Quellen der Menschheit

Prakāśa-Saṃhitā

Paṭala 17: dvitīyādhyāya-sṛṣṭikramo-manvantaravaṃśavarṇanam Teil 2, Adhyāya 2: Fortsetzung der Schöpfung in 14 Nachtabschnitten – Ṛṣi-Geburten, Madhu-Kaiṭabha, Varāha/Hiraṇyākṣa, Svāyambhuva Manu und seine Nachkommen

PS_2,2.1-98 (zweiter Adhyāya des zweiten Paricheda/Teils; mit Abstand das umfangreichste Kapitel des gesamten bisherigen Werks). Fortsetzung der in Adh.1 begonnenen Schöpfungsabfolge über die Nachtabschnitte 5 bis 14: Gaṅgā-Ursprung aus Viṣṇus Zehennagel/Trivikrama-Schritt; Vyūha-Hierarchie mit jeweiligen Verehrer-Göttern; Rudras zurückgewiesene 'schreckliche' Nebenschöpfung; Geburt der Manasaputra-Ṛṣis und der Veden/Purāṇas/des Pañcarātra/Mahābhārata/Bhāgavata aus Brahmās Körperteilen bzw. Gesichtern; vollständige kosmogonische Körperableitung (Zeit, Dharma/Adharma, Flüsse, Berge, Ozeane, 84-Lakh-Artenvielfalt); der Madhu-Kaiṭabha-Mythos (Hayagrīva als Erscheinungsform Haris); eine zentrale doktrinelle Passage über Grade der 'Selbst-Einbildung' (abhimāna) und die Unmöglichkeit dämonischer Besessenheit Vāyus; die verschränkten Varāha- und Matsya-Avatāra-Mythen (Opferstiftung, Rettung der Erde vor Hiraṇyākṣa, Rettung der geraubten Veden vor dem Dämon Hayagrīva); Geburt Svāyambhuva Manus und Śatarūpās, Einführung geschlechtlicher Fortpflanzung, und eine ausführliche Genealogie ihrer Nachkommen (Priyavrata, Uttānapāda, Ākūti/Devahūti/Prasūti, Dakṣas Enkelinnen, die Opferfeuer, Marut/Vasu/Rudra/Sādhya/Viśvedeva-Götterklassen). Der Quelltext enthält außergewöhnlich viele alternative Lesarten in Klammern; entsprechend zahlreich sind die [?]-Markierungen, insbesondere in den genealogischen Detailangaben (V.85-98) und mehreren doktrinellen Kernversen (V.20-21, 36-37, 89-90).

cakresthūlaśarīrāṇi yaddheśesthāpyayānvirāṭ / teṣāṃ tadupayuktārthān jaḍāni vividhāni ca // sarvasthūlaśarīrāṇi upādānānyajaḥ svayam / virāṭdattāni saṅgṛhya kramāt kālānusārataḥ // tattadguṇakriyājātirūpalakṣaṇasampadaḥ / vyavahārāśrayācāraveṣabhāṣāsvarūpakān // dānamānā(nnapānārha)śanāyāśanārhapūrvānantārthasañcayān / caturlakṣādhīkāśītilakṣajīvaguṇocitān // virāḍuktān virāḍḍantān stadbhāvajñastathākarot / yathottaratra sthūlopi na dṛṣṭastena tacchrutam //

[Hari] machte die Grobstoffkörper, die er den Virāṭ an [ihren jeweiligen] Orten einsetzen ließ, / [zusammen mit] den für sie brauchbaren, mannigfaltigen unbewussten Dingen. Alle Grobstoffkörper, als Stoffursachen, nahm der Unerschaffene [Brahmā] selbst, / die vom Virāṭ gegebenen aufnehmend, der Reihe nach, gemäß der Zeit, / und versah sie mit den jeweiligen Eigenschaften, Handlungen, Arten, Formen, kennzeichnenden Ausstattungen, / mit den ihnen eigenen Naturen von Brauch, Abhängigkeit, Sitte, Erscheinung und Sprache, / mit Gabe, Ehre [?], Hunger und dem der Essenswürdigkeit vorausgehenden [Zustand], mit endlosen Anhäufungen von Zwecken [?], / passend zu den Eigenschaften der vierundachtzig Lakh Lebewesen-[Arten]. Die vom Virāṭ genannten, mit dem Virāṭ endenden [Anweisungen], deren wahre Natur er kannte, machte er so; / so wie später, obwohl grobstofflich, [Hari/der Virāṭ] von ihm [Brahmā] nicht [direkt] gesehen wurde, [sondern] das nur [indirekt] vernommen wurde.

Wort für Wort
cakresthūlaśarīrāṇi
er machte die Grobstoffkörper
sarvasthūlaśarīrāṇi upādānānyajaḥ svayam
alle Grobstoffkörper, als Stoffursachen, der Unerschaffene selbst
virāṭdattāni saṅgṛhya kramāt kālānusārataḥ
die vom Virāṭ gegebenen aufnehmend, der Reihe nach
tattadguṇakriyājātirūpalakṣaṇasampadaḥ
mit jeweiligen Eigenschaften, Handlungen, Arten, Formen
caturlakṣādhikāśītilakṣajīvaguṇocitān
passend zu den Eigenschaften der 84 Lakh Lebewesen
virāḍuktān virāḍḍantān
vom Virāṭ genannt, mit dem Virāṭ endend
sthūlopi na dṛṣṭastena tacchrutam
obwohl grobstofflich, von ihm nicht gesehen, [nur] vernommen

Fortsetzung unmittelbar aus dem vorigen Kapitel (Ende der Virāṭ-Schöpfung): Brahmā stattet die von Hari/dem Virāṭ vorgegebenen Grobstoffkörper mit ihren artspezifischen Eigenschaften aus. Sehr komprimierte Aufzählungssprache.

tatpūrvaṃ padmanābhottha trivikramapadāmbujāt / dakṣiṇādyudhṛtā gaṅgā tasyāṅguṣṭhanakhāgrataḥ // viśīrṇājāṇḍamadhyordhvarandhrāt kṣmāvaruṇordhvagam / ambhaḥ prāgagnitatvasthā(sthaṃ) prākṛtāṅghrabhirakṣitam // viṣṇoḥ pādāt samudbhūtaṃ tadvāryāṇḍāntarāviśat / (e)tatmaṇḍulugaṃ kṛtvā brahmā viṣṇvaṅghrimajjanam // cakāra tena tadvāri gaṅgākhyā susaradvarā / ato viṣṇvaṅghrijāṃ brahmakamaṇḍalusamudbhavam //

Zuvor, aus Padmanābhas Lotosfuß im Trivikrama-Schritt entsprungen, / wurde die Gaṅgā, zuerst auf der rechten Seite [?], von der Spitze seines großen Zehennagels emporgezogen. Durch die obere Öffnung in der Mitte der aufgerissenen Schale des Unerschaffenen[-Eis], über Erde und Varuṇa[-Bereich] hinaufgehend, / [floss] das Wasser, zuvor am Feuer-Prinzip befindlich [?], geschützt durch den ursprünglichen Fuß. Aus Viṣṇus Fuß entsprungen, drang jenes Wasser in das [kosmische] Ei ein; / dieses in sein Wassergefäß [Kamaṇḍalu] leitend, vollzog Brahmā eine Fußwaschung Viṣṇus. Dadurch wurde jenes Wasser zum vortrefflichen Fluss namens Gaṅgā; / daher [wird sie], aus Viṣṇus Fuß entstanden, [als] aus Brahmās Wassergefäß hervorgegangen [genannt].

