Kapitel 1: aśvatthāmno rātrau nyagrodhe ulūkakākavadhadarśanaṃ sauptikavadhaniścayaś ca
Dhṛtarāṣṭras Klage; die Nacht unter dem Nyagrodha; Aśvatthāmans Entschluss zum nächtlichen Überfall
Nach dem Fall Duryodhanas ziehen Kṛtavarman, Kṛpa und Aśvatthāman (Drauṇi) in einen Wald und rasten unter einem Nyagrodha-Baum. Der Anblick einer Eule, die schlafende Krähen tötet, bringt Aśvatthāman auf den Plan, die schlafenden Pāṇḍavas und Pāñcālas nachts zu erschlagen. Das Kapitel setzt mit Dhṛtarāṣṭras Klage bei Saṃjaya ein.
Nārāyaṇa verehrend und Nara, den Besten der Männer, und ebenso die Göttin Sarasvatī – danach soll man den „Jaya“ anstimmen.
Wort für Wort
nārāyaṇaṃ namaskṛtya
Nārāyaṇa verehrend (Akk.; Abs.)
naraṃ caiva narottamam
und Nara, den Besten der Männer (Akk.; Kompositum)
devīṃ sarasvatīṃ caiva
und die Göttin Sarasvatī (Akk.)
tato jayam udīrayet
danach soll man den Jaya anstimmen (Opt. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Eingangsvers) der nur in einem Teil der Handschriften steht; „Jaya“ ist die alte Bezeichnung des Epos.
Om, Verehrung dem Diskusträger, der alles Heil gewährt, der die Brücke ist zur Rettung derer, die im Ozean der Sinnesobjekte versunken sind.
Wort für Wort
oṃ namaḥ
Om, Verehrung (Interj./Nom.)
sakalakalyāṇadāyine
dem, der alles Heil gibt (Dat. Sg.)
cakrapāṇaye
dem Diskus-in-der-Hand (Dat. Sg.)
viṣayārṇavamagnānām
der im Ozean der Sinnesobjekte Versunkenen (Gen. Pl.)
samuddharaṇasetave
der Brücke zur Herausziehung/Rettung (Dat. Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Lesart der Komposita in Pāda d wortnah wiedergegeben.
[Lücke im Text] alle frohgemut damals; als er zu den beiden Pāṇḍavas gekommen war, sprach Vāsudeva dies.
Wort für Wort
sarve sumanasas tadā
alle wohlgemut damals (Nom. Pl.; Adv.)
samīpe pāṇḍavāv etya
in die Nähe der beiden Pāṇḍavas gekommen (Lok./Akk. Du.; Abs.)
vāsudevo ’bravīd idam
Vāsudeva sprach dies (Impf. 3.Sg.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers mit Textlücke am Anfang; der Zusammenhang (Vāsudeva bei den Pāṇḍavas) passt kaum zum Erzählstrang der Kaurava-Krieger, daher unsicher.
dhṛtarāṣṭra uvāca; aśraddheyam idaṃ karma kṛtaṃ bhīmena saṃjaya; yat sa nāgāyutaprāṇaḥ putro mama nipātitaḥ
Dhṛtarāṣṭra sprach: Unglaublich ist diese Tat, die von Bhīma vollbracht wurde, Saṃjaya: dass mein Sohn, der die Lebenskraft von zehntausend Elefanten besaß, gefällt wurde.
Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Perf. 3.Sg.)
aśraddheyam idaṃ karma
unglaublich diese Tat (Nom. Sg. n.)
kṛtaṃ bhīmena saṃjaya
getan von Bhīma, Saṃjaya (Part.; Instr.; Vok.)
yat sa nāgāyutaprāṇaḥ
dass er, der Lebenskraft von zehntausend Elefanten hatte (Bahuvrīhi)
Der ich die ganze Erde beherrscht habe und auf ihrem Haupt gestanden bin, Saṃjaya, wie werde ich nun ein Diener sein, ein Übeltäter mit bösem Ende [?]?
