Quellen der Menschheit

Prakāśa-Saṃhitā

Paṭala 10: Daśamo 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ) Zehnter Adhyāya – Die vierzehnfache große Hierarchie (Anteil, Wonne, Kraft, Erkenntnis, Ort, Zeit, unmittelbare Schau) aller Wesen bis hinauf zu Brahmās einzigartiger Vāsudeva-Schau

Zehnter Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā (Pāñcarātra), gelehrt von Śrī Haṃsa – der umfangreichste Adhyāya des gesamten Werks (142 Verse). Entfaltet eine 'vierzehnfache große Hierarchie' (caturdaśamahātāratamya), die praktisch alle Aspekte des kosmischen Systems durchmisst: die Anteils-Hierarchie (aṃśa) der Wesen; die Wonne-Hierarchie in der Befreiung; die Kraft-Hierarchie (illustriert am Bild des erdentragenden Śeṣa und der ihn tragenden Wind-Schildkröte); die Erkenntnis-Hierarchie (mit der zentralen erkenntnistheoretischen Aussage, dass selbst die höchsten geschaffenen Wesen Viṣṇus Eigenschaften nur in verschwindendem Ausschnitt erfassen, sowie einer Klassifikation der Erkenntnismittel: Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Überlieferung); die Kalā-Hierarchie (Zuordnung der sechzehn Feinstglieder zu den fünf Elementen); die Geburts- und Heilsweg-Hierarchie (Karma-/Jñāna-/Vijñāna-Yogins mit unterschiedlichen Geburtenzahlen bis zur Befreiung); den umfangreichen, im Detail sehr unsicheren Bevölkerungs- und Zeitmaß-Katalog verschiedener himmlischer Wesensklassen; und schließlich die berühmte, sehr detaillierte Maß- und Glanz-Hierarchie der unmittelbaren Hari-Schau (vom Gerstenkorn-Maß für die niedersten Wesen bis zur einzigartigen Vāsudeva-Hüllen-Schau, die allein Brahmā zuteilwird), zusammengefasst im abschließenden Grundsatz der 'Glanz-Hierarchie' (prakāśa-tāratamya): jedes Wesen erfasst nur einen seiner Stufe gemäßen Bruchteil von Haris Glanz. Wegen der außergewöhnlichen Dichte an Zahlwort-Komposita, technischen Termini und teils mehrdeutigen Textstellen gehört dieser Adhyāya zu den am stärksten mit [?]/[Anm.] markierten Kapiteln des bisherigen Werks; die Übersetzung folgt durchgehend der plausibelsten Lesart, ohne falsche Scheingenauigkeit zu suggerieren. Quelle: GRETIL prakassu.htm (Sansknet-Projekt, keine benannte moderne kritische Edition – gemeinfrei nutzbar).

sarvatra bhāviḥṛjavo viṣṇorvāyorbhavanti hi / aṇḍāntarbahisthā vā nānairjanma labhanti te // PS_1,10.1 // vyāmohāyāsurāṇāntu anyajā iva bhānti te / brahmāparokṣiṇaḥsarve rudrādyāḥ bhāvitātvikāḥ // PS_1,10.2 // ahaṅkāreśvarairvāyujātairjatā bhavanti hi / uttamaiḥsarvanīcānāṃ sṛṣṭiraṅgerdhadeśataḥ // PS_1,10.3 // evaṃ kramātsṛṣṭiruktā vyutkrameṇa layaḥ smṛtaḥ / aṇḍordhvadeśatatveśā atra pūrvoktarītitaḥ // PS_1,10.4 //

Überall werden die künftigen 'Geraden' (ṛju) [Nachkommen] Viṣṇus oder Vāyus; innerhalb oder außerhalb des Welteneis erlangen sie auf verschiedene Weise die Geburt. Zur Verwirrung der Asuras erscheinen sie [den Asuras] gleichsam als anderswoher geboren; alle unmittelbaren Schauer Brahmās – Rudra u.a. – gelten als 'wahrhaftig gewordene' (bhāvitātvika) [Wesen]. Durch die Ahaṅkāra-Herren, von Vāyu geboren, entstehen [weitere Wesen]; die Schöpfung aller Niederen [erfolgt] von den Höchsten her, vom oberen Bereich [ausgehend]. So wird die Schöpfung als der Reihe nach [von oben nach unten fortschreitend] gelehrt, die Auflösung dagegen in umgekehrter Reihenfolge; die Prinzipien-Herren des oberhalb des Welteneis gelegenen Bereichs [verhalten sich] hierbei nach der zuvor genannten Regel.

Wort für Wort
sarvatra bhāviḥ ṛjavaḥ viṣṇoḥ vāyoḥ bhavanti
überall werden die künftigen 'Geraden' Viṣṇus oder Vāyus
vyāmohāya asurāṇāṃ ... anyajāḥ iva bhānti
zur Verwirrung der Asuras ... erscheinen sie wie anderswoher geboren
sṛṣṭiḥ uttamaiḥ ... ūrdhvadeśataḥ
die Schöpfung [geht] von den Höchsten ... vom oberen Bereich [aus]
kramāt sṛṣṭiḥ, vyutkrameṇa layaḥ
der Reihe nach die Schöpfung, in umgekehrter Reihenfolge die Auflösung

Einleitender Grundsatz des Adhyāya: Schöpfung verläuft top-down (von den höchsten zu den niedersten Wesen), Auflösung in umgekehrter Richtung – Rahmen für die im Folgenden entfaltete umfassende Hierarchielehre (tāratamya).

suprārabdhā bahuvidhā doṣasambandhavarjitāḥ / ye ye yathā yathā jātāḥ sṛṣṭikāle bhavanti hi // PS_1,10.5 // guṇasṛṣṭyuttaraṃ jātāḥ sarvesthūlaśarīriṇaḥ / aṃśānandabalajñānadeśakālāparokṣakāḥ // PS_1,10.6 // layasṛṣṭipadāveśa guṇalakṣaṇakāntayaḥ / evaṃ caturdaśamahātāratamyāḥ prakīrtitāḥ // PS_1,10.7 // vedeṣu deśakāleṣu liṅgadeheṣu cākṣare / prakṛtau sarvajīvānāṃ mahattatvaguṇatraye // PS_1,10.8 //

Vielfältig 'wohlbegonnen' (suprārabdha), frei von jeder Fehlerverbindung, entstehen alle Wesen, jedes auf seine Weise, zur Zeit der Schöpfung. Nach der Guṇa-Schöpfung geboren, [sind] alle mit grobem Körper versehen, [unterschieden] nach Anteil (aṃśa), Wonne, Kraft, Erkenntnis, Ort, Zeit und Grad der unmittelbaren Schau. [Auch nach] Auflösungs- und Schöpfungs-Zustand, Guṇa-Merkmal und Glanz – so wird eine vierzehnfache große Hierarchie (caturdaśa-mahātāratamya) verkündet: in den Veden, in Ort und Zeit, in den Feinkörpern, im Unvergänglichen (akṣara), in der Prakṛti, bei allen Seelen, und in der Guṇa-Dreiheit des Mahat-Prinzips.

Wort für Wort
suprārabdhāḥ ... doṣasambandhavarjitāḥ
'wohlbegonnen' ... frei von Fehlerverbindung
aṃśānandabalajñānadeśakālāparokṣakāḥ
[unterschieden] nach Anteil, Wonne, Kraft, Erkenntnis, Ort, Zeit, unmittelbarer Schau
caturdaśamahātāratamyāḥ prakīrtitāḥ
eine vierzehnfache große Hierarchie wird verkündet
vedeṣu deśakāleṣu liṅgadeheṣu cākṣare prakṛtau ... guṇatraye
in Veden, Ort/Zeit, Feinkörpern, Akṣara, Prakṛti ... Guṇa-Dreiheit

Programmatische Ankündigung einer 'vierzehnfachen großen Hierarchie' (caturdaśamahātāratamya), die den gesamten, sehr umfangreichen Rest dieses Adhyāya strukturiert; die genaue Abgrenzung der vierzehn Kategorien bleibt im Quelltext implizit.

aṃśā ṛjūnāṃ santyeva vipādyaṃśā na teṣu hi / ahaṅkāre vipādyaṃśā na tatrendrādikāṃśakāḥ // PS_1,10.9 // nīcanīcāmaramano dehādiṣu surottamāḥ / vasantyaṃśairnanīcāstu svottameṣu viśanti hi // PS_1,10.10 // aṇḍādantarbahistvevamaṃśotthā tāratamyadhīḥ / vidheḥ sarvāṅgasāyujyaṃ vāṇyāḥ vācimanasyapi // PS_1,10.11 // svotpatyaṅgeṣu devānāṃ sāyujyaṃ diśatīśvaraḥ / uttamānāṃ mahānandā nīcanīceṣu saṅgatāḥ // PS_1,10.12 // śatāṃśādavarā nīcānandāduttamagāmi tat / śatāṃśāduttamā muktau śvetadvīpādiṣu sphuṭam // PS_1,10.13 //

Anteile (aṃśa) besitzen [nur] die 'Geraden'; Vipa und dergleichen haben keine Anteile [in diesem Sinn]; im Ahaṅkāra-Prinzip gibt es keine Vipa-Anteile, auch keine Indra-u.a.-Anteile dort. Die untersten der niederen Götter wohnen mit Anteilen in den Körpern der Unsterblichen-Denksinne u.dgl.; die Nicht-Niederen aber gehen in ihre je eigenen höchsten [Bereiche] ein. So [ergibt sich], innerhalb wie außerhalb des Welteneis, eine aus den Anteilen entspringende Hierarchie-Erkenntnis; Vidhis (Brahmās) Vereinigung mit allen [seinen eigenen] Gliedern [betrifft] auch Rede und Denksinn. In den [je] eigenen Entstehungs-Gliedern gewährt der Herr den Göttern Vereinigung (sāyujya); den Höchsten [gewährt er] große Wonne, den untersten der Niederen [nur geringe,] verbundene [Wonne]. Was um ein Hundertstel geringer ist als die niedere Wonne, geht auf die höhere über; was um ein Hundertstel höher ist, [gehört] zur höchsten [Wonne] in der Befreiung, klar [sichtbar] etwa auf der Śvetadvīpa.

