Paṭala 4: Caturtho 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ)
Vierter Adhyāya – Urnatur (Prakṛti/Avyakta), das innere Organ, die Sinne, die Lehre vom Klang, und die Einteilung der Purāṇas
Vierter Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā (Pāñcarātra), gelehrt von Śrī Haṃsa. Beschreibung der Urnatur (Prakṛti/Avyakta/Pradhāna) mit ihren vielen Namen und ihrer Dreiteilung nach den Guṇas (V.1-10); das vierfache innere Organ (Manas/Buddhi/Ahaṅkāra/Citta) mit seinen jeweiligen charakteristischen Fehlern, und der Weg der Reinigung des Citta durch Gurudienst und Schriftstudium zur Entfaltung wesenseigener Erkenntnis und Hingabe (V.11-21); die übersinnlichen wahren Sinnesvermögen und die Lehre vom zweifachen Klang – vergänglicher Geräuschklang (dhvani) und ewiger, substantieller Lautklang (varṇa), worauf die Apauruṣeyatva (Nicht-Menschengemachtheit) der Veden gegründet wird (V.22-28); Abgrenzung der von Menschen verfassten, aber wahrheitsgetreuen Purāṇas, mit der traditionellen Dreiteilung in sechs sāttvika, sechs rājasa und sechs tāmasa Purāṇas (V.29-38, die genannten Werke weichen in Details von der geläufigsten Standardliste ab, [Anm.] vermerkt); Abschlusslehre zur rechten, autoritätsgeleiteten Schrifthermeneutik und zur Hingabe an Hari als Weg zur Befreiung (V.39-42). Ein Vers (V.6) trägt im Quelltext dieselbe Zählnummer wie sein Vorgänger (Zählfehler der Quelle). Quelle: GRETIL prakassu.htm (Sansknet-Projekt, keine benannte moderne kritische Edition – gemeinfrei nutzbar).
sūkṣmaṃ sarvajagadbījaṃ mitaṃ trātaṃ ca viṣṇunā / pradhānamavyaktamiti yadvadanti manīṣiṇaḥ
Der feinstoffliche Same der ganzen Welt, von Viṣṇu bemessen und behütet – das, was die Weisen 'Pradhāna' [Urstoff] [oder] 'Avyakta' [das Unentfaltete] nennen,
mahāmāyetyavidyeti prakṛtirmohinīti ca / triguṇātmakamavyaktaṃ trirūpaṃ tattriśaktimat
– [wird auch] 'Mahāmāyā', 'Avidyā' [Unwissenheit] und 'die verwirrende Urnatur' (prakṛti mohinī) [genannt]; das aus den drei Guṇas bestehende Unentfaltete ist dreigestaltig, von dreifacher Kraft.
Man kennt sie auch als den Samen von Unwissenheit, Begierde, Karma und dergleichen; behütet bei der Auflösung, [entfaltet] bei der Schöpfung – [so waltet Viṣṇu], von zugleich atomkleiner und unendlicher Wesensnatur.
Wort für Wort
avidyā-kāma-karma-ādi bījam iti
als der Same von Unwissenheit, Begierde, Karma und dergleichen
api tām viduḥ
kennt man sie auch
rakṣitam pralaye sṛṣṭau eva
behütet bei der Auflösung, [entfaltet] bei der Schöpfung
aṇu-ananta-svarūpavān
von zugleich atomkleiner und unendlicher Wesensnatur
[?] Satzbau/Bezug der letzten Zeile unsicher; sinngemäß auf Viṣṇu als Behüter der Prakṛti bezogen.
[Sie wird genannt] auch 'der anfangslose Knoten des Karma', 'Bindung' und 'die Bindende'; 'ungeboren' (ajā), 'keinem anderen [als Viṣṇu] unterworfen', 'mit sechzehn Kalās [Anteilen] versehen',
'aus heftigem Leid bestehend', 'die verschiedene Mutterleiber verschafft' – so wird sie beschrieben; [auch beschrieben als] 'kokosnussförmig', 'aus drei [konzentrischen] Umschließungen bestehend',
Wort für Wort
tīvra-duḥkha-ātmakām
'aus heftigem Leid bestehend'
nānā-yoni-prāpakam īritam
'die verschiedene Mutterleiber verschafft', so beschrieben
'am Scheitel mit einer Öffnung versehen', 'göttlich', 'stets strahlend wie ein Juwel' – von Viṣṇu gemeinsam mit Ramā verhüllt, gleich einem Hohlraum, dessen [sonst] offener Innenraum verschlossen ist.
