Quellen der Menschheit

Mahābhārata · Sauptikaparva

Kapitel 1: aśvatthāmno rātrau nyagrodhe ulūkakākavadhadarśanaṃ sauptikavadhaniścayaś ca Dhṛtarāṣṭras Klage; die Nacht unter dem Nyagrodha; Aśvatthāmans Entschluss zum nächtlichen Überfall

Nach dem Fall Duryodhanas ziehen Kṛtavarman, Kṛpa und Aśvatthāman (Drauṇi) in einen Wald und rasten unter einem Nyagrodha-Baum. Der Anblick einer Eule, die schlafende Krähen tötet, bringt Aśvatthāman auf den Plan, die schlafenden Pāṇḍavas und Pāñcālas nachts zu erschlagen. Das Kapitel setzt mit Dhṛtarāṣṭras Klage bei Saṃjaya ein.

nārāyaṇaṃ namaskṛtya naraṃ caiva narottamam; devīṃ sarasvatīṃ caiva tato jayam udīrayet

Nārāyaṇa verehrend und Nara, den Besten der Männer, und ebenso die Göttin Sarasvatī – danach soll man den „Jaya“ anstimmen.

Wort für Wort
nārāyaṇaṃ namaskṛtya
Nārāyaṇa verehrend (Akk.; Abs.)
naraṃ caiva narottamam
und Nara, den Besten der Männer (Akk.; Kompositum)
devīṃ sarasvatīṃ caiva
und die Göttin Sarasvatī (Akk.)
tato jayam udīrayet
danach soll man den Jaya anstimmen (Opt. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers (Eingangsvers) der nur in einem Teil der Handschriften steht; „Jaya“ ist die alte Bezeichnung des Epos.

oṃ namaḥ sakalakalyāṇadāyine cakrapāṇaye; viṣayārṇavamagnānāṃ samuddharaṇasetave

Om, Verehrung dem Diskusträger, der alles Heil gewährt, der die Brücke ist zur Rettung derer, die im Ozean der Sinnesobjekte versunken sind.

Wort für Wort
oṃ namaḥ
Om, Verehrung (Interj./Nom.)
sakalakalyāṇadāyine
dem, der alles Heil gibt (Dat. Sg.)
cakrapāṇaye
dem Diskus-in-der-Hand (Dat. Sg.)
viṣayārṇavamagnānām
der im Ozean der Sinnesobjekte Versunkenen (Gen. Pl.)
samuddharaṇasetave
der Brücke zur Herausziehung/Rettung (Dat. Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; Lesart der Komposita in Pāda d wortnah wiedergegeben.

saṃjaya uvāca; tatas te sahitā vīrāḥ prayātā dakṣiṇāmukhāḥ; upāstamayavelāyāṃ śibirābhyāśam āgatāḥ

Saṃjaya sprach: Darauf zogen jene Helden vereint, das Gesicht nach Süden gewandt, und gelangten zur Zeit des Sonnenuntergangs in die Nähe des Lagers.

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach (Perf. 3.Sg.)
tatas te sahitā vīrāḥ
darauf jene Helden vereint (Nom. Pl.)
prayātā dakṣiṇāmukhāḥ
zogen los, südwärts gewandt (Part. Perf. Pass., Nom. Pl.; Kompositum)
upāstamayavelāyām
zur Zeit des Sonnenuntergangs (Lok. Sg.)
śibirābhyāśam āgatāḥ
kamen in die Nähe des Lagers (Akk.; Part. Perf. Pass., Nom. Pl.)

.... .... sarve sumanasas tadā; samīpe pāṇḍavāv etya vāsudevo 'bravīd idam

[Lücke im Text] alle frohgemut damals; als er zu den beiden Pāṇḍavas gekommen war, sprach Vāsudeva dies.

Wort für Wort
sarve sumanasas tadā
alle wohlgemut damals (Nom. Pl.; Adv.)
samīpe pāṇḍavāv etya
in die Nähe der beiden Pāṇḍavas gekommen (Lok./Akk. Du.; Abs.)
vāsudevo ’bravīd idam
Vāsudeva sprach dies (Impf. 3.Sg.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers mit Textlücke am Anfang; der Zusammenhang (Vāsudeva bei den Pāṇḍavas) passt kaum zum Erzählstrang der Kaurava-Krieger, daher unsicher.

vimucya vāhāṃs tvaritā bhītāḥ samabhavaṃs tadā; gahanaṃ deśam āsādya pracchannā nyaviśanta te

Die Rosse ausspannend, waren sie damals eilig und furchtsam; sie erreichten ein unwegsames Gelände und ließen sich dort verborgen nieder.

Wort für Wort
vimucya vāhāṃs
die Zugtiere ausspannend (Abs.; Akk. Pl.)
tvaritā bhītāḥ
eilig, furchtsam (Nom. Pl.)
samabhavaṃs tadā
waren damals (Impf. 3.Pl.)
gahanaṃ deśam āsādya
ein unwegsames Gelände erreichend (Akk.; Abs.)
pracchannā nyaviśanta te
verborgen setzten sie sich nieder (Impf. Med. 3.Pl.)

senāniveśam abhito nātidūram avasthitāḥ; nikṛttā niśitaiḥ śastraiḥ samantāt kṣatavikṣatāḥ

Rings um das Heerlager, nicht weit davon entfernt, hielten sie sich auf, von scharfen Waffen ringsum zerschnitten, wund und verletzt.

Wort für Wort
senāniveśam abhito
rings um das Heerlager (Akk.; Präp.)
nātidūram avasthitāḥ
nicht allzu weit entfernt befindlich (Adv.; Part., Nom. Pl.)
nikṛttā niśitaiḥ śastraiḥ
zerschnitten von scharfen Waffen (Part., Nom. Pl.; Instr. Pl.)
samantāt kṣatavikṣatāḥ
ringsum wund und zerfetzt (Adv.; Nom. Pl.)

dīrgham uṣṇaṃ ca niḥśvasya pāṇḍavān anvacintayan; śrutvā ca ninadaṃ ghoraṃ pāṇḍavānāṃ jayaiṣiṇām

Lang und heiß aufseufzend, dachten sie an die Pāṇḍavas; und als sie das furchtbare Getöse der siegesbegierigen Pāṇḍavas gehört hatten,

Wort für Wort
dīrgham uṣṇaṃ ca niḥśvasya
lang und heiß aufseufzend (Adv.; Abs.)
pāṇḍavān anvacintayan
sannen über die Pāṇḍavas nach (Impf. 3.Pl.)
śrutvā ca ninadaṃ ghoram
und gehört habend das furchtbare Getöse (Abs.; Akk. Sg.)
pāṇḍavānāṃ jayaiṣiṇām
der siegesbegierigen Pāṇḍavas (Gen. Pl.)

anusārabhayād bhītāḥ prāṅmukhāḥ prādravan punaḥ; te muhūrtaṃ tato gatvā śrāntavāhāḥ pipāsitāḥ

flohen sie, aus Furcht vor Verfolgung erschrocken, wieder ostwärts; nachdem sie einen Augenblick gefahren waren, mit erschöpften Rossen und durstig,

Wort für Wort
anusārabhayād bhītāḥ
aus Furcht vor Verfolgung erschrocken (Abl.; Nom. Pl.)
prāṅmukhāḥ prādravan punaḥ
ostwärts gewandt flohen sie wieder (Nom. Pl.; Impf. 3.Pl.)
te muhūrtaṃ tato gatvā
sie, danach einen Augenblick gegangen (Abs.)
śrāntavāhāḥ pipāsitāḥ
mit erschöpften Zugtieren, durstig (Nom. Pl.)

nāmṛṣyanta maheṣvāsāḥ krodhāmarṣavaśaṃ gatāḥ; rājño vadhena saṃtaptā muhūrtaṃ samavasthitāḥ

ertrugen sie es nicht, die großen Bogenschützen, dem Zorn und Unmut verfallen; vom Tod des Königs gequält, hielten sie einen Augenblick an.

