Paṭala 12: Dvādaśo 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ)
Zwölfter Adhyāya – Die Gaṅgā-Mythologie, die Sieben-Kontinente-Kosmographie, der astronomische Sonnenwagen-Mechanismus und Śvetadvīpa, der transzendente Wohnort von Lakṣmī-Nārāyaṇa
Adhyāya 12 ist der bislang inhaltlich vielfältigste Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā und gliedert sich in vier große Teile: (1) V.1-20 die Mythologie der Gaṅgā (Entstehung aus dem von Trivikramas Zehennagel durchbohrten Welteneis, ihre verschiedenen Namen in den sieben kosmischen Welten, die Bhagīratha/Jahnu-Erzählung, ein Katalog der acht 'selbstoffenbarten' Pāñcarātra-Tīrthas Bhāratas, sowie eine kurze Karma-/Erlösungslehre); (2) V.21-35 die Sieben-Kontinente-Kosmographie (Jambū mit dem 'Sukumāra'-Geschlechtsverwandlungswald, Plakṣa, Śālmala, Krauñca, Śāka, jeweils mit umgebendem Ozean aus Zuckerrohrsaft/Wein/Ghee/Milch – wobei Kuśa-dvīpa auffällig fehlt); (3) V.36-101 ein hochtechnischer astronomischer Abschnitt zum 'Sonnenwagen'-Mechanismus (Achsen, Räder, Dhruva-Seile, Sternbild-Rad, Planetenhöhen und -umlaufzeiten, neun Zeitmaß-Systeme) – der dichteste und unsicherste Teil des Kapitels; (4) V.102-128 die überschwängliche Beschreibung von Śvetadvīpa, dem jenseits der materiellen Welt gelegenen dreigeteilten (Durgā-/Bhū-/Śrī-bhāga) Wohnort von Lakṣmī-Nārāyaṇa, kulminierend in der Aussage, dass Ramā (Śrī) zugleich die gesamte paradiesische Fülle UND deren ewig hingebungsvolle, selbstlose Verehrerin ist. Der astronomische Abschnitt (bes. V.40-70) enthält zahlreiche schwer identifizierbare technische Fachbegriffe, die im Quelltext teils bereits mit alternativen Lesarten vorliegen – durchgehend mit [?] markiert.
Śrī Bhagavān sprach: Durch die vom Nagel des Trivikrama (Vāmana in Riesengestalt) durchbohrte Öffnung in der Schale des Welteneis trat von außen Wasser ein, herabkommend von der Spitze des Vaikuṇṭha [?]. Das herabfallende Wasser hielt Dhātā (Brahmā) in seinem Wasserkrug fest, o Herr – Wasser, das den Lotosfuß (Viṣṇus) gewaschen hatte; aus dem übrigen Wasser davon machte er den Fluss namens Gaṅgā. Mit anderem Namen [?] wurde sie auch genannt; in den beiden Bereichen Bhū und Durgā fließt sie je gesondert, den sieben kosmischen Ebenen zugeteilt, gilt als 'Wall'-gestaltig [?]. Im Satyaloka heißt sie Nandinī, im Tapoloka Nalinī, im Janaloka Mālinī, im Maharloka aber Bhoginī. Im Svargaloka heißt sie Svardhunī, am Wohnsitz des Dhruva 'Himmels-Gaṅgā' (viyad-gaṅgā), in der Atmosphäre [Name unsicher], oberhalb von Brahmās Halle auf dem Meru. Herabfallend in die vier Richtungen, beginnend im Osten, der Reihe nach: Sītā, Alakanandā, Cakṣu und die glückverheißende, 'Bhadrā' genannte. Die 'Sītā' genannte, durch ihr heftiges Herabstürzen [?], von Hari überallhin außerhalb von Ilāvṛta geleitet, wird zuerst zum Ozean gelangen. Eben diese, im südlichen Bereich befindlich, wird nach langer Zeit, zur Reinigung von Sagaras Söhnen, von Bhagīratha verehrt. 'Bhāgīrathī' genannt, die alleinige Reinigerin aller Welten, von dem königlichen Weisen Jahnu getrunken und auf sein Wort hin wieder freigelassen.
Wort für Wort
trivikramanakhodbhinna
durch Trivikramas (Vāmanas) Nagel durchbohrt
gaṅāgānāmanadī
der 'Gaṅgā' genannte Fluss
nandinī / nalinī / mālinī / bhoginī / svardhunī
die Namen der Gaṅgā in den fünf oberen Welten
sītā alakanandā cakṣuḥ bhadrā
die vier Richtungs-Ströme
bhāgīrathī jahnunā pītā
von Jahnu getrunkene Bhāgīrathī
Beginn von Adhyāya 12: die Mythologie der Gaṅgā-Entstehung aus dem von Trivikramas (Vāmanas) Zehennagel durchbohrten Welteneis, ihr Fall auf Viṣṇus gewaschenen Fuß, ihre unterschiedlichen Namen in den sieben kosmischen Welten, und die klassische Bhagīratha/Jahnu-Erzählung (Sagara-Söhne, Herabführung zur Erde). V.1 und V.3 enthalten unsichere Einzellesarten.