Wort für Wort
ājñāpya pṛthivīṃ sarvām
die ganze Erde beherrscht habend (Abs.; Akk.)
sthitvā mūrdhni ca saṃjaya
und auf dem Haupt gestanden habend, Saṃjaya (Abs.; Lok.; Vok.)
katham adya bhaviṣyāmi
wie werde ich nun sein (Fut. 1.Sg.)
preṣyabhūto durantakṛt
als Diener, ein Täter bösen Endes (Nom.)
„durantakṛt“ unsicher: „der Übles zu bösem Ausgang vollbracht hat“.
Saṃjaya sprach: Nachdem sie, deine Leute, König, gegangen waren und nicht weit entfernt anhielten, erblickten sie einen furchtbaren Wald, voll von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen.
Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach
gatvā tu tāvakā rājan
gegangen aber die Deinen, König (Abs.; Nom. Pl.; Vok.)
nātidūram avasthitāḥ
nicht allzu weit haltend (Adv.; Part.)
apaśyanta vanaṃ ghoram
erblickten einen furchtbaren Wald (Impf. Med. 3.Pl.; Akk.)
nānādrumalatākulam
erfüllt von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen (Akk. Sg. n.)
te muhūrtaṃ tu viśramya labdhatoyair hayottamaiḥ; sūryāstamayavelāyām āseduḥ sumahad vanam
Nachdem sie einen Augenblick ausgeruht hatten und die vorzüglichen Rosse Wasser bekommen hatten, gelangten sie zur Zeit des Sonnenuntergangs zu einem sehr großen Wald.
Wort für Wort
te muhūrtaṃ tu viśramya
sie, einen Augenblick ausgeruht (Abs.)
labdhatoyair hayottamaiḥ
mit den vorzüglichen Rossen, die Wasser erhalten hatten (Instr. Pl.; Lok.-artig/Abs.)
sūryāstamayavelāyām
zur Zeit des Sonnenuntergangs (Lok.)
āseduḥ sumahad vanam
erreichten einen sehr großen Wald (Perf. 3.Pl.; Akk.)
von Scharen mannigfacher Tiere bewohnt, von mannigfachen Vögeln erfüllt, von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt, von mannigfachen Raubtieren aufgesucht;
Wort für Wort
nānāmṛgagaṇair juṣṭam
von Scharen mannigfacher Tiere besucht (Instr. Pl.; Part.)
nānāpakṣisamākulam
von mannigfachen Vögeln erfüllt (Akk. Sg. n.)
nānādrumalatācchannam
von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt
īṣac cāpi pravalganti ye sattvā rātricāriṇaḥ; divācarāś ca ye sattvās te nidrāvaśam āgatāḥ
Und die nachts wandelnden Wesen, die ein wenig zu springen [sich zu regen] beginnen, sowie die tagsüber wandelnden Wesen, sie waren dem Schlaf verfallen.
Wort für Wort
īṣac cāpi pravalganti
und ein wenig springen/regen sich (Präs. 3.Pl.)
ye sattvā rātricāriṇaḥ
welche Wesen nachts wandeln (Nom. Pl.)
divācarāś ca ye sattvās
und welche Wesen tags wandeln (Nom. Pl.)
te nidrāvaśam āgatāḥ
sie sind in die Gewalt des Schlafes geraten (Part., Nom. Pl.)
Der Vers ist knapp; „pravalganti“ wohl „sich regen, hüpfen“; die Zuordnung der beiden Gruppen ist nicht ganz zweifelsfrei [?].
Von Schlaf an den Gliedern überwältigt, ließen sie sich auf dem Erdboden nieder, von der Anstrengung stark ermattet und von mannigfachen Pfeilen verwundet.
Wort für Wort
nidrayā ca parītāṅgāḥ
und von Schlaf an den Gliedern überwältigt (Instr.; Nom. Pl.)
niṣedur dharaṇītale
sie ließen sich nieder auf dem Erdboden (Perf. 3.Pl.; Lok.)
śrameṇa sudṛḍhaṃ yuktāḥ
von Anstrengung stark erfasst (Instr.; Adv.; Part.)
vikṣatā vividhaiḥ śaraiḥ
verwundet von vielerlei Pfeilen (Nom. Pl.; Instr. Pl.)
tato nidrāvaśaṃ prāptau kṛpabhojau mahārathau; sukhocitāv aduḥkhārhau niṣaṇṇau dharaṇītale
Dann gerieten die beiden großen Wagenkämpfer Kṛpa und Bhoja in die Gewalt des Schlafes; an Behagen gewöhnt, des Leids unwürdig, saßen sie auf dem Erdboden.
