Quellen der Menschheit

Prakāśa-Saṃhitā

Paṭala 8: Aṣṭamo 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ) Achter Adhyāya – Die Vyūha-Weitergabekette der Seelen, die Guṇa-Tropfen-/Hüllen-Kosmogonie, die Karma-Lehre (prārabdha/sañcita/āgāmi), die Wach-Traum-Tiefschlaf-Trias (Viśva/Taijasa/Prājña) und die Sāṅkhya-Emanationsreihe bis zur Erde

Achter Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā (Pāñcarātra), gelehrt von Śrī Haṃsa – der bislang umfangreichste Adhyāya des Werks (139 Verse). Behandelt in dichter Folge: die Weitergabe der neu zu erschaffenden Seelen durch die vier Vyūha-Gestalten (Vāsudeva/Saṅkarṣaṇa/Pradyumna/Aniruddha); die Trennung von reinem und unreinem Guṇa-Anteil ('bindu') bei Brahmās Feinkörper und die Geburt des 'Aja' aus Māyā; eine erneute, wie schon in Adhyāya 6-7 stark unsichere Guṇa-Atom-Zählung; die Einführung der Viśva-Taijasa-Prājña-Trias als personifizierte Wach-, Traum- und Tiefschlafzustände (Anwendung der Māṇḍūkya-Upaniṣad-Bewusstseinslehre auf das Pāñcarātra-System); eine ausführliche, theologisch zentrale Karma-Lehre (prārabdha/sañcita/āgāmi-Karma, Vernichtung akkumulierten Karmas durch unmittelbare Gottesschau, Citragupta-Motiv); die kategorische, unveränderliche Einteilung der Wesen (Götter nie in der Hölle, Asuras nie befreit); eine detaillierte Traum- und Schlaf-Physiologie (dhyāna/mūrchā/nidrā/svapna); die Genealogie der Erschaffung Brahmās und Vāyus durch die Vyūhas; und schließlich, eingebettet in eine zweite Guṇa-Tropfen-Hüllen-Kosmogonie, die klassische Sāṅkhya-Emanationsreihe (Mahat → dreifacher Ahaṅkāra → Manas/Indriyas/Tanmātras → die fünf groben Elemente mit ihren Hüllen). Zahlreiche Passagen – insbesondere die Guṇa-Atom-Arithmetik, die Vyūha-Weitergabekette und die Weisen-Genealogien – bleiben trotz sorgfältiger Prüfung in Einzelheiten unsicher und wurden entsprechend mit [?]/[Anm.] markiert. Quelle: GRETIL prakassu.htm (Sansknet-Projekt, keine benannte moderne kritische Edition – gemeinfrei nutzbar).

vyatīte layakāle tu sṛṣṭikāla upāgate / parakālādimādau tu puruṣaḥ sarvacetanān // PS_1,8.1 // vāsudeverpayalliṅgabaddhān jīvān (sṛjyān)vilakṣaṇān / tāratamyayutān svayogyatāṃ kalitāṃśca saḥ // PS_1,8.2 // svasvocitamahāyatnābhimukhān svasvakarmaṇā / janmalābhocitān vāsudevasthān vīkṣya cintayan // PS_1,8.3 //

Nachdem die Zeit der Auflösung vergangen und die Zeit der Schöpfung herangekommen ist, blickt am allerersten Beginn der neuen Zeitperiode der Puruṣa auf alle bewussten [Seelen], die in Vāsudeva an den Feinkörper gebunden, zur Erschaffung [bestimmt], voneinander unterschieden und nach Rangstufen (tāratamya) geordnet sind, und die er nach ihrer jeweiligen Eignung erfasst hat; er betrachtet sie, wie sie, jede nach ihrem eigenen Karma, ihrem jeweils angemessenen großen Bemühen zugewandt und für den Erhalt einer [neuen] Geburt geeignet, in Vāsudeva weilen, und sinnt [über sie] nach.

Wort für Wort
vyatīte layakāle sṛṣṭikāla upāgate
nach vergangener Auflösungszeit, bei herangekommener Schöpfungszeit
puruṣaḥ sarvacetanān ... jīvān vīkṣya cintayan
der Puruṣa, alle bewussten Seelen betrachtend, sinnt nach
vāsudeve liṅgabaddhān ... tāratamyayutān
in Vāsudeva feinkörper-gebunden ... nach Rangstufen geordnet
svasvakarmaṇā janmalābhocitān
je nach eigenem Karma für eine Geburt geeignet

sṛṣṭikālādyanimiṣasūkṣmadehocitaṃ hyajām / liṅgabaddhantu tatpūrvakṣaṇavaiṣamyasaṃgataḥ // PS_1,8.4 // ekaṃ gṛhītvānyajīvān prādāt saṅkarṣaṇo vibhuḥ / sa vāyumekaṃ liṅge taṃ gṛhītvānyān sucetanān // PS_1,8.5 // pradyumro 'dāttayorbhārye sa gṛhītvā saliṅgake / tadanyāntātvikān sarvapadasthān bhāvitātvikān // PS_1,8.6 // vyaktāparokṣiṇaḥ saṃkhyā niyamāt sūkṣmayogataḥ / sraṣṭuṃ prādāt sacarame aniruddho 'khileśvaraḥ // PS_1,8.7 // vāsudevo viriñcasya liṅgadehaṃ vyacālayat / tattaliṅgadehasthatriguṇebhyastribindavaḥ // PS_1,8.8 //

[Diese Verse schildern, stellenweise nur sinngemäß erschließbar, eine Weitergabe-Kette der zu erschaffenden Seelen durch die vier Vyūha-Gestalten:] Zu Beginn der Schöpfungszeit, [für die Seele,] die für einen im Nu [entstehenden] Feinkörper geeignet ist, an den Feinkörper gebunden und mit dem Ungleichgewicht des vorangehenden Augenblicks verbunden – davon eine ergreifend, übergab der mächtige Saṅkarṣaṇa die anderen Seelen [weiter]; er, nachdem er Einen im Feinkörper des Vāyu ergriffen hatte, [übergab] die anderen wohlbewussten [Seelen]; Pradyumna übergab [sie] dem Paar seiner Gattinnen; er selbst, nachdem er [einen weiteren] mit Feinkörper ergriffen hatte, [übergab] die übrigen 'wahrhaftigen' (tāttvika), in allen [ihren] Stufen befindlichen, zur Wahrhaftigkeit bestimmten [Seelen] – die offenbaren, unmittelbar schauenden – nach der durch die Zahl festgelegten Regel, durch subtile Verbindung, übergab [Vāsudeva] zuletzt Aniruddha, dem Herrn über alles, zur Erschaffung. Vāsudeva brachte den Feinkörper des Virinca (Brahmā) in Bewegung; aus den drei in jenem Feinkörper befindlichen Guṇas [entstanden] drei Tropfen (bindu).

Wort für Wort
ekaṃ gṛhītvā anyajīvān prādāt saṅkarṣaṇaḥ
einen ergreifend übergab Saṅkarṣaṇa die anderen Seelen
pradyumnaḥ adāt tayoḥ bhārye
Pradyumna übergab dem Gattinnenpaar
aniruddhaḥ akhileśvaraḥ sraṣṭuṃ prādāt
Aniruddha, der Herr über alles, übergab zur Erschaffung
vāsudevaḥ viriñcasya liṅgadehaṃ vyacālayat
Vāsudeva brachte Virincas Feinkörper in Bewegung
triguṇebhyaḥ tribindavaḥ
aus den drei Guṇas drei Tropfen

Diese Weitergabe-Kette (V.4-8) durch die vier Vyūha-Gestalten (Vāsudeva→Saṅkarṣaṇa→Pradyumna→Aniruddha) ist syntaktisch stark verdichtet und teils nur sinngemäß erschließbar; die genaue Zuordnung der Pronomen bleibt unsicher.

nyapatan tatra yobinduḥ sātvikaḥ sa tu nirmalaḥ / / rajo vaiṣamyasaṃyukta rajobindustathāpatat // PS_1,8.9 // tamo vaiṣamyakalitastamobindurabhūttataḥ / rajobindugato viṣṇūrajovaiṣamyamūrjitam // PS_1,8.10 // pṛthaksthāpya rajobinduṃ śuddhaṃ cakre jagadguruḥ / tamobindugatodevaḥ tamovaiṣamyamutkaṭam // PS_1,8.11 // samudhṛtya pṛthaksthāpya taṃ binduṃ śuddhamātanot / tato māyā prārthitaḥ san vāsudevastadādimaḥ // PS_1,8.12 // tadrajoguṇavaiṣamyaliṅgabaddhamajaṃ vibhuḥ / ajasya sūkṣmadehāptyai rajovaiṣamyamūrjitam // PS_1,8.13 // nikṣipya ca nigīryeśomāyāyāṃ mahadāhvayam / sūkṣmarūpaṃ tu tadvīryaṃ prākṛtaṃ prākṣipaddhariḥ // PS_1,8.14 //

Von diesen [drei Tropfen] fiel der eine, der sāttvische, herab und war rein; ebenso fiel der rajasische Tropfen herab, verbunden mit dem Ungleichgewicht des Rajas; der tamasische Tropfen entstand, ausgestattet mit dem Ungleichgewicht des Tamas. Viṣṇu, in den Rajas-Tropfen eingegangen, überwältigte das mächtige Ungleichgewicht des Rajas; der Weltenlehrer setzte den Rajas-Tropfen, gesondert aufgestellt, rein. Der in den Tamas-Tropfen eingegangene Gott [überwand] das gewaltige Ungleichgewicht des Tamas, hob jenen Tropfen heraus, stellte ihn gesondert auf und machte ihn rein. Darauf, von Māyā gebeten, verband der ursprüngliche Vāsudeva den Unerschaffenen (Aja, Brahmā), der an das durch das Ungleichgewicht des Rajas-Guṇa [belastete] Feinkörper gebunden war; damit Aja einen Feinkörper erlange, warf der mächtige [Vāsudeva] das gewaltige Ungleichgewicht des Rajas hin und verschlang [es] in die 'Māyā' genannte [Kraft, auch] 'Mahat' genannt; jene subtile Gestalt, seine ursprüngliche (prākṛta) Kraft/Samen, warf Hari [dort] hinein.

