Paṭala 14: pātāla-naraka-dhāraṇa-lokavarṇanam
Die sieben Pātālas, die 28 Höllen, die Weltenstütze (Ananta, Schildkröte, Varāha) und die Sphären bis Satyaloka
PS_1,14.1-43. Kosmographisches Kapitel: die sieben Unterwelten (Pātālas) mit ihrer paradiesischen Ausstattung, die 28 Höllen, die Trägerkette Ananta/Śeṣa-Schildkröte-Varāha, der aus Viṣṇus Nabel entspringende Lotusstängel mit Meru, sowie die aufsteigende Folge der Welten Bhūloka bis Satyaloka mit der Geburt des vierköpfigen Brahmā. Mehrere Verse (bes. V.10-13, 37, 40, 43) enthalten unsichere oder im Quelltext selbst alternativ vermerkte Lesarten und wurden entsprechend [?] markiert.
Unterhalb der Erde [liegen] Atala, Vitala, dann Sutala, mit einer Breite von einem Ayuta [10.000 Maßeinheiten, [?] genaue Einheit unsicher], [dann] Talātala und Mahātala. Und Rasātala und Pātāla – von diesen [reicht] das jeweils obere Pātāla tiefer hinab [Anm.: gemeint ist die stufenweise Abfolge der sieben Unterwelten]. Zweitausend [Yojanas] breit sind die 'Erdknollen' [bhūkanda, die einzelnen Unterweltregionen], dazwischen höhlenartig [verbunden] [?]. Diese leuchten durch große Juwelen, frei von Sonne und anderen Planeten; Meru liegt oberhalb von ihnen, [und] der Weg [dorthin] ist überall bekannt. In ihnen allen [gibt es] Bäume gleich den Wunschbäumen [Kalpavṛkṣa], Kühe gleich der Kāmadhenu, Steine gleich dem Cintāmaṇi-Juwel. Den dort Lebenden, den Guten wie den Bösen, gewähren sie, wie es angemessen ist, Früchte und auch klares Wasser – jeweils das dem Wunsch Entsprechende, Heilvolle. Glück entsteht dort nicht durch Anstrengung; ohne Anstrengung bringt es Wohlbefinden [Anm.: die Genüsse stellen sich mühelos ein] – [dieser Bereich ist] erfüllt von einem endlosen Netz genießbarer und brauchbarer Dinge [?].
Wort für Wort
bhūmeradhastāt
unterhalb der Erde
atalo vitalaḥ sutalastataḥ
Atala, Vitala, dann Sutala
talātalamahātalau
Talātala und Mahātala
rasātalaśca pātāla
und Rasātala und Pātāla
dvisahasroru bhūkandāḥ
zweitausend [Yojana] breite Erdknollen
mahāmaṇiprakāśetāḥ
leuchtend durch große Juwelen
sūryādigrahavarjitāḥ
frei von Sonne und anderen Planeten
meruruttaraḥ
Meru [liegt] oberhalb
kalparūhatulyāḥ pādapāḥ
Bäume gleich den Wunschbäumen
kāmadhenusamā gāvaḥ
Kühe gleich Kāmadhenu
cintāmaṇisamāḥ śilāḥ
Steine gleich Cintāmaṇi
yathāyogyaṃ phalaṃ yacchanti
sie gewähren angemessene Früchte
na tatrāyāsataḥ saukhyam
kein Glück dort durch Anstrengung
anāyāsāt sukhāvahaḥ
mühelos Wohlbefinden bringend
Beschreibung der sieben Unterwelten (Pātālas: Atala, Vitala, Sutala, Talātala, Mahātala, Rasātala, Pātāla) nach purāṇischem Muster, mit paradiesischer Ausstattung (Wunschbäume, Kāmadhenu, Cintāmaṇi).