Wort für Wort
tato nidrāvaśaṃ prāptau
dann in die Gewalt des Schlafes geraten (Part., Nom. Du.)
kṛpabhojau mahārathau
Kṛpa und Bhoja, die beiden Großwagenkämpfer (Nom. Du.)
sukhocitāv aduḥkhārhau
an Wohlergehen gewöhnt, des Leids nicht würdig (Nom. Du.)
niṣaṇṇau dharaṇītale
sitzend/niedergelassen auf dem Erdboden (Part., Nom. Du.; Lok.)
die eines kostbaren Lagers gewohnt waren [wörtl.: mit einem kostbaren Lager versehen], nun auf bloßer Erde wie Schutzlose.
Wort für Wort
mahārhaśayanopetau
mit kostbarem Lager versehen (Nom. Du.)
bhūmāv eva
gerade auf der Erde (Lok.; Part.)
hy anāthavat
denn wie Schutzlose (Adv.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „upeta“ hier wohl im Sinn von „gewohnt, teilhaftig“.
na lebhe sa tu nidrāṃ vai dahyamāno 'timanyunā; vīkṣāṃ cakre mahābāhus tad vanaṃ ghoradarśanam
Er aber fand keinen Schlaf, denn er brannte vor übergroßem Zorn; und der Starkarmige ließ den Blick schweifen über jenen Wald von schrecklichem Anblick.
Wort für Wort
na lebhe sa tu nidrāṃ vai
er fand aber keinen Schlaf (3.Sg.Perf.Med. von labh; Akk.)
dahyamāno 'timanyunā
brennend vor übergroßem Zorn (Part.Pass. von dah; Instr.)
vīkṣāṃ cakre mahābāhus
er ließ den Blick schweifen, der Starkarmige (Periphrast. Perf.; Nom.)
tad vanaṃ ghoradarśanam
jenen Wald von schrecklichem Anblick (Akk. Sg. n.)
Sie hatte einen lauten Ruf und einen mächtigen Leib, gelbliche Augen, war bräunlich-fahl, mit sehr langem Schnabel und langen Krallen, schnell wie ein Suparṇa [Vogel Garuḍa].
Wort für Wort
mahāsvanaṃ mahākāyaṃ
von lautem Ruf, von großem Körper (Akk. Sg.; Bahuvrīhi)
haryakṣaṃ babhrupiṅgalam
gelbäugig, braunrötlich (Akk.)
sudīrghaghoṇānakharaṃ
mit sehr langem Schnabel und Krallen (Bahuvrīhi; Akk.)
suparṇam iva veginam
wie ein Suparṇa schnell (Akk.)
haryakṣa: eigentlich „gelbäugig“ bzw. „löwenäugig“; hier als Farbbezeichnung der Augen gefasst.
kṣaṇenāhan sa balavān ye 'sya dṛṣṭipathe sthitāḥ; teṣāṃ śarīrāvayavaiḥ śarīraiś ca viśāṃ pate; nyagrodhamaṇḍalaṃ sarvaṃ saṃchannaṃ sarvato 'bhavat
In einem Augenblick erschlug der Starke alle, die in seinem Blickfeld saßen; mit den Gliedern und den Leibern jener war, o Herr der Menschen, der ganze Kreis des Feigenbaums ringsum bedeckt.
Wort für Wort
kṣaṇenāhan sa balavān
in einem Augenblick erschlug er, der Starke (Instr.; 3.Sg.Impf.)
ye 'sya dṛṣṭipathe sthitāḥ
die in seinem Blickfeld standen (Rel.; Lok.; Part.)
teṣāṃ śarīrāvayavaiḥ
mit deren Körperteilen (Instr.Pl.)
śarīraiś ca viśāṃ pate
und mit Leibern, o Herr der Menschen (Instr.Pl.; Vok.)