Wort für Wort
padmanābhottha trivikramapadāmbujāt
aus Padmanābhas Lotosfuß im Trivikrama-Schritt entsprungen
dakṣiṇādyudhṛtā gaṅgā tasyāṅguṣṭhanakhāgrataḥ
die Gaṅgā, von der Spitze seines Zehennagels emporgezogen
viśīrṇājāṇḍamadhyordhvarandhrāt
durch die obere Öffnung der aufgerissenen Ei-Schale
viṣṇoḥ pādāt samudbhūtaṃ
aus Viṣṇus Fuß entsprungen
brahmā viṣṇvaṅghrimajjanam cakāra
Brahmā vollzog eine Fußwaschung Viṣṇus
tadvāri gaṅgākhyā susaradvarā
jenes Wasser wurde zum vortrefflichen Fluss Gaṅgā

Ursprungsmythos der Gaṅgā aus Viṣṇus Zehennagel während des Trivikrama-Schritts, kombiniert mit Brahmās Fußwaschung – die bekannte Pāñcarātra/vaiṣṇavische Variante des Gaṅgā-Ursprungsmythos (vgl. bereits Kap.12 zur Gaṅgā-Mythologie).

vadanti sā suṣumnā hi brahmāṇḍavyāpino hareḥ / niśāyāḥ pañcamāṃśe tu brahmeśādyākhilāmarān // sṛṣṭvā vaikuṇṭhalokasthadurgābhāgagatān vyadhāt / sevārthaṃ tadgatānantarūpasya śrīhareḥ śriyaḥ // teṣāmucitavijñānaṃ hareḥ sevām upādiśat / ṣaṣṭamāṃśe niśāyāśca punaḥ sarvān surottamān // ajo sṛjatsvasevārthaṃ tāṃśca(te ca) pūrvoktarītitaḥ / saptaprākāra(ke)gān saptalokeśaṃ toṣayatyalam // tāvatsatyādhasthalaspṛgvāryaṇḍaparipūritam / mahogravāyunā śuṣyan maharlokādadhoviśat //

Man nennt sie die Suṣumnā [den zentralen Kanal] des Hari, der das kosmische Ei durchdringt. Im fünften Nachtabschnitt aber [schuf Hari] Brahmā, Īśa [Śiva] und alle übrigen Götter, / und setzte sie, nach der Erschaffung, in die Durgā-Region, in der Welt Vaikuṇṭha befindlich, ein, / zum Zwecke des Dienstes an dem dorthin gelangten, endlos-gestaltigen Śrī-Hari und [seiner] Śrī. Er lehrte sie das angemessene Wissen um den Dienst an Hari; und im sechsten Nachtabschnitt, wiederum alle vorzüglichen Götter / erschuf der Unerschaffene für den eigenen Dienst, und jene, nach der zuvor genannten Weise, / in die sieben Ringmauern gelangt, erfreuen den Herrn der sieben Welten reichlich. Unterdessen, das den Boden unterhalb Satyas berührende, das Ei erfüllende Wasser, / austrocknend durch einen mächtigen, heftigen Wind, drang von Maharloka abwärts.

Wort für Wort
suṣumnā hi brahmāṇḍavyāpino hareḥ
sie ist die Suṣumnā des das Weltenei durchdringenden Hari
niśāyāḥ pañcamāṃśe brahmeśādyākhilāmarān sṛṣṭvā
im fünften Nachtabschnitt Brahmā, Śiva, alle Götter erschaffend
durgābhāgagatān vyadhāt sevārthaṃ
in die Durgā-Region eingesetzt zum Dienst
ucitavijñānaṃ hareḥ sevām upādiśat
er lehrte das angemessene Wissen des Dienstes an Hari
ṣaṣṭamāṃśe niśāyāḥ ajo sṛjatsvasevārthaṃ
im sechsten Nachtabschnitt schuf der Unerschaffene für den eigenen Dienst
saptaprākāragān saptalokeśaṃ toṣayatyalam
in den sieben Ringmauern erfreuen sie den Herrn der sieben Welten
mahogravāyunā śuṣyan maharlokādadhoviśat
durch heftigen Wind austrocknend, drang [das Wasser] von Maharloka abwärts

Die Gaṅgā wird mit der Suṣumnā (dem zentralen 'Kanal' des kosmischen Körpers) identifiziert. Fortsetzung der Schöpfungsabfolge nach Nachtabschnitten (5. und 6. Teil): verschiedene Götterklassen werden zum Dienst in den Ringmauern Vaikuṇṭhas eingesetzt.

saptamāṃśe niśīthinyāḥ punardevānajosṛjat / teṣu pradhānān sarvān manaso dehato 'sṛjat // teṣu pradhānān śeṣādīṃ tapolokevyadhādajaḥ / tatra lokapatiḥ sākṣāt saṅkarṣaṇamanāmayam // ārādhayato 'nya surān manasā dehato sṛjat / indrakāmau janoloke tṛtīyotāvajo vyadhāt // pradyumnantāvabhajatāṃ sṛṣṭvā tau svāvarāmarān / aniruddhādikān dhātā maharlokagatān vyadhāt // aniruddhaṃ bhajantastevṛsṛjan svāvarāmarān / aṣṭamāṃśetriyāmāyā sanakādīn pitāmahaḥ //

Im siebten Abschnitt der Nacht erschuf der Unerschaffene wiederum Götter; / unter ihnen erschuf er alle Hauptgötter aus [seinem] Geist und aus [seinem] Körper. Unter ihnen setzte der Unerschaffene die Hauptgötter, [beginnend] mit Śeṣa, in Tapoloka ein; / dort [ist] der Herr der Welt, unmittelbar, [als] der unversehrte Saṅkarṣaṇa, / den sie verehren; andere Götter erschuf er aus Geist und Körper; Indra und Kāma [?], in Janaloka, als dritte [Schöpfung], setzte der Unerschaffene ein. / Jene beiden verehrten Pradyumna, nachdem sie ihre eigenen niederen Götter erschaffen hatten; die mit Aniruddha beginnenden setzte der Ordner [Brahmā] als nach Maharloka gelangt ein. / Die den Aniruddha Verehrenden erschufen [wiederum] ihre eigenen niederen Götter; im achten Abschnitt der Nacht [erschuf] der Großvater [Brahmā] Sanaka und die anderen [Kumāras].

Wort für Wort
saptamāṃśe niśīthinyāḥ punardevānajosṛjat
im siebten Nachtabschnitt erschuf der Unerschaffene wieder Götter
teṣu pradhānān śeṣādīṃ tapoloke vyadhādajaḥ
die Hauptgötter mit Śeṣa setzte er in Tapoloka ein
lokapatiḥ sākṣāt saṅkarṣaṇamanāmayam
der Weltenherr, unmittelbar, der unversehrte Saṅkarṣaṇa
indrakāmau janoloke tṛtīyotāvajo vyadhāt
Indra und Kāma setzte er in Janaloka als dritte Schöpfung ein
aniruddhādikān dhātā maharlokagatān vyadhāt
die mit Aniruddha beginnenden setzte der Ordner in Maharloka ein
aṣṭamāṃśetriyāmāyā sanakādīn pitāmahaḥ
im achten Nachtabschnitt [erschuf] der Großvater Sanaka und die anderen

Fortgesetztes Schema der Vyūha-Hierarchie (Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Aniruddha) mit jeweils eigenen Verehrer-Göttern in absteigenden Welten (Tapoloka, Janaloka, Maharloka) – eine für die Pāñcarātra-Theologie charakteristische gestufte Emanationslehre.

sṛṣṭvā sṛṣṭvaitanniyuktāstadājñānācaran drutam / tataḥ prakupitāddhātuḥ rudro ekādaśātmakaḥ // jātobhūtsapatnī(kṣī)kaḥ sasṛṣṭyarthamajoditaḥ / tapastaptvāthakālena pīte svargāntavāriṇī(ṇā) // ajenāvāpyasasvargabhūtān pretāṃśca rākṣasān / nandinaṃ mātṛkāḥsapta piśācān lokabhīkarān // bhaktān surāṃśānapi durbhāvayuktān digambarān / krūrasṛṣṭiṃ tato jñātvā brahmā taṃ pratyaṣedhata //

Immer wieder erschaffend, [diesem Auftrag] verpflichtet, handelten sie rasch nach seinem Befehl; / dann entstand aus dem erzürnten Ordner [Brahmā] Rudra, von elffacher Wesensart, / geboren, samt Gattin, vom Unerschaffenen zum Zwecke der Schöpfung angewiesen; / nachdem er Askese geübt hatte, dann, mit der Zeit, [nachdem] das Wasser am Ende des Himmels getrunken [war] [?], / erlangte er vom Unerschaffenen die zum verschwundenen Himmel gehörigen Wesen [?], Pretas und Rākṣasas, / Nandin, die sieben Mütter[göttinnen], Piśācas, welterschreckend, / Verehrer, und auch Anteile von Göttern, von übler Gesinnung, nackt/himmelsgekleidet [digambara]. Nachdem Brahmā [darin] eine grausame Schöpfung erkannt hatte, hielt er ihn [Rudra] davon ab.