Wort für Wort
sātvikaḥ binduḥ ... nirmalaḥ
der sāttvische Tropfen ... rein
rajobinduḥ vaiṣamyasaṃyuktaḥ
der Rajas-Tropfen, mit Ungleichgewicht verbunden
viṣṇuḥ rajobindugataḥ rajovaiṣamyam ... pṛthaksthāpya śuddhaṃ cakre
Viṣṇu, in den Rajas-Tropfen eingegangen, das Rajas-Ungleichgewicht [überwindend], stellte ihn gesondert rein auf
māyāyāṃ mahadāhvayam nikṣipya nigīrya
in die 'Māyā', auch 'Mahat' genannt, hineinwerfend und verschlingend
ajasya sūkṣmadehāptyai
damit Aja einen Feinkörper erlange

Die Trennung von reinem und unreinem (rajas-/tamas-gebundenem) Guṇa-Anteil ('bindu') durch Viṣṇu bzw. eine tamasische Gottheit, sowie die genaue Rolle der 'Māyā'/'Mahat' als Ort der Verschmelzung, bleiben in Einzelheiten unsicher.

tatra sā suṣuve sūkṣmadehavantamajaṃ vibhum / guṇatrayāṇavaḥ pūrvaṃ sāṃkhyā niyamataḥ sthitāḥ // PS_1,8.15 // yāvantaste sadā nityāḥ teṣāṃ nāśo na vidyate / tatra satvāṇavaḥ sarve daśadhopacitāḥ sadā // PS_1,8.16 // bhavanti rājasāstāmasāṇavaḥ pādamātrataḥ / bhavantyupacitā vāyusarasvatyādi sūkṣmagāḥ // PS_1,8.17 // satvādayastu daśadhā ūrjitāḥsambhavanti hi / trṛṇādīnāṃ sūkṣmagatānadhikāḥ prabhavanti hi // PS_1,8.18 // satvāṇavo rājasāśca tāmasāhyaṇavaśca ye / ṛjūnāṃ sūkṣmagāḥ pādopacitāḥ prabhavanti hi // PS_1,8.19 // sāṃśāḥsarveṣu sāṃśeṣu sūkṣmadeheṣu kṛtsnaśaḥ / satvāṇavo daśādhikyaṃ yāntyevopacitau satām // PS_1,8.20 // rajastamāṇavastūcceṣvalpanīceṣu cādhikāḥ / tadrajoguṇavaiṣamyamādāyādyānujaḥ svayam // PS_1,8.21 //

Dort gebar sie [Māyā] den mächtigen Aja mit seinem Feinkörper. [Es folgt erneut die bereits aus früheren Adhyāyas bekannte, hier fortgeführte Guṇa-Atom-Zählung, durchgehend unsicher überliefert:] Die Atome der drei Guṇas standen von jeher, der Zahl nach fest bestimmt; solange sie [bestehen], sind sie stets ewig, ihre Vernichtung existiert nicht. Dort sind alle Sattva-Atome stets zehnfach vermehrt; die rājasischen und tāmasischen Atome [wachsen nur] um ein Viertel-Maß; vermehrt entstehen die feinstofflich-gehenden [Wesen] wie Vāyu, Sarasvatī u.a. Sattva und die übrigen [Guṇas] entstehen zehnfach verstärkt; bei Gras u.ä. [entstehen] die feinstofflich-gehenden [Atome] nicht darüber hinaus vermehrt. Die Sattva-, Rajas- und Tamas-Atome der 'Geraden' (ṛju, wohl: der einfachen/aufrechten Wesen) entstehen feinstofflich, um ein Viertel-Maß vermehrt. In allen mit Anteil versehenen, mit Anteil versehenen Feinkörpern insgesamt gehen die Sattva-Atome bei den Guten eben zehnfach vermehrt [ein]; Rajas- und Tamas-Atome sind bei den Hohen wenig, bei den Niedrigen mehr [vertreten]; das Ungleichgewicht jenes Rajas-Guṇa aufnehmend, [wirkt] der jüngere Bruder [Aniruddha?] von sich aus.

Wort für Wort
guṇatrayāṇavaḥ pūrvaṃ sāṃkhyā niyamataḥ sthitāḥ
die Atome der drei Guṇas von jeher zahlenmäßig festgelegt
teṣāṃ nāśo na vidyate
ihre Vernichtung existiert nicht
satvāṇavaḥ daśadhā upacitāḥ
die Sattva-Atome zehnfach vermehrt
rājasāḥ tāmasāṇavaḥ pādamātrataḥ
die Rajas-/Tamas-Atome um ein Viertelmaß
ṛjūnāṃ sūkṣmagāḥ pādopacitāḥ
bei den 'Geraden' feinstofflich um ein Viertel vermehrt

Wie schon in Adhyāya 6 und 7 gehört diese Guṇa-Atom-Zählung zu den unsichersten Passagen; die genaue Bedeutung von 'ṛjūnām' (der 'Geraden/Aufrechten') und die exakten Zahlenverhältnisse bleiben trotz wiederholter Prüfung unklar.

sarveṣāṃ sūkṣmadehānāṃ ante vasati nāśakṛt / satvaṃrajastamaḥ sṛṣṭaṃ viṣṇubrahmaśivātmakam // PS_1,8.22 // śrībhūdurgāpatirviśvataijasaprājñanāmakāḥ / śuklaraktātmikānīlā ādāyānantarūpakaḥ // PS_1,8.23 // tattatsūkṣmaśarīrasthasthānatrayagato hariḥ / tadā hyavasthā tritayaṃ tadviśeṣādime sukham // PS_1,8.24 // ekonaviṃśatimukhau viśvataijasanāmakau / savyāpasavyagānyevaṃ puruṣāsyānimadhyagam // PS_1,8.25 // gajābhaṃ tu tayorasyāḥ mukhānāṃ kṛtyamapyuta / dakṣiṇākṣisthito viśvaḥ satvasthaḥ satvabhāgataḥ // PS_1,8.26 // uttamānāṃ madhyamānāṃ nīcānāṃ tatvamāninām / tribhirmukhaiḥ satvagataiḥ avasthāṃ jāgradāhvayām // PS_1,8.27 //

Am Ende aller Feinkörper wohnt der Vernichter; Sattva, Rajas, Tamas [wurden] erschaffen, von der Natur Viṣṇus, Brahmās, Śivas. Śrī, Bhū und Durgā, der Herr, mit den Namen Viśva, Taijasa, Prājña, weiß-rot-blau von Wesen, endlose Gestalten annehmend – Hari, in den drei Orten der jeweiligen Feinkörper eingegangen, [bewirkt] dann einen dreifachen Zustand; durch dessen Besonderheit ist der erste [Zustand, das Wachsein,] mit Glück [verbunden]. Die neunzehngesichtigen [Gottheiten], genannt Viśva und Taijasa, rechts- und linksgewandt, so inmitten der Gesichter des Puruṣa gelegen; elefantenfarben ist [das eine] von beiden; das Wirken dieser Gesichter – Viśva, im rechten Auge weilend, im Sattva verankert, bewirkt durch den Sattva-Anteil für die Höchsten, Mittleren [und] Niedrigen, die sich für wahrhaftig (tattva-mānin) halten, durch [seine] drei sattva-gestützten Gesichter den 'Wachzustand' (jāgrat) genannten Zustand.

Wort für Wort
sarveṣāṃ sūkṣmadehānāṃ ante vasati nāśakṛt
am Ende aller Feinkörper wohnt der Vernichter
śrībhūdurgā ... viśvataijasaprājñanāmakāḥ
Śrī-Bhū-Durgā ... genannt Viśva-Taijasa-Prājña
hariḥ sthānatrayagataḥ ... avasthā tritayam
Hari, in die drei Orte eingegangen ... dreifacher Zustand
viśvaḥ dakṣiṇākṣisthitaḥ satvasthaḥ
Viśva, im rechten Auge weilend, im Sattva verankert
tribhiḥ mukhaiḥ ... jāgradāhvayām avasthām
durch drei Gesichter ... den Wachzustand genannten Zustand [bewirkend]

Einführung der Viśva-Taijasa-Prājña-Trias (Wach-, Traum- und Tiefschlafzustand personifiziert als Aspekte Haris) – eine für die Pāñcarātra-Literatur charakteristische Übertragung der Māṇḍūkya-Upaniṣad-Bewusstseinszustandslehre auf ein theistisches System.

karotyayaṃ madhyagākhya tritayena sa eva hi / uccamadhyāvarāmartyadāsānāṃ jāgradāhvayām // PS_1,8.28 // karotyavasthāmantasthaiḥ tribhirāsyaiḥ sa eva hi / niraṃśānāṃ ca jīvānāṃ jāgratāṃ sampravartakaḥ // PS_1,8.29 // puṃsāmevaṃ vāmagāsyaiḥ strīṇāmevaṃ kariṣyati / anantānantajanmoru martyadehaiḥ kṛtāni tu // PS_1,8.30 // jāgraddhaśāyāṃ manasā vācakā yena cendriyaiḥ / kṛtāni sātvikādīni karmāṇyucyāvacāni ca // PS_1,8.31 //

Er bewirkt, so genannt 'der Mittlere' (madhyaga), durch [seine drei mittleren Gesichter] ebendieser [Viśva] für die Höchsten, Mittleren, Niedrigsten, Sterblichen und Diener [ebenfalls] den 'Wachzustand' genannten Zustand; er selbst bewirkt durch die drei 'inneren' (antastha) Gesichter [diesen] Zustand [für weitere Klassen]; und er ist der Bewirker des Wachseins auch für die ungeteilten (niraṃśa) Seelen. So [bewirkt er es] für Männer durch die linksgewandten Gesichter, ebenso wird er es für Frauen tun. Endlose, endlose, gewaltige Geburten, mit sterblichen Körpern vollzogen – im Zustand des Wachens werden durch Denksinn (manas), Sprache und durch welche Sinnesorgane auch immer sāttvische u.a. Handlungen, hohe wie niedrige, vollzogen.