yāvatkāmya śubhantāvadāyuṣaṣyamasatāmadhaḥ / bhūmau bhāratagā ye ca kṛte lakṣāyuṣaḥ smṛtāḥ // tretādiṣu triṣu daśāṃśanyūnāyurmitānarāḥ / ādhivyādhijarāvārdhikyāyāsetyabhidhādayaḥ // yugāyurniyamāt kālamṛtyavastatra naiva hi / tatrasthayoḥ sadasatorbhaktidveṣau vinā kvacit //
Solange das gewünschte Heilvolle andauert, solange währt die Lebensspanne der Bösen dort unten [in den Unterwelten] [?]. Auf der Erde gelten die im Land Bhārata Lebenden im Kṛta-Zeitalter als mit einer Lebensspanne von einem Lakh [100.000 Jahren] versehen. In den drei folgenden Zeitaltern, beginnend mit Tretā, [sind] die Menschen mit einer je um ein Zehntel verminderten Lebensspanne bemessen; [dort treten] die Bezeichnungen 'geistige Bedrängnis, Krankheit, Alter, Gebrechlichkeit, Mühsal' und dergleichen auf [Anm.: fortschreitende Verschlechterung der menschlichen Lebensbedingungen über die vier Zeitalter, ein verbreitetes purāṇisches Motiv]. Wegen der festen Regel der Lebensspanne des jeweiligen Zeitalters gibt es dort [in den Unterwelten] gewiss keinen zeitbedingten Tod [Anm.: kein Tod durch Schicksal/Zeit (kāla), sondern erst nach Ablauf der festgelegten Lebensspanne]; für die dort weilenden Guten wie Bösen [gibt es] nirgends Hingabe oder Hass [gegenüber Hari] [?].
Wort für Wort
yāvatkāmya śubham
solange das gewünschte Heilvolle [währt]
bhāratagā ye kṛte lakṣāyuṣaḥ
die in Bhārata im Kṛtayuga mit Lakh-Lebensspanne
tretādiṣu triṣu daśāṃśanyūnāyuḥ
in den drei Zeitaltern ab Tretā um je ein Zehntel verminderte Lebensspanne
wegen der festen Lebensspannen-Regel des Zeitalters
kālamṛtyavastatra naiva
dort gewiss kein zeitbedingter Tod
sadasatorbhaktidveṣau vinā
bei Guten wie Bösen ohne Hingabe oder Hass
Vers 7 syntaktisch sehr komprimiert, Übersetzung unsicher [?]. Die Passage vergleicht die unveränderliche, an feste Zeitalter-Regeln gebundene Lebensspanne in den Unterwelten mit der abnehmenden Lebensspanne der Menschen auf Erden über die vier Yugas.
tathā vidhiniṣedhau ca na ca varṇāśramādayaḥ / na tatra karmajñānādiḥ pūrvakarmabhujo '(jau)khilāḥ // prāyasyāṃśāstadutpannāḥ bhūmau jātā vidhīśayoḥ / varaiḥsuradviṣo viṣṇuvāyubhyāmavatārakaiḥ // tayormṛtāḥ punaḥ pūrvasthāne prārabdhakāmyake / śubhaṃ bhuñjanti niṣkāmyaśubhaṃ teṣāṃ na vai kvacit // kāmyapāpānnārakino niṣkāmāśubhatastanūḥ / icchantontaścarādaityāniraṃśābhāratārjitān // kāmyātteṣu vasanti sma dānavāśrayabhūtayaḥ / sadā śeṣādikastatra vasanti sati kāraṇe // harīcchayā surāstatra vasantaḥ karmato na hi //
Ebenso [gibt es dort] weder Gebot noch Verbot, noch Kaste und Lebensstadien und dergleichen; dort [gibt es] kein rituelles Handeln, kein Wissen und dergleichen – alle Wesen dort sind ausschließlich Genießer früheren Karmas [?, Lesart 'jau' unsicher]. Größtenteils werden die aus jenen Regionen entstandenen Anteile [der Wesen] auf der Erde geboren, durch die Gnade Vidhis [Brahmās] und Īśas [Śivas] [?] – die Götterfeinde [Asuras], durch Viṣṇu und Vāyu als herabgestiegene Inkarnationen [Anm.: gemeint ist wohl, dass die in den Unterwelten befindlichen Dämonen als irdische Widersacher geboren werden, um durch Avatāras Viṣṇus und Vāyus bezwungen zu werden]. Von diesen beiden getötet, kehren sie wieder an ihren früheren Ort zurück, zu dem durch Begierde begonnenen Karma; sie genießen dort nur das erwünschte Heilvolle – ein begierdeloses Heilvolles gibt es für sie nirgends [?]. Aus begehrter Sünde [werden sie zu] Höllenbewohnern, aus begierdelosem Übel [erhalten sie einen neuen] Körper [?]; sie begehren die im Inneren wandelnden Daityas, die 'anteillosen', in Bhārata erworbenen [?] [Anm.: Vers 13 sprachlich sehr unsicher, wörtliche Bedeutung unklar]. Aus Begierde wohnten sie unter ihnen – als Zufluchtswesen für die Dānavas; stets wohnen dort Śeṣa und andere, wenn ein entsprechender Anlass besteht. Durch Haris Willen wohnen dort Götter, nicht aufgrund eigenen Karmas.
