Quellen der Menschheit

Prakāśa-Saṃhitā

Paṭala 21: svāyambhuvamanugenealogiyā kardamakapilopākhyānaṃ vaṃśāvalisamāptiśca Teil 2, Adhyāya 6 (Schlusskapitel des gesamten Werks): Devahūti und Kardama, die Geburt Kapilas, und die Genealogien bis zu Vasudeva und Hari

PS_2,6.1-60. LETZTES KAPITEL DER GESAMTEN PRAKĀŚA-SAṂHITĀ (21 Adhyāyas: Teil 1 mit 15, Teil 2 mit 6). Zusammenfassender Rückblick auf die sieben Unterwelten und Bhūloka, dann eine Reihe kunstvoll ineinander verschachtelter Genealogien: Svāyambhuva Manu und seine Tochter Devahūti (hier in einer vom Bhāgavata-Purāṇa abweichenden Fassung zunächst von einem Gandharva-Fürsten entführt), ihre Askese mit Kardama, der neun Töchter (verheiratet mit den neun großen Ṛṣis) und der Sohn Kapila (als Nārāyaṇa-Inkarnation, der seiner Mutter die nach ihm benannte Befreiungslehre offenbart); eine explizite Lehre der zyklischen Wiederkehr identischer Namen/Rollen (Kaśyapa, Dakṣa) über die Manvantaras hinweg; die 27 Nakṣatra-Gattinnen des Mondes und dessen Epitheta-Katalog; Atris Söhne Datta (=Nārāyaṇa) und Durvāsas (=Teil Śivas) mit der berühmten Ambarīṣa-Sudarśana-Episode; die Aṅgiras-Bṛhaspati-Bharadvāja-Droṇa-Linie; die Kaca-Devayānī-Śarmiṣṭhā-Yayāti-Erzählung (stark korrumpierter Quelltext, eigenständig übersetzt); und schließlich, als bewusster Schlusspunkt des gesamten Werks, die Rückführung der Yadu-Kṛtavīrya-Arjuna-Linie bis zu Vasudeva und der Geburt Haris (Kṛṣṇas) – die gesamte kosmogonische Genealogie des Werks mündet damit explizit in die Gegenwart der Pāñcarātra-Verehrung Kṛṣṇas.

śrībhagavānuvāca. atalādyā saptalokāḥ bile svargāḥ prakīrtitāḥ / meroradhastātte sarve prāyaśo jñāni saṅkulāḥ // 1 // eṣāmupari bhūlokaḥ sarvalokatamo mataḥ / tasmin hi bhārate varṣe barhiṣmattākhyapattane // 2 // śatarūpāpatiḥ pūrvaṃ manuḥ svāyaṃbhuvo 'bhavat / devadāsānekakoṭisevitāṅghrisaroruhaḥ // 3 // śaśāsa medinīm etāṃ prajāḍyorasavatsadā / devahūtistu tatputrī kvaciddharmyagatā bhavat // 4 // tāṃ dṛṣṭvā saṃganobhūmau gandharvādhīśvaro 'patat(bhavat) / rūpayauvanasampannāṃ tāmāropya rathe svayam // 5 // bhāryayā saha tatrāgāt sarasvatyāṃ taṭaṃ prati / tatra bindusarastīre tapataḥ kardamasyatām // 6 // puṇyāśramaṃ pradatvāttu manuḥ kṛchrāt svakaṃ puram / gate rājani sā devī vastrābharaṇasañcayam // 7 // nadyāṃ prāsya viraktasya cīrṇaveṇājināmbarā / vratakṣāmāparyacaratpatiṃ bhaktyā jaṭādharā // 8 // itthaṃ tayā sevitāṅghrī rājaputrīmabhāṣata / hitaṃ vadeti sā devī(vavre) taṃ tu yogaprabhāvataḥ // 9 //

Der Erhabene sprach: Atala und die übrigen sieben Welten, in einer Höhlung [gelegen], werden als [Unter-]Himmel verkündet; unterhalb des Meru sind sie alle größtenteils von wissenden [Wesen] erfüllt [?]. Oberhalb dieser [Welten liegt] Bhūloka, das als das [dichteste/dunkelste] aller Welten gilt [?]. Dort nun, im Bhārata-Land, in der Stadt namens Barhiṣmatī, war einst Manu Svāyambhuva, der Gatte Śatarūpās, dessen Lotosfüße von unzähligen Millionen Götterdienern verehrt wurden; er beherrschte diese Erde, [deren Untertanen] stets kräftig [waren] [?]. Devahūti aber, seine Tochter, geriet einst auf einen rechtschaffenen Weg [d.h. entfernte sich einmal in frommer Absicht]. Als der Gebieter der Gandharvas sie erblickte, [eilte er (?)] auf die Erde, [von Verlangen ergriffen], und hob sie, an Schönheit und Jugend reich, selbst auf seinen Wagen; zusammen mit [ihr als seiner] Gattin ging er dorthin, zum Ufer der Sarasvatī; dort, am Ufer des Bindusaras, [näherte er sich] dem in Askese befindlichen Kardama. Nachdem Manu [sie] der heiligen Einsiedelei mit Mühe übergeben hatte, [kehrte er] in seine eigene Stadt [zurück]; als der König fortgegangen war, warf jene Herrin ihre Ansammlung von Gewändern und Schmuck in den Fluss; leidenschaftslos [geworden], in gewebte Bastrinden und Antilopenhaut gekleidet, durch Gelübde abgemagert, mit verfilztem Haar, diente sie [ihrem] Gatten mit Hingabe. So, [nachdem] ihm von ihr die Füße gedient worden waren, sprach er [Kardama] zur Königstochter: „Sage [mir], was dir wohltut”; jene Herrin aber wählte/erbat ihn [selbst], kraft der Macht des Yoga —