Wort für Wort
madhyagākhya ... jāgradāhvayām karoti
'der Mittlere' genannt ... bewirkt den Wachzustand
niraṃśānāṃ jīvānāṃ jāgratāṃ sampravartakaḥ
der Bewirker des Wachseins auch für die ungeteilten Seelen
puṃsāṃ vāmagāsyaiḥ, strīṇām evam
für Männer durch die linken Gesichter, für Frauen ebenso
jāgraddaśāyāṃ ... karmāṇi sātvikādīni ucyāvacāni
im Wachzustand ... sāttvische u.a. Handlungen, hohe wie niedrige

yāni yānyapi sarvāṇi saṃcintānyapi teṣvalam / naṣṭeṣu tadadṛṣṭāni liṅgāni nivasantyalam // PS_1,8.32 // teṣu bhogāya dattāni bhuktvā nāśaṃ prayānti hi / bhogāya ca pradattāni ardhabhuktāni sarvaśaḥ // PS_1,8.33 // prārabdhāni ca teṣveva kānicidbhogataḥ kṣayam / yānti prārabdhaśiṣṭāni aparokṣe satisphuṭam // PS_1,8.34 // na nayānti ca sarvāṇi bhogayogyānya saṃśayaḥ / tatra duṣprārabdhajātaṃ bahvalpaṃ karotyajaḥ // PS_1,8.35 // bhagavadbhakti yogena harericchā hi tādṛśī / hariṇā jīvabhogāya na dattāni hyanantaśaḥ // PS_1,8.36 //

Was auch immer, alles, dessen man sich auch nur erinnert – wenn [die Körper] vergangen sind, wohnen die dazu unsichtbaren [karmischen] Rückstände (adṛṣṭa) vollständig im Feinkörper fort. Von diesen, zum Genuss zugeteilten [Karman], gehen [manche], nachdem sie genossen wurden, unter; und [manche], zum Genuss zugeteilt, [bleiben] insgesamt halb-genossen. Von diesen 'begonnenen' (prārabdha) [Karman] geht ein Teil durch Erfahrung/Genuss zur Erschöpfung über; die 'begonnenen' Reste gehen bei unmittelbarer [Gottes-]Schau eindeutig [zugrunde]. Nicht alle [Karman] führen zum Genuss, [das ist] ohne Zweifel; dort macht der Unerschaffene (Aja, wohl: die einzelne Seele) die Menge des schlecht begonnenen [Karman] größer oder geringer. Durch die Yoga-Praxis der Hingabe an den Herrn ist Haris Wille eben so [geartet]: nicht alle [Karman] werden von Hari zum endlosen Genuss der Seele zugeteilt.

Wort für Wort
adṛṣṭāni liṅgāni nivasanti
die unsichtbaren [Karma-Rückstände] wohnen im Feinkörper
bhogāya dattāni bhuktvā nāśaṃ prayānti
zum Genuss zugeteilte, nach Genuss vergehende [Karman]
prārabdhaśiṣṭāni aparokṣe sphuṭam [naśyanti]
die 'begonnenen' Reste vergehen bei unmittelbarer Schau eindeutig
bhagavadbhaktiyogena harericchā tādṛśī
durch Hingabe-Yoga ist Haris Wille so [gestaltet]

Beginn der ausführlichen Prārabdha-/Sañcita-/Āgāmi-Karma-Lehre (V.32-49), die für die theologische Gnadenlehre dieses Werks zentral ist.

rāśīkṛtāni liṅgasthakarmādṛṣṭāni koṭiśaḥ / sañcitānyapi tānīha aparokṣe sati sphuṭam // PS_1,8.37 // dagdhānyapi vinaṣṭāni bhavantyeva na saṃśayaḥ / martyo jīvanbhāratesmin nityaṃ koṭisahasraśaḥ // PS_1,8.38 // karoti vivaśo baddhaḥ prakṛtyātānyanantaśaḥ / ananta janmanānantānantāyuḥ parimāṇataḥ // PS_1,8.39 // kṛtānyabhuṅktasvakṛtakarmaṇāṃ bhogato layaḥ / sañcitānāmanantoru brahmakālairapi kvacit // PS_1,8.40 // kvāpi no ghaṭate bhoktuṃ kintu śrīviṣṇudarśane / naiṣāṃ phalaṃ hi jīvānāṃ bhavedityājñayā hareḥ // PS_1,8.41 //

Die im Feinkörper zu Millionen aufgehäuften, unsichtbaren Karma-[Rückstände] – auch diese 'angesammelten' (sañcita) [Karman] werden hier, bei eingetretener unmittelbarer Schau, eindeutig verbrannt und vernichtet, ohne Zweifel. Ein Sterblicher, der in diesem Bhārata lebt, vollzieht, willenlos, an die Prakṛti gebunden, stets zu Tausenden von Millionen [neue Karman] endlos; durch endlose Geburten, mit endlos-endlosem Lebensmaß, genießt er die selbstvollzogenen Karman; durch Genuss [erfolgt] deren Auflösung. Der endlose, gewaltige [Bestand] an angesammelten [Karman] gelingt selbst durch Brahmā-Zeiträume mancherorts nirgends [vollständig] zu genießen; doch bei der Schau des ehrwürdigen Viṣṇu tritt, nach Haris Anordnung, deren Frucht für die Seelen nicht [mehr] ein.

Wort für Wort
rāśīkṛtāni liṅgasthakarmādṛṣṭāni koṭiśaḥ ... aparokṣe sphuṭam dagdhāni
die zu Millionen angehäuften Karma-Rückstände ... bei unmittelbarer Schau verbrannt
martyaḥ ... vivaśaḥ baddhaḥ prakṛtyā karoti anantaśaḥ
der Sterbliche, willenlos an die Prakṛti gebunden, handelt endlos
sañcitānām anantoru [rāśiḥ] brahmakālairapi kvāpi na ghaṭate bhoktum
der endlose Bestand angesammelter Karman gelingt selbst durch Brahmā-Zeiträume nicht [ganz] zu genießen
śrīviṣṇudarśane naiṣāṃ phalaṃ bhaved ājñayā hareḥ
bei Viṣṇus Schau tritt nach Haris Anordnung deren Frucht nicht ein

likhitānyapi patreṣu citraguptaiḥ punaḥ punaḥ / ramābrahmādayo devāḥ sarvakarmābhimāninaḥ // PS_1,8.42 // yacchanti na phalaṃ puṇyaṃ pāpaṃ vā tasya karhicit / cchitvā likhitapatrāṇi yamadūtairhariḥ priyaiḥ // PS_1,8.43 // bodhayantyapi he jīva na te sañcitato bhayam / iti kāraṇato nāśaṃ sañcitasya vadanti hi // PS_1,8.44 // ghaṭādināśavannāśaḥ karmaṇāṃ naiva śasyate / suprārabdhasya sarvasya bhogādeva parikṣayaḥ // PS_1,8.45 // aparokṣānantarantu kṛtaṃ karma śubhāśubham / āgāmītyuditaḥ sadbhirnatalopo bhaviṣyati // PS_1,8.46 // na likhanti paṭe citraguptāstāni surottamāḥ / yacchanti na phalaṃ teṣāmato na śliṣyate janaḥ // PS_1,8.47 //

Selbst wenn [die Taten] von Citragupta immer wieder auf Blätter geschrieben werden – Ramā, Brahmā und die anderen Götter, die sich mit allem Karma identifizieren, gewähren dessen [d.h. des von unmittelbarer Schau erreichten Menschen] Verdienst oder Sünde niemals [mehr] als Frucht; Hari zerreißt, zusammen mit seinen geliebten Yama-Boten, die beschriebenen Blätter und belehrt [die Seele]: 'O Seele, vor dem Angesammelten (sañcita) brauchst du keine Furcht [mehr] zu haben.' So sprechen sie von der ursächlich bedingten Vernichtung des Angesammelten; eine Vernichtung der Karman wie die eines zerbrochenen Kruges wird jedoch keineswegs gelehrt – für alles wohlbegonnene (su-prārabdha) [Karma] erfolgt die Erschöpfung einzig durch Erfahrung/Genuss. Unmittelbar nach der unmittelbaren Schau vollzogenes Karma, gut oder schlecht, wird von den Guten als 'āgāmi' (zukünftig/hinzukommend) bezeichnet; sein Untergang wird nicht [ausbleiben] [d.h. es wird nicht wirksam]. Die besten Götter, Citragupta[s Gehilfen], schreiben dieses [āgāmi-Karma] nicht auf ein Blatt; sie gewähren dessen Frucht nicht, daher haftet [es] dem Menschen nicht an.

Wort für Wort
citraguptaiḥ likhitāni ... phalaṃ na yacchanti
von Citragupta geschriebene [Taten] ... [die Götter] gewähren keine Frucht
hariḥ likhitapatrāṇi cchitvā bodhayati: na te sañcitataḥ bhayam
Hari zerreißt die beschriebenen Blätter und belehrt: keine Furcht vor dem Angesammelten
ghaṭādināśavat nāśaḥ karmaṇāṃ na śasyate
eine Vernichtung wie die eines Kruges wird für Karman nicht gelehrt
suprārabdhasya bhogād eva parikṣayaḥ
für Wohlbegonnenes Erschöpfung nur durch Genuss
āgāmi karma ... citraguptaiḥ na likhyate, phalaṃ na dīyate
künftiges Karma ... wird nicht aufgeschrieben, Frucht nicht gewährt

Diese Passage präzisiert die Sañcita-Karma-Lehre: nicht 'Vernichtung' im Sinne bloßen Verschwindens, sondern Erschöpfung durch (in der Gottesschau vorweggenommenen) Genuss – ein differenzierter theologischer Punkt, der eigens gegen ein Missverständnis ('wie ein zerbrochener Krug') abgegrenzt wird.

āgāmikarmabhistaccāniṣṭaṃ kāmyaṃ hi rāja(kṣa)sāḥ / gṛhṇantīṣṭaṃ kāmyapuṇyaṃ tadiṣṭāḥ prāpnuvanti hi // PS_1,8.48 // āgāmi viṣṇudveṣādi kalirgṛhṇāti netaraḥ / āgāmi bhaktito mukto prāptavyānandamaśnute // PS_1,8.49 // vedoktamapyavedoktaṃ jñānājñānādibhiḥ kṛtam / bālyayauvanavārdhikaiḥ kṛtaṃ vākkāyamānasaiḥ // PS_1,8.50 // bhītyā prītyā āveśato vā kṛtaṃ karma śubhāśubham / jñāyanneva karotyeṣaḥ bhuṅkte jāgṛddhi tatphalam // PS_1,8.51 // samasta bhūtale vāpi vivareṣvantarikṣake / svargādi sarvalokeṣu brahmāṇḍādbahirantare // PS_1,8.52 // niraye vā tamasi vā vaikuṇṭhādiṣu vā janaḥ / jāgradbhuṅkte karmaphalaṃ viśvādhīnaḥ sadaiva hi // PS_1,8.53 //

Durch künftige (āgāmi) Taten: das Unerwünschte [wie auch] das aus Begierde [Getane] – die Dämonen (rākṣasa) übernehmen das erwünschte, aus Begierde vollzogene Verdienst, [und] erlangen so das ihnen Entsprechende. Künftigen Hass gegen Viṣṇu u.dgl. übernimmt [allein] Kali, kein anderer; künftiges, aus Hingabe [vollzogenes Handeln] genießt der Befreite als die zu erlangende Wonne. Sei es vom Veda Vorgeschriebenes oder nicht vom Veda Vorgeschriebenes, aus Wissen oder Unwissen getan, in Kindheit, Jugend oder Alter, durch Sprache, Körper oder Denksinn vollzogen; aus Furcht, Zuneigung oder Besessenheit getanes gutes oder schlechtes Karma – wissentlich vollzieht er [der Mensch] dies und genießt im Wachzustand eben dessen Frucht. Auf der ganzen Erdoberfläche, in Höhlen, im Luftraum, in Himmel und allen Welten, innerhalb wie außerhalb des Welteneis, in der Hölle oder in der Finsternis oder in Vaikuṇṭha und dergleichen – der Mensch genießt, stets von Viśva abhängig, die Frucht des Karma im Wachzustand.