Wort für Wort
nāmṛṣyanta maheṣvāsāḥ
sie ertrugen es nicht, die großen Bogenschützen (Impf. Med. 3.Pl.; Nom. Pl.)
krodhāmarṣavaśaṃ gatāḥ
in die Gewalt von Zorn und Unmut geraten (Part., Nom. Pl.)
rājño vadhena saṃtaptāḥ
vom Tod des Königs gequält (Instr.; Part., Nom. Pl.)
muhūrtaṃ samavasthitāḥ
einen Augenblick standen sie still (Part., Nom. Pl.)

dhṛtarāṣṭra uvāca; aśraddheyam idaṃ karma kṛtaṃ bhīmena saṃjaya; yat sa nāgāyutaprāṇaḥ putro mama nipātitaḥ

Dhṛtarāṣṭra sprach: Unglaublich ist diese Tat, die von Bhīma vollbracht wurde, Saṃjaya: dass mein Sohn, der die Lebenskraft von zehntausend Elefanten besaß, gefällt wurde.

Wort für Wort
dhṛtarāṣṭra uvāca
Dhṛtarāṣṭra sprach (Perf. 3.Sg.)
aśraddheyam idaṃ karma
unglaublich diese Tat (Nom. Sg. n.)
kṛtaṃ bhīmena saṃjaya
getan von Bhīma, Saṃjaya (Part.; Instr.; Vok.)
yat sa nāgāyutaprāṇaḥ
dass er, der Lebenskraft von zehntausend Elefanten hatte (Bahuvrīhi)
putro mama nipātitaḥ
mein Sohn gefällt wurde (Nom.; Part. Kaus.)

avadhyaḥ sarvabhūtānāṃ vajrasaṃhanano yuvā; pāṇḍavaiḥ samare putro nihato mama saṃjaya

Unerschlagbar für alle Wesen, mit einem Körper hart wie der Donnerkeil, jung: von den Pāṇḍavas im Kampf erschlagen wurde mein Sohn, Saṃjaya.

Wort für Wort
avadhyaḥ sarvabhūtānām
unerschlagbar für alle Wesen (Nom.; Gen. Pl.)
vajrasaṃhananaḥ yuvā
mit blitzhartem Körperbau, jung (Nom. Sg.)
pāṇḍavaiḥ samare
von den Pāṇḍavas im Kampf (Instr. Pl.; Lok.)
putro nihato mama saṃjaya
mein Sohn erschlagen, Saṃjaya (Nom.; Part.; Vok.)

na diṣṭam abhyatikrāntuṃ śakyaṃ gāvalgaṇe naraiḥ; yat sametya raṇe pārthaiḥ putro mama nipātitaḥ

Nicht kann von Menschen das Schicksal überschritten werden, Sohn des Gavalgaṇa: dass mein Sohn, im Kampf von den Pārthas angegangen, gefällt wurde.

Wort für Wort
na diṣṭam abhyatikrāntuṃ
nicht das Schicksal zu überschreiten (Inf.)
śakyaṃ gāvalgaṇe naraiḥ
ist möglich, Gāvalgaṇi, für Männer (Vok.; Instr. Pl.)
yat sametya raṇe pārthaiḥ
dass, im Kampf zusammengetroffen mit den Pārthas (Abs.; Instr. Pl.)
putro mama nipātitaḥ
mein Sohn gefällt wurde (Part. Kaus.)

adrisāramayaṃ nūnaṃ hṛdayaṃ mama saṃjaya; hataṃ putraśataṃ śrutvā yan na dīrṇaṃ sahasradhā

Aus Felsenkern besteht gewiss mein Herz, Saṃjaya, da es nicht in tausend Stücke zersprang, als ich vom Tod meiner hundert Söhne hörte.

Wort für Wort
adrisāramayaṃ nūnaṃ
aus Felskern bestehend, gewiss (Nom. Sg. n.; Adv.)
hṛdayaṃ mama saṃjaya
mein Herz, Saṃjaya (Nom.; Gen.; Vok.)
hataṃ putraśataṃ śrutvā
die erschlagenen hundert Söhne gehört habend (Akk.; Abs.)
yan na dīrṇaṃ sahasradhā
da es nicht zerriss in tausend Teile (Part.; Adv.)

kathaṃ hi vṛddhamithunaṃ hataputraṃ bhaviṣyati; na hy ahaṃ pāṇḍaveyasya viṣaye vastum utsahe

Wie wird das greise Paar, der Söhne beraubt, leben? Ich vermag nämlich nicht, im Reich des Pāṇḍava zu wohnen.

Wort für Wort
kathaṃ hi vṛddhamithunaṃ
wie denn das greise Paar (Nom. Sg. n.)
hataputraṃ bhaviṣyati
dessen Söhne erschlagen sind, wird sein (Bahuvrīhi; Fut. 3.Sg.)
na hy ahaṃ pāṇḍaveyasya
denn nicht ich, des Pāṇḍava (Gen.)
viṣaye vastum utsahe
im Reich zu wohnen vermag ich (Lok.; Inf.; Präs. Med. 1.Sg.)

„Greises Paar“ meint Dhṛtarāṣṭra und Gāndhārī; „der Pāṇḍava“ ist Yudhiṣṭhira.

kathaṃ rājñaḥ pitā bhūtvā svayaṃ rājā ca saṃjaya; preṣyabhūtaḥ pravarteyaṃ pāṇḍaveyasya śāsanāt

Wie soll ich, der ich Vater des Königs war und selbst König, Saṃjaya, als Diener auf Geheiß des Pāṇḍava wirken?

Wort für Wort
kathaṃ rājñaḥ pitā bhūtvā
wie, Vater des Königs geworden (Nom.; Abs.)
svayaṃ rājā ca saṃjaya
und selbst König, Saṃjaya (Nom.; Vok.)
preṣyabhūtaḥ pravarteyaṃ
als Diener sollte ich handeln (Nom.; Opt. Med. 1.Sg.)
pāṇḍaveyasya śāsanāt
auf Befehl des Pāṇḍava (Gen.; Abl.)

ājñāpya pṛthivīṃ sarvāṃ sthitvā mūrdhni ca saṃjaya; katham adya bhaviṣyāmi preṣyabhūto durantakṛt

Der ich die ganze Erde beherrscht habe und auf ihrem Haupt gestanden bin, Saṃjaya, wie werde ich nun ein Diener sein, ein Übeltäter mit bösem Ende [?]?

Wort für Wort
ājñāpya pṛthivīṃ sarvām
die ganze Erde beherrscht habend (Abs.; Akk.)
sthitvā mūrdhni ca saṃjaya
und auf dem Haupt gestanden habend, Saṃjaya (Abs.; Lok.; Vok.)
katham adya bhaviṣyāmi
wie werde ich nun sein (Fut. 1.Sg.)
preṣyabhūto durantakṛt
als Diener, ein Täter bösen Endes (Nom.)

„durantakṛt“ unsicher: „der Übles zu bösem Ausgang vollbracht hat“.

kathaṃ bhīmasya vākyāni śrotuṃ śakṣyāmi saṃjaya; yena putraśataṃ pūrṇam ekena nihataṃ mama

Wie werde ich Bhīmas Worte hören können, Saṃjaya, durch den allein meine volle Hundertschaft von Söhnen erschlagen wurde?

Wort für Wort
kathaṃ bhīmasya vākyāni
wie Bhīmas Worte (Gen.; Akk. Pl.)
śrotuṃ śakṣyāmi saṃjaya
zu hören werde ich fähig sein, Saṃjaya (Inf.; Fut. 1.Sg.)
yena putraśataṃ pūrṇam
durch den die volle Hundertzahl an Söhnen (Instr.; Akk.)
ekena nihataṃ mama
durch einen allein erschlagen, meine (Instr.; Part.)

kṛtaṃ satyaṃ vacas tasya vidurasya mahātmanaḥ; akurvatā vacas tena mama putreṇa saṃjaya

Wahr geworden ist das Wort des Vidura, des Hochherzigen, da mein Sohn es nicht befolgte, Saṃjaya.