Wort für Wort
vidhiniṣedhau na
weder Gebot noch Verbot
varṇāśramādayo na
keine Kaste/Lebensstadien usw.
pūrvakarmabhujo 'khilāḥ
alle [nur] Genießer früheren Karmas
bhūmau jātā vidhīśayoḥ varaiḥ
auf Erden geboren durch Gnade Vidhis und Īśas
suradviṣo avatārakaiḥ viṣṇuvāyubhyām
die Götterfeinde durch Avatāras von Viṣṇu und Vāyu
tayormṛtāḥ punaḥ pūrvasthāne
von diesen beiden getötet, wieder am früheren Ort
śubhaṃ bhuñjanti niṣkāmyaśubhaṃ na kvacit
sie genießen [nur] das Erwünschte; Begierdeloses nirgends
kāmyapāpānnārakinaḥ
aus begehrter Sünde Höllenbewohner
dānavāśrayabhūtayaḥ
als Zufluchtswesen für die Dānavas
sadā śeṣādikaḥ vasanti
stets wohnen Śeṣa und andere dort
harīcchayā surāstatra karmato na hi
durch Haris Willen Götter dort, nicht aus Karma
Verse 10-13 gehören zu den philologisch unsichersten dieses Kapitels; mehrere Lesarten sind im Quelltext selbst in Klammern als alternativ markiert ('jau', u.a.) und wurden entsprechend [?] gekennzeichnet, statt geglättet wiedergegeben.
Dies sind nämlich die Welten inmitten des Lakh-[Yojana-weiten] Erdknollens; darunter [folgen weitere]. In Pātāla [gibt es] Höllen, achtundzwanzig an der Zahl, von Hari geschaffen. Darunter [befindet sich] reines Wasser von fünfundzwanzig Crore [Yojanas] Tiefe [?], wo, um ein Lakh vermindert [?], der Herr der Lakṣmī in Gestalt eines Wasserwesens thront – tausendköpfig [ist] die Schlange [Śeṣa]; auf einem einzigen ihrer Häupter [aber] lässt er das gesamte Universum wie ein Senfkorn erscheinen [Anm.: Bezug auf 'vāruṇīpati', den Herrn der Gewässer/des Westens]. Diese ganze Erde mit ihren Kontinenten, ihren Ozean-Familien und Gebirgen – ihre Stütze ist Vāyu in Schildkrötengestalt; dessen Schildkrötengestalt [ist in Wahrheit] Hari. Ihn trägt die inmitten des Wassers befindliche Kraft [Śakti], von der Form einer Grundlage. [Diese Schlange], von der Wesensart Saṅkarṣaṇas und Narasiṃhas, trägt den Namen 'der Tausendköpfige' [oder 'der Vernichter', Lesart 'saṃhartā' unsicher] Ananta; darunter befindet sich ein Frosch, [und] Varāha [ist] unterhalb von dessen Rand.
Wort für Wort
lakṣabhūkandamadhye lokāḥ
Welten inmitten des Lakh-Erdknollens
pātāle narakāścāṣṭāviṃśatsaṃkhyā hareḥ kṛtāḥ
in Pātāla 28 von Hari geschaffene Höllen
pañcaviṃśatkoṭigarbhāmbunirmalam
reines Wasser von 25 Crore Tiefe
lakṣmīśo yādorūpī virājate
der Herr der Lakṣmī thront in Wasserwesen-Gestalt
sahasramūrdhnaḥ phaṇinaḥ
der tausendköpfigen Schlange
sarṣapāyati viśvaṃ nikhilam
lässt das gesamte Universum wie ein Senfkorn erscheinen
dharā sadvīpā sāgarakulācalā
die Erde mit Kontinenten, Ozeanen, Gebirgen
tasyāśrayo vāyukūrmaḥ
ihre Stütze [ist] Vāyu als Schildkröte
tasya kūrmākṛtirhariḥ
dessen Schildkrötengestalt [ist] Hari
jalamadhyasthā śaktirādhārarūpiṇī
die im Wasser befindliche Kraft als Grundlage
saṅkarṣaṇanṛsiṃhātmā ananta nāmakaḥ
von Saṅkarṣaṇas/Narasiṃhas Wesensart, 'Ananta' genannt
tadadhastāt maṇḍūkaḥ varāhaḥ tadadhastaṭī
darunter ein Frosch, darunter Varāha
Kosmologische Trägerkette: die Erde ruht auf der Weltschlange Ananta/Śeṣa (identifiziert mit Saṅkarṣaṇa/Narasiṃha), diese auf einer Schildkröte (Vāyu, in der Tiefe aber Hari selbst), diese auf der im Urwasser befindlichen Śakti, darunter ein Frosch und Varāha – eine für Pāñcarātra-Texte typische Verschmelzung mehrerer Trägermotive der Kosmographie.
