Kapitel 6: bhūtadarśanaṃ rudraśaraṇagamanasaṃkalpaś ca
Aśvatthāman begegnet am Lagertor dem Schreckwesen und beschließt, bei Rudra Zuflucht zu suchen
Am Tor des Pāṇḍava-Lagers erscheint Aśvatthāman eine riesenhafte, furchtbare Gestalt, die all seine Waffen verschlingt. Entwaffnet erkennt er sein Fehlverhalten und wendet sich an Mahādeva.
saṃjaya uvāca; kṛtavarmāṇam āmantrya kṛpaṃ ca sa mahāratham; drauṇir manyuparītātmā śibiradvāram āsadat
Saṃjaya sprach: Nachdem er sich von Kṛtavarman und dem großen Wagenkämpfer Kṛpa verabschiedet hatte, gelangte Drauṇi, im Innersten von Zorn erfüllt, zum Tor des Lagers.
Es trug ein Tigerfell, war von reichlich strömendem Blut überströmt, hatte ein Antilopenfell als Obergewand um die Schulter und eine Schlange als Opferschnur.
Wort für Wort
vasānaṃ carma vaiyāghraṃ
bekleidet mit einem Fell vom Tiger (Akk. Part./Akk./Akk.)
mahārudhiravisravam
mit großem Blutstrom (Akk., Bahuvrīhi)
kṛṣṇājinottarāsaṅgaṃ
mit dem Fell der schwarzen Antilope als Obergewand (Akk., Bahuvrīhi)
nāgayajñopavītinam
mit einer Schlange als Opferschnur (Akk., Bahuvrīhi)
Es hatte mächtige, wohlgestreckte, kräftige Arme, die mit vielerlei Waffen erhoben waren, große Schlangen als angelegte Armreifen und ein von Flammenkränzen erfülltes Gesicht.
Wort für Wort
bāhubhiḥ svāyataiḥ pīnaiḥ
mit Armen, wohlgestreckten, kräftigen (Instr.Pl.)
nānāpraharaṇodyataiḥ
die mit vielerlei Waffen erhoben sind (Instr.Pl.)
baddhāṅgadamahāsarpaṃ
mit großen Schlangen als angelegten Armreifen (Akk., Bahuvrīhi)
jvālāmālākulānanam
mit einem von Flammenkränzen erfüllten Gesicht (Akk., Bahuvrīhi)
tad atyadbhutam ālokya bhūtaṃ lokabhayaṃkaram; drauṇir avyathito divyair astravarṣair avākirat
Als Drauṇi dieses höchst wunderbare, die Welten in Furcht versetzende Wesen erblickte, überschüttete er es unerschrocken mit einem Regen göttlicher Geschosse.
Wort für Wort
tad atyadbhutam ālokya
dieses höchst Wunderbare erblickt habend (Akk./ Ger.)
bhūtaṃ lokabhayaṃkaram
das Wesen, die Welt in Furcht versetzend (Akk.)
drauṇir avyathito
Drauṇi, unerschüttert (Nom./Nom. Part.)
divyair astravarṣair avākirat
mit göttlichen Waffenregen überschüttete er (Instr.Pl./3.Sg.Impf.)
So verschlang das Wesen jene von Drauṇi abgeschickten Pfeile.
Wort für Wort
agrasat tāṃs tathā bhūtaṃ
verschlang jene so das Wesen (3.Sg.Impf./Akk.Pl./Adv./Nom.)
drauṇinā prahitāñ śarān
von Drauṇi abgeschickte Pfeile (Instr./Part. Akk.Pl./Akk.Pl.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).
Diese Wagenlanze mit leuchtender Spitze zerbarst, als sie auf es traf, wie ein großer Meteor, der am Weltende auf die Sonne prallt und vom Himmel gefallen ist.
Wort für Wort
sā tadāhatya dīptāgrā
diese, damals, auftreffend, mit leuchtender Spitze (Nom.f./Adv./Ger./Nom.)
rathaśaktir aśīryata
die Wagenlanze zersprang (Nom./3.Sg.Impf.Pass.)
yugānte sūryam āhatya
am Zeitalterende, die Sonne getroffen habend (Lok./Akk./Ger.)
maholkeva divaś cyutā
wie ein großer Meteor vom Himmel gefallen (Nom.f./Abl./Part.)
Dann zog er rasch aus der Scheide ein göttliches Schwert mit goldenem Griff, das dem Himmel an Farbe glich, leuchtend wie eine Schlange aus ihrem Loch.
Wort für Wort
atha hematsaruṃ divyaṃ
sodann eines mit goldenem Griff, göttliches (Adv./Akk.)
khaḍgam ākāśavarcasam
Schwert, von himmelsgleichem Glanz (Akk.)
kośāt samudbabarhāśu
aus der Scheide zog er heraus, rasch (Abl./3.Sg.Perf./Adv.)
bilād dīptam ivoragam
aus dem Loch, leuchtend, gleichsam eine Schlange (Abl./Akk.)
bruvatām apriyaṃ pathyaṃ suhṛdāṃ na śṛṇoti yaḥ; sa śocaty āpadaṃ prāpya yathāham ativartya tau
Wer den unangenehmen, aber heilsamen [Rat] der Freunde, die zu ihm sprechen, nicht hört, der jammert, wenn er in Not geraten ist, so wie ich, der ich die beiden übergangen habe.