Wort für Wort
atalādyāḥ saptalokāḥ bile svargāḥ prakīrtitāḥ
Atala u.a., sieben Welten in einer Höhlung, werden als Himmel verkündet
meroradhastāt jñāni saṅkulāḥ
unterhalb des Meru, von Wissenden erfüllt
eṣām upari bhūlokaḥ sarvalokatamaḥ mataḥ
oberhalb dieser Bhūloka, als [?] aller Welten geltend
barhiṣmattākhyapattane
in der Stadt namens Barhiṣmatī
śatarūpāpatiḥ manuḥ svāyaṃbhuvaḥ
Manu Svāyambhuva, Gatte Śatarūpās
devadāsānekakoṭisevitāṅghrisaroruhaḥ
dessen Lotosfüße von Millionen Götterdienern verehrt wurden
medinīm etāṃ śaśāsa
er beherrschte diese Erde
devahūtiḥ tatputrī dharmyagatā abhavat
Devahūti, seine Tochter, geriet auf einen rechtschaffenen Weg
gandharvādhīśvaraḥ tāṃ dṛṣṭvā bhūmau apatat
der Gandharva-Gebieter, sie sehend, eilte zur Erde
rāma-yauvana-sampannām rathe āropya
die an Schönheit/Jugend reiche auf den Wagen hebend
sarasvatyāṃ taṭaṃ prati bhāryayā saha agāt
ging mit ihr als Gattin zum Sarasvatī-Ufer
bindusarastīre tapataḥ kardamasya
am Bindusaras-Ufer, zum in Askese befindlichen Kardama
manuḥ puṇyāśramaṃ pradatvā svakaṃ puram gataḥ
Manu, die heilige Einsiedelei übergebend, ging in seine Stadt
sā devī vastrābharaṇasañcayaṃ nadyāṃ prāsya
jene Herrin warf ihre Gewänder/Schmuck-Sammlung in den Fluss
cīrṇaveṇājināmbarā vratakṣāmā jaṭādharā
in Bastrinde/Antilopenhaut, durch Gelübde abgemagert, mit Filzhaar
patiṃ bhaktyā paryacarat
diente dem Gatten mit Hingabe
hitaṃ vada iti abhāṣata
er sprach: ,sage, was dir wohltut'
sā devī taṃ yogaprabhāvataḥ vavre
jene Herrin erbat ihn kraft der Yoga-Macht

[?] V.2 (,sarvalokatamaḥ') und V.4 (,prajāḍyorasavat') bleiben unsicher. Bemerkenswerte Variante des klassischen Kardama-Devahūti-Mythos (vgl. Bhāgavata-Purāṇa III): hier wird Devahūti zunächst von einem Gandharva-Fürsten entführt/mitgenommen, bevor sie bei Kardama ankommt und ihre Askese beginnt – im Standardmythos übergibt Manu seine Tochter Kardama direkt in Ehe, ohne diese Zwischenepisode.

saṃyojanāyāmumudyadravirakta(tna)prabhānvitam / sarvopaskaraṇopetaṃ pakṣivṛkṣajalā(samā)kulam // 10 // sauvarṇaṃ kālagamataṃ sugandhi sumanoharam / svayaṃ tadāhṛde snātvā babhau sarvamanoharaḥ // 11 // sāpi śrīriva saundaryavastrābharaṇabhūṣaṇaiḥ / tuṣṭvā sa satayā sārdhaṃ remebdaśatakaṃ ṛṣiḥ // 12 // mervādiṣu caran divyavimānasthaḥ samuktavat / suśabdasparśasurasarūpagandhamanoharaḥ // 13 // ninye kālaṃ kṣaṇamiva kusumākaravāyubhiḥ // 14 //

Für die Vereinigung [mit ihr erschuf er ein himmlisches Flugschloss], ausgestattet mit dem Glanz der aufgehenden Sonne bzw. von Juwelen [?], versehen mit jeglichem Gerät, erfüllt von Vögeln, Bäumen und Wasser, golden, durch die Lüfte fahrend [?], wohlriechend, überaus reizvoll. Er selbst, darin im See gebadet, erstrahlte, alles bezaubernd. Auch sie, gleich der Śrī, durch Schönheit, Gewänder, Schmuck und Zierat; nachdem er [sie] zufriedengestellt hatte, ergötzte sich der Weise zusammen mit der tugendhaften [Frau] ein ganzes Jahrhundert lang, umherziehend zum Meru u.a. [Orten], in einem göttlichen Flugpalast weilend, wie befreit [von aller Beschränkung], an schönem Klang, Berührung, Geschmack, Gestalt und Duft sich erfreuend, verbrachte er die Zeit wie einen einzigen Augenblick, inmitten der Frühlingswinde.

Wort für Wort
saṃyojanāya
für die Vereinigung
udyadraviratnaprabhānvitam
mit dem Glanz der aufgehenden Sonne/von Juwelen ausgestattet
sarvopaskaraṇopetam
mit jeglichem Gerät versehen
pakṣivṛkṣajalākulam
erfüllt von Vögeln, Bäumen, Wasser
sauvarṇam khagamatam sugandhi sumanoharam
golden, durch die Lüfte fahrend, wohlriechend, reizvoll
tadāhṛde snātvā babhau sarvamanoharaḥ
darin im See gebadet, erstrahlte er, alles bezaubernd
sā śrīḥ iva saundaryavastrābharaṇabhūṣaṇaiḥ
sie, wie Śrī, durch Schönheit, Gewänder, Schmuck
satayā sārdham abdaśatakam reme ṛṣiḥ
der Weise ergötzte sich mit der Tugendhaften ein Jahrhundert lang
mervādiṣu caran divyavimānasthaḥ
zum Meru u.a. ziehend, im göttlichen Flugpalast
suśabdasparśasurasarūpagandhamanoharaḥ
an Klang, Berührung, Geschmack, Gestalt, Duft sich erfreuend
kālaṃ kṣaṇam iva ninye kusumākaravāyubhiḥ
verbrachte die Zeit wie einen Augenblick, mit Frühlingswinden