Wort für Wort
kṛtaṃ satyaṃ vacas tasya
wahr gemacht [erwiesen] wurde sein Wort (Part.; Nom. n.)
vidurasya mahātmanaḥ
des Vidura, des Hochherzigen (Gen.)
akurvatā vacas tena
von dem, der das Wort nicht befolgte (Part. Instr.)
mama putreṇa saṃjaya
von meinem Sohn, Saṃjaya (Instr.; Vok.)

adharmeṇa hate tāta putre duryodhane mama; kṛtavarmā kṛpo drauṇiḥ kim akurvata saṃjaya

Als mein Sohn Duryodhana, mein Lieber, gegen das Recht erschlagen war, was taten da Kṛtavarman, Kṛpa und Drauṇi, Saṃjaya?

Wort für Wort
adharmeṇa hate tāta
gegen das Recht erschlagen, mein Lieber (Instr.; Lok. abs.; Vok.)
putre duryodhane mama
mein Sohn Duryodhana (Lok. abs.)
kṛtavarmā kṛpo drauṇiḥ
Kṛtavarman, Kṛpa, Drauṇi (Nom.)
kim akurvata saṃjaya
was taten sie, Saṃjaya (Impf. Med. 3.Pl.)

saṃjaya uvāca; gatvā tu tāvakā rājan nātidūram avasthitāḥ; apaśyanta vanaṃ ghoraṃ nānādrumalatākulam

Saṃjaya sprach: Nachdem sie, deine Leute, König, gegangen waren und nicht weit entfernt anhielten, erblickten sie einen furchtbaren Wald, voll von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen.

Wort für Wort
saṃjaya uvāca
Saṃjaya sprach
gatvā tu tāvakā rājan
gegangen aber die Deinen, König (Abs.; Nom. Pl.; Vok.)
nātidūram avasthitāḥ
nicht allzu weit haltend (Adv.; Part.)
apaśyanta vanaṃ ghoram
erblickten einen furchtbaren Wald (Impf. Med. 3.Pl.; Akk.)
nānādrumalatākulam
erfüllt von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen (Akk. Sg. n.)

te muhūrtaṃ tu viśramya labdhatoyair hayottamaiḥ; sūryāstamayavelāyām āseduḥ sumahad vanam

Nachdem sie einen Augenblick ausgeruht hatten und die vorzüglichen Rosse Wasser bekommen hatten, gelangten sie zur Zeit des Sonnenuntergangs zu einem sehr großen Wald.

Wort für Wort
te muhūrtaṃ tu viśramya
sie, einen Augenblick ausgeruht (Abs.)
labdhatoyair hayottamaiḥ
mit den vorzüglichen Rossen, die Wasser erhalten hatten (Instr. Pl.; Lok.-artig/Abs.)
sūryāstamayavelāyām
zur Zeit des Sonnenuntergangs (Lok.)
āseduḥ sumahad vanam
erreichten einen sehr großen Wald (Perf. 3.Pl.; Akk.)

nānāmṛgagaṇair juṣṭaṃ nānāpakṣisamākulam; nānādrumalatācchannaṃ nānāvyālaniṣevitam

von Scharen mannigfacher Tiere bewohnt, von mannigfachen Vögeln erfüllt, von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt, von mannigfachen Raubtieren aufgesucht;

Wort für Wort
nānāmṛgagaṇair juṣṭam
von Scharen mannigfacher Tiere besucht (Instr. Pl.; Part.)
nānāpakṣisamākulam
von mannigfachen Vögeln erfüllt (Akk. Sg. n.)
nānādrumalatācchannam
von mannigfachen Bäumen und Schlingpflanzen bedeckt
nānāvyālaniṣevitam
von mannigfachen Raubtieren aufgesucht

nānātoyasamākīrṇaṃ taḍāgair upaśobhitam; padminīśatasaṃchannaṃ nīlotpalasamāyutam

mit mannigfachem Gewässer durchsetzt, von Teichen geschmückt, von hundert Lotosteichen bedeckt, mit blauen Lotosblüten versehen.

Wort für Wort
nānātoyasamākīrṇam
mit mannigfachem Wasser durchsetzt
taḍāgair upaśobhitam
von Teichen geschmückt (Instr. Pl.; Part.)
padminīśatasaṃchannam
von hundert Lotosteichen bedeckt
nīlotpalasamāyutam
mit blauen Lotosblüten versehen

praviśya tad vanaṃ ghoraṃ vīkṣamāṇāḥ samantataḥ; śākhāsahasrasaṃchannaṃ nyagrodhaṃ dadṛśus tataḥ

Als sie in jenen furchtbaren Wald eingetreten waren und ringsum schauten, erblickten sie da einen Nyagrodha-Baum, von tausend Ästen bedeckt.

Wort für Wort
praviśya tad vanaṃ ghoram
in jenen furchtbaren Wald eingetreten (Abs.; Akk.)
vīkṣamāṇāḥ samantataḥ
ringsum schauend (Part., Nom. Pl.; Adv.)
śākhāsahasrasaṃchannam
von tausend Ästen bedeckt (Akk. Sg.)
nyagrodhaṃ dadṛśus tataḥ
einen Nyagrodha erblickten sie dann (Akk.; Perf. 3.Pl.)

upetya tu tadā rājan nyagrodhaṃ te mahārathāḥ; dadṛśur dvipadāṃ śreṣṭhāḥ śreṣṭhaṃ taṃ vai vanaspatim

Als sie, König, zu dem Nyagrodha gekommen waren, erblickten jene großen Wagenkämpfer, die Besten der Zweifüßler, diesen vortrefflichen Baumkönig.

Wort für Wort
upetya tu tadā rājan
herangekommen aber damals, König (Abs.; Vok.)
nyagrodhaṃ te mahārathāḥ
zum Nyagrodha jene Großwagenkämpfer (Akk.; Nom. Pl.)
dadṛśur dvipadāṃ śreṣṭhāḥ
erblickten, die Besten der Zweifüßler (Perf. 3.Pl.; Gen. Pl.; Nom. Pl.)
śreṣṭhaṃ taṃ vai vanaspatim
diesen vortrefflichen Baum (Akk.)

te 'vatīrya rathebhyas tu vipramucya ca vājinaḥ; upaspṛśya yathānyāyaṃ saṃdhyām anvāsata prabho

Sie stiegen von den Wagen, spannten die Rosse aus, berührten nach Vorschrift [das Wasser] und verehrten die Abenddämmerung, Herr.

Wort für Wort
te ’vatīrya rathebhyas tu
sie, von den Wagen herabgestiegen (Abs.; Abl. Pl.)
vipramucya ca vājinaḥ
und die Rosse ausgespannt (Abs.; Akk. Pl.)
upaspṛśya yathānyāyam
nach Vorschrift Wasser berührt (Abs.; Adv.)
saṃdhyām anvāsata prabho
sie verehrten die Dämmerung, Herr (Akk.; Impf. Med. 3.Pl.; Vok.)

tato 'staṃ parvataśreṣṭham anuprāpte divākare; sarvasya jagato dhātrī śarvarī samapadyata

Dann, als die Sonne den Untergangsberg, den besten der Berge, erreicht hatte, entstand die Nacht, die Ernährerin der ganzen Welt.

Wort für Wort
tato ’staṃ parvataśreṣṭham
dann zum Untergangsberg, dem besten der Berge (Akk.)
anuprāpte divākare
als die Sonne angelangt war (Lok. abs.)
sarvasya jagato dhātrī
die Ernährerin der ganzen Welt (Gen.; Nom.)
śarvarī samapadyata
die Nacht trat ein (Nom.; Impf. Med. 3.Sg.)

grahanakṣatratārābhiḥ prakīrṇābhir alaṃkṛtam; nabho 'ṃśukam ivābhāti prekṣaṇīyaṃ samantataḥ

Von Planeten, Sternbildern und Sternen, die verstreut sind, geschmückt, erscheint der Himmel wie ein Gewand, allseits sehenswert.

Wort für Wort
grahanakṣatratārābhiḥ
von Planeten, Mondhäusern und Sternen (Instr. Pl.)
prakīrṇābhir alaṃkṛtam
verstreuten, geschmückt (Instr. Pl.; Part.)
nabho ’ṃśukam ivābhāti
der Himmel scheint wie ein Gewand (Nom.; Präs. 3.Sg.)
prekṣaṇīyaṃ samantataḥ
sehenswert ringsum (Nom. n.; Adv.)