Wort für Wort
aṃśāḥ ṛjūnāṃ santi, vipādyaṃśāḥ na teṣu
Anteile besitzen die Geraden, Vipa u.a. haben keine [solchen] Anteile
nīcanīcāḥ ... aṃśaiḥ vasanti, nanīcāḥ svottameṣu viśanti
die untersten Niederen wohnen mit Anteilen, die Nicht-Niederen gehen in ihre Höchstbereiche ein
īśvaraḥ ... sāyujyaṃ diśati; uttamānāṃ mahānandā
der Herr gewährt Vereinigung; den Höchsten große Wonne
śatāṃśāt avarā ... uttamā muktau śvetadvīpādiṣu
um ein Hundertstel geringer/höher ... die höchste in der Befreiung, etwa auf Śvetadvīpa

Dichte Passage zur 'Anteils'-Hierarchie (aṃśa); die genaue Bruchteilsrechnung (Hundertstel-Stufen der Wonne) bleibt unsicher, entspricht aber dem Grundmuster einer abgestuften, quantifizierten Seligkeitshierarchie, wie sie auch in Adhyāya 9 für Guṇa-Atome begegnete.

triṣu sthāneṣu śrībhāge cinmātrānandamūrjitam / bhūdurgābhāgayoḥ prāptavyānanda(daṃ śuddha) sātvikaiḥ // PS_1,10.14 // dehairbhogocitānanta śuddhasātvikavastubhiḥ / bhūdurgābhyāṃ kalpitaistairbhagavān bhaktasantateḥ // PS_1,10.15 // uttamānāṃ sa bahulaṃ nīcānāmalpameva ca / tattadyogya nijānandaṃ dadāti puruṣaḥ svarāṭ // PS_1,10.16 // muktau svottama bhogyoru mudapekṣālpikasya tu / na vidyate hi svānandapūrṇasya na punarjaniḥ // PS_1,10.17 // duḥkhājñānānādikaṃ bhūyo bhagnaliṅgasya neṣyate / śataśabdo daśasahasraparaṃ prāptaṃ vadanti hi // PS_1,10.18 //

An drei Stellen, im Anteil Śrīs, [herrscht] mächtige, reine Bewusstseins-Wonne; in den Anteilen Bhūs und Durgās [wird] von den Sattvikas eine [ihnen] erreichbare, reine Wonne [erlangt]. Mit endlosen, zum Genuss geeigneten Körpern aus reiner sattvischer Substanz, von Bhū und Durgā [den Seelen] bereitet, [beschenkt] der Herrgott die Schar seiner Hingebenden: den Höchsten reichlich, den Niederen nur wenig – jedem die ihm gemäße eigene Wonne gewährt der Puruṣa, der Selbstherrscher. In der Befreiung gibt es für den, der die überreiche Genussfülle der Höchsten [erlangt hat], keine Erwartung [nach] geringerer Freude [mehr]; für den, der von eigener Wonne erfüllt ist, gibt es keine Wiedergeburt. Leid, Unwissen und dergleichen Anfangloses wird für den, dessen Feinkörper zerbrochen ist, nie wieder erwartet; das Wort 'hundert' bezeichnet, so sagt man, ein Erreichtes bis hinauf zu zehntausend [?].

Wort für Wort
śrībhāge cinmātrānandam ūrjitam
im Anteil Śrīs mächtige Bewusstseins-Wonne
bhūdurgābhyāṃ kalpitaiḥ dehaiḥ ... bhagavān bhaktasantateḥ dadāti
mit von Bhū/Durgā bereiteten Körpern ... schenkt der Herrgott seinen Hingebenden
uttamānāṃ bahulam, nīcānām alpam
den Höchsten reichlich, den Niederen wenig
svānandapūrṇasya na punarjaniḥ
für den von eigener Wonne Erfüllten keine Wiedergeburt

Der Ausdruck 'śataśabdo daśasahasraparaṃ' (V.18) bleibt unklar; möglicherweise eine Konvention, wonach 'hundert' in bestimmten Zählkontexten dieses Textes bis zu 'zehntausend' bezeichnen kann – dies würde die im weiteren Verlauf des Adhyāya genannten großen Zahlenangaben relativieren, ist aber nicht sicher zu bestätigen.

uttamānāṃ balaṃ bhūrinīcānāmalpameva tu / garbhodakāgataḥ śeṣaḥ mūrdhnaikenākhilaṃ bhuvam // PS_1,10.19 // sa dvīpābdhisaricchailāṃ dhatte sarṣapavatsadā / taṃ vai śeṣaṃ sahasrāsyaṃ vāyukūrmo mahābalaḥ // PS_1,10.20 // dhatte pucchāgrataḥ śakrapūrvāḥ śeṣādbalāvarāḥ / bahavo gomahiṣyādyā eka kuñjara bhojane // PS_1,10.21 // yāvattāvatkūrmahastitopyete hi koṭiśaḥ / militā api nāgena yoddhumarhati na kvacitu // PS_1,10.22 // tathottamasurairnīcasurāḥ koṭisahasraśaḥ / militāḥ prathaneneśāḥ kimumartyāstu rākṣasāḥ // PS_1,10.23 // ato balena sarveṣāṃ tāratamyaṃ vivecitam / anālocyānantakalpeṣvaṇḍāntarbahirāsthitam // PS_1,10.24 //

Der Höchsten Kraft ist gewaltig, der Niederen nur gering: Śeṣa, im Wasser des [kosmischen] Mutterleibs befindlich, trägt mit einem einzigen Scheitel die gesamte Erde. Er trägt beständig die Kontinente, Ozeane, Flüsse und Berge wie ein Senfkorn; jenen tausendköpfigen Śeṣa wiederum trägt die mächtige Wind-Schildkröte (Vāyu-Kūrma) an der Schwanzspitze. Indra und die übrigen [Götter], an Kraft geringer als Śeṣa, [sind zahlreich] wie [im Vergleich] viele Kühe, Büffel u.dgl. gegenüber einem einzigen Elefanten an Fresskraft. So viele Elefanten es auch geben mag, selbst zu Millionen vereint, sind sie nicht imstande, gegen die [Welten-]Schlange (Śeṣa) zu kämpfen. Ebenso sind, im Vergleich mit den höchsten Göttern, die niederen Götter, selbst zu Tausenden von Millionen vereint, im Kampf unterlegen – wie viel mehr erst die Sterblichen und die Rākṣasas! Daraus ist die Kraft-Hierarchie aller [Wesen] erschlossen worden, ohne Rücksicht auf die endlosen Kalpas, [gültig] sowohl innerhalb wie außerhalb des Welteneis.

Wort für Wort
śeṣaḥ mūrdhnaikena akhilaṃ bhuvam dhatte
Śeṣa trägt mit einem Scheitel die gesamte Erde
vāyukūrmaḥ mahābalaḥ taṃ śeṣaṃ pucchāgrataḥ dhatte
die mächtige Wind-Schildkröte trägt jenen Śeṣa an der Schwanzspitze
koṭiśaḥ militāḥ api nāgena yoddhum na arhanti
selbst zu Millionen vereint vermögen sie nicht gegen die Schlange zu kämpfen
balena sarveṣāṃ tāratamyaṃ vivecitam
aus der Kraft [-Differenz] wurde die Hierarchie aller [Wesen] erschlossen

Das kosmologische Bild von Śeṣa als Erdenträger und der Wind-Schildkröte als dessen Träger ist ein bekannter purāṇischer Topos (vgl. bereits Adhyāya 3); hier dient es als Gleichnis für eine allgemeine Kraft-Hierarchie der Wesen.

atītaṃ vartamānaṃ cānāgataṃ vastu sañcayam / sadā karatalāmalakavadvetti viṣṇvanugrahāt // PS_1,10.25 // anādi nityānadhikān nirviśeṣādanantarān / sopi nārāyaṇaguṇānālocyāpyatikālataḥ // PS_1,10.26 // anantakalyāṇaguṇapūrṇasyānantabhāgataḥ / vibhaktānantabhāgaikabhāga jñaptau na hi kṣamaḥ // PS_1,10.27 // vineśvaraguṇajñānejñānam ṛjugaṇasya hi / atītānāgatajagadviṣayīkaraṇe kṣamam // PS_1,10.28 // ālocya vaiṣṇavajñānepyadhikaṃ sarvajīvataḥ / vipaśeṣādikajñānaṃ sarvadālocanādapi // PS_1,10.29 // svottamairbhinnajagataḥ viṣayīkaraṇe kṣamam / na bhavedekadeśena jānantyete na cānyathā // PS_1,10.30 //

[Manch ein 'Gerader' – vermutlich Brahmā, s.u.] kennt, durch Viṣṇus Gnade, stets die Gesamtheit der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dinge wie eine Amalaka-Frucht auf der flachen Hand. Doch selbst er, obwohl er Nārāyaṇas anfanglose, ewige, unübertroffene, unterschiedslos endlose Eigenschaften betrachtet, [vermag dies] selbst über unermessliche Zeit hinweg [nicht vollständig zu erfassen]. Von dem an endlosen heilvollen Eigenschaften Erfüllten [lässt sich], selbst nach endlosem Erwägen, [nur] ein einziger Teilanteil eines unter endlos vielen Teilen erkennen – [zu mehr] ist [selbst er] nicht imstande. Ohne die Erkenntnis der Herren-Eigenschaften [Viṣṇus] ist die Erkenntnis der Schar der 'Geraden' [dennoch] imstande, die vergangene und zukünftige Welt zu ihrem Gegenstand zu machen. Nach [gründlichem] Erwägen [zeigt sich]: über das vaiṣṇavische Wissen hinaus [besitzen] Vipa, Śeṣa und die übrigen ein Wissen, das jenes aller [anderen] Seelen übertrifft, selbst wenn [alle] es beständig erwägen. Doch auch sie, obwohl sie an ihren je eigenen Höchst-[Bereichen ausgerichtet sind], vermögen die von ihnen verschiedene Welt nicht vollständig zu ihrem Gegenstand zu machen – nicht einmal teilweise erkennen sie [alles], und auch sonst nicht.

