā eva suhṛdaṃ prājñaṃ
ebenso einen Freund, einen Klugen (Akk.Sg.)
kurvāṇaṃ karma pāpakam
der tut eine üble Tat (Part.Präs.Med.; Akk.Sg.n.)
prājñāḥ saṃpratiṣedhante
die Weisen halten ab (Nom.Pl.; 3.Pl.Präs.Med.)
yathāśakti punaḥ punaḥ
nach Kräften, immer wieder (Adv.)

sa kalyāṇe matiṃ kṛtvā niyamyātmānam ātmanā; kuru me vacanaṃ tāta yena paścān na tapyase

Du nun, den Sinn auf das Heilsame gerichtet und dich selbst durch dich selbst zügelnd, tu mein Wort, Lieber, dann wirst du später nicht bereuen.

Wort für Wort
sa kalyāṇe matiṃ kṛtvā
du [nun], im Heilsamen den Sinn gerichtet habend (Lok.Sg.; Akk.Sg.f.; Gerundium)
niyamya ātmānam ātmanā
gezügelt habend dich selbst durch dich selbst (Gerundium; Akk.Sg.; Instr.Sg.)
kuru me vacanaṃ tāta
tu mein Wort, Lieber (Imp.2.Sg.; Akk.Sg.; Vok.)
yena paścāt na tapyase
wodurch du später nicht bereuen wirst (Instr.; 2.Sg.Präs.Pass./Med.)

na vadhaḥ pūjyate loke suptānām iha dharmataḥ; tathaiva nyastaśastrāṇāṃ vimuktarathavājinām

Nicht wird in der Welt das Töten von Schlafenden gebilligt, hier nach dem Recht; ebenso nicht von denen, die die Waffen niedergelegt haben und deren Wagen und Rosse ausgespannt sind.

Wort für Wort
na vadhaḥ pūjyate loke
nicht wird das Töten gebilligt in der Welt (Nom.Sg.; 3.Sg.Pass.; Lok.Sg.)
suptānām iha dharmataḥ
der Schlafenden hier nach dem Recht (Gen.Pl.; Adv.)
tathā eva nyastaśastrāṇāṃ
ebenso der, die die Waffen niedergelegt haben (Gen.Pl.)
vimuktarathavājinām
deren Wagen und Rosse ausgespannt sind (Gen.Pl.; Bahuvrīhi)

ye ca brūyus tavāsmīti ye ca syuḥ śaraṇāgatāḥ; vimuktamūrdhajā ye ca ye cāpi hatavāhanāḥ

Und die, die sagen: „Ich bin dein“, und die, die Schutzsuchende sind, und die, deren Haar gelöst ist, und auch die, deren Zugtiere erschlagen sind.

Wort für Wort
ye ca brūyuḥ tava asmi iti
und die, die sagen ‚ich bin dein‘ (3.Pl.Opt.)
ye ca syuḥ śaraṇāgatāḥ
und die, die Schutzsuchende sind (3.Pl.Opt.; Nom.Pl.)
vimuktamūrdhajāḥ ye ca
und die, deren Haar gelöst ist (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)
ye ca api hatavāhanāḥ
und auch die, deren Zugtiere erschlagen sind (Bahuvrīhi, Nom.Pl.)

Fortsetzung des Satzes aus n=10 (Tötung wird nicht gebilligt).

adya svapsyanti pāñcālā vimuktakavacā vibho; viśvastā rajanīṃ sarve pretā iva vicetasaḥ

Heute werden die Pāñcālas schlafen, o Herr, die Rüstungen abgelegt, alle in der Nacht arglos, gleich Toten besinnungslos.

Wort für Wort
adya svapsyanti pāñcālāḥ
heute werden schlafen die Pāñcālas (3.Pl.Fut.; Nom.Pl.)
vimuktakavacāḥ vibho
mit abgelegten Rüstungen, o Herr (Nom.Pl.; Vok.Sg.)
viśvastāḥ rajanīṃ sarve
arglos, die Nacht [hindurch], alle (Nom.Pl.; Akk.Sg.)
pretāḥ iva vicetasaḥ
wie Tote, besinnungslos (Nom.Pl.)

yas teṣāṃ tadavasthānāṃ druhyeta puruṣo 'nṛjuḥ; vyaktaṃ sa narake majjed agādhe vipule 'plave

Welcher unaufrichtige Mensch solchen, die in solchem Zustand sind, ein Leid antäte, der würde offenkundig in einer unergründlichen, weiten [Hölle] ohne Floß versinken.