Wort für Wort
āgāmikarmabhiḥ ... rākṣasāḥ gṛhṇanti iṣṭaṃ kāmyapuṇyam
durch künftiges Karma ... die Dämonen übernehmen das erwünschte, aus Begierde erlangte Verdienst
āgāmi viṣṇudveṣādi kaliḥ gṛhṇāti
künftigen Viṣṇu-Hass u.a. übernimmt Kali
āgāmi bhaktitaḥ muktaḥ prāptavyānandam aśnute
künftiges, aus Hingabe [Vollzogenes] genießt der Befreite als zu erlangende Wonne
jñāyann eva karoti, bhuṅkte jāgrat tatphalam
wissentlich vollziehend, genießt er wach dessen Frucht
samasta bhūtale ... jāgrat bhuṅkte karmaphalaṃ viśvādhīnaḥ
überall auf der Erde ... genießt er wach, von Viśva abhängig, die Karmafrucht

ānantāsanavaikuṇṭhaśvetadvīpeṣu saṃsthitāḥ / maharādiṣu satyāntalokeṣvaṇḍādbahistathā // PS_1,8.54 // tātvikāḥ svādhikāreṣu niyatā netare janāḥ / svaprārabdhaphalaṃ yānti te sarve hyaparokṣiṇaḥ // PS_1,8.55 // atātvikā niraṃśānāṃ yogyānāṃ kvāpi karhicit / nādhikārastvayogyānāṃ kiṃ vācyaṃ duḥkhabhoginām // PS_1,8.56 // riyuḥ trīn karmaṇā lokān jñānenaiva taduttarān / tatra makhyā hariṃ yānti tadanye vāyumeva tu // PS_1,8.57 // apakvā ye na te yānti vāyuṃ vā harimeva vā / sthānamātrāśritāste tu punarjani vivarjitāḥ // PS_1,8.58 //

Die auf Anantas Sitz, in Vaikuṇṭha, auf der Śvetadvīpa Befindlichen, [ebenso die] in Mahar- und den weiteren Welten bis Satyaloka sowie außerhalb des Welteneis – die 'wahrhaftigen' (tāttvika) [Wesen] sind je in ihrem eigenen Wirkungsbereich fest eingesetzt, nicht andere Menschen; sie alle, als unmittelbare Schauer (aparokṣin), gelangen zur Frucht ihres eigenen 'begonnenen' [Karma]. Für die 'nicht-wahrhaftigen' (atāttvika), ungeteilten (niraṃśa), zur Erlösung geeigneten [Seelen] besteht nirgends und niemals ein solcher [eigener] Wirkungsbereich; für die Ungeeigneten [erst recht] nicht – was wäre erst von den Leidgenießenden zu sagen? Sie gelangen durch Karma zu drei Welten, durch Erkenntnis allein zu den darüber hinausgehenden; dort gelangen die Vornehmsten zu Hari, die anderen nur zu Vāyu. Die Unreifen gelangen weder zu Vāyu noch zu Hari; sie, bloß an ihre [jeweilige] Stätte gebunden, sind [aber] von erneuter Geburt ausgenommen.

Wort für Wort
tātvikāḥ svādhikāreṣu niyatāḥ
die Wahrhaftigen, in ihrem eigenen Wirkungsbereich fest eingesetzt
te sarve aparokṣiṇaḥ svaprārabdhaphalaṃ yānti
sie alle, unmittelbare Schauer, gelangen zur Frucht ihres begonnenen Karma
atātvikānāṃ niraṃśānāṃ yogyānāṃ kvāpi na adhikāraḥ
für die nicht-wahrhaftigen, ungeteilten, geeigneten [Seelen] besteht nirgends ein [solcher] Wirkungsbereich
trīn lokān karmaṇā, taduttarān jñānena
drei Welten durch Karma, die darüber hinausgehenden durch Erkenntnis
apakvāḥ ... sthānamātrāśritāḥ punarjani vivarjitāḥ
die Unreifen ... nur an ihre Stätte gebunden, von Wiedergeburt ausgenommen

Unterscheidung zwischen den ewig-wahrhaftigen (tāttvika) Wesen mit festem eigenem Wirkungsbereich und den erst noch zur Erlösung fortschreitenden 'nicht-wahrhaftigen' (atāttvika) Seelen – vgl. die bereits in Adhyāya 5 behandelte dreifache Seelenklassen-Lehre.

jñānagamyeṣu lokeṣu aṇḍāntarmaharādiṣu / atātvikaniraṃśānāṃ muktāntānāṃ kramonnatām // PS_1,8.59 // vāsaḥ prārabdhapuṇyena niṣkāmo na bhaviṣyati / ātātvikaniraṃśānāṃ sargamartyādhameṣvapi // PS_1,8.60 // sa tātvikānāṃ prarabdhāt puṇyātpāpācca saṃcitāt / bhogadattāt puṇyapāpāt sukhaduḥkhādi śasyate // PS_1,8.61 // tiryagyoniṣu garbheṣu vāsebhyeṣāṃ prakalpyate / niraṃśanīcasāṃśānāṃ narake vāsa iṣyate // PS_1,8.62 // prārabdhataḥ sañcitādvā na yogyānāṃ tamogatiḥ / ayogyānāṃ dveṣapākāt tamaḥ prāptirbhaviṣyati // PS_1,8.63 //

In den durch Erkenntnis erreichbaren Welten, innerhalb des Welteneis bis Mahar[loka] u.a., [ist] für die 'nicht-wahrhaftigen', ungeteilten, bis zur Befreiung [fortschreitenden Seelen] ein stufenweiser Aufstieg [vorgesehen]; ihr Aufenthalt, durch 'begonnenes' Verdienst [bedingt], wird [noch] nicht wunschlos sein. Für die 'nicht-wahrhaftigen', ungeteilten [Seelen], selbst in der niedrigsten sterblichen Schöpfung, wird [ihr Zustand] – bei den 'wahrhaftigen' [dagegen] – durch 'begonnenes' Verdienst und Sünde, aus dem angesammelten [Karma], durch zum Genuss zugeteiltes Verdienst und Sünde, als Glück, Leid und dergleichen gelehrt. In Tierschößen, in Mutterleibern, wird für sie ein Aufenthalt bestimmt; für die ungeteilten, niedrigen, mit [nur geringem] Anteil [versehenen Seelen] ist ein Aufenthalt in der Hölle vorgesehen. Weder durch 'begonnenes' noch durch angesammeltes [Karma] widerfährt den Geeigneten (yogya) der Gang in die Finsternis (tamas); den Ungeeigneten wird, durch das Reifen [ihres] Hasses, das Erlangen der Finsternis widerfahren.

Wort für Wort
jñānagamyeṣu lokeṣu ... kramonnatiḥ
in den durch Erkenntnis erreichbaren Welten ... stufenweiser Aufstieg
vāsaḥ prārabdhapuṇyena niṣkāmo na bhaviṣyati
der Aufenthalt wird, durch begonnenes Verdienst [bedingt], nicht wunschlos sein
tiryagyoniṣu ... vāsaḥ prakalpyate
in Tiergeburten ... wird ein Aufenthalt bestimmt
niraṃśanīcasāṃśānāṃ narake vāsaḥ
für die ungeteilten Niedrigen ein Aufenthalt in der Hölle
yogyānāṃ na tamogatiḥ, ayogyānāṃ dveṣapākāt tamaḥprāptiḥ
den Geeigneten kein Gang in die Finsternis, den Ungeeigneten durch Hass-Reifung das Erlangen der Finsternis

devagandharvaparyantāḥ devaśabdoditāḥ kramāt / devānāṃ nirayo naiva tamaścāpi kathañcana // PS_1,8.64 // nā surāṇāṃ tathā muktiḥ kadācit kenacit kvacit / bhāratādyaṣṭavarṣeṣu saptadvīpeṣu cādriṣu // PS_1,8.65 // sarveṣāṃ pāpapuṇyaiśca mukhyaprārabdhasañcayaiḥ / tamo mithyājñānayogāt jñānenaiva hareḥ padam // PS_1,8.66 // teṣāṃ prāgukta karmottha phalaṃ vai jāgratā bhavet / jāgratpravartako viśvaḥ so 'ja dakṣākṣigo bhavet // PS_1,8.67 //

[Alle Wesen] von den Göttern bis hin zu den Gandharvas werden der Reihe nach mit dem Wort 'deva' (Gott) bezeichnet; für die Götter gibt es weder eine Hölle noch irgendeine Finsternis; ebenso gibt es für die Asuras (Dämonen) niemals, durch niemanden, nirgends Befreiung. In Bhārata und den [übrigen] acht Ländern, in den sieben Kontinenten und Gebirgen, [gelangen] alle, durch ihre Sünden und Verdienste, hauptsächlich durch die Anhäufung des 'begonnenen' [Karma], zur Finsternis, aus der Verbindung mit falschem Wissen; zu Haris Sitz [gelangen sie] allein durch [rechte] Erkenntnis. Für diese [Wesen] tritt die aus dem zuvor genannten Karma entstehende Frucht eben im Wachzustand ein; der Bewirker des Wachens, Viśva, jener 'Unerschaffene', weilt im rechten Auge.