Wort für Wort
atītaṃ vartamānaṃ anāgataṃ ... karatalāmalakavat vetti
Vergangenes, Gegenwärtiges, Zukünftiges ... erkennt er wie eine Amalaka-Frucht auf der Hand
anantakalyāṇaguṇapūrṇasya ... eka bhāga jñaptau na kṣamaḥ
vom endlos-eigenschaftsvollen [Viṣṇu] ... nur ein Teilanteil erfassbar
vipaśeṣādikajñānaṃ sarvajīvataḥ adhikam
das Wissen Vipas/Śeṣas u.a. übertrifft das aller [anderen] Seelen
svottamaiḥ bhinnajagataḥ viṣayīkaraṇe na kṣamam
auch sie vermögen die von ihnen verschiedene Welt nicht [vollständig] zu erfassen

Zentrale erkenntnistheoretische Aussage: selbst die höchsten geschaffenen Wesen (vermutlich Brahmā, dann Vipa/Śeṣa) erfassen Viṣṇus Eigenschaften und die gesamte Welt nur in verschwindend kleinem Ausschnitt – eine Art apophatischer Grenzsatz innerhalb der ansonsten sehr detailfreudigen Hierarchielehre dieses Adhyāya.

jaḍañcācetanaṃ vāpi śivādyāḥ puṣkarāntimāḥ / liṅgabaddhāḥ padasthāśca bhāvinaścāparokṣiṇaḥ // PS_1,10.31 // aṇḍāntare bahiścāpi tātvikā bahurūpataḥ / sthitā api na jānanti sākalyena jagadgatam // PS_1,10.32 // anādisarvajīvānāṃ jñānaṃ tadvividhaṃ matam / svārūpikaṃ ca bāhyañca nityaṃ svārūpikaṃ matam // PS_1,10.33 // ajanyaṃ śāśvataṃ viṣṇoḥ bandhasya vaśagaṃ sadā / jīvaṅgeśādhīnamāyāvaśagaṃ kramayogataḥ // PS_1,10.34 // sādhanena vyañjyamānamāmuktyantaṃ tataḥ param / ekaprakāramajñānaṃ rahitaṃ svottamāśritāt // PS_1,10.35 // jñānācchataguṇanyūnarm iśvare vā jagatyalam / anantavedoktaguṇān viṣṇerjānāti padmabhūḥ // PS_1,10.36 // padastho vā vimukto vā tadanye tadguṇasthitāḥ / krameṇaiva śataṃnyūnajñānaṃ viṣṇorupāsakāḥ // PS_1,10.37 //

Ob träge/stofflich oder bewusstlos [sei die Frage dahingestellt] – Śiva und die übrigen bis hin zu den 'Puṣkara-Endenden' [Wesen], an den Feinkörper Gebundene, in [ihrer jeweiligen] Stellung Befindliche, künftige [Wesen] und unmittelbare Schauer, innerhalb wie außerhalb des Welteneis, die 'Wahrhaftigen' in ihren vielfältigen Formen befindlich – sie alle kennen die Welt nicht in ihrer Gesamtheit. Das Wissen aller anfanglosen Seelen gilt als zweifach: als dem wahren Wesen zugehörig (svārūpika) und als äußerlich (bāhya); das dem wahren Wesen zugehörige [Wissen] gilt als ewig, ungeboren, unvergänglich, [aber dennoch] stets der Bindung Viṣṇus unterworfen – abhängig vom Seelen-Herrn, der Māyā unterworfen, der Reihenfolge [der Weltzustände] entsprechend. Es wird, durch [entsprechende] Übung offenbar werdend, bis zur endgültigen Befreiung [entfaltet]; danach [erst ist es] von einer einzigen Art, frei von Unwissen, gestützt auf die je eigene Höchst-[Erkenntnis]. Um das Hundertfache geringer an Wissen als der Herr [Viṣṇu] hinsichtlich der [ganzen] Welt kennt Padmabhū (Brahmā) die im Veda gelehrten endlosen Eigenschaften Viṣṇus. Ob in [seiner himmlischen] Stellung befindlich oder befreit – die anderen [Wesen], in dessen [Brahmās] Eigenschaftsbereich stehend, sind der Reihe nach Verehrer Viṣṇus mit [je weiter] um ein Hundertstel geringerem Wissen.

Wort für Wort
śivādyāḥ puṣkarāntimāḥ ... na jānanti sākalyena jagadgatam
Śiva u.a. bis zu den Puṣkara-Endenden ... kennen die Welt nicht in ihrer Gesamtheit
jñānaṃ ... svārūpikaṃ ca bāhyaṃ ca
das Wissen ... [ist] wesenhaft und äußerlich [zweigeteilt]
svārūpikaṃ ... nityaṃ ... viṣṇoḥ bandhasya vaśagam
das wesenhafte [Wissen] ... ewig ... [dennoch] Viṣṇus Bindung unterworfen
padmabhūḥ jñānāt śataguṇanyūnam ... viṣṇoḥ guṇān jānāti
Brahmā kennt, um das Hundertfache geringer an Wissen, Viṣṇus Eigenschaften
tadanye ... krameṇa śataṃnyūnajñānam
die anderen ... der Reihe nach je um ein Hundertstel geringeres Wissen

Grundlegende erkenntnistheoretische Zweiteilung (svārūpika/bāhya-jñāna) und Einführung der hundertfachen Wissens-Abstufung (śataguṇanyūna), die die anschließende, sehr lange Hierarchie-Kette (Brahmā→...→Puṣkara) strukturiert.

prākṛtoprākṛtaśarīrāśritasya ṛjoḥsadā / manasyanityaṃ yajjanyaṃ punaḥ punarapi sphuṭam // PS_1,10.38 // tadbāhyevṛttirupaṃ ca yathārthaṃ sarvadāpi ca / teṣāṃ pañcavidhajñānaṃ kvacideva na sarvadā // PS_1,10.39 // daityāveśādi śūnyāste sadā durviṣayojjhitāḥ / sākṣīndriyaiḥ sahāpyetalliṅgasūkṣmendriyāvṛtaiḥ // PS_1,10.40 // sthūlendriyaiḥ suviṣayāsaktaiḥ prātyakṣakī matiḥ / yadārthaiva tayā doṣaśūnyā sadyuktijā matiḥ // PS_1,10.41 // yuktijanyaṃ tu yajñānamānumānikamīritaḥ / pratyakṣamanumānañca āgamastasya sādhanam // PS_1,10.42 // yathārthaiva tathā vedaśāstrārthaśravaṇādapi / manojātaṃ svāgamajaṃ yathārthajñānameva hi // PS_1,10.43 //

Für den stets im materiellen wie im nicht-materiellen Körper wohnenden 'Geraden' [ergibt sich] beständig, im Denksinn immer wieder aufs Neue deutlich entstehend, [ein bestimmtes Wissen]. Dieses [äußert sich] äußerlich als Zustandsform, stets wahrheitsgemäß; ihr fünffaches Wissen [besteht jedoch] nur gelegentlich, nicht immer. Sie sind stets frei von Dämonen-Besessenheit u.dgl., den schlechten Erkenntnisgegenständen entzogen; zusammen mit den Zeugen-Sinnesorganen, die von den feinstofflichen Sinnesorganen des Feinkörpers umhüllt sind, [entsteht] mit den groben, an gute Gegenstände gebundenen Sinnesorganen die 'unmittelbare' (pratyakṣa) Erkenntnis, [und zwar] genau dem Gegenstand entsprechend; durch sie [entsteht], fehlerfrei, sogleich die aus Schlussfolgerung (yukti) entspringende Erkenntnis. Das durch Schlussfolgerung entstandene Wissen wird als 'inferentiell' (ānumānika) bezeichnet; Wahrnehmung und Schlussfolgerung [sowie] die Überlieferung (āgama) sind dessen [beider] Erkenntnismittel. Ebenso wahrheitsgemäß [entsteht], durch das Hören des Sinns von Veda und Lehrschrift, im Denksinn geborenes, aus [eigener] Überlieferung stammendes, wahrheitsgemäßes Wissen.

Wort für Wort
prākṛtoprākṛtaśarīrāśritasya ṛjoḥ ... manasi yajjanyam
für den im materiellen/nicht-materiellen Körper wohnenden Geraden ... im Denksinn entstehendes [Wissen]
pañcavidhajñānaṃ kvacideva na sarvadā
das fünffache Wissen [besteht] nur gelegentlich, nicht immer
sthūlendriyaiḥ ... prātyakṣakī matiḥ
durch die groben Sinnesorgane ... die unmittelbare Erkenntnis
yuktijanyaṃ jñānam ānumānikam ... pratyakṣam anumānaṃ āgamaḥ tasya sādhanam
das aus Schlussfolgerung entstandene Wissen ist inferentiell ... Wahrnehmung, Schlussfolgerung, Überlieferung sind dessen Mittel

Beginn einer erkenntnistheoretischen Klassifikation (fünffaches Wissen: unmittelbar/inferentiell/scriptural u.a.) für die 'Geraden'; die genaue Fünfteilung wird im Folgenden (V.44ff.) weiter ausgeführt.

deśādavaradeśetu kramāttatveṣu saṃśritāḥ / tatvavyāpārakāle tu svarūpocitaśaktayaḥ // PS_1,10.44 // yathāgamasamudbhūtaṃ trividhaṃ parikīrtitam / jñānaṃ manaḥsamudbhūtaṃ bāhyakāryamitīritam // PS_1,10.45 // yatpratyakṣānumānaṃ ca āgamastasya sādhanam / jīvaḥ pramātāviṣayā arthāste kāraṇāmatāḥ // PS_1,10.46 // rūdrādīnāntu yajjhānaṃ bāhyaṃ manasi sambhavam / pratyakṣādyaistrabhiḥ sadbhiḥ sādhanairapyanityakam // PS_1,10.47 // kvacidyathārthaṃ tajñānamayathārthaṃ kvacidbhavet / karmadevājānajādyāḥ devadāsāḥ kramāvarāḥ // PS_1,10.48 // devagandharvaparyantāḥ sāṃśāḥ sarve prakīrtitāḥ / niraṃśāste sadāmartyagandharvādyā stṛṇāntimāḥ // PS_1,10.49 // jīvā eṣāṃ svarūpantu jñanaṃ nityaṃ yathārthakam / uttamottamato nyūnam ayathārthādikaṃ kramāt // PS_1,10.50 // bāhyaṃ janyamanityaṃ ca yathārthaṃ prāyaśaḥ sadā / riśvare vā jagati vā kramādalpāvagāhi ca // PS_1,10.51 // iti jñāne tāratamyaṃ deveṣūccāvaceṣvalam / mahadgaṇatrayeṣvaṃśāḥ ṛjūnāṃ santi connate // PS_1,10.52 //

Von Ort zu niederem Ort, der Reihe nach, in den [jeweiligen] Prinzipien angesiedelt, [besitzen sie] zur Zeit der Prinzipien-Wirksamkeit ihrem Wesen gemäße Kräfte. Das aus der Überlieferung (āgama) entstandene Wissen wird als dreifach verkündet; das aus dem Denksinn entstandene wird als 'äußeres Werk' bezeichnet: [dieses ist] Wahrnehmung und Schlussfolgerung, deren Erkenntnismittel die Überlieferung ist; die Seele ist der Erkennende, die Gegenstände sind das Erkannte, [beide zusammen] gelten als Ursache. Das Wissen Rudras u.a. aber, äußerlich, im Denksinn entstehend, [ist], obwohl mit den drei rechtmäßigen Erkenntnismitteln – Wahrnehmung u.a. – [erlangt], dennoch unbeständig; bisweilen ist jenes Wissen wahrheitsgemäß, bisweilen unwahrheitsgemäß. Die Karma-Götter, die von Anfang an Geborenen (ājānaja) u.dgl., die Götterdiener, [stehen] der Reihe nach niedriger; von den Göttern bis hin zu den Gandharvas werden alle als 'mit Anteil' (sāṃśa) verkündet; 'ohne Anteil' (niraṃśa) sind stets die [Wesen] von den Sterblichen, Gandharvas u.dgl. bis hinab zu den Gras[-Wesen]. Deren [d.h. dieser Wesen] eigentliche Seelen-Natur ist ein ewiges, wahrheitsgemäßes Wissen; vom Höchsten zum Geringeren [nimmt es] der Reihe nach ab, [bis hin zu] unwahrheitsgemäßem [Wissen] u.dgl. Das äußere, entstandene, unbeständige [Wissen] ist meist, fast immer, wahrheitsgemäß, sei es hinsichtlich des Herrn oder der Welt, [jedoch] der Reihe nach von immer geringerer Reichweite. So [besteht] eine Hierarchie im Wissen bei den höheren wie niederen Göttern durchweg; in den drei Mahat-Gruppen gibt es erhabene Anteile der 'Geraden'.