[?] V.10-11 enthalten mehrere unsichere Wortformen (Klammer-Varianten im Quelltext); die Beschreibung des von Kardama erschaffenen Wunder-Flugpalasts folgt dem bekannten Motiv aus dem Bhāgavata-Purāṇa (dort ,Vimāna Bhauma').

ityenaṃ(ratyeta)bindusarasastīra āsannavāṅganāḥ / tatputrikānāṃ nāmāni śruṇu me vadataḥ sadā // 15 // kalānasūyā śraddhā ca havirbhūśca gatiḥ kriyā / arundhatī ca cittiśca khyātiḥ kardamaputrikāḥ // 16 // kalāṃ marīcaye prādādanusūyāmathā trayī / śraddhāmaṅgirase prādāt pulastyāya havirbhuvam(bhuvi) // 17 // pulahāya gatiṃ prādāt kratave sakriyāṃ sutām / arundhatīṃ vasiṣṭhāya cittiṃ ca bhṛgaverpayat // 18 // atharvaṇāya ca khyātiṃ datvā hṛṣṭo babhūva ha / tataḥ śatābdaṃ cikrīḍya tatosyāṃ kapilaṃ vyadhāt // 19 // sa kardama tapoyogāt sākṣānnārāyaṇo bhavat / tyaktvā vimānaṃ bhāryāṃ ca kardamastapase yayau // 20 // autpattibrahmacārī tu tasmin bindusarastaṭe / svamātre kapilastatvamuktvāmuktiṃ dadau muniḥ // 21 // tattatvaṃ kapilopākhyaṃ karmagranthinikṛntanam

So [entstand am] Ufer des Bindusaras [ihr Nachwuchs]; höre nun von mir, der ich stets [dies] verkünde, die Namen seiner [Kardamas] Töchter: Kalā, Anasūyā und Śraddhā, und Havirbhū, Gati, Kriyā, und Arundhatī, und Citti, [und] Khyāti – [dies sind] Kardamas Töchter. Kalā gab er dem Marīci, und Anasūyā sodann dem Atri; Śraddhā gab er dem Aṅgiras, [und] Havirbhū dem Pulastya; Gati gab er dem Pulaha, und dem Kratu die Tochter Kriyā; Arundhatī dem Vasiṣṭha, und Citti vertraute er dem Bhṛgu an; und nachdem er dem Atharvan Khyātī gegeben hatte, wurde er wahrhaft froh. Dann, nachdem er hundert Jahre [mit Devahūti] gespielt hatte, zeugte er hierauf in ihr Kapila. Dieser [Sohn], durch [Kardamas] Askese und Yoga-Kraft, wurde Nārāyaṇa selbst, sichtbar geworden. Nachdem er den Flugpalast und [seine] Gattin verlassen hatte, ging Kardama zur Askese; er [Kapila] aber, ein von Geburt an Enthaltsamer, [verblieb] dort, am Ufer des Bindusaras. Seiner eigenen Mutter verkündete Kapila, der Weise, die Wahrheit [tattva] und gewährte [ihr] die Befreiung; jene Wahrheitslehre, nach Kapila benannt, durchtrennt den Knoten des Karma.

Wort für Wort
bindusarastīre āsannavāṅganāḥ
am Bindusaras-Ufer nahe Frauen [?]
tatputrikānāṃ nāmāni
die Namen seiner Töchter
kalā anasūyā śraddhā havirbhūḥ gatiḥ kriyā arundhatī cittiḥ khyātiḥ
die neun Töchter Kardamas
kalāṃ marīcaye prādāt
Kalā gab er dem Marīci
anasūyām atraye
Anasūyā dem Atri
śraddhām aṅgirase pulastyāya havirbhuvam
Śraddhā dem Aṅgiras, Havirbhū dem Pulastya
pulahāya gatim kratave kriyām
Gati dem Pulaha, Kriyā dem Kratu
arundhatīṃ vasiṣṭhāya cittiṃ bhṛgave
Arundhatī dem Vasiṣṭha, Citti dem Bhṛgu
atharvaṇāya khyātim datvā hṛṣṭaḥ babhūva
Khyāti dem Atharvan gebend, wurde froh
śatābdaṃ cikrīḍya tasyām kapilam vyadhāt
hundert Jahre spielend, zeugte in ihr Kapila
saḥ tapoyogāt sākṣāt nārāyaṇaḥ babhūva
er wurde durch Askese/Yoga Nārāyaṇa selbst
vimānaṃ bhāryāṃ tyaktvā kardamaḥ tapase yayau
Flugpalast und Gattin verlassend ging Kardama zur Askese
autpattibrahmacārī bindusarastaṭe
von Geburt an enthaltsam, am Bindusaras-Ufer
svamātre tattvam uktvā muktim dadau
der Mutter die Wahrheit verkündend, gewährte die Befreiung
kapilopākhyaṃ tattvaṃ karmagranthinikṛntanam
die nach Kapila benannte Lehre, den Karma-Knoten durchtrennend

Die neun Kardama-Töchter, verheiratet mit den neun großen Weisen (Marīci, Atri, Aṅgiras, Pulastya, Pulaha, Kratu, Vasiṣṭha, Bhṛgu, Atharvan), und die Geburt Kapilas als Nārāyaṇa-Inkarnation, der seiner Mutter die Sāṅkhya-verwandte ,Kapila-Lehre' zur Befreiung offenbart – klassisches, aus dem Bhāgavata-Purāṇa bekanntes Motiv, hier eigenständig aus dem Prakāśa-Saṃhitā-Wortlaut übersetzt.