īṣac cāpi pravalganti ye sattvā rātricāriṇaḥ; divācarāś ca ye sattvās te nidrāvaśam āgatāḥ

Und die nachts wandelnden Wesen, die ein wenig zu springen [sich zu regen] beginnen, sowie die tagsüber wandelnden Wesen, sie waren dem Schlaf verfallen.

Wort für Wort
īṣac cāpi pravalganti
und ein wenig springen/regen sich (Präs. 3.Pl.)
ye sattvā rātricāriṇaḥ
welche Wesen nachts wandeln (Nom. Pl.)
divācarāś ca ye sattvās
und welche Wesen tags wandeln (Nom. Pl.)
te nidrāvaśam āgatāḥ
sie sind in die Gewalt des Schlafes geraten (Part., Nom. Pl.)

Der Vers ist knapp; „pravalganti“ wohl „sich regen, hüpfen“; die Zuordnung der beiden Gruppen ist nicht ganz zweifelsfrei [?].

rātriṃcarāṇāṃ sattvānāṃ ninādo 'bhūt sudāruṇaḥ; kravyādāś ca pramuditā ghorā prāptā ca śarvarī

Das Geschrei der Wesen, die in der Nacht umhergehen, wurde überaus furchtbar; die Fleischfresser waren erfreut, und die schreckliche Nacht war da.

Wort für Wort
rātriṃcarāṇāṃ sattvānāṃ
der nachts umhergehenden Wesen (Gen. Pl.)
ninādo ’bhūt sudāruṇaḥ
das Geschrei wurde sehr schrecklich (Nom.; Aor. 3.Sg.)
kravyādāś ca pramuditāḥ
und die Fleischfresser erfreut (Nom. Pl.)
ghorā prāptā ca śarvarī
und furchtbar gekommen die Nacht (Nom. f.)

tasmin rātrimukhe ghore duḥkhaśokasamanvitāḥ; kṛtavarmā kṛpo drauṇir upopaviviśuḥ samam

In diesem furchtbaren Beginn der Nacht setzten sich Kṛtavarman, Kṛpa und Drauṇi, von Leid und Kummer erfüllt, gemeinsam nieder.

Wort für Wort
tasmin rātrimukhe ghore
in diesem furchtbaren Nachtbeginn (Lok.)
duḥkhaśokasamanvitāḥ
von Leid und Kummer erfüllt (Nom. Pl.)
kṛtavarmā kṛpo drauṇiḥ
Kṛtavarman, Kṛpa, Drauṇi (Nom.)
upopaviviśuḥ samam
setzten sich nieder zusammen (Perf. 3.Pl.; Adv.)

tatropaviṣṭāḥ śocanto nyagrodhasya samantataḥ; tam evārtham atikrāntaṃ kurupāṇḍavayoḥ kṣayam

Dort sitzend, rings um den Nyagrodha, trauerten sie um eben dieses vergangene Geschehen, den Untergang der Kurus und der Pāṇḍavas.

Wort für Wort
tatropaviṣṭāḥ śocantaḥ
dort sitzend, trauernd (Part., Nom. Pl.)
nyagrodhasya samantataḥ
rings um den Nyagrodha (Gen.; Adv.)
tam evārtham atikrāntam
eben jenes vergangene Geschehen (Akk.)
kurupāṇḍavayoḥ kṣayam
den Untergang der Kurus und Pāṇḍavas (Gen. Du.; Akk.)

nidrayā ca parītāṅgā niṣedur dharaṇītale; śrameṇa sudṛḍhaṃ yuktā vikṣatā vividhaiḥ śaraiḥ

Von Schlaf an den Gliedern überwältigt, ließen sie sich auf dem Erdboden nieder, von der Anstrengung stark ermattet und von mannigfachen Pfeilen verwundet.

Wort für Wort
nidrayā ca parītāṅgāḥ
und von Schlaf an den Gliedern überwältigt (Instr.; Nom. Pl.)
niṣedur dharaṇītale
sie ließen sich nieder auf dem Erdboden (Perf. 3.Pl.; Lok.)
śrameṇa sudṛḍhaṃ yuktāḥ
von Anstrengung stark erfasst (Instr.; Adv.; Part.)
vikṣatā vividhaiḥ śaraiḥ
verwundet von vielerlei Pfeilen (Nom. Pl.; Instr. Pl.)

tato nidrāvaśaṃ prāptau kṛpabhojau mahārathau; sukhocitāv aduḥkhārhau niṣaṇṇau dharaṇītale

Dann gerieten die beiden großen Wagenkämpfer Kṛpa und Bhoja in die Gewalt des Schlafes; an Behagen gewöhnt, des Leids unwürdig, saßen sie auf dem Erdboden.

Wort für Wort
tato nidrāvaśaṃ prāptau
dann in die Gewalt des Schlafes geraten (Part., Nom. Du.)
kṛpabhojau mahārathau
Kṛpa und Bhoja, die beiden Großwagenkämpfer (Nom. Du.)
sukhocitāv aduḥkhārhau
an Wohlergehen gewöhnt, des Leids nicht würdig (Nom. Du.)
niṣaṇṇau dharaṇītale
sitzend/niedergelassen auf dem Erdboden (Part., Nom. Du.; Lok.)

mahārhaśayanopetau bhūmāv eva hy anāthavat

die eines kostbaren Lagers gewohnt waren [wörtl.: mit einem kostbaren Lager versehen], nun auf bloßer Erde wie Schutzlose.

Wort für Wort
mahārhaśayanopetau
mit kostbarem Lager versehen (Nom. Du.)
bhūmāv eva
gerade auf der Erde (Lok.; Part.)
hy anāthavat
denn wie Schutzlose (Adv.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzvers; „upeta“ hier wohl im Sinn von „gewohnt, teilhaftig“.

tau tu suptau mahārāja śramaśokasamanvitau

Die beiden aber schliefen, großer König, von Erschöpfung und Kummer erfüllt.

Wort für Wort
tau tu suptau
die beiden aber schliefen (Nom. Du.; Part.)
mahārāja
großer König (Vok.)
śramaśokasamanvitau
von Erschöpfung und Kummer erfüllt (Nom. Du.)

krodhāmarṣavaśaṃ prāpto droṇaputras tu bhārata; naiva sma sa jagāmātha nidrāṃ sarpa iva śvasan

Dem Zorn und Unmut verfallen, kam aber der Sohn des Droṇa, Bhārata, keineswegs zum Schlaf, sondern zischte wie eine Schlange.

Wort für Wort
krodhāmarṣavaśaṃ prāpto
in die Gewalt von Zorn und Unmut geraten (Part., Nom. Sg.)
droṇaputras tu bhārata
der Sohn des Droṇa aber, Bhārata (Nom.; Vok.)
naiva sma sa jagāma
keineswegs kam er (Part.; Perf. 3.Sg.)
athā nidrāṃ
da zum Schlaf (Akk.)
sarpa iva śvasan
wie eine Schlange zischend (Nom.; Part.)

na lebhe sa tu nidrāṃ vai dahyamāno 'timanyunā; vīkṣāṃ cakre mahābāhus tad vanaṃ ghoradarśanam

Er aber fand keinen Schlaf, denn er brannte vor übergroßem Zorn; und der Starkarmige ließ den Blick schweifen über jenen Wald von schrecklichem Anblick.

Wort für Wort
na lebhe sa tu nidrāṃ vai
er fand aber keinen Schlaf (3.Sg.Perf.Med. von labh; Akk.)
dahyamāno 'timanyunā
brennend vor übergroßem Zorn (Part.Pass. von dah; Instr.)
vīkṣāṃ cakre mahābāhus
er ließ den Blick schweifen, der Starkarmige (Periphrast. Perf.; Nom.)
tad vanaṃ ghoradarśanam
jenen Wald von schrecklichem Anblick (Akk. Sg. n.)

vīkṣamāṇo vanoddeśaṃ nānāsattvair niṣevitam; apaśyata mahābāhur nyagrodhaṃ vāyasāyutam

Als er die von vielerlei Getier bewohnte Waldgegend überschaute, erblickte der Starkarmige einen Feigenbaum, der von Krähen wimmelte.