Wort für Wort
āgamasamudbhūtaṃ jñānaṃ trividhaṃ
das aus der Überlieferung entstandene Wissen [ist] dreifach
pratyakṣaṃ anumānaṃ ca āgamaḥ tasya sādhanam
Wahrnehmung und Schlussfolgerung, deren Mittel die Überlieferung ist
rudrādīnāṃ jñānaṃ ... anityakam, kvacit yathārtham kvacit ayathārtham
Rudras u.a. Wissen ... unbeständig, bisweilen wahr, bisweilen unwahr
devagandharvaparyantāḥ sāṃśāḥ, niraṃśāḥ martyagandharvādyāḥ tṛṇāntimāḥ
Götter bis Gandharvas 'mit Anteil', 'ohne Anteil' Sterbliche/Gandharvas u.a. bis Gras
jīvāḥ ... svarūpaṃ jñānaṃ nityaṃ yathārthakam
die Seelen ... [besitzen] wesenhaftes, ewiges, wahrheitsgemäßes Wissen

Wichtige Unterscheidung zwischen 'mit Anteil' (sāṃśa, Götter bis Gandharvas) und 'ohne Anteil' (niraṃśa, Sterbliche bis Graswesen) Seelen, verknüpft mit einer weiteren Abstufung des Wissens nach Zuverlässigkeit/Wahrheitsgehalt.

deśe tatra na rudrādi devāṃśāstadadhastane / deśehaṅkṛtirudrādi devāṃśāḥsanti sarvadā // PS_1,10.53 // tatrendrādyā na tiṣṭhanti tatopyavaradeśagāḥ / bhūtāvyatīnāṃ maryādā yaddeśe yādṛśīritā // PS_1,10.54 // kalāṣoḍaśatadgāśca tattadā vṛttisantatāḥ / manaḥ śabdaḥ śrotravācāṃ kalāstvākāśasantatāḥ // PS_1,10.55 // tvaksparśapāṇisaṃjñāstu kalāvāyusamāśritāḥ / netrarūpāṅghrisaṃjñāstu kalāstejaḥ śarīragāḥ // PS_1,10.56 // rasanārasaguhyānāṃ kalāvārisamāśritāḥ / gandhaghrāṇopasthakalā pṛthivyāvaraṇāśritā // PS_1,10.57 // manomātrendriyakalā bhūteṣu kramayogataḥ / tadādhikārā hariṇā śakrādyāḥ puṣkarāntimāḥ // PS_1,10.58 // sūkṣmasthūlotpattikāle uttamāstūrdhvadeśagāḥ / nīcanīcāstūccadeśasthitoccoccasurāśrayāt // PS_1,10.59 // deśādavaradeśe tu kramāttatveṣu saṃsthitāḥ / tatvavyāpārakāle tu svarūpocitaśaktayaḥ // PS_1,10.60 // iti deśocita mahātāratamyaṃ vadanti hi / devamānenābdaśataṃ paurvāparyavyavasthayā // PS_1,10.61 //

In jenem [obersten] Bereich gibt es keine Rudra-u.a.-Götteranteile; im darunterliegenden Bereich des Ahaṅkāra-Prinzips gibt es stets Rudra-u.a.-Götteranteile; dort weilen keine Indra-u.a.-[Götter], diese [befinden sich] in einem noch niedrigeren Bereich – so ist die Grenze der Wesen, wie sie an je ihrem Ort [gilt], überliefert. Die sechzehn Kalās (Feinstglieder) [verteilen sich], jede an ihrem Ort, in fortlaufenden Funktionsbereichen: Denksinn, Klang, Gehör und Rede sind Kalās, die im Raum (ākāśa) fortbestehen; die Kalās, benannt nach Haut, Tastsinn und Hand, sind im Wind (vāyu) verankert; die Kalās, benannt nach Auge, Form und Fuß, sind im feuer-durchzogenen Körper [verankert]; die Kalās von Zunge, Geschmack und Geschlechtsteil sind im Wasser verankert; die Kalās von Geruch, Nase und Zeugungsorgan sind in der Erd-Hülle verankert. So [verteilen sich] die feinstofflichen Sinnesorgan-Kalās der Reihe nach auf die [fünf groben] Elemente; die Autorität darüber [verleiht] Hari an Śakra (Indra) u.a. bis hin zu den 'Puṣkara-Endenden'. Zur Zeit der feinstofflichen wie der groben Entstehung [weilen] die Höchsten im oberen Bereich; die untersten der Niederen [weilen] im oberen Bereich [nur] durch die Zuflucht bei den allerhöchsten Göttern, [selbst aber niedriger]. Von Ort zu niedrigerem Ort, der Reihe nach, in den [jeweiligen] Prinzipien angesiedelt, [besitzen sie] zur Zeit der Prinzipien-Wirksamkeit ihrem Wesen gemäße Kräfte. So verkünden sie die dem Ort gemäße große Hierarchie; nach Götter-Zeitmaß [beträgt ein Zeitabschnitt] hundert Jahre, gemäß der Reihenfolge von früher und später.

Wort für Wort
kalāṣoḍaśa ... vṛttisantatāḥ
die sechzehn Kalās ... in fortlaufenden Funktionsbereichen
manaḥ śabdaḥ śrotravācāṃ kalāḥ ākāśasantatāḥ
Denksinn/Klang/Gehör/Rede-Kalās im Raum fortbestehend
tvaksparśapāṇikalāḥ vāyusamāśritāḥ; netrarūpāṅghrikalāḥ tejaḥ śarīragāḥ
Haut/Tastsinn/Hand-Kalās im Wind; Auge/Form/Fuß-Kalās im Feuer
rasanārasaguhyakalāḥ vārisamāśritāḥ; gandhaghrāṇopasthakalāḥ pṛthivyāvaraṇāśritāḥ
Zunge/Geschmack/Geschlecht-Kalās im Wasser; Geruch/Nase/Zeugung-Kalās in der Erd-Hülle
tadādhikārāḥ hariṇā śakrādyāḥ puṣkarāntimāḥ
die Autorität darüber verleiht Hari an Indra u.a. bis Puṣkara

Ausführliche Zuordnung der sechzehn 'Kalās' (Feinstglieder von Sinnesorganen und Denksinn) zu den fünf groben Elementen, mit jeweils drei Kalās pro Element (Ausnahme Ākāśa mit vier) – eine für die Pāñcarātra-Kosmologie charakteristische, hier detailliert ausgeführte Systematik.

ṛjūnāṃ ca janiḥ proktā sahasrābdāntarāmatāḥ / vipādyāstu tathendrādyā daśasāhasravatsaraiḥ // PS_1,10.62 // kramātpaurvāparyajātāḥ kālānnīcoccabhāvinaḥ / atha sarvasyāparokṣatāratamyaṃ vivicyate // PS_1,10.63 // tṛṇādisarvajīvānāṃ svarūpoddhāra āgate / kāle tattadyogyajīvasādhanocitakālake // PS_1,10.64 // hariśca śrībrahmavāyū sabhāryau ca tadājñayā / etadanyadvīpavarṣajāyāmānān hi sarvaśaḥ // PS_1,10.65 // svakarmavaśagān svargāntarikṣadharān caran / nānāyonigatān jīvān atalādyādharasthitān // PS_1,10.66 // uddhartukāmo bhagavān bhārate janayiṣyati / tatra mānuṣayonyutthāṃstatrāpi brāhmaṇottamān // PS_1,10.67 //

Nach Götterzeitmaß beträgt [ein Abschnitt] hundert Jahre, nach der Reihenfolge von früher und später; die Geburt der 'Geraden' wird [dagegen] im Abstand von tausend Jahren angesetzt; die der Vipa u.a. sowie der Indra u.a. [erfolgt] im Abstand von je zehntausend Jahren, der Reihe nach, früher-später entstehend, je nach Zeit als niedriger oder höher hervortretend. Nun wird die Hierarchie der unmittelbaren Schau (aparokṣa) für alle [Wesen] erörtert: Wenn für alle Seelen, von den Gras[-Wesen] an, die Zeit für die Wiederherstellung ihres wahren Wesens (svarūpa) gekommen ist, zu der jeweils der betreffenden Seele angemessenen Zeit für [ihr] Heilsmittel – dann werden Hari, Śrī, Brahmā und Vāyu, mit ihren Gattinnen, auf seinen (Haris) Befehl, alle Seelen, die auf diesem oder anderen Kontinenten und Ländern in mannigfacher Lebensdauer geboren sind, ihrem eigenen Karma unterworfen, sei es Himmel oder Luftraum bewohnend oder in verschiedenen [Tier-]Schößen umherwandelnd oder unterhalb des Pātāla u.dgl. befindlich – der ehrwürdige [Hari], sie erretten wollend, in Bhārata geboren werden lassen: dort in Menschenschößen entstanden, und darunter [vor allem] als vortreffliche Brahmanen.

