Paṭala 2: Dvitīyo 'dhyāyaḥ (Paratattvanirṇaya, Prathamaparicchedaḥ)
Zweiter Adhyāya – Puruṣa und die vierfache Emanation (Vyūha): von Vāsudeva bis zur endlosen Form
Zweiter Adhyāya der Prakāśa-Saṃhitā (Pāñcarātra), gelehrt von Śrī Haṃsa. Hari nimmt die Gestalt 'Puruṣa' an; aus ihm entstehen die vier Vyūhas Vāsudeva, Saṅkarṣaṇa, Pradyumna, Aniruddha, denen jeweils eine Farbe, ein kosmisches Urbild (Brahmā, Śeṣa, Kāma, Aniruddha der Sage) und eine Funktion (Befreiung, Herrschaft, Schutz, Schöpfung) zugeordnet werden. Es folgt eine abgestufte numerische Emanationsreihe (5-8-9-10-12-16-23-24-50-60-100-1000-endlos), die in der ungeteilten, endlosen Form Haris mündet. Kapitel schließt mit der Vereinigung mit der ebenfalls vielgestaltig gewordenen Ramā/Śrī und dem Beginn der eigentlichen Schöpfung (Aja/Brahmā). Quelle: GRETIL prakassu.htm (Sansknet-Projekt, keine benannte moderne kritische Edition – gemeinfrei nutzbar).
So gepriesen, erhob sich der Erhabene sogleich; Hari, [dessen eigentlicher] Name 'das Leere' [d.h. der Formlose, Namenlose] ist, nahm daraufhin einen Körper namens 'Puruṣa' an.
Wort für Wort
saṃstutaḥ
gepriesen
bhagavān
der Erhabene
evam
so
tadā eva
sogleich
utthāya
sich erhebend
keśavaḥ
Keśava
śūnyanāmā
dessen Name 'das Leere' ist
atha
daraufhin
jagṛhe
nahm an
puruṣākhyām
namens Puruṣa
tanum
Körper
hariḥ
Hari
[?] 'paruṣākhyāṃ' im Quelltext – vermutlich Schreibfehler für 'puruṣākhyāṃ' ('namens Puruṣa'), so übersetzt.
Puruṣa, der ungeteilte Same aller manifesten Formen, stand da; er, dessen Selbst endlos (ananta) ist, dessen Körper alles durchdringt, wird 'der, dessen Bauch das Weltall ist' (viśvakukṣi) genannt.
Weiß, rot, gelb [und] dunkelblau sind Vāsudeva und die anderen der Reihe nach; Hari, dessen Körper von ihm selbst frei gewählt ist, [nimmt diese Formen an] zur Befreiung, zur Herrschaft(?), zum Schutz und zur Schöpfung.
Wort für Wort
śveta-rakta-pīta-nīlāḥ
weiß, rot, gelb, dunkelblau
vāsudeva-ādayaḥ
Vāsudeva und die anderen
kramāt
der Reihe nach
muktyai
zur Befreiung
aihṛtyai
zur Herrschaft(?)
tathā guptai
und zum Schutz
sṛṣṭyai
zur Schöpfung
svecchā-tanuḥ hariḥ
Hari, dessen Körper von eigenem Willen [angenommen] ist
[?] 'aihṛtyai' unklar/vermutlich verderbt (evtl. für 'aiśvaryāya', 'zur Herrschaft'); so sinngemäß übersetzt.
Die Göttin Ramā, deren [eigentlicher] Name 'die Leere' ist, nahm, zu Śrī geworden, Zuflucht bei Puruṣa; sie selbst, zu Māyā [und] Jayā geworden, wird [auch] Kṛti [und] Śānti genannt.
Wort für Wort
śūnya-nāmnī
deren Name 'die Leere' ist
ramā-devī
die Göttin Ramā
śrīḥ bhūtvā
zu Śrī geworden
puruṣam āśritā
bei Puruṣa Zuflucht nehmend
sā eva
sie selbst
māyā jayā bhūtvā
zu Māyā [und] Jayā geworden
kṛtiḥ śāntiḥ iti īritā
'Kṛti' [und] 'Śānti' genannt
[?][Anm.] Sehr dichte/unklare Stelle; vermutlich werden hier die vier Gefährtinnen der vier Vyūhas benannt (Śrī–Vāsudeva, Jayā/Māyā–Saṅkarṣaṇa, Kṛti–Pradyumna, Śānti–Aniruddha o.ä.), parallel zu V.3-4; sinngemäß statt wortwörtlich übersetzt.
