Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sauptikaparva

Kapitel 6: bhūtadarśanaṃ rudraśaraṇagamanasaṃkalpaś ca Aśvatthāman begegnet am Lagertor dem Schreckwesen und beschließt, bei Rudra Zuflucht zu suchen

Am Tor des Pāṇḍava-Lagers erscheint Aśvatthāman eine riesenhafte, furchtbare Gestalt, die all seine Waffen verschlingt. Entwaffnet erkennt er sein Fehlverhalten und wendet sich an Mahādeva.

dhṛtarāṣṭra uvāca; dvāradeśe tato drauṇim avasthitam avekṣya tau; akurvatāṃ bhojakṛpau kiṃ saṃjaya vadasva me

Dhṛtarāṣṭra sprach: Was taten die beiden, Bhoja [Kṛtavarman] und Kṛpa, als sie dann den Sohn des Droṇa am Tor stehen sahen? Sage es mir, Saṃjaya.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (3.Sg.Perf.)
dvāradeśe tato drauṇim
an der Stelle des Tores, dann, den Sohn des Droṇa (Lok./Adv./Akk.)
avasthitam avekṣya tau
dastehend, erblickt habend, die beiden (Akk. Part./Ger./Nom.Du.)
akurvatāṃ bhojakṛpau
taten (3.Du.Impf.Med.), Bhoja und Kṛpa (Nom.Du.)
kiṃ saṃjaya vadasva me
was, Saṃjaya, sage mir (Akk./Vok./Imp.Med./Dat.)

saṃjaya uvāca; kṛtavarmāṇam āmantrya kṛpaṃ ca sa mahāratham; drauṇir manyuparītātmā śibiradvāram āsadat

Saṃjaya sprach: Nachdem er sich von Kṛtavarman und dem großen Wagenkämpfer Kṛpa verabschiedet hatte, gelangte Drauṇi, im Innersten von Zorn erfüllt, zum Tor des Lagers.

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (3.Sg.Perf.)
kṛtavarmāṇam āmantrya
Kṛtavarman anredend/sich verabschiedend (Akk./Ger.)
kṛpaṃ ca sa mahāratham
und Kṛpa, den großen Wagenkämpfer, er (Akk./Akk./Nom.)
drauṇir manyuparītātmā
Drauṇi, dessen Selbst von Zorn erfüllt war (Nom.Sg., Bahuvrīhi)
śibiradvāram āsadat
zum Tor des Lagers gelangte er (Akk./3.Sg.Impf.)

tatra bhūtaṃ mahākāyaṃ candrārkasadṛśadyutim; so 'paśyad dvāram āvṛtya tiṣṭhantaṃ lomaharṣaṇam

Dort sah er ein riesenhaftes Wesen mit einem Glanz gleich Mond und Sonne, das, das Tor versperrend, dastand und Schauder erregte.

Wort für Wort
tatra bhūtaṃ mahākāyaṃ
dort, ein Wesen von großem Körper (Adv./Akk.Sg.n./Akk.)
candrārkasadṛśadyutim
mit einem Glanz gleich Mond und Sonne (Akk., Bahuvrīhi)
so 'paśyad dvāram āvṛtya
er sah (Nom./3.Sg.Impf.), das Tor versperrend (Akk./Ger.)
tiṣṭhantaṃ lomaharṣaṇam
dastehend, Haarsträuben bewirkend (Akk. Part./Akk.)

vasānaṃ carma vaiyāghraṃ mahārudhiravisravam; kṛṣṇājinottarāsaṅgaṃ nāgayajñopavītinam

Es trug ein Tigerfell, war von reichlich strömendem Blut überströmt, hatte ein Antilopenfell als Obergewand um die Schulter und eine Schlange als Opferschnur.