Man sagt, dass [Varāhas] Fuß, welcher die Schale des kosmischen Eis berührt, sich im untersten Bereich befindet. Über ihnen [liegt] die Erdenwelt [Bhūloka]; in deren Mitte erhebt sich der Berg Meru, die Erde tragend. Dieser Meru, entstanden aus dem Nabel des Lotus-genabelten [Padmanābha, d.h. Viṣṇus], hat die Gestalt einer Lotusfaser; dieser aus der Mitte Merus emporsteigende Stängel ist die Stütze der sechs [Welten] mit Lotos[thronen] darüber [Anm.: gemeint sind wohl die sechs oberen kosmischen Ebenen von Bhuvarloka bis Satyaloka, die auf diesem Stängel ruhen]. Hundert Yojanas breit, sich der Länge nach bis Satyaloka erstreckend, härter als der Diamant, mit hohlem Inneren [garbha-chidra] – so breitete er sich leuchtend aus.
Wort für Wort
tamaṇḍakharparaspṛṣṭā pādam
der die Eierschale berührende Fuß
adhastale
im untersten Bereich
teṣāmupari bhūlokaḥ
über ihnen die Erdenwelt
tanmadhye merubhūdharaḥ
in deren Mitte der erdetragende Meru
kañjanābhanābhyuttha
entstanden aus dem Lotus-Nabel [Viṣṇus]
padmanābhabisākṛtiḥ
von der Gestalt einer Lotusfaser
ūrdhvaṣaṭkañjasaṃśrayaḥ
Stütze der sechs [Welten] darüber
śatayojanavistīrṇam
hundert Yojanas breit
satyalokāntadīrghavān
bis Satyaloka reichend an Länge
vajrātisudhṛḍhaḥ
härter als der Diamant
garbhachidraṃ prakāśavān
leuchtend, mit hohlem Inneren
Der aus Viṣṇus Nabel entspringende Lotusstängel, in dessen Mitte Meru liegt, trägt nach dieser Kosmographie die sechs oberen Weltensphären bis hinauf zu Satyaloka.
Ein Lakh [Yojanas] über der Erde erhöht gelegen befindet sich Bhuvarloka, auf jenem [Stängel] ruhend – aus Juwelen und Gold bestehend, mit einem Lakh-[Yojana weiten] Erdknollen, eine schöne Welt. Mit sieben Ringmauern versehen, mit vielfältigem großem Genuss durch die Yogis, durch materielle Wesen mit Überfluss an der Sattva-Eigenschaft, mit reinen, klaren Wohnstätten. Ein Crore [Yojanas] über der Erde erhöht liegt das liebliche, sehr runde Svarloka – im Ausmaß von einem Crore Yojana, ebenso wie Bhuvarloka. Mit einem zweifachen Lakh-[Yojana weiten] Erdknollen versehen, sich Merus Stängel annähernd, aus Juwelen und Gold bestehend, hochragend, strahlend mit sieben Ringmauern. Zehn Yojanas breit, viereckig, [sind] die schönen Straßen, wo viele Banner und zahlreiche Spiegel [zu finden sind]. [Ausgestattet] mit Juwelenbetten, Sitzen, endlosen sattvisch-angemessenen Mitteln, geschmückt mit durch früheres Verdienst erworbenen goldenen, glanzvollen Palästen, [würdig] königlicher Geburt [?, Lesart 'nma' unsicher]. Strahlend mit verschiedenen Gärten und den acht Wohnstätten der acht Weltenhüter [Aṣṭadikpālas]; in der Mitte die Halle des Viṣṇu-Tempels, glänzend mit Massen von Juwelen.