Saṅkarṣaṇa, tausendantlitzig, ist die Urform, deren Abbild der Schlangenkönig [Śeṣa] ist; Pradyumna, dessen Selbst die Urform des Liebesgottes (Māra) ist, hat eine überaus schöne Gestalt.
Wort für Wort
saṅkarṣaṇaḥ sahasrāsyaḥ
der tausendantlitzige Saṅkarṣaṇa
phaṇirāṭ-bimba-rūpakaḥ
die Urform, deren Abbild der Schlangenkönig ist
pradyumnaḥ māra-bimba-ātmā
Pradyumna, dessen Selbst die Urform Māras (des Liebesgottes) ist
Aniruddha [der Vyūha] ist die Urform des Aniruddha, des Sohnes des Liebesgottes [Pradyumna]. Hari [nahm] eine fünffache Gestalt, angeführt von 'Sakṛddholka', [und] eine achtfache Gestalt, angeführt von 'Viśva' [an].
Wort für Wort
aniruddhakaḥ
Aniruddha [der Vyūha]
kāma-putrasya aniruddhasya
des Aniruddha, des Sohnes des Liebesgottes
bimba-ātmā
die Urform
sakṛddholka-ādi pañca-ātmā
fünffach, angeführt von Sakṛddholka
viśva-ādi aṣṭa-tanuḥ hariḥ
Hari, achtkörperig, angeführt von Viśva
[Anm.] Beginn einer numerischen Emanationsreihe (5-8-9-10-12-16-23-24-50-60-100-1000-endlos), V.8-12, klassisches Pāñcarātra-Schema abgestufter Vyūhāntara-Formen (vgl. Lakṣmī-Tantra/Ahirbudhnya-Saṃhitā).
Er wurde neunfach, angeführt von 'Vimalā', zehngestaltig, angeführt von 'Matsya'; er wurde zwölffach, angeführt von 'Śakti', sechzehnförmig, angeführt von 'Dvāraka'.
Der, der höher als das Höchste ist, hatte eine dreiundzwanzigfache Gestalt, angeführt von 'Ānanda'; Hari wurde vierundzwanzigförmig, angeführt von 'Keśava'.
nārāyaṇādi śatakaḥ sa viśvādi sahasrakaḥ / parādyanantarūpobhūdātmabheda vivarjitaḥ
Er [wurde] hundertfach, angeführt von 'Nārāyaṇa', tausendfach, angeführt von 'Viśva'; [zuletzt], frei von Unterscheidung des Selbst, wurde er endlosförmig, angeführt von 'Parā' [der Höchsten].
Wort für Wort
nārāyaṇa-ādi śatakaḥ
hundertfach, angeführt von Nārāyaṇa
saḥ viśva-ādi sahasrakaḥ
er tausendfach, angeführt von Viśva
parā-ādi ananta-rūpaḥ abhūt
wurde endlosförmig, angeführt von Parā
ātma-bheda-vivarjitaḥ
frei von Unterscheidung des Selbst
[Anm.] Abschluss der Emanationsreihe: 100 → 1000 → endlos; die Vielheit löst sich in ungeteilter Einheit auf.
tadājñayaiva devī sā ramāpi bahurūpiṇī / sa tayānantarūpiṇyā anantarūpo ramāpatiḥ
Allein durch seinen Befehl wurde auch jene Göttin Ramā vielgestaltig; er, der Gemahl Ramās, endlosgestaltig, [vereinigte sich] mit ihr, der Endlosgestaltigen.
Der Born des Erbarmens, der beste der Puruṣas, obgleich in sich selbst ruhend, verbrachte, jener Göttin zur Freude, ein Achtel der Zeit der Auflösung [in dieser Vereinigung], und begann darauf, zu Beginn der Schöpfungszeit, Aja [Brahmā] und die anderen zu erschaffen.