Wort für Wort
vasānaṃ carma vaiyāghraṃ
bekleidet mit einem Fell vom Tiger (Akk. Part./Akk./Akk.)
mahārudhiravisravam
mit großem Blutstrom (Akk., Bahuvrīhi)
kṛṣṇājinottarāsaṅgaṃ
mit dem Fell der schwarzen Antilope als Obergewand (Akk., Bahuvrīhi)
nāgayajñopavītinam
mit einer Schlange als Opferschnur (Akk., Bahuvrīhi)

bāhubhiḥ svāyataiḥ pīnair nānāpraharaṇodyataiḥ; baddhāṅgadamahāsarpaṃ jvālāmālākulānanam

Es hatte mächtige, wohlgestreckte, kräftige Arme, die mit vielerlei Waffen erhoben waren, große Schlangen als angelegte Armreifen und ein von Flammenkränzen erfülltes Gesicht.

Wort für Wort
bāhubhiḥ svāyataiḥ pīnaiḥ
mit Armen, wohlgestreckten, kräftigen (Instr.Pl.)
nānāpraharaṇodyataiḥ
die mit vielerlei Waffen erhoben sind (Instr.Pl.)
baddhāṅgadamahāsarpaṃ
mit großen Schlangen als angelegten Armreifen (Akk., Bahuvrīhi)
jvālāmālākulānanam
mit einem von Flammenkränzen erfüllten Gesicht (Akk., Bahuvrīhi)

daṃṣṭrākarālavadanaṃ vyāditāsyaṃ bhayāvaham; nayanānāṃ sahasraiś ca vicitrair abhibhūṣitam

Sein Antlitz war von Hauern furchtbar, sein Rachen weit aufgesperrt, es brachte Furcht, und es war mit Tausenden buntschillernder Augen geschmückt.

Wort für Wort
daṃṣṭrākarālavadanaṃ
mit von Hauern furchtbarem Gesicht (Akk., Bahuvrīhi)
vyāditāsyaṃ bhayāvaham
mit aufgesperrtem Mund, Furcht bringend (Akk./Akk.)
nayanānāṃ sahasraiś ca
und mit Tausenden von Augen (Gen.Pl./Instr.Pl.)
vicitrair abhibhūṣitam
mit buntschillernden, geschmückt (Instr.Pl./Part.Pass. Akk.)

naiva tasya vapuḥ śakyaṃ pravaktuṃ veṣa eva vā; sarvathā tu tad ālakṣya sphuṭeyur api parvatāḥ

Weder seine Gestalt noch seine Tracht ließ sich beschreiben; hätten Berge es in jeder Hinsicht erblickt, wären sie geborsten.

Wort für Wort
naiva tasya vapuḥ śakyaṃ
keineswegs seine Gestalt ist möglich (Nom.Sg.n. Gerundiv)
pravaktuṃ veṣa eva vā
zu beschreiben, oder auch nur die Tracht (Inf./Nom.)
sarvathā tu tad ālakṣya
in jeder Weise aber, dies erblickt habend (Adv./Ger.)
sphuṭeyur api parvatāḥ
würden bersten sogar Berge (3.Pl.Opt./Nom.Pl.)

tasyāsyān nāsikābhyāṃ ca śravaṇābhyāṃ ca sarvaśaḥ; tebhyaś cākṣisahasrebhyaḥ prādurāsan mahārciṣaḥ

Aus seinem Mund, aus den Nasenlöchern, aus den Ohren ringsum und aus jenen tausend Augen traten große Flammen hervor.

Wort für Wort
tasyāsyān nāsikābhyāṃ ca
aus seinem Mund und aus den beiden Nasenlöchern (Abl./Abl.Du.)
śravaṇābhyāṃ ca sarvaśaḥ
und aus den beiden Ohren, ringsum (Abl.Du./Adv.)
tebhyaś cākṣisahasrebhyaḥ
und aus jenen tausend Augen (Abl.Pl.)
prādurāsan mahārciṣaḥ
erschienen große Flammen (3.Pl.Impf./Nom.Pl.)

tathā tejomarīcibhyaḥ śaṅkhacakragadādharāḥ; prādurāsan hṛṣīkeśāḥ śataśo 'tha sahasraśaḥ

Ebenso erschienen aus den Strahlen dieser Glut zu Hunderten und Tausenden Hṛṣīkeśas [Kṛṣṇas], die Muschel, Diskus und Keule trugen.