Wort für Wort
tataḥ prakupitāddhātuḥ rudro ekādaśātmakaḥ
aus dem erzürnten Ordner entstand Rudra, elffacher Wesensart
sasṛṣṭyarthamajoditaḥ
vom Unerschaffenen zum Zweck der Schöpfung angewiesen
ajenāvāpya...pretāṃśca rākṣasān
vom Unerschaffenen erlangte er Pretas und Rākṣasas
nandinaṃ mātṛkāḥsapta piśācān lokabhīkarān
Nandin, die sieben Muttergöttinnen, welterschreckende Piśācas
digambarān
nackte [Asketen]
krūrasṛṣṭiṃ jñātvā brahmā taṃ pratyaṣedhata
als Brahmā die grausame Schöpfung erkannte, hielt er ihn ab

Rudras 'schreckliche' Nebenschöpfung (Bhūtas, Piśācas, Rākṣasas, Mātṛkās) wird von Brahmā unterbunden – ein bekanntes Motiv aus der purāṇischen Rudra-Kosmogonie, hier in die Pāñcarātra-Rahmenerzählung eingebettet. V.20-21 sprachlich sehr unsicher [?].

tatojaḥ svākaṃ deśena nāradaṃ tvasṛjadṛṣīm / dakṣaṃ dakṣāṅguṣṭatojastanvā bhṛgumacīkḷpat // marīcīṃ manasā netreṇātrimāṅgirasaṃ mukhāt / karṇarandhrāt pulastyaṃ ca pulahaṃ nābhideśataḥ // karāt kratuṃ vasiṣṭhaṃ ca prāṇāt kāmāccagādhijam / chāyayā kardamaṃ budhyāruciṃ vyajanayadvibhuḥ // ṛgādi devān padmotthaḥ pūrvādyāsyaiḥ kramādvyadhāt / bhārataṃ pañcarātrāṇi purāṇāni smṛtistathā // pūrvādibhirvyadhādāsyaistathā varṇāśramādikān / bhṛguṃ manuṃ budhaśanī caturvarṇapravartakān //

Dann erschuf der Unerschaffene aus seinem eigenen [Körper-]Bereich den Weisen Nārada; / Dakṣa aus [seinem] Daumen; aus [seinem] Körper formte er Bhṛgu; / Marīci aus [seinem] Geist; Atri aus [seinem] Auge; Aṅgiras aus [seinem] Mund; / aus der Ohröffnung Pulastya, und Pulaha aus der Nabelgegend; / aus [seiner] Hand Kratu, und Vasiṣṭha aus [seinem] Atem; aus Begierde einen [Weisen, dessen Name unsicher ist] [?]; / aus [seinem] Schatten Kardama, aus [seinem] Intellekt Ruci – so erzeugte der Mächtige [sie]. Der Lotosgeborene [Brahmā] machte aus seinen ostwärtigen und anderen Gesichtern der Reihe nach den Ṛgveda und die anderen [Veden]/Götter; / [ebenso] das Bhārata, die Pañcarātras, die Purāṇas und ebenso die Smṛti. / Mit den ostwärtigen und anderen Gesichtern machte er ebenso Kaste und Lebensstadien und dergleichen, / Bhṛgu, Manu, Budha [und] Śani, die Begründer der vier Kasten.

Wort für Wort
nāradaṃ tvasṛjadṛṣīm svākaṃ deśena
aus seinem eigenen Bereich erschuf er den Weisen Nārada
dakṣaṃ dakṣāṅguṣṭato bhṛgumacīkḷpat tanvā
Dakṣa aus dem Daumen, Bhṛgu aus dem Körper
marīcīṃ manasā netreṇātrimāṅgirasaṃ mukhāt
Marīci aus dem Geist, Atri aus dem Auge, Aṅgiras aus dem Mund
karṇarandhrāt pulastyaṃ pulahaṃ nābhideśataḥ
Pulastya aus der Ohröffnung, Pulaha aus der Nabelgegend
karāt kratuṃ vasiṣṭhaṃ ca prāṇāt
Kratu aus der Hand, Vasiṣṭha aus dem Atem
chāyayā kardamaṃ budhyāruciṃ
Kardama aus dem Schatten, Ruci aus dem Intellekt
ṛgādi devān pūrvādyāsyaiḥ kramādvyadhāt
aus den ostwärtigen Gesichtern machte er der Reihe nach Ṛgveda usw.
bhārataṃ pañcarātrāṇi purāṇāni smṛtistathā
das Bhārata, die Pañcarātras, die Purāṇas, die Smṛti
bhṛguṃ manuṃ budhaśanī caturvarṇapravartakān
Bhṛgu, Manu, Budha, Śani, die Begründer der vier Kasten

Klassisches Motiv der Geburt der Manasaputras/Ṛṣis (Nārada, Dakṣa, Bhṛgu, Marīci, Atri, Aṅgiras, Pulastya, Pulaha, Kratu, Vasiṣṭha, Kardama, Ruci) aus verschiedenen Körperteilen Brahmās sowie der Veden, des Mahābhārata, der Pañcarātras und Purāṇas aus seinen Gesichtern – bemerkenswert die explizite Nennung von 'Pañcarātrāṇi' und 'Bhārataṃ' neben den Veden als gleichrangig aus Brahmās Mund entstanden.

cakāra(rā) kālāvayavān diśastadabhimāninaḥ / yajñān hṛdāpuṇyadharmo pṛṣṭenādharmavistṛtim // tathā pañcavi(dhā)jñānaṃ durgāṃ tadabhimāninīm / ahorātre pakṣayośca lajjāṃ mūrdhoṣṭatosṛjat // adharoṣṭāttato lobhaṃ nāḍibhyo vyasṛjannadīḥ / asthibhyaḥ parvatān kukṣeḥ sarvasāgaramāninaḥ // meghān keśairlomajātairvṛkṣā(ścaiva latādikān)n gulmān latānvitān / caturlakṣādhikāśītilakṣayoniṣu tātvikān // daśasaṃkhyāmitān dhātā vyasṛjaccānya cetanān / karmadevādikān devāḥ kramājjātāstu kālataḥ //

Er machte die Zeitabschnitte, die Richtungen mit ihren präsidierenden [Gottheiten]; / aus [seinem] Herzen die Opfer [und] das verdienstvolle Dharma, aus [seinem] Rücken die Ausbreitung des Adharma [Unrecht]; / ebenso die fünffache Unwissenheit, [d.h.] Durgā, deren präsidierende [Gottheit sie ist]; / Tag und Nacht, die beiden Monatshälften, und aus [seinem] Haupt/[seinen] Lippen erschuf er die Scham; / aus der Unterlippe dann die Gier; aus den Adern/Kanälen erschuf er die Flüsse; / aus den Knochen die Berge; aus der Körperseite alle Ozeane, [als] sich selbst wähnende [Gottheiten]; / aus den Haaren die Wolken; aus den körperhaarartigen Auswüchsen Bäume, Sträucher und Schlingpflanzen zusammen; / [und] die 'wesenhaften' [tāttvika] unter den vierundachtzig Lakh Geburtsarten. Der Ordner erschuf auch zehn weitere Klassen bewusster Wesen, gezählt; / die Karma-Götter und andere Götter entstanden der Reihe nach, mit der Zeit.