Diese 'Jāhnavī' (Tochter des Jahnu), vom unterhalb-nördlich am Meru-Berg gelegenen Weg aus, hält sich in den sieben Welten, angefangen bei Atala, auf. Eben diese, die 'drei-Wege-gehende' Göttin, erstrahlt, auf Nārāyaṇa gestützt; sie ist auch in den drei Ländern Ramyaka und den vorher genannten, Hari-Varṣa und den übrigen, wandelnd auch in Bhadrāśva und Ketumāla, dem Ozean lieb; in diesem großen Land Bhārata gibt es Flüsse zu Tausenden. Śrīraṅga, der 'Veṅkaṭeśa' genannte Ort, Totādri, der 'Puṣkara' genannte, Śrīmuṣṇa, Naimiṣāraṇya, Gaṇḍakī, Badarīsthala – diese acht, in Bhārata selbstoffenbarte Stätten, gewähren alle Vollkommenheit; die Svāmipuṣkaraṇī und andere heilige Teiche gibt es zu Tausenden.
Wort für Wort
jāhnavī tripathagā
die 'drei-Wege-gehende' Jāhnavī (Gaṅgā)
ramyaka harivarṣa bhadrāśva ketumāla
die Länder, in denen die Gaṅgā ebenfalls fließt
aṣṭau svayaṃvyaktāḥ
die acht selbstoffenbarten (Pāñcarātra-)Tīrthas in Bhārata
Katalog der acht 'selbstoffenbarten' (svayaṃvyakta) heiligen Pāñcarātra-Stätten Bhāratas (Śrīraṅga, Tirupati/Veṅkaṭeśa, Totādri, Puṣkara, Śrīmuṣṇa, Naimiṣāraṇya, Gaṇḍakī, Badarīnātha) – eine im Pāñcarātra-Kontext bekannte Standardliste.
Manus, Ahnen (Pitṛs), Siddhas, ganz auf die rechten Mittel bedacht; Götter und Dämonen sind in diesem Bhārata allesamt ihrer eigenen Praxis (sādhana) hingegeben. Hier erlangt man durch gute Taten den Himmel, durch böse Taten die Hölle, durch falsche Erkenntnis die Finsternis, durch wahre Erkenntnis eben Haris Stätte. Der Mensch erlangt dies hier je nach seinen Taten; auch die in Ämtern stehenden Prinzipien-Gottheiten werden manche, in allen Herabkünften auf der Erde geboren. Alle Götter, auch die in Ämtern stehenden, wurden bei den Herabkünften als Rāma und Kṛṣṇa auf der Erde geboren, um den Herrn zu verehren, und kehren danach zu ihrer ursprünglichen Eigenform zurück. Auch werden die (zukünftigen) Götter meist wieder eins (mit ihrer Quelle); hier (auf Erden) aber (leben) einzig ihrer eigenen Praxis hingegebene (Wesen), auch Gottes-Diener und dergleichen, anteilhabende und anteillose Seelen ebenso, jeweils ihrer eigenen Praxis hingegeben; Gebote und Verbote und dergleichen gelten nur für die hier auf Erden Befindlichen.
Wort für Wort
satkarmaṇā svargam, pāpakarmaṇā nirayam
durch gute Taten Himmel, durch böse Hölle
jñānenaiva padaṃ hareḥ
durch (wahre) Erkenntnis Haris Stätte
padasthāstatvadevatāḥ ... avatāreṣu bhūtvā
die amtsinnehabenden Prinzipien-Gottheiten, in Herabkünften geboren
rāmakṛṣṇāvatārayoḥ jātāḥ punarmūlasvarūpakaiḥ
bei Rāma/Kṛṣṇa geboren, danach zur Eigenform zurückkehrend
Kurze Karma- und Erlösungslehre bezogen auf Bhārata als karmabhūmi, mit der bemerkenswerten Aussage, dass auch Götter (padastha-devatās) bei den Rāma- und Kṛṣṇa-Avatāras als Menschen mitgeboren werden und danach zu ihrer ursprünglichen Form zurückkehren.
lakṣayojanavistīrṇalavaṇāmbudhiveṣṭitaḥ / dvīpoyaṃ jambvākhyo hi merustasyaiva madhyamaḥ // sumeroparitaścelāvṛtaṃ tadgavanaṃ śubham / sukumārābhidhaṃ rudraśāpāttatragataḥ pumān // nārībhavati pārvatyārantukāmastathākarot / etasmādviguṇaḥ plakṣastvikṣūdāmbudhiveṣṭhitaḥ // sthūlāśca parvatāḥ santi tatra śrīharisaṃmitāḥ / tāste kṣīrābdhimārabhya ikṣusāgarasaṃspṛśāḥ // bhāratādyaṣṭavarṣeṣu ṣaḍdvīpā aparā api / madhyastatkāmyapuṇyānāṃ bhogārthaṃ harinirmitāḥ // pāpādatra janīnaiva puṇyādeva hi kāmyataḥ / na tatra cāyurnayamo yāvatpuṇyantu jīvanam // narānāryaḥ sundarāṅgāḥ santi bhogocitārthadāḥ / vṛkṣāśca puṇyaratnāni gṛhāśca svarṇabhūmayaḥ // vinaiva kālamaraṇaṃ tatra duḥkhādikaṃ na hi / icchāmātreṇa sarvāthasiddhistatreśanirmitaḥ //
Von einem hunderttausend Yojana ausgedehnten Salzozean umgeben ist dieser 'Jambū' genannte Kontinent (dvīpa); Meru ist eben dessen Mitte. Jenseits des Sumeru liegt das umschlossene, glückverheißende Waldgebiet, 'Sukumāra' genannt; durch Rudras Fluch wird ein Mann, der dorthin gelangt, zur Frau – so bewirkte es Rudra, da Pārvatī dies begehrte, um mit ihm zu spielen [?]. Doppelt so groß wie dieser Jambūdvīpa ist Plakṣa-dvīpa, von einem Zuckerrohrsaft-Ozean umgeben. Und dort gibt es gewaltige Berge, Śrī Hari an Maß gleich; diese, vom Milchozean beginnend, berühren den Zuckerrohrsaft-Ozean. Zusätzlich zu den acht Ländern beginnend mit Bhārata gibt es noch sechs weitere Kontinente, inmitten (des Ozeans), von Hari zum Genuss der von jenen Bewohnern erwünschten Verdienste geschaffen. Hier (auf diesen Kontinenten) wird man keinesfalls durch schlechte Taten wiedergeboren, sondern eben nur durch den Wunsch der Verdienste; dort gibt es keine feste Lebensdauer-Begrenzung – solange der Verdienst reicht, so lange das Leben. Schöngliedrige Männer und edle Frauen gibt es dort, dem Genuss entsprechende Dinge gewährend; Bäume und verdienstvolle Juwelen, Häuser und goldene Böden. Ohne vorzeitigen Tod durch die Zeit gibt es dort, auch kein Leid und dergleichen; durch bloßen Wunsch erlangt man die Erfüllung jedes Zwecks, vom Herrn dort so eingerichtet.