Wort für Wort
vīkṣamāṇo vanoddeśaṃ
überschauend die Waldgegend (Part.Präs.Med.; Akk.)
nānāsattvair niṣevitam
von vielerlei Wesen bewohnt (Instr.Pl.; Part.Pass.)
apaśyata mahābāhur
erblickte der Starkarmige (3.Sg.Impf.Med.)
nyagrodhaṃ vāyasāyutam
einen Nyagrodha-Baum, von Krähen erfüllt (Akk.; Kompositum)

tatra kākasahasrāṇi tāṃ niśāṃ paryaṇāmayan; sukhaṃ svapantaḥ kauravya pṛthak pṛthag apāśrayāḥ

Dort verbrachten tausende Krähen jene Nacht, bequem schlafend, o Kauravya, jede für sich getrennt in ihrem Unterschlupf.

Wort für Wort
tatra kākasahasrāṇi
dort tausende Krähen (Nom.Pl.n.)
tāṃ niśāṃ paryaṇāmayan
verbrachten jene Nacht (3.Pl.Impf. Kaus. von pari-√nam)
sukhaṃ svapantaḥ kauravya
bequem schlafend, o Kauravya (Part.Präs.; Vok.)
pṛthak pṛthag apāśrayāḥ
jede für sich, mit je eigenem Unterschlupf (Adv.; Nom.Pl.)

supteṣu teṣu kākeṣu visrabdheṣu samantataḥ; so 'paśyat sahasāyāntam ulūkaṃ ghoradarśanam

Während diese Krähen ringsum arglos schliefen, sah er plötzlich eine Eule von schrecklichem Anblick herbeikommen.

Wort für Wort
supteṣu teṣu kākeṣu
als jene Krähen schliefen (Lok.abs.)
visrabdheṣu samantataḥ
arglos, ringsum (Lok.Pl.; Adv.)
so 'paśyat sahasāyāntam
er sah plötzlich herankommend (3.Sg.Impf.; Part.Präs.Akk.)
ulūkaṃ ghoradarśanam
eine Eule von schrecklichem Anblick (Akk.)

mahāsvanaṃ mahākāyaṃ haryakṣaṃ babhrupiṅgalam; sudīrghaghoṇānakharaṃ suparṇam iva veginam

Sie hatte einen lauten Ruf und einen mächtigen Leib, gelbliche Augen, war bräunlich-fahl, mit sehr langem Schnabel und langen Krallen, schnell wie ein Suparṇa [Vogel Garuḍa].

Wort für Wort
mahāsvanaṃ mahākāyaṃ
von lautem Ruf, von großem Körper (Akk. Sg.; Bahuvrīhi)
haryakṣaṃ babhrupiṅgalam
gelbäugig, braunrötlich (Akk.)
sudīrghaghoṇānakharaṃ
mit sehr langem Schnabel und Krallen (Bahuvrīhi; Akk.)
suparṇam iva veginam
wie ein Suparṇa schnell (Akk.)

haryakṣa: eigentlich „gelbäugig“ bzw. „löwenäugig“; hier als Farbbezeichnung der Augen gefasst.

so 'tha śabdaṃ mṛduṃ kṛtvā līyamāna ivāṇḍajaḥ; nyagrodhasya tataḥ śākhāṃ prārthayām āsa bhārata

Da gab dieser Eierentstandene einen leisen Laut von sich und näherte sich, gleichsam sich duckend, dem Ast des Feigenbaums, o Bhārata.

Wort für Wort
so 'tha śabdaṃ mṛduṃ kṛtvā
er nun, einen leisen Laut machend (Abs.)
līyamāna ivāṇḍajaḥ
gleichsam sich anschmiegend, der Eiergeborene (Part.Präs.Med.; Nom.)
nyagrodhasya tataḥ śākhāṃ
dann den Ast des Feigenbaums (Gen.; Akk.)
prārthayām āsa bhārata
strebte hin, o Bhārata (Periphrast. Perf.; Vok.)

saṃnipatya tu śākhāyāṃ nyagrodhasya vihaṃgamaḥ; suptāñ jaghāna subahūn vāyasān vāyasāntakaḥ

Auf den Ast des Feigenbaums niedergestoßen, erschlug der Vogel, der Krähentöter, sehr viele schlafende Krähen.

Wort für Wort
saṃnipatya tu śākhāyāṃ
sich niederstürzend auf den Ast (Abs.; Lok.)
nyagrodhasya vihaṃgamaḥ
des Feigenbaums, der Vogel (Gen.; Nom.)
suptāñ jaghāna subahūn
erschlug Schlafende, sehr viele (3.Sg.Perf.; Akk.Pl.)
vāyasān vāyasāntakaḥ
Krähen, der Krähentöter (Akk.Pl.; Nom.)

keṣāṃ cid acchinat pakṣāñ śirāṃsi ca cakarta ha; caraṇāṃś caiva keṣāṃ cid babhañja caraṇāyudhaḥ

Manchen riss er die Flügel ab und schlug ihnen die Köpfe ab, anderen aber brach der Krallenbewaffnete die Füße.

Wort für Wort
keṣāṃ cid acchinat pakṣāñ
von manchen zerriss er die Flügel (Gen.; 3.Sg.Impf.; Akk.Pl.)
śirāṃsi ca cakarta ha
und die Köpfe schnitt er ab (3.Sg.Perf.)
caraṇāṃś caiva keṣāṃ cid
und die Füße mancher (Akk.Pl.; Gen.)
babhañja caraṇāyudhaḥ
brach der mit den Krallen Bewaffnete (3.Sg.Perf.; Nom.)

kṣaṇenāhan sa balavān ye 'sya dṛṣṭipathe sthitāḥ; teṣāṃ śarīrāvayavaiḥ śarīraiś ca viśāṃ pate; nyagrodhamaṇḍalaṃ sarvaṃ saṃchannaṃ sarvato 'bhavat

In einem Augenblick erschlug der Starke alle, die in seinem Blickfeld saßen; mit den Gliedern und den Leibern jener war, o Herr der Menschen, der ganze Kreis des Feigenbaums ringsum bedeckt.

Wort für Wort
kṣaṇenāhan sa balavān
in einem Augenblick erschlug er, der Starke (Instr.; 3.Sg.Impf.)
ye 'sya dṛṣṭipathe sthitāḥ
die in seinem Blickfeld standen (Rel.; Lok.; Part.)
teṣāṃ śarīrāvayavaiḥ
mit deren Körperteilen (Instr.Pl.)
śarīraiś ca viśāṃ pate
und mit Leibern, o Herr der Menschen (Instr.Pl.; Vok.)
nyagrodhamaṇḍalaṃ sarvaṃ
der ganze Kreis des Feigenbaums (Nom.)
saṃchannaṃ sarvato 'bhavat
war bedeckt ringsum (Part.Pass.; 3.Sg.Impf.)

tāṃs tu hatvā tataḥ kākān kauśiko mudito 'bhavat; pratikṛtya yathākāmaṃ śatrūṇāṃ śatrusūdanaḥ

Nachdem der Eulenvogel jene Krähen erschlagen hatte, wurde er froh, da er nach Belieben Vergeltung an den Feinden geübt hatte, er, der Feindvernichter.

Wort für Wort
tāṃs tu hatvā tataḥ kākān
diese aber erschlagend, dann die Krähen (Abs.; Akk.Pl.)
kauśiko mudito 'bhavat
der Eulenvogel wurde froh (Nom.; Part.; 3.Sg.Impf.)
pratikṛtya yathākāmaṃ
Vergeltung übend nach Wunsch (Abs.; Adv.)
śatrūṇāṃ śatrusūdanaḥ
an den Feinden, der Feindevernichter (Gen.; Nom.)

tad dṛṣṭvā sopadhaṃ karma kauśikena kṛtaṃ niśi; tadbhāvakṛtasaṃkalpo drauṇir eko vyacintayat

Als der Sohn des Droṇa jenes listige Werk sah, das die Eule in der Nacht vollbracht hatte, fasste er, in seinem Sinn davon bestimmt, allein einen Gedanken und überlegte.