Wort für Wort
kālāvayavān diśastadabhimāninaḥ cakāra
er machte die Zeitabschnitte, die Richtungen mit ihren Gottheiten
yajñān hṛdāpuṇyadharmo
aus dem Herzen die Opfer und das verdienstvolle Dharma
pṛṣṭenādharmavistṛtim
aus dem Rücken die Ausbreitung des Adharma
pañcavidhājñānaṃ durgāṃ tadabhimāninīm
die fünffache Unwissenheit, Durgā, deren Gottheit
mūrdhoṣṭatosṛjat lajjāṃ
aus Haupt/Lippen erschuf er die Scham
adharoṣṭāttato lobhaṃ
aus der Unterlippe die Gier
nāḍibhyo nadīḥ asthibhyaḥ parvatān
aus Adern die Flüsse, aus Knochen die Berge
kukṣeḥ sarvasāgaramāninaḥ
aus der Körperseite alle sich selbst wähnenden Ozeane
keśairmeghān lomajātairvṛkṣān gulmān latānvitān
aus Haaren Wolken, aus Körperhaar Bäume, Sträucher, Schlingpflanzen
caturlakṣādhikāśītilakṣayoniṣu tātvikān
die wesenhaften unter den 84 Lakh Geburtsarten

Vollständige kosmogonische Körperableitung nach dem bekannten Purāṇa-Muster (Puruṣa-Sūkta-artig): Zeit, Richtungen, Opfer/Dharma, Adharma, Unwissenheit (Durgā), Scham, Gier, Flüsse, Berge, Ozeane, Wolken, Pflanzen und die 84 Lakh Lebewesenarten entstehen sämtlich aus Körperteilen Brahmās.

śataṃ gandharvāpsarasāṃ triṃśaccāraṇarakṣasām / śataṃ siddhāstathānyāsu saptatiḥsarvajātiṣu // ājānajāḥ kuberotthāstebhya eva niraṃśakāḥ / devadāsā niraṃśāśca padmakalpādanantaram // svayambhuventare bhūmau jātāḥ sarvatra saṅgatāḥ / kṣaṇadānavame bhāge mahīdāsahayānanau // sanatkumāramachākhyāvādiśetāṃ manuṃ vidheḥ / avatīryākhilān vedān sāraṃ caiva(veda sāraṃ) purāṇakam // pañcarātraṃ mahāśāstraṃ śrīmadbhāgavataṃ śubham / daśame tu niśābhāge padmanābhasya karṇayoḥ //

Hundert [Arten] von Gandharvas und Apsaras; dreißig von Cāraṇas und Rākṣasas; / hundert Siddhas; und ebenso, unter den anderen Arten, siebzig in allen übrigen Klassen. / Von Geburt an [entstandene], von Kubera abstammende – von ebendiesen die 'anteillosen' [niraṃśaka]; / die Diener-Götter, ebenfalls anteillos, [entstanden] unmittelbar nach diesem Lotos-Kalpa, / im Svāyambhuva-Manvantara, auf Erden geboren, überall versammelt. Im neunten Abschnitt der Nacht [erschienen] Mahīdāsa und Hayānana [Namen unsicher, ?], / Sanatkumāra und der [Weise] namens 'Acha' [?], um Manu, nach Vidhis [Brahmās Auftrag], zu unterweisen; / herabgestiegen [als Avatāras], [lehrten sie] alle Veden, die Essenz der Veden, und die Purāṇas, / das Pañcarātra, die große Lehrschrift, [und] das glorreiche, heilvolle Bhāgavata[-Werk]. Im zehnten Abschnitt der Nacht aber, aus Padmanābhas beiden Ohren,

Wort für Wort
śataṃ gandharvāpsarasāṃ triṃśaccāraṇarakṣasām
hundert Gandharvas/Apsaras, dreißig Cāraṇas/Rākṣasas
śataṃ siddhāstathānyāsu saptatiḥsarvajātiṣu
hundert Siddhas, siebzig in allen übrigen Klassen
kuberotthāstebhya eva niraṃśakāḥ
von Kubera abstammend, davon die anteillosen
svayambhuventare bhūmau jātāḥ
im Svāyambhuva-Manvantara auf Erden geboren
sanatkumāramachākhyāvādiśetāṃ manuṃ vidheḥ
Sanatkumāra und 'Acha' unterwiesen Manu, nach Brahmās Auftrag
avatīryākhilān vedān sāraṃ purāṇakam
herabgestiegen lehrten sie alle Veden, die Vedenessenz, die Purāṇas
pañcarātraṃ mahāśāstraṃ śrīmadbhāgavataṃ śubham
das Pañcarātra, die große Lehrschrift, das Bhāgavata

Bemerkenswert: das 'Śrīmad-Bhāgavata' wird hier explizit neben Veden, Purāṇas und Pañcarātra als von Avatāren gelehrter heiliger Text genannt – ein Hinweis auf die relative Spätdatierung bzw. den bereits kanonisierten Status dieses Werks im Vorstellungshorizont der Prakāśa-Saṃhitā. V.36-37 Namen sprachlich unsicher [?].

kalpitāttamasādbhūri kīkasādāsatūripū / madhuśca kaiṭabhaścaiva rākṣasau durmadoddhatau // kadāmerurūrdhvadeśasthaṃ pītvā tāvajjalaṃ sthitam / rūpāntareṇābjabhavaṃ prāpya yuddhāya rākṣasau // āhvayāmāsa tu brahmā tāvāhāhaṃ hi durbalaḥ / ityuktvā sa hariṃ dadhyau hayagrīvāhvayaṃ hariḥ // vyakto bhūdbrahmahṛdāsatābhyāṃ ciramayodhanam / kṛtvā hatvācchādyakuntaṃ medhasā medinīṃ vyadhāt //

Aus reichlichem Tamas [Trübe/Unwissenheit] gebildet, aus dem Ohrenschmalz [kīkasa, ?] entstanden zwei Feinde: / Madhu und Kaiṭabha, zwei Rākṣasas, übermütig vor böser Verblendung. Einst, nachdem sie das in der oberen Region oberhalb Merus befindliche Wasser getrunken hatten [?], / näherten sich die beiden Rākṣasas, in anderer Gestalt, dem Lotosgeborenen zum Kampf. / Brahmā forderte [Hari] herbei [oder: die beiden forderten Brahmā heraus, sagend]: 'Ach, ich bin ja schwach!' / So sprechend, meditierte er über Hari; Hari [erschien] unter dem Namen Hayagrīva [Pferdehals], / sichtbar geworden aus Brahmās Herzen; mit den beiden Bösen [führte er] einen langen Kampf; / nachdem er [ihn] geführt, [sie] erschlagen, mit der Lanze bedeckt hatte, machte er die Erde mit [ihrem] Fett/Mark [bedeckt] [Anm.: Anspielung auf die volksetymologische Verbindung von 'medas' (Fett) mit 'medinī' (Erde) im Madhu-Kaiṭabha-Mythos].

Wort für Wort
kalpitāttamasādbhūri kīkasādāsatūripū
aus reichlichem Tamas, aus dem Ohrenschmalz entstanden zwei Feinde
madhuśca kaiṭabhaścaiva rākṣasau durmadoddhatau
Madhu und Kaiṭabha, übermütige Rākṣasas
rūpāntareṇābjabhavaṃ prāpya yuddhāya
in anderer Gestalt näherten sie sich dem Lotosgeborenen zum Kampf
sa hariṃ dadhyau hayagrīvāhvayaṃ hariḥ
er meditierte über Hari; Hari erschien als Hayagrīva
vyakto bhūdbrahmahṛdā
sichtbar geworden aus Brahmās Herzen
hatvācchādyakuntaṃ medhasā medinīṃ vyadhāt
nach dem Erschlagen bedeckte er die Erde mit ihrem Fett/Mark

Der bekannte Madhu-Kaiṭabha-Mythos (zwei aus Tamas entstandene Dämonen, die Brahmā bedrohen und von Hari/Hayagrīva besiegt werden) – hier mit der volksetymologischen Erklärung des Namens 'Medinī' (Erde) aus 'medas' (Fett/Mark) verbunden, ein verbreitetes purāṇisches Motiv.

kṣaṇadaikādaśāṃśe tu brahmā merusthitaḥ svayam / piśācān dānavān daityān niraṃśān sāṃśarūpakān // etān viṣṇudviṣo yogyān rākṣasāṃśca kaliṃstathā / vyasṛjattānadholokavāsinaḥ kālatokarot // ajeyatvamavadhyatvavaraṃ teṣāmadādvidhiḥ / kālena bhārate janma pratimanvantareṣvapi // yathāyogyaṃ janmalabdhvā tapastaptvā śivādvaram / prāpya viprāryagurvādigosuradveṣiṇaḥ sadā // bhaviṣyatheti teṣāṃ tu varaṃ prādādathābjajaḥ / paraśuklatrayaṃ hitvā chinnabhāgavateṣvalam //