Wort für Wort
ṛjūnāṃ janiḥ sahasrābdāntarā matāḥ
die Geburt der Geraden wird im Abstand von tausend Jahren angesetzt
vipādyāḥ indrādyāḥ daśasāhasravatsaraiḥ
Vipa u.a., Indra u.a. im Abstand von zehntausend Jahren
tṛṇādisarvajīvānāṃ svarūpoddhāra āgate kāle
wenn für alle Seelen von den Graswesen an die Zeit der Wesens-Wiederherstellung kommt
hariḥ śrībrahmavāyū ... bhārate janayiṣyati
Hari, Śrī, Brahmā, Vāyu ... lassen [die Seelen] in Bhārata geboren werden

Übergang zur 'Hierarchie der unmittelbaren Schau' (aparokṣa-tāratamya, ab V.63), die den Rest des Adhyāya bestimmt: der Heilsweg aller Wesen führt über eine Geburt in Bhārata, vorzugsweise als Brahmane.

tatra sarvasvarūporuvyaktikārakakarmaṇā / saṃyojya sarvasadyogyajñānadānagurūttamān // PS_1,10.68 // bhinnadeśe bhinnakāle yojayatyakhilaṃ hariḥ / tṛṇādimartyaparyantagandharvāste hyanantaśaḥ // PS_1,10.69 // niraṃśāste pratīkālambanāste karmayoginaḥ / devagandharvapūrvāstvājānajāntā samastaśaḥ // PS_1,10.70 // apratīkālambanā sāṃśāḥ kramocca jñānayoginaḥ / pratīkasthaṃ śarīrasthaṃ paśyantīti tathāhvayāḥ // PS_1,10.71 // pratīkādbahirīśasya darśānāt karmadevatāḥ / apratīkālambanāśca prāyovijñānayoginaḥ // PS_1,10.72 // eṣāmaṇḍāntare janmāparokṣādi praśasyate / niraṃśāḥ pakvakāle tu utkrāmyaiva maharādigāḥ // PS_1,10.73 // eṣāṃ laye svottameṣu praveśo naiva vidyate / devagandharvapūrvāṇāṃ bhūmāvutkramaṇāllayaḥ // PS_1,10.74 // mahālaye svottameṣu praveśaḥ lūkṣmadehataḥ / utkramānutkramānyoginohyatatveśvaravaśān jaguḥ // PS_1,10.75 //

Dort, indem er sie mit dem für ihr wahres Wesen förderlichen, offenbarenden Karma verbindet, [und] mit den für alle geeigneten, wissensspendenden vortrefflichen Lehrern versehen, fügt Hari die gesamte [Schöpfung], an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten, [zu ihrem Heil]. Die [Wesen] von den Gras[-Wesen] bis hin zu den Sterblichen und Gandharvas [sind] endlos [zahlreich]; die 'anteillosen' (niraṃśa) unter ihnen sind 'auf ein Sinnbild (pratīka) gestützte' Karma-Yogins; von den Göttern und Gandharvas an bis zu den 'von Anfang an Geborenen' (ājānaja), alle zusammen. Die 'nicht auf ein Sinnbild gestützten', 'mit Anteil' (sāṃśa) versehenen [Wesen] sind, der Reihe nach höher, Jñāna-Yogins; sie sehen [Hari] im Sinnbild wie im [eigenen] Körper befindlich, daher [ihr] Name. Von außerhalb des Sinnbilds [erlangen] die Karma-Gottheiten die Schau des Herrn; die 'nicht auf ein Sinnbild gestützten' [Wesen] sind meist Vijñāna-Yogins. Für diese wird die Geburt innerhalb des Welteneis samt unmittelbarer Schau u.dgl. gepriesen; die 'Anteillosen' aber gelangen zur reifen Zeit, indem sie [aus dem Körper] emporsteigen (utkramaṇa), zu Mahar[loka] u.a. Für diese gibt es beim Untergang [der Welt] keinen Eintritt in ihre je eigenen Höchst-[Bereiche]; für die von Göttern und Gandharvas an [reichenden Wesen] erfolgt die Auflösung durch Emporsteigen auf der Erde. Beim großen Weltuntergang [aber erfolgt] der Eintritt in ihre je eigenen Höchst-[Bereiche] aus dem Feinkörper heraus; ob mit oder ohne Emporsteigen – die Yogins, so sagten sie, [handeln] nach dem Willen des [jeweiligen] Nicht-Prinzipien-Herrn [d.h. eines untergeordneten Wesens, nicht Haris selbst].

Wort für Wort
niraṃśāḥ ... pratīkālambanāḥ karmayoginaḥ
die Anteillosen ... auf ein Sinnbild gestützte Karma-Yogins
apratīkālambanāḥ sāṃśāḥ ... jñānayoginaḥ
die nicht auf ein Sinnbild gestützten, mit Anteil versehenen ... Jñāna-Yogins
apratīkālambanāḥ ... vijñānayoginaḥ
die nicht auf ein Sinnbild gestützten ... Vijñāna-Yogins
niraṃśāḥ ... utkrāmya maharādigāḥ
die Anteillosen ... durch Emporsteigen zu Mahar u.a. gelangend

Dreiteilung der Heilswege nach Yoga-Typ (Karma-/Jñāna-/Vijñāna-Yogin), gekoppelt an die Anteils-Hierarchie (niraṃśa/sāṃśa) und an die Unterscheidung 'auf ein Sinnbild (pratīka) gestützt' vs. 'nicht darauf gestützt'; die genaue technische Bedeutung von 'utkramaṇa' (Emporsteigen beim Tod) bleibt im Einzelnen unsicher.

puṣkarāntā tātvikāśca kvāpi notkramaṇāllayāḥ / yānti sthūlaśarīraiste svottameṣu viśanti hi // PS_1,10.76 // tānanukramaṇānyāhuḥ yogino bhaktiyoginaḥ / satkarmajñānabhaktī ca sarveṣāṃ sarvadāpi hi // PS_1,10.77 // avaśyakāste sarvepi tattatprācuryatastathā / niraṃśāḥsatsādhanāyocitajanmasahasrataḥ // PS_1,10.78 // jñānantu daśabhiḥ prāpya sadbhaktiṃ tribhirāpya ca / dṛṣṭvā hṛdisthaṃ mucyante hyataste karmayoginaḥ // PS_1,10.79 // satkarmakṛtvā niṣkāmyaṃ labhanti gurusantatī / atātvikā devadāsāḥ satkarmaśatajanmabhiḥ // PS_1,10.80 // kṛtvā daśasahasrorujanmabhirjñānamāpya ca / bhaktiṃ triśatakairāpya mucyante jñānayoginaḥ // PS_1,10.81 // ataste karmadevatāstadūrdhvaṃ bhaktiyoginaḥ / tṛṇādyāḥ svahṛdisthaṃ taṃ paśyantyucitajanmabhiḥ // PS_1,10.82 // dīpakāntiviśiṣṭeśaṃ na devān naiva martyagam / ghaṭikārdhaṃ śarīre vā muktau śaktistu tādṛśī // PS_1,10.83 // cinmātropāsanāśaktiḥ naivādhikaguṇottare / teṣārm idṛśa evaṃ syāt apararokṣo hi nādhikaḥ // PS_1,10.84 //

Die 'Wahrhaftigen' bis hin zu den Puṣkara[-Wesen] erfahren nirgends eine Auflösung durch Emporsteigen; sie gehen mit ihren groben Körpern [unmittelbar] in ihre je eigenen Höchst-[Bereiche] ein. Diese nennen die Yogins 'nicht-emporsteigend'; rechtes Handeln, Erkenntnis und Hingabe [sind] stets für alle [Wesen] notwendig, jeweils entsprechend ihrer Fülle. Für die 'Anteillosen' [gilt]: durch tausend geeignete Geburten zum rechten Heilsmittel [gelangend], erlangen die Karma-Yogins durch zehn [solcher Geburten] Erkenntnis, durch drei weitere wahre Hingabe, und werden, nachdem sie [Hari] im Herzen weilend geschaut haben, befreit. Durch [den Vollzug] rechten, wunschlosen Handelns erlangen sie die Lehrer-Nachfolge. Die 'nicht-wahrhaftigen' Götterdiener werden, nachdem sie durch hundert Geburten rechtes Handeln vollzogen, durch zehntausend weitere gewaltige Geburten Erkenntnis erlangt und durch dreihundert [weitere] Hingabe erlangt haben, als Jñāna-Yogins befreit. Diese sind [zunächst] Karma-Gottheiten, darüber [erhoben werden sie zu] Bhakti-Yogins; die [niedrigsten,] von den Gras[-Wesen] an, schauen ihn im eigenen Herzen weilend durch [entsprechend] geeignete Geburten. [Sie schauen ihn] nicht als von der Pracht eines Lämpchens ausgezeichneten [Herrn, auch] nicht als [unter] den Göttern oder gar den Sterblichen weilend; eine halbe Ghaṭikā [lang], im Körper – solcherart ist [ihre] Fähigkeit in der Befreiung: [nur] eine Fähigkeit zur Verehrung des bloßen Bewusstseins, keineswegs zur höheren Eigenschafts-Fülle; ihnen ist eine solche unmittelbare Schau eigen, keine höhere.

Wort für Wort
puṣkarāntā tātvikāḥ ... svottameṣu viśanti
die Wahrhaftigen bis Puṣkara ... gehen in ihre Höchstbereiche ein
niraṃśāḥ ... daśabhiḥ jñānam, tribhiḥ sadbhaktim prāpya mucyante
die Anteillosen ... erlangen durch zehn [Geburten] Erkenntnis, durch drei Hingabe, werden befreit
atātvikāḥ devadāsāḥ satkarmaśatajanmabhiḥ ... jñānayoginaḥ mucyante
die nicht-wahrhaftigen Götterdiener ... werden nach hundert Geburten u.a. als Jñāna-Yogins befreit
dīpakāntiviśiṣṭeśaṃ na ... ghaṭikārdhaṃ śarīre
nicht als lämpchengleich ausgezeichneten Herrn ... eine halbe Ghaṭikā im Körper

Genaue Zahlenangaben zu den erforderlichen Geburtenzahlen (tausend/zehn/drei bzw. hundert/zehntausend/dreihundert) für die verschiedenen Yogin-Klassen; die Konsistenz dieser Zahlen mit früheren Kalpa-Angaben (Adhyāya 6) bleibt ungeprüft, da unterschiedliche Zähleinheiten (Geburten vs. Kalpas) verwendet werden.