Nachdem der Eulenvogel jene Krähen erschlagen hatte, wurde er froh, da er nach Belieben Vergeltung an den Feinden geübt hatte, er, der Feindvernichter.
Wort für Wort
tāṃs tu hatvā tataḥ kākān
diese aber erschlagend, dann die Krähen (Abs.; Akk.Pl.)
kauśiko mudito 'bhavat
der Eulenvogel wurde froh (Nom.; Part.; 3.Sg.Impf.)
Als der Sohn des Droṇa jenes listige Werk sah, das die Eule in der Nacht vollbracht hatte, fasste er, in seinem Sinn davon bestimmt, allein einen Gedanken und überlegte.
Wort für Wort
tad dṛṣṭvā sopadhaṃ karma
dies sehend, das listige Werk (Abs.; Akk.)
kauśikena kṛtaṃ niśi
von der Eule getan in der Nacht (Instr.; Part.Pass.; Lok.)
tadbhāvakṛtasaṃkalpo
dessen Verhalten zum Entschluss machend (Bahuvrīhi; Nom.)
drauṇir eko vyacintayat
der Droṇi-Sohn, allein, überlegte (Nom.; 3.Sg.Impf.)
Wörtlich: „der durch jenes Wesen [Verhalten] seinen Entschluss gebildet habende“; sopadha = „mit Hinterlist“.
„Heute kann ich die Pāṇḍavas nicht erschlagen, die den Sieg errungen haben, stark sind, Tatendrang gefasst haben, das Ziel getroffen haben und zuschlagen können; und ihre Tötung habe ich vor dem König gelobt.“
Wort für Wort
nādya śakyā mayā hantuṃ
nicht heute können von mir erschlagen werden (Adv.; Instr.; Inf.)
pāṇḍavā jitakāśinaḥ
die Pāṇḍavas, siegreich glänzend (Nom.Pl.)
balavantaḥ kṛtotsāhā
stark, Tatkraft gefasst habend (Nom.Pl.)
labdhalakṣāḥ prahāriṇaḥ
das Ziel erreicht habend, Schläger (Nom.Pl.)
rājñaḥ sakāśe teṣāṃ ca
in des Königs Gegenwart, und von ihnen (Gen.; Lok.)
pratijñāto vadho mayā
gelobt ist die Tötung von mir (Part.Pass.; Nom.; Instr.)
jitakāśin: „siegesstolz“ bzw. „im Sieg strahlend“; labdhalakṣa: eigentlich „die das Ziel erlangt haben“.
pataṃgāgnisamāṃ vṛttim āsthāyātmavināśinīm; nyāyato yudhyamānasya prāṇatyāgo na saṃśayaḥ; chadmanā tu bhavet siddhiḥ śatrūṇāṃ ca kṣayo mahān
„Wer eine dem Falter im Feuer gleiche, selbstvernichtende Handlungsweise wählt und nach der Regel kämpft, dessen Verlust des Lebens ist zweifellos; durch List aber mag Erfolg entstehen und große Vernichtung der Feinde.“
tatra saṃśayitād arthād yo 'rtho niḥsaṃśayo bhavet; taṃ janā bahu manyante ye 'rthaśāstraviśāradāḥ
„Von einer Sache, die zweifelhaft ist, gilt jene Sache, die zweifelsfrei ist, als besser; sie achten die Leute hoch, die in der Wissenschaft vom Nutzen [Politik] bewandert sind.“
Wort für Wort
tatra saṃśayitād arthād
hierbei gegenüber einer zweifelhaften Sache (Abl.)
yo 'rtho niḥsaṃśayo bhavet
die Sache, die zweifelsfrei ist (Rel.; Opt.)
taṃ janā bahu manyante
diese schätzen die Leute hoch (3.Pl.Präs.Med.)
ye 'rthaśāstraviśāradāḥ
die in der Arthaśāstra-Lehre kundig sind (Nom.Pl.)
„In dieser Sache werden von den Kundigen des Dharma zwei alte Strophen überliefert, die von denen gesungen wurden, die das Rechte im Blick haben und den wahren Sinn schauen.“
Wort für Wort
asminn arthe purā gītau
in dieser Angelegenheit vormals gesungen (Lok.; Nom.Du.)