Im elften Abschnitt der Nacht aber [erschuf] Brahmā selbst, auf Meru weilend, / Piśācas, Dānavas, Daityas, anteillose und anteilbehaftete [Wesen], / diese, geeignet als Feinde Viṣṇus, und ebenso Rākṣasas und Kali, / erschuf er als Bewohner der Unterwelten; er machte sie der Zeit untertan. Vidhi [Brahmā] gab ihnen die Gabe der Unbesiegbarkeit und Unverletzlichkeit; / in der Zeit [erlangen sie] Geburt in Bhārata[varṣa], auch in jedem [folgenden] Manvantara. / Nachdem sie, wie es sich gehört, Geburt erlangt, Askese geübt, von Śiva einen Gnadenlohn erhalten haben, / werden sie [zu] ewigen Feinden der Brahmanen, Āryas, Lehrer und dergleichen, der Kühe [und] der Götter. 'Ihr werdet [so sein]' – diesen Gnadenlohn gab dann der Lotosgeborene ihnen; / die drei reinen/weißen [Zustände(?)] aufgebend, gänzlich von den Bhāgavatas [Viṣṇu-Verehrern] abgeschnitten,

Wort für Wort
kṣaṇadaikādaśāṃśe brahmā merusthitaḥ piśācān dānavān daityān
im elften Nachtabschnitt erschuf Brahmā auf Meru Piśācas, Dānavas, Daityas
viṣṇudviṣo yogyān rākṣasāṃśca kaliṃstathā adholokavāsinaḥ
als Viṣṇu-Feinde geeignet, Rākṣasas und Kali als Unterwelt-Bewohner
ajeyatvamavadhyatvavaraṃ teṣāmadādvidhiḥ
Vidhi gab ihnen Unbesiegbarkeit und Unverletzlichkeit
kālena bhārate janma pratimanvantareṣvapi
mit der Zeit Geburt in Bhārata, in jedem Manvantara
viprāryagurvādigosuradveṣiṇaḥ sadā
ewige Feinde der Brahmanen, Āryas, Lehrer, Kühe, Götter
chinnabhāgavateṣvalam
gänzlich abgeschnitten von den Viṣṇu-Verehrern

Ursprung der dämonischen Wesensklassen (Piśācas, Dānavas, Daityas, Rākṣasas, sowie Kali als Personifikation) mit dem Bhāgavata-feindlichen 'Auftrag', in jedem Zeitalter als Gegner von Brahmanen und Göttern wiedergeboren zu werden – theologische Begründung des Bösen in der Pāñcarātra-Kosmogonie.

praviśya buddhivyāmohaṃ kalpayitvā kvacit kvacit / yogyatātikramodbhūtapuṇyaṃ nāśayatheti ca // śarīratatvopādānasthitasarvottamān surān / sarver(va)tattvo(tvā)pacayagā bhavanto bhīṣayantyatha // pāpaduḥkhādi sambandho bhavatāṃ ca bhavediti / viṣṇuvismṛtiyuktānāṃ śarīreṣu sātāmapi // asatāṃ miśrabuddhīnām abhimānitvamastuvaḥ / mithyābhimānino daityāḥ devāstatvābhimāninaḥ // sarvatatveṣvatha kalirjīvamānī durāgrahāt / dehastha devatāḥ pūr(ṇar)vapuṇya(bhujaḥ)saukhyabhujaḥ kramāt // pāpaduḥkhabhujaścānye dehamānyubhayātmakāḥ / antarbahisthajīvānāṃ kiñciduḥkhaṃ bhavatyapi // daityāveśānna vāyorhi daityāveśaḥ kadācana / jīvamānyuttamo brahmā dehastho madhyamaḥ svayam // adhamastu kalirjīvamānyeva hi surāsurāḥ / iti tatvārthavitteṣāṃ brahmādāducitaṃ varam //

'Eindringend, hier und dort Verwirrung des Verstandes stiftend, / werdet ihr das aus der Überschreitung der [rechten] Eignung entstandene Verdienst vernichten' – so [wurde ihnen verheißen], / [dass sie] die als Stoffursache der Körperprinzipien fungierenden, vorzüglichsten Götter, / indem sie zu einer Verminderung aller Prinzipien führen, dann erschrecken werden, / '[so dass] auch euch eine Verbindung mit Sünde, Leid und dergleichen zuteilwerde' – [dies gilt] für die, die Viṣṇu vergessen haben, in [ihren] Körpern, auch bei den Guten. / Bei den Bösen, von gemischtem Verstand, besteht Selbst-Einbildung [in verschiedenem Maße]; die Daityas [haben] falsche Selbst-Einbildung, die Götter [haben] wahre Selbst-Einbildung [in Bezug auf ihre eigene Wesensnatur]. / Unter allen Prinzipien aber hält sich Kali, aus Starrsinn, [nur] für eine [gewöhnliche] Seele; / die im Körper weilenden Gottheiten genießen der Reihe nach volles Verdienst [und] Glück, / andere [aber] genießen Sünde und Leid, verkörpert, von beiderlei Natur; / für die innen und außen befindlichen Seelen gibt es auch etwas Leid. / Eine Dämonen-Besessenheit Vāyus [gibt es] nicht – niemals gibt es eine Dämonen-Besessenheit [bei ihm]; der Höchste, der sich [nur demütig] für eine Seele hält, [ist] Brahmā; der im Körper weilende mittlere [ist] er [Brahmā] selbst; / der Niedrigste aber [ist] Kali, der sich [wirklich, in Wahrheit] nur für eine Seele hält – so [verhält es sich mit] Göttern und Dämonen. So gab Brahmā denen, die die wahre Bedeutung der Prinzipien kannten, den angemessenen Gnadenlohn.

Wort für Wort
praviśya buddhivyāmohaṃ kalpayitvā
eindringend, Verwirrung des Verstandes stiftend
yogyatātikramodbhūtapuṇyaṃ nāśayatheti
'ihr werdet das aus Fitness-Überschreitung entstandene Verdienst vernichten'
śarīratatvopādānasthitasarvottamān surān bhīṣayantyatha
sie erschrecken die als Stoffursache fungierenden vorzüglichsten Götter
viṣṇuvismṛtiyuktānāṃ śarīreṣu
bei denen, die Viṣṇu vergessen haben, in ihren Körpern
mithyābhimānino daityāḥ devāstatvābhimāninaḥ
die Daityas falsch selbst-eingebildet, die Götter wahr selbst-eingebildet
kalirjīvamānī durāgrahāt
Kali hält sich aus Starrsinn für eine Seele
daityāveśānna vāyorhi daityāveśaḥ kadācana
eine Dämonen-Besessenheit Vāyus gibt es niemals
jīvamānyuttamo brahmā dehastho madhyamaḥ svayam
der Höchste, sich für Seele haltend, ist Brahmā; der mittlere er selbst
adhamastu kalirjīvamānyeva
der Niedrigste aber ist Kali, der sich wirklich nur für eine Seele hält

Zentrale doktrinelle Passage über die Grade der 'Selbst-Einbildung' (abhimāna) verschiedener Wesensklassen und die Unmöglichkeit einer dämonischen 'Besessenheit' (āveśa) Vāyus – im Unterschied zu Brahmā, der sich (aus Demut) für eine bloße Einzelseele hält, und Kali, der dies tatsächlich in Unwissenheit tut. Knüpft an die āveśa-Lehre aus Adh.11 (Teil 1) an. Sprachlich sehr komprimiert, mehrere Stellen [?].