Wort für Wort
yaḥ teṣāṃ tadavasthānāṃ
wer ihnen, die in solchem Zustand sind (Gen.Pl.)
druhyeta puruṣaḥ anṛjuḥ
der schade, ein Mensch, unaufrichtig (3.Sg.Opt.Med.; Nom.Sg.)
vyaktaṃ sa narake majjet
offenkundig würde er in der Hölle versinken (Adv.; Lok.Sg.; 3.Sg.Opt.)
agādhe vipule aplave
in einer unergründlichen, weiten, floßlosen [Hölle] (Lok.Sg.)

Ergänzt: ‚Hölle‘ als Bezugswort von agādhe vipule; aplave ‚ohne Floß/Boot‘.

sarvāstraviduṣāṃ loke śreṣṭhas tvam asi viśrutaḥ; na ca te jātu loke 'smin susūkṣmam api kilbiṣam

Unter den Kennern aller Waffen bist du in der Welt als der Beste berühmt, und nie ist an dir in dieser Welt auch nur der feinste Makel [gesehen worden].

Wort für Wort
sarvāstraviduṣāṃ loke
unter den Kennern aller Waffen in der Welt (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
śreṣṭhaḥ tvam asi viśrutaḥ
als der Beste bist du berühmt (Nom.Sg.; 2.Sg.Präs.; Part.Pass.)
na ca te jātu loke asmin
und nie an dir in dieser Welt (Gen./Dat.Sg.; Lok.Sg.)
susūkṣmam api kilbiṣam
auch nur der feinste Makel (Nom.Sg.n.)

Ergänzt: ‚gesehen worden‘ (Kopula fehlt im Sanskrit).

tvaṃ punaḥ sūryasaṃkāśaḥ śvobhūta udite ravau; prakāśe sarvabhūtānāṃ vijetā yudhi śātravān

Du aber, der Sonne gleich, wirst morgen, wenn die Sonne aufgegangen ist, im Licht vor allen Wesen der Sieger im Kampf über die Feinde sein.

Wort für Wort
tvaṃ punaḥ sūryasaṃkāśaḥ
du aber, der Sonne gleich (Nom.Sg.)
śvobhūte udite ravau
am morgigen Tag, wenn die Sonne aufgegangen ist (Lok.abs.)
prakāśe sarvabhūtānām
im Licht, vor allen Wesen (Lok.Sg.; Gen.Pl.)
vijetā yudhi śātravān
Sieger im Kampf über Feinde (Nom.Sg.; Lok.Sg.; Akk.Pl.)

śvobhūte udite ravau ist als Zeitangabe ‚morgen, wenn die Sonne aufgegangen ist‘ gefasst; die Kopula ist ergänzt.

asaṃbhāvitarūpaṃ hi tvayi karma vigarhitam; śukle raktam iva nyastaṃ bhaved iti matir mama

Denn eine getadelte Tat, die an dir unvorstellbar wäre, wäre wie Rotes auf Weißes hingesetzt – so ist meine Ansicht.

Wort für Wort
asaṃbhāvitarūpaṃ hi
denn von unvorstellbarer Art (Nom.Sg.n.)
tvayi karma vigarhitam
an dir eine Tat, getadelt (Lok.Sg.; Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
śukle raktam iva nyastam
wie Rotes auf Weißem hingesetzt (Lok.Sg.n.; Nom.Sg.n.; Part.Pass.)
bhavet iti matiḥ mama
es wäre – so meine Ansicht (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.f.)

