Paṭala 20: pātālanarakavarṇanam
Teil 2, Adhyāya 5: Die Bewohner Rasātalas und Pātālas, Śeṣas Gestalt, Yamas Hof, und der Katalog der 108 Höllen
PS_2,5.1-44. Von "Śrī Bhagavān" gesprochenes Kapitel zur Unterwelt-Kosmographie: die von Hari/Rāma/Kṛṣṇa besiegten Dämonenscharen in Rasātala (bewacht von der Höllenhündin Saramā); der tausendköpfige Śeṣa in Pātāla mit ausführlicher Ikonographie, meditierend über Nārāyaṇa; Yamas Hof in der Stadt Saṃyamanī mit den Schreibern Citra/Citragupta und dem Gerichtsverfahren über Verdienst und Sünde; ein bemerkenswerter Abschnitt, in dem Krankheiten (Wind-/Gallen-/Schleimstörungen, Herzleiden usw.) als personifizierte Höllenwesen auftreten; ein vollständiger Katalog der 108 Höllen (v.a. Namenskatalog, viele Einzelnamen unsicher überliefert); und ein kosmologischer Schluss über zwei ewige vs. viele zeitlich begrenzte Höllen sowie den zyklischen Wechsel der unteren Götter zwischen grobstofflicher Existenz und Maharloka-Aufenthalt.
Der Erhabene [Bhagavān] sprach: In Rasātala, [zuunterst] gelegen, wohnen Dānavas zu hundert Millionen, und Daityas, und Yātudhānas, die Paulomas, die Kālakeyas, die standhaften Nivātakavacas, und Rākṣasas und Surāṇakas [?], Piśācas, die niedriggeborenen Blutsauger [?], die überaus törichten, altersschwachen [Dämonen] – sie wohnen [dort] aus Furcht vor Haris Diskus und tatsächlich aus Furcht vor allem; welche „Wesenskundigen” (tāttvika) unter ihnen, die vortrefflichen [Wesen], gibt, wohnen ebenfalls dort zusammen [mit ihnen]. Diese, in jedem Manvantara, in diesem Bhārata[-Land] gänzlich [wirkend], schänden Hari-Verehrer, gute Brahmanen, Kühe, Frauen und die Einsiedeleien anderer, und bringen [sie] zu Fall; manche, [deren] Sinn ganz [vom Bösen] erfüllt ist, wohnen in der ewigen Hölle, [zuvor] von Hari u.a. erschlagen [?, Versende korrupt]. Zu immerwährendem Widerstand geworden, in Rasātala Zuflucht genommen habend, [einst] auf der Erde weilend, waren sie, trotz der Gunstbezeigungen Brahmās und Rudras, Schädiger der Welt. Von allen Avatāras, von Rāma, auch von Kṛṣṇa erschlagen, wohnen sie alle gänzlich in der ewigen Hölle; mit der Zeit werden sie fürwahr in die Finsternis eingehen. Denn dort [erschreckt] eine Hündin namens Saramā, entstanden aus einem Segen Brahmās, dem Willen Yamas untertan, ständig die gequälten Daityas. Die dortigen Daityas, [deren] Lebenszeit erschöpft ist, gehen, nachdem sie im Traum den Sudarśana[-Diskus] erblickt haben, nach dem Tod in die Hölle ein; jene [Hündin/jener Diskus] ist die Zuflucht [bzw. der Untergang] für ihre Sippe [?].