rāmakṛṣṇādi rūpāṇi bahiḥ paśyantyapi kvacit / mānuṣatvena paśyanti aparokṣena saṃsmṛtaḥ // PS_1,10.85 // sthūlahṛdgāparokṣāstu bāhyastādaparokṣakāḥ / svasvarūpasthajīvābhasvatantrasya ca darśanam // PS_1,10.86 // svarūpābhyāparokṣastu sarveṣāmevameva hi / pādonaghaṭikāmātraṃ svarūpe prākṛte hṛdi // PS_1,10.87 // paśyanti krimikīṭādyāḥ pradīpaprabhayā harim / svarūpacakṣuṣādṛṣṭiḥ aparokṣa itīryate // PS_1,10.88 // veda deśākṣarokālo jīveśau prākṛtendriyaiḥ / na vedyā hi svarūpeṇa vedyā eva prakīrtitāḥ // PS_1,10.89 // bhaktyā hariprasādena naṣṭetvajñānapañcake / ratnavadbhāsure liṅge sūkṣmadehesthitasya tu // PS_1,10.90 // jīvasya cakṣuṣī vyakto bhavataḥ svena paśyati / tejomayasvarūpasthaṃ sthūlahṛdgaṃ krameṇa tu // PS_1,10.91 // yavamātraṃ harintārṇāḥ kīṭādyāḥ badarīmitam / aṅguṣṭāgramitaṃ vṛṣāḥ pradīpadaśasannibham // PS_1,10.92 // hariṃ paśyanti ghaṭikāmitaṃ kālaṃ ramāpatim / samaṃ dīpaṃ cidānandaṃ cidānandātmakaṃ mṛgāḥ // PS_1,10.93 // khagāśca paśavo gāvaḥ hṛdgaṃ jīvagataṃ harim / pradīpaśatabhāyuktaṃ ghaṭikārdhatadardhakam // PS_1,10.94 // saccidānda ātmeti mānuṣyairdhyaiyar iśvaraḥ / vidyudvanmānuṣā vidyurdaśavidyunmitaṃ nṛpāḥ // PS_1,10.95 // rājānastadviguṇābhaṃ sūryamaṇḍalavatsurāḥ / gandharvāḥ pitaraḥsūryaśatasannibhamīśvaram // PS_1,10.96 // gopyaḥ kṛṣṇāṅgasaṅgārhāḥ pañcasāhasrasūryabham / ājānajādaśasāhasasrārkābhaṃ tvagnijā api // PS_1,10.97 // caturlakṣādhikāśītilakṣajīvagaṇeṣvapi / daśaiva puruṣāḥ proktāstātvikāsteṣu pañca ca // PS_1,10.98 // parjanyādavarāḥ pañca puṣkarāduttamā matāḥ / sastrīkāḥsomahīnā aṇḍādantarbahisthitāḥ // PS_1,10.99 //

Manche schauen die Rāma-Kṛṣṇa-u.a.-Gestalten [nur] äußerlich, gelegentlich; als in menschlicher Gestalt sehen sie [ihn], als unmittelbar-Geschautes erinnert. Manche haben eine im groben Herzen [erfahrene] unmittelbare Schau, andere eine äußerliche; die Schau des im je eigenen wahren Wesen weilenden, [Hari als] Seelen-Abglanz, unabhängig[-verstandenen Wesens] – die wesenhafte unmittelbare Schau ist für alle [Wesen dieselbe]. Eine Dreiviertel-Ghaṭikā lang, im materiellen Herzen des wahren Wesens, schauen Würmer, Insekten u.dgl. Hari im Glanz eines Lämpchens; das Sehen mit dem wesenhaften Auge wird 'unmittelbare Schau' genannt. Ort, das Unvergängliche und Zeit kennt der Seelen-Herr [allein]; mit materiellen Sinnesorganen sind [diese] nicht erkennbar – nur [durch das wesenhafte Auge] gelten sie als erkennbar. Durch Hingabe, durch Haris Gnade, wenn die fünffache Unwissenheit vernichtet ist, im wie ein Juwel leuchtenden Feinkörper – da sieht, offenbar geworden, das Augenpaar der im Feinkörper befindlichen Seele mit dem eigenen [wesenhaften Auge Hari], den im Glanzvollen, im wahren Wesen weilenden [Hari], im groben Herzen [erscheinend], der Reihe nach [je nach Wesensklasse verschieden]: In der Größe eines Gerstenkorns [schauen ihn] die Grashalme[-Wesen(?)]; die Insekten u.dgl. im Maß einer Badari-Frucht; die Stiere/Rinder im Maß einer Daumenspitze, dem Schein von zehn Lämpchen gleich; [manche schauen] Hari, den Gemahl Ramās, für die Dauer einer Ghaṭikā, gleich einem Lämpchen, [als] Bewusstseins-Wonne; die Rehe [schauen ihn] als bewusstseins-wonnehaft [von Natur]; Vögel, Vieh [und] Kühe [schauen] den im Herzen, in der Seele weilenden Hari, ausgestattet mit dem Glanz von hundert Lämpchen, eine halbe [bzw.] eine viertel Ghaṭikā [lang]. 'Seiend-Bewusst-Wonnevoll ist das Selbst' – so meditieren die Menschen den Herrn; wie ein Blitz [schauen ihn] die Menschen, im Maß von zehn Blitzen die Könige; die [höheren] Könige [schauen ihn] doppelt so glänzend, die Götter wie eine Sonnenscheibe; die Gandharvas [und] die Ahnen (Pitṛs) [schauen] den Herrn dem Glanz von hundert Sonnen gleich; die Gopīs, die der Berührung von Kṛṣṇas Gliedern würdig sind, [schauen ihn] mit dem Glanz von fünftausend Sonnen; die 'von Anfang an Geborenen' (ājānaja) [schauen ihn] mit dem Glanz von zehntausend Sonnen, ebenso die Agni-Söhne. Unter den Seelenscharen, [die] vierundachtzig Lakh mehr [zählen? unklar], werden nur zehn als [wahre] 'Puruṣas' bezeichnet, davon fünf als 'wahrhaftig' (tātvika); von Parjanya abwärts [zählen] fünf, von Puṣkara [aufwärts gelten sie] als die Höchsten, mit ihren Gattinnen, ohne den Mond, innerhalb wie außerhalb des Welteneis befindlich.

Wort für Wort
rāmakṛṣṇādi rūpāṇi bahiḥ paśyanti ... mānuṣatvena
manche schauen die Rāma-Kṛṣṇa-Gestalten äußerlich ... als menschliche Gestalt
yavamātraṃ ... kīṭādyāḥ badarīmitam ... vṛṣāḥ aṅguṣṭāgramitam
im Gerstenkorn-Maß ... Insekten im Badari-Frucht-Maß ... Stiere im Daumenspitzen-Maß
nṛpāḥ daśavidyunmitam, rājānaḥ dviguṇābham, surāḥ sūryamaṇḍalavat
Könige im Zehn-Blitz-Maß, [höhere] Könige doppelt, Götter wie eine Sonnenscheibe
gopyaḥ pañcasāhasrasūryabham, ājānajāḥ daśasahasrārkābham
die Gopīs mit fünftausend-Sonnen-Glanz, die Ājānajas mit zehntausend-Sonnen-Glanz

Diese Passage (V.85-99) enthält die für dieses Werk charakteristische, sehr detaillierte Maß- und Glanz-Hierarchie der Hari-Schau nach Wesensklasse (vom Gerstenkorn-Maß für die niedersten bis zum Zehntausend-Sonnen-Glanz für die höchsten): eine bemerkenswerte, quasi-optische Quantifizierung mystischer Erfahrung. Mehrere Einzelausdrücke ('kīṭādyāḥ', der genaue Bezug von 'yavamātram' auf welche Wesensklasse, 'caturlakṣādhikāśītilakṣajīvagaṇeṣu') bleiben unsicher; V.98-99 mit der Zahl der 'wahren Puruṣas' ist besonders dunkel und wurde zurückhaltend wiedergegeben.

triṃśaccāraṇarakṣāṃsi saptatiḥ sarvajātiṣu / antarāletu padmotthā brahmāyāvaddhitiṣṭhati // PS_1,10.100 // tāvatsaṃvatsaragata pratipratidineṣvapi / sāṃśā atātvikāḥ sarvesaṃkhyayā vakṣyamāṇayā // PS_1,10.101 // mitāstu pratikalpepi padasthā hyaparokṣiṇaḥ / urvaśyādyāhyapsarasaḥ śataṃśā sva(svaṣṭa)saṃkhyayā // PS_1,10.102 // mitā ajānajaistulyāḥ karmadevasamāparāḥ / śataṃ pitṝṇāṃ saptaiva teṣūrvaśyādibhiḥ samāḥ // PS_1,10.103 // anye ājānajebhyastu nyūnāstebhyovarāḥ kramāt / gandharvāstu śataṃ teṣu aṣṭau tulyāśca karmajaiḥ // PS_1,10.104 // śatakoṭimitāḥ sarve ṛṣayo viṃśaduttamāḥ / teṣveva tāvatviṣṭābhiḥ śatakaṃ karmajaiḥ samam // PS_1,10.105 // tadanye ājānajebhyastulyā agnisutā api / dvyaṣṭausahasrāṇi śatantriṃśaccāraṇarakṣasām // PS_1,10.106 // sādhyasiddhāstathānyāstu saptatiḥ sarvajātiṣu / śataṃ siddhājānajākhyā paśyanti hṛdi jīvagam // PS_1,10.107 // koṭisūryaprabhaṃ karmadevā hṛdgaṃ bahisthitam / dvisaptalokasamitaṃ te pratīkāvalambanāḥ // PS_1,10.108 // martyāḥ dvighaṭikāmātraṃ trināḍyantaṃ nṛpottamāḥ / tathā mānuṣagandharvāścaturnāḍyantamīśvaram // PS_1,10.109 // ṣaṇṇāḍyantaṃ sugandharvā gopyāyāmāntamañjasā / śatonaśatakoṭyastu ṛṣayognisutā api // PS_1,10.110 // sājānajādaśaghaṭikāmitaṃ kālaṃ jagadgurum / paśyanti karmadevāstu madhyāhnāntaṃ pareśvaram // PS_1,10.111 //