Text: asaṃbhāvitarūpam ‚von unvorstellbarer Art‘, vgl. das Bild vom roten Fleck auf weißem Tuch.

aśvatthāmovāca; evam etad yathāttha tvam anuśāsmīha mātula; tais tu pūrvamayaṃ setuḥ śatadhā vidalīkṛtaḥ

Aśvatthāman sprach: „So ist es, wie du sagst; ich werde hier von dir belehrt, Onkel. Doch von jenen wurde diese Brücke schon früher hundertfach zerbrochen.“

Wort für Wort
aśvatthāmā uvāca
Aśvatthāman sprach
evam etat yathā āttha tvam
so ist dies, wie du sagst (2.Sg.Perf.)
anuśāsmi iha mātula
ich werde hier belehrt, Onkel (1.Sg.; Vok.)
taiḥ tu pūrvam ayaṃ setuḥ
von jenen aber früher diese Brücke/dieser Damm (Instr.Pl.; Nom.Sg.)
śatadhā vidalīkṛtaḥ
hundertfach zerbrochen (Adv.; Part.Pass.)

anuśāsmi (‚ich werde belehrt‘) ist als Passiv-/Mediumform gefasst [?]; mātula = Mutterbruder (Kṛpa ist Aśvatthāmans Oheim).

pratyakṣaṃ bhūmipālānāṃ bhavatāṃ cāpi saṃnidhau; nyastaśastro mama pitā dhṛṣṭadyumnena pātitaḥ

Vor den Augen der Fürsten und auch in eurer Gegenwart wurde mein Vater, der die Waffen niedergelegt hatte, von Dhṛṣṭadyumna gefällt.

Wort für Wort
pratyakṣaṃ bhūmipālānāṃ
vor den Augen der Erdenhüter/Fürsten (Adv.; Gen.Pl.)
bhavatāṃ ca api saṃnidhau
und auch in eurer Gegenwart (Gen.Pl.; Lok.Sg.)
nyastaśastraḥ mama pitā
mein Vater, der die Waffen niedergelegt hatte (Nom.Sg.)
dhṛṣṭadyumnena pātitaḥ
von Dhṛṣṭadyumna gefällt (Instr.Sg.; Part.Pass.Kaus.)

karṇaś ca patite cakre rathasya rathināṃ varaḥ; uttame vyasane sanno hato gāṇḍīvadhanvanā

Und Karṇa, der Beste der Wagenkämpfer, wurde, als das Rad seines Wagens eingesunken war und er in höchster Not steckte, vom Träger des Gāṇḍīva erschlagen.

Wort für Wort
karṇaḥ ca patite cakre
und Karṇa, als das Rad gefallen/eingesunken war (Nom.Sg.; Lok.abs.)
rathasya rathināṃ varaḥ
des Wagens; der Beste der Wagenkämpfer (Gen.Sg.; Gen.Pl.; Nom.Sg.)
uttame vyasane sannaḥ
in höchster Not versunken (Lok.Sg.; Part.Pass.)
hataḥ gāṇḍīvadhanvanā
erschlagen vom Träger des Bogens Gāṇḍīva (Part.Pass.; Instr.Sg.)

tathā śāṃtanavo bhīṣmo nyastaśastro nirāyudhaḥ; śikhaṇḍinaṃ puraskṛtya hato gāṇḍīvadhanvanā

Ebenso wurde Bhīṣma, der Śāṃtanava, der die Waffen niedergelegt hatte und ohne Waffe war, unter Vorantritt Śikhaṇḍins vom Träger des Gāṇḍīva erschlagen.

Wort für Wort
tathā śāṃtanavaḥ bhīṣmaḥ
ebenso Bhīṣma, der Sohn Śaṃtanus (Nom.Sg.)
nyastaśastraḥ nirāyudhaḥ
die Waffen niedergelegt, waffenlos (Nom.Sg.)
śikhaṇḍinaṃ puraskṛtya
Śikhaṇḍin vorangestellt habend (Akk.Sg.; Gerundium)
hataḥ gāṇḍīvadhanvanā
erschlagen vom Gāṇḍīva-Träger (Part.Pass.; Instr.Sg.)

bhūriśravā maheṣvāsas tathā prāyagato raṇe; krośatāṃ bhūmipālānāṃ yuyudhānena pātitaḥ

Ebenso wurde Bhūriśravas, der große Bogenschütze, der im Kampf zum Fasten bis zum Tod niedergesessen war, während die Fürsten aufschrien, von Yuyudhāna gefällt.