Wort für Wort
tathā tejomarīcibhyaḥ
ebenso aus den Strahlen der Glut (Adv./Abl.Pl.)
śaṅkhacakragadādharāḥ
Muschel, Diskus und Keule tragend (Nom.Pl.)
prādurāsan hṛṣīkeśāḥ
erschienen Hṛṣīkeśas (3.Pl.Impf./Nom.Pl.)
śataśo 'tha sahasraśaḥ
zu Hunderten, sodann zu Tausenden (Adv./Adv.)

tad atyadbhutam ālokya bhūtaṃ lokabhayaṃkaram; drauṇir avyathito divyair astravarṣair avākirat

Als Drauṇi dieses höchst wunderbare, die Welten in Furcht versetzende Wesen erblickte, überschüttete er es unerschrocken mit einem Regen göttlicher Geschosse.

Wort für Wort
tad atyadbhutam ālokya
dieses höchst Wunderbare erblickt habend (Akk./ Ger.)
bhūtaṃ lokabhayaṃkaram
das Wesen, die Welt in Furcht versetzend (Akk.)
drauṇir avyathito
Drauṇi, unerschüttert (Nom./Nom. Part.)
divyair astravarṣair avākirat
mit göttlichen Waffenregen überschüttete er (Instr.Pl./3.Sg.Impf.)

drauṇimuktāñ śarāṃs tāṃs tu tad bhūtaṃ mahad agrasat; udadher iva vāryoghān pāvako vaḍavāmukhaḥ

Doch jene von Drauṇi abgeschossenen Pfeile verschlang das gewaltige Wesen, wie das Feuer Vaḍavāmukha die Wassermassen aus dem Ozean [verschlingt].

Wort für Wort
drauṇimuktāñ śarāṃs tāṃs tu
die von Drauṇi entsandten, jene Pfeile aber (Akk.Pl.)
tad bhūtaṃ mahad agrasat
dieses gewaltige Wesen verschlang (Nom.Sg.n./3.Sg.Impf.)
udadher iva vāryoghān
wie aus dem Ozean die Wasserfluten (Abl./Akk.Pl.)
pāvako vaḍavāmukhaḥ
das Feuer Vaḍavāmukha (Nom.)

agrasat tāṃs tathā bhūtaṃ drauṇinā prahitāñ śarān

So verschlang das Wesen jene von Drauṇi abgeschickten Pfeile.

Wort für Wort
agrasat tāṃs tathā bhūtaṃ
verschlang jene so das Wesen (3.Sg.Impf./Akk.Pl./Adv./Nom.)
drauṇinā prahitāñ śarān
von Drauṇi abgeschickte Pfeile (Instr./Part. Akk.Pl./Akk.Pl.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften).

aśvatthāmā tu saṃprekṣya tāñ śaraughān nirarthakān; rathaśaktiṃ mumocāsmai dīptām agniśikhām iva

Aśvatthāman aber, der jene Pfeilfluten als nutzlos erkannte, schleuderte ihm eine Wagenlanze entgegen, leuchtend wie eine Feuerflamme.

Wort für Wort
aśvatthāmā tu saṃprekṣya
Aśvatthāman aber, erblickt habend (Nom./Ger.)
tāñ śaraughān nirarthakān
jene Pfeilfluten als nutzlose (Akk.Pl.)
rathaśaktiṃ mumocāsmai
eine Wagenlanze ließ er los gegen ihn (Akk./3.Sg.Perf./Dat.)
dīptām agniśikhām iva
leuchtende, gleichsam eine Feuerflamme (Akk.f./Akk.)

sā tadāhatya dīptāgrā rathaśaktir aśīryata; yugānte sūryam āhatya maholkeva divaś cyutā

Diese Wagenlanze mit leuchtender Spitze zerbarst, als sie auf es traf, wie ein großer Meteor, der am Weltende auf die Sonne prallt und vom Himmel gefallen ist.