Wort für Wort
lakṣonnatasthalo bhuvarlokaḥ
ein Lakh erhöht liegt Bhuvarloka
maṇihemāmayo lakṣabhūkanando
aus Juwelen und Gold, mit Lakh-Erdknollen
saptaprākārakalitaḥ
mit sieben Ringmauern versehen
bhūmeḥ koṭyunnatasvargalokaḥ
ein Crore über der Erde [liegt] Svarloka
koṭiyojanavistāre
im Ausmaß von einem Crore Yojana
dvilakṣabhūkandayuktaḥ
mit zweifachem Lakh-Erdknollen
daśayojanavistārāḥ caturasrāḥ vīthayaḥ
zehn Yojana breite, viereckige Straßen
maṇiśayyāsanāni
Juwelenbetten, Sitze
pūrvapuṇyasuvarṇaśrīmandiramaṇḍitāḥ
geschmückt mit durch Verdienst erworbenen goldenen Palästen
aṣṭadikpālanilayāṣṭakabhāsurāḥ
strahlend mit den acht Wohnstätten der Weltenhüter
madhye viṣṇumandiramaṇḍapaḥ
in der Mitte die Halle des Viṣṇu-Tempels
Beschreibung von Bhuvarloka und Svarloka; die parallele Konstruktion (Höhe über der Erde, Ausmaß des jeweiligen Erdknollens, sieben Ringmauern) folgt einem festen kosmographischen Schema, das für die folgenden Welten (Maharloka etc.) in verkürzter Form fortgesetzt wird.
Erfüllt mit allen waffentragenden Streitwagen, überfüllt mit Wunschjuwelen und dergleichen, versehen mit Perlen- und Juwelenschnüren, überzogen mit allerlei Schmuck. Voll göttlicher Gewänder, Speisen, Gaben, zahlreicher Pārijāta-Bäume und dergleichen; versehen mit achtundzwanzig Stadttoren, Torbögen, Wehrtürmen und Torhäusern. Umgeben von zehntausend Prachtbauten, zahlreichen Häusern, mit Flüssen, die sich an deren Türen halten; die Mandākinī, aus Juwelen bestehend, von einer dem himmlischen Kalpa-Fluss gleichen Gestalt [?, Lesart 'tkalpa' unsicher], sich auf Lotosblumen stützend, erscheint dort in Gestalt eines Walles, begleitet von Scharen von Wasserwesen – von wohlklingender, angenehm zu berührender Gestalt, von vorzüglichem Geschmack, wohlriechend [?, Lesart 'sye' unsicher]. Genießbar für Sterbliche, Götter und Dämonen, erfüllt von vielfältigen, je eigenen Zwecken – Bhuvarloka aber ist die untere Welt, [von Svarloka] um das Hundertfache an Eigenschaften übertroffen [Anm.: zusammenfassender Vergleich, der die Rangfolge der Welten in Qualität bestätigt].
Wort für Wort
sarvāyudharathākīrṇa
erfüllt mit allen waffentragenden Streitwagen
cintāmaṇyādi saṅkulaiḥ
überfüllt mit Wunschjuwelen u.a.
muktāmaṇisṛjopeta sarvābharaṇasantatāḥ
mit Perlen-/Juwelenschnüren, überzogen mit allem Schmuck
Bhuvarloka aber untere Welt, um das Hundertfache übertroffen
Abschluss der Svarloka-Beschreibung mit explizitem qualitativem Vergleich zu Bhuvarloka; der himmlische Fluss Mandākinī (vgl. Gaṅgā in Kap. 12) erscheint hier als Bestandteil Svarlokas.
Danach folgen der Reihe nach die Welten, beginnend mit Svarga, [jeweils] um das Zehnfache übertreffend; und ebenso ist in jeder dieser Welten eine Schar von Göttern und Untergöttern ansässig. Für die maßgeblichen guten Sterblichen, Gandharvas und andere geringer Bewusste ist deren angemessene Frucht durch den unvergänglichen Viṣṇu als Grundlage [gewährleistet] [?, Lesart der Klammer unsicher]. Und danach, anderthalb Crore [Yojanas] hoch, liegt Maharloka, frei von karmischem Handeln; danach, zwei Crore [Yojanas] hoch gelegen, Janoloka, hoch verehrt. Dann, zweieinhalb Crore [Yojanas] hoch, Tapoloka, dem reinen Bewusstsein zugänglich [?]; danach, um ein weiteres Crore erhöht, das leuchtende, so genannte Satyaloka. [Es hat] einen Erdknollen von drei, vier, fünf oder sechs Lakh Yojanas, dessen [genaues] Ausmaß jenseits des Wissbaren liegt [?] – an der Spitze des großen, aus dem Nabel emporsteigenden Stängels, in Satyaloka gelegen.