Wort für Wort
devagandharvaparyantāḥ devaśabdoditāḥ
von Göttern bis Gandharvas mit dem Wort 'deva' bezeichnet
devānāṃ nirayo naiva tamaḥ ... surāṇāṃ na muktiḥ kadācit
für Götter weder Hölle noch Finsternis ... für Asuras niemals Befreiung
mithyājñānayogāt tamaḥ, jñānena hareḥ padam
aus falscher Erkenntnis Finsternis, durch [rechte] Erkenntnis Haris Sitz
viśvaḥ ... dakṣākṣigo bhavet
Viśva ... weilt im rechten Auge

Bemerkenswerte Festlegung: Götter (deva bis hinab zu Gandharvas) sind kategorisch von Höllenstrafe ausgenommen, Asuras kategorisch von Befreiung – eine starre, unveränderliche Klasseneinteilung im Einklang mit der bereits in Adhyāya 5 dargelegten Lehre der ewig-feststehenden Seelenklassen.

liṅgottha satvamādāya tatsūkṣmastha tathā caran / na dhātuḥ sañcitaṃ kāmyaṃ na dṛṣṭaṃ pātakādikam // PS_1,8.68 // na dainyāveśaduḥkhādi na saṃśayaviparyayau / na duricchānānyaratiḥ na bhogecchā kusaṅgatiḥ // PS_1,8.69 // na dehābhimatirnāsatpathe dehendriyodgatiḥ / niṣkāmyakarmasajñānasadbhaktiṣu sadāratiḥ // PS_1,8.70 // brahmaṇo hi parasyāsya prasādāt sarvadāsukham / svapnanidrāvyādhipūrvaṃ tacca duḥkhaphalaṃ tyajet // PS_1,8.71 // sontaraṅgo hareḥ sākṣāt sarvotkṛṣṭa priyo mataḥ / pakvaśeṣādibhirdṛśyamāparokṣeṇa keśavam // PS_1,8.72 // anādikālamārabhya ajajīvagaṇāḥ sadā / paśyantyātmocitahareraparokṣāya janmabhiḥ // PS_1,8.73 //

[Es folgt eine Beschreibung des reinen, vom Feinkörper aus dem Sattva genommenen und in diesem subtilen [Zustand] wandelnden [erlösungsnahen Seelenzustands]:] Weder angesammeltes Begehrtes noch gesehenes Sündhaftes u.dgl. [begleiten ihn]; weder Elend, Besessenheit, Leid u.dgl., noch Zweifel und Verkehrtheit; weder böses Verlangen, Zuneigung zu anderem, noch Verlangen nach [sinnlichem] Genuss, noch schlechte Gesellschaft; weder Identifikation mit dem Körper, noch ein Abgleiten auf den falschen Pfad von Körper und Sinnen – [stattdessen ist] beständige Freude an wunschlosem Handeln, wahrer Erkenntnis und wahrer Hingabe [sein Kennzeichen]. Durch die Gnade dieses höchsten Brahman [herrscht] stets Glück; er lässt jenes von Traum, Schlaf und Krankheit vorausgegangene, leidbringende [Erleben] fahren. Er, dem Herzen Haris nahestehend, gilt als unmittelbar, als der höchste, geliebteste [Diener]; von den 'reif-zurückgebliebenen' (pakva-śeṣa) [Seelen] u.a. wird Keśava unmittelbar geschaut. Seit anfangsloser Zeit sehen die Scharen der unerschaffenen (aja) Seelen stets [den ihnen] je eigenen Hari, um durch [wiederholte] Geburten zu seiner unmittelbaren Schau zu gelangen.

Wort für Wort
liṅgottha satvam ādāya tatsūkṣmastha caran
das vom Feinkörper stammende Sattva aufnehmend, in jenem subtilen [Zustand] wandelnd
na dainyāveśaduḥkhādi na saṃśayaviparyayau
weder Elend/Besessenheit/Leid noch Zweifel/Verkehrtheit
niṣkāmyakarmasajñānasadbhaktiṣu sadāratiḥ
beständige Freude an wunschlosem Handeln, wahrer Erkenntnis, wahrer Hingabe
parasya brahmaṇaḥ prasādāt sarvadā sukham
durch die Gnade des höchsten Brahman stets Glück
ajajīvagaṇāḥ ... paśyanti aparokṣāya janmabhiḥ
die Scharen der unerschaffenen Seelen ... schauen [ihn], um durch Geburten zur unmittelbaren Schau zu gelangen

yatanteśatakalpāntyaiḥ dṛṣṭveśaṃ śatakalpakaiḥ / kṛtayānantavedokta guṇopāsanayā padam // PS_1,8.74 // prāpnoti tasya sūkṣmāpirvāsudevāttadābhavat / taddhehaliṅgajaṃ śuddhaṃ raja ādāya tejasaḥ // PS_1,8.75 // tatsūkṣmakaṇṭhe vasati svapnakṛdbhagavān hariḥ / ekādaśendriyaiḥ karmakartavyamiti vāsanā // PS_1,8.76 // manasyutpadyate tacca na karoti prayatnataḥ / nidrājñānonmādabhayarogāyāsā vidunmataiḥ // PS_1,8.77 // anukūlā bhāvatāva(bhavatyeva) janmajanmāntareṣvapi / akṛtānāṃ karmaṇāntu svapnaḥ(pna)syeśaphalapradaḥ // PS_1,8.78 // svapnadṛṣṭā anantārthāstatkāla sukhaduḥkhadāḥ / na jāgradṛṣṭipathagāḥ kintu tatkāla kalpitāḥ // PS_1,8.79 //

[Manche der Seelen] streben, [manche] am Ende hundert Kalpas, [andere schon] nachdem sie den Herrn durch hundert Kalpas geschaut haben, unternehmen die im Veda gelehrte, endlose [Praxis der] Qualitäten-Verehrung [und] erlangen [dadurch] den Sitz [Haris]. Er erlangt seine [Haris] Subtilität, die damals von Vāsudeva ausging; nachdem [er] den reinen, aus dem Körper-Feinkörper entstandenen Glanz-Rajas aufgenommen hat, weilt der ehrwürdige Hari, der Traum-Bewirker (svapnakṛt), in jenem subtilen Kehlkopf. Durch die elf Sinnesorgane [entsteht] im Denksinn die Vorstellung 'diese Handlung sollte getan werden'; diese vollzieht er [im Schlaf] aber nicht wirklich; [dies geschieht] durch Schlaf, Verwirrung, Wahn, Furcht, Krankheit, Erschöpfung – nach der Ansicht der Kenner. [Diese latente Neigung] wird auch in Geburt um Geburt förderlich [d.h. wiederkehrend]; für nicht [tatsächlich] vollzogene Handlungen ist der Traum der vom Herrn gewährte Fruchtspender. Die im Traum geschauten, endlosen Dinge, die zur jeweiligen [Traum-]Zeit Glück oder Leid bewirken, folgen nicht dem Pfad des wachen Sehens, sondern sind [nur] für jene [Traum-]Zeit ersonnen.

Wort für Wort
śatakalpāntyaiḥ dṛṣṭvā īśam ... padam prāpnoti
am Ende hundert Kalpas, nach Schau des Herrn ... erlangt er den Sitz
hariḥ svapnakṛt tatsūkṣmakaṇṭhe vasati
Hari, der Traum-Bewirker, weilt im subtilen Kehlkopf
ekādaśendriyaiḥ ... vāsanā manasi utpadyate
durch die elf Sinnesorgane ... entsteht im Denksinn die [latente] Vorstellung
akṛtānāṃ karmaṇāṃ svapnaḥ īśaphalapradaḥ
für nicht vollzogene Handlungen ist der Traum der vom Herrn gewährte Fruchtspender
svapnadṛṣṭāḥ ... na jāgradṛṣṭipathagāḥ, tatkāla kalpitāḥ
im Traum Geschautes ... folgt nicht dem Wachsehen, ist nur für die Traumzeit ersonnen

Beginn der ausführlichen Traum- und Tiefschlaf-Lehre (V.74-93), die Hari in seiner Taijasa- bzw. Prājña-Gestalt als Urheber von Traum und Schlaf beschreibt.

svapne svasthasya jīvasya vāsanānantyamīśvaraḥ / upādānīkṛtyamukhyaiḥ pūrvoktaireva taijasaḥ // PS_1,8.80 // kalpayitvā bahūnarthān darśayatyakhileśvaraḥ / svapnaḥ satyastato yasmāt bhāvīnaphalasūcakaḥ // PS_1,8.81 // śeṣādisarvajīvānāṃ yogyakāle tathā caran / taijasaḥ svapnakṛcceti janasya svapnakṛdbhavet // PS_1,8.82 // tattamoguṇamādāya prājñastasūkṣmahṛdgataḥ / jīvasya liṅgabaddhasya pādasthasya jagadguroḥ // PS_1,8.83 // dhyānāvasthāṃ dadātyevamekāsyo dehvayonitaḥ / liṅgabaddhaṃ grasannardhaṃ mūrchāvasthāṃ prayacchati // PS_1,8.84 // liṅgabaddhaṃ mukhesthāpya prājñotyalponyarūpataḥ / yadāśliṣyati taṃ devaḥ tadā nidrāṃ prayacchati // PS_1,8.85 // prājño jīveśvarastaṃ vai vinā jīvokṣamaḥ smṛtaḥ / prājñaḥ kaṇṭhasthitaṃ prāpya jīvānāṃ svapnado bhavet // PS_1,8.86 //

Im Traum eines in sich ruhenden Lebewesens [bewirkt] der Herr, in seiner Gestalt als Taijasa, unter hauptsächlicher Verwendung der zuvor genannten [Sinneseindrücke], die Unendlichkeit der [latenten] Vorstellungen; nachdem der Alles-Beherrschende viele Gegenstände ersonnen hat, zeigt er sie; der Traum ist deshalb wahr, weil er auf eine zukünftige Frucht hinweist. Für Śeṣa und alle anderen Seelen, zur ihnen jeweils angemessenen Zeit ebenso wandelnd, ist Taijasa der Traum-Bewirker – so wird er zum Traum-Bewirker für den Menschen. Diesen Tamas-Guṇa aufnehmend, im subtilen Herzen jener [Seele] weilend, gewährt der Weise (Prājña) der an den Feinkörper gebundenen, an der 'Fuß'-Stufe des Weltenlehrers stehenden Seele so den Zustand der [traumlosen] Versenkung (dhyāna), einangesichtig, aus der Nicht-Geburt des Körpers [heraus]; den an den Feinkörper Gebundenen halb verschlingend, gewährt er den Zustand der Ohnmacht (mūrchā). Den an den Feinkörper Gebundenen in [seinen] Mund gesetzt habend, erhebt sich der Weise in leicht anderer Gestalt; wenn jener Gott ihn [dann] umschließt, gewährt er den Schlaf (nidrā). Der Weise ist der Herr der Seele; ohne ihn gilt die Seele als unfähig [zum Schlaf]; der Weise, nachdem er die Stelle des Kehlkopfs erreicht hat, wird zum Traumgeber der Seelen.