Wort für Wort
sā tadāhatya dīptāgrā
diese, damals, auftreffend, mit leuchtender Spitze (Nom.f./Adv./Ger./Nom.)
rathaśaktir aśīryata
die Wagenlanze zersprang (Nom./3.Sg.Impf.Pass.)
yugānte sūryam āhatya
am Zeitalterende, die Sonne getroffen habend (Lok./Akk./Ger.)
maholkeva divaś cyutā
wie ein großer Meteor vom Himmel gefallen (Nom.f./Abl./Part.)

atha hematsaruṃ divyaṃ khaḍgam ākāśavarcasam; kośāt samudbabarhāśu bilād dīptam ivoragam

Dann zog er rasch aus der Scheide ein göttliches Schwert mit goldenem Griff, das dem Himmel an Farbe glich, leuchtend wie eine Schlange aus ihrem Loch.

Wort für Wort
atha hematsaruṃ divyaṃ
sodann eines mit goldenem Griff, göttliches (Adv./Akk.)
khaḍgam ākāśavarcasam
Schwert, von himmelsgleichem Glanz (Akk.)
kośāt samudbabarhāśu
aus der Scheide zog er heraus, rasch (Abl./3.Sg.Perf./Adv.)
bilād dīptam ivoragam
aus dem Loch, leuchtend, gleichsam eine Schlange (Abl./Akk.)

tataḥ khaḍgavaraṃ dhīmān bhūtāya prāhiṇot tadā; sa tadāsādya bhūtaṃ vai vilayaṃ tūlavad yayau

Da schleuderte der Verständige das vorzügliche Schwert auf das Wesen; doch als es dieses erreichte, ging es wie Baumwollflocke zugrunde.

Wort für Wort
tataḥ khaḍgavaraṃ dhīmān
darauf das vorzügliche Schwert, der Verständige (Adv./Akk./Nom.)
bhūtāya prāhiṇot tadā
auf das Wesen schleuderte er damals (Dat./3.Sg.Impf./Adv.)
sa tadāsādya bhūtaṃ vai
es, dann das Wesen erreicht habend, fürwahr (Nom./Ger./Akk.)
vilayaṃ tūlavad yayau
Auflösung wie Baumwolle ging es ein (Akk./Adv./3.Sg.Perf.)

tataḥ sa kupito drauṇir indraketunibhāṃ gadām; jvalantīṃ prāhiṇot tasmai bhūtaṃ tām api cāgrasat

Darauf schleuderte der erzürnte Drauṇi eine flammende Keule, gleich einem Indra-Banner, auf es; auch diese verschlang das Wesen.

Wort für Wort
tataḥ sa kupito drauṇir
darauf jener erzürnte Drauṇi (Adv./Nom./Part.Nom./Nom.)
indraketunibhāṃ gadām
eine Keule, gleich dem Banner Indras (Akk.)
jvalantīṃ prāhiṇot tasmai
flammende schleuderte er auf ihn (Part.Akk./3.Sg.Impf./Dat.)
bhūtaṃ tām api cāgrasat
das Wesen, diese auch verschlang es (Nom./Akk./3.Sg.Impf.)

tataḥ sarvāyudhābhāve vīkṣamāṇas tatas tataḥ; apaśyat kṛtam ākāśam anākāśaṃ janārdanaiḥ

Als er dann, ohne jede Waffe, hierhin und dorthin blickte, sah er den Himmel von Janārdanas erfüllt, so dass kein Raum mehr blieb.