Wort für Wort
mūrdhni-cchidra-yutam divyam
'am Scheitel mit einer Öffnung versehen', 'göttlich'
ratnavat bhāsvaram sadā
'stets strahlend wie ein Juwel'
viṣṇunā ramayā ācchannā
von Viṣṇu gemeinsam mit Ramā verhüllt
chidra-garbha-avakāśavat
gleich einem Hohlraum mit [sonst] offenem Innenraum
[Anm.] Im Quelltext trägt dieser Vers dieselbe Zählnummer 'PS_1,4.5' wie der vorangehende (offensichtlicher Zählfehler der Quelle, logisch müsste er '4.6' lauten); hier fortlaufend als Einheit 6 gezählt.
Bei Schöpfung und Auflösung betrachtet Ramā es [das Unentfaltete] ununterbrochen als das Ihre; allein bei der Schöpfung betrachten [auch] Brahmā und Vāyu, mitsamt ihren Gattinnen, es [in ihrem jeweiligen Bereich] als das Ihre.
Wort für Wort
sṛṣṭau laye ramā tasya
bei Schöpfung und Auflösung betrachtet Ramā es
māninī ca nirantaram
ununterbrochen als das Ihre
sṛṣṭau eva brahma-vāyū
allein bei der Schöpfung Brahmā und Vāyu
sa-bhāryau abhimāninau
mitsamt ihren Gattinnen, es als das Ihre betrachtend
[?][Anm.] Bezieht sich vermutlich auf Brahmā und Vāyu als (neben Rudra) mit-zuständige Gottheiten für Aspekte der Urnatur/Guṇas; Einzelheiten unsicher.
Die 'die fünf Elementarstoffe' (tanmātra) genannten Vermögen gehören zum Tamas-Teil; das Vermögen 'Geist' (manas), zum Sattva-Teil gehörig, ist das vornehmste von allen.
Manas, Buddhi, Ahaṅkāra und Citta – so [ist das innere Organ] vierfach. [Fehler des Geistes sind:] Begierde, Zorn, große Gier, Hochmut, Neid, Verblendung,
Wort für Wort
manaḥ buddhiḥ ahaṅkāraḥ cittam ca
Manas, Buddhi, Ahaṅkāra und Citta
iti caturvidham
so vierfach
kāma-krodha-mahālobha-mada-mātsarya-mohakāḥ
Begierde, Zorn, große Gier, Hochmut, Neid, Verblendung
Hass, Falsches Ich-Empfinden, das 'Mein'-Gefühl, Eifersucht, Missgunst, Furcht und dergleichen – dies sind die Fehler des Geistes; [ein Geist,] frei davon, ist das Mittel zur [wahren] Erkenntnis des Geistes.
Wort für Wort
dveṣa-ahaṅkāra-mamakāra-īrṣyā-asūyā-bhaya-ādayaḥ
Hass, falsches Ich-Empfinden, Mein-Gefühl, Eifersucht, Missgunst, Furcht und dergleichen
manaḥ-doṣāḥ
die Fehler des Geistes
tad-vihīnam manaḥ-jñānāya sādhanam
frei davon, ist das Mittel zur Erkenntnis des Geistes
manaścaturvidhaṃ nityaṃ jaḍaprakṛtigaṃ matam / tajjanyamapyanityaṃ syāttatra cittaṃ na doṣayuk
Der vierfache Geist [als solcher] gilt als ewig, zur leblosen Urnatur gehörig; das aus ihm Entstandene [seine Einzelregungen] aber sei unbeständig; darunter ist Citta [allein] nicht fehlerbehaftet.