Wort für Wort
śrībhagavān uvāca
der Erhabene sprach
rasātaladhasthāt dānavāḥ śatakoṭiśaḥ
in Rasātala gelegen, Dānavas zu hundert Millionen
daityāḥ yātudhānāḥ paulomāḥ kālakeyakāḥ
Daityas, Yātudhānas, Paulomas, Kālakeyas
nivātākavacādhīrāḥ rākṣasāḥ surāṇakāḥ
die standhaften Nivātakavacas, Rākṣasas, Surāṇakas
piśācāḥ antyajāsṛkyāḥ
Piśācas, die niedriggeborenen Blutsauger [?]
cakrabhayataḥ hareḥ sarvabhayāt vasanti
aus Furcht vor Haris Diskus, aus Furcht vor allem wohnen sie
Hari-Verehrer, Brahmanen, Kühe, Frauen, fremde Einsiedeleien schändend, zu Fall bringend
nitye narake vasanti
wohnen in der ewigen Hölle
sarvāvatāraiḥ rāmeṇa kṛṣṇena api hatāḥ
von allen Avatāras, von Rāma, von Kṛṣṇa erschlagen
nityanarake vasanti
wohnen in der ewigen Hölle
kālāt tamaḥ āsyanti
mit der Zeit gehen sie in die Finsternis ein
saramā nāmnī śunī brahmavarodbhavā
eine Hündin namens Saramā, aus Brahmās Segen entstanden
yamasya vaśavartinī daityān bhīṣayanti
Yamas Willen untertan, erschreckt sie die Daityas
kṣīṇāyuṣaḥ daityāḥ svapne sudarśanam dṛṣṭvā
die Daityas mit erschöpfter Lebenszeit, im Traum den Sudarśana erblickend
mṛtāḥ narakam āsyanti
gehen nach dem Tod in die Hölle ein
[?] V.2, 5, 9 enthalten mehrere unsichere/korrumpierte Wortformen (im Quelltext selbst mit Klammer-Varianten markiert); Sinn jeweils sinngemäß rekonstruiert. Das Kapitel wird nun ausdrücklich "Śrī Bhagavān" (statt zuvor "Śrī Haṃsa") als Sprecher zugeschrieben.
Und unterhalb davon, in Pātāla, in der strahlenden nördlichen Richtung, [weilt] der tausendköpfige Śeṣa, von allen wesenskundigen Schlangen und von sämtlichen Nāga-Mädchen in einem Juwelenpavillon verehrt; über den Gott Nārāyaṇa meditierend, weilt er, zusammen mit den Unsterblichen, dort beständig. [Er ist] geschmückt mit einer Reihe von Kronen, die mit dem Glanz tausend Sonnen erstrahlen, [sein] Glanz übertrifft zehn Millionen Male den des vollen Herbstmondes. Geschmückt mit einem Kranz weißer, stets von Nektar triefender Hauben, stets ein einzelnes [Ohrgehänge-]Paar tragend, strahlend, der Herr, [bewaffnet] mit Keule und Pflug. Auf dessen Haupt der Glanz eines sonnenhell strahlenden Juwels alle Krankheit hinwegnimmt; [geschmückt] mit Halsketten, Fußreifen, Armringen, Armbändern, Fingerringen u.a. Der Herr, [geschmückt] mit vielen Juwelen, strahlendem [Hüft-]Gürtel, Kronenband u.a., dessen Sandalen mit den in den Kronen von Göttern und Dämonen [eingefassten] Juwelen bedeckt sind [d.h. vor dem sich Götter und Dämonen mit gekrönten Häuptern niederwerfen]. Duftend von Sandelpaste, Blumengirlanden u.a. Wohlgerüchen, meditierend, weilt der Virāṭ selbst [dort]. Im südlichen Teil von Pātāla, in der Stadt Saṃyamanī, [befindet sich] der Herr [Yama] –
Wort für Wort
tadadhastāt pātāle uttare diśi
unterhalb davon, in Pātāla, in der nördlichen Richtung
sahasravadanaḥ śeṣaḥ
der tausendköpfige Śeṣa
sarvaiḥ tātvikapannagaiḥ nāgakanyābhiḥ pūjitaḥ
von allen wesenskundigen Schlangen und Nāga-Mädchen verehrt
ratnamaṇḍape
im Juwelenpavillon
nārāyaṇam devaṃ dhyāyan sadā avasati
über den Gott Nārāyaṇa meditierend, weilt er stets
sahasrabhānubhā dīpyat-kirīṭāvali-maṇḍitaḥ
mit einer von tausend-Sonnen-Glanz erstrahlenden Kronenreihe geschmückt
śāradaśaśi-chavi-koṭyadhika-dyutiḥ
an Glanz zehn Millionen Male den Herbstmond übertreffend
nityāmṛtasrat-śubhra-phaṇāmaṇḍala-maṇḍitaḥ
mit einem Kranz weißer, stets nektartriefender Hauben geschmückt
musalaḥ sahalaḥ prabhuḥ
der Herr mit Keule und Pflug
bhānuprabha-maṇi-śrī-hṛta-sarvaruk
durch den Glanz des sonnenhellen Juwels alle Krankheit hinweggenommen
hāranūpuravalayakaṅkaṇāṅgulikādibhiḥ
mit Halsketten, Fußreifen, Armringen, Armbändern, Fingerringen u.a.