Wort für Wort
tataḥ sarvāyudhābhāve
darauf beim Fehlen aller Waffen (Adv./Lok.)
vīkṣamāṇas tatas tataḥ
blickend, hierhin und dorthin (Part./Adv.)
apaśyat kṛtam ākāśam
sah er gemacht den Himmel (3.Sg.Impf./Part./Akk.)
anākāśaṃ janārdanaiḥ
raumlos durch Janārdanas (Akk./Instr.Pl.)

tad adbhutatamaṃ dṛṣṭvā droṇaputro nirāyudhaḥ; abravīd abhisaṃtaptaḥ kṛpavākyam anusmaran

Als der Sohn des Droṇa dieses höchst wunderbare Bild sah, waffenlos und von Kummer gequält, sprach er, sich an Kṛpas Worte erinnernd.

Wort für Wort
tad adbhutatamaṃ dṛṣṭvā
dieses höchst Wunderbare gesehen habend (Akk./Ger.)
droṇaputro nirāyudhaḥ
der Sohn des Droṇa, waffenlos (Nom.)
abravīd abhisaṃtaptaḥ
sprach, gequält (3.Sg.Impf./Part.Nom.)
kṛpavākyam anusmaran
Kṛpas Rede sich erinnernd (Akk./Part.)

bruvatām apriyaṃ pathyaṃ suhṛdāṃ na śṛṇoti yaḥ; sa śocaty āpadaṃ prāpya yathāham ativartya tau

Wer den unangenehmen, aber heilsamen [Rat] der Freunde, die zu ihm sprechen, nicht hört, der jammert, wenn er in Not geraten ist, so wie ich, der ich die beiden übergangen habe.

Wort für Wort
bruvatām apriyaṃ pathyaṃ
von den Sprechenden, Unangenehmes, Heilsames (Gen.Pl./Akk.)
suhṛdāṃ na śṛṇoti yaḥ
von Freunden, nicht hört, wer (Gen.Pl./3.Sg.Präs./Nom.)
sa śocaty āpadaṃ prāpya
der klagt, Not erlangt habend (3.Sg.Präs./Akk./Ger.)
yathāham ativartya tau
wie ich, die beiden übergangen habend (Adv./Nom./Ger./Akk.Du.)

śāstradṛṣṭān avadhyān yaḥ samatītya jighāṃsati; sa pathaḥ pracyuto dharmyāt kupathaṃ pratipadyate

Wer die in den Lehrschriften als unerschlagbar Bezeichneten übergeht und töten will, der ist vom rechten Pfad abgekommen und gerät auf einen schlechten Weg.

Wort für Wort
śāstradṛṣṭān avadhyān yaḥ
in den Lehrschriften gesehene, Nichttötbare, wer (Akk.Pl./Nom.)
samatītya jighāṃsati
übergangen habend, zu töten wünscht (Ger./3.Sg.Desid.)
sa pathaḥ pracyuto dharmyāt
er, vom Pfad abgekommen, vom rechten (Nom./Abl./Part./Abl.)
kupathaṃ pratipadyate
einen üblen Weg betritt er (Akk./3.Sg.Präs.Med.)

gobrāhmaṇanṛpastrīṣu sakhyur mātur guros tathā; vṛddhabālajaḍāndheṣu suptabhītotthiteṣu ca

Gegenüber Kühen, Brahmanen, Königen und Frauen, dem Freund, der Mutter und ebenso dem Lehrer, gegenüber Greisen, Kindern, Schwachsinnigen und Blinden, gegenüber Schlafenden, Erschreckten und eben Aufgestandenen

Wort für Wort
gobrāhmaṇanṛpastrīṣu
bei Kühen, Brahmanen, Königen, Frauen (Lok.Pl., Dvandva)
sakhyur mātur guros tathā
beim Freund, bei der Mutter, beim Lehrer, ebenso (Lok./Gen.-Abl. sakhyuḥ, mātuḥ, guroḥ)
vṛddhabālajaḍāndheṣu
bei Greisen, Kindern, Stumpfen, Blinden (Lok.Pl.)
suptabhītotthiteṣu ca
und bei Schlafenden, Erschreckten, Aufgestandenen (Lok.Pl.)