Wort für Wort
manaḥ catur-vidham nityam
der vierfache Geist [als solcher gilt als] ewig
jaḍa-prakṛti-gam matam
zur leblosen Urnatur gehörig, gilt
tat-janyam api anityam syāt
das aus ihm Entstandene aber sei unbeständig
tatra cittam na doṣa-yuk
darunter ist Citta nicht fehlerbehaftet
[?] Genaue Abgrenzung zwischen dem 'ewigen' vierfachen Geist und seinen 'unbeständigen' Einzelregungen im Quelltext knapp/unklar formuliert.
ahaṅkāraḥ pumarthānāṃ ghātakaḥ sottamaiḥ saha / spardhāṃ viṣṇusuradveṣaṃ kalpayatyapi sarvaśaḥ
Ahaṅkāra ist der Zerstörer der [wahren] Ziele des Menschen (puruṣārtha); er ersinnt auch, in jeder Weise, Rivalität mit den Höherstehenden und sogar Hass gegen Viṣṇu und die Götter.
Citta lenkt den Menschen beständig zu den wahren Mitteln [der Erlösung]; [doch selbst] das wahre Mittel wird, von Ahaṅkāra durchsetzt, zu nichts als Sünde.
Wort für Wort
cittam sat-sādhana-gatam karoti puruṣam sadā
Citta lenkt den Menschen beständig zu den wahren Mitteln
Jenes von Ahaṅkāra freie Citta ist das Mittel zur [wahren] Erkenntnis – so, wie [eine Seele], im Land Bhārata verortet, einen menschlichen Körper [erlangt hat],
...[und diesen] erlangt hat, [nachdem sie] durch viele gute [frühere] Geburten den Aufenthalt in einer Lehrerfamilie (gurukula) erlangt hat, nachdem sie dem Selbst gemäße gute Taten vollbracht hat, durch den so erlangten Dienst an einem wahren Guru,
Wort für Wort
labdhvā gurukula-āvāsam
den Aufenthalt in einer Lehrerfamilie erlangt habend
kṛtvā aneka-su-janmabhiḥ
durch viele gute [frühere] Geburten
kṛtvā ātma-yogya-sat-karma
dem Selbst gemäße gute Taten vollbracht habend
labdha-sat-guru-sevayā
durch den so erlangten Dienst an einem wahren Guru
...belehrt von [Lehrern,] die [mit ihr] zufrieden sind, durch ausgiebiges Hören der wahren Schriften und dergleichen – jenes [gereinigte Citta] verleiht die Erkenntnis der [hingebungsvollen] Gesinnung (vṛtti) und bewirkt [wahre] Gesinnung, Hingabe und so fort.
Wort für Wort
prasannaiḥ upadiṣṭā uru
belehrt von den zufriedenen [Lehrern], ausgiebig
sat-śāstra-śravaṇa-ādibhiḥ
durch das Hören wahrer Schriften und dergleichen
vṛtti-jñāna-pradam tat ca
und jenes verleiht die Erkenntnis der [hingebungsvollen] Gesinnung
tābhyāṃ svārūpikajñānabhaktirvyaktirbhaviṣyati / svārūpikaṃ mano nityaṃ tataḥ svārūpikī matiḥ
Durch diese beiden [Mittel] wird die Erscheinung wesenseigener Erkenntnis und Hingabe eintreten; [aus] dem [so gereinigten,] ewig wesenseigenen Geist [entspringt] daraufhin eine wesenseigene Einsicht.
indriyāṇāṃ golakāni dṛśyānyāhuḥ samagraśaḥ / atīndriyāṇīndriyāṇi jñānakarmamayāni ca
Man sagt, dass die sichtbaren 'Kugeln/Fassungen' (golaka) der Sinnesorgane [nur deren äußere Hülle] insgesamt seien; die [wahren] Sinne aber, der Erkenntnis wie der Handlung, sind übersinnlich (atīndriya).
Gehör, Tastsinn, Sehen, Schmecken, Riechen und die übrigen sind die Erkenntnisvermögen; Sprache, Hände, Füße, After und Geschlechtsorgan sind, sie alle, die Handlungsvermögen.