[Es folgt ein Katalog mit Bevölkerungszahlen verschiedener Wesensklassen sowie eine Fortsetzung der Zeitdauer-Hierarchie der Hari-Schau – Übersetzung sinngemäß, Zahlenangaben genuin unsicher:] Dreißig Cāraṇas [und] Rākṣasas, siebzig unter allen [übrigen] Arten [gibt es], solange, bis der aus dem Lotos Entstandene (Brahmā) [in der Zwischenzeit] fortbesteht. So viele, Jahr für Jahr, Tag für Tag, [gibt es] unter den 'mit Anteil versehenen', 'nicht-wahrhaftigen' [Wesen] insgesamt, nach der [im Folgenden] zu nennenden Zahl. In jedem Kalpa [aufs Neue] bemessen, in [ihrer] Stellung befindlich, unmittelbare Schauer – die Apsaras, Urvaśī u.a., [zählen] hundert [oder: hundertfach], nach eigener Zählweise. Den 'von Anfang an Geborenen' (ājānaja) gleichgestellt, den Karma-Göttern nahezu gleich [an Zahl]: hundert Pitṛs, [davon] nur sieben, den Urvaśī u.a. an Zahl gleich; die übrigen, geringer als die Ājānajas, [doch] höher als jene, der Reihe nach; hundert Gandharvas darunter, acht davon den Karma-Geborenen gleich. Alle Ṛṣis, hundert Koṭi an Zahl, zwanzig davon die Höchsten; unter ihnen ebenso viele durch Opfergaben [ausgezeichnete], hundert den Karma-Geborenen gleich. Die übrigen, den Ājānajas gleichgestellt, [sind] auch die Agni-Söhne: sechzehntausendeinhundert [?], dreißig Cāraṇas [und] Rākṣasas. Ebenso die Sādhyas, Siddhas und übrigen: siebzig unter allen Arten; hundert, genannt Siddha-Ājānaja, schauen [Hari] im Herzen weilend. Die Karma-Götter [schauen ihn] mit dem Glanz von Millionen Sonnen, im Herzen weilend [und zugleich] außen befindlich, im Maß der vierzehn [zweimal-sieben] Welten – sie sind auf ein Sinnbild gestützt. Die Sterblichen [schauen ihn] für die Dauer von zwei Ghaṭikās, die höchsten Könige bis zu drei Nāḍīs; ebenso die Menschen-Gandharvas den Herrn bis zu vier Nāḍīs. Die vortrefflichen Gandharvas bis zu sechs Nāḍīs, die Gopīs, kurz gesagt, für die Dauer [ihres irdischen] Lebens; die Ṛṣis [und] Agni-Söhne, [an Zahl] fast hundert Koṭi, mitsamt den Ājānajas [schauen ihn] für die Dauer von zehn Ghaṭikās, den Weltenlehrer; die Karma-Götter [schauen] den höchsten Herrn bis zum Mittag.

Wort für Wort
triṃśat cāraṇarakṣāṃsi, saptatiḥ sarvajātiṣu
dreißig Cāraṇas/Rākṣasas, siebzig unter allen Arten
urvaśyādyāḥ apsarasaḥ śataṃśāḥ svasaṃkhyayā
die Apsaras, Urvaśī u.a., hundertfach, nach eigener Zählweise
śatakoṭimitāḥ sarve ṛṣayaḥ
alle Ṛṣis, hundert Koṭi an Zahl
martyāḥ dvighaṭikāmātram ... nṛpāḥ trināḍyantam ... gandharvāḥ ṣaṇṇāḍyantam
die Sterblichen zwei Ghaṭikās ... Könige drei Nāḍīs ... Gandharvas sechs Nāḍīs
karmadevāḥ ... madhyāhnāntaṃ pareśvaram paśyanti
die Karma-Götter ... schauen den höchsten Herrn bis zum Mittag

Diese Passage (V.100-111) enthält einen ausgedehnten, im Detail sehr unsicheren Bevölkerungs- und Zeitmaß-Katalog verschiedener göttlicher und halbgöttlicher Wesensklassen (Cāraṇas, Rākṣasas, Apsaras, Pitṛs, Gandharvas, Ṛṣis, Agni-Söhne, Sādhyas, Siddhas); mehrere Zahlwort-Komposita (u.a. 'dvyaṣṭausahasrāṇi śatam') sind im Quelltext mehrdeutig und wurden mit Vorbehalt aufgelöst. Die Zeitmaß-Angaben (Ghaṭikā/Nāḍī) für die Dauer der Hari-Schau setzen die in V.85-99 begonnene Hierarchie fort.

svottamaspardhayāhīnāḥ duṣprārabdhavivarjitāḥ / bhāvarūpājñānaśūnyāḥ daityāveśavivarjitāḥ // PS_1,10.112 // pūrvoktakāntyākāle taṃ paśyanti jagadīśvaram / pūrvoktadoṣarahitāstātvikāḥsarvadā harim // PS_1,10.113 // paśyantidivaparyantā doṣā ete hi nīcakaiḥ / uttameṣūttameṣvalpāstathā cānyatarāmatāḥ // PS_1,10.114 // brahmaṇo doṣa sambandho na kvāpi kva cad dṛśyate / rājāno martyagandharvapūrvā ṣaṭdaśapūrvakān // PS_1,10.115 // śataṃ daśasahasrāṃśca lakṣakoṭimitān guṇān / viṣṇorguṇānarbudāṃśca sarvānapi tatodhikān // PS_1,10.116 // anantavedoktaguṇān brahmopāsyati netaraḥ / martyoccā hṛdi devāṃśca padasthā pīṭhadevatāḥ // PS_1,10.117 // tathāvaraṇagān devān paśyantyapi ca maṇḍalam / suṣumnāṃ saptakamalānyapi tadgaharīśvare // PS_1,10.118 // sthāneśaṃ caiva mūleśaṃ rājāno martyagāyakāḥ / iḍāpiṅgalanāḍisthān kramoccān sarvadehagān // PS_1,10.119 // tatveśāṃ stadgatahareḥ rūpāṇi a(ni)khilānyapi / dhyātvopāsya vimucyante devā ājānajāhvayāḥ // PS_1,10.120 //

Frei von Rivalität mit den je eigenen Höchsten, frei von schlecht begonnenem Karma, frei von zuständlichem Unwissen, frei von Dämonen-Besessenheit – zur zuvor genannten Glanz-Zeit schauen sie den Weltenherrn; frei von den zuvor genannten Fehlern schauen die 'Wahrhaftigen' Hari allezeit. [Bei manchen dauert diese Schau] bis zum Tagesende, [je nachdem, ob] diese Fehler bei den Niederen [vorhanden sind]; bei den Höchsten [sind sie] nur gering, bei den übrigen [Wesen] jeweils unterschiedlich. Bei Brahmā wird nirgends und niemals eine Verbindung mit [solchen] Fehlern beobachtet. Die Könige, von den Sterblichen und Gandharvas an bis zu den 'sechzehn Vorangehenden' [?, unklar], hundert [oder] zehntausend, mit Lakh und Koṭi bemessene Eigenschaften, ja Milliarden Eigenschaften Viṣṇus und noch darüber hinaus – die im Veda gelehrten endlosen Eigenschaften verehrt Brahmā, kein anderer. Die im Herzen weilenden Göttlichkeiten der höchsten Sterblichen, die in [ihrer] Stellung befindlichen Sitz-Gottheiten, ebenso die in den [Cakra-]Hüllen befindlichen Götter schauen sie, sowie das [Sonnen-]Rad, die Suṣumṇā[-Nāḍī] und die sieben Lotusse, in denen jener Herr [gegenwärtig ist]; den Ort-Herrn und den Wurzel-Herrn [schauen] die Könige [und] die menschlichen Sänger, [ebenso] die der Reihe nach höher in Iḍā- und Piṅgalā-Nāḍī, in allen Körpern befindlichen [Gottheiten]. Die Gestalten der Prinzipien-Herren samt dem darin gegenwärtigen Hari, sämtliche, betrachtend und verehrend, werden die 'Ājānaja' genannten Götter befreit.

Wort für Wort
svottamaspardhayā hīnāḥ ... daityāveśavivarjitāḥ
frei von Rivalität mit den Höchsten ... frei von Dämonen-Besessenheit
brahmaṇaḥ doṣasambandhaḥ na kvāpi dṛśyate
bei Brahmā wird nirgends eine Fehlerverbindung beobachtet
anantavedoktaguṇān brahmā upāsyati na itaraḥ
die endlosen im Veda gelehrten Eigenschaften verehrt [nur] Brahmā, kein anderer
suṣumnāṃ saptakamalāni ... dhyātvā upāsya vimucyante ājānajāhvayāḥ
Suṣumṇā, die sieben Lotusse ... betrachtend und verehrend werden die Ājānajas befreit

Übergang zu einer Nāḍī-/Cakra-basierten Yoga-Physiologie (Suṣumṇā, Iḍā, Piṅgalā, sieben Lotusse) als Verehrungsgegenstand für Könige und Ājānaja-Götter; mehrere Termini (V.115 'ṣaṭdaśapūrvakān') bleiben unklar.

ime te ca pratīkastha haripādāvalambinaḥ / karmadevā atatveśā api rūpāṇi sarvaśaḥ // PS_1,10.121 // upāsyāpi virāḍrūpaṃ mucyante samupāsya ca / apratīkālambanāste tu karmadevāḥ surā api // PS_1,10.122 // tyaktaliṅgasya muktasya tṛṇakīṭādikasya ca / svarūpadeha te sarve daśayojanasantatā // PS_1,10.123 // vṛkṣādīnāṃ mṛgādīnāṃ tato dviguṇarugbhavet / vimuktānāntu martyānāṃ śūdrādīnāmataḥ param // PS_1,10.124 // ekadvitricatuṣpādādhikaruksantatāḥ sadā / rājanyāmartyagandharvāstatodvitryādhikaprabhāḥ // PS_1,10.125 // parito merutulyātviṭ devagandharvasantateḥ / cirānto pitaro muktā bhuvarlokāntakāntayaḥ // PS_1,10.126 // gopyaḥ kṛṣṇāṅghrisaṅgārhāḥ upasantati dīptayaḥ / ājanājātatsamāśca svargāntā tatprakāśinaḥ // PS_1,10.127 // yasya yasya ca jīvasya prakāśo yatra ceritaḥ / daivādbahirdṛṣṭigato bhāti martyoccavaddhariḥ // PS_1,10.128 // na saccidānandatanurbāhyadṛggocaro bhavet / dṛṣṭvopāsya vimucyante karmadevā virāṭtanum // PS_1,10.129 //

Diese [Karma-Götter], auf ein Sinnbild gestützt, sich an Haris Füße klammernd, sind Karma-Götter ohne [eigenes] Prinzipien-Herrentum, [wenn auch] mit Gestalten jeglicher Art; auch sie werden, nachdem sie die Virāṭ-Form verehrt haben, durch diese Verehrung befreit. Die 'nicht auf ein Sinnbild gestützten' Karma-Götter aber, auch die [übrigen] Götter – [es folgt eine Beschreibung der Körpermaße befreiter Wesen, genuin unsicher:] für den, der den Feinkörper abgelegt hat und befreit ist, seien es Gras[-Wesen], Insekten u.dgl. – deren aller wesenhafter Körper erstreckt sich zehn Yojanas; bei Bäumen u.dgl., bei Rehen u.dgl. wird [dieser Glanz] doppelt so groß; bei den befreiten Sterblichen, den Śūdras u.a., darüber hinaus, stetig um ein-, zwei-, drei-, vierfüßiges Maß [?] vermehrten Glanzes; bei den Königen, [Nicht-]Sterblichen [und] Gandharvas [ist er] danach um das Zwei-, Dreifache heller; ringsum dem Meru gleich [groß ist der Glanz] der Götter- und Gandharva-Nachkommenschaft; nach langer Zeit [gelangen] die befreiten Ahnen (Pitṛs), [deren Glanz] bis ans Ende von Bhuvarloka reicht; die Gopīs, die der Berührung von Kṛṣṇas Füßen würdig sind, [strahlen] mit ununterbrochenem Glanz; die 'von Anfang an Geborenen' [strahlen] ihnen gleich, bis zum Himmel reichend, jene erleuchtend. Für jede einzelne Seele, an welchem Ort auch immer sich ihr [eigener] Glanz zeigt, erscheint, von außen gesehen, göttlich, Hari gleich einem hohen Sterblichen; sein aus Sein-Bewusstsein-Wonne bestehender Leib wird [jedoch] nicht [wirklich] zum Gegenstand äußeren Sehens. Nachdem sie [dies] geschaut und verehrt haben, werden die Karma-Götter, [die] die Virāṭ-Gestalt [verehrt haben], befreit.