marīceḥ kaśyapo jajñe iha vaivasvatāntare / punarjātasya dakṣasya trayodaśasutāsu saḥ // 22 // kaśyapāya pradattāsu dityādityādikāsu ca / pūrvoktāstanayā āsan pūrvamanvantareṣu saḥ // 23 // kaśyapo nāma bhedeṣu marīcestanayo bhavat / anyasyāmapi bhāryāyāṃ dakṣajāḥ ṣaṣṭhikanyakāḥ // 24 // pratimanvantereṣvāsuḥ kaśyapāya trayodaśa / dattāsyāsurnāmabhedena tā jātāḥ surāsurāḥ // 25 // pūrvoktā nāmabhedena svasvavyāpārasādhakāḥ / asmin kaśyapanāmāsīdbhāryāputrādayodhunā // 26 // proktavyāpāranāmānaḥ pūrvavadbhāvi kālake / sa tātvika ṛṣiproktapuṣkarācca śatāvarāḥ // 27 //

Von Marīci wurde hier, im Vaivasvata[-Manvantara], Kaśyapa [erneut] geboren; er [entstand] unter den dreizehn Töchtern des wiedergeborenen Dakṣa, die dem Kaśyapa gegeben wurden – Diti, Aditi u.a. Die zuvor genannten Söhne [existierten ebenso] in den früheren Manvantaras; er [dieser Kaśyapa war] den [namentlichen] Unterscheidungen nach [wieder] der Sohn des Marīci. Und in einer anderen Gattin auch [erhielt er] sechzig Töchter Dakṣas; in jedem [aufeinanderfolgenden] Manvantara wurden dem Kaśyapa dreizehn [Gattinnen] gegeben; durch Unterscheidung des Namens wurden diese [Gattinnen Mütter von] Göttern und Dämonen – den zuvor genannten, [nun jeweils] durch Namensunterschied [gekennzeichnet], die je ihre eigene Aufgabe erfüllen. In diesem [gegenwärtigen Manvantara] trägt [wieder derselbe] den Namen Kaśyapa, mit Gattinnen, Söhnen usw. wie jetzt; mit den verkündeten Aufgaben und Namen wird es im künftigen Zeitalter ebenso sein wie zuvor; er, der wesenskundige, aus dem Lotos [puṣkara] entstandene, von den Ṛṣis Verkündete, [hat] hundert nachfolgende [Gestalten (?)].

Wort für Wort
marīceḥ kaśyapaḥ jajñe vaivasvatāntare
von Marīci wurde Kaśyapa im Vaivasvata-Manvantara geboren
punarjātasya dakṣasya trayodaśasutāsu
unter den dreizehn Töchtern des wiedergeborenen Dakṣa
dityādityādikāsu kaśyapāya pradattāsu
Diti, Aditi u.a., dem Kaśyapa gegeben
pūrvoktāḥ tanayāḥ pūrvamanvantareṣu āsan
die zuvor genannten Söhne existierten in früheren Manvantaras
kaśyapo nāma bhedeṣu marīceḥ tanayaḥ
Kaśyapa, den Unterscheidungen nach, [wieder] Sohn Marīcis
anyasyām bhāryāyām dakṣajāḥ ṣaṣṭhikanyakāḥ
in einer anderen Gattin, sechzig Töchter Dakṣas
pratimanvantareṣu kaśyapāya trayodaśa dattāḥ
in jedem Manvantara dem Kaśyapa dreizehn gegeben
nāmabhedena surāsurāḥ jātāḥ
durch Namensunterschied wurden Götter/Dämonen geboren
svasvavyāpārasādhakāḥ
je ihre eigene Aufgabe erfüllend
asmin kaśyapanāma āsīt bhāryāputrādayaḥ adhunā
in diesem [Manvantara] der Name Kaśyapa, mit Gattinnen/Söhnen jetzt
proktavyāpāranāmānaḥ pūrvavat bhāvi kālake
mit verkündeten Aufgaben/Namen künftig wie zuvor
saḥ tātvikaḥ ṛṣiproktapuṣkarāt śatāvarāḥ
er, der wesenskundige, vom Lotos, hundert nachfolgende [?]

[Anm.: Dieser Abschnitt formuliert explizit eine Lehre der zyklischen Wiederkehr identischer Namen/Rollen (Kaśyapa, Dakṣa, deren Töchter) über aufeinanderfolgende Manvantaras hinweg – ein bereits in früheren Kapiteln (u.a. Adh.16-17) anklingendes, hier aber besonders klar ausformuliertes kosmologisches Motiv der ewigen Wiederkehr innerhalb des zyklischen Weltbilds. [?] V.27 (,śatāvarāḥ') bleibt unsicher.

ajāsya dakṣatanayāḥ pūrvamanvantareṣu ca / saptaviṃśati saṃkhyākāḥ indorbhāryā babhūvire // 28 // aśvinyādyāstārakāste kālacakrapravartakāḥ / sarohiṇyāṃ pakṣapātādanyāsu viparītadṛk // 29 // dakṣaśāpādasantānāḥ sarvamanvantareṣvapi / bhūtāṅgirakṛśāśvebhyo dve dve datte ca bhānujāḥ // 30 // bhānunāṃ nakṣatrāṇāṃ manujaḥ--------- / dattāścataśro dakṣāya daśadharmāya tāsu vai // 31 // babhūvustanayāḥ prāyo jñānabhaktyādimāninaḥ / atrinetrodbhavaścandraḥ sarvamanvantareṣvapi // 32 // vṛkṣāṇāmauṣadhīnāṃ ca nakṣatrāṇāṃ ca vallabhaḥ / niśākaro himakarastapahṛt sukhadaḥsadā(kṛtsadā) // 33 // amṛtāṃśosadanneśo hyabdijaḥ śrīsahodaraḥ / edhamāna kalānāthaḥ śaśāṅko lokabāndhavaḥ // 34 //

Die Töchter Dakṣas [?, ajāsya unsicher], auch in den früheren Manvantaras, siebenundzwanzig an der Zahl, wurden die Gattinnen des Indu [Mond]; diese Sterne, mit Aśvinī beginnend, sind die Antreiber des Zeitenrades; gegenüber Rohiṇī [zeigte er] aus Vorliebe [Zuneigung], gegenüber den anderen abgewandten Blick. Durch Dakṣas Fluch blieben sie in allen Manvantaras kinderlos; dem Bhūta, Aṅgiras und Kṛśāśva wurden je zwei der Sonnentöchter gegeben [?]. Von den Sternen der Sonne(?), der Mensch [Lücke im Quelltext] – vier wurden dem Dakṣa gegeben, zehn dem Dharma unter ihnen; deren Söhne waren zumeist stolz auf Wissen, Hingabe u.ä. Der Mond, aus Atris Auge entstanden, [ist] in allen Manvantaras der Geliebte der Bäume, Kräuter und Sterne, der Nachtmacher, der Kältemacher, der Hitzenehmer, stets Glück Spendende [?]; der Herr des Nektaranteils und der Speise, der Ozeangeborene, der Bruder der Śrī, der wachsende Herr der Mondphasen, der Hasengezeichnete, der Freund der Welt.