śrūyete dharmacintakaiḥ
werden gehört von den Dharma-Denkern (3.Du.Präs.Pass.; Instr.Pl.)
ślokau nyāyam avekṣadbhis
zwei Strophen von denen, die auf das Recht achten (Nom.Du.; Akk.; Instr.Pl.)
tattvārthaṃ tattvadarśibhiḥ
auf die wahre Bedeutung, von den Wahrheitsschauern (Akk.; Instr.Pl.)
pariśrānte vidīrṇe ca bhuñjāne cāpi śatrubhiḥ; prasthāne ca praveśe ca prahartavyaṃ ripor balam
„Den Feind soll man in seiner Streitmacht angreifen, wenn sie erschöpft ist und wenn sie zersprengt ist, und auch wenn sie mit den Feinden speist, beim Aufbruch und beim Einrücken.“
Wort für Wort
pariśrānte vidīrṇe ca
wenn erschöpft und wenn zersprengt (Lok. n.)
bhuñjāne cāpi śatrubhiḥ
und auch wenn essend, von den Feinden (Lok.; Instr.)
prasthāne ca praveśe ca
beim Aufbruch und beim Einzug (Lok.)
prahartavyaṃ ripor balam
ist anzugreifen des Feindes Heer (Gerundiv; Gen.; Nom.)
bhuñjāne cāpi śatrubhiḥ ist knapp und leicht mehrdeutig; Wiedergabe mit Anm.-Vorbehalt: „wenn sie gerade isst“ [?]
nidrārtam ardharātre ca tathā naṣṭapraṇāyakam; bhinnayodhaṃ balaṃ yac ca dvidhā yuktaṃ ca yad bhavet
„Wenn es vom Schlaf bedrückt ist, um Mitternacht, ebenso wenn der Führer verloren ist, wenn das Heer zerrissene Krieger hat und was zweigeteilt aufgestellt ist.“
Wort für Wort
nidrārtam ardharātre ca
von Schlaf geplagt und um Mitternacht (Akk.; Lok.)
tathā naṣṭapraṇāyakam
ebenso mit verlorenem Anführer (Bahuvrīhi)
bhinnayodhaṃ balaṃ yac ca
ein Heer mit zersprengten Kriegern und welches (Bahuvrīhi; Rel.)
na śatrughāte vidvadbhir dharmo draṣṭavya ity uta; yena kena prakāreṇa ripuṃ hanyāt tad ācaret; na ca vadhyaḥ kadā cid dhi ripur nyāyam avekṣatā; yadi śakyo bhavet kaś cic chettum āmūlato ripuḥ; tatra yatnaḥ prakartavyas tasya siddhir bhaved yathā
„Beim Töten von Feinden hat man nach dem Dharma nicht zu schauen, so heißt es. Auf welche Weise auch immer soll man den Feind töten, so handle man. Und niemals darf ein Feind schonend nach dem Recht getötet [nicht getötet] werden, wenn einer auf das Recht achtet; wenn es möglich ist, den Feind mit der Wurzel auszureißen, dort soll man sich bemühen, damit es ihm gelinge.“
Wort für Wort
na śatrughāte vidvadbhir
nicht beim Feindtöten von den Kundigen (Lok.; Instr.Pl.)
dharmo draṣṭavya ity uta
der Dharma ist zu beachten, so heißt es (Gerundiv; Zitatpartikel)
yena kena prakāreṇa
auf welche Weise auch immer (Instr.)
ripuṃ hanyāt tad ācaret
den Feind soll man töten, das soll man tun (Opt.)
na ca vadhyaḥ kadā cid dhi
und nicht ist je zu töten [?] (Gerundiv; Adv.)
ripur nyāyam avekṣatā
der Feind, von dem, der das Recht beachtet (Nom.; Akk.; Instr.)
yadi śakyo bhavet kaś cic
wenn es möglich wäre irgendwie (Opt.)
chettum āmūlato ripuḥ
den Feind von der Wurzel her abzuschneiden (Inf.; Abl.-Adv.)
tatra yatnaḥ prakartavyas
dort ist Mühe aufzuwenden (Gerundiv)
tasya siddhir bhaved yathā
damit ihm Erfolg sei (Opt.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sinn im dritten Pāda („na ca vadhyaḥ kadā cid dhi ripur nyāyam avekṣatā“) unklar; wörtlich etwa: „niemals ist der Feind von einem, der auf das Recht achtet, nicht zu töten“ [?]. Der Schluss ist syntaktisch locker gebaut.