Wort für Wort
bhūriśravāḥ maheṣvāsaḥ
Bhūriśravas, der große Bogenschütze (Nom.Sg.)
tathā prāyagataḥ raṇe
ebenso zum Todesfasten niedergesessen, im Kampf (Adv.; Part.Perf.; Lok.Sg.)
krośatāṃ bhūmipālānāṃ
während die Fürsten schrien (Gen.abs.Pl.)
yuyudhānena pātitaḥ
von Yuyudhāna gefällt (Instr.Sg.; Part.Pass.Kaus.)

prāyagata = im ‚prāya‘ (Fasten bis zum Tod) sitzend; die Deutung folgt dem Kontext.

duryodhanaś ca bhīmena sametya gadayā mṛdhe; paśyatāṃ bhūmipālānām adharmeṇa nipātitaḥ

Und Duryodhana wurde, als er mit Bhīma im Kampf mit der Keule zusammengetroffen war, vor den Augen der Fürsten wider das Recht niedergeworfen.

Wort für Wort
duryodhanaḥ ca bhīmena
und Duryodhana, mit Bhīma (Nom.Sg.; Instr.Sg.)
sametya gadayā mṛdhe
zusammengetroffen mit der Keule im Kampf (Gerundium; Instr.Sg.; Lok.Sg.)
paśyatāṃ bhūmipālānām
während die Fürsten zusahen (Gen.abs.Pl.)
adharmeṇa nipātitaḥ
wider das Recht niedergeworfen (Instr.Sg.; Part.Pass.Kaus.)

ekākī bahubhis tatra parivārya mahārathaiḥ; adharmeṇa naravyāghro bhīmasenena pātitaḥ

Als er allein war, von vielen Großwagenkämpfern dort umringt, wurde der Tiger unter den Männern von Bhīmasena wider das Recht gefällt.

Wort für Wort
ekākī bahubhiḥ tatra
allein, von vielen dort (Nom.Sg.; Instr.Pl.)
parivārya mahārathaiḥ
umringt/umringt habend, von Großwagenkämpfern (Gerundium; Instr.Pl.)
adharmeṇa naravyāghraḥ
wider das Recht, der Tiger unter den Männern (Instr.Sg.; Nom.Sg.)
bhīmasenena pātitaḥ
von Bhīmasena gefällt (Instr.Sg.; Part.Pass.Kaus.)

Der Halbvers ekākī bahubhis tatra parivārya mahārathaiḥ ist grammatisch unklar (Gerundium parivārya ohne eindeutiges Subjekt); Sinn nach dem Kontext gefasst [?].

vilāpo bhagnasakthasya yo me rājñaḥ pariśrutaḥ; vārttikānāṃ kathayatāṃ sa me marmāṇi kṛntati

Das Wehklagen meines Königs, dessen Schenkel zerschmettert waren, das ich [von den Boten] hörte, als die Berichterstatter es erzählten, zerschneidet mir die empfindlichsten Stellen.

Wort für Wort
vilāpaḥ bhagnasakthasya
das Wehklagen dessen mit zerbrochenen Schenkeln (Nom.Sg.; Gen.Sg.)
yaḥ me rājñaḥ pariśrutaḥ
das von meinem König gehört wurde (Nom.Sg.; Gen.Sg.; Part.Pass.)
vārttikānāṃ kathayatāṃ
während die Berichterstatter erzählten (Gen.abs.Pl.)
sa me marmāṇi kṛntati
es zerschneidet mir die empfindlichen Stellen (3.Sg.Präs.; Akk.Pl.)

evam adhārmikāḥ pāpāḥ pāñcālā bhinnasetavaḥ; tān evaṃ bhinnamaryādān kiṃ bhavān na vigarhati

So sind die Pāñcālas ungerecht und schlecht, Brückenbrecher; warum tadelst du, Herr, sie nicht, die so die Schranke durchbrochen haben?

Wort für Wort
evam adhārmikāḥ pāpāḥ
so ungerecht, schlecht (Nom.Pl.)
pāñcālāḥ bhinnasetavaḥ
die Pāñcālas, Brückenbrecher (Nom.Pl.; Bahuvrīhi)
tān evaṃ bhinnamaryādān
sie, die so die Schranke durchbrochen haben (Akk.Pl.; Bahuvrīhi)
kiṃ bhavān na vigarhati
warum tadelst du, Herr, [sie] nicht (Nom.Sg.; 3.Sg.Präs.)

yāsyāmy apacitiṃ rājñaḥ kauravasya pitus tathā

Ich werde dem König Kaurava und ebenso dem Vater Vergeltung leisten.