Wort für Wort
jambvākhyo dvīpaḥ
der 'Jambū' genannte Kontinent
sukumāraṃ vanaṃ rudraśāpāt nārībhavati
der Sukumāra-Wald, wo Männer durch Rudras Fluch zu Frauen werden
plakṣaḥ ikṣūdāmbudhiveṣṭhitaḥ
Plakṣa-dvīpa, vom Zuckerrohrsaft-Ozean umgeben
ṣaḍdvīpā ... bhogārthaṃ harinirmitāḥ
sechs weitere, von Hari zum Genuss geschaffene Kontinente
Übergang zur Sieben-Kontinente-Kosmographie (saptadvīpa), beginnend mit Jambūdvīpa und dem Motiv des 'Sukumāra'-Waldes (Geschlechtsverwandlungsfluch Rudras – verwandt mit der bekannten Ilā/Sudyumna-Legende), dann Plakṣadvīpa mit paradiesischer Schilderung der sechs äußeren Kontinente.
sūryātmakaṃ hariṃ tatra pūjayanti vicakṣaṇāḥ / tato hi dviguṇodvīpaḥ śālmalaḥ sarvavartulaḥ // yojanānāṃ caturlakṣaṃ madhvabdhi samaveṣṭitaḥ / jāmbavaṃ puṣkaraṃ tyaktvā madhyadvīpeṣu pañcasu // sarveṣu saptanadyaḥ syuḥ parvatāḥ saptakīrtitāḥ / saptadvīpagatā nadyaḥ dadbāhyāmbudhigāminaḥ // bhogopayuktā nikhilāḥ padārthajanasaṅkulāḥ / tatratyāḥ parvatāḥ pūrvottarasāgarasaṃspṛśaḥ // tairvibhaktāḥsaptavarṣāstattanmanusutrāśrayāḥ / candrāntaryāmiṇaṃ viṣṇuṃ śālmalasthā bhajanti hi // krauñcadvīpastadviguṇodvyaṣṭalakṣārṇave na tu / pavyambunā veṣṭitolaṃ sūryakāntādi sanmaṇiḥ // varuṇāntargataṃ viṣṇuṃ bhajanti hi tatotra hi / tato hi dviguṇāḥ śākadvīpaḥ kṣīrābdhiveṣṭhitaḥ //
Den in Sonnengestalt weilenden Hari verehren dort die Weisen. Nach diesem (Plakṣa) folgt der doppelt so große, ganz kreisrunde Kontinent Śālmala, vierhunderttausend Yojana groß, von einem Wein-Ozean (madhu-abdhi) umgeben. Lässt man Jambū und Puṣkara beiseite, so gilt für die fünf mittleren Kontinente: in allen gibt es je sieben Flüsse, sieben genannte Berge; die auf den sieben Kontinenten befindlichen Flüsse münden nach außen in den jeweiligen Ozean. Alle sind dem Genuss dienlich, voll von Dingen für die dortigen Bewohner; die dortigen Berge berühren den östlichen und den nördlichen Ozean. Durch diese Berge geteilt gibt es je sieben Länder, gestützt auf die jeweiligen Söhne der (dortigen) Manus; die auf Śālmala Befindlichen verehren den im Mond innewohnenden Viṣṇu. Krauñca-dvīpa, doppelt so groß wie dieser, in einem Ozean von sechzehnhunderttausend Yojana [?], von Ghee-Wasser umgeben, mit Sūryakānta- und anderen echten Juwelen bedeckt. Den in Varuṇa innewohnenden Viṣṇu verehren sie eben dort. Nach diesem (Krauñca) folgt der doppelt so große Śāka-dvīpa, vom Milchozean umgeben.