śuddhodasāgarabahirmaharloke tadūrdhvataḥ / garbhodake tu(ca) daityānām āveśo nāsti sarvathā // etadanyatra daityānāṃ sthityai prādādvaraṃ vibhuḥ(dhiḥ) / dvādaśāṃśe tu(sa)tāmasyāḥ brahmāṇḍasthāmbunirgame // cintyatojasya vai ghrāṇāt ghroṇī rūpī babhūva ha / ghroṇī rūpī varāhātmā haristvavatatāra ca // sa tu śvetavarāhākhyaḥ brahmaṇā saṃ(yu)stuto 'sṛjat / yajñābhimānino yajñān mantratantrārtvigoṣadhīḥ // tiladarbhāśvapaśvājyahavīṃṣisamidhaḥ kramāt / satrāṇi somasadanaṃ rā(ra)mbhabhaiśyādikān vyadhāt // yupāgnīn spṛṣadājyaṃ ca phalānyapyasṛjatkiṭiḥ / tadā hayagrīvanāmā rākṣaso ghoradarśanaḥ // ajasya mukha(khya)tovyaktaṃ guruṃ vedābhimāninam / nigṛhyāgātradā vedāḥ apapāṭhatirohitāḥ // tadā prārthito maccharūpī jalamupāviśat / hatvā hayaśiraskantaṃ vedānuddharadīśvaraḥ // tadā dhātrārthitaścādisūkaroṇḍagataṃ jalam / aśāmayadbhuvamadholokāṃśca vimalān vyadhāt // sūryādayo grahāḥ sarve tadādyāḥ saprakāśakāḥ / tadādi kalpaṃ taṃ prāhuḥ vārāhamiti sajjanāḥ //

Außerhalb des Ozeans reinen Wassers, in Maharloka [und] darüber, / aber im Garbhodaka [-Ozean] gibt es überhaupt keine Dämonen-Besessenheit. Anderswo als dies gewährte der Mächtige den Daityas einen Gnadenlohn für [ihr] Bestehen; / im zwölften Abschnitt dieser [Nacht] aber, beim Herausströmen des im kosmischen Ei befindlichen Wassers, / entstand, aus der [meditierend] denkenden Nase des Unerschaffenen, ein rüsselförmiges [Wesen]; / rüsselförmig, von Varāha-Natur, stieg Hari [als Avatāra] herab. Er, der 'Weiße Eber' genannt, von Brahmā gepriesen, erschuf / die opferpräsidierenden Gottheiten der Opfer, Mantras, Ritualtechniken, Priester [und] Heilkräuter, / Sesam, heiliges Gras, Pferde, [Opfer-]Tiere, Ghee, Opfergaben [und] Brennholz der Reihe nach; / er machte Opfersitzungen, die Soma-Halle, und die [Klassen] Rambha, Vaiśya und dergleichen. / Den Opferpfahl, die Feuer, das berührte Ghee und auch Früchte erschuf der Eber ebenfalls; da [erschien] ein Rākṣasa namens Hayagrīva, schrecklich anzusehen, / [und] ergriff den aus des Unerschaffenen Mund manifest gewordenen, berühmten Lehrer, die präsidierende Gottheit der Veden; dadurch wurden die Veden, ihrer [rechten Rezitations-]Glieder beraubt, durch Falschlesung verborgen. / Da, angefleht, nahm [Hari] Fischgestalt an und stieg ins Wasser hinab; nachdem er den Pferdeköpfigen erschlagen hatte, holte der Herr die Veden zurück. / Da, vom Ordner [Brahmā] gebeten, beruhigte der ursprüngliche Eber das in das [kosmische] Ei gelangte Wasser und machte die Erde und die Unterwelten rein/makellos. / Sonne und die anderen Planeten, alle, wurden von da an leuchtend; seitdem nennen die Guten jenes [Weltzeitalter] das 'Vārāha' [Eber-]Kalpa.

Wort für Wort
garbhodake daityānām āveśo nāsti sarvathā
im Garbhodaka gibt es überhaupt keine Dämonen-Besessenheit
dvādaśāṃśe brahmāṇḍasthāmbunirgame
im zwölften Nachtabschnitt beim Herausströmen des Ei-Wassers
ghrāṇāt ghroṇī rūpī babhūva varāhātmā haristvavatatāra
aus der Nase entstand ein rüsselförmiges Wesen, Hari stieg als Varāha herab
śvetavarāhākhyaḥ yajñābhimānino yajñān asṛjat
der 'Weiße Eber' erschuf die opferpräsidierenden Gottheiten
hayagrīvanāmā rākṣaso vedābhimāninam nigṛhya
der Rākṣasa Hayagrīva ergriff die präsidierende Gottheit der Veden
vedāḥ apapāṭhatirohitāḥ
die Veden wurden durch Falschlesung verborgen
maccharūpī jalamupāviśat hatvā hayaśiraskantaṃ vedānuddharadīśvaraḥ
in Fischgestalt stieg er ins Wasser, erschlug den Pferdeköpfigen, holte die Veden zurück
sūkaroṇḍagataṃ jalam aśāmayad bhuvamadholokāṃśca vimalān vyadhāt
der Eber beruhigte das Ei-Wasser, machte Erde und Unterwelten rein
tadādi kalpaṃ taṃ prāhuḥ vārāhamiti
seitdem nennt man jenes Weltzeitalter das Vārāha-Kalpa

Zwei ineinander verschränkte Avatāra-Mythen: der Varāha- (Eber-)Avatāra, der die Opferordnung stiftet und das Weltenei-Wasser beruhigt, sowie – eingebettet – der Matsya- (Fisch-)Avatāra, der die vom Dämon Hayagrīva geraubten Veden zurückholt (bemerkenswerte Doppelrolle des Namens 'Hayagrīva' im Kapitel: zuvor als Erscheinungsform Haris gegen Madhu/Kaiṭabha, hier als gegnerischer Dämon).

rātrau trayodaśāṃśe tu purīṃ barhiṣmatīṃ vyadhāt / varāhātmāhyādimanorāvāsārthamaśeṣavit // tadaivāṣṭasvayaṃvyaktāḥ purāṇi vividhāni ca / nadyaśca devakhā(ghā)tāśca vanānyupavanāni ca // tadā sarvopayuktāni sarvatra vyasṛjadvidhiḥ / caturdaśāṃśe rātrestu dikpālān sarvalokagān // sarvatrājñāpayaddhikṣu vidikṣu ca yathākramam / tatprāgeva samutpannā brahmaṇā lokapālakāḥ // virāḍdehagatasturyo hyaniruddhā(kṣigo vibhuḥ)bhidho hariḥ / atalādiṣvayogyānāṃ sūkṣmāṇya(pya)jamadarśayat // (saṃ)sa tān padmajasambhūtaḥ(to) merumadhyasthakañjajaḥ / ūrdhvamudhṛtya ca sthūladehayuktāṃścatān punaḥ // tattallokeṣu saṃsthāpya mukhyaprāṇavaśān vyadhāt / tadā brahmavarodbhūto hiraṇyākṣo hi rākṣasaḥ // pañcabhūtāvarāṃ bhūmiṃ gṛhītvātha rasātalam / viveśa tanmocanāya varāhātmāṇḍajārthitaḥ // rasātalaṃ praviśyaiva mocayitvā bhuvaṃ tvaran / taṃ gadāpāṇinā(mā) kruddhaṃ prāpayitvaiva bhārata // yudhvā svaṃ daṃṣṭrāgrahataṃ kṛtvā taṃ narake vyadhāt / tato merugato dhātā savyātsvāyaṃbhuvaṃ vyadhāt //