Wort für Wort
yāsyāmi apacitiṃ
ich werde Vergeltung/Sühne erlangen (1.Sg.Fut.; Akk.Sg.f.)
rājñaḥ kauravasya
dem König, dem Kaurava (Gen./Dat.Sg.)
pituḥ tathā
dem Vater ebenso (Gen./Dat.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile (Stern); sie schließt inhaltlich an n=25 an.

pitṛhantṝn ahaṃ hatvā pāñcālān niśi sauptike; kāmaṃ kīṭaḥ pataṃgo vā janma prāpya bhavāmi vai

Wenn ich die Mörder meines Vaters, die Pāñcālas, in der Nacht im Schlaf erschlagen habe, so mag ich meinetwegen als Wurm oder Falter geboren werden.

Wort für Wort
pitṛhantṝn ahaṃ hatvā
die Vatermörder, ich, erschlagen habend (Akk.Pl.; Gerundium)
pāñcālān niśi sauptike
die Pāñcālas, in der Nacht, im Schlaf (Akk.Pl.; Lok.Sg.; Lok.Sg.)
kāmaṃ kīṭaḥ pataṃgaḥ vā
meinetwegen, ein Wurm oder Falter (Adv.; Nom.Sg.)
janma prāpya bhavāmi vai
eine Geburt erlangt habend, mag ich werden (Akk.Sg.; Gerundium; 1.Sg.Präs.)

tvare cāham anenādya yad idaṃ me cikīrṣitam; tasya me tvaramāṇasya kuto nidrā kutaḥ sukham

Und ich bin heute in Eile wegen dessen, was ich zu tun beabsichtige; woher wäre für mich, der ich eile, Schlaf, woher Behagen?

Wort für Wort
tvare ca aham anena adya
und ich bin in Eile durch dieses heute (1.Sg.Präs.Med.; Instr.Sg.)
yat idaṃ me cikīrṣitam
was dies von mir zu Tuendes beabsichtigt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.Desid.)
tasya me tvaramāṇasya
für mich, den Eilenden, deswegen (Gen.Sg.; Part.Präs.Med.)
kutaḥ nidrā kutaḥ sukham
woher Schlaf, woher Behagen (Nom.Sg.)

na sa jātaḥ pumāṃl loke kaś cin na ca bhaviṣyati; yo me vyāvartayed etāṃ vadhe teṣāṃ kṛtāṃ matim

Nicht geboren ist ein Mann in der Welt, und keiner wird es sein, der mich von diesem gefassten Entschluss zu ihrer Tötung abbringen könnte.

Wort für Wort
na sa jātaḥ pumān loke
nicht ist geboren ein Mann in der Welt (Part.Pass.; Nom.Sg.; Lok.Sg.)
kaḥ cit na ca bhaviṣyati
irgendeiner, und nicht wird sein (3.Sg.Fut.)
yaḥ me vyāvartayet etāṃ
der mich abbringen könnte von diesem (3.Sg.Opt.Kaus.; Akk.Sg.f.)
vadhe teṣāṃ kṛtāṃ matim
zu ihrer Tötung gefassten Entschluss (Lok.Sg.; Gen.Pl.; Akk.Sg.f.)

saṃjaya uvāca; evam uktvā mahārāja droṇaputraḥ pratāpavān; ekānte yojayitvāśvān prāyād abhimukhaḥ parān

Saṃjaya sprach: „Nachdem er so gesprochen hatte, o Großkönig, schirrte der Sohn Droṇas, der Gewaltige, abseits die Rosse an und fuhr den Feinden entgegen.“

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach
evam uktvā mahārāja
so gesprochen habend, o Großkönig (Gerundium; Vok.Sg.)
droṇaputraḥ pratāpavān
der Sohn Droṇas, der Gewaltige (Nom.Sg.)
ekānte yojayitvā aśvān
abseits die Rosse angeschirrt habend (Lok.Sg.; Gerundium; Akk.Pl.)
prāyāt abhimukhaḥ parān
fuhr, den Feinden zugewandt (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.; Akk.Pl.)