Satz setzt sich in Vers 23 fort.

mattonmattapramatteṣu na śastrāṇy upadhārayet; ity evaṃ gurubhiḥ pūrvam upadiṣṭaṃ nṛṇāṃ sadā

und gegenüber Berauschten, Wahnsinnigen und Unachtsamen soll man keine Waffen anwenden: So wurde es von den Lehrern den Menschen von jeher stets gelehrt.

Wort für Wort
mattonmattapramatteṣu
bei Trunkenen, Wahnsinnigen, Unachtsamen (Lok.Pl.)
na śastrāṇy upadhārayet
nicht Waffen soll man richten (Akk.Pl./3.Sg.Opt.)
ity evaṃ gurubhiḥ pūrvam
so, auf diese Weise, von Lehrern früher (Instr.Pl./Adv.)
upadiṣṭaṃ nṛṇāṃ sadā
gelehrt, den Menschen, stets (Part.n./Gen.Pl./Adv.)

so 'ham utkramya panthānaṃ śāstradṛṣṭaṃ sanātanam; amārgeṇaivam ārabhya ghorām āpadam āgataḥ

So bin ich, der ich vom ewigen, in den Lehrschriften gesehenen Weg abgewichen bin und auf unrechtem Pfad in dieser Weise ein Unternehmen begonnen habe, in furchtbare Not geraten.

Wort für Wort
so 'ham utkramya panthānaṃ
so ich, abgewichen von dem Weg (Nom./Nom./Ger./Akk.)
śāstradṛṣṭaṃ sanātanam
den in den Lehrschriften gesehenen, ewigen (Akk.)
amārgeṇaivam ārabhya
auf dem Nicht-Weg, so, begonnen habend (Instr./Adv./Ger.)
ghorām āpadam āgataḥ
in furchtbare Not gekommen (Akk.f./Akk./Part.Nom.)

tāṃ cāpadaṃ ghoratarāṃ pravadanti manīṣiṇaḥ; yad udyamya mahat kṛtyaṃ bhayād api nivartate

Als noch furchtbarer als [gewöhnliche] Not bezeichnen die Weisen es, wenn einer, nachdem er ein großes Werk unternommen hat, aus Furcht davon wieder ablässt.

Wort für Wort
tāṃ cāpadaṃ ghoratarāṃ
und jene Not, furchtbarere (Akk.f./Akk./Komp.Akk.f.)
pravadanti manīṣiṇaḥ
nennen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.), die Weisen
yad udyamya mahat kṛtyaṃ
wenn, unternommen habend, ein großes Werk (Ger./Akk.)
bhayād api nivartate
aus Furcht gar umkehrt (Abl./3.Sg.Präs.Med.)

aśakyaṃ caiva kaḥ kartuṃ śaktaḥ śaktibalād iha; na hi daivād garīyo vai mānuṣaṃ karma kathyate

Und wer vermag hier durch Kraft und Stärke Unmögliches zu vollbringen? Denn menschliches Tun gilt nicht als gewichtiger als das Schicksal.

Wort für Wort
aśakyaṃ caiva kaḥ kartuṃ
und Unmögliches, wer, zu tun (Akk./Nom./Inf.)
śaktaḥ śaktibalād iha
fähig, durch Kraft und Stärke, hier (Nom.Part./Abl./Adv.)
na hi daivād garīyo vai
denn nicht als das Schicksal gewichtiger fürwahr (Abl./Komp.Nom.)
mānuṣaṃ karma kathyate
menschliches Tun wird genannt (Nom./3.Sg.Pass.)

mānuṣaṃ kurvataḥ karma yadi daivān na sidhyati; sa pathaḥ pracyuto dharmyād vipadaṃ pratipadyate

Wenn einer menschliches Tun ausübt und es durch das Schicksal nicht gelingt, so ist er vom rechten Pfad abgekommen und gerät ins Unheil.