Wort für Wort
daśaguṇodriktāḥ lokāḥ svargādayaḥ
um das Zehnfache übertreffende Welten, beginnend mit Svarga
suropasurasantataḥ
Schar von Göttern und Untergöttern
yathāyogya phalaṃ viṣṇuravyayaḥ
die angemessene Frucht durch den unvergänglichen Viṣṇu
sārdhakoṭyucco maharlokastvakarmakaḥ
anderthalb Crore hoch: Maharloka, frei von Handeln
koṭidvayoccastha janolokaḥ supūjitaḥ
zwei Crore hoch: Janoloka, hoch verehrt
sārdhadvikoṭyuccastapolokaḥ sucidgamaḥ
zweieinhalb Crore hoch: Tapoloka, dem Bewusstsein zugänglich
koṭyunnatoyaṃ satyalokaḥ bhāsuraḥ
ein Crore höher: das leuchtende Satyaloka
tricatuḥ pañcaṣallakṣabhūkandājñānagocaraḥ
drei-sechs Lakh Erdknollen, jenseits des Wissbaren
mahānālasyāgrasthe satyalokage
an der Spitze des großen Stängels, in Satyaloka
Aufsteigende Abfolge der oberen Welten (Svarloka, Maharloka, Janoloka, Tapoloka, Satyaloka) mit Höhenangaben in Crore-Yojana; die genauen Zahlenverhältnisse und die Lesart mehrerer Komposita (u.a. V.37) bleiben unsicher [?] und wurden nicht geglättet.
Der vierköpfige Brahmā, der Schöpfer aller Welten, wurde von Viṣṇu geboren; die mit den besonderen Zwecken Svarlokas [verbundenen Wesen] sind in Maharloka und den folgenden [Welten] verbreitet [?]. Alterslos, von gleichartiger Entstehung [?], groß, eine Zuflucht für vielerlei Scharen von Sterblichen – ein solches ist die Gesamtheit der Weltenstufen. In der Mitte [bzw.] an deren Ende, nach der halben Lebensspanne [Brahmās] [Anm.: Bezug auf Brahmās kosmische Lebensdauer und das Ende eines Halbzyklus], erschafft Hari dort an jenem Tag durch die sich selbst vorstellende, personifizierte Urnatur [Prakṛti] [?]. Die Welt des Unerschaffenen [Brahmā], oberhalb der Erde, gilt als in einem Ausmaß von dreizehn Crore [Yojanas] bemessen [Anm.: vermutlich die von der Erde bis Satyaloka gerechnete Gesamthöhe; Bezugsgröße der Zahl und Konstruktion des ganzen Verses unsicher].
Wort für Wort
brahmā caturmukho jāto viṣṇunā
der vierköpfige Brahmā wurde von Viṣṇu geboren
sarvalokasṛṭ
der Schöpfer aller Welten
svarlokasaviśeṣārthāḥ maharādiṣu santatāḥ
die Svarloka-Zweckwesen in Maharloka usw. verbreitet
ajarotpatsamānoru
alterslos, von gleichartiger Entstehung, groß
nānāmartyagaṇāśrayāḥ
Zuflucht für vielerlei Sterblichen-Scharen
etādṛśaṃ lokapadam
ein solches ist die Gesamtheit der Weltenstufen
ardhāyuṣontime dine
am Ende der halben Lebensspanne, an jenem Tag
sṛjaddharistatra prākṛtenābhimāninī
Hari erschafft dort durch die personifizierte Urnatur
loko 'jasya bhuvaḥ koṭitrayodaśamito mataḥ
die Welt des Unerschaffenen gilt als 13 Crore [Yojana] oberhalb der Erde bemessen
Abschließende Verse: Geburt des vierköpfigen Brahmā aus Viṣṇu in Satyaloka und zusammenfassende Maßangabe der Gesamthöhe der Weltenhierarchie. Der Bezug 'am Ende der halben Lebensspanne' knüpft an das Motiv der kosmischen Zeitzyklen (vgl. Kap. 13) an; die genaue Konstruktion von V.43 bleibt unsicher [?].