Wort für Wort
taijasaḥ vāsanānantyam upādānīkṛtya kalpayitvā darśayati
Taijasa, die Unendlichkeit der Vorstellungen als Material nehmend, ersinnt und zeigt [die Traumbilder]
svapnaḥ satyaḥ ... bhāvīphalasūcakaḥ
der Traum ist wahr ... weist auf zukünftige Frucht hin
prājñaḥ tamoguṇam ādāya ... dhyānāvasthāṃ dadāti
der Weise, den Tamas-Guṇa aufnehmend ... gewährt den Versenkungszustand
liṅgabaddhaṃ grasan ardhaṃ mūrchāvasthāṃ prayacchati
den Feinkörper-Gebundenen halb verschlingend, gewährt Ohnmacht
prājñaḥ jīveśvaraḥ ... kaṇṭhasthitaṃ prāpya svapnadaḥ
der Weise, Herr der Seele ... im Kehlkopf angekommen, Traumgeber

Differenzierte Stufenlehre der Bewusstseinszustände: dhyāna (Versenkung) → mūrchā (Ohnmacht) → nidrā (Schlaf) → svapna (Traum), jeweils bestimmten Stationen/Gesten des 'Prājña' zugeordnet; die genaue physiologische Bildersprache (Mund, Kehlkopf, Herz) bleibt in Details unsicher.

jīvaṃ gṛhītvā dakṣākṣigatosau jaga(jāgṛ)dīśvaraḥ / na prājñatejasau dhātuḥ svapnanidrā pravartakau(kā ?) // PS_1,8.87 // dhyānāvasthāṃ vinā tasya tattadduṣkarma varjanāt / prājñaṃ jīveśvaraṃ prāhuḥ sa sarvahṛdisaṅgataḥ // PS_1,8.88 // sāṃśajīvaṃ sa vai prājño rūpaiṇyaikena pādayoḥ / hṛdisaṃsthāpya sūkṣmānyarūpeṇādāya cetanam // PS_1,8.89 // saliṅgaṃ sa yadā viśve naikībhūto bhaviṣyati / soṇuḥ prājñohṛdisthena ekībhūto bhavedyadi // PS_1,8.90 // dhyānāvasthāṃ sañjanayatyapi jīvapatiprabhuḥ / viśvādayo niraṃśānāṃ avasthā tritayapradāḥ // PS_1,8.91 // vinā ṛjūn sarvasurān bhuvijātān jagadguruḥ / avasthātrayasaṃyuktān kurvanti prājñapūrvakāḥ // PS_1,8.92 // ūrdhvalokasthitānāntu sadā jāgṛtpravartakaḥ / evaṃ sūkṣmaśarīreṇa brahmāṇamasṛjadvibhuḥ // PS_1,8.93 //

Nachdem er die Seele ergriffen hat, [ist es] jener im rechten Auge weilende Wach-Herr ([Viśva]; nicht [durch] die 'Materie' allein sind der Weise (Prājña) und der Glänzende (Taijasa) die Bewirker von Traum und Schlaf. Ohne den Versenkungszustand nennen sie ihn, wegen des Vermeidens dieser oder jener Untat, den 'Weisen Seelen-Herrn' (prājña jīveśvara), der mit jedem Herzen verbunden ist. Der Weise, den mit-Anteil-versehenen (sāṃśa) Seelenanteil mit einer einzigen, den Füßen entsprechenden Gestalt im Herzen aufstellend, das bewusste [Wesen] (cetana) mit [seiner] subtilen, anderen Gestalt aufnehmend – wenn diese [Seele], zusammen mit dem Feinkörper, nicht mit dem 'All' (Viśva) eins geworden ist, [aber] jenes Atom [i.e. die Seele], mit dem im Herzen weilenden Weisen eins geworden ist, dann erzeugt der Seelen-Gebieter-Herr [auch] den Versenkungszustand. Viśva und die anderen [Gestalten] gewähren den ungeteilten [Seelen] den dreifachen Zustand; mit Ausnahme der 'geraden' (ṛju), auf Erden geborenen Götter insgesamt bewirkt der Weltenlehrer, [wobei] der Weise vorangeht, [für alle übrigen] die mit der Dreiheit der Zustände verbundenen [Erfahrungen]; für die in den oberen Welten Befindlichen [ist er] stets der Bewirker des Wachens. So erschuf der Mächtige mit einem Feinkörper Brahmā.

Wort für Wort
jīvaṃ gṛhītvā dakṣākṣigataḥ jāgṛdīśvaraḥ
die Seele ergreifend, der im rechten Auge weilende Wach-Herr
prājñaṃ jīveśvaraṃ prāhuḥ sarvahṛdisaṅgatam
sie nennen ihn den Weisen Seelen-Herrn, mit jedem Herzen verbunden
viśvādayaḥ niraṃśānāṃ avasthātritayapradāḥ
Viśva u.a. gewähren den ungeteilten [Seelen] den dreifachen Zustand
evaṃ sūkṣmaśarīreṇa brahmāṇam asṛjat vibhuḥ
so erschuf der Mächtige mit einem Feinkörper Brahmā

Abschluss der Bewusstseinszustands-Lehre (Wachen/Träumen/Tiefschlaf als Viśva/Taijasa/Prājña); Übergang zur folgenden Genealogie der Erschaffung Brahmās und Vāyus.

evaṃ saṅkarṣaṇo vāyoḥ jayāyāṃ sūkṣmadehakṛt / vāsudevaḥ sarasvatyāḥ brahmāṇamakarotpatim // PS_1,8.94 // saṅkarṣaṇastu bhāratyāḥ mukhyaprāṇaṃ vyadhātpatim / sarasvatyāśca bhāratyāḥ pradyumnaḥ sūkṣmadehakṛt // PS_1,8.95 // tayostābhyāṃ sūkṣmatanū vipaśeṣau babhūvatuḥ / sūtranāmā tadāvāyuḥ brahmā puruṣanāmakaḥ // PS_1,8.96 // vedādi sarvanityānām arthānāṃ jīvasantateḥ / nityānāmapi sṛṣṭau hi tāvubhāvābhimāninau // PS_1,8.97 // te bhārye tau vinākaścanārthopi sthitimarhati / brahmā nirabhimānitvāt śarīryapyaśarīravān // PS_1,8.98 // aśarīro vāyurabhraṃ vidyudityādi nāmabhiḥ / paraśuklatrayaṃ vācyaṃ yogātte sarvamāninaḥ // PS_1,8.99 //

So machte Saṅkarṣaṇa, der Feinkörper-Bewirker für Vāyus [Gattin] Jayā, Vāsudeva zum Gemahl der Sarasvatī, für Brahmā. Saṅkarṣaṇa aber setzte [Vāyu als] den 'Haupt-Prāṇa' zum Gemahl der Bhāratī ein; Pradyumna [war] der Feinkörper-Bewirker der Sarasvatī [und] der Bhāratī. Durch diese beiden [Vyūhas] entstanden für jene beiden [Paare] Feinkörper, [nämlich zwei] weise Restwesen (vipa-śeṣau[?]); damals wurde jener Vāyu 'Sūtra' genannt, Brahmā 'Puruṣa' genannt. Für den Veda und alle ewigen Gegenstände, für die Kontinuität der Seelen, auch bei der Erschaffung der ewigen [Dinge], identifizieren sich diese beiden [Brahmā und Vāyu] als [deren] Urheber. Diese beiden, mit ihren Gattinnen, ohne die beiden vermag kein Gegenstand [rechten] Bestand zu haben; Brahmā, da er ohne [eigene] Ich-Identifikation ist, ist zugleich verkörpert und unverkörpert. Der unverkörperte Vāyu [wird] mit Namen wie Wolke, Blitz usw. [bezeichnet]; die 'drei höchsten Weißen' (para-śukla-traya) sind [ebenso] zu nennen; durch Yoga identifizieren sie sich [beide] mit allem.

Wort für Wort
saṅkarṣaṇaḥ vāyoḥ jayāyāṃ sūkṣmadehakṛt
Saṅkarṣaṇa, Feinkörper-Bewirker für Vāyus [Gattin] Jayā
vāsudevaḥ sarasvatyāḥ brahmāṇam akarot patim
Vāsudeva machte Brahmā zu Sarasvatīs Gemahl
tadā vāyuḥ sūtranāmā, brahmā puruṣanāmakaḥ
damals Vāyu 'Sūtra' genannt, Brahmā 'Puruṣa' genannt
brahmā nirabhimānitvāt śarīrī api aśarīravān
Brahmā, ohne Ich-Identifikation, verkörpert und zugleich unverkörpert

Dichte, teils unsicher aufgelöste Genealogie der Erschaffung Brahmās und Vāyus samt ihrer Gattinnen (Sarasvatī, Bhāratī) durch die Vyūha-Trias Saṅkarṣaṇa/Vāsudeva/Pradyumna; Begriff 'vipaśeṣau' bleibt unklar.

athāniruddhaḥ kālena brahmavāyvoḥ sabhāryayoḥ / tricatustvekaviṃśatyavāraṃ sūkṣmaśarīrakṛt // PS_1,8.100 // trivāramekaviṃśatsavāraṃ sūkṣma(tanupradaḥ)tanuṃ pradāt / aniruddho vipādīnāṃ nīlādīnāṃ tathaiva ca // PS_1,8.101 // sauparṇyādi trayāṇāñca kāladeśakrameṇa ca / indrādi puṣkarāntānāṃ tātvikānām aśeṣataḥ // PS_1,8.102 // ekaviṃśativārantu aniruddhastu sūkṣmakṛt / yadā yasya ca sūkṣmāptistatpūrvakṣaṇa eva ca // PS_1,8.103 // tattajjīvagaṇasyāsu liṅgavaiṣamyamityapi / pañcasaptabhirmāsairbāhyamānena sarvaśaḥ // PS_1,8.104 //

Sodann wurde Aniruddha im Laufe der Zeit für Brahmā und Vāyu, samt ihren Gattinnen, drei-, vier- [und] einundzwanzigmal der Bewirker eines Feinkörpers; drei- und einundzwanzigmal gewährte er den Feinkörper; ebenso [tat dies] Aniruddha für [die Weisen] Vipa u.a., für [die mit Namen wie] Nīla u.a., für die drei [Vogelweisen] Sauparṇya u.a., in zeitlicher und räumlicher Ordnung, für sämtliche 'wahrhaftigen' [Wesen] von Indra bis Puṣkara. Aniruddha, der Feinkörper-Bewirker, [tat dies stets] einundzwanzigmal; wann immer und für wen auch immer die Erlangung eines Feinkörpers [erfolgt], genau im vorangehenden Augenblick [davor entsteht] für die jeweilige Schar von Seelen zugleich das Ungleichgewicht des Feinkörpers – durchweg nach einem äußeren Maß von fünf bis sieben Monaten.