Wort für Wort
mānuṣaṃ kurvataḥ karma
menschliches Tun ausübend (Akk./Gen.Part./Akk.)
yadi daivān na sidhyati
wenn durch das Schicksal nicht es gelingt (Abl./3.Sg.Präs.)
sa pathaḥ pracyuto dharmyād
er, vom Pfad abgekommen, vom rechten (Nom./Abl./Part./Abl.)
vipadaṃ pratipadyate
ins Unglück gerät er (Akk./3.Sg.Präs.Med.)

pratighātaṃ hy avijñātaṃ pravadanti manīṣiṇaḥ; yad ārabhya kriyāṃ kāṃ cid bhayād iha nivartate

Als unerkannten Rückschlag bezeichnen die Weisen es nämlich, wenn einer hier, nachdem er irgendein Werk begonnen hat, aus Furcht davon ablässt.

Wort für Wort
pratighātaṃ hy avijñātaṃ
Rückschlag/Widerstand denn, unerkannt (Akk./Part.Akk.)
pravadanti manīṣiṇaḥ
nennen die Weisen (3.Pl.Präs./Nom.Pl.)
yad ārabhya kriyāṃ kāṃ cid
wenn, begonnen habend, ein Werk irgendein (Ger./Akk./Akk.)
bhayād iha nivartate
aus Furcht hier abläßt (Abl./Adv./3.Sg.Präs.Med.)

Die Beziehung von „avijñātam“ und der Satzbau sind unsicher.

tad idaṃ duṣpraṇītena bhayaṃ māṃ samupasthitam; na hi droṇasutaḥ saṃkhye nivarteta kathaṃ cana

Dies also: Durch schlecht Geleitetes ist mir diese Furcht zugestoßen; denn der Sohn des Droṇa würde im Kampf auf keine Weise umkehren.

Wort für Wort
tad idaṃ duṣpraṇītena
dies also, durch schlecht Geleitetes (Nom./Instr.)
bhayaṃ māṃ samupasthitam
Furcht mich ist zugetreten (Nom./Akk./Part.)
na hi droṇasutaḥ saṃkhye
denn nicht der Sohn des Droṇa im Kampf (Nom./Lok.)
nivarteta kathaṃ cana
würde umkehren auf irgendeine Weise (3.Sg.Opt.Med./Adv.)

idaṃ ca sumahad bhūtaṃ daivadaṇḍam ivodyatam; na caitad abhijānāmi cintayann api sarvathā

Und dieses gewaltige Wesen, gleichsam ein erhobener Stock des Schicksals: Ich erkenne es nicht, obwohl ich auf alle Weise nachdenke.

Wort für Wort
idaṃ ca sumahad bhūtaṃ
und dieses sehr große Wesen (Nom.n.)
daivadaṇḍam ivodyatam
gleichsam ein Stock des Schicksals, erhoben (Nom./Part.)
na caitad abhijānāmi
und dies erkenne ich nicht (1.Sg.Präs.)
cintayann api sarvathā
obwohl ich nachdenke, in jeder Hinsicht (Part./Adv.)

dhruvaṃ yeyam adharme me pravṛttā kaluṣā matiḥ; tasyāḥ phalam idaṃ ghoraṃ pratighātāya dṛśyate

Gewiss ist es diese befleckte Gesinnung, die sich bei mir dem Unrecht zugewandt hat; ihre schreckliche Frucht zeigt sich hier zur Abwehr.