Aber im dreizehnten Abschnitt der Nacht schuf er, der Allwissende, von Varāha-Natur, die Stadt Barhiṣmatī, zum Zweck der Behausung des ersten Manu. / Ebenso zugleich [entstanden] acht selbst-manifestierte [Heiligtümer] und mancherlei [andere] Städte, / und Flüsse, göttliche Teiche [?], Wälder und Haine. / Da erschuf Vidhi [Brahmā] überall alle nützlichen [Dinge]; im vierzehnten Abschnitt der Nacht aber die Weltenhüter [dikpālas], die zu allen Welten gehen, / wies er überall an, in den [Haupt-] und Zwischenrichtungen, jeweils der Ordnung nach; schon zuvor waren durch Brahmā die Weltenhüter [ursprünglich] entstanden. / Der vierte, im Virāṭ-Körper befindliche, nämlich der mächtige, Aniruddha genannte Hari, / zeigte dem Unerschaffenen die subtilen [Formen] der für Atala und die anderen [Unterwelten] geeigneten [Wesen]. / Er, der Lotosgeborene, in der Mitte Merus befindliche Lotos-Entsprossene, zog sie nach oben und stattete jene wiederum mit Grobstoffkörpern aus, / und, nachdem er sie in den jeweiligen Welten angesiedelt hatte, machte er sie dem Haupt-Prāṇa [Vāyu] untertan. Da [erschien], aus einer Gabe Brahmās entstanden, der Rākṣasa Hiraṇyākṣa; / nachdem er die Erde, niedriger als die [übrigen] fünf Elemente, ergriffen hatte, [zog er sie] nach Rasātala; / [Hari], von Varāha-Natur, vom Lotosgeborenen zu ihrer Befreiung angefleht, drang [dorthin] ein. / Er drang eben in Rasātala ein, befreite eilig die Erde, / brachte den erzürnten [Dämon] zum [Kampf mit] dem Keulenträger [oder: mit eigener Keule], o Bhārata, / kämpfte, durchbohrte ihn mit der Spitze [seines] eigenen Hauzahns, [und] warf ihn dann in die Hölle; / danach, nach Meru gegangen, erschuf der Ordner [Brahmā] aus seiner rechten Seite Svāyambhuva [Manu].

Wort für Wort
trayodaśāṃśe purīṃ barhiṣmatīṃ vyadhāt ādimanorāvāsārtham
im dreizehnten Nachtabschnitt schuf er die Stadt Barhiṣmatī für den ersten Manu
caturdaśāṃśe rātrestu dikpālān sarvalokagān
im vierzehnten Nachtabschnitt die Weltenhüter
virāḍdehagatasturyo aniruddhābhidho hariḥ
der vierte, im Virāṭ-Körper, Aniruddha genannte Hari
sūkṣmāṇyajamadarśayat
zeigte dem Unerschaffenen die subtilen Formen
ūrdhvamudhṛtya sthūladehayuktāṃścatān punaḥ
zog sie nach oben, stattete sie mit Grobkörpern aus
hiraṇyākṣo bhūmiṃ gṛhītvā rasātalam viveśa
Hiraṇyākṣa ergriff die Erde, zog sie nach Rasātala
varāhātmāṇḍajārthitaḥ rasātalaṃ praviśya mocayitvā bhuvaṃ
der Eber, vom Lotosgeborenen angefleht, drang ein und befreite die Erde
daṃṣṭrāgrahataṃ kṛtvā taṃ narake vyadhāt
durchbohrte ihn mit dem Hauzahn, warf ihn in die Hölle
dhātā savyātsvāyaṃbhuvaṃ vyadhāt
der Ordner erschuf aus der rechten Seite Svāyambhuva [Manu]

Fortsetzung der Weltordnung (Stadt Barhiṣmatī, Weltenhüter/Dikpālas, Besiedlung der Unterwelten) und der klassische Hiraṇyākṣa-Varāha-Mythos (der Dämon zieht die Erde in die Unterwelt, Varāha rettet und tötet ihn), gefolgt vom Übergang zur Erschaffung des ersten Menschen-Stammvaters Svāyambhuva Manu aus Brahmās rechter Körperseite.

dehāpasavyatastasya śatarūpāṃ satīṃ vyadhāt / bhugudakṣamarīcyādīn tapase(sa)manumādimam // āhūyājaḥ prāhasṛṣṭiṃ bṛṃhaṇāya satāṃ gatiḥ / śatarūpā patiḥ prāha tapastaptvā sudāruṇam // varāhoddhāraṇāptaśca kiyatkālaṃ vicakṣaṇaḥ / varāddhareśca strīpuṃso yogātsyaiṣvividhīritām // stripuṃsayogādbhāvyaṃ ca sṛṣṭimetāṃ vidhīritām / sṛtvā tasyāmajanayat putrau dvau lokaviśrutau // priyavratottānapādau tisraḥ kanyāśca sattamaḥ / ākūtirdevahūtiśca prasūtiriti viśrutāḥ // tatrādyāyāmṛcerjajñe yajñanāmā ramāpatiḥ / tenaiva saha sambhūtā dakṣiṇā nāmikā ramā // ajāvayonijau dvāvaprākṛtadehayutau parau / putrikāputradharmeṇa yajñamātmasutaṃ manuḥ // cakāra dakṣiṇā yajñe dakṣiṇāmāninī ca sā / tuṣitā nāma tatputrāḥ sambabhūvuḥ surottamāḥ //

Aus der linken Seite seines [Brahmās] Körpers erschuf er die tugendhafte Śatarūpā; [er entbot] Bhṛgu, Dakṣa, Marīci und die anderen zur Askese für den ersten Manu. / Der Unerschaffene, herbeigerufen, sprach von der Schöpfung, zur Vermehrung [der Wesen, er, der] die Zuflucht der Guten [ist]; Śatarūpās Gatte [Manu] sprach, nachdem er höchst strenge Askese geübt hatte, / und, durch die Befreiung [der Erde] durch Varāha begünstigt, der Kluge, einige Zeit [lang] – / durch einen Gnadenlohn Haris wurde die Vereinigung von Frau und Mann [als Mittel der Fortpflanzung] für [künftige Wesen] verschiedener Art angeordnet. / Dass aus der Vereinigung von Frau und Mann künftig diese [Art der] Schöpfung entstehen solle, wurde so angeordnet; nachdem er sich mit ihr [Śatarūpā] vereinigt hatte, zeugte er mit ihr zwei weltberühmte Söhne, / Priyavrata und Uttānapāda, und drei Töchter, der Vortrefflichste [Manu, zeugte auch] / bekannt als Ākūti, Devahūti und Prasūti. Bei der ersten [Tochter, Ākūti], wurde durch [den Weisen] Ruci der Herr der Ramā [Lakṣmī], mit Namen 'Yajña' [Opfer], geboren; / zusammen mit eben ihm entstand [seine Gemahlin], Ramā, mit Namen Dakṣiṇā, / die beiden, nicht aus einem Mutterschoß geboren, höchste [Wesen], mit übernatürlichen [aprākṛta] Körpern versehen. Nach dem Brauch des 'Tochtersohnes' [putrikā-putra] betrachtete Manu Yajña als seinen eigenen Sohn; / Dakṣiṇā, sich [wahrhaft] als Dakṣiṇā [die Opfergabe/Gemahlin] verstehend, wirkte [mit] beim Opfer; ihre Söhne, genannt die Tuṣitas, wurden zu vorzüglichen Göttern.

Wort für Wort
dehāpasavyatastasya śatarūpāṃ satīṃ vyadhāt
aus seiner linken Körperseite erschuf er die tugendhafte Śatarūpā
bhugudakṣamarīcyādīn tapase manumādimam
er entbot Bhṛgu, Dakṣa, Marīci u.a. zur Askese für den ersten Manu
varāddhareśca strīpuṃso yogātsyaiṣvividhīritām
durch Haris Gnade wurde die Vereinigung von Frau und Mann angeordnet
putrau dvau lokaviśrutau priyavratottānapādau
zwei weltberühmte Söhne, Priyavrata und Uttānapāda
tisraḥ kanyāśca ākūtirdevahūtiśca prasūtiriti
und drei Töchter: Ākūti, Devahūti, Prasūti
ādyāyāmṛcerjajñe yajñanāmā ramāpatiḥ
bei der ersten wurde durch Ruci der 'Yajña' genannte Herr der Ramā geboren
putrikāputradharmeṇa yajñamātmasutaṃ manuḥ
nach dem Tochtersohn-Brauch betrachtete Manu Yajña als eigenen Sohn
tuṣitā nāma tatputrāḥ sambabhūvuḥ surottamāḥ
ihre Söhne, die Tuṣitas, wurden vorzügliche Götter

Geburt des ersten Menschen-Stammvaters Svāyambhuva Manu und seiner Gattin Śatarūpā aus Brahmās Körperseiten, Einführung der geschlechtlichen Fortpflanzung als Schöpfungsmittel, und die Geburt ihrer Kinder (Priyavrata, Uttānapāda, Ākūti, Devahūti, Prasūti) – Ausgangspunkt der folgenden ausführlichen Genealogie.