Wort für Wort
aniruddhaḥ ... tricatuḥ ekaviṃśativāram sūkṣmaśarīrakṛt
Aniruddha ... drei-, vier-, einundzwanzigmal Feinkörper-Bewirker
vipādīnāṃ nīlādīnāṃ sauparṇyādi trayāṇāṃ ... tātvikānām aśeṣataḥ
für Vipa u.a., Nīla u.a., die drei Sauparṇya u.a. ... für alle Wahrhaftigen
yadā yasya sūkṣmāptiḥ, tatpūrvakṣaṇa eva liṅgavaiṣamyam
wann immer die Feinkörper-Erlangung, im vorangehenden Augenblick das Feinkörper-Ungleichgewicht
pañcasaptabhiḥ māsaiḥ bāhyamānena
nach äußerem Maß von fünf bis sieben Monaten

Die genauen Zahlenangaben (drei-, vier-, einundzwanzigmal) sowie die Identität der genannten Weisengruppen (Vipa, Nīla, Sauparṇya) bleiben unsicher; möglicherweise Eigennamen einzelner ṛṣi-Gruppen des Pāñcarātra-Kanons.

tātvikānāṃ tu devānāṃ sūkṣmasṛṣṭirabhūddhareḥ / tato sa satvatamasaḥ vaiṣamyāvasthayāyutām // PS_1,8.105 // jaḍākhyāṃ prakṛtiṃ samyak ceṣṭayāmāsa viśvasṛṭ / tato bindutrayaṃ jātaṃ satvaṃ ceti rajastamaḥ // PS_1,8.106 // ūrdhvadeśe satvabinduḥ rajobindustatopyadhaḥ / tadadhobhūttamo binduḥ sthūlaścādyāstribindavaḥ // PS_1,8.107 // śrībhūdurgeti rūpā mā kramātriguṇamāninī / viṣṇubrahmāśivaśceti bindukramaniyāmakāḥ // PS_1,8.108 // brahmavāyū sabhāryau dvau trirūpāvabhimāninau / satvādibinduṣu śrīśca śritā naśvareṣu vai // PS_1,8.109 // rajastamo bindugatavaiṣamye jagadīśvaraḥ / brahmā saṅkarṣaṇātmā tu samudhṛtya rarakṣatuḥ // PS_1,8.110 //

Für die 'wahrhaftigen' Götter aber geschah die Feinkörper-Schöpfung durch Hari; darauf brachte der Weltenschöpfer die 'träge' (jaḍa) genannte Prakṛti, ausgestattet mit dem Ungleichgewichtszustand von Sattva [und] Tamas, gehörig in Bewegung; darauf entstand die Dreiheit der Tropfen: Sattva sowie Rajas [und] Tamas. In der oberen Region [war] der Sattva-Tropfen, darunter der Rajas-Tropfen, darunter wiederum der Tamas-Tropfen – grob [von Beschaffenheit waren] diese ersten drei Tropfen. Śrī, Bhū [und] Durgā, die Göttin (mā), sich der Reihe nach mit den drei Guṇas identifizierend; Viṣṇu, Brahmā und Śiva sind die Regler der Tropfen-Reihenfolge. Brahmā und Vāyu, mit ihren Gattinnen, die beiden, sich mit dreifacher Gestalt identifizierend, [wohnen] in den Sattva- u.a. Tropfen, und auch Śrī hat [dort], in den vergänglichen [Tropfen], Zuflucht genommen. Beim Auftreten des Ungleichgewichts im Rajas- und Tamas-Tropfen zog der Weltenherr – Brahmā, von Saṅkarṣaṇas Wesen – [diese] heraus und beschützte [sie].

Wort für Wort
jaḍākhyāṃ prakṛtim ... ceṣṭayāmāsa viśvasṛṭ
die 'träge' genannte Prakṛti ... brachte der Weltenschöpfer in Bewegung
bindutrayaṃ jātaṃ satvaṃ rajaḥ tamaḥ
die Dreiheit der Tropfen entstand: Sattva, Rajas, Tamas
śrībhūdurgā ... triguṇamāninī, viṣṇubrahmaśivaḥ bindukramaniyāmakāḥ
Śrī-Bhū-Durgā ... identifizieren sich mit den drei Guṇas; Viṣṇu-Brahmā-Śiva sind die Regler der Tropfenfolge
rajastamobindugatavaiṣamye ... samudhṛtya rarakṣatuḥ
beim Ungleichgewicht in Rajas-/Tamas-Tropfen ... zogen sie heraus und beschützten

Beginn eines zweiten, kosmologisch umfassenderen Guṇa-Tropfen-Zyklus (V.105ff.), der zur Entstehung der 'Hüllen' (āvaraṇa) des Weltganzen führt.

tato viṣṇuḥ satvabindugataḥ saṃvardhayatyajaḥ / satvāvaraṇamādyaṃ ca cakre tatra vṛtodyamam // PS_1,8.111 // rajovindugato brahmanāmakastadadhastane / deśe dvitīyāvaraṇaṃ rājasasyaiva nāmakam // PS_1,8.112 // tamobindusthito rudrastāmasāvaraṇaṃ vyadhāt / taddhi dvitīyāvaraṇaṃ rajasasyaiva garbhagam // PS_1,8.113 // viṣṇubrahmaśivau dvau dvau brahmavāyū sabhāryakau / śrībhūdurgāsvādyamādya tṛtīyāvaraṇeṣu hi // PS_1,8.114 // tattadātmasthūladehatriguṇeṣvabhimāninau / ādyaṃ śuklaṃ dvitīyaṃ tu raktaṃ nīlaṃ tṛtīyakam // PS_1,8.115 // rajoguṇasyavaiṣamyā triguṇāvaraṇāntare / mahadāvaraṇaṃ cakre brahmanāmā sa bhūpatiḥ // PS_1,8.116 // caturthāvaraṇaṃ tatra viṣṇubrahmaśivātmakaḥ / jātābhyāṃ brahmavāyubhyāṃ jatau dvau dvau trirūpakau // PS_1,8.117 //

Darauf lässt Viṣṇu, in den Sattva-Tropfen eingegangen, den Unerschaffenen (Aja) wachsen; er schuf dort, das Bemühen [des Ungleichgewichts] überwindend, die erste Sattva-Hülle (āvaraṇa). Der 'Brahmā' genannte [Gott], in den Rajas-Tropfen eingegangen, [schuf] in der darunterliegenden Region die zweite, 'rājasisch' genannte Hülle. Rudra, im Tamas-Tropfen weilend, bewirkte die tamasische Hülle – dies ist die zweite Hülle, innerhalb des Schoßes des Rajas gelegen. Viṣṇu, Brahmā und Śiva, je zu zweit, [sowie] Brahmā und Vāyu mit ihren Gattinnen, Śrī, Bhū, Durgā, allesamt in der dritten Hülle, [sind hier] das Erste; sich mit den drei Guṇas des jeweiligen groben Körpers identifizierend – die erste [Hülle ist] weiß, die zweite rot, die dritte blau [oder: schwarz]. Durch das Ungleichgewicht des Rajas-Guṇa schuf jener 'Brahmā' genannte Erdenherr inmitten der Drei-Guṇa-Hüllen die Hülle des Mahat (des 'Großen'-Prinzips). Die vierte Hülle dort ist von Viṣṇu-Brahmā-Śiva-Natur; aus dem geborenen Brahmā-Vāyu-Paar entstanden je zwei, dreifach-gestaltige [weitere Paare].

Wort für Wort
viṣṇuḥ satvabindugataḥ ... satvāvaraṇam ādyaṃ cakre
Viṣṇu, im Sattva-Tropfen ... schuf die erste Sattva-Hülle
rajovindugataḥ brahmā ... dvitīyāvaraṇam rājasam
Brahmā, im Rajas-Tropfen ... die zweite, rajasische Hülle
tamobindusthitaḥ rudraḥ tāmasāvaraṇaṃ vyadhāt
Rudra, im Tamas-Tropfen, bewirkte die tamasische Hülle
ādyaṃ śuklaṃ, dvitīyaṃ raktaṃ, tṛtīyakaṃ nīlam
die erste weiß, die zweite rot, die dritte blau/schwarz
mahadāvaraṇaṃ cakre brahmanāmā
die Mahat-Hülle schuf der 'Brahmā' genannte [Gott]

Beginn der klassischen kosmologischen Hüllen-Lehre (āvaraṇa): Sattva-, Rajas-, Tamas-Hülle, dann Mahat-Hülle usw. — vergleichbar der Hüllen-Kosmographie des Welteneis (brahmāṇḍa) in Viṣṇu-Purāṇa und Bhāgavata-Purāṇa, hier jedoch mit den Pāñcarātra-Vyūha-Gottheiten überlagert.

sabhāryau brahmavāyū ca mahattatvābhimāninau / mahattatvaniyanteśaḥ ānandākhyo hariḥ svayam // PS_1,8.118 // ānandanāmnastanayau brahmavāyū mahadgatau / rajoguṇasya vaiṣamyāt sarvāṃśena mataḥ kalāḥ // PS_1,8.119 // rājasāṃśenendriyāṇāṃ daśānāṃ ca kalāstathā / tāmasāṃśena tanmātrāḥ kalāḥ pañcamahadgatāḥ // PS_1,8.120 // abhavantāḥ kalā nityaṃ ṣoḍaśāpi sadātanaḥ / mahattatvādvikurvāṇādbrahmaṇaḥ sthūladehataḥ // PS_1,8.121 // ānandavaśagājjātastvahaṅkārastrivṛnmataḥ / vaikārikastaijasaśca tāmasaścetyahaṃ tridhā // PS_1,8.122 // udyadraviprabhāvatvān mahatāhaṃ trivarṇakaḥ / vaikārikastu satvāṃśajātaḥ śukla udahṛtaḥ // PS_1,8.123 // taijaso rājasāṃśotthaḥ raktavarṇaḥ prakīrtitaḥ / mano hṛṣīkāṇi mātrāḥ pūrvaṃ sūkṣmasvarūpataḥ // PS_1,8.124 //

Brahmā und Vāyu, mit ihren Gattinnen, sich mit dem Mahat-Prinzip identifizierend – der Regler des Mahat-Prinzips ist Hari selbst, 'Ānanda' (Wonne) genannt. Die beiden Söhne des 'Ānanda' Genannten, Brahmā und Vāyu, im Mahat weilend – durch das Ungleichgewicht des Rajas-Guṇa entstehen, mit dem 'Gesamt-Anteil', die [sechzehn] Kalās (Feinstglieder), so gilt es. Durch den rājasischen Anteil [entstehen] ebenso die Kalās der zehn Sinnesorgane; durch den tāmasischen Anteil die fünf, zum Mahat gehörigen Feinstoff-Elemente (tanmātra) als Kalās. So wurden die sechzehn Kalās, immerwährend, ewig. Aus dem sich wandelnden Mahat-Prinzip, aus Brahmās grobem Körper, entstand, unter dem Einfluss Ānandas, der Ahaṅkāra (Ich-Prinzip), als dreifach geltend: Vaikārika, Taijasa und Tāmasa – so ist das 'Ich' dreifach. Wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Glanz der aufgehenden Sonne ist das 'Ich' des Mahat dreifarbig: das Vaikārika, aus dem Sattva-Anteil entstanden, wird als weiß bezeichnet; das Taijasa, aus dem Rajas-Anteil entsprungen, wird als rotfarben verkündet; Denksinn (manas), die Sinnesvermögen (hṛṣīka) [und] die Feinstoff-Elemente (mātrā), zuvor in subtiler Wesensform, [ruhen, dem Mahat-Prinzip zugehörig, auf dem Ahaṅkāra].