Wort für Wort
pratīkasthāḥ ... karmadevāḥ atatveśāḥ
die auf ein Sinnbild gestützten ... Karma-Götter ohne eigenes Prinzipien-Herrentum
tyaktaliṅgasya muktasya ... svarūpadehaḥ daśayojanasantataḥ
des befreiten, feinkörperlosen [Wesens] ... der wesenhafte Körper erstreckt sich zehn Yojanas
gopyaḥ kṛṣṇāṅghrisaṅgārhāḥ upasantati dīptayaḥ
die Gopīs, würdig der Berührung von Kṛṣṇas Füßen, mit ununterbrochenem Glanz
saccidānandatanuḥ na bāhyadṛggocaraḥ bhavet
der Sein-Bewusstsein-Wonne-Leib wird nicht Gegenstand äußeren Sehens

Die Körpermaß-Angaben befreiter Wesen (V.123-127, in Yojanas und relativen Vielfachen) bleiben in ihrer genauen Systematik unsicher; das Grundprinzip – je höher die Wesensklasse, desto größer der 'Glanzkörper' des befreiten Zustands – ist jedoch klar erkennbar und setzt die bereits in V.85-99 begonnene quantifizierte Hierarchie fort.

na saccidānandatanurbāhyadṛggocaro bhavet / dṛṣṭvopāsya vimucyante karmadevā virāṭtanum // PS_1,10.129cd (Wiederholung, s.o.) // tādṛjjotistāvadantaṃ viṣṇuṃ paśyati cakṣuṣā / svārūpikeṇa bādhyena naiva paśyanti ceśvaram // PS_1,10.130 // paśyanti naivopāsyanti brahmāṇḍe vyāptamīśvaram / puṣkarādyāstu śakrāntāḥ pūrvoktākhilarūpiṇam // PS_1,10.131 // aṇḍādbahiḥ pṛthivyādi manastatvādi santateḥ / dṛṣṭvādhyātvopāsya sarve muktiṃ yāsyanti kālataḥ // PS_1,10.132 // ahaṅkāragataṃ draṣṭumīśānopāsane kṣamāḥ / puṣkarādyā mahendrāntāḥ kramādadhikakāntayaḥ // PS_1,10.133 // koṭyarbudārkābhaṃ devaṃ vāmadevādayo harim / upāsyāhaṅkāratatvavyāptasattanumīśvaram // PS_1,10.134 // mucyate ca mahattatve tamasyapi tataṃ harim / paśyantīvāruṇīpūrvā neṣyanti tamasisthitam // PS_1,10.135 // anantārkarucā satvāvṛtyantaṃ vyāptamavyayam / upāsya gīrmuktimeti tatopyadhikaruk tataḥ // PS_1,10.136 // vāsudevāvaraṇagaṃ brahmā paśyati netaraḥ / yāvatpaśyanti taṃ jīvaṃ tāvatsāmānyaruk sa hi // PS_1,10.137 // yāvanupāsyo vai viṣṇustāvatteṣāṃ viśeṣabhā / brahmaṇo naiva sāmānyarugviśeṣaprabho hi saḥ // PS_1,10.138 // atyalpasukharūpāṃśā jīvānāṃ yogyatāvasan / yādṛśī bhāramāyāstu vyāptāyāḥ sarvadeśagā // PS_1,10.139 // bhānuprabhāgatā dīpaprabhā yadvanna rocate / tathā viṣṇuprabhānunnāmāprabhā naiva rocate // PS_1,10.140 // evaṃ nīcaprabhāsvoccaprabhāsu pravilīyate / tathāpi ca yathārthajñā muktāptai tatvavettamāḥ // PS_1,10.141 // yo yāvatīṃ harau kāntiṃ vetyasau tacchatāṃśabhāk / prabhātyeva prakāśasya tāratamyaṃ viduttamāḥ // PS_1,10.142 //

[Den Abschluss bildet die zusammenfassende Kern-Hierarchie der Hari-Schau nach Reichweite in die kosmischen Hüllen hinein – die dichteste und höchste Stufe dieser gesamten Kapitel-Lehre:] Bis zu solcher Lichthelle sieht [ein jeweiliges Wesen] Viṣṇu mit dem [ihm eigenen] Auge; mit dem [bloß] behinderten wesenhaften [Auge] sehen sie den Herrn keineswegs [vollständig]. Puṣkara u.a. bis hin zu Śakra (Indra) sehen den im Weltenei ausgebreiteten Herrn [zwar], verehren ihn aber nicht in der zuvor genannten Allgestalt. Außerhalb des Eis, [in] Erde u.a., [in] der Manas-Prinzip-u.a.-Reihe, [ihn] schauend und meditierend verehrend, gelangen alle im Laufe der Zeit zur Befreiung. Den im Ahaṅkāra befindlichen [Hari] zu schauen sind fähig, in der Verehrung des Herrn, Puṣkara u.a. bis hin zu Mahendra, der Reihe nach von zunehmendem Glanz; den Gott von Millionen-mal-Milliarden-Sonnen-Glanz, Hari, verehren Vāmadeva u.a., den im Ahaṅkāra-Prinzip ausgebreiteten, wesenhaften Herrn, und werden befreit. Im Mahat-Prinzip, ja selbst im Tamas [noch] ausgebreitet, schauen ihn die 'Vāruṇī'-vorangehenden [Wesen, d.h. eine bestimmte westliche/rechte Gruppe] als Hari; den im Tamas befindlichen [Hari allein] werden sie nicht [voll] erkennen. Den mit endlosem Sonnenglanz bis zur Sattva-Hülle hin ausgebreiteten, unvergänglichen [Hari] verehrend, erlangt [eine weitere Gruppe] durch [bloße] Rede-Verehrung die Befreiung; noch höheren Glanz [sieht eine wiederum höhere Gruppe] danach. Den in der Vāsudeva-Hülle befindlichen [Hari] sieht [allein] Brahmā, kein anderer; solange sie [andere Wesen] jenen [Hari nur] als [gewöhnliche] Seele sehen, [erscheint er ihnen] mit [bloß] gewöhnlichem Glanz. Solange Viṣṇu [von ihnen] verehrt wird, [erscheint] ihnen ein besonderer Glanz; für Brahmā [aber gibt es] keinen bloß gewöhnlichen Glanz – er ist [allein] der Herr des besonderen Glanzes. Die winzigsten, glückseligkeits-geformten Anteile der Seelen wohnen [ihrer jeweiligen] Eignung [entsprechend]; wie beschaffen auch die Last der überall ausgebreiteten Māyā [sei] – so wie der Schein einer Lampe im Sonnenlicht nicht gefällt, so gefällt auch ein von Viṣṇus Glanz nicht überstrahlter [geringerer] Glanz keineswegs. So erlischt der niedere Glanz im höheren Glanz; dennoch [bewahren] die wahrheitserkennenden, von den Befreiten Erreichten, die vortrefflichsten Prinzipien-Kenner [ihre je eigene Erkenntnis]. Wer, wieviel Glanz auch immer er in Hari erkennt, ist an dessen Hundertstel-Teil beteiligt – so allein leuchtet [ihm] die Hierarchie des Glanzes; [dies] erkennen die Vortrefflichsten.

Wort für Wort
puṣkarādyāḥ śakrāntāḥ paśyanti ... na upāsyanti pūrvoktākhilarūpiṇam
Puṣkara u.a. bis Indra sehen ... verehren aber nicht die zuvor genannte Allgestalt
vāsudevāvaraṇagaṃ brahmā paśyati na itaraḥ
den in der Vāsudeva-Hülle befindlichen [Hari] sieht [nur] Brahmā, kein anderer
brahmaṇaḥ na sāmānyaruk, viśeṣaprabhaḥ saḥ
für Brahmā gibt es keinen gewöhnlichen Glanz, er ist der Herr des besonderen Glanzes
yaḥ yāvatīṃ harau kāntiṃ vetti asau tacchatāṃśabhāk
wer wieviel Glanz in Hari erkennt, ist an dessen Hundertstel-Anteil beteiligt

Abschließende Zusammenfassung der gesamten Hierarchie-Lehre dieses Adhyāya als Stufenfolge der Hari-Schau durch die kosmischen Hüllen hindurch: Welten-Ei-Oberfläche → Erde/Manas-Bereich → Ahaṅkāra → Mahat/Tamas → Sattva-Hülle → Vāsudeva-Hülle (nur Brahmā). Der Schluss-Vers (V.142) formuliert den allgemeinen Grundsatz der 'Glanz-Hierarchie' (prakāśa-tāratamya), der den gesamten Adhyāya durchzieht: jedes Wesen erfasst nur einen seiner Stufe entsprechenden Bruchteil von Haris Glanz. Kolophon: 'So [endet] im ersten Teil der ehrwürdigen Prakāśa-Saṃhitā der zehnte Adhyāya.' Dieser Adhyāya (142 Verse) ist der bislang umfangreichste und zugleich thematisch dichteste des gesamten Werks; zahlreiche Einzelangaben (insbesondere Zahlwörter und technische Termini in V.85-129) bleiben trotz sorgfältiger Prüfung unsicher und wurden durchgehend mit [?]/[Anm.] markiert.

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