surāsurakirīṭastharatnāchāditapādukaḥ
dessen Sandalen mit den Juwelen aus Götter-/Dämonenkronen bedeckt sind
gandhamālyādisurabhi dhyāyan virāṭ svayam āste
duftend, meditierend, weilt der Virāṭ selbst
pātāladakṣiṇe bhāge saṃyaminyāṃ puraḥ prabhuḥ
im südlichen Teil von Pātāla, in der Stadt Saṃyamanī, der Herr [Yama]
Ausführliche Ikonographie des tausendköpfigen Śeṣa in Pātāla, der über Nārāyaṇa meditiert – Übergang in V.16 zu Yamas Reich in der Stadt Saṃyamanī.
Der Geliebte der Śyāmalā, der Stabträger, dessen Reittier der Büffel ist, der Unparteiische, Yama, Herr der Verstorbenen, an Glanz einem Berg aus dunklem Augenschminke-Gestein gleich, ausgestattet mit allem Schmuck, der Dharma-König, der auf Rāma Sinnende, der Sohn Bhānus [der Sonne] – und dort [bei ihm sind] Citra und Citragupta, die beiden kundigen Schreiber. Auf dessen Befehl hin [wird] die Summe von Verdienst und Sünde, [die] in Bhārata entstanden [ist, verzeichnet]; dort sind Dharma [und andere] die Verkünder [des Urteils], je nach ihrem Manvantara eingesetzt – Ṛṣis, alle Götter und Untergötter sind seine Diener; [und ferner Wesen mit] emporstehendem Haar, entstellten Augen, dunkler Hautfarbe, furchterregend, seine Befehlsausführenden, Diener mit Fangstricken in der Hand, hart, mitleidlos, grausam, mit großen Eisenkeulen in der Hand. Sie binden die Sünder aus Bhārata und bringen sie zu Yama; sie sind zu einer Million [gezählt], schrecklich, mit Schlägen und Sengungen. Auf schrecklichem Weg schleifen sie diese, die überaus viel Sünde begangen haben; er, der König der Verstorbenen, hat, nachdem er die Herangebrachten erblickt hat, den Yama-Stab; auf deren Haupt legt er [ihn]; dann [beginnt] die Qual der verkörperten Wesen. Sie alle verkünden [dann] die von ihnen begangenen Verdienste und Sünden.