Wort für Wort
dhruvaṃ yeyam adharme me
gewiss, die, welche diese im Unrecht mir (Adv./Nom.f./Lok./Gen.)
pravṛttā kaluṣā matiḥ
hingewendet, befleckt, Gesinnung (Part./Adj./Nom.)
tasyāḥ phalam idaṃ ghoraṃ
ihre Frucht, diese furchtbare (Gen./Nom.)
pratighātāya dṛśyate
zur Abwehr wird sichtbar (Dat./3.Sg.Pass.)

tad idaṃ daivavihitaṃ mama saṃkhye nivartanam; nānyatra daivād udyantum iha śakyaṃ kathaṃ cana

Dies also ist vom Schicksal gefügt: mein Zurückweichen im Kampf. Außer durch das Schicksal ist es hier keineswegs möglich, etwas zu unternehmen.

Wort für Wort
tad idaṃ daivavihitaṃ
dies also, vom Schicksal gefügt (Nom./Nom.)
mama saṃkhye nivartanam
mein Umkehren im Kampf (Gen./Lok./Nom.)
nānyatra daivād udyantum
nicht anderswo als durch das Schicksal, sich zu erheben (Abl./Inf.)
iha śakyaṃ kathaṃ cana
hier möglich auf irgendeine Weise (Adv./Nom./Adv.)

Der zweite Satz ist verkürzt und in der Deutung unsicher [?].

so 'ham adya mahādevaṃ prapadye śaraṇaṃ prabhum; daivadaṇḍam imaṃ ghoraṃ sa hi me nāśayiṣyati

So nehme ich heute beim großen Gott, dem Herrn, Zuflucht als Schutz; er wird mir diesen furchtbaren Stock des Schicksals ja vernichten.

Wort für Wort
so 'ham adya mahādevaṃ
so ich heute, den großen Gott (Nom./Nom./Adv./Akk.)
prapadye śaraṇaṃ prabhum
nehme Zuflucht, als Schutz, den Herrn (1.Sg.Präs.Med./Akk./Akk.)
daivadaṇḍam imaṃ ghoraṃ
den Stock des Schicksals, diesen furchtbaren (Akk.)
sa hi me nāśayiṣyati
er nämlich, mir, wird vernichten (Nom./Dat.-Gen./3.Sg.Fut.Kaus.)

kapardinaṃ prapadyātha devadevam umāpatim; kapālamālinaṃ rudraṃ bhaganetraharaṃ haram

Nachdem ich [nun] zum Zopfträger, dem Gott der Götter, dem Gatten der Umā, Zuflucht genommen habe, dem Schädelkranzträger Rudra, Haras, der dem Bhaga die Augen nahm, [will ich ihn anrufen].

Wort für Wort
kapardinaṃ prapadyātha
den Zopfträger, Zuflucht genommen habend, sodann (Akk./Ger./Adv.)
devadevam umāpatim
den Gott der Götter, den Gatten der Umā (Akk.)
kapālamālinaṃ rudraṃ
den Schädelkranzträger, Rudra (Akk.)
bhaganetraharaṃ haram
Bhagas Augen raubend, Hara (Akk.)

Syntax: „prapadya“ als Gerundium; das Prädikat ergibt sich aus Vers 35 (abhyeṣye). „prapadyātha“ wohl prapadya + atha [?].

sa hi devo 'tyagād devāṃs tapasā vikrameṇa ca; tasmāc charaṇam abhyeṣye giriśaṃ śūlapāṇinam

Denn dieser Gott übertraf die Götter an Askese und an Tatkraft; darum will ich beim Berg-Herrn [Giriśa], dem Speerträger, Zuflucht suchen.

Wort für Wort
sa hi devo 'tyagād devāṃs
er denn, der Gott, übertraf die Götter (Nom./Nom./3.Sg.Aor./Akk.Pl.)
tapasā vikrameṇa ca
durch Askese und durch Heldenkraft (Instr./Instr.)
tasmāc charaṇam abhyeṣye
deshalb Zuflucht werde ich aufsuchen (Abl./Akk./1.Sg.Fut.Med.)
giriśaṃ śūlapāṇinam
den Berg-Herrn, den Speer in der Hand (Akk./Akk.)

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