Wort für Wort
dakṣatanayāḥ saptaviṃśati indoḥ bhāryāḥ babhūvire
Dakṣas Töchter, 27 an der Zahl, wurden die Gattinnen des Mondes
aśvinyādyāḥ tārakāḥ kālacakrapravartakāḥ
die Sterne, mit Aśvinī beginnend, treiben das Zeitenrad an
rohiṇyāṃ pakṣapātāt anyāsu viparītadṛk
gegenüber Rohiṇī aus Vorliebe, gegenüber den anderen abgewandt
dakṣaśāpāt asantānāḥ sarvamanvantareṣu
durch Dakṣas Fluch kinderlos in allen Manvantaras
bhūtāṅgirakṛśāśvebhyaḥ dve dve bhānujāḥ datte
dem Bhūta, Aṅgiras, Kṛśāśva je zwei Sonnentöchter gegeben
[Lücke im Quelltext]
[Lücke im Quelltext selbst]
catasraḥ dakṣāya daśa dharmāya dattāḥ
vier dem Dakṣa, zehn dem Dharma gegeben
tanayāḥ jñānabhaktyādimāninaḥ
deren Söhne, stolz auf Wissen/Hingabe
atrinetrodbhavaḥ candraḥ sarvamanvantareṣu
der aus Atris Auge entstandene Mond, in allen Manvantaras
vṛkṣāṇām auṣadhīnāṃ nakṣatrāṇāṃ vallabhaḥ
Geliebter der Bäume, Kräuter, Sterne
niśākaraḥ himakaraḥ tapahṛt sukhadaḥ
Nachtmacher, Kältemacher, Hitzenehmer, Glückspender
amṛtāṃśoḥ sadanneśaḥ abdijaḥ śrīsahodaraḥ
Herr des Nektars/der Speise, Ozeangeborener, Bruder der Śrī
edhamānakalānāthaḥ śaśāṅkaḥ lokabāndhavaḥ
wachsender Herr der Mondphasen, Hasengezeichneter, Weltenfreund

[?] V.28 (,ajāsya'), V.30-31 (unklare Beziehungen, dazu eine im Quelltext selbst als Lücke erscheinende Passage ,manujaḥ---------') bleiben unsicher bzw. fragmentarisch – die Lücke wurde nicht überbrückt, sondern als solche kenntlich gemacht. Es folgt ein Katalog klassischer Mond-Epitheta (Niśākara, Himakara, Śaśāṅka usw.).

anasūyāsutāvatre dattadūrvāsasāvubhau / yogapravartako yogādbrahmaṇyau brahmacāriṇau // 35 // datto nārāyaṇaḥsākṣāt dūrvāsāḥ śaṅkarāṃśakaḥ / saṃcaṇḍakopaḥ pṛthayā pūjito manumādiśat // 36 // tenaiva karṇadharmādīn trīnasūta supūjitā / sombarīṣādalpaśiṣṭadvādaśyāṃ bhojanerthitaḥ // 37 // omityuktvā tu kālindyāṃ magno nāgācciraṃ nṛpaḥ / viprājñayāmbhasā cakre pāraṇaṃ sādhanecchayā // 38 // tajñātvāthādiśatkṛtyaṃ rājñe sopyasmaradharim / pūrvamāptaṃ hareścakraṃ kṛtyāṃ hatvā vibhīṣayat // 39 // sa ṛṣiḥ sarvalokeśaiḥ viṣṇunā ca nirākṛtaḥ / ambarīśaṃ prāpya tena mocito bhojitobhyagāt // 40 // sa dūrvāsāḥ rāmakṛṣṇau prāpya kṛṣṇāmayācata / sadyonnaṃ dīyatāmahyam iti taistuṣṭa āvrajat // 41 //

Die beiden Söhne Anasūyās und Atris [waren] Datta und Durvāsas, beide – der eine [Datta] Begründer des Yoga durch Yoga, beide dem Brahman ergeben, keusche Asketen. Datta ist Nārāyaṇa selbst, sichtbar geworden; Durvāsas ein Teil Śaṅkaras [Śiva], von überaus jähzornigem Gemüt; von Pṛthā [Kuntī] verehrt, lehrte er [ihr das] Mantra. Eben durch dieses [Mantra] gebar sie, wohlverehrt, Karṇa, [den Sohn] Dharmas u.a., drei [Söhne]. Von Ambarīṣa, [als] auf der Zwölften [Dvādaśī], mit nur wenig verbliebener [Zeit], zum Mahle gebeten, [antwortete er] „Om” und tauchte [dann] lange Zeit in die Kālindī [Yamunā] unter; nicht [zurückkehrend], vollzog der König auf Anweisung der Brahmanen den Fastenbruch mit [bloßem] Wasser, aus dem Wunsch, das Ritual [dennoch] gültig zu vollziehen. Als er [Durvāsas] dies erfuhr, entfesselte er ein Unheilswesen (kṛtyā) gegen den König; dieser aber gedachte Haris; der zuvor erlangte Diskus Haris erschlug das Unheilswesen und erschreckte [Durvāsas seinerseits]. Jener Weise, von allen Herren der Welten und von Viṣṇu [selbst] zurückgewiesen, erreichte Ambarīśa, wurde von ihm [aus seiner Bedrängnis] befreit und zog, bewirtet, [wieder] fort. Jener Durvāsas, zu Rāma und Kṛṣṇa gekommen, erbat von Kṛṣṇā [Draupadī]: „Sogleich möge mir Speise gegeben werden” – von ihnen zufriedengestellt, zog er [wieder] fort.