Die beiden Erwachten, die hochgesinnten, mächtigen Kṛpa und Bhoja [Kṛtavarman].
Wort für Wort
tau prabuddhau mahātmānau
diese beiden Erwachten, Hochgesinnten (Nom.Du.)
kṛpabhojau mahābalau
Kṛpa und Bhoja, die Starken (Nom.Du.)
Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; grammatisch ohne Verb, schließt an das Folgende an.
sa krūrāṃ matim āsthāya viniścitya muhur muhuḥ; suptau prābodhayat tau tu mātulaṃ bhojam eva ca
Er fasste einen grausamen Entschluss und, nach wiederholtem Überlegen zur Entscheidung gelangt, weckte er die beiden Schlafenden, seinen Onkel [Kṛpa] und den Bhoja [Kṛtavarman].
Wort für Wort
sa krūrāṃ matim āsthāya
er, einen grausamen Entschluss fassend (Abs.)
viniścitya muhur muhuḥ
entscheidend, immer wieder (Abs.; Adv.)
suptau prābodhayat tau tu
die beiden Schlafenden weckte er (Akk.Du.; 3.Sg.Impf. Kaus.)
nottaraṃ pratipede ca tatra yuktaṃ hriyā vṛtaḥ; sa muhūrtam iva dhyātvā bāṣpavihvalam abravīt
Und die beiden erwiderten dort nichts Passendes, von Scham erfüllt; er aber, nachdem er einen Augenblick gleichsam nachgesonnen hatte, sprach, von Tränen überwältigt.
Wort für Wort
nottaraṃ pratipede ca
und sie gaben keine Antwort (3.Sg.Perf.Med.)
tatra yuktaṃ hriyā vṛtaḥ
dort Passendes, von Scham erfasst (Akk.; Part.Pass.)
ke cin nāgaśataprāṇāḥ ke cit sarvāstrakovidāḥ; nihatāḥ pāṇḍaveyaiḥ sma manye kālasya paryayam
„Manche, die die Kraft von hundert Elefanten hatten, manche, die alle Waffen kannten, wurden von den Pāṇḍava-Söhnen erschlagen; ich halte dies für die Wendung der Zeit.“
Wort für Wort
ke cin nāgaśataprāṇāḥ
manche mit der Kraft von hundert Elefanten (Nom.Pl.)
ke cit sarvāstrakovidāḥ
manche in allen Waffen kundig (Nom.Pl.)
nihatāḥ pāṇḍaveyaiḥ sma
wurden erschlagen von den Pāṇḍavas (Part.Pass.; Instr.)
manye kālasya paryayam
ich halte für den Umschwung der Zeit (1.Sg.Präs.Med.; Akk.)
evam etena bhāvyaṃ hi nūnaṃ kāryeṇa tattvataḥ; yathā hy asyedṛśī niṣṭhā kṛte kārye 'pi duṣkare
„So wird es gewiss der Sache nach mit diesem [Geschehen] sein müssen; denn wie dies hier so ausgeht, obwohl die Aufgabe getan, auch wenn sie schwer war.“
Wort für Wort
evam etena bhāvyaṃ hi
so muss es mit diesem sein (Gerundiv)
nūnaṃ kāryeṇa tattvataḥ
gewiss durch die Aufgabe, in Wahrheit (Instr.; Adv.)
yathā hy asyedṛśī niṣṭhā
wie nämlich dessen derartiger Ausgang (Nom.)
kṛte kārye 'pi duṣkare
wenn die Aufgabe getan, auch wenn schwer (Lok.abs.)
Der Vers ist knapp und syntaktisch schwierig; Sinn: Was geschehen ist, muss einen Grund haben, da selbst das Schwere so ausgeht [?].