Wort für Wort
śyāmalāvallabhaḥ daṇḍadharaḥ mahiṣavāhanaḥ
der Geliebte der Śyāmalā, der Stabträger, mit dem Büffel als Reittier
samavartī yamaḥ pretapatiḥ
der Unparteiische, Yama, Herr der Verstorbenen
dharmarāṭ rāmacintakaḥ bhānuputraḥ
der Dharma-König, der auf Rāma Sinnende, Sohn Bhānus
citracitraguptau sulekhakau
Citra und Citragupta, die kundigen Schreiber
yasyājñayā puṇyapāpacayasya
auf dessen Befehl die Summe von Verdienst und Sünde
dharmaḥ pravaktā tattanmanvantarasthitāḥ
Dharma der Verkünder, je nach Manvantara eingesetzt
ṛṣayaḥ sarvadevopadevāḥ tatparicārakāḥ
Ṛṣis, alle Götter/Untergötter seine Diener
ūrdhvakeśāḥ virūpākṣāḥ nīlavarṇabhayaṅkarāḥ
mit emporstehendem Haar, entstellten Augen, dunkel, furchterregend
tadājñākāriṇaḥ kiṅkarāḥ pāśapāṇayaḥ
seine Befehlsausführenden, Diener mit Fangstricken
niṣṭhurāḥ nirghṛṇāḥ krūrāḥ mahāparighapāṇayaḥ
hart, mitleidlos, grausam, mit großen Eisenkeulen
bhāratāt pāpinaḥ badhvā ānīyante yamāntikam
binden die Sünder aus Bhārata, bringen sie zu Yama
daśalakṣamatāḥ ghorāḥ tāḍanabharjanaiḥ
eine Million, schrecklich, mit Schlägen und Sengungen
der König der Toten legt, nach dem Erblicken, den Yama-Stab auf ihr Haupt
dehināṃ yātanā tadā
dann die Qual der verkörperten Wesen
puṇyapāpāni kṛtāni kīrtayanti
sie verkünden die begangenen Verdienste und Sünden
Klassisches Yama-Hofbild (vgl. entsprechende Purāṇa-Schilderungen): Yama als unparteiischer Richter mit den Schreibern Citra/Citragupta, die Sünden-/Verdienstbilanz jedes Wesens wird verlesen, bevor die individuelle Höllenstrafe zugewiesen wird (fortgesetzt in der nächsten Einheit).
Dort erklären alle die wesenskundigen [Wächter], stehend: „Es ist wahr”; sie lesen auch das auf den [Aufzeichnungs-]Blättern Geschriebene laut vor. Die vortrefflichsten Ṛṣis verkünden die aus Lust und Leid bestehende Frucht [der Taten]; eine Million von ihnen sind Yamas Boten in der Hölle, welche, nachdem sie [die Sünder] niedergeworfen haben, sie entsprechend ihrer Sünde schlagen; zwei Millionen dort [sind] die, welche stets Krankheiten verkörpern [d.h. personifizierte Leiden] – sie [erscheinen als] Wind-, Gallen-, Schleim[-Störungen] u.a., zusammengesetzte Fieber u.a., Fisteln, Ruhr, Erbrechen, Appetitlosigkeit, schlecht heilende Wunden, goldfarbener [?] Schnupfen, Herzleiden u.a. – dort in der Nähe wohnen sie, Austeiler der Sündenfrucht, mancherorts Verursacher des Körperverfalls. In Gestalt von Hunde-, Schlangen- und Skorpionbissen, in Gestalt giftiger, bösartiger Wölfe – zwei Millionen [solcher Wesen] sind es, die in der Hölle die Gefallenen quälen. In Pātāla wohnen diese vielgestaltigen Höllen: Durgati und Niraya, und Mahāraurava und Raurava,
Wort für Wort
tatvātmikāḥ satyam iti avadan sthitāḥ
die Wesenskundigen erklären stehend ,es ist wahr'
patreṣu likhitāni prapaṭhanti
sie lesen das auf den Blättern Geschriebene vor
sukhaduḥkhātmakaphalam vadanti ṛṣisattamāḥ
die vortrefflichen Ṛṣis verkünden die Lust-Leid-Frucht
Herzleiden u.a., Austeiler der Sündenfrucht, Körperverfall verursachend
śvāhivṛścikadaṃśāṃśī viṣadurvṛkarūpakāḥ
in Gestalt von Hunde-/Schlangen-/Skorpionbissen, giftiger Wölfe
viṃśallakṣāḥ narake patitānāṃ prabādhakāḥ
zwei Millionen, Quäler der in die Hölle Gefallenen
pātāle narakāḥ bahurūpakāḥ saṃvasanti
in Pātāla wohnen die vielgestaltigen Höllen
durgatiḥ nirayaḥ mahārauravaḥ rauravaḥ
Durgati, Niraya, Mahāraurava, Raurava
Bemerkenswertes Motiv: Krankheiten (Wind-/Gallen-/Schleimstörungen, Fisteln, Herzleiden usw.) werden hier explizit als personifizierte Höllenwesen (,rogābhimāninaḥ' – ,die sich Krankheit einbilden/verkörpern') dargestellt, die als Bestrafungsinstrumente fungieren – ein seltenes Bindeglied zwischen Āyurveda-Nosologie und Höllenkosmographie. Mit V.31 beginnt der Namenskatalog der 108 Höllen (Fortsetzung nächste Einheit).