Wort für Wort
śrotra-tvak-netra-rasana-ghrāṇa-ādyāḥ
Gehör, Tastsinn, Sehen, Schmecken, Riechen und die übrigen
Das Gehör ist das, was Klang erfasst. Klang wird als zweifach verkündet: Klang, der aus bloßem Geräusch (dhvani) besteht, und Klang, der aus Lauten/Phonemen (varṇa) besteht – von diesen ist der erstgenannte der ursprüngliche.
Wort für Wort
śrotram śabda-grāhi
das Gehör ist das, was Klang erfasst
śabdaḥ dvividhaḥ parikīrtitaḥ
Klang wird als zweifach verkündet
śabdaḥ dhvani-ātmakaḥ varṇa-ātmakaḥ ca iti
Klang, aus Geräusch bestehend, und aus Phonemen bestehend
Die Erkenntnis- und Handlungssinne, der Geist und die feinstofflichen Elemente sind [je nach ihrem Grundtypus] fürwahr anfangslos und ewig; [in ihren jeweiligen Einzelinstanzen aber,] bei der Schöpfung [neu] erschaffen, werden sie als unbeständig verkündet.
Wort für Wort
jñāna-karma-indriya-manaḥ-mātrāḥ
die Erkenntnis- und Handlungssinne, der Geist, die feinstofflichen Elemente
sūkṣmāḥ hi anādayaḥ nityāḥ ca
sind fürwahr anfangslos und ewig
pralaye sṛṣṭau anityāḥ te prakīrtitāḥ
bei Auflösung [und] Schöpfung werden sie als unbeständig verkündet
Der Klang aber, der aus Phonemen besteht, ist ewig, allgegenwärtig, alldurchdringend; er ist, nach [unserer] Lehre, geradezu eine Substanz (dravya), keiner richtigen Lehre nach [nur] eine Eigenschaft (guṇa).
Wort für Wort
varṇa-ātmakaḥ tu yaḥ śabdaḥ
der Klang aber, der aus Phonemen besteht
nityaḥ sarvagataḥ vibhuḥ
ist ewig, allgegenwärtig, alldurchdringend
dravyam iti eva sarveṣām
ist geradezu eine Substanz, nach [unserer] Lehre
na guṇaḥ kasyacit mate
keiner [richtigen] Lehre nach [nur] eine Eigenschaft
Die Veden sind, dem Wort, dem Phonem, dem Klang und ebenso dem [Vedischen] Akzent nach, allesamt anfangslos [und] ewig, [und] besitzen die Fülle der Eigenschaft des Nicht-von-Menschen-Gemachtseins (apauruṣeyatva).
Wort für Wort
vedāḥ padāt varṇataḥ ca śabdataḥ svarataḥ tathā
die Veden, dem Wort, dem Phonem, dem Klang und dem Akzent nach
anādi-nityāḥ te sarve api
sind allesamt anfangslos und ewig
apauruṣeya-guṇa-utkarāḥ
besitzen die Fülle der Eigenschaft des Nicht-Menschengemachten
viṣṇormāhātmyavijñaptau satprameye ca sādhakāḥ / śāstrāṇica purāṇāni pauruṣeyāṇi kṛtsnaśaḥ
Was aber die Kundgabe von Viṣṇus Größe und [was] als Mittel zum wahren Erkenntnisgegenstand betrifft – [dafür gibt es auch andere] Lehrschriften (śāstra) und Purāṇas, [welche] durchweg von Menschen gemacht (pauruṣeya) sind,
...wahrheitsgemäß verfasst von Hari selbst und von den Götterweisen; ihrem Inhalt nach sind sie fürwahr ewig, [doch] durch die [je besondere] Abfolge ihrer Laute/Worte sind sie unbeständig.
Wort für Wort
yathārthāni praṇītāni hariṇā atha surarṣibhiḥ
wahrheitsgemäß verfasst von Hari selbst und von den Götterweisen
sātvikāni purāṇāni manvādi smṛtayastathā / yathārtha eva tatroktaṃ grāhyaṃ śrīharitatparaiḥ
Die sāttvika Purāṇas, und ebenso die mit [den Gesetzbüchern] Manus beginnenden Smṛtis – nur was darin wahrheitsgemäß gesagt ist, ist von den Śrī Hari Ergebenen anzunehmen.
vārāhaṃ vaiṣṇavaṃ pādmaṃ vāyuproktaṃ ca gāruḍam / śrīmadbhāgavataṃ caiva sātvikānīti hi śrutiḥ
Das Vārāha[-Purāṇa], das Vaiṣṇava, das Pādma, das von Vāyu verkündete, und das Gāruḍa, und ebenso das ehrwürdige Bhāgavata – diese, so lehrt fürwahr die Überlieferung, sind die sāttvika [Purāṇas].