Wort für Wort
śālmalaḥ madhvabdhiveṣṭitaḥ
Śālmala-dvīpa, vom Wein-Ozean umgeben
saptanadyaḥ saptaparvatāḥ
je sieben Flüsse und Berge pro Kontinent
krauñcadvīpaḥ pavyambunā veṣṭitaḥ
Krauñca-dvīpa, vom Ghee-Ozean umgeben
śākadvīpaḥ kṣīrābdhiveṣṭhitaḥ
Śāka-dvīpa, vom Milchozean umgeben
Fortsetzung der Sieben-Kontinente-Liste: Śālmala, Krauñca, Śāka, jeweils mit ihrem umgebenden Ozean (Wein/Zuckerrohrsaft/Ghee/Milch – klassisches Sapta-Sāgara-Motiv) und ihrer verehrten Viṣṇu-Form. AUFFÄLLIG: Kuśa-dvīpa (in der Standard-Sieben-Kontinente-Liste zwischen Śālmala und Krauñca) wird im vorliegenden Text nicht ausdrücklich genannt – möglicherweise Textverlust/-verderbnis oder bewusste Verkürzung; hier nicht ergänzt, sondern als Lücke vermerkt.
Zweiunddreißighunderttausend Yojana ausgedehnt, von den 'Gleichheits'-Verehrern besungen [?]; in der Mitte von Śāka-dvīpa weilt Hari selbst in der Gestalt des Ananta – mit einem Körper von fünfzigtausend Yojana Grundfläche, siebenhunderttausend Yojana hoch, der Herr, sein strahlendes Antlitz dem Meru und dem Lokāloka-Berg zugewandt, in Gestalt eines Rad-Walls, stets rings um diesen Kontinent ausgebreitet. In den hunderttausend Yojana erhöhten Bahnen wandert dieser Sonnengott, das Weltenauge, den Meru umkreisend, dem 'Sternenrad' (ṛkṣacakra) gemäß in seiner Geschwindigkeit, einmal an jedem Tag, der Tausendstrahlige, Licht bewirkend. Der nördliche Achsen-Endpunkt der Sonne bewegt sich wie eine Ölpresse [ein bekanntes Gleichnis für Zahnrad-Mechanismen], mit einem anderen, dem Blick entzogenen Rad verbunden, am Mānasottara-Berg; in dessen Mitte kreisen sie, in einem Wagengestell, auf gleicher Höhe mit der Erde; vierzig Yojana oberhalb liegt der Berührungsbereich in der Mitte [?]. Ebenso viel bemessen ist die Achsen-Verbindung, ebenso weit die Abstände; vierundsechzigtausend feste Säulen gibt es, hundert Yojana dick, aus leuchtendem Diamant, glückverheißend; darüber, im Pavillon, mit einem hunderttausend Yojana hohen strahlenden Juwel erleuchtet, in der zehntausend Yojana strahlenden Scheibe befindet sich die glänzende Sonne, die den Tag bewirkt, allen guten Übungen die verdiente Frucht gewährend – östlich des Meru stehend, bewirkt sie den Aufgang für die in Bhārata Befindlichen; südlich des Meru, in der Mitte der Bahn, bewirkt sie den Tag, mit den sieben Dämmerungs-Übergängen [?]. Westlich des Meru stehend, bewirkt sie den Untergang für die in Bhārata Befindlichen; nördlich des Meru stehend, bewirkt sie Mitternacht für die Menschen in Bhārata. Ebenso, für die Menschen, die in den vier Richtungen vorhanden sind, ist sie die Bewirkerin von Morgen, Mittag, Abenddämmerung und Mitternacht. Durch Nārāyaṇas besondere Durchdringung (viśeṣāveśa) gestärkt, bewegt sie sich selbst in ihrer eigenen Bahn – eine einzige Sonne, doch durch verschiedene Namen unterschieden, nach Śrī Haris Willen. Die in den sieben Kontinenten wirkende Sonne [?] befindet sich unter den nach rechts kreisenden Gestirnen, die in dreihunderttausend Yojana Höhe verweilen – quer und in der Höhe, um sechsundfünfzig Lakh Yojana über ein Crore hinaus [?], mit langen Speichen im Sternenrad gebildet.
Wort für Wort
śākadvīpasya madhye anantarūpī hariḥ
in der Mitte von Śāka-dvīpa: Hari als Ananta
jagaccakṣuḥ sūryaḥ
die Sonne, das Weltenauge
ṛkṣacakram
das 'Sternenrad' (kosmischer Astronomie-Mechanismus)
viśeṣāveśaidhitātmagatiḥ
durch besondere Durchdringung gestärkte Eigenbahn
Beginn des astronomisch-technischen Hauptteils: Hari als Ananta im Zentrum von Śāka-dvīpa, die Sonne als 'Weltenauge', ihre Bahn um den Meru samt der komplexen mechanischen Beschreibung (Achsen, Räder, Säulen am Mānasottara-Berg) – vergleichbar mit ähnlich technischen Passagen der Purāṇa-Astronomie (z.B. Sūrya-Rad-Motiv in Viṣṇu-Purāṇa/Sūrya-Siddhānta-Tradition). Zahlreiche Einzelbegriffe (V.40-45, V.49) bleiben unsicher; die Übersetzung gibt die erkennbare Gesamtstruktur wieder, ohne jedes technische Detail mit Sicherheit beanspruchen zu können.