Wort für Wort
anasūyāsutau atre datta-dūrvāsasau ubhau
die beiden Söhne Anasūyās und Atris, Datta und Durvāsas
yogapravartakaḥ yogāt brahmaṇyau brahmacāriṇau
der Begründer des Yoga durch Yoga, beide brahmanenfromm, keusch
dattaḥ nārāyaṇaḥ sākṣāt
Datta ist Nārāyaṇa selbst
dūrvāsāḥ śaṅkarāṃśakaḥ saṃcaṇḍakopaḥ
Durvāsas, ein Teil Śaṅkaras, sehr jähzornig
pṛthayā pūjitaḥ manum ādiśat
von Pṛthā verehrt, lehrte er das Mantra
tena karṇadharmādīn trīn asūta
durch dieses gebar sie Karṇa, Dharma[-Sohn] u.a., drei
ambarīṣāt dvādaśyāṃ bhojane arthitaḥ
von Ambarīṣa zum Mahl am zwölften Tag gebeten
om iti uktvā kālindyāṃ magnaḥ ciram
,Om' sagend, tauchte er lange in der Kālindī unter
viprājñayā ambhasā pāraṇam cakre
auf Brahmanenrat vollzog er den Fastenbruch mit Wasser
tajñātvā kṛtyam ādiśat rājñe
dies erfahrend, entfesselte er ein Unheilswesen gegen den König
saḥ api harim asmarat
dieser aber gedachte Haris
hareḥ cakram kṛtyām hatvā vibhīṣayat
Haris Diskus erschlug das Unheilswesen und erschreckte [ihn]
sarvalokeśaiḥ viṣṇunā ca nirākṛtaḥ
von allen Weltherren und Viṣṇu zurückgewiesen
ambarīṣaṃ prāpya mocitaḥ bhojitaḥ abhyagāt
zu Ambarīṣa gekommen, befreit, bewirtet, zog fort
rāmakṛṣṇau prāpya kṛṣṇām ayācata
zu Rāma und Kṛṣṇa gekommen, bat er Kṛṣṇā
sadyaḥ annaṃ dīyatām
sogleich möge Speise gegeben werden

Zwei der drei bekannten ,Trimūrti-Söhne' Atris und Anasūyās (Datta = Nārāyaṇa, Durvāsas = Teil Śivas; der dritte, Candra = Teil Brahmās, bereits in V.32 als ,atrinetrodbhava' erwähnt). Die berühmte Ambarīṣa-Durvāsas-Sudarśana-Episode (vgl. Bhāgavata-Purāṇa IX) und die kurze Anspielung auf Durvāsas' Speise-Bitte an Kṛṣṇa/Draupadī (Akṣayapātra-Episode) werden hier knapp referiert.

śraddhayāmaṅgirāḥ prāpa gurumagnimucathyakam / saṃvartakāgnitanayāḥ prāguktāśca gurorabhūt // 42 // bhūmāvucathyabhāryāyām antarvartiriraṃsataḥ / garbhasthadīrghatapasaḥ pādācchannebhage bhuvi // 43 // patitādretaso jāto muniḥ paramadhārmikaḥ / bharadvājo marudbhiḥ sa pālitobhūt purā kila // 44 // vaivasvatentare candravaṃśe bharatanāmake / niḥsantāne sati tadā marutastasya taṃ daduḥ // 45 // sa udūsatpracututvantumutthāpya ca visṛjyatān / punastapocaraddhīrghakālaṃ bharatavaṃśaje // 46 // śantanau śyāśitajagadgaṅgāyāṃ caratastapaḥ / bharadvājaskannamūrvaśī darśanādanu // 47 // reto dadhāra droṇī(ṇe) saḥ tasmādroṇo bhavadguruḥ / tasmāt kṛpī śaṅkarāṃśamaśvatthāmā samāpa hi // 48 //

Durch Hingabe erlangte Aṅgiras [den Rang eines] Lehrers [gleich] Agni und Ucathya[s Sohn]; Saṃvartaka und Agnis Söhne, die zuvor genannten, wurden [Schüler] des Lehrers [?]. Als [Bṛhaspati, von Verlangen ergriffen,] sich Utathyas Gattin, [die bereits] schwanger war, auf der Erde [nähern wollte], fiel – da der im Mutterleib [durch] langjährige Askese [gestärkte Sohn ihre] Scham mit [seinem] Fuß verdeckt hatte – der Same zu Boden; aus jenem gefallenen Samen wurde der Weise geboren, der überaus Rechtschaffene; Bharadvāja [genannt], wurde er einst, so heißt es, von den Marut-[Göttern] aufgezogen. Im Vaivasvata[-Manvantara], in der Mondlinie, bei [dem König] namens Bharata, der [damals] ohne Nachkommen war, gaben ihm da die Maruts jenen [Knaben]. Er, [nachdem er ihn(?)] großgezogen und [dann wieder] entlassen hatte [?], übte danach wiederum lange Zeit Askese, in der Bharata-Linie geboren [?]. Als [er, Bharadvāja(?),] bei Śāntanu(?), an der die Welt besänftigenden Gaṅgā, Askese übte, [fiel sein Same] infolge des Anblicks der Urvaśī; er [Same] wurde in einem Trog (droṇī) aufgefangen – daraus wurde Droṇa, [der später] Lehrer [der Kaurava-/Pāṇḍava-Prinzen] wurde; von ihm [erhielt seine Gattin] Kṛpī [den Sohn] Aśvatthāman, einen Teil Śaṅkaras [Śiva], fürwahr.