Wort für Wort
vārāham vaiṣṇavam pādmam
das Vārāha, das Vaiṣṇava, das Pādma
vāyu-proktam ca gāruḍam
das von Vāyu verkündete, und das Gāruḍa
śrīmat-bhāgavatam ca eva
und ebenso das ehrwürdige Bhāgavata
sātvikāni iti hi śrutiḥ
sind die sāttvika, so lehrt fürwahr die Überlieferung
[Anm.] Die klassische Sechser-Liste der sāttvika Mahāpurāṇas nennt meist Viṣṇu-, Nāradīya-, Bhāgavata-, Garuḍa-, Padma- und Varāha-Purāṇa; hier erscheint statt des Nāradīya das 'von Vāyu verkündete' (vāyuproktam) – Bezeichnung im Detail unsicher, evtl. eigenständige Zählweise dieser Saṃhitā.
brahmāṇḍaṃ brahmavaivartaṃ mārkaṇḍeyaṃ ca vāmanam / bhaviṣyaṃ nārasiṃhaṃ ca rājasāni ṣaḍaiva hi
Das Brahmāṇḍa, das Brahmavaivarta, das Mārkaṇḍeya und das Vāmana, das Bhaviṣya und das Nārasiṃha – diese sechs allein, fürwahr, sind die rājasa [Purāṇas].
Das Matsya, das Kaurma, ebenso das Liṅga, das Śaiva, und ebenso das Skānda, und das 'Pāśupata' genannte – diese kennen die Kenner als die tāmasa [Purāṇas].
Wort für Wort
mātsyam kaurmyam tathā laiṅgyam
das Matsya, das Kaurma, ebenso das Liṅga
śaivam skāndam tathā eva ca
das Śaiva, und ebenso das Skānda
pāśupata-saṃjñikam ca iti
und das 'Pāśupata' genannte
tāmasāni vidaḥ viduḥ
kennen die Kenner als die tāmasa
[?] 'Pāśupata' als eigenständiges Purāṇa neben Śaiva ungewöhnlich gegenüber der Standard-Liste der 18 Mahāpurāṇas (dort meist Agni statt einer Doppelung von Śaiva/Pāśupata); möglicherweise eine dieser Saṃhitā eigentümliche oder lokale Zählung.
Alles in den sāttvika [Purāṇas] Gesagte ist anzunehmen, sei es durch [direkte] Verbindung [des Sinns] oder durch Unterscheidung; im Falle eines Widerspruchs zum Veda oder zu dem, was dem Veda entspricht, ist eine andere Bedeutung zu erschließen.
Wort für Wort
grāhyam sarvam sātvika-uktam
alles in den sāttvika [Purāṇas] Gesagte ist anzunehmen
yojanā bhedataḥ athavā
sei es durch Verbindung oder durch Unterscheidung
veda-veda-anusāreṣu virodhe
im Falle eines Widerspruchs zum Veda oder zum Vedakonformen
Die übrigen, [dem Veda] widersprechenden [Aussagen], die auch aus Täuschung [oder] Irrtum entstehen können, [finden sich] selbst in den von Vyāsa gesprochenen Purāṇas, selbst in den durchweg sāttvika [unter ihnen].