tattvābhimāninaḥ(tairnīcātātvikāḥ) sarve babhūvuḥ navakoṭayaḥ / ākūterdevahūteśca prasūtiranujātuyā // dakṣasyā sasatī tasmātasyāṃ ṣoḍaśakanyakāḥ / abhavannarkaputrasya dharmasyaiva trayodaśa // putryastvekāgnaye dattā tasyāṃ tretā(tatrā)gnayobhavan / āhvanīyogarhapatyo dakṣiṇāgniriti trayaḥ // teṣāmekā dakṣasutā bhāryā(dattā) tasyāṃ tribhiḥ kramāt / pṛthak pṛthak pañcadaśaputrā agnisvarūpakāḥ // āsannādyā yajñabhujo madhyamā havyabhojinaḥ / antyāḥ kavyabhujaḥ pūrvai pañcāśatsaṃmitāgnayaḥ // ekanyūnā dakṣasutā jyeṣṭhā dattā śivasya tu / dharmān varūtvatī putrān pañcāśanmaruto 'sṛjat // viśvedaśāsan viśvāyāṃ vasavauṣṭau vasūdbhavāḥ / rudrā asaṃsmarudrāṇyāṃ bhūtāyāṃ bhūtanā(ya)makāḥ // upadevāśca sādhyāyām anyāsvapi ca dharmataḥ / upadevāśca devāśca babhūvurhi bahuprajāḥ // dharmasya te padasthāśca sarve(sarga)vāsocitā matāḥ / tadutthitāśca bhāvīnāḥ prāyaśo hyaparokṣiṇaḥ // prāguktāstātvikāścaikarūpeṇa bhuvi bhārate / uṣitvā bhāvisatkarmajñānabhaktyādi kāṅkṣiṇaḥ // śubhāśubhaṃ ca prārabdhaṃ bhoktuṃ yogyāstato bhavat / te ca dvīpādri varṣeṣu bhārate(tā)nyeṣu sarvaśaḥ // suprārabdhyaika bhogārhāḥ dharmādharmotthasambhavāḥ / āsan devāśca pūrvoktā hyaparokṣya naparokṣiṇaḥ // satsādhanaṃ bhāratesmin kartumarhāḥ surottamaiḥ / (tya)vyaktāparokṣibhirjātāḥ sadaivāsan harīcchayā // priyavratotthānapādau tayo(po) niṣṭhau babhūvatuḥ / niśā caturdaśāṃśe tu sṛṣṭireṣā sumerugāḥ //

Alle, die sich mit ihrem [göttlichen] Prinzip identifizierten, wurden neun Crore [an Zahl]; jünger als Ākūti und Devahūti war Prasūti. / Sie wurde Dakṣas Gattin; von ihr [wurden] sechzehn Töchter [geboren]; dreizehn [davon] wurden [Gattinnen] des Dharma, des Sohnes der Sonne [Arka]. / Eine Tochter aber wurde dem Feuer [Agni] gegeben; aus ihr entstanden drei Feuer: / Āhavanīya, Gārhapatya [und] Dakṣiṇāgni – diese drei. / Eine Tochter Dakṣas wurde die Gattin dieser [drei Feuer]; von ihr [wurden], durch die drei der Reihe nach, / je fünfzehn Söhne geboren, von feuerhafter Natur, einzeln [je Feuer]. / Die ersten [Söhne] waren Genießer des Opfers, die mittleren Genießer der Opfergaben [an Götter], / die letzten Genießer der Ahnenopfer; mit den früheren [drei Feuern zusammen ergab dies] fünfzig [?] Feuer insgesamt. / Um eine [Zahl] vermindert [waren] Dakṣas Töchter; die älteste wurde Śiva gegeben; [eine andere, namens?] Varūtvatī gebar dem Dharma fünfzig Marut-Söhne [?, Vers unsicher]. / Die Viśvedevas herrschten, [geboren] aus Viśvā; die acht Vasus, aus Vasu entstanden; / die Rudras aus [der Gattin] 'Asaṃsmā' [?] Rudrāṇī, aus Bhūtā die Bhūta-genannten [Wesen]. / Und die Upadevas aus Sādhyā; und auch bei den anderen [Gattinnen], gemäß dem Dharma, / entstanden Upadevas und Devas, fürwahr mit zahlreicher Nachkommenschaft. / Sie, in Dharmas Position/Rang stehend, alle als der Schöpfung/dem Wohnen angemessen erachtet, / und die aus ihnen Entstandenen, [als] zukünftige, [waren] meist indeed nicht-unmittelbar [wahrnehmbar, ?]. / Die zuvor genannten 'wesenhaften' [Wesen], in einheitlicher Form, auf Erden, in Bhārata[varṣa], / nachdem sie [dort] gewohnt hatten, künftiges gutes Karma, Wissen, Hingabe und dergleichen begehrend, / wurden geeignet, das bereits begonnene Gute und Schlechte zu genießen; und sie, über die Kontinente, Berge [und] Länder [varṣas], in Bhārata und den anderen, überall, / geeignet für den Genuss allein des wohlbegonnenen [Karmas], aus Dharma und Adharma entstanden, / waren, und die zuvor genannten Götter, [teils] fürwahr nicht-unmittelbar, [teils] nicht nicht-unmittelbar [wahrnehmbar]. / Um in diesem Bhārata[varṣa] das wahre Mittel [der Erlösung] zu vollziehen, geeignet durch die vorzüglichen Götter, / durch das Unmanifeste [und] Nicht-Unmittelbare geboren, existierten sie stets, durch Haris Willen. / Priyavrata und Uttānapāda, deren [jeweilige] Grundlagen kamen zustande; / im vierzehnten Abschnitt der Nacht aber – dies [war] die Schöpfung um den Berg Sumeru.

Wort für Wort
tattvābhimāninaḥ sarve babhūvuḥ navakoṭayaḥ
alle sich mit ihrem Prinzip Identifizierenden wurden neun Crore
dakṣasyā sasatī tasmātasyāṃ ṣoḍaśakanyakāḥ
sie wurde Dakṣas Gattin; von ihr sechzehn Töchter
putryastvekāgnaye dattā tasyāṃ tretāgnayobhavan
eine Tochter dem Feuer gegeben, daraus drei Feuer
ekanyūnā dakṣasutā jyeṣṭhā dattā śivasya
um eins vermindert Dakṣas Töchter, die älteste Śiva gegeben
viśvedaśāsan viśvāyāṃ vasavauṣṭau vasūdbhavāḥ
die Viśvedevas aus Viśvā, die acht Vasus aus Vasu
upadevāśca devāśca babhūvurhi bahuprajāḥ
Upadevas und Devas entstanden mit zahlreicher Nachkommenschaft
prāguktāstātvikāścaikarūpeṇa bhuvi bhārate uṣitvā
die wesenhaften Wesen, in einheitlicher Form, in Bhārata wohnend
śubhāśubhaṃ prārabdhaṃ bhoktuṃ yogyāstato bhavat
sie wurden geeignet, das begonnene Gute und Schlechte zu genießen
satsādhanaṃ bhāratesmin kartumarhāḥ
geeignet, in Bhārata das wahre Erlösungsmittel zu vollziehen
priyavratotthānapādau tayo niṣṭhau babhūvatuḥ
Priyavrata und Uttānapāda, deren Grundlagen kamen zustande
niśā caturdaśāṃśe tu sṛṣṭireṣā sumerugāḥ
im vierzehnten Nachtabschnitt war dies die Schöpfung um Sumeru

Abschließende, sehr dichte genealogische Passage (Dakṣas Töchter, die drei Opferfeuer, Marut/Vasu/Rudra/Sādhya/Viśvedeva-Götterklassen aus Dharmas Gattinnen) sowie eine zusammenfassende theologische Reflexion über die Bestimmung der 'wesenhaften' Seelen zur Erlösung in Bhārata[varṣa] – Abschluss der vierzehnteiligen Nacht-Schöpfungsabfolge ('sṛṣṭireṣā sumerugāḥ'). Mehrere genealogische Details (bes. V.89-90) bleiben in ihren genauen Zahlen-/Namensbezügen unsicher [?].

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