Wort für Wort
tad dṛṣṭvā sopadhaṃ karma
dies sehend, das listige Werk (Abs.; Akk.)
kauśikena kṛtaṃ niśi
von der Eule getan in der Nacht (Instr.; Part.Pass.; Lok.)
tadbhāvakṛtasaṃkalpo
dessen Verhalten zum Entschluss machend (Bahuvrīhi; Nom.)
drauṇir eko vyacintayat
der Droṇi-Sohn, allein, überlegte (Nom.; 3.Sg.Impf.)

Wörtlich: „der durch jenes Wesen [Verhalten] seinen Entschluss gebildet habende“; sopadha = „mit Hinterlist“.

upadeśaḥ kṛto 'nena pakṣiṇā mama saṃyuge; śatrūṇāṃ kṣapaṇe yuktaḥ prāptakālaś ca me mataḥ

„Von diesem Vogel wurde mir im Kampf ein Rat gegeben: Es ist Zeit, die Feinde zu vernichten, und mir scheint, die Gelegenheit ist gekommen.“

Wort für Wort
upadeśaḥ kṛto 'nena pakṣiṇā
ein Rat wurde von diesem Vogel gegeben (Nom.; Part.Pass.; Instr.)
mama saṃyuge
mir im Kampf (Gen./Dat.; Lok.)
śatrūṇāṃ kṣapaṇe yuktaḥ
passend zur Vernichtung der Feinde (Gen.; Lok.; Part.)
prāptakālaś ca me mataḥ
und die Zeit ist gekommen, so meine Ansicht (Bahuvrīhi; Gen.; Part.)

nādya śakyā mayā hantuṃ pāṇḍavā jitakāśinaḥ; balavantaḥ kṛtotsāhā labdhalakṣāḥ prahāriṇaḥ; rājñaḥ sakāśe teṣāṃ ca pratijñāto vadho mayā

„Heute kann ich die Pāṇḍavas nicht erschlagen, die den Sieg errungen haben, stark sind, Tatendrang gefasst haben, das Ziel getroffen haben und zuschlagen können; und ihre Tötung habe ich vor dem König gelobt.“

Wort für Wort
nādya śakyā mayā hantuṃ
nicht heute können von mir erschlagen werden (Adv.; Instr.; Inf.)
pāṇḍavā jitakāśinaḥ
die Pāṇḍavas, siegreich glänzend (Nom.Pl.)
balavantaḥ kṛtotsāhā
stark, Tatkraft gefasst habend (Nom.Pl.)
labdhalakṣāḥ prahāriṇaḥ
das Ziel erreicht habend, Schläger (Nom.Pl.)
rājñaḥ sakāśe teṣāṃ ca
in des Königs Gegenwart, und von ihnen (Gen.; Lok.)
pratijñāto vadho mayā
gelobt ist die Tötung von mir (Part.Pass.; Nom.; Instr.)

jitakāśin: „siegesstolz“ bzw. „im Sieg strahlend“; labdhalakṣa: eigentlich „die das Ziel erlangt haben“.

pataṃgāgnisamāṃ vṛttim āsthāyātmavināśinīm; nyāyato yudhyamānasya prāṇatyāgo na saṃśayaḥ; chadmanā tu bhavet siddhiḥ śatrūṇāṃ ca kṣayo mahān

„Wer eine dem Falter im Feuer gleiche, selbstvernichtende Handlungsweise wählt und nach der Regel kämpft, dessen Verlust des Lebens ist zweifellos; durch List aber mag Erfolg entstehen und große Vernichtung der Feinde.“

Wort für Wort
pataṃgāgnisamāṃ vṛttim
ein dem Falter im Feuer gleiches Verhalten (Akk.)
āsthāyātmavināśinīm
annehmend, das selbstvernichtende (Abs.; Akk.)
nyāyato yudhyamānasya
für den regelgemäß Kämpfenden (Adv.; Gen.)
prāṇatyāgo na saṃśayaḥ
Aufgeben des Lebens, kein Zweifel (Nom.)
chadmanā tu bhavet siddhiḥ
durch List aber mag Erfolg sein (Instr.; Opt.)
śatrūṇāṃ ca kṣayo mahān
und der Feinde großer Untergang (Gen.; Nom.)

tatra saṃśayitād arthād yo 'rtho niḥsaṃśayo bhavet; taṃ janā bahu manyante ye 'rthaśāstraviśāradāḥ

„Von einer Sache, die zweifelhaft ist, gilt jene Sache, die zweifelsfrei ist, als besser; sie achten die Leute hoch, die in der Wissenschaft vom Nutzen [Politik] bewandert sind.“

Wort für Wort
tatra saṃśayitād arthād
hierbei gegenüber einer zweifelhaften Sache (Abl.)
yo 'rtho niḥsaṃśayo bhavet
die Sache, die zweifelsfrei ist (Rel.; Opt.)
taṃ janā bahu manyante
diese schätzen die Leute hoch (3.Pl.Präs.Med.)
ye 'rthaśāstraviśāradāḥ
die in der Arthaśāstra-Lehre kundig sind (Nom.Pl.)

yac cāpy atra bhaved vācyaṃ garhitaṃ lokaninditam; kartavyaṃ tan manuṣyeṇa kṣatradharmeṇa vartatā

„Und was hierbei zu tadeln wäre, verwerflich und von der Welt geschmäht, das muss ein Mensch tun, der nach der Pflicht des Kriegers lebt.“

Wort für Wort
yac cāpy atra bhaved vācyaṃ
und was hierbei zu sagen [zu tadeln] wäre (Opt.; Gerundiv)
garhitaṃ lokaninditam
verwerflich, von der Welt getadelt (Part.Pass.)
kartavyaṃ tan manuṣyeṇa
das ist zu tun von einem Menschen (Gerundiv; Instr.)
kṣatradharmeṇa vartatā
der nach dem Kriegerdharma lebt (Instr.; Part.Präs.Med.)

ninditāni ca sarvāṇi kutsitāni pade pade; sopadhāni kṛtāny eva pāṇḍavair akṛtātmabhiḥ

„Und alles Getadelte und Verächtliche wurde auf Schritt und Tritt hinterlistig getan von den Pāṇḍavas, die keine gebildete Seele haben.“

Wort für Wort
ninditāni ca sarvāṇi
und alles Getadelte (Nom.Pl.n.)
kutsitāni pade pade
Verachtete, auf Schritt und Tritt (Nom.Pl.n.; Wiederholung)
sopadhāni kṛtāny eva
mit List getan (Nom.Pl.n.; Part.Pass.)
pāṇḍavair akṛtātmabhiḥ
von den Pāṇḍavas, die keine gebildete Seele haben (Instr.Pl.)

asminn arthe purā gītau śrūyete dharmacintakaiḥ; ślokau nyāyam avekṣadbhis tattvārthaṃ tattvadarśibhiḥ

„In dieser Sache werden von den Kundigen des Dharma zwei alte Strophen überliefert, die von denen gesungen wurden, die das Rechte im Blick haben und den wahren Sinn schauen.“

Wort für Wort
asminn arthe purā gītau
in dieser Angelegenheit vormals gesungen (Lok.; Nom.Du.)
śrūyete dharmacintakaiḥ
werden gehört von den Dharma-Denkern (3.Du.Präs.Pass.; Instr.Pl.)
ślokau nyāyam avekṣadbhis
zwei Strophen von denen, die auf das Recht achten (Nom.Du.; Akk.; Instr.Pl.)
tattvārthaṃ tattvadarśibhiḥ
auf die wahre Bedeutung, von den Wahrheitsschauern (Akk.; Instr.Pl.)

pariśrānte vidīrṇe ca bhuñjāne cāpi śatrubhiḥ; prasthāne ca praveśe ca prahartavyaṃ ripor balam

„Den Feind soll man in seiner Streitmacht angreifen, wenn sie erschöpft ist und wenn sie zersprengt ist, und auch wenn sie mit den Feinden speist, beim Aufbruch und beim Einrücken.“