Wort für Wort
śraddhayā aṅgirāḥ gurum prāpa
durch Hingabe erlangte Aṅgiras den Lehrerrang
saṃvartakāgnitanayāḥ guroḥ abhūt
Saṃvartaka und Agnis Söhne wurden [Schüler] des Lehrers
ucathyabhāryāyām antarvartini iraṃsataḥ
als [Bṛhaspati] sich der schwangeren Gattin Utathyas nähern wollte
garbhasthadīrghatapasaḥ pādāt channe bhage
durch den Fuß des im Mutterleib langjährig Asketen die Scham verdeckt
bhuvi patitāt retasaḥ jātaḥ muniḥ paramadhārmikaḥ
aus dem zu Boden gefallenen Samen wurde der überaus rechtschaffene Weise geboren
bharadvājaḥ marudbhiḥ pālitaḥ abhūt purā
Bharadvāja wurde einst von den Maruts aufgezogen
vaivasvatentare candravaṃśe bharatanāmake niḥsantāne
im Vaivasvata-Manvantara, in der Mondlinie, bei dem kinderlosen Bharata
marutaḥ tasya taṃ daduḥ
die Maruts gaben ihm jenen [Knaben]
punaḥ tapaḥ acarat dīrghakālam
wiederum übte er lange Zeit Askese
gaṅgāyāṃ caratastapaḥ ūrvaśīdarśanāt
bei der Gaṅgā Askese übend, infolge des Urvaśī-Anblicks
reto droṇyāṃ dadhāra
der Same wurde im Trog aufgefangen
tasmāt droṇaḥ bhavadguruḥ
daraus Droṇa, der [spätere] Lehrer
tasmāt kṛpī śaṅkarāṃśam aśvatthāmānam samāpa
von ihm erhielt Kṛpī den Śaṅkara-Teil Aśvatthāman

[?] V.42, 46-47 gehören zu den stärker korrumpierten Passagen dieses Schlusskapitels (mehrere unaufgelöste Wortformen/Klammer-Varianten, u.a. der Name ,Śantanu' in V.47, der hier auffällig anstelle von Bharadvāja selbst als Handelnder erscheint – vermutlich Verschreibung oder Namensverwechslung im Quelltext). Die Bharadvāja- und Droṇa-Geburtsmythen (aus verschüttetem Samen infolge einer Apsaras-Vision) folgen dem aus dem Mahābhārata bekannten Grundmuster, hier eigenständig übersetzt.

bṛhaspatestu tārābhyāṃ kaca āsīt sutaḥ purā / vaivasvatentare sobhūcchukraśiṣyaḥ taponidhiḥ // 49 // niṣiddhā tena sā vidyā nasyātta iti śāsayat / kāmāturāpatirmāstu tāni vetya(ttha ?) śapanmuniḥ // 50 // mṛtasañjīvinīmāpa tenayātāstataḥ kvacit / devayānīṃ gurusutāṃ vane tadyogamaicchata // 51 // saha vidhya(dya ?)stu śiṣyeto bhartātestu dvijetaraḥ / ityāhāto kaviproktaśiṣyeṣvapyadhikaṃ bhavet // 52 // devayā(dhā)nī hṛde putryārājñāvedaṣayagharṣaṇaḥ / / nikṣiptā śukraśiṣyasya tayāmbukrīḍanetarā // 53 // svavastradhāraṇādātmakṣiptayā duḥkhitābhavat / hrade 'va saddevayānī rājakanyāhṛtāmbarā // 54 // gatāyāṃ rājanandinyāṃ purataḥ samupāgataḥ / yayātiścandravaṃśottho mṛgayārthaṃ tadācarat // 55 // tāṃ vivastrāṃ samudhṛtya svottarīyaṃ dadau nṛpaḥ / taṃ dhṛtvā sā gṛhaṃ prāparājāgāt svapuraṃ tadā // 56 // tadarthaṃ kupitaṃ śukraṃ rājānatvā prasādya ca / guroḥ sutāyai svasutāṃ dāsītve 'kalpayannṛpaḥ // 57 // śukro yayāti nṛpateḥ kanyāṃ svāṃ pradadau mudā / dāsyā śarmiṣṭayā yuktāṃ dāsī rājñe bhavet satī // 58 //

Von Bṛhaspati und Tārā aber war einst Kaca der Sohn; im Vaivasvata[-Manvantara] wurde er Śukras Schüler, ein Schatz der Askese. Devayānī, des Lehrers [Śukra] Tochter, begehrte im Wald die Vereinigung mit ihm; er aber, obgleich [wiederholt von den Asuras getötet und wiederbelebt(?)], [wies sie] als Schüler [zurück], denn er war ihr wie [ein Bruder], nicht ein rechter Gatte, [selbst] kein Zweitgeborener [im heiratsfähigen Sinne(?)] – so [erklärend], [erwiderte sie:] „Dann soll [die vom Vater] gelehrte Weisheit auch bei [deinen künftigen] Schülern [wirkungslos bleiben].” [Kaca] erlangte [dennoch, durch Śukra selbst,] das Totenerweckungs-[Wissen]; von jenem [Wissen später] weggegangen [zurückgekehrt (?)] – [Devayānī], des Lehrers Tochter, wurde von [Śarmiṣṭhā], während eines Wasserspiels, in [einen Brunnen/Teich] gestoßen; durch die Verwechslung der eigenen Gewänder [in Streit geraten], von [Śarmiṣṭhā] hineingestoßen, wurde sie betrübt; im Teich [verblieb] die wahrhaftige Devayānī, [ihr] Gewand von der Königstochter fortgenommen. Als die Königstochter [Śarmiṣṭhā] fortgegangen war, kam vor [den Teich] Yayāti, aus der Mondlinie entsprossen, der zum Zweck der Jagd dort [unterwegs] war; er hob sie, unbekleidet, [aus dem Teich] und gab ihr, der König, sein eigenes Übergewand; dieses anlegend, gelangte sie nach Hause; der König [Yayāti] aber ging damals in seine eigene Stadt. Deswegen den zornigen Śukra sich verneigend besänftigend, ordnete der König an, dass seine eigene Tochter [Śarmiṣṭhā] der Tochter des Lehrers [Devayānī] als Dienerin diene. Śukra gab hierauf freudig dem König Yayāti seine eigene Tochter, zusammen mit der Dienerin Śarmiṣṭhā – [mit der Bedingung, dass] die tugendhafte Dienerin [nur] Dienerin des Königs bleibe [und nicht seine Gattin werde].