Wort für Wort
bruvatām apriyaṃ pathyaṃ
von den Sprechenden, Unangenehmes, Heilsames (Gen.Pl./Akk.)
suhṛdāṃ na śṛṇoti yaḥ
von Freunden, nicht hört, wer (Gen.Pl./3.Sg.Präs./Nom.)
sa śocaty āpadaṃ prāpya
der klagt, Not erlangt habend (3.Sg.Präs./Akk./Ger.)
yathāham ativartya tau
wie ich, die beiden übergangen habend (Adv./Nom./Ger./Akk.Du.)
Wer die in den Lehrschriften als unerschlagbar Bezeichneten übergeht und töten will, der ist vom rechten Pfad abgekommen und gerät auf einen schlechten Weg.
Wort für Wort
śāstradṛṣṭān avadhyān yaḥ
in den Lehrschriften gesehene, Nichttötbare, wer (Akk.Pl./Nom.)
samatītya jighāṃsati
übergangen habend, zu töten wünscht (Ger./3.Sg.Desid.)
sa pathaḥ pracyuto dharmyāt
er, vom Pfad abgekommen, vom rechten (Nom./Abl./Part./Abl.)
gobrāhmaṇanṛpastrīṣu sakhyur mātur guros tathā; vṛddhabālajaḍāndheṣu suptabhītotthiteṣu ca
Gegenüber Kühen, Brahmanen, Königen und Frauen, dem Freund, der Mutter und ebenso dem Lehrer, gegenüber Greisen, Kindern, Schwachsinnigen und Blinden, gegenüber Schlafenden, Erschreckten und eben Aufgestandenen
Wort für Wort
gobrāhmaṇanṛpastrīṣu
bei Kühen, Brahmanen, Königen, Frauen (Lok.Pl., Dvandva)
sakhyur mātur guros tathā
beim Freund, bei der Mutter, beim Lehrer, ebenso (Lok./Gen.-Abl. sakhyuḥ, mātuḥ, guroḥ)
vṛddhabālajaḍāndheṣu
bei Greisen, Kindern, Stumpfen, Blinden (Lok.Pl.)
suptabhītotthiteṣu ca
und bei Schlafenden, Erschreckten, Aufgestandenen (Lok.Pl.)
und gegenüber Berauschten, Wahnsinnigen und Unachtsamen soll man keine Waffen anwenden: So wurde es von den Lehrern den Menschen von jeher stets gelehrt.
Wort für Wort
mattonmattapramatteṣu
bei Trunkenen, Wahnsinnigen, Unachtsamen (Lok.Pl.)
na śastrāṇy upadhārayet
nicht Waffen soll man richten (Akk.Pl./3.Sg.Opt.)
ity evaṃ gurubhiḥ pūrvam
so, auf diese Weise, von Lehrern früher (Instr.Pl./Adv.)
upadiṣṭaṃ nṛṇāṃ sadā
gelehrt, den Menschen, stets (Part.n./Gen.Pl./Adv.)
So bin ich, der ich vom ewigen, in den Lehrschriften gesehenen Weg abgewichen bin und auf unrechtem Pfad in dieser Weise ein Unternehmen begonnen habe, in furchtbare Not geraten.
Wort für Wort
so 'ham utkramya panthānaṃ
so ich, abgewichen von dem Weg (Nom./Nom./Ger./Akk.)
śāstradṛṣṭaṃ sanātanam
den in den Lehrschriften gesehenen, ewigen (Akk.)
amārgeṇaivam ārabhya
auf dem Nicht-Weg, so, begonnen habend (Instr./Adv./Ger.)
ghorām āpadam āgataḥ
in furchtbare Not gekommen (Akk.f./Akk./Part.Nom.)
tāṃ cāpadaṃ ghoratarāṃ pravadanti manīṣiṇaḥ; yad udyamya mahat kṛtyaṃ bhayād api nivartate
Als noch furchtbarer als [gewöhnliche] Not bezeichnen die Weisen es, wenn einer, nachdem er ein großes Werk unternommen hat, aus Furcht davon wieder ablässt.
Wort für Wort
tāṃ cāpadaṃ ghoratarāṃ
und jene Not, furchtbarere (Akk.f./Akk./Komp.Akk.f.)
pravadanti manīṣiṇaḥ
nennen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.), die Weisen
yad udyamya mahat kṛtyaṃ
wenn, unternommen habend, ein großes Werk (Ger./Akk.)
kapardinaṃ prapadyātha devadevam umāpatim; kapālamālinaṃ rudraṃ bhaganetraharaṃ haram
Nachdem ich [nun] zum Zopfträger, dem Gott der Götter, dem Gatten der Umā, Zuflucht genommen habe, dem Schädelkranzträger Rudra, Haras, der dem Bhaga die Augen nahm, [will ich ihn anrufen].
Wort für Wort
kapardinaṃ prapadyātha
den Zopfträger, Zuflucht genommen habend, sodann (Akk./Ger./Adv.)
devadevam umāpatim
den Gott der Götter, den Gatten der Umā (Akk.)
kapālamālinaṃ rudraṃ
den Schädelkranzträger, Rudra (Akk.)
bhaganetraharaṃ haram
Bhagas Augen raubend, Hara (Akk.)
Syntax: „prapadya“ als Gerundium; das Prädikat ergibt sich aus Vers 35 (abhyeṣye). „prapadyātha“ wohl prapadya + atha [?].