Wort für Wort
itarāṇi viruddhāni
die übrigen, widersprechenden [Aussagen]
pralambha-bhrama-jāni api
auch aus Täuschung, Irrtum entstehend
vyāsa-uktāni purāṇāni
[finden sich] in den von Vyāsa gesprochenen Purāṇas
Hier und da [enthalten] die Purāṇas auch [Abschnitte,] die vorwiegend [nur weltliches] Wissen vermitteln, [Aussagen,] die endlos oft von anderen, unter dem Einfluss dämonischer Besessenheit, hinzugefügt wurden,
Wort für Wort
kvacit kvacit purāṇāni
hier und da die Purāṇas
prāyaḥ jñāna-karāṇi api
auch vorwiegend [nur weltliches] Wissen vermittelnd
śrotrāgrāhyāṇi santyeva apramāṇāni tānyalam / paraśuklatrayoktāni nityaṃ viṣṇvājñayaiva tu
...[solche Abschnitte,] die zwar mit dem Ohr wahrnehmbar, [aber] ohne [schriftliche] Autorität sind, gibt es fürwahr – genug davon! Was aber von der höchsten reinen Dreiheit [der wahren Quellen] gesagt ist, ist ewig, einzig durch Viṣṇus Gebot.
Wort für Wort
śrotra-agrāhyāṇi santi eva
[solche], mit dem Ohr [zwar] wahrnehmbaren, gibt es fürwahr
apramāṇāni tāni alam
[aber] ohne Autorität, genug davon
para-śukla-traya-uktāni
was von der höchsten reinen Dreiheit gesagt ist
nityam viṣṇu-ājñayā eva tu
ist ewig, einzig durch Viṣṇus Gebot
[?] 'paraśuklatrayoktāni' ('von der höchsten reinen Dreiheit gesagt') unklar – möglicher Verweis auf drei als besonders rein geltende Quellen (etwa Veda, sāttvika Purāṇa, Pāñcarātra-Āgama), im Quelltext nicht näher spezifiziert.
[Die wahrhaft maßgeblichen Aussagen sind] von höchster Autorität, durch den Ausschluss von Unwissenheit und dergleichen, die aus dämonischer Besessenheit stammt; Taubheit und dergleichen sind Fehler des Gehörs – durch von solchen Fehlern freie Sinnesorgane [wird die wahre Lehre vernommen].
Wort für Wort
ati-pramāṇāni
von höchster Autorität
daitya-āveśa-ajñāna-ādi varjanāt
durch den Ausschluss von aus dämonischer Besessenheit stammender Unwissenheit und dergleichen
etāni viṣayāṇyāhuḥ śrotavyāni sahasraśaḥ / śabdadoṣavihīnāni grāhyāṇi manasā saha
Diese werden als die [rechten] Gegenstände bezeichnet, die tausendfach zu hören sind; frei von Wortfehlern, sind sie mit dem Geist zu erfassen und anzunehmen.
Wort für Wort
etāni viṣayāṇi āhuḥ
diese werden als die [rechten] Gegenstände bezeichnet
tatroktānantasuguṇaṃ nirdeṣaṃ jñeyamīśvaram / gamyaṃ satyaṃ ca sukhacinmayaṃ viṣṇuṃ sanātanam
Darin wird der Herr verkündet, von endlosen guten Eigenschaften, ohne Fehl, erkennbar, erreichbar, wahrhaft, aus Wonne und Bewusstsein bestehend – Viṣṇu, der Ewige,
Wort für Wort
tatra ukta-ananta-su-guṇam
darin wird [er] verkündet, von endlosen guten Eigenschaften
nirdeṣam jñeyam īśvaram
der Herr, ohne Fehl, erkennbar
gamyam satyam ca
erreichbar, wahrhaft
sukha-cit-mayam viṣṇum sanātanam
aus Wonne und Bewusstsein bestehend, Viṣṇu, der Ewige
ātmeśvaraṃ hariṃ bhaktyopāsyamuktā bhavanti hi / kuśāstreṣūktadurmārge heyatā buddhisaṃyutam
...das Selbst [und zugleich] der Herr – Hari, der durch Hingabe zu verehren ist; [die ihn so verehren,] werden fürwahr befreit, [und bleiben dabei] ausgestattet mit der Einsicht, dass der in schlechten Lehrschriften gelehrte Irrweg zu verwerfen ist.
Wort für Wort
ātma-īśvaram harim
das Selbst [und zugleich] der Herr, Hari
bhaktyā upāsyam
der durch Hingabe zu verehren ist
muktāḥ bhavanti hi
werden fürwahr befreit
kuśāstreṣu ukta-durmārge heyatā
dass der in schlechten Lehrschriften gelehrte Irrweg zu verwerfen ist