ekānte ‚abseits, an einsamer Stelle‘.

tam abrūtāṃ mahātmānau bhojaśāradvatāv ubhau; kim ayaṃ syandano yuktaḥ kiṃ ca kāryaṃ cikīrṣitam

Zu ihm sprachen die beiden Hochgesinnten, der Bhoja und der Śāradvata: „Wozu ist dieser Wagen angeschirrt, und was ist zu tun beabsichtigt?“

Wort für Wort
tam abrūtām mahātmānau
zu ihm sprachen die beiden Hochgesinnten (3.Du.Impf.; Nom.Du.)
bhojaśāradvatau ubhau
der Bhoja und der Śāradvata, beide (Nom.Du.)
kim ayaṃ syandanaḥ yuktaḥ
wozu ist dieser Wagen angeschirrt (Nom.Sg.; Part.Pass.)
kiṃ ca kāryaṃ cikīrṣitam
und was ist als Aufgabe beabsichtigt (Nom.Sg.n.; Part.Pass.Desid.)

ekasārthaṃ prayātau svas tvayā saha nararṣabha; samaduḥkhasukhau caiva nāvāṃ śaṅkitum arhasi

„Wir beide ziehen gemeinsam mit dir, Stier unter den Männern und Sehern; wir teilen Leid und Freud gleichermaßen, du darfst uns nicht verdächtigen.“

Wort für Wort
ekasārthaṃ prayātau svaḥ
gemeinsam brechen wir beide auf (Adv.; 1.Du.Präs.)
tvayā saha nararṣabha
mit dir, Stier unter den Männern (Instr.Sg.; Vok.Sg.)
samaduḥkhasukhau ca eva
und die wir in Leid und Freud gleich sind (Nom.Du.; Bahuvrīhi)
na āvāṃ śaṅkitum arhasi
uns beide darfst du nicht verdächtigen (Akk.Du.; Inf.; 2.Sg.Präs.)

nararṣabha ‚Stier unter den Männern (und Sehern)‘, hier als ein Epitheton gefasst [?].

aśvatthāmā tu saṃkruddhaḥ pitur vadham anusmaran; tābhyāṃ tathyaṃ tadācakhyau yad asyātmacikīrṣitam

Aśvatthāman aber, voller Zorn und des Todes seines Vaters gedenkend, sagte ihnen wahrheitsgemäß, was er selbst zu tun beabsichtigte.

Wort für Wort
aśvatthāmā tu saṃkruddhaḥ
Aśvatthāman aber, zornentbrannt (Nom.Sg.; Part.Pass.)
pituḥ vadham anusmaran
des Vaters Tod gedenkend (Gen.Sg.; Akk.Sg.; Part.Präs.)
tābhyāṃ tathyaṃ tadā ācakhyau
ihnen beiden wahrheitsgemäß da erzählte er (Dat.Du.; Adv.; 3.Sg.Perf.)
yat asya ātmacikīrṣitam
was von ihm selbst beabsichtigt war (Nom.Sg.n.)

hatvā śatasahasrāṇi yodhānāṃ niśitaiḥ śaraiḥ; nyastaśastro mama pitā dhṛṣṭadyumnena pātitaḥ

„Nachdem er Hunderttausende von Kriegern mit scharfen Pfeilen erschlagen hatte, wurde mein Vater, der die Waffen niedergelegt hatte, von Dhṛṣṭadyumna gefällt.“

Wort für Wort
hatvā śatasahasrāṇi yodhānām
erschlagen habend Hunderttausende von Kriegern (Gerundium; Akk.Pl.; Gen.Pl.)
niśitaiḥ śaraiḥ
mit scharfen Pfeilen (Instr.Pl.)
nyastaśastraḥ mama pitā
die Waffen niedergelegt, mein Vater (Nom.Sg.)
dhṛṣṭadyumnena pātitaḥ
von Dhṛṣṭadyumna gefällt (Instr.Sg.; Part.Pass.Kaus.)

taṃ tathaiva haniṣyāmi nyastavarmāṇam adya vai; putraṃ pāñcālarājasya pāpaṃ pāpena karmaṇā