Wort für Wort
pariśrānte vidīrṇe ca
wenn erschöpft und wenn zersprengt (Lok. n.)
bhuñjāne cāpi śatrubhiḥ
und auch wenn essend, von den Feinden (Lok.; Instr.)
prasthāne ca praveśe ca
beim Aufbruch und beim Einzug (Lok.)
prahartavyaṃ ripor balam
ist anzugreifen des Feindes Heer (Gerundiv; Gen.; Nom.)

bhuñjāne cāpi śatrubhiḥ ist knapp und leicht mehrdeutig; Wiedergabe mit Anm.-Vorbehalt: „wenn sie gerade isst“ [?]

nidrārtam ardharātre ca tathā naṣṭapraṇāyakam; bhinnayodhaṃ balaṃ yac ca dvidhā yuktaṃ ca yad bhavet

„Wenn es vom Schlaf bedrückt ist, um Mitternacht, ebenso wenn der Führer verloren ist, wenn das Heer zerrissene Krieger hat und was zweigeteilt aufgestellt ist.“

Wort für Wort
nidrārtam ardharātre ca
von Schlaf geplagt und um Mitternacht (Akk.; Lok.)
tathā naṣṭapraṇāyakam
ebenso mit verlorenem Anführer (Bahuvrīhi)
bhinnayodhaṃ balaṃ yac ca
ein Heer mit zersprengten Kriegern und welches (Bahuvrīhi; Rel.)
dvidhā yuktaṃ ca yad bhavet
und in zwei Teile gespalten ist (Part.; Opt.)

na śatrughāte vidvadbhir dharmo draṣṭavya ity uta; yena kena prakāreṇa ripuṃ hanyāt tad ācaret; na ca vadhyaḥ kadā cid dhi ripur nyāyam avekṣatā; yadi śakyo bhavet kaś cic chettum āmūlato ripuḥ; tatra yatnaḥ prakartavyas tasya siddhir bhaved yathā

„Beim Töten von Feinden hat man nach dem Dharma nicht zu schauen, so heißt es. Auf welche Weise auch immer soll man den Feind töten, so handle man. Und niemals darf ein Feind schonend nach dem Recht getötet [nicht getötet] werden, wenn einer auf das Recht achtet; wenn es möglich ist, den Feind mit der Wurzel auszureißen, dort soll man sich bemühen, damit es ihm gelinge.“

Wort für Wort
na śatrughāte vidvadbhir
nicht beim Feindtöten von den Kundigen (Lok.; Instr.Pl.)
dharmo draṣṭavya ity uta
der Dharma ist zu beachten, so heißt es (Gerundiv; Zitatpartikel)
yena kena prakāreṇa
auf welche Weise auch immer (Instr.)
ripuṃ hanyāt tad ācaret
den Feind soll man töten, das soll man tun (Opt.)
na ca vadhyaḥ kadā cid dhi
und nicht ist je zu töten [?] (Gerundiv; Adv.)
ripur nyāyam avekṣatā
der Feind, von dem, der das Recht beachtet (Nom.; Akk.; Instr.)
yadi śakyo bhavet kaś cic
wenn es möglich wäre irgendwie (Opt.)
chettum āmūlato ripuḥ
den Feind von der Wurzel her abzuschneiden (Inf.; Abl.-Adv.)
tatra yatnaḥ prakartavyas
dort ist Mühe aufzuwenden (Gerundiv)
tasya siddhir bhaved yathā
damit ihm Erfolg sei (Opt.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzpassage; Sinn im dritten Pāda („na ca vadhyaḥ kadā cid dhi ripur nyāyam avekṣatā“) unklar; wörtlich etwa: „niemals ist der Feind von einem, der auf das Recht achtet, nicht zu töten“ [?]. Der Schluss ist syntaktisch locker gebaut.

ity evaṃ niścayaṃ cakre suptānāṃ yudhi māraṇe; pāṇḍūnāṃ saha pāñcālair droṇaputraḥ pratāpavān

So fasste den Entschluss, die Schlafenden im Kampf zu töten, der Sohn des Droṇa, der Glanzvolle, [nämlich] die der Pāṇḍavas samt den Pāñcālas.

Wort für Wort
ity evaṃ niścayaṃ cakre
so fasste er den Entschluss (Akk.; 3.Sg.Perf.)
suptānāṃ yudhi māraṇe
über das Töten der Schlafenden im Kampf (Gen.; Lok.)
pāṇḍūnāṃ saha pāñcālair
der Pāṇḍavas mit den Pāñcālas (Gen.; Instr.)
droṇaputraḥ pratāpavān
der Droṇa-Sohn, der Glühende (Nom.)

tau prabuddhau mahātmānau kṛpabhojau mahābalau

Die beiden Erwachten, die hochgesinnten, mächtigen Kṛpa und Bhoja [Kṛtavarman].

Wort für Wort
tau prabuddhau mahātmānau
diese beiden Erwachten, Hochgesinnten (Nom.Du.)
kṛpabhojau mahābalau
Kṛpa und Bhoja, die Starken (Nom.Du.)

Zusatzpassage der kritischen Ausgabe (nur in einem Teil der Handschriften überliefert). Zusatzzeile; grammatisch ohne Verb, schließt an das Folgende an.

sa krūrāṃ matim āsthāya viniścitya muhur muhuḥ; suptau prābodhayat tau tu mātulaṃ bhojam eva ca

Er fasste einen grausamen Entschluss und, nach wiederholtem Überlegen zur Entscheidung gelangt, weckte er die beiden Schlafenden, seinen Onkel [Kṛpa] und den Bhoja [Kṛtavarman].

Wort für Wort
sa krūrāṃ matim āsthāya
er, einen grausamen Entschluss fassend (Abs.)
viniścitya muhur muhuḥ
entscheidend, immer wieder (Abs.; Adv.)
suptau prābodhayat tau tu
die beiden Schlafenden weckte er (Akk.Du.; 3.Sg.Impf. Kaus.)
mātulaṃ bhojam eva ca
den Onkel mütterlicherseits und Bhoja (Akk.)

nottaraṃ pratipede ca tatra yuktaṃ hriyā vṛtaḥ; sa muhūrtam iva dhyātvā bāṣpavihvalam abravīt

Und die beiden erwiderten dort nichts Passendes, von Scham erfüllt; er aber, nachdem er einen Augenblick gleichsam nachgesonnen hatte, sprach, von Tränen überwältigt.

Wort für Wort
nottaraṃ pratipede ca
und sie gaben keine Antwort (3.Sg.Perf.Med.)
tatra yuktaṃ hriyā vṛtaḥ
dort Passendes, von Scham erfasst (Akk.; Part.Pass.)
sa muhūrtam iva dhyātvā
er, einen Augenblick gleichsam sinnend (Abs.)
bāṣpavihvalam abravīt
sprach tränenüberwältigt (3.Sg.Impf.)

hato duryodhano rājā ekavīro mahābalaḥ; yasyārthe vairam asmābhir āsaktaṃ pāṇḍavaiḥ saha

„Erschlagen ist König Duryodhana, der einzige Held, der Starke, um dessentwillen wir mit den Pāṇḍavas in Feindschaft verstrickt sind.“

Wort für Wort
hato duryodhano rājā
erschlagen ist König Duryodhana (Part.Pass.; Nom.)
ekavīro mahābalaḥ
der einzige Held, der sehr Starke (Nom.)
yasyārthe vairam asmābhir
um dessentwillen die Feindschaft von uns (Gen.; Nom.; Instr.)
āsaktaṃ pāṇḍavaiḥ saha
ist eingegangen mit den Pāṇḍavas (Part.Pass.)

ekākī bahubhiḥ kṣudrair āhave śuddhavikramaḥ; pātito bhīmasenena ekādaśacamūpatiḥ

„Allein von vielen Niedrigen im Kampf, er, dessen Tapferkeit lauter war, wurde er niedergestreckt von Bhīmasena, er, der Herr über elf Heere.“