Wort für Wort
mahattatvaniyanteśaḥ ānandākhyaḥ hariḥ svayam
der Regler des Mahat-Prinzips ist Hari selbst, 'Ānanda' genannt
rajoguṇasya vaiṣamyāt ... kalāḥ ṣoḍaśa
durch das Rajas-Ungleichgewicht ... sechzehn Kalās
ahaṅkāraḥ trivṛt mataḥ: vaikārikaḥ taijasaḥ tāmasaḥ
der Ahaṅkāra gilt als dreifach: Vaikārika, Taijasa, Tāmasa
vaikārikaḥ satvāṃśajātaḥ śuklaḥ; taijasaḥ rājasāṃśotthaḥ raktavarṇaḥ
Vaikārika, aus Sattva, weiß; Taijasa, aus Rajas, rot

Ab hier folgt die klassische Sāṅkhya-Emanationsreihe (Mahat → dreifacher Ahaṅkāra → Manas/Indriyas/Tanmātras → Mahābhūtas), hier in Pāñcarātra-Theologie eingebettet (Hari als 'Ānanda' Regent des Mahat, Brahmā/Vāyu als dessen personifizierte Söhne).

mahattatvagatāhyetā ahaṅkārāśritāḥ kramāt / gāyatrīśo vidhiḥ satve viriñcastu rajoguṇe // PS_1,8.125 // sāvitrīśo bhavatyaddhā tamasi brahmanāmakaḥ / sarasvatīśo vasati tādṛgrūpatrayotthitau // PS_1,8.126 // trirūpau vai brahmavāyū tannāmānau mahadgatau / vidyādibhistribhistāsu gāyatryādiṣu tisṛṣu // PS_1,8.127 // kramādbrahmā ca vāyuśca śeṣaścāsan harīcchayā / vipaśeṣau sabhāryā ca mahadrāje rajotridhār // PS_1,8.128 // haryājñayaivatrividhāhaṃreṣvabhimāninaḥ / vidyādyutthairbrahmapūrvaistribhiḥ rudrastrirūpakaḥ // PS_1,8.129 // sabhāryastrividhāhaṅkṛnmānītusthūladehakaḥ / mahattatvasya garbhasthamahadāvaraṇaṃ matam // PS_1,8.130 //

Diese, im Mahat-Prinzip befindlichen [Glieder], auf den Ahaṅkāra gestützt, der Reihe nach: der Herr der Gāyatrī [ist] Vidhi (Brahmā) im Sattva, Viriñca [waltet] im Rajas-Guṇa; der Herr der Sāvitrī wird wahrhaftig, im Tamas, 'Brahmā' genannt; der Herr der Sarasvatī weilt, aus eben dieser dreifachen Gestaltung entstanden. Dreifach-gestaltig sind wahrlich Brahmā und Vāyu, mit jenen Namen, im Mahat weilend; durch die drei [weiblichen Prinzipien] Vidyā u.a., unter jenen drei, Gāyatrī u.a., entstanden der Reihe nach Brahmā, Vāyu und Śeṣa, nach Haris Willen; [die Weisen] Vipa[?] und Śeṣa, mit ihren Gattinnen, im dreifach-rajasischen Mahat-Reich [?]. Allein durch Haris Befehl, sich mit dem dreifachen Ich identifizierend – durch die drei aus Vidyā u.a. entstandenen [weiblichen Prinzipien], denen Brahmā vorangeht, [wurde] Rudra dreifach-gestaltig, mit seiner Gattin, dreifacher Ahaṅkāra-Trägerin, im groben Körper. Die Hülle des Mahat, innerhalb des Schoßes des Mahat-Prinzips gelegen, gilt als [damit vollendet].

Wort für Wort
gāyatrīśaḥ vidhiḥ satve, viriñcaḥ rajoguṇe
der Herr der Gāyatrī, Vidhi, im Sattva; Viriñca im Rajas
sāvitrīśaḥ ... tamasi brahmanāmakaḥ
der Herr der Sāvitrī ... im Tamas 'Brahmā' genannt
vidyādibhiḥ tribhiḥ ... brahmā vāyuḥ śeṣaḥ āsan harīcchayā
durch die drei Vidyā u.a. ... entstanden Brahmā, Vāyu, Śeṣa nach Haris Willen
mahadāvaraṇaṃ matam
die Mahat-Hülle gilt [als vollendet]

Diese genealogisch-theologische Verschachtelung (Vidyā/Gāyatrī/Sāvitrī/Sarasvatī als Trägerinnen der drei Ahaṅkāra-Formen, Brahmā/Vāyu/Rudra/Śeṣa als deren männliche Entsprechungen) ist im Quelltext an mehreren Stellen kaum eindeutig auflösbar; Übersetzung folgt der plausibelsten Lesart.

lakṣmīnārāyaṇo brahmavāyū bhāryāsamanvitau / ukteṣu vakṣyamāṇeṣu sarvatatveṣu sarvadā // PS_1,8.131 // vasanti tānvinā śeṣavīśādyā nakṣamā kvacit / vaikārikāddhi kurvāṇān manastatvaṃ jagadguruḥ // PS_1,8.132 // sṛṣṭvāhaṅkāragarbhasthaṃ cakāra puruṣarṣabhaḥ / taijasāttu vikurvāṇāt hariṇā cendriyāṇi ca // PS_1,8.133 // jñānaśaktīni pañcāpi karmaśaktīni pañca ca / sṛṣṭā bhāvīni kāle tu sṛjyaṃ vai bhūtapañcakam // PS_1,8.134 // yatra yatra sthāpyamīśastatratāni kramādvyadhāt / ākāśaṃ tu vikurvāṇāt sparśamātramabhūddhareḥ // PS_1,8.135 // tato vāyuṃ samutpādya vāyvāvaraṇamātanot / vāyoścaiva vikurvāṇādrūpamātraṃ hyabhūttataḥ // PS_1,8.136 // tato vahniṃ samutpādya vahnyāvaraṇamātanot / vahnerapi vikurvāṇājjalamātraṃ vyadhāddhariḥ // PS_1,8.137 // tataḥ salilamutpādya jalāvaraṇamācarat / jalāvṛtte vikurvāṇāttu gandhamātrābhavadvibhoḥ // PS_1,8.138 // tataḥ pṛthvīṃ sanirmāya cakre bhūmyāvṛtiṃ hariḥ // PS_1,8.139 //

Lakṣmī-Nārāyaṇa [sowie] Brahmā [und] Vāyu, mit ihren Gattinnen versehen, wohnen stets in allen genannten wie noch zu nennenden Prinzipien (tattva); ohne diese vermögen Śeṣa, Śiva und die anderen nirgends [zu wirken]. Aus dem Vaikārika[-Anteil des Ahaṅkāra], sich wandelnd, schuf der Weltenlehrer, der Stier unter den Puruṣas, das Manas-Prinzip (Denksinn), in den Schoß des Ahaṅkāra gesetzt. Aus dem Taijasa[-Anteil], sich wandelnd, [schuf] Hari die Sinnesorgane – die fünf Erkenntniskräfte (jñānaśakti) sowie die fünf Handlungskräfte (karmaśakti), erschaffen, [aber zunächst nur der Anlage nach] zukünftig; zu [gegebener] Zeit [aber] ist die Fünfheit der [groben] Elemente (bhūta) zu erschaffen. Wo immer der Herr [ein Element] zu platzieren hat, dort bewirkte er sie der Reihe nach: Aus dem sich wandelnden [Tāmasa-Anteil des Ahaṅkāra] entstand für Hari der bloße Tastsinn (sparśamātra, d.h. das Tanmātra des Windes); darauf, nachdem er den Wind (Vāyu) hervorgebracht hatte, dehnte er die Wind-Hülle aus; aus der Wandlung des Windes selbst entstand darauf die bloße Form/Farbe (rūpamātra); darauf, nachdem er das Feuer (Vahni) hervorgebracht hatte, dehnte er die Feuer-Hülle aus; auch aus der Wandlung des Feuers bewirkte Hari den bloßen Geschmack (hier: 'jalamātra', wohl das dem Wasser eigentümliche Tanmātra); darauf, nachdem er das Wasser (Salila) hervorgebracht hatte, vollzog er die Wasser-Hülle; aus der Wandlung der Wasser-Hülle entstand für den Mächtigen der bloße Geruch (gandhamātra); darauf, nachdem er auch die Erde (Pṛthvī) geformt hatte, bewirkte Hari die Erd-Hülle. So [endet] im ersten Teil der ehrwürdigen Prakāśa-Saṃhitā der achte Adhyāya.

Wort für Wort
vaikārikāt ... manastatvaṃ cakāra jagadguruḥ
aus dem Vaikārika ... schuf der Weltenlehrer das Manas-Prinzip
taijasāt ... indriyāṇi jñānaśaktīni karmaśaktīni
aus dem Taijasa ... die Sinnesorgane, die fünf Erkenntnis- und Handlungskräfte
ākāśāt sparśamātram, tato vāyuḥ ... vāyoḥ rūpamātram, tato vahniḥ
aus Ākāśa der Tastsinn, daraus Wind ... aus Wind die Form, daraus Feuer
vahneḥ jalamātram (rasa), tataḥ salilam ... jalāt gandhamātram, tataḥ pṛthvī
aus Feuer der Geschmack, daraus Wasser ... aus Wasser der Geruch, daraus Erde
pratyekaṃ bhūtasya āvaraṇam ātanot
für jedes Element dehnte er eine [eigene] Hülle aus

Die klassische Sāṅkhya-Tanmātra-Reihe (Ākāśa→Vāyu→Agni→Jala→Pṛthvī, mit den Qualitäten Tastsinn/Form/Geschmack/Geruch) folgt hier der Standardabfolge, wobei der Quelltext für das dem Feuer entstammende Tanmātra ungewöhnlicherweise 'jalamātra' (statt des sonst zu erwartenden 'rasamātra') schreibt – vermutlich ein Kopistenfehler oder eine assoziative Vorwegnahme des folgenden Elements Wasser; hier sinngemäß als 'Geschmack' übersetzt. Jedes Element erhält, wie in der purāṇischen Weltei-Kosmographie üblich, eine eigene umhüllende 'āvaraṇa'-Schicht. Kolophon: 'So [endet] im ersten Teil der ehrwürdigen Prakāśa-Saṃhitā der achte Adhyāya.'

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