„Ebenso werde ich ihn heute töten, wenn er den Panzer abgelegt hat, den Sohn des Königs der Pāñcālas, den Bösen, durch eine böse Tat.“

Wort für Wort
taṃ tathā eva haniṣyāmi
ihn ebenso werde ich töten (Akk.Sg.; 1.Sg.Fut.)
nyastavarmāṇam adya vai
den, der den Panzer abgelegt hat, heute (Akk.Sg.)
putraṃ pāñcālarājasya
den Sohn des Königs der Pāñcālas (Akk.Sg.; Gen.Sg.)
pāpaṃ pāpena karmaṇā
den Bösen durch böse Tat (Akk.Sg.; Instr.Sg.)

tam … putram pāñcālarājasya: mit Dhṛṣṭadyumna, dem Sohn des Drupada, gemeint.

kathaṃ ca nihataḥ pāpaḥ pāñcālaḥ paśuvan mayā; śastrāhavajitāṃ lokān prāpnuyād iti me matiḥ

„Und wie sollte der böse Pāñcāla, den ich wie ein Opfertier getötet habe, die durch Waffenkampf gewonnenen Welten erlangen? – so ist meine Ansicht.“

Wort für Wort
katham ca nihataḥ pāpaḥ
und wie [könnte], erschlagen, der Böse (Part.Pass.; Nom.Sg.)
pāñcālaḥ paśuvat mayā
der Pāñcāla, wie ein Opfertier, von mir (Nom.Sg.; Adv.; Instr.Sg.)
śastrāhavajitān lokān
die durch Waffenkampf gewonnenen Welten (Akk.Pl.)
prāpnuyāt iti me matiḥ
erlangen möge/könnte – so meine Ansicht (3.Sg.Opt.; Nom.Sg.f.)

Gemeint: er soll sie nicht erlangen; die Frage ist rhetorisch.

kṣipraṃ saṃnaddhakavacau sakhaḍgāv āttakārmukau; samāsthāya pratīkṣetāṃ rathavaryau paraṃtapau

„Schnell, gepanzert, mit Schwertern und Bögen in den Händen, besteigt [den Wagen] und wartet, ihr beiden Besten der Wagenkämpfer, Bezwinger der Feinde.“

Wort für Wort
kṣipraṃ saṃnaddhakavacau
schnell, ihr beiden, die ihr die Rüstung angelegt habt (Adv.; Nom./Vok.Du.)
sakhaḍgau āttakārmukau
mit Schwertern, mit ergriffenen Bögen (Du.)
samāsthāya pratīkṣetām
nachdem ihr [den Wagen] bestiegen habt, wartet (Gerundium; 2.Du.Opt./Imp.Med.)
rathavaryau paraṃtapau
ihr Wagenbesten, Feindebezwinger (Vok.Du.)

ity uktvā ratham āsthāya prāyād abhimukhaḥ parān; tam anvagāt kṛpo rājan kṛtavarmā ca sātvataḥ

So gesprochen, bestieg er den Wagen und fuhr den Feinden entgegen. Ihm folgten Kṛpa, o König, und Kṛtavarman, der Sātvata.

Wort für Wort
iti uktvā ratham āsthāya
so gesprochen habend, den Wagen bestiegen habend (Gerundien; Akk.Sg.)
prāyāt abhimukhaḥ parān
fuhr den Feinden entgegen (3.Sg.Impf.; Nom.Sg.; Akk.Pl.)
tam anvagāt kṛpaḥ rājan
ihm folgte Kṛpa, o König (3.Sg.Aor.; Nom.Sg.; Vok.Sg.)
kṛtavarmā ca sātvataḥ
und Kṛtavarman, der Sātvata (Nom.Sg.)

te prayātā vyarocanta parān abhimukhās trayaḥ; hūyamānā yathā yajñe samiddhā havyavāhanāḥ

Die drei strahlten, den Feinden zugewandt, im Aufbruch wie entzündete Opferfeuer, denen im Opfer gespendet wird.