Wort für Wort
ekākī bahubhiḥ kṣudrair
allein, von vielen Niedrigen (Nom.; Instr.Pl.)
āhave śuddhavikramaḥ
im Kampf, von lauterer Tapferkeit (Lok.; Bahuvrīhi)
pātito bhīmasenena
niedergestreckt von Bhīmasena (Part.Pass.Kaus.; Instr.)
ekādaśacamūpatiḥ
der Herr von elf Heeren (Nom.)

vṛkodareṇa kṣudreṇa sunṛśaṃsam idaṃ kṛtam; mūrdhābhiṣiktasya śiraḥ pādena parimṛdnatā

„Der niedrige Vṛkodara [Bhīma] hat dies sehr Grausame getan, indem er mit dem Fuß den Kopf des Gesalbten [Königs] zertrat.“

Wort für Wort
vṛkodareṇa kṣudreṇa
vom Wolfsbauch, dem Niedrigen (Instr.)
sunṛśaṃsam idaṃ kṛtam
sehr grausam, dies wurde getan (Nom.; Part.Pass.)
mūrdhābhiṣiktasya śiraḥ
des zum König Gesalbten Haupt (Gen.; Akk.)
pādena parimṛdnatā
mit dem Fuß, der ihn zertrat (Instr.; Part.Präs.)

vinardanti sma pāñcālāḥ kṣveḍanti ca hasanti ca; dhamanti śaṅkhāñ śataśo hṛṣṭā ghnanti ca dundubhīn

„Die Pāñcālas brüllen, sie kreischen und lachen; hunderte Muscheln blasen sie, froh, und schlagen die Pauken.“

Wort für Wort
vinardanti sma pāñcālāḥ
es brüllen die Pāñcālas (3.Pl.Präs. mit sma)
kṣveḍanti ca hasanti ca
und sie kreischen und lachen
dhamanti śaṅkhāñ śataśo
sie blasen Muscheln zu hunderten (Akk.Pl.; Adv.)
hṛṣṭā ghnanti ca dundubhīn
froh, und schlagen die Pauken (Nom.Pl.; Akk.Pl.)

vāditraghoṣas tumulo vimiśraḥ śaṅkhanisvanaiḥ; anilenerito ghoro diśaḥ pūrayatīva hi

„Das Getöse der Instrumente, wild, mit dem Schall der Muscheln vermischt, vom Wind getragen, erfüllt furchtbar gleichsam die Himmelsrichtungen.“

Wort für Wort
vāditraghoṣas tumulo
das Tönen der Instrumente, tosend (Nom.)
vimiśraḥ śaṅkhanisvanaiḥ
vermischt mit den Muschelklängen (Part.Pass.; Instr.Pl.)
anilenerito ghoro
vom Wind bewegt, furchtbar (Instr.; Part.Pass.)
diśaḥ pūrayatīva hi
erfüllt gleichsam die Himmelsrichtungen (3.Sg.Präs.Kaus.; Akk.Pl.)

aśvānāṃ heṣamāṇānāṃ gajānāṃ caiva bṛṃhatām; siṃhanādaś ca śūrāṇāṃ śrūyate sumahān ayam

„Von wiehernden Pferden und ebenso von trompetenden Elefanten und das Löwengebrüll der Helden, sehr gewaltig, hört man dies.“

Wort für Wort
aśvānāṃ heṣamāṇānāṃ
der wiehernden Pferde (Gen.Pl.)
gajānāṃ caiva bṛṃhatām
und der trompetenden Elefanten (Gen.Pl.; Part.Präs.)
siṃhanādaś ca śūrāṇāṃ
und das Löwengebrüll der Helden (Nom.; Gen.Pl.)
śrūyate sumahān ayam
wird gehört, sehr gewaltig, dieses (3.Sg.Präs.Pass.)

diśaṃ prācīṃ samāśritya hṛṣṭānāṃ garjatāṃ bhṛśam; rathanemisvanāś caiva śrūyante lomaharṣaṇāḥ

„Nach der östlichen Himmelsrichtung hin gewandt, von den Frohen, heftig Brüllenden, und das Rollen der Wagenräder wird gehört, haarsträubend.“

Wort für Wort
diśaṃ prācīṃ samāśritya
nach der östlichen Richtung gewandt (Abs.; Akk.)
hṛṣṭānāṃ garjatāṃ bhṛśam
von den Frohen, die heftig brüllen (Gen.Pl.; Part.Präs.)
rathanemisvanāś caiva
und das Rollen der Wagenfelgen (Nom.Pl.)
śrūyante lomaharṣaṇāḥ
werden gehört, haarsträubend (3.Pl.Präs.Pass.; Nom.Pl.)

pāṇḍavair dhārtarāṣṭrāṇāṃ yad idaṃ kadanaṃ kṛtam; vayam eva trayaḥ śiṣṭās tasmin mahati vaiśase

„Dieses Gemetzel, das die Pāṇḍavas an den Dhārtarāṣṭras angerichtet haben, in diesem großen Untergang sind allein wir drei übrig geblieben.“

Wort für Wort
pāṇḍavair dhārtarāṣṭrāṇāṃ
von den Pāṇḍavas an den Dhārtarāṣṭras (Instr.; Gen.Pl.)
yad idaṃ kadanaṃ kṛtam
dieses Gemetzel, das getan wurde (Nom.; Part.Pass.)
vayam eva trayaḥ śiṣṭās
nur wir drei sind übrig (Nom.; Part.Pass.)
tasmin mahati vaiśase
in diesem großen Verderben (Lok.)

ke cin nāgaśataprāṇāḥ ke cit sarvāstrakovidāḥ; nihatāḥ pāṇḍaveyaiḥ sma manye kālasya paryayam

„Manche, die die Kraft von hundert Elefanten hatten, manche, die alle Waffen kannten, wurden von den Pāṇḍava-Söhnen erschlagen; ich halte dies für die Wendung der Zeit.“

Wort für Wort
ke cin nāgaśataprāṇāḥ
manche mit der Kraft von hundert Elefanten (Nom.Pl.)
ke cit sarvāstrakovidāḥ
manche in allen Waffen kundig (Nom.Pl.)
nihatāḥ pāṇḍaveyaiḥ sma
wurden erschlagen von den Pāṇḍavas (Part.Pass.; Instr.)
manye kālasya paryayam
ich halte für den Umschwung der Zeit (1.Sg.Präs.Med.; Akk.)

evam etena bhāvyaṃ hi nūnaṃ kāryeṇa tattvataḥ; yathā hy asyedṛśī niṣṭhā kṛte kārye 'pi duṣkare

„So wird es gewiss der Sache nach mit diesem [Geschehen] sein müssen; denn wie dies hier so ausgeht, obwohl die Aufgabe getan, auch wenn sie schwer war.“

Wort für Wort
evam etena bhāvyaṃ hi
so muss es mit diesem sein (Gerundiv)
nūnaṃ kāryeṇa tattvataḥ
gewiss durch die Aufgabe, in Wahrheit (Instr.; Adv.)
yathā hy asyedṛśī niṣṭhā
wie nämlich dessen derartiger Ausgang (Nom.)
kṛte kārye 'pi duṣkare
wenn die Aufgabe getan, auch wenn schwer (Lok.abs.)

Der Vers ist knapp und syntaktisch schwierig; Sinn: Was geschehen ist, muss einen Grund haben, da selbst das Schwere so ausgeht [?].

bhavatos tu yadi prajñā na mohād apacīyate; vyāpanne 'smin mahaty arthe yan naḥ śreyas tad ucyatām

„Wenn aber euer beider Verstand nicht aus Verblendung schwindet, so sagt uns, was in dieser gescheiterten großen Sache das Bessere für uns ist.“

Wort für Wort
bhavatos tu yadi prajñā
wenn aber eure beiden Einsicht (Gen.Du.; Nom.)
na mohād apacīyate
nicht aus Verblendung schwindet (Abl.; 3.Sg.Präs.Pass.)
vyāpanne 'smin mahaty arthe
in dieser gescheiterten großen Angelegenheit (Lok.abs.)
yan naḥ śreyas tad ucyatām
was für uns besser ist, das werde gesagt (Rel.; Imp.Pass.)

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