Hundert Yojana ausgedehnt, an den Spitzen der Speichen erstrahlend; auf dessen Bahn befindlich, wandeln dort die neun Planeten. Diese Speichen, aus Diamant bestehend, versehen mit hundertacht Löchern, mit angebrachten Fesseln (pāśa), von Dhruva abhängig, aus Vāruṇa-Substanz. Durch ihre Verbindungs-Enden, je durch einen Anteil gebildet, an je einem Gestirn befestigt; alle Speichen, mit je vier Löchern versehen, tragen darin die Vāruṇa-Seile. Und die Seile, ins Innere eingeführt, im Bereich von hunderttausend Yojana Höhe über der Erde, befinden sich vor dem dort befindlichen Sonnenwagen; ebenso davor die Achsen-Enden [?]. Am Ende der Deichsel und am Achsen-Ende mit dem Ende der befestigten Seile verbunden; die Seile führen von Dhruva, mittels der Sternbild-Fußpunkte, nach links herum. Einmal im Jahr treibt Dhruva den (an sich schon) kreisenden Wagen zusätzlich an; dessen sieben grünfarbene [?] Pferde sind höchst schnell. Ungenannt, den (sieben) Prinzipien gleich [?], deren Lenker ist Garuḍas älterer Bruder (Aruṇa); dieser, ohne vollständige Schenkel, spannt sie mit Schlangenseilen an. Am Mānasottara-Berg des Meru, die Achse berührend, in dessen Mitte befindlich, in einem Pavillon, geschmückt mit vielen aus Diamant gefertigten Prachtbauten – dort ist die Stütze des wandelnden Sonnengottes, in der Mitte von Śāka-dvīpa gelegen; Hari weilt siebenundsiebzigeinhalb-hunderttausend Yojana vom Meru entfernt. Ebenso weit nördlich davon, am Mānasottara-Berg, befindet sich ein sechzigtausend Yojana hohes, gewaltiges Rad, mit mittlerem Loch versehen, aus Diamant, von Viṣṇu in Bewegung gehalten; zwölfspeichig, sechsfelgig, mit drei 'Röhren' innen und außen [?]. Auf den Linien des Jochs, der Deichsel und der dreifachen Achse weilen die Hüter der Mondtage und Wochentage; auf den übrigen Linien weilen die Monate; die Jahreszeiten sind dessen Felgen-Bewohner. Die Vier-Monats-Perioden weilen auf den drei Felgen; die zwei Halbjahre je an einer weiteren; das Jahr ist im gesamten Rad gegenwärtig, obwohl der Wagen nur ein Rad hat. Dieser (Sonnengott), durch die Zeichen beginnend mit dem Krebs wandelnd, bewirkt Tag für Tag Abnahme (der Taglänge) [?], indem sie, sechs Monate lang die Nächte verlängernd, den Südlauf (dakṣiṇāyana) bewirkt. Durch die Zeichen beginnend mit dem Steinbock wandelnd, sechs Monate lang, bewirkt sie Abnahme der Nächte, die Tage vermehrend, allein den Nordlauf (uttarāyaṇa) bewirkend.
Wort für Wort
navagrahāḥ ... śalākāgreṣu
die neun Planeten an den Speichenenden
vāruṇāḥ pāśāḥ dhruvādhīnāḥ
die von Dhruva abhängigen Vāruṇa-Seile
aruṇaḥ garuḍāgrajaḥ yantā
Aruṇa, Garuḍas älterer Bruder, der Wagenlenker
dvādaśāraṃ ṣaṇṇemi cakram
das zwölfspeichige, sechsfelgige Rad (=das Jahr)
dakṣiṇāyanam / uttarāyaṇam
Süd- und Nordlauf der Sonne
Fortsetzung der technisch-astronomischen Passage: Mechanismus der Dhruva-Seile (Vāruṇa-pāśa), die den Sonnenwagen antreiben, Aruṇa als Wagenlenker, das zwölfspeichige Jahres-Rad mit seiner Monats-/Jahreszeiten-Symbolik, und die Erklärung von Süd- und Nordlauf der Sonne (dakṣiṇa-/uttarāyaṇa). Dies ist der dichteste und unsicherste Abschnitt des Kapitels; zahlreiche technische Einzelbegriffe (V.53-54, V.61) konnten nur näherungsweise wiedergegeben werden.