Wort für Wort
bṛhaspateḥ tārābhyāṃ kacaḥ sutaḥ āsīt
von Bṛhaspati und Tārā war Kaca der Sohn
vaivasvatentare śukraśiṣyaḥ taponidhiḥ abhūt
im Vaivasvata-Manvantara wurde er Śukras Schüler, ein Askese-Schatz
devayānī vane tadyogam aicchata
Devayānī begehrte im Wald die Vereinigung mit ihm
śiṣyaḥ bhartā itaraḥ dvijetaraḥ
als Schüler, nicht als Gatte, [selbst] nicht zweitgeboren
kaviproktaśiṣyeṣu api adhikam na bhavet
die vom Vater gelehrte Weisheit soll bei [seinen] Schülern nicht wirken
mṛtasañjīvinīm āpa
er erlangte das Totenerweckungswissen
devayānī śukraśiṣyasya [śarmiṣṭhayā] ambukrīḍane nikṣiptā
Devayānī wurde beim Wasserspiel [von Śarmiṣṭhā] hineingestoßen
svavastradhāraṇāt duḥkhitā abhavat
durch den Gewand-Streit wurde sie betrübt
hrade devayānī rājakanyāhṛtāmbarā
im Teich Devayānī, [ihr] Gewand von der Königstochter genommen
yayātiḥ candravaṃśotthaḥ mṛgayārthaṃ āgataḥ
Yayāti, aus der Mondlinie, zur Jagd gekommen
tāṃ vivastrāṃ samudhṛtya svottarīyaṃ dadau
hob sie unbekleidet heraus, gab sein Übergewand
gṛhaṃ prāpa rājā svapuraṃ agāt
sie gelangte nach Hause, der König in seine Stadt
kupitaṃ śukraṃ praṇamya prasādya
den zornigen Śukra sich verneigend besänftigend
svasutāṃ guroḥ sutāyai dāsītve akalpayat
ordnete seine Tochter als Dienerin der Lehrertochter an
śukraḥ svāṃ kanyāṃ yayātaye mudā pradadau
Śukra gab freudig seine Tochter dem Yayāti
dāsī śarmiṣṭhā rājñe [kevalaṃ] dāsī bhavet
die Dienerin Śarmiṣṭhā solle [nur] Dienerin des Königs bleiben

[?] V.50-53 zählen zu den am stärksten korrumpierten Versen des gesamten Kapitels (zahlreiche Klammer-Varianten im Quelltext selbst); der Sinn wurde, wo möglich, aus dem bekannten Kaca-Devayānī-Śukra- bzw. Devayānī-Śarmiṣṭhā-Yayāti-Sagenkreis (vgl. Mahābhārata, Ādiparva) erschlossen, jedoch eigenständig aus diesem – deutlich knapperen und stärker beschädigten – Quelltext erarbeitet, nicht aus einer anderen Übersetzung übernommen.

yaduḥsuto devayānyāṃ tadvaṃśaḥ kṛtavīryajaḥ / arjuno yo daśagrīvaṃ nigṛhya punarāpa tat // 59 // hṛto dattāvitobāhusahasrayugapi sphuṭam / tadvaṃśajāpsarasutādvasudevādabhūdhariḥ // 60 //

Yadu war [Devayānīs und Yayātis] Sohn; in dessen Geschlecht [wurde] Kṛtavīryas [Sohn] Arjuna [geboren], der, nachdem er den Zehnhalsigen [Rāvaṇa] bezwungen hatte, ihn [später wieder freiließ und darum] von neuem [zu kämpfen] bekam – [dessen] tausend Arme, obgleich [ihm später von Paraśurāma] genommen, wurden [durch einen Segen] wiedergegeben, offenkundig sogar zugleich [in doppelter Kraft]. Aus jenem Geschlecht, von einem Apsaras-Nachkommen, von Vasudeva, entstand Hari [Kṛṣṇa].

Wort für Wort
yaduḥ [devayānyāṃ] sutaḥ
Yadu, [Devayānīs] Sohn
tadvaṃśaḥ kṛtavīryajaḥ arjunaḥ
in dessen Geschlecht Kṛtavīryas Sohn Arjuna
daśagrīvaṃ nigṛhya punaḥ āpa tat
nachdem er den Zehnhalsigen bezwungen hatte, bekam er es erneut
bāhusahasram hṛtaḥ dattaḥ api sphuṭam
die tausend Arme, genommen, [wieder] gegeben, offenkundig
tadvaṃśajāt apsarasutāt vasudevāt hariḥ abhūt
aus jenem Geschlecht, vom Apsaras-Nachkommen Vasudeva, wurde Hari

[Anm.: Schlussverse des Kapitels UND DES GESAMTEN WERKS – die Prakāśa-Saṃhitā endet mit der Rückführung der gesamten zuvor entfalteten kosmogonischen Genealogie auf Kṛṣṇas irdische Geburt aus Vasudeva: ein bewusst gesetzter Schlusspunkt, der die im Werk entfaltete Kosmologie (Schöpfung, Unterwelten, Genealogien der Ṛṣis, des Mondes, Atris u.a.) mit der Gegenwart der Pāñcarātra-verehrten Kṛṣṇa-Gestalt verbindet. [?] Die genaue Bedeutung von V.60b (,tadvaṃśajāpsarasutāt') bleibt unsicher – möglicherweise eine knappe Anspielung auf eine Apsaras in Vasudevas Ahnenreihe, nicht mit letzter Sicherheit aufzulösen.

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