– [ferner] Saṅghāta, [die] mit Namen Kālasūtra, [die] mit Namen Avarcas [?], Anirodhana [?], Tailayantra [Ölpresse], Taptataila [siedendes Öl], Giripāta [Bergsturz], Ayasālaya [Eisenhaus]; Sūcyagni-Bhūrinirghāta [Nadel-Feuer-vielfacher-Donnerschlag], Vakrakaṇṭaka-Dānava [Krummdorn-Dämon], Śvabhojana-Vratapa [Hunde-Fraß], Karkaśāli-Mukholbaṇa; [die Hölle des] Eiter-, Blut-, Urin-, Kot-Verzehrs, [des] Umarmens erhitzter [eiserner] Bildnisse, Kālakūṭāgni-Śakala [Gift-Feuer-Splitter], Sarvaśastrāstrapātana [Fallen aller Waffen und Geschosse]; Prāṇarodha-Mahābhāra [Atem-Erstickung-schwere-Last], Krūrāśīviṣa-Vṛścika [grausame Giftschlangen und Skorpione], [die Hölle des] Abschneidens aller Glieder [und des Verzehrens] des eigenen Fleisches, [des] Stürzens auf erhitzte Bäume; die beiden [Höllen des] Pfahl-Aufspießens und Herabreißens, die übelriechende, das Verschlungenwerden durch Rākṣasas, den Pfeilhieb, die Vaitaraṇī [der Höllenfluss], Śaṅkamūla-Karālaka; Ameisen- und Blutegel[-Fraß], Speise für Geier und Reiher, die beiden [Höllen des] Herumwirbelns und Zerschmetterns, Śilāyantra-Śilādana [Steinpresse-Steinfraß]; die Ohren-[etwas]füllende [Hölle], die beiden [Höllen des] Durch-Türen-Schleuderns und Fesselns, Ketten, glühender Sand, Funken und Staubschauer; Kopf-, Vitalpunkt-, Gelenk-, Schädel-[Zerstörung], Wasser-Entzug u.a. – es gibt fürwahr einhundertacht Höllen, die Wohnstätten der Sünde.