Um fünfzig Vināḍikās nimmt sie Monat für Monat zu [?] – an dem einen Ort die Tage verlängernd, an dem anderen die Nachtzeit halbierend [?]. Wenn sie aber durch Widder und Waage wandelt, ist es gleiche Nacht (Tagundnachtgleiche); in den fünf Zeichen beginnend mit dem Skorpion bewirkt sie halbierte Nacht [?]. In den fünf Zeichen beginnend mit dem Stier wandelnd, bewirkt sie halbierte Tageszeit [?]. An den achtundzwanzig Spitzen der in dreihunderttausend Yojana Höhe befindlichen Sternbild-Speichen, beginnend an der Nord-Süd-Ecke, angefangen mit Kṛttikā, dort angesiedelt; quer und in die Höhe, durch je sieben Speichen gebildet, an je zwei Ecken durch zwei Linien gebildet – so ist das Sternbild-Rad, oberhalb der Erde, in dreihunderttausend Yojana Höhe. An jeder einzelnen Speiche gibt es je gesonderte Löcher, vier an der Zahl [?], samt den Toren [?] und den jeweiligen Wäldern. Sie tragen das Zeichen des Widders, des Stiers, das Zwillings-Zeichen, neun an der Zahl; die Zeichen des Krebses, Löwen, der Jungfrau, der Waage, des Skorpions, des Schützen, der Sternbild-Zeichen [?] und des Fisches, wiederum neun; in diesen Zeichen jeweils eingetreten, gibt es je einhundertacht Viertel-Anteile. Mit diesen Viertel-Anteilen bewegt sich Dhruva samt der Sonne im Gegen-Uhrzeiger-Sinn; in allen Sternbild-Vierteln wird der Reihe nach Zunahme sein. Durch Dhruva, Hari innewohnend, wird an drei Tagen von je zwanzig Ghaṭikās, je an einem Sternbild-Viertel, der Reihe nach die Sonne gebunden. In dreizehneinhalb Tagen durchläuft die Sonne ein ganzes Sternbild; in einem Monat neun Viertel-Anteile durchlaufend, in den zwölf Tierkreiszeichen – im Verlauf eines Jahres wandert die Sonne im Gegen-Uhrzeiger-Sinn; die mit 'Widder' und den anderen bezeichneten Löcher gelten als die jeweiligen Tierkreiszeichen, beginnend mit dem Widder. In einer Region von hunderttausend Yojana Höhe befindlich, am vordersten Dhruva-Fußpunkt steht die Sonne; in einer Region von zweihunderttausend Yojana Höhe, vor dem Dhruva-Fußpunkt, steht der Mond. Mond und Sonne gelten als unterhalb des Sternenrades befindlich; Mars und die übrigen fünf Planeten aber befinden sich oberhalb des Sternenrades, stets durch Dhruvas Seile gebunden, bewegen sie sich im Gegen-Uhrzeiger-Sinn; Merkur befindet sich in fünfhunderttausend Yojana Höhe, Mars in siebenhunderttausend, Venus in neunhunderttausend, Jupiter in elfhunderttausend; die Scheibe der Sonne aber wird als in dreizehnhunderttausend Yojana Höhe verkündet, oberhalb von fünfzehnhunderttausend Yojana befindet sich die Scheibe des Saturn; oberhalb von sechsundzwanzighunderttausend Yojana befindet sich die Sphäre der Sieben Weisen (Saptarṣi, Großer Bär). Elfhunderttausend Yojana von dort weiter oben befindet sich Dhruva, Hari lieb; er befindet sich am Ort des großen Rades des Śiṃśumāra (der 'Delphin'-Sternfigur) Viṣṇus.
Wort für Wort
kṛttikādyāḥ ... aṣṭāviṃśatinakṣatrāṇi
die 28 Sternbilder, beginnend mit Kṛttikā
dvādaśa rāśayaḥ
die zwölf Tierkreiszeichen
candrasūryau ṛkṣacakrādadhaḥ
Mond und Sonne unterhalb des Sternenrads
jñaḥ kujaḥ śukraḥ guruḥ śaniḥ
Merkur, Mars, Venus, Jupiter, Saturn (in aufsteigender Höhe)
saptarṣimaṇḍalam / dhruvaḥ
die Sphäre der Sieben Weisen / Dhruva (Polarstern), zuoberst
Fortsetzung: Tag-Nacht-Längenvariationen im Jahreslauf, das 28-Nakṣatra-Sternbild-Rad mit den zwölf Tierkreiszeichen, und eine vollständige Höhen-Hierarchie der Himmelskörper (Mond/Sonne unterhalb, dann aufsteigend Merkur-Mars-Venus-Jupiter-Sonnenscheibe-Saturn-Saptarṣi-Dhruva) – ein Standard-Motiv der Purāṇa-Astronomie (vgl. Viṣṇu-Purāṇa II.8), hier mit spezifischen (unsicheren) Zahlenangaben in Yojana.
Dhruva und die übrigen Planeten alle hat Viṣṇu mit trefflichen Vāruṇa-Seilen an das Rad gebunden; der Glorreiche verbindet sie an den Seiten mit den Speichen-Löchern – alle diese wandern in den der Sonne entsprechenden Regionen, je höher und höher, eben durch die an den Sternbild-Vierteln befindlichen, ihnen entsprechend bemessenen Seile. Durch deren Wandern durch die Tierkreiszeichen bemisst der Herr die Zeit; der Mond durchläuft die zwölf Tierkreiszeichen in je einem Monat. Mars durchläuft in einem halben Monat ein Zeichen und gelangt dann zum nächsten Zeichen; Jupiter durchläuft es in zwölf Monaten, Saturn, der 'Langsamgehende', in dreißig Monaten. Merkur und Venus durchlaufen je in einem Monat ein Zeichen; stets gleichmäßig laufend, ohne Rückläufigkeit, sind Mond und Sonne. Der Mond, wenn er in die Sonnenscheibe eintritt (Neumond), gilt als untergegangen; ebenso werden Mars und die übrigen vier Planeten, wenn sie nahe der Sonne stehen, heliakisch verschwinden. Venus und Jupiter, wenn sie im Osten untergehen, gehen im Westen wieder auf; wenn diese beiden im Westen untergehen, gelten sie als im Osten aufgehend. Ebenso gibt es für die Sonne von Natur aus kein wirkliches Untergehen; man sagt, die Sonne sei nur 'untergegangen', wenn sie in den Schatten des Meru gelangt ist. Bei Auf-/Untergang von Mond, Sonne und Venus soll man im weltlichen Brauch Glückverheißendes unterlassen; im Osten geht Venus unter und erscheint erst nach zwei Monaten wieder – im Westen untergegangen, geht sie nach sieben Tagen wieder auf; Jupiter geht, an beiden Seiten, sicher nach einem Monat wieder auf. Von Mars und den übrigen Planeten gibt es Rückläufigkeit, Stillstand, Direktläufigkeit und schnellen Lauf – mancherlei Bewegungen, die Unglück der Zeit anzeigen. Ihre Bewegung ist nicht gleichmäßig, nur manchmal ist sie gleichmäßig [V.95cd bleibt unklar]. Die sieben Pferde der Sonne ziehen deren zwölf Anteile; rings um den Mānasottara-Berg, in einer Ausdehnung von neun Crore Yojana, spannen sie, um die Umrundung zu vollziehen, die höchst schnellen Pferde an. So bewirkt der höchste Puruṣa mit den neun Planeten das Zeitrad: durch den Lauf der Sonne die Monate Meṣa und die übrigen, nach solarem Maß; Hari bemisst auch, durch den Lauf des Mondes, die Monate Caitra und die übrigen (lunar) – sie bemessen die Mond-Monate, das Sternbild-Maß aus der Abfolge der Sterne, das vollständige Wieder-Erreichen des Ausgangs-Sternbilds, und das Lauf-Maß des Jupiter (Bārhaspatya-Zyklus). Das 'Sārasvata'-Gāndharva-Maß gilt als aus Tag-Nacht-Perioden und Halbmonaten bestehend; das Sārasvata-Gāndharva-Maß nennen es die Weisen. Als 'Maitra'-Maß gilt ein Tag-Nacht-Zyklus gleich einem Monat, wissen die Kundigen; das 'göttliche' Maß besteht aus ebenso vielen Jahres-Tag-Nacht-Zeiten.