Wort für Wort
te prayātāḥ vyarocanta
sie, aufgebrochen, erstrahlten (Nom.Pl.; 3.Pl.Impf.Med.)
parān abhimukhāḥ trayaḥ
den Feinden zugewandt, die drei (Akk.Pl.; Nom.Pl.)
hūyamānāḥ yathā yajñe
wie im Opfer, denen geopfert wird (Part.Präs.Pass.; Lok.Sg.)
samiddhāḥ havyavāhanāḥ
entzündet, Opferfeuer (Nom.Pl.)

yayuś ca śibiraṃ teṣāṃ saṃprasuptajanaṃ vibho; dvāradeśaṃ tu saṃprāpya drauṇis tasthau rathottame

Und sie gelangten zum Lager jener, dessen Leute tief schliefen, o Herr; am Torbereich angekommen, hielt der Sohn Droṇas auf dem besten Wagen an.

Wort für Wort
yayuḥ ca śibiraṃ teṣām
und sie fuhren zum Lager der Feinde (3.Pl.Perf.; Akk.Sg.; Gen.Pl.)
saṃprasuptajanaṃ vibho
dessen Leute tief schlafen, o Herr (Akk.Sg.; Vok.Sg.)
dvāradeśaṃ tu saṃprāpya
den Torbereich aber erreicht habend (Akk.Sg.; Gerundium)
drauṇiḥ tasthau rathottame
der Sohn Droṇas hielt auf dem besten Wagen (Nom.Sg.; 3.Sg.Perf.; Lok.Sg.)

saṃjaya uvāca; tatas tau saṃvidaṃ kṛtvā vāsudevavṛṣadhvajau; niścitau tu vadhe teṣāṃ pāñcālānāṃ mahāvratau; tato 'bravīn mahādevaṃ kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam; yogamūrtidharo bhūtvā praviśyābhyantaraṃ manaḥ; tāvat kāryam idaṃ yuktaṃ sādhayāmy aham añjasā; evaṃ tu saṃvidaṃ kṛtvā ekamūrtidharau sthitau

Saṃjaya sprach: „Da trafen die beiden, Vāsudeva und der Stierbannerträger, eine Abmachung, die beiden Großgelübdigen, entschlossen zur Tötung jener Pāñcālas. Darauf sprach er zu Mahādeva, zu Kṛṣṇa, dem mühelos Wirkenden: ‚Nachdem ich eine Yoga-Gestalt angenommen habe und in den Geist [des Feindes] eingetreten bin, will ich diese passende Aufgabe alsbald mühelos vollbringen.‘ Nachdem sie so die Abmachung getroffen hatten, standen die beiden, eine einzige Gestalt tragend, [da].“

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach
tataḥ tau saṃvidaṃ kṛtvā
da die beiden, eine Abmachung getroffen habend (Nom.Du.; Akk.Sg.f.; Gerundium)
vāsudevavṛṣadhvajau
Vāsudeva und der Stierbannerträger [Śiva?] (Nom.Du.)
niścitau tu vadhe teṣāṃ pāñcālānāṃ mahāvratau
entschlossen zur Tötung jener Pāñcālas, die Großgelübdigen (Nom.Du.; Lok.Sg.; Gen.Pl.)
tataḥ abravīt mahādevaṃ kṛṣṇam akliṣṭakāriṇam
darauf sprach er zu Mahādeva, zu Kṛṣṇa, dem mühelos Wirkenden (3.Sg.Impf.; Akk.Sg.)
yogamūrtidharaḥ bhūtvā praviśya abhyantaraṃ manaḥ
eine Yoga-Gestalt tragend geworden, eingetreten in das Innere, den Geist (Nom.Sg.; Gerundien; Akk.Sg.n.)
tāvat kāryam idaṃ yuktaṃ sādhayāmi aham añjasā
so lange/alsbald diese passende Aufgabe vollbringe ich mühelos (Adv.; Akk.Sg.n.; 1.Sg.Präs.; Adv.)
evaṃ tu saṃvidaṃ kṛtvā
so aber eine Abmachung getroffen habend (Gerundium)
ekamūrtidharau sthitau
eine einzige Gestalt tragend, standen die beiden (Nom.Du.; Part.Pass.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Sternpassage, textlich und inhaltlich unklar: Sprecher und Angesprochener von tato 'bravīt sowie der Bezug von yogamūrtidharo … manaḥ sind nicht sicher [?]; die Wiedergabe ist vorsichtig gewählt.

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