Wort für Wort
saṅghātaḥ kālasūtrākhyaḥ
Saṅghāta, die genannt Kālasūtra
tailayantraḥ taptatailaḥ giripātaḥ ayasālayaḥ
Ölpresse, siedendes Öl, Bergsturz, Eisenhaus
sūcyagnibhūrinirghātau vakrakaṇṭakadānavau
Nadel-Feuer-Donner, Krummdorn-Dämon
pūyāsṛṅmūtraviṣṭāśāḥ
Eiter-Blut-Urin-Kot-Verzehr
taptāstroparirambhaṇāḥ
Umarmen erhitzter Bildnisse
kālakūṭāgniśakalau sarvaśastrāstrapātanau
Gift-Feuer-Splitter, Fallen aller Waffen
prāṇarodhamahābhārau krūrāśīviṣavṛścikau
Atem-Erstickung, Giftschlangen und Skorpione
sarvāṅgachedātmamāṃsau taptavṛkṣābhipātanau
Gliederabschneiden/Eigenfleisch-Verzehr, Sturz auf erhitzte Bäume
śūlārohāpakarṣā vaitaraṇī
Pfahlaufspießung, Herabreißen, der Fluss Vaitaraṇī
[?] Reiner Namenskatalog der 108 Höllen (vgl. die kürzeren, aber strukturell verwandten Kataloge in Viṣṇu- und Bhāgavata-Purāṇa, dort meist 21 oder 28 Namen); mehrere Einzelnamen (V.32-33, 38) im Quelltext unsicher überliefert (Klammer-Varianten), entsprechend pauschal [?]-markiert. Aus Lesbarkeitsgründen wurden Namen mit transparenter Bedeutung deutsch wiedergegeben (in eckigen Klammern), rein unklare Namen unübersetzt gelassen.
Diese sind die zeitlich begrenzten Höllen; Tāmisra und Andhatāmisra [aber] sind die beiden ewigen Höllen dort; die dorthin Gegangenen gehen der Reihe nach in die Finsternis ein. Die Götter, die in den unteren Welten [wohnen], in sämtlichen Manvantaras, sind ihren vorgeschriebenen Aufgaben hingegeben, ohne Wechsel des Namens. Die hier [zuvor] genannten Namen und Gestalten der Unwürdigen [wurden ihnen], in jeder Hinsicht, eben hier, in früheren Manu[-Zeitaltern], gegeben, [sie sind] eben als „zu Befehlende” benannt [?]. Diese alle, [wenn] der Manu[-Zeitraum] endet, verlassen [ihre] groben [Körper] zugunsten feinstofflicher [Körper] und gehen, von ihrer eigenen Weisheit geleitet, zum Maharloka, an dessen [des Manvantara] Ende. [Später,] am Rande des vorigen [Zyklus], erlangen sie der Reihe nach wieder grobe [Körper] durch/als Ṛṣis.
Wort für Wort
anityanarakāḥ ete
diese sind die zeitlich begrenzten Höllen
tāmiśrandhatāmiśrakau nityau dvau narakau
Tāmisra und Andhatāmisra, die zwei ewigen Höllen
gatāḥ tamaḥ kramāt āyanti
die Gegangenen gehen der Reihe nach in die Finsternis ein
adho lokeṣu ye devāḥ sarvamanvantareṣu
die Götter in den unteren Welten, in allen Manvantaras
proktavyāpāraniratāḥ nāmāntaravivarjitāḥ
ihren Aufgaben hingegeben, ohne Namenswechsel
ayogyānām nāmarūpāṇi pūrvamanuṣu dattāḥ
die Namen/Gestalten der Unwürdigen, in früheren Manu-Zeiten gegeben
manulaye sthūlāni tyaktvā sūkṣmataḥ
beim Manu-Ende die groben [Körper] zugunsten feinstofflicher verlassend
svaprājñavaśagāḥ maharlokam yānti tadatyaye
von eigener Weisheit geleitet zum Maharloka gehend, an dessen Ende
ṛṣibhiḥ sthūlāni prāpya svapūrvam kramāt
durch Ṛṣis wieder grobe [Körper] erlangend, der Reihe nach am früheren Ort
[Anm.: V.44 liegt, wie schon bei 1.18 und 2,4.91 beobachtet, nur als einzelne Zeile vor.] Kapitelschluss mit einer knappen kosmologischen Randnotiz: die unteren Götter/Dämonen durchlaufen mit jedem Manvantara-Zyklus einen Wechsel zwischen grobstofflicher Existenz und einem subtilkörperlichen Aufenthalt im Maharloka – eine Art zyklischer Läuterung, die eigenständig neben der Haupt-Erlösungslehre des Werks steht. [?] V.42 und 44 bleiben in Teilen unsicher (Klammer-Varianten im Quelltext).