die neun Zeitmaße, deren alleiniger Urheber Viṣṇu ist
Fortsetzung: Umlaufzeiten der Planeten durch die Tierkreiszeichen, heliakisches Auf-/Untergehen (bes. Venus/Jupiter), Planetenbewegungstypen als Vorzeichen, und – als Abschluss des astronomischen Teils – ein Katalog von neun verschiedenen Zeitmaß-Systemen (solar, lunar, sideral, Bārhaspatya/Jupiter-Zyklus, Sārasvata-Gāndharva, Maitra, göttlich u.a.), deren Urheber Viṣṇu ist (in Einheit 10 fortgesetzt: Manu- und Brahma-Maß).
Das 'Manu'-Maß heißt das 'menschliche', das 'brahmische' Maß gehört dem Ungeborenen (Brahmā); und der Urheber all dieser neun Maße ist Viṣṇu allein. Von der Mitte des zweiunddreißighunderttausend Yojana ausgedehnten Milchozeans aus, in halb so großer Ausdehnung und Höhe, in Gestalt eines Rad-Walls – zehnhunderttausend Yojana über der Erde erhöht liegt Śvetadvīpa ('die Weiße Insel'), Ramās (Śrīs) Wesen; die dortigen Veden und Buchstaben, Ort und Zeit sind ewig-durchdringend, gelten dennoch als unbeseelt. Wind, Raum und Sonnenglanz aber sind nicht-ewig, gelten als unbeseelt; die dortigen Substanzen sind ungehindert und gegenseitig füreinander Träger. Lakṣmī und Nārāyaṇa, von reiner Bewusstseinsgestalt, mit alldurchdringendem Leib; frei von jeder Hinderung durch materielle Dinge sind auch die drei Bereiche, beginnend mit Śvetadvīpa. Die dortigen Welten sind ebenfalls ungehindert, durch Säulen und dergleichen weltgestaltig; der Durgā-Bereich liegt darüber, der Bhū-Bereich aber noch darüber – der Śrī-Bereich sodann darüber, der Gipfel aber noch darüber davon; in allen drei Bereichen gibt es 'Erd-Wurzelknollen', fünfhunderttausend Yojana hoch. Auch in den drei Bereichen ist Ramā in Gestalt von Ort und Prachtbau gegenwärtig; der Prachtbau, der Ort, die Erdbereiche haben hunderttausend Yojana hohe Wurzelknollen – darüber befinden sich die 'Umwallungen' [?], drei Bereiche, den Erd-Wurzelknollen an Maß gleich; auch in allen drei Bereichen stehen Säulen, auf juwelenbesetztem Erdboden gegründet, zweieinhalb-hunderttausend Yojana bemessen, mit mancherlei Juwelen erstrahlend. In der Mitte des Śrī-Bereichs, auf einem Altar befindlich, weilt Lakṣmīs Gemahl, von unendlichem Sonnenglanz,
Wort für Wort
navamānāni ... viṣṇurekaḥ pravartakaḥ
die neun Zeitmaße, deren alleiniger Urheber Viṣṇu
śvetadvīpo ramātmakaḥ
Śvetadvīpa, Ramās (Śrīs) Wesen
durgābhāgaḥ bhūbhāgaḥ śrībhāgaḥ
die drei übereinanderliegenden Bereiche von Śvetadvīpa
lakṣmīnārāyaṇau śuddhacidrūpau
Lakṣmī und Nārāyaṇa, reiner Bewusstseinsgestalt
Abschluss der neunfachen Zeitmaß-Lehre und Übergang zur Beschreibung von Śvetadvīpa ('Weiße Insel'), dem transzendenten, jenseits der materiellen Kontinente gelegenen Wohnort von Lakṣmī-Nārāyaṇa, gegliedert in drei übereinanderliegende Bereiche (Durgā-/Bhū-/Śrī-bhāga) mit genauen (unsicheren) Maßangaben.
– rein bewusstseinshaft, unendlich, von den Befreiten gepriesen, befindet er sich oberhalb des Svarga. Der 'Drei-Schritt'-Viṣṇu hat seinen Ort in allen drei Bereichen, an einer über Himmel und Svarga erhöhten Stätte. Śvetadvīpa misst sechzehnhunderttausend Yojana; der Durgā-Bereich ist ebenso bemessen; der Bhū-Bereich misst die Hälfte davon, der Śrī-Bereich die Hälfte davon wiederum. Diese Bereiche sind durch von Juwel und Gold erstrahlende Wesenheit als Wall-Grenze gekennzeichnet, mit zahlreichen Torbögen, Zinnen, Altären und Plätzen geschmückt, voll von juwelenreichen Flüssen, Bergen, Seen, Teichen und dergleichen; mit mancherlei Wassertier-Scharen versehen, mit goldenen Lotos-Gewässern erstrahlend, reich an zu jeder Jahreszeit blühenden Blumen, mit goldenen Sprossen versehenen Bäumen; von den Stimmen der Gänse, Kuckucke, Pfauen und Papageien erfüllt, von höchst schönen Löwen und mancherlei anderem Wild erfüllt; mit unbeschreiblichen, aus Juwelen errichteten zahlreichen Pavillons, versehen mit mancherlei süßen Klängen, mit Scharen von Männern und Frauen versehen; ertönend vom Gesang der Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas und Apsaras, mit dem Klang mancherlei Instrumente, großer Vīṇās, Muschelhörner und Pauken; mit Elefanten, Pferden, Wagen, Fußvolk, Bannern, Schirmen und dergleichen Abzeichen versehen, reich an allem Schmuck und Gewand, voll von Reihen von Luftpalästen (vimāna); mit mancherlei Spielmitteln versehen, mit mancherlei Düften angereichert.
Wort für Wort
tripādviṣṇuḥ
der 'Drei-Schritt'-Viṣṇu (Trivikrama-Motiv)
maṇisvarṇojvalat...prākāra
der juwelen-golden erstrahlende Wall
siddhacāraṇagandharvāpsaraḥ gānam
der Gesang von Siddhas, Cāraṇas, Gandharvas, Apsaras
vimānāvaliḥ
Reihen von Luftpalästen
Ausführliche, überschwängliche Paradies-Schilderung von Śvetadvīpa im typisch puranischen Stil überreicher Aufzählung (Juwelen, Gewässer, Bäume, Vögel, Tiere, Musik, Prachtbauten) – inhaltlich weniger unsicher als der vorangehende astronomische Abschnitt, da es sich um eine formelhafte Fülle-Beschreibung handelt.
Mit vielem Gänsedaunen-Polster versehene Juwelen-Lager, dicht bedeckt, angefüllt mit Genuss-Frauen, mit Juwelenfächern und -spiegeln, mit zahlreichen aus Juwel und Gold bestehenden Wänden, Gefäßen und dergleichen Mitteln, mit ungenannten, unendlichen, allen denkbaren Ausstattungsgegenständen geschmückt, mit Yak-Wedeln, Schaukeln, Fußbänken und dergleichen versehen; mit Tulasī-Blüten-, echten Juwelen- und Perlenketten geschmückt, leuchtend im Glanz von zehn Millionen Sonnen, in Gestalt der Opfergaben-Gefäße; sie (Ramā), in Gestalt von Ghee, Joghurt und Wasser, das Wesen der zuvor genannten Dinge selbst – umgeben von Dienerinnen und Dienern, in Gestalt der Gattin, die Herrin von allem; in den Bereichen Durgā, Bhū und Śrī weilt sie in unendlich-vielfacher Gestalt und verehrt stets den unendlich-gestaltigen Herrn Viṣṇu; von Natur aus gibt es für sie kein zu erlangendes eigennütziges Ziel, das noch gewünscht würde. Der an sich schon vollkommen erfüllte Hari, der Ungeborene, nimmt aus Liebe ihre Verehrung an; in allen drei Bereichen ist diese Göttin die Verkörperung der unendlich vielen genannten Dinge – in allen Orten und Zeiten, in aller Gestalt gegenwärtig, ist Ramā (Śrī).
Wort für Wort
maṇiśayyā haṃsatūle
Juwelen-Lager mit Gänsedaunen
ghṛtadadhyamburūpā
in Gestalt von Ghee, Joghurt und Wasser
anantarūpiṇaṃ viṣṇuṃ sadārādhayati
verehrt stets den unendlich-gestaltigen Viṣṇu
pūrṇakāmo hariḥ prītyā svīkaroti
der vollkommen erfüllte Hari nimmt aus Liebe an
sarvadeśeṣu kāleṣu sarvarūpāśritā ramā
Ramā, in allen Orten/Zeiten/Gestalten gegenwärtig
Abschluss des Kapitels: die eigentliche Pointe der Śvetadvīpa-Schilderung – Ramā (Śrī/Lakṣmī) selbst als die gesamte paradiesische Fülle (Gebäude, Dienerschaft, Opfergaben) UND als ewig hingebungsvolle, selbstlose Verehrerin des vollkommen erfüllten (pūrṇakāma) Viṣṇu; sie ist zugleich Objekt und Subjekt der Verehrung, allgegenwärtig 'in allen Orten und Zeiten, in aller Gestalt'. Kolophon: 'So endet im ersten Abschnitt der glorreichen Prakāśa-Saṃhitā der